KEYWORDS

Wohnungs­po­li­tik

Wohnungs­bau­pro­gramm

Bauin­dus­trie

Miete

Grund und Boden

Eigen­tum

Genos­sen­schaf­ten

Wohnungs­de­fi­zit

Aufbau

WOHNEN FÜR ALLE, BAUEN NACH PLAN

Das sozialistische Wohnungswesen in der DDR

Die Wohnungs­frage ist kein Novum der Gegen­wart. Sie ist so alt wie der Kapi­ta­lis­mus selbst — und sie ist unge­löst. Ange­sichts explo­die­ren­der Mieten, wach­sen­der Wohnungs­lo­sig­keit und ‑armut sowie massi­ver Immo­bi­li­en­spe­ku­la­tion stellt sich heute mit neuer Dring­lich­keit die Frage: Wie könnte eine andere Wohnungs­po­li­tik aussehen?

Die vierte Ausgabe der Studies on the DDR widmet sich dem sozia­lis­ti­schen Wohnungs­we­sen der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik. Ausge­hend von Kriegs­trüm­mern, Ressour­cen­man­gel und massi­ver Wohnungs­not verfolgt die Studie, wie in der DDR die Wohn­raum­ver­sor­gung aller zur staat­li­chen Aufgabe und zum verfas­sungs­mä­ßi­gen Grund­recht wurde. Nicht nur der Aufbau einer eige­nen Bauin­dus­trie, sondern auch die Zurück­drän­gung des Privat­ei­gen­tums an Grund und Boden, die staat­li­che Lenkung der Wohn­raum­ver­tei­lung sowie staat­lich fest­ge­legte Mieten waren dafür notwendig.

Der Text verfolgt die Entwick­lung des Wohnungs­we­sens entlang zentra­ler Etap­pen: von den recht­li­chen und städ­te­bau­li­chen Grund­la­gen der frühen DDR über die Indus­tria­li­sie­rung des Bauens und die großen Wohnungs­bau­pro­gramme bis hin zum Alltag in Haus­ge­mein­schaf­ten, Neubau­ge­bie­ten und Altbau­woh­nun­gen sowie dem inter­na­tio­na­len Wohnungs­bau der DDR. Dabei nimmt die Studie Erfolge wie Probleme des ambi­tio­nier­ten Wohnungs­baus ebenso in den Blick wie die rasche Abwick­lung der sozia­lis­ti­schen Wohn­ver­hält­nisse nach 1990.

Am 10.09.2026 um 19:30 Uhr stel­len wir die Studie im Café Sibylle in der Karl-Marx-Allee 72, 10243 Berlin, vor. Der Eintritt ist frei. Mehr Infor­ma­tio­nen hier.

Inhaltsverzeichnis 

Einleitung: Wohnen in der DDR

„Wer baute das sieben­to­rige Theben?“, fragt der lesende Arbei­ter in Bertolt Brechts bekann­tem Gedicht von 1935, in welchem dieser seinen Platz und den seiner Klasse in der Geschichts­schrei­bung sucht.1 1951 wurde in der noch jungen Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik (DDR) mit dem Bau des ersten Hoch­hau­ses in Ost-Berlin begon­nen. Über dem Eingang des aus Kriegs­trüm­mern errich­te­ten, neun-stöcki­gen „Hoch­hau­ses an der Weber­wiese“ sind folgende Zeilen Brechts, der das Vorha­ben damals enthu­si­as­tisch verfolgte, eingemeißelt:

Friede in unse­rem Lande

Friede in unse­rer Stadt

Daß sie den gut behause

Der sie gebauet hat.

Inner­halb eines Jahres wird der Bau fertig­ge­stellt und zum Bezug über­ge­ben. Das Hoch­haus steht am Anfang der Geschichte des sozia­lis­ti­schen Wohnungs­baus in der DDR, wo erst­mals die Arbei­ter­klasse für sich baute und ihre eigene Geschichte schrieb.

Wie in den meis­ten osteu­ro­päi­schen Staa­ten in der zwei­ten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts wurde auch der Osten Deutsch­lands, die DDR, städ­te­bau­lich geprägt von einem groß­an­ge­leg­ten Wohnungs­neu­bau. Bis heute prägt dieser die städ­ti­sche Land­schaft Osteu­ro­pas, der ehema­li­gen Sowjet­union und Ostdeutsch­lands. Bereits zu DDR-Zeiten schie­den sich die Geis­ter an den in indus­tri­el­ler Bauweise herauf­ge­zo­ge­nen Neubau­vier­teln. So wurde sich über die Mono­to­nie der Blöcke beklagt, die unglei­che Fertig­stel­lung von Wohnung und Gesell­schafts­ein­rich­tun­gen oder die Tendenz zur Anony­mi­sie­rung in den Wohn­blö­cken. Abwer­tende Spitz­na­men wurden auserko-ren wie „Arbei­ter­schließ­fä­cher“, „Fick­zel­len mit Fern­hei­zung“ oder „Wohn­si­los“. Aller­dings war die Zufrie­den­heit unter denen, die dort lebten hoch, insbe­son­dere weil der Wohn­kom­fort mit Einbau­kü­che, Fern­wärme, Fahr­stuhl, Müll­schlu­cker und Dusche äußerst modern war. Darüber hinaus stell­ten die kurzen Wege, die Ruhe vor dem Verkehr und die Entde­ckungs­mög­lich­kei­ten für Kinder zufrie­den.2

Das, was vom Wohnungs­bau und der Städ­te­ar­chi­tek­tur der DDR blieb, ist nach 1990 noch hefti­ger umstrit­ten: Die Plat­ten­bau­vier­tel wurden plötz­lich zu Synony­men für Armut, Herun­ter­ge­kom­men­heit und soziale Ausgren­zung – ganz wie im Westen. Mit Abris­sen, Priva­ti­sie­run­gen, neuen Miet­ver­hält­nis­sen und ‑prei­sen sowie dem Rück­bau der sozia­len Infra­struk­tur und der Aufwer­tung der Innen­städte als Konsum­zen­tren und Wohn­ge­gen­den für Besser­ver­die­nende passte sich das Erschei­nungs­bild der ostdeut­schen Plat­ten­bau­vier­tel der kapi­ta­lis­ti­schen Reali­tät west­li­cher Groß­städte an. Dabei war die Plat­ten­bau­weise der DDR nicht eigen, auch wenn sie zum Sinn­bild des „Ostens“ wurde. Wer auf das Leben der Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter im Westen schaut, sieht, dass auch diese in Plat­ten­bau­ten lebten. Was die Archi­tek­tur, den Städ­te­bau und ost- von west­deut­schen Leben aber wesent­lich unter­schied, war die plan­mä­ßige, auf Bedarf ausge­rich­tete Wohnungs­po­li­tik, die soziale Absi­che­rung und die soziale Durch­mi­schung mit der sie einherging.

Zwar such­ten in der DDR alle eine Wohnung – aber niemand war obdach­los. Viele waren unzu­frie­den – aber niemand musste Angst haben, gekün­digt zu werden. Immer war alles knapp – aber niemand musste sich sorgen, die Miete nicht zahlen zu können. Was heute unvor­stell­bar scheint, war in der DDR Reali­tät: Miete machte durch­schnitt­lich nur 3–5 Prozent des Einkom­mens aus, Kündi­gun­gen waren verbo­ten, es wurde unent­wegt gebaut. Und selbst was heute im Ange­sicht der Krise erst vor-stell­bar erscheint, war verwirk­licht in der DDR: Enteig­nung des Groß­grund­be­sit­zes, Zurück­drän­gung des Privat­ei­gen­tums sowie stabile und staat­lich fest­ge­legte Mieten.

Wohnen war ein gesell­schaft­li­ches Verhält­nis – zugleich war es, was Du draus gemacht hast: Die Archi­tek­tur­his­to­ri­ke­rin Simone Hain und ihr Mann Wolf­gang Schu­mann lebten im Neubau­ge­biet Berlin-Marzahn. Dort wie in vielen ande­ren Neubau­ge­bie­ten galt für die Planer die Devise, dass eine Schule, ein Kinder­gar­ten, eine medi­zi­ni­sche Einrich­tung oder eine S‑Bahn-Station nicht mehr als 600 m von der Wohnung entfernt sein dürfen.3 Die beiden erin­nern sich an die Situa­tion Mitte der 1980er Jahre:

„Man lernte sich kennen. Einem Haus­fest folgte das nächste; nach dem Bäum­epflan­zen wurde abends vor dem Haus gegrillt. Man half sich gegen­sei­tig beim Möbel­tra­gen und Kinder­be­auf­sich­ti­gen. Den Trocken­raum im 9. Stock bauten wir gemein­sam zum Klub­raum um – so rich­tig mit Bar. (…) Soziale Bezie­hun­gen, die Atmo­sphäre in Haus und Nach­bar­schaft wurden über­wie­gend posi­tiv (…) einge­schätzt.“4

Der Gleich­heits­an­spruch im Arbei­ter- und Bauern­staat garan­tierte allen verfas­sungs­mä­ßig Wohn­raum. Wie konnte der Staat das tun? Vor welche Heraus­for­de­run­gen wurde er dabei gestellt und welche Auswir­kun­gen hatte das auf die Gesell­schaft? Wie also wohnt/lebt es sich in einem solchen Staat? Die DDR ist kein verall­ge­mei­ner­ba­rer Fall, sie agierte unter ganz bestimm­ten Bedin­gun­gen, die u. a. von Sank­tio­nen und Mate­ri­al­man­gel bestimmt waren. Und doch zeigt sie, was möglich ist und das vieles von dem, was heute gefor­dert wird, einmal bereits versucht wurde.

In diesem Sinne ist diese vierte Studies on the DDR ein bewuss­ter Kommen­tar zu einer globa­len Entwick­lung bei der sich die Lage auf den Wohnungs­märk­ten in einem Tempo verschärft, dem die Poli­tik wirkungs­los hinter­her­rennt. Mieten stei­gen ohne Einhalt, Häuser sind Speku­la­ti­ons­masse und bezahl­ba­rer Wohn­raum fehlt während Löhne stagnie­ren und Sozi­al­leis­tun­gen gekürzt werden. Das Grund­pro­blem ist über­all dasselbe: Wohn­raum ist Ware. Als solche unter­liegt er den Geset­zen des Mark­tes — und dieser Markt produ­ziert seit Jahr­zehn­ten keine bezahl­ba­ren Wohnun­gen, sondern profi­ta­ble Vermö­gens­an­la­gen. Dabei sind Eigen­tü­mer wie Mieter dem Markt glei­cher­ma­ßen ausge­lie­fert, beide abhän­gig von Preis­ent­wick­lun­gen, die sie nicht kontrol­lie­ren. Miete­rin­nen und Mieter trifft es jedoch beson­ders hart, denn Miete bedeu­tet die reine Abschöp­fung des Lohns ohne Gegen­wert. Betriebs­kos­ten, Reno­vie­run­gen, selbst einfa­che „Schön­heits­re­pa­ra­tu­ren“ werden auf sie umge­legt, während Vermie­ter vom passi­ven Einkom­mens­fluss profi­tie­ren, ohne in ihre Bestände zu investieren.

Die in Deutsch­land geltende Faust­re­gel, nicht mehr als 30 Prozent seines Einkom­mens für die Netto­kalt­miete der Wohnung auszu­ge­ben, bröckelt. In Groß­städ­ten wie Berlin liegt der Durch­schnitt bei 27,1 Prozent mit stark stei­gen­der Tendenz, wobei gilt: Wer weni­ger Einkom­men hat, muss sowieso einen höhe­ren Anteil hier­von für die Miete berap­pen. Wohnen ist eine Armuts­falle.5 Wie viele Menschen alleine in Deutsch­land von dieser Form extre­mer Armut betrof­fen sind, lässt sich nicht genau sagen. Eine Studie des „Pari­tä­ti­schen Gesamt­ver­ban­des“ verweist darauf, dass die Zahl der in Deutsch­land von Armut Betrof­fe­nen unter Berück­sich­ti­gung von Wohn­kos­ten um 5,4 Millio­nen auf insge­samt 18,4 Millio­nen Menschen hoch­kor­ri­giert werden müsste.6 Die „Bundes­ar­beits­ge­mein­schaft Wohnungs­lo­sen­hilfe“ geht für das Jahr 2024 von etwa 1,03 Millio­nen wohnungs­lo­sen Kindern, Frauen und Männern aus, wovon 56.000 obdach­los sind.7 Dabei ist das Problem lösbar, denn der Wohnungs­not stehen unge­fähr 1,9 Millio­nen leere Wohnun­gen gegen­über.8 Wohnungs­lo­sig­keit ist aller­dings die Folge von Armut und eines Wohnungs­markts, in dem bezahl­ba­rer und passen­der Wohn­raum immer knap­per wird. Beson­ders der Rück­gang der Sozi­al­woh­nun­gen verschärft die Situa­tion, da auslau­fende Bindun­gen und fehlen­der Neubau viele mit stei­gen­den, unbe­zahl­ba­ren Mieten konfron­tiert. Im Jahr 2024 gab es bundes­weit 32.358 Zwangs­räu­mun­gen, die häufig unter Einsatz von Poli­zei­ge­walt durch­ge­führt werden.9 Das entspricht einem Anstieg von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einem Trend, der sich ange­sichts der wach­sen­den Wohn­ar­mut fort­zu­set­zen droht.10

Im Berli­ner Orts­teil Neu-Hohen­schön­hau­sen entstand in den 1980ern ein großes Neubau­ge­biet. Die Durch­schnitts­miete zu DDR-Zeiten betrug rund 3 Prozent des monat­li­chen Einkom­mens — heute liegt sie bei etwa 41,5 Prozent.

Doch Wider­stand regt sich. Durch euro­päi­sche Groß­städte und vom Touris­mus über­rannte Gebiete demons­trie­ren Tausende gegen Verdrän­gung, Zusam­men­schlüsse von Miete­rin­nen und Mietern formie­ren sich gegen Miet­erhö­hun­gen, Bewe­gun­gen fordern das Kappen von Mieten durch Mieten­de­ckel, das Verbot von Eigen­be­darfs­kün­di­gun­gen und die Verge­sell­schaf­tung von Wohn­raum, und selbst in bürger­li­chen Medien wird die Frage laut, ob Wohn­raum über­haupt dem Markt über­las­sen werden sollte. Doch woher rühren die Probleme und wie können sie nach­hal­tig beho­ben werden? Wie sähe eine sozia­lis­ti­sche Wohn(ungs)politik aus? Dazu möch­ten wir mit dieser Studie einen Debat­ten­bei­trag leisten.

Diese Studie widmet sich nicht nur der Wohnungs­po­li­tik, dem Aufbau einer staat­li­chen Bauin­dus­trie und den Wohnungs­bau­pro­gram­men, also den poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Entschei­dun­gen und Mitteln, der gesam­ten Bevöl­ke­rung plan­mä­ßig ange­mes­se­nen Wohn­raum zur Verfü­gung zu stel­len, sondern auch dem Leben in neu errich­te­ten Stadt­vier­teln und zerfal­len­den Altbau­ten; sie berich­tet von den Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten – und ihren Gren­zen – in Haus­ge­mein­schaf­ten, Nach­bar­schafts­kol­lek­ti­ven und Arbei­ter­woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaf­ten und von der staat­li­chen Förde­rung selbst­ge­stal­te­ten Wohnens. Außer­dem werfen wir einen nüch­ter­nen Blick auf die Gren­zen und Probleme, die den ambi­tio­nier­ten Plänen gesetzt waren.

Wir begin­nen mit den Ursa­chen: der Entste­hung der Wohnungs­frage im Kapi­ta­lis­mus des 19. Jahr­hun­derts, den ersten Lösungs­ver­su­chen und ihrer begrenz­ten Reich­weite — und den Ausgangs­be­din­gun­gen im Osten Deutsch­lands unmit­tel­bar nach Kriegs­ende. Die folgen­den Kapi­tel behan­deln die recht­li­che und insti­tu­tio­nelle Sozia­li­sie­rung der Wohnungs­po­li­tik in den Anfangs­jah­ren der DDR, die Indus­tria­li­sie­rung des Bauens und die großen Baupro­gramme der späte­ren Jahr­zehnte, den Wohnall­tag der Bevöl­ke­rung sowie den inter­na­tio­na­len Wohnungs­bau­ex­port. Den Abschluss bildet der Umgang mit dem Erbe der „Ostmo­derne“ nach 1990.

Die Entstehung der „Wohnungsfrage“ im Kapitalismus

Wohn­raum­man­gel ist kein neues Phäno­men und eng verfloch­ten mit der Entwick­lung des Kapi­ta­lis­mus selbst. Die im Prozess der ursprüng­li­chen Akku­mu­la­tion – dem Über­gang vom Feuda­lis­mus zum Kapi­ta­lis­mus durch Land­nahme – ausge­löste Land­flucht trieb Unzäh­lige in die Städte und entste­hen­den Indus­trie­zen­tren, wo die Eigen­tums­frage und die Not des Wohnens von Beginn an untrenn­bar mitein­an­der verknüpft waren. Bereits im 19. Jahr­hun­dert machte die rasante Verstäd­te­rung das Wohne­lend der arbei­ten­den Klas­sen sicht­bar. Bevöl­ke­rungs­be­we­gun­gen vom Land in die Stadt trafen auf fehlende Infra­struk­tur. Über­be­legte Wohn­räume, Behelfs­bau­ten sowie schlechte Licht‑, Luft- und Hygie­never­hält­nisse förder­ten Krank­hei­ten und präg­ten die Lebens­be­din­gun­gen vieler Menschen.

 Dieser Verelen­dungs­pro­zess erzeugte das, was unter dem Begriff „Wohnungs­frage“ bis heute disku­tiert wird. In seiner gleich­na­mi­gen Arti­kel­se­rie von 1872/3 analy­sierte Fried­rich Engels (1820–1895) diese Zustände nicht als zufäl­li­ges Versa­gen, sondern als ein „notwen­di­ges Erzeug­nis der bürger­li­chen Gesell­schafts­form“11. Sie ist also ein struk­tu­rel­les Merk­mal der kapi­ta­lis­ti­schen Ordnung, in welcher der Arbei­te­rin und dem Arbei­ter nichts ande­res übrig bleibt als ihre Arbeits­kraft dort zu verkau­fen, wo es Arbeit gibt und in welcher „der Haus­be­sit­zer, in seiner Eigen­schaft als Kapi­ta­list, nicht nur das Recht, sondern, vermöge der Konkur­renz, auch gewis­ser­ma­ßen die Pflicht hat, aus seinem Haus­ei­gen­tum rück­sichts­los die höchs­ten Miet­preise heraus­zu­schla­gen“.12

Schon früh erkann­ten die Sozia­lis­ten, dass ein gesun­des Wohnen nicht nur abhän­gig ist von tech­ni­schen, stadt­pla­ne­ri­schen und archi­tek­to­ni­schen Lösun­gen, sondern vor allem eine soziale Frage ist. Sie rück­ten die gesell­schaft­li­chen Ursa­chen der Wohnungs­not in den Mittel­punkt, die ihnen als sicht­ba­rer Ausdruck der Klas­sen­un­ter­schiede im Kapi­ta­lis­mus galt – ein Problem, das nur durch tief­grei­fende gesell­schaft­li­che Verän­de­run­gen lösbar sei. Prak­ti­sche Antwor­ten darauf waren etwa gemein­nüt­zige Wohnungs­bau­ge­nos­sen­schaf­ten, die häufig aus Gewerk­schaf­ten hervor­gin­gen. Nach dem Prin­zip der Selbst­hilfe bündel­ten sie das Kapi­tal ihrer Mitglie­der, errich­te­ten damit Wohnun­gen, blie­ben als Genos­sen­schaft selbst deren Eigen­tü­me­rin und über­lie­ßen sie ihren Mitglie­dern dauer­haft zur Nutzung gegen eine kosten­de­ckende Miete. Für die verelen­de­ten Massen in den Städ­ten war die Mitglied­schaft in einer Genos­sen­schaft jedoch oft unerschwinglich.

Die schlech­ten hygie­ni­schen Zustände in den Städ­ten bedroh­ten nicht zuletzt auch das Wohl­erge­hen des Bürger­tums und die dahin­sie­chen­den Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter zwan­gen auch die Kapi­ta­lis­ten an der Lösung der Wohnungs­frage mitzu­wir­ken. Bürger­lich-sozi­al­re­for­me­ri­sche Lösungs­an­sätze konzen­trier­ten sich daher auf Maßnah­men inner­halb der gege­be­nen gesell­schaft­li­chen Verhält­nisse, häufig als Maßnah­men „von oben“ und als Mittel zur Befrie­dung der sozia­len Verhält­nisse gedacht. Private Initia­ti­ven von bürger­li­chen Phil­an­thro­pen, gutmü­ti­gen Fabrik­her­ren, gemein­wohl­ori­en­tier­ten Bauge­sell­schaf­ten und kirch­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen waren aufge­ru­fen, Abhilfe zu schaffen.

Das führte zu keiner grund­le­gen­den Ände­rung der Verhält­nisse: Die Häuser und Wohnun­gen sowie der Boden auf dem sie stan­den blie­ben Privat­ei­gen­tum und die Markt­me­cha­nis­men intakt. Engels stellte heraus, dass das Wohnen der kapi­ta­lis­ti­schen Logik unter­wor­fen ist und bleibt – selbst in vermeint­lich wohl­tä­te­ri­schen Arbei­ter­sied­lun­gen großer Fabri­kan­ten. Nicht die Bedürf­nisse nach Gesund­heit, Ruhe und Zufrie­den­heit oder der Geld­beu­tel entschei­den über die Höhe der Miete. Viel­mehr sind es die Bau- und Repa­ra­tur­kos­ten, der Boden­preis und das örtli­che Wohn­an­ge­bot, die den Preis bestim­men.13 Engels schlägt gegen die Wohnungs­not mehrere Maßnah­men vor.14 Zum einen müsse der Leer­stand mit der bestehen­den Nach­frage vermit­telt werden. Zwei­tens könne die Bevöl­ke­rung ange­mes­sen auf das Land verteilt werden, um den Stadt-Land-Gegen­satz aufzu­he­ben. Die „ratio­nelle Benut­zung“ von Wohn­ge­bäu­den könne durch „Expro­pria­tion“ und „Bequar­tie­rung“, also die gesell­schaft­li­che Nutz­bar­ma­chung von priva­tem Wohn­ei­gen­tum, durch­ge­setzt werden.15 Jedoch, „[u]m dieser Wohnungs­not ein Ende zu machen, gibt es“, nach Engels, „nur ein Mittel: die Ausbeu­tung und Unter­drü­ckung der arbei­ten­den Klasse durch die herr­schende Klasse über­haupt zu besei­ti­gen.“16 Alle Versu­che, das Problem durch Refor­men und im Bünd­nis mit den herr­schen­den Klas­sen zu lösen, wären zum Schei­tern verurteilt.

Und tatsäch­lich: Weder sozia­lis­ti­sche Reform­kon­zepte noch bürger­li­che Phil­an­thro­pie konn­ten die Wohnungs­frage grund­sätz­lich lösen. Sie muss­ten wirkungs­los blei­ben, da sie weder vermoch­ten, Privat­ei­gen­tum anzu­rüh­ren noch den Bedin­gun­gen des Mark­tes zu entkom­men. Statt­des­sen wuch­sen die indus­tri­el­len Zentren an, in den euro­päi­schen Metro­po­len wurden Arbei­te­rin­nen und Arbei­ter mehr und mehr an die Stadt­rän­der verdrängt, der Mangel an Wohn­raum und seine Unbe­zahl­bar­keit mach­ten beengte und schlechte Lebens­ver­hält­nisse zur blei­ben­den Reali­tät für die Arbei­ter­klasse bis weit ins 20. Jahr­hun­dert hinein.

Die Ausgangssituation: Trümmer, Wohnungsnot und Neubeginn

Als im Mai 1945 in Europa die Waffen schwie­gen, lag der Konti­nent in Schutt und Asche. Am Ende des Krie­ges waren von den rund 18,8 Millio­nen Wohnun­gen in Nazi­deutsch­land knapp 4,8 Millio­nen zerstört, 13 Millio­nen Menschen waren obdach­los und 400 Millio­nen Kubik­me­ter Trüm­mer fielen an. „Niemals seit dem Ende des Drei­ßig­jäh­ri­gen Krie­ges hatten so viele Fami­lien in Deutsch­land keine ‚eigene Wohnung’ mehr, auch nicht die schlech­teste, die dürf­tigste“, stellte der Histo­ri­ker Jürgen Kuczyn­ski fest.17

Die Schä­den waren aller­dings unter­schied­lich verteilt. Bezo­gen auf den Wohnungs­be­stand von 1939 waren etwa in der Sowje­ti­schen Besat­zungs­zone (SBZ) neun bis zehn Prozent zerstört oder unbe­wohn­bar. Während aber etwa der Zerstö­rungs­grad auf dem Gebiet des heuti­gen Thürin­gens mit drei Prozent am gerings­ten ausfiel, war er in Prenz­lau, in der Nähe des umkämpf­ten Berlin, mit 80 Prozent beson­ders hoch.18

Schwer­punkt der unmit­tel­ba­ren Aufbau-Arbeit war die Enttrüm­me­rung und Wieder­her­stel­lung der Grund­ver­sor­gung, von Ener­gie und Nahrung bis zu Stra­ßen, Kran­ken­häu­sern, Schu­len und Fabri­ken. Diese Arbeit wurde insbe­son­dere von Frauen bewäl­tigt, wie hier in Leip­zig, 1949. (Quelle: Deut­sche Foto­thek, Renate Rössing)

Im Herbst 1946 lebten circa 17,2 Millio­nen Menschen in der SBZ. Das entspricht einem Zuwachs von rund 2,7 Millio­nen Menschen, wenn man das Jahr 1939 als Bezugs­punkt nimmt. Unter ihnen befan­den sich vor allem Kriegs­heim­keh­rer und soge­nannte Umsied­ler, die entspre­chend der Bestim­mun­gen des Pots­da­mer Abkom­mens aus den ehema­lig von Deutsch­land beset­zen Ostge­bie­ten in die SBZ kamen. Zunächst stieg die Bevöl­ke­rungs­zahl weiter an. Zeit­weise lebten 4,4 Millio­nen Geflüch­tete deut­scher Herkunft in der SBZ, was etwa 24 Prozent der Bevöl­ke­rung entsprach.19 Mit der Grün­dung der DDR nahm die Gesamt­be­völ­ke­rung jedoch wieder ab, sodass 1950 der Stand von 1946 erneut erreicht wurde.

Im Rahmen der Volks­zäh­lung von 1950 ging man davon aus, dass rund 4,9 Millio­nen Mehr­per­so­nen­haus­hal­ten etwa 1,3 Millio­nen Einper­so­nen­haus­halte gegen­über­stan­den.20 Dennoch gab es nur 4,65 Millio­nen Wohnun­gen in 1,9 Millio­nen Wohn­ge­bäu­den, von denen wiederum knapp die Hälfte Ein- bis Drei­zim­mer­woh­nun­gen waren. Über 90 Prozent dieser Wohnun­gen befan­den sich in massi­ven Wohn­ge­bäu­den. 870.000 Wohnun­gen waren Einfa­mi­li­en­häu­ser. Hinzu kamen etwa 300.000 soge­nannte Notwoh­nun­gen, also Wohnun­gen in Ruinen, Kellern oder Dach­ge­schos­sen. Auch Land­wirt­schafts­ge­bäude dien­ten zuwei­len als Wohnersatz.

Zunächst schnitt die SBZ in der Deckung des Wohn­be­darfs im Vergleich mit den west­li­chen Besat­zungs­zo­nen, deren indus­tri­elle Ballungs­zen­tren massiv zerstört waren, quan­ti­ta­tiv besser ab.21 Auf der quali­ta­ti­ven Ebene war sie aber im Nach­teil. Knapp eine Million des gesam­ten Wohnungs­be­stan­des war vor dem Jahr 1860 erbaut worden. Nur 36 Prozent der Wohnun­gen waren 1950 jünger als 50 Jahre alt. Der größte Teil der Wohnun­gen entsprach also nicht mehr den dama­li­gen kultu­rel­len und hygie­ni­schen Stan­dards und war zudem repa­ra­tur- und moder­ni­sie­rungs­be­dürf­tig. Berück­sich­tigt man diese Fakto­ren fehl­ten 1950 statis­tisch gese­hen etwa 1,3 Millio­nen Wohnun­gen.22

Auf die drama­ti­sche Wohnungs­not der Nach­kriegs­zeit reagier­ten verschie­dene poli­ti­sche Kräfte, darun­ter die im Juni 1945 wieder­ge­grün­dete KPD. Auf ihrer Partei­kon­fe­renz im März 1946 verab­schie­dete sie ein Wohnungs­pro­gramm, das eine konzen­trierte Wieder­auf­bau­of­fen­sive vorsah, getra­gen von aufein­an­der abge­stimm­ten Plänen der Gemein­den und Provin­zen. Voraus­set­zung dafür war der Aufbau einer Bauin­dus­trie mit gut ausge­bil­de­ten Fach­kräf­ten. Der Wohnungs­bau sollte sich zunächst auf kleine Wohnun­gen konzen­trie­ren und durch ein neues Planungs‑, Bau- und Boden­recht abge­si­chert werden. Das Programm sollte vor allem durch die Bour­geoi­sie und Grund­ei­gen­tü­mer finan­ziert werden, unter ande­rem durch eine „Baunot­steuer“, die Miet­über­schüsse sowie bestimmte Eigen­heime und Grund­be­sitz belas­tete. Jegli­ches Indus­trie­ei­gen­tum und private Kapi­tal­an­teile in der Wohnungs­wirt­schaft soll­ten in die öffent­li­che Hand über­ge­hen. Zentrale Elemente des Programms waren die schritt­weise Zurück­drän­gung des Privat­ei­gen­tums in der Wohnungs­wirt­schaft, die Verhin­de­rung von Boden­spe­ku­la­tion, die Re-Verstaat­li­chung ehemals gemein­nüt­zi­ger Wohnungs­bau­ge­sell­schaf­ten und die Förde­rung von Bauge­nos­sen­schaf­ten. Beglei­tet werden sollte dies durch eine strenge öffent­li­che Kontrolle des Miet­preis­rechts, das u. a. Miet­erhö­hun­gen unter­sagt, und eine sozial gerechte Wohnungs­ver­tei­lung. So sollte ehema­li­gen Nazi­ka­dern und ‑akti­vis­ten das Recht auf Wohn­ei­gen­tum aberkannt, dafür aber die Fami­lien der Opfer des Faschis­mus bevor­zugt mit Wohn­raum versorgt werden.23 Dieses Programm bildete den Ausgangs­punkt für die Wohn­po­li­tik der DDR.

Bodenrecht und Städtebau im Sozialismus

In den sich nach dem Zwei­ten Welt­krieg formie­ren­den sozia­lis­ti­schen Staa­ten wurden erst­mals die von Engels gefor­der­ten Bedin­gun­gen geschaf­fen, die „durch die Abschaf­fung der kapi­ta­lis­ti­schen Produk­ti­ons­weise (…) zugleich die Lösung der Wohnungs­frage möglich“24 mach­ten. Die Umwäl­zung der Eigen­tums- und Produk­ti­ons­ver­hält­nisse ermög­lichte eine Wohnungs­po­li­tik und eine Stadt­pla­nung, die sich nach dem Bedarf der Bevöl­ke­rung rich­tet. In der Sowje­ti­schen Besat­zungs­zone im Osten Deutsch­lands wurde diese Umwäl­zung durch eine Boden­re­form und die Enteig­nung von Kriegs­ver­bre­chern und Groß­grund­be­sit­zern voran­ge­trie­ben und durch weitere gesetz­li­che Rege­lun­gen der Einfluss von Eigen­tü­mern an Grund und Boden geschwächt.

Zurückdrängung des Privateigentums

In der frisch gegrün­de­ten DDR wurde die Wohnungs­ver­sor­gung als öffent­li­che Aufgabe aner­kannt und die recht­li­chen Rahmen­be­din­gun­gen geschaf­fen, um zu verhin­dern, dass priva­ter Gewinn mit Boden gemacht werden kann. Das poli­ti­sche Ziel, das Wohnen als Menschen­recht durch den Staat zu sichern, wurde in recht­lich verbind­li­che Formen über­führt. So heißt es in der ersten Verfas­sung der DDR von 1949:

„(1) Die Vertei­lung und Nutzung des Bodens wird über­wacht und jeder Mißbrauch verhü­tet. Die Wert­stei­ge­rung des Bodens, die ohne Arbeits- und Kapi­tal­auf­wen­dung für das Grund­stück entsteht, ist für die Gesamt­heit nutz­bar zu machen.


(2) Jedem Bürger und jeder Fami­lie ist eine gesunde und ihren Bedürf­nis­sen entspre­chende Wohnung zu sichern. Opfer des Faschis­mus, Schwer-Körper­be­hin­derte, Kriegs­ge­schä­digte und Umsied­ler sind dabei bevor­zugt zu berück­sich­ti­gen.“25

Auch die im Wohnungs­pro­gramm der KPD formu­lier­ten Maßnah­men fanden Eingang in gesetz­li­che Rege­lun­gen, welche die konkrete staat­lich gelenkte Praxis anlei­te­ten. Am 6. Septem­ber 1950 verab­schie­dete die Volks­kam­mer – das Parla­ment der DDR – das „Aufbau­ge­setz“26, welches den Wieder­auf­bau des Landes umfas­send regelte. Zunächst legte es die loka­len Schwer­punkte fest und erklärte die Ratio­na­li­sie­rung des Bauwe­sens zum zentra­len Motor der künf­ti­gen Entwick­lung. Mit ihm wurden weiter­hin die Planungs­ho­hei­ten neu geord­net. Während die entspre­chen­den Minis­te­rien über die grund­le­gen­den städ­ti­schen Funk­tio­nen wie Indus­trie, Verwal­tung und Kultur entschie­den, erar­bei­te­ten die Gemein­den ihre eige­nen Aufbau- und Bebau­ungs­pläne, die vom Minis­te­rium für Aufbau bestä­tigt werden muss­ten. Von beson­de­rer Bedeu­tung war § 14 des Aufbau­ge­set­zes, der es der Regie­rung erlaubte, ganze Städte oder Gemein­den zu Aufbau­ge­bie­ten zu erklä­ren und Grund­stü­cke gegen Entschä­di­gung zu enteig­nen. Diese Bestim­mun­gen erlaub­ten eine ganz­heit­li­che Stadt­pla­nung durch das Zurück­drän­gen priva­ter Kapi­tal­in­ter­es­sen und die Möglich­keit des Zugriffs des Staa­tes auf weit­räu­mige Bauflä­chen. Entschä­di­gun­gen erfolg­ten auf Grund­lage staat­lich fest­ge­leg­ter Boden­preise und fanden wegen finan­zi­el­ler Engpässe erst ab 1960 rück­wir­kend auf Basis der Preise von 1936 statt.27

Schritt für Schritt sollte das Privat­ei­gen­tum an Grund und Boden in Volks­ei­gen­tum über­führt oder zumin­dest irrele­vant werden.28 Die Wohnung wurde eine staat­li­che Leis­tung, im Rahmen der Plan­wirt­schaft bereit­ge­stellt, um ein wesent­li­ches Grund­be­dürf­nis der Menschen zu befrie­di­gen. Indem die DDR der Wohnung ihren Waren­cha­rak­ter absprach ermög­lichte sie, das Recht auf Wohnen verfas­sungs­recht­lich zu garan­tie­ren. In der Verfas­sung von 1968 (und in der novel­lier­ten Verfas­sung von 1974) heißt es im Kapi­tel Grund­rechte und Grund­pflich­ten der Bürger in Arti­kel 37:

„1. Jeder Bürger der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik hat das Recht auf Wohn­raum für sich und seine Fami­lie entspre­chend den volks­wirt­schaft­li­chen Möglich­kei­ten und örtli­chen Bedin­gun­gen. Der Staat ist verpflich­tet, dieses Recht durch die Förde­rung des Wohnungs­baus, die Wert­erhal­tung vorhan­de­nen Wohn­raums und die öffent­li­che Kontrolle über die gerechte Vertei­lung des Wohn­raums zu verwirklichen.


2. Es besteht Rechts­schutz bei Kündigungen.


3. Jeder Bürger hat das Recht auf Unver­letz­bar­keit seiner Wohnung.“29

Trotz der Bemü­hun­gen um die Besei­ti­gung der Trüm­mer, großer Bauvor­ha­ben wie der Stalin­al­lee und der Errich­tung ganzer Städte wie Stalin­stadt, gelang es der DDR in den 1950er Jahren aber nicht, der Wohnungs­not schnell Abhilfe zu schaf­fen. Bis 1955 konn­ten nur etwa 30.000 Neuwoh­nun­gen pro Jahr gebaut werden, womit die DDR den letz­ten Platz unter den Indus­trie­na­tio­nen einnahm. Die bishe­ri­gen Vorha­ben und Heran­ge­hens­wei­sen erwie­sen sich als zu teuer und zu aufwendig.

Damit waren Ende der 1960er Jahre die poli­ti­schen Insti­tu­tio­nen, ökono­mi­schen und juris­ti­schen Grund­la­gen in der DDR geschaf­fen, die für eine Verge­sell­schaf­tung des Wohnens notwen­dig sind. Der Wohn­raum wurde staat­lich gelenkt, wie es in § 96 des Zivil­ge­setz­bu­ches hieß: „Zur Gewähr­leis­tung des Grund­rechts der Bürger auf Wohn­raum und zur Siche­rung einer gerech­ten Vertei­lung unter­liegt der gesamte Wohn­raum der staat­li­chen Lenkung unter Mitwir­kung von Kommis­sio­nen der Bürger in den Wohn­ge­bie­ten und Betrie­ben.“ Miet­ver­hält­nisse wurden also nicht auf einem freien Markt geschlos­sen, sondern behörd­lich gere­gelt. Damit war der Waren­cha­rak­ter der Wohnung aufge­ho­ben. Das galt auch für die zahl­rei­chen Wohnun­gen und Häuser, die im Privat­be­sitz verblie­ben. Das waren nach offi­zi­el­len Anga­ben im Jahr 1989 rund 41 Prozent der sieben Millio­nen Wohnun­gen – ein bedeu­tend höhe­rer priva­ter Anteil als in ande­ren Teilen der Wirtschaft.

Das Ziel des Gesetz­ge­bers bestand darin, einmal, dass das Privat­ei­gen­tum, das eine Demo­kra­ti­sie­rung der Gesell­schaft blockierte, seine gesell­schafts­po­li­ti­sche Rele­vanz verlie­ren sollte und zum ande­ren, dass die Nutze­rin­nen und Nutzer der Wohnun­gen bzw. die Miet­ge­mein­schaf­ten an der Gestal­tung, Pflege und Instand­hal­tung ihres Wohn­raums akti­ven Anteil nehmen soll­ten. Dafür soll­ten „die Betriebe der Gebäude- und Wohnungs­wirt­schaft für die von ihnen verwal­te­ten Wohn­häu­ser mit den Mieter­ge­mein­schaf­ten Verträge [schlie­ßen], in denen die beider­sei­ti­gen Rechte und Pflich­ten fest­ge­legt werden.“30 Solche Verträge wurden auch für priva­tes Wohnungs­ei­gen­tum abge­schlos­sen und konn­ten regel­mä­ßige wie unre­gel­mä­ßige Arbeits­ein­sätze zur Pflege von Außen­be­rei­chen, Verwal­tung und Nutzung von Gemein­schafts­räu­men, die Anschaf­fung von kollek­tiv genutz­ten Arbeits­mit­teln usw. beinhalten.

Der Aufbau einer sozialistischen Bauwirtschaft

Paral­lel zur recht­li­chen Absi­che­rung des Wohnungs­ziels wurde der Aufbau einer zentral gesteu­er­ten Bauwirt­schaft in der DDR voran­ge­trie­ben, ohne die die ambi­tio­nier­ten poli­ti­schen Ziele nicht umsetz­bar gewe­sen wären. Das Bauwe­sen wurde umfas­send in die Gesamt­pla­nung der Wirt­schaft durch die Staat­li­che Plan­kom­mis­sion (SPK) einbe­zo­gen. Volks­ei­gene Baube­triebe wurden gezielt ausge­baut und dräng­ten den Anteil priva­ter Unter­neh­men syste­ma­tisch zurück.

Die Planungs­struk­tur war mehr­stu­fig und bedarfs­ori­en­tiert. Lokale Plan­kom­mis­sio­nen auf Bezirks- und Kreis­ebene ermit­tel­ten den konkre­ten Bedarf und entschie­den in Abspra­che mit der SPK über die Ressour­cen­ver­tei­lung. Ihre Plan­zif­fern gaben den Rahmen vor, in dem das Minis­te­rium für Aufbau (ab 1958 Minis­te­rium für Bauwe­sen) agie­ren konnte. In den Bezir­ken entstan­den Projek­tie­rungs­bü­ros mit Außen­stel­len in den Krei­sen, die konkrete Bauauf­ga­ben von den Bauäm­tern erhiel­ten. So wurden Bedarfs­er­mitt­lung, Mate­ri­al­ver­sor­gung und Bau in einer Hand gebün­delt.31

Anders als im Kapi­ta­lis­mus entschie­den nicht Markt- oder Kapi­tal­in­ter­es­sen darüber, was und wie gebaut wurde, sondern der lokal ermit­telte Bedarf im Abgleich mit den natio­na­len Ressour­cen. Dass der zentra­len Planung dabei ein Prozess von unten nach oben zugrunde lag, ergänzt von einer durch die SPK vermit­tel­ten Verfüg­bar­keit, wird in heuti­gen Darstel­lun­gen der Plan­wirt­schaft häufig außer Acht gelas­sen. In der DDR stan­den alle Instru­mente der Wohn­po­li­tik unter staat­li­cher Lenkung. Wider­sprüch­li­che Inter­es­sen — wie heute von Grund­be­sit­zern, Inves­to­ren, Speku­lan­ten, Vermie­tern, Baufir­men — wurden überwunden.

Das Minis­te­rium trieb zugleich die Indus­tria­li­sie­rung des Bauens voran: Normung, Typi­sie­rung, Mecha­ni­sie­rung.32 Es förderte die Akti­vis­ten- und Wett­be­werbs­be­we­gung, die seit Ende der 1940er Jahre erhöhte Arbeits­leis­tung mit sozia­lis­ti­schem Arbeits­ethos verband, und sicherte die plan­mä­ßige Ausbil­dung von Inge­nieu­ren und Archi­tek­ten — vor allem aus der Arbei­ter­klasse und Bauern­schaft.33 1951 wurde die Bauaka­de­mie der DDR gegrün­det, um die Grund­la­gen­for­schung, Mate­ri­al­ent­wick­lung, Typi­sie­rung, Archi­tek­tur­theo­rie und Kader­aus­bil­dung unter einem Dach zu verei­nen.34

Die 16 Grundsätze des Städtebaus

Der Städ­te­bau und die Archi­tek­tur in der DDR wurden zudem durch gesell­schaft­li­che Debat­ten geprägt, die sich poli­tisch in verschie­de­nen grund­le­gen­den Program­men nieder­schlu­gen und der Baupra­xis immer neue Impulse gaben. Von beson­de­rer Bedeu­tung sind die „16 Grund­sätze des Städ­te­baus“35, die im Juli 1950 als Beilage zum Aufbau­ge­setz verab­schie­det wurden. Voraus­ge­gan­gen war ihnen eine Dele­ga­ti­ons­reise von Baupo­li­ti­kern, Stadt­pla­nern und Archi­tek­ten in die Sowjet­union. Ange­lehnt an die Stadt­ge­stal­tun­gen Moskaus, Lenin­grads und Kiews formu­lier­ten die Grund­sätze weit mehr als tech­ni­sche Leit­li­nien. Sie verstan­den sich als gesell­schafts­po­li­ti­sche Direk­ti­ven, die das Bauen in und an den Städ­ten grund­le­gend bestim­men sollten.

Die Stadt sollte den Anspruch auf Arbeit, Wohnen, Kultur und Erho­lung in ausge­wo­ge­ner Weise erfül­len. Ihr Ausbau hatte sich an den städ­te­bil­den­den Fakto­ren Indus­trie, Verwal­tung und Kultur zu orien­tie­ren, wobei in Haupt­städ­ten Verwal­tung und Kultur bewusst Vorrang vor der Indus­trie erhiel­ten. Das Stadt­zen­trum galt als poli­ti­sches, admi­nis­tra­ti­ves und kultu­rel­les Herz, geprägt von monu­men­ta­len Bauten, groß­zü­gi­gen Plät­zen und klaren Achsen, die Raum für Demons­tra­tio­nen, Kultur und Austausch boten. Dadurch erfuh­ren Zentren und Magis­tra­len eine deut­li­che Aufwer­tung, oft auf Kosten histo­ri­scher Struk­tu­ren. In den 1960er Jahren entstan­den zudem markante Hoch­bau­ten, wie der Berli­ner Fern­seh­turm oder der Leip­zi­ger Uni-Riese am heuti­gen Augustusplatz.

Der Berli­ner Fern­seh­turm, 1979. (Quelle: Luccio1973 WC)

Anders als in west­deut­schen Städ­ten, wo insbe­son­dere dem Auto eine die Stadt bestim­mende Rolle zuge­schrie­ben wurde, sollte der Verkehr in der DDR die Stadt nicht unge­bühr­lich zerschnei­den. Durch­gangs- und Güter­ver­kehr soll­ten aus dem Zentrum genauso verbannt werden wie aus den Wohn­ge­bie­ten.36 Die Wohn­ge­biete, die 30.000 Einwoh­ne­rin­nen und Einwoh­ner und mehr umfass­ten, glie­dern sich in Wohn­be­zirke, deren Herz­stück die Bezirks­zen­tren bilden. Dort finden sich alle wich­ti­gen Einrich­tun­gen für das tägli­che Leben – von Kultur- über Sozial- bis zu Versor­gungs­ein­rich­tun­gen. Inner­halb dieser Bezirke entste­hen Wohn­kom­plexe, die wiederum mehrere Häuser­vier­tel für 5.000 bis 15.000 Bewoh­ner umfas­sen und mit Gärten, Schu­len, Kinder­gär­ten und Versor­gungs­ge­schäf­ten ausge­stat­tet sind, die den Alltag erleich­tern.37 Der städ­ti­sche Verkehr bleibt aus diesen Berei­chen heraus­ge­hal­ten, doch weder Wohn­kom­plexe noch Wohn­be­zirke sind als abge­schlos­sene Inseln gedacht. Ihre Struk­tur soll sich stets in das größere Gefüge der Stadt einfü­gen. Auch Begrü­nung, Licht und Luft gehö­ren zu den Grundsätzen.

Auch die Idee des „sozia­lis­ti­schen Dorfs“, also eines länd­lich gepräg­ten Ortes, der im Sinne des Sozia­lis­mus durch Boden­re­form und Indus­tria­li­sie­rung der Land­wirt­schaft umge­stal­tet wurde, zielte auf eine Annä­he­rung des länd­li­chen Raums an die Stadt ab. Träger dieser Entwick­lung waren die ab den 1950er Jahren etablier­ten Land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten (LPG). Einer­seits führ­ten sie indus­trie­mä­ßige Produk­ti­ons­me­tho­den ein, ande­rer­seits über­nah­men sie gesell­schaft­li­che Aufga­ben. Sie initi­ier­ten den Bau von Wohnun­gen, Stra­ßen, Kultur- und Bildungs­ein­rich­tun­gen, förder­ten Dorf­feste und Kultur und wurden so zu prägen­den Kräf­ten, die über­lie­ferte dörf­li­che Denk­wei­sen und Tradi­tio­nen aufbra­chen.38

Entschei­dend zum Verständ­nis der Baukul­tur der DDR ist, dass Stadt­pla­nung, Archi­tek­tur und Wohnen nicht mehr als getrennte Berei­che begrif­fen wurden. Statt­des­sen soll­ten sie als eine hier­ar­chi­sche Einheit verstan­den werden: Wohn­raum, Wohnung, Wohn­haus, Wohn­ge­biet, Stadt und Sied­lungs­raum.39 Diese groß­flä­chige und weit­sich­tige Planung war möglich, weil das Privat­ei­gen­tum seine domi­nante Rolle verlor. Anders als heute konkur­rier­ten keine Profit­in­ter­es­sen – z. B. Kauf­häu­ser und Luxus­vil­len – mit gesell­schaft­li­chen Bedürf­nis­sen – z. B. nach Grün­flä­chen, ÖPNV und sozio­kul­tu­rel­len Einrich­tun­gen – um städ­ti­sche Flächen. Statt­des­sen konn­ten diese ganz­heit­lich geplant und gebaut werden.

Mit ihrem Stadt­kon­zept fügte sich die DDR mit einer eige­nen Stimme in eine inter­na­tio­nale städ­te­bau­li­che Entwick­lung ein. So gab es beispiels­weise die 1943 als Mani­fest veröf­fent­lichte „Charta von Athen”, die nach dem Zwei­ten Welt­krieg große Wirkung entfal­tete. In ihr wurden die Folgen von Indus­tria­li­sie­rung und Boden­spe­ku­la­tion scharf kriti­siert: dichte Städte, schlechte Wohn­ver­hält­nisse und mangelnde Grün­flä­chen. Zwar liegen der Charta wie den 16 Grund­sät­zen eine am Menschen orien­tierte Planung zugrunde, doch vor dem Hinter­grund unter­schied­li­cher gesell­schaft­li­cher Grund­la­gen stellte der Archi­tek­tur­his­to­ri­ker Kurt Jung­hanns auch gravie­rende Unter­schiede fest: Während die Athe­ner Charta vom bürger­li­chen Indi­vi­duum, der Wohnung und dem Verkehr ausgehe, würden die 16 Grund­sätze die sozia­lis­ti­sche Gesell­schaft, Kultur und den poli­tisch verstan­de­nen öffent­li­chen Raum in den Mittel­punkt stel­len.40

Kunst am Bau als Programm

Die Wohnungs- und Stadt­po­li­tik der DDR verband archi­tek­to­ni­sche Visio­nen mit gesell­schaft­li­chen Utopien. Stadt­pla­nung, Wohnungs­bau und Kultur galten nicht nur als tech­ni­sche Aufga­ben, sondern als zentrale Mittel zur Gestal­tung einer sozia­lis­ti­schen Lebens­weise. Archi­tek­tur, Kunst und Planung soll­ten den Alltag prägen, Nach­bar­schaf­ten stär­ken und neue Formen des Zusam­men­le­bens ermög­li­chen. Gleich­zei­tig offen­ba­ren sich in der Praxis Span­nun­gen zwischen Anspruch und Wirk­lich­keit, zwischen staat­li­cher Steue­rung, Mangel­ver­wal­tung und den alltäg­li­chen Aneig­nun­gen der Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner, die das Leben in den Städ­ten entschei­dend gestalteten.

Kunst am Bau fungierte als Gelenk zwischen Archi­tek­tur, Stadt­pla­nung und Poli­tik. Immer wieder waren die Gestal­tungs­vor­ha­ben beglei­tet von öffent­li­chen und fach­in­ter­nen Debat­ten darum, wer in welchem Auftrag den gesell­schaft­li­chen Raum gestal­tet oder wie dieje­ni­gen, die mit der Kunst in ihrem Alltag leben, hier­auf Einfluss ausüben können. Auch insti­tu­tio­nell wurde die Kunst am Bau im Bauwe­sen veran­kert. So gab es in den Bezir­ken Büros für raum­be­zo­gene Kunst, wo Bau- und Kunst­schaf­fende mitein­an­der Konzepte entwar­fen.41

Die seit 1952 bestehende „Anord­nung über die künst­le­ri­sche Ausge­stal­tung von Verwal­tungs­bau­ten“ sah beispiels­weise vor, dass 1 bis 2 Prozent der Baukos­ten für die künst­le­ri­sche Gestal­tung der Gebäude frei­ge­hal­ten werden soll­ten. Die 1965 veröf­fent­lich­ten „Grund­sätze der Planung und Gestal­tung der Städte in der Peri­ode des umfas­sen­den Aufbaus des Sozia­lis­mus“ hiel­ten ergän­zend fest, dass öffent­li­che Gebäude wirt­schaft­lich und modern gebaut werden und zugleich „das Neue unse­rer sozia­lis­ti­schen Gesell­schaft sicht­bar machen“ soll­ten.42

Das email­lierte Wand­bild „Inter­na­tio­nale Soli­da­ri­tät“ von Maler Willi Neubert hängt bis heute noch in der Nähe des Bahn­hofs in Thale/Harz. (Quelle: Jörg Blobelt)

Diese Anord­nun­gen wurden auch auf den Wohnungs­bau ausge­wei­tet. Dabei reich­ten die Möglich­kei­ten von der deko­ra­ti­ven Fassa­den­ge­stal­tung bis hin zur Glie­de­rung von öffent­li­chen Plät­zen.43 Der als Mittel zur Huma­ni­sie­rung der Lebens­welt begrif­fene indus­tri­elle Wohnungs­bau wurde damit auch in die Formu­lie­rung allge­mei­ne­rer Kultur­kon­zepte einbe­zo­gen. In gegen­wär­ti­gen Wohn­kämp­fen wird die ästhe­tisch-kultu­relle Seite der Wohnungs­frage kaum berücksichtigt.

Bauen im Kollektiv

Die Vorha­ben der Regie­rung und der Anspruch, allen ange­mes­se­nen Wohn­raum zur Verfü­gung zu stel­len konn­ten in der von Zerstö­rung und Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen gepräg­ten Nach­kriegs­zeit und unter den Bedin­gun­gen einer von Sank­tio­nen und begrenz­ten Ressour­cen gehemm­ten Wirt­schaft nur gelöst werden, wenn alle mit anpack­ten. (Auf)Bauen wurde zum gesell­schaft­li­chen Kraft­akt, in den die Bevöl­ke­rung aktiv einbe­zo­gen wurde. Ob frei­wil­lige Trüm­mer­be­sei­ti­gung, Wohnungs­lot­te­rie, alter­na­tive Eigen­tums­for­men oder neue Arbeits­pro­zesse – durch die Jahr­zehnte kamen verschie­dene Metho­den und Anreize zur Anwen­dung, die alle­samt den Wohnungs­bau ankur­beln soll­ten. Staat­li­che Regu­lie­rung ging dabei Hand in Hand mit Massen­in­itia­ti­ven und Selbstorganisierung.

Das Nationale Aufbauwerk

Im Novem­ber 1951 wurde das „Natio­nale Aufbau­pro­gramm Berlin“ (ab 1952: Natio­na­les Aufbau­werk) gegrün­det, das ab 1953 auf die gesamte DDR ausge­wei­tet wurde. Mit diesem Programm wurden erst­mals staat­lich gelenkte, kollek­tive Formen des Wohnungs­baus erprobt, die den Wieder­auf­bau des Landes auf Grund­lage von Massen­in­itia­ti­ven und frei­wil­li­ger Arbeit voran­trei­ben sollte – es war also eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che poli­ti­sche Initia­tive, getra­gen von der Natio­na­len Front, dem Block der Parteien und Massen­or­ga­ni­sa­tio­nen der DDR.

Die Natio­nale Front:

Die mit der Grün­dung der DDR ausge­ru­fene Volks­be­we­gung der „Natio­na­len Front“ bezeich­net ein orga­ni­sa­to­ri­sches Dach aller Parteien und gesell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen und fungierte so als Schnitt­stelle zwischen der Bevöl­ke­rung und den poli­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen. Sie orga­ni­sierte u. a. die Volks­kam­mer­wah­len und war insbe­son­dere in den Wohn­ge­bie­ten aktiv etwa als Ausrich­ter des Wett­be­werbs „Schö­ner unsere Städte und Gemein­den – Mach mit!“. In den Ausschüs­sen der Natio­na­len Front waren über 300.000 Frei­wil­lige aktiv und orga­ni­sier­ten z. B. Nach­bar­schafts­feste oder Arbeits­ein­sätze zur Begrü­nung der Wohn­ge­gend gemein­sam mit Hausgemeinschaften.

Das erste große Vorha­ben des Programms war der Bau neuer Wohnun­gen entlang der Stalin­al­lee. Dafür wurde das zu bebau­ende Areal zum „Aufbau­ge­biet“ erklärt und vorab mehrere Wett­be­werbe veran­stal­tet, an denen hoch­ka­rä­tige und die weitere Entwick­lung der DDR prägende Archi­tek­ten teil­nah­men.44 Deren Entwürfe wurden in einer von 12.000 Menschen besuch­ten Ausstel­lung gezeigt, in der ausdrück­lich Kommen­tare seitens der Bevöl­ke­rung erwünscht waren. Die Bemer­kun­gen der Besu­che­rin­nen und Besu­cher und die Kriti­ken des Preis­ko­mi­tees führ­ten dazu, dass die fünf Gewin­ner einen gemein­sa­men Bebau­ungs­plan erar­bei­te­ten, der schließ­lich mit der poli­ti­schen Führung disku­tiert und modi­fi­ziert wurde.

Um die Enttrüm­me­rung voran­zu­brin­gen und das Bauvor­ha­ben an der Stalin­al­lee zu reali­sie­ren, sollte die Bevöl­ke­rung aktiv mit in den Bau einbe­zo­gen werden. Trüm­mer muss­ten besei­tigt werden, frei­wil­lige Helfe­rin­nen und Helfer soll­ten den Aufbau unter­stüt­zen und eine Lotte­rie, bei der durch eine finan­zi­elle Betei­li­gung von 3 Prozent des Monats­lohns ein Anrecht auf die Vergabe einer der zu bauen­den Wohnun­gen gewon­nen werden konnte, wurde ins Leben geru­fen. Das Ziel war, mehr als 100 Millio­nen Mark zu bekom­men, das Bauvor­ha­ben zu beschleu­ni­gen und die Bevöl­ke­rung von den neuen Verhält­nis­sen poli­tisch zu über­zeu­gen. Denn insbe­son­dere im Bausek­tor konzen­trier­ten sich viele ehema­lige NSDAP-Mitglie­der, da viele zur Trüm­mer­be­sei­ti­gung und zum Wieder­auf­bau verpflich­tet wurden und anschlie­ßend in der Bauwirt­schaft tätig waren. Neben 23.000 Fach­kräf­ten gelang es 1952, 45.000 Helfe­rin­nen und Helfer zu gewinnen.

Die Bauar­bei­ten fanden zwischen 1956 und 1958 ihren Abschluss und die Allee beein­druckt bis heute Besu­cher und Bewoh­ne­rin­nen. Boule­vards dieser Art, wie der Boule­vard Hauss­mann in Paris, waren bis dato ausschließ­lich wohl­ha­ben­den Schich­ten vorbe­hal­ten. In der Stalin­al­lee wurde bewusst damit gebro­chen, indem vor allem Ange­hö­rige der Arbei­ter­klasse – die ersten über den Gewinn in der Wohnungs­lot­te­rie – einzo­gen, was den Bauten den Spitz­na­men „Arbei­ter­pa­läste“ eintrug.

Trotz der Bemü­hun­gen um die Besei­ti­gung der Trüm­mer, großer Bauvor­ha­ben wie der Stalin­al­lee und der Errich­tung ganzer Städte wie Stalin­stadt, gelang es der DDR in den 1950er Jahren aber nicht, der Wohnungs­not schnell Abhilfe zu schaf­fen. Bis 1955 konn­ten nur etwa 30.000 Neuwoh­nun­gen pro Jahr gebaut werden, womit die DDR den letz­ten Platz unter den Indus­trie­na­tio­nen einnahm. Die bishe­ri­gen Vorha­ben und Heran­ge­hens­wei­sen erwie­sen sich als zu teuer und zu aufwendig.

Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften

Zur Beschleu­ni­gung des Wohnungs­baus wurden 1954 Arbei­ter­woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaf­ten (AWG) gegrün­det.45 Schon der Name macht den Unter­schied zum Kapi­ta­lis­mus deut­lich: keine Wohnungs­bau­ge­sell­schaft nach unter­neh­me­ri­schem Muster, sondern ein Instru­ment der Massen­in­itia­tive. Im Westen war die Genos­sen­schaft eine Rechts­form neben ande­ren, in der DDR poli­ti­sierte sie das Wohnen. Mitglie­der brach­ten nicht nur Geld ein, sie arbei­te­ten auf den Baustel­len mit und lebten anschlie­ßend in dem, was sie gemein­sam errich­tet hatten. Die AWGs waren bei volks­ei­ge­nen Betrie­ben und Kombi­na­ten ange­sie­delt — Staat, Betrieb und Arbei­ter­schaft bilde­ten eine funk­tio­nale Einheit. Noch im Grün­dungs­jahr entstan­den in allen Teilen der Repu­blik neue Genos­sen­schaf­ten, die den Wohnungs­bau spür­bar voranbrachten.

Der Staat stellte den AWGs Grund­stü­cke kosten­los zur Verfü­gung und gewährte ihnen zins­lose Kredite in erheb­li­chem Umfang. Bevor ihnen eine Wohnung zuge­teilt wurde, betei­lig­ten sich die Mitglie­der zum einen durch den zu errich­ten­den Genos­sen­schafts­an­teil und zum ande­ren durch „Aufbau­hilfe“ auf der Baustelle oder im loka­len Bauge­werbe in ihrer freien Zeit.46 Rolf Beyer aus Leip­zig erin­nert sich:

„Das waren teil­weise schwere körper­li­che Arbei­ten. Die AWG verfügte nach ihrer Grün­dung nur über wenige Maschi­nen. So muss­ten wir die Gruben für die Keller mit Spitz­ha­cke, Schippe, Schub­karre und Förder­band aushe­ben. Wurde der Keller noch von Maurern Stein für Stein hoch­ge­zo­gen, ging das Hinstel­len des Hauses mit Hilfe von vorge­fer­tig­ten Plat­ten ruck­zuck. Dann kamen die Hand­wer­ker für den Innen­aus­bau und anschlie­ßend für uns Mitglie­der die Grob­rei­ni­gung. Wir mach­ten aber auch Hilfs­ar­bei­ten bei den einzel­nen Gewer­ken, soweit das für Nicht­fach­leute möglich war.“47

Die Arbei­ter­woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaft „Ernst Thäl­mann“ in Magde­burg baute Mitte der 1950er Jahre eine große Sied­lung für die Fami­lien mehre­rer hundert Maschi­nen­bauer. In Zusam­men­ar­beit mit dem Magde­bur­ger Maler Heinz Kühle errich­te­ten die Genos­sen­schafts­mit­glie­der an der Südseite eines der Wohn­blö­cke eine Sonnen­uhr, um das Gebäude zu verschö­nern. (Quelle: Bundes­ar­chiv, Bild 183–57288-0001)

Um in eine AWG aufge­nom­men zu werden, muss­ten Wohnungs­be­darf, aktive Teil­nahme am gesell­schaft­li­chen Leben und hohe Leis­tun­gen am Arbeits­platz nach­ge­wie­sen werden. Über Warte­lis­ten oder Wohnungs­kon­tin­gente der Betriebe, die sich nach der Größe oder indus­tri­el­len Rele­vanz des Betriebs berech­ne­ten, konn­ten AWG-Mitglie­der, bevor­zugt Fami­lien, Wohnun­gen erhal­ten. Die Nutze­rin­nen und Nutzer verwal­te­ten die Häuser selbst und der VEB Gebäu­de­wirt­schaft half ihnen dabei.48 Drei Jahre nach der Grün­dung der ersten AWG gab es bereits 560 weitere mit unge­fähr 60.000 Mitglie­dern. Der Anteil am Wohnungs­neu­bau betrug bereits 1957 19 Prozent, wobei das anfäng­li­che Über­ge­wicht an Einfa­mi­li­en­häu­sern zuguns­ten des indus­tri­el­len Wohnungs­baus wich. 1966 konn­ten die AWG ihren Anteil am Wohnungs­bau auf 66 Prozent stei­gern, bevor er wieder sank und in den 1980er Jahren auf 50 Prozent wieder anstieg.49

Neben den AWG exis­tier­ten noch die Gemein­nüt­zi­gen Wohnungs­bau­ge­nos­sen­schaf­ten (GWG), die Nach­fol­ger der schon vor dem Zwei­ten Welt­krieg exis­tie­ren­den klei­nen, loka­len Bauge­nos­sen­schaf­ten und Bauver­eine waren. Sie kümmer­ten sich bevor­zugt um die Verwal­tung, Instand­hal­tung und Moder­ni­sie­rung von Altbe­stän­den, konn­ten aber aufgrund mangeln­der Finanz­kraft keine nennens­werte Bautä­tig­keit entfalten.

Produktionsgenossenschaften des Handwerks und Brigadeleben

Die Anzahl der Beschäf­tig­ten im Bauwe­sen schwankte und war stets gerin­ger als die zu bewäl­ti­gen­den Aufga­ben. Ab 1957 wurden deshalb Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten des Hand­werks (PGH) gezielt geför­dert, um das private Hand­werk in die indus­tri­elle Bauwirt­schaft zu inte­grie­ren. In ihnen schlos­sen sich ehema­lige selbst­stän­dige Maurer, Instal­la­teure, Dach­de­cker und Elek­tri­ker zusam­men. Die Über­win­dung der hand­werk­li­chen Zersplit­te­rung durch kollek­tive Betriebs­füh­rung erlaubte höhere Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät und die Einbin­dung verein­zel­ter Hand­wer­ker in den staat­lich geplan­ten Baupro­zess, ohne dass diese ihr Eigen­tum an den Produk­ti­ons­mit­teln aufge­ben muss­ten. Die Mitglie­der profi­tier­ten dabei von den sozia­lis­ti­schen Produk­ti­ons­ver­hält­nis­sen: gesi­cher­tes Einkom­men und Urlaubs­tage, Zugang zu Kultur und Weiter­bil­dung, demo­kra­ti­sche Mitbe­stim­mung im Betrieb. In der Praxis fungier­ten diese PGH vor allem als Versor­gungs- und Repa­ra­tur­be­triebe neben den Großbetrieben.

 Inner­halb der Kombi­nate, also der Zusam­men­schlüsse von Betrie­ben einer bestimm­ten Indus­trie, gab es Projek­tie­rungs­be­triebe, die für verschie­dene Arbeits­be­rei­che verant­wort­lich waren und in denen sich wiederum Briga­den bzw. Kollek­tive bilde­ten. Die kleinste Einheit der Kombi­nate war die Brigade, die aus fünf bis fünf­und­zwan­zig Mitglie­dern bestand und die von den Arbei­ten­den eigen­stän­dig orga­ni­siert wurde. Häufig waren die Briga­den in der indus­tria­li­sier­ten Groß­ta­fel­bau­weise in Takt­stra­ßen orga­ni­siert, die unge­fähr 100 Arbei­ter umfasste und 500 bis 800 Wohnun­gen im Jahr errich­tete: „Das heißt, die spezia­li­sier­ten Briga­den errich­te­ten im Takt ‚Null‘ Funda­mente, im nächs­ten Takt erfolgte die Montage und anschlie­ßend der Ausbau. Flie­ßend wurden an einer Wohn­scheibe (anein­an­der­ge­reihte Wohn­blocks) im Vorlauf die Baugru­ben und Funda­mente herge­stellt, während an den voran­ge­gan­ge­nen Blöcken montiert wurde.“50

Eine Monta­ge­bri­gade von der VEB Bau Berlin bei einer Arbeits­be­spre­chung auf der Karl-Marx-Straße, 1960. (Quelle: Bundes­ar­chiv, Bild 183–76275-0001)

Produk­ti­ons­bri­ga­den entstan­den bereits Ende der 1940er Jahre. Zu Beginn der 1950er Jahre wurden Arbeits­bri­ga­den durch den Freien Deut­schen Gewerk­schafts­bund (FDGB) gegrün­det, schließ­lich Ende der 1950er Jahre die soge­nannte Sozia­lis­ti­sche Briga­de­be­we­gung ausge­ru­fen. Im Unter­schied zu den Arbeits­bri­ga­den verpflich­te­ten sich die Mitglie­der der Sozia­lis­ti­schen Briga­den, sozia­lis­tisch zu arbei­ten, zu lernen und zu leben. In ihnen sollte sich die „progres­sive Elite“ der Indus­trie­ar­bei­ter­schaft zusam­men­fin­den. Ihre Bildung beruhte auf der Entschei­dung ihrer Mitglie­der. Sie schlos­sen jähr­lich Verträge mit Werk- und Gewerk­schafts­lei­tung und verpflich­te­ten sich, Produk­ti­ons­ziele zu über­tref­fen oder Quali­täts­stei­ge­run­gen zu errei­chen. Darüber hinaus über­nah­men sie Aufga­ben, die über den Betrieb hinaus­gin­gen: Quali­fi­zie­rung, kultu­relle Akti­vi­tä­ten, Paten­schaf­ten für Schu­len oder kommu­nale Aufbau­ar­bei­ten. Werk- und Gewerk­schafts­lei­tung unter­stütz­ten sie mate­ri­ell und orga­ni­sa­to­risch.51 Sie galten daher nicht nur als Motor höhe­rer Produk­ti­vi­tät und Träger sozia­lis­ti­scher Moral, sondern auch als Raum gemein­sa­mer Lebens­ge­stal­tung. Zwischen den Briga­den, der Partei, den Archi­tek­ten und Inge­nieu­ren bestand häufig eine enge Bindung. Vorstel­lun­gen und Ideen muss­ten entwi­ckelt, erdacht oder erfun­den werden, diese muss­ten wiederum Teil der Planung werden und schließ­lich auch auf der Baustelle verbaut werden.52

Der Wandel zur Industrialisierung des Bauens

Die Vorstel­lung, dass der Wohnungs­bau indus­tria­li­siert werden müsse, um die Wohnungs­not zu bekämp­fen, wurde bereits seit Beginn des 20. Jahr­hun­derts inten­siv in der Stadt­pla­nung, Archi­tek­tur und Ökono­mie disku­tiert.53 Der Archi­tekt und Grün­der des Bauhau­ses in Weimar, Walter Gropius (1883–1969), stellte 1926 fest, dass „die mensch­li­che behau­sung (…) eine frage des massen­be­darfs [sic!]“54 sei. In seinem 13-Punkte-Programm beschreibt Gropius eine Vision für den moder­nen Städ­te­bau: Planung, Tech­nik und Gesell­schaft sollen Hand in Hand gehen. Seine Prin­zi­pien reichen von der Prio­ri­sie­rung guter Sied­lungs­pla­nung und klarer Tren­nung der Funk­tio­nen bis hin zu tech­nisch-indus­tri­el­len Inno­va­tio­nen wie Typi­sie­rung, Stan­dar­di­sie­rung und ratio­nel­ler Fabrik­fer­ti­gung. Durch neue Mate­ria­lien, Maschi­nen und eine minu­tiöse Detail­pla­nung soll ein effi­zi­en­ter und kosten­güns­ti­ger Wohnungs­bau ermög­licht werden. So soll Wohn­raum entste­hen, der vielen zugu­te­kommt, ohne dass dabei mensch­li­che Bedürf­nisse vernach­läs­sigt werden. Im Zentrum steht dabei stets das harmo­ni­sche Zusam­men­spiel aller Betei­lig­ten, um Zukunft und Lebens­qua­li­tät für viele zu gestal­ten. „wo sind die deut­schen bauver­suchs­pläne,“ fragt Gropius, „die die unge­heure verschwen­dung von mitteln, zeit und arbeit verhin­dern, indem sie den großen baukas­ten schaf­fen helfen, aus dem häuser entste­hen sollen, die jeder arbei­ter bezah­len kann? [sic!]“55

Was in den 1920er Jahren noch Vision war und in der ersten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts nur in Expe­ri­men­ten u. a. in Berlin, Frankfurt/Main, Stutt­gart, New York und London mate­ri­ell und orga­ni­sa­to­risch auspro­biert werden konnte, konnte in den 1950er Jahren in der DDR Reali­tät werden. Der durch die Zerstö­rung des Zwei­ten Welt­kriegs und die Enttrüm­me­rung frei­ge­wor­dene Platz, die ökono­mi­schen und recht­li­chen Grund­la­gen einer weitest­ge­hend entpri­va­ti­sier­ten Bauwirt­schaft sowie tech­ni­sche Fort­schritte und der poli­ti­sche Wille erlaub­ten es nun flächen­de­ckend indus­tri­ell zu bauen.

Diese Entwick­lung wurde durch eine baupo­li­ti­sche Wende in der Sowjet­union unter der neuen Führung nach 1953 beglei­tet und veran­lasst. Nach den Zerstö­run­gen des Zwei­ten Welt­kriegs litt die Sowjet­union unter massi­ver Wohnungs­not und einer geschwäch­ten Indus­trie. In den späten 1940er Jahren knüpfte man zunächst an Vorkriegs­mo­delle an, errich­tete Behelfe aus Holz, was bei weitem nicht ausreichte. Dane­ben setzte man bei den öffent­li­chen Bauten auf klas­si­zis­ti­sche Vorga­ben aus den 1930er Jahren. Nikita Chruscht­schow (1894–1971), seit Septem­ber 1953 Erster Sekre­tär der KPdSU, rief im Dezem­ber 1954 zum „Alluni­ons­kon­gress der Bauschaf­fen­den“ nach Moskau. In seiner Rede stellte Chruscht­schow die Prio­ri­tät der Schwer­indus­trie als Funda­ment für wirt­schaft­li­chen Aufschwung heraus. Er betonte die Erfolge in der Bauin­dus­trie, die dank vorge­fer­tig­ter Bauteile und Mate­ria­lien nun schnel­ler, güns­ti­ger und effi­zi­en­ter arbei­ten könne. Die Sowjet­union verfüge nun über eine Produk­ti­ons­ba­sis, die den Einsatz vorge­fer­tig­ter Stahl­be­ton­kon­struk­tio­nen ermög­li­che. Skelett­lose Konstruk­tio­nen mit großen Plat­ten seien beson­ders vorteil­haft für den Wohnungs­bau. Die Indus­tria­li­sie­rung sollte die Baustelle zur reinen Monta­ge­stätte machen, während in Planungs­bü­ros Typen stan­dar­di­siert werden soll­ten, um Baupro­zesse zu beschleu­ni­gen und zu optimieren.

Infolge des Schwenks in der Baupo­li­tik und der forcier­ten Indus­tria­li­sie­rung konnte der Wohnungs­bau in der zwei­ten Hälfte der 1950er Jahre in der Sowjet­union verdop­pelt werden. Der fünf­stö­ckige Plat­ten­bau, der in den 1960er- und 1970er-Jahren häufig gebaut wurde und heute noch zahl­reich das Stadt­bild der Nach­fol­ge­staa­ten der Sowjet­union prägt, erhielt den Beina­men „Chruscht­schowka“. Das Stich­wort „Besser, schnel­ler und billi­ger bauen“, so die deut­sche Über­set­zung des Refe­rats von Chruscht­schow56, inspi­rierte auch die Baupo­li­tik in der DDR.

Städte für die Industrie

Der Wohnungs­bau der 1950er Jahre in der DDR diente der Besei­ti­gung von Kriegs­schä­den, der schnel­len Unter­brin­gung der Bevöl­ke­rung und dem Aufbau einer eige­nen Indus­trie.57 Die DDR war zwar keines­wegs arm an Rohstof­fen – bei Braun­kohle und Kali gehörte sie sogar zur Welt­spitze –, doch genau jene Mate­ria­lien, die für eine erfolg­rei­che Bauwirt­schaft unver­zicht­bar waren, stan­den nur in sehr begrenz­tem Umfang zur Verfü­gung: Stein­kohle, Eisen­erze, Eisen und Walz­stahl. Zudem fehlte es an einem ausge­reif­ten Hütten­we­sen und einer inten­si­vier­ten chemi­schen Industrie.

Die Repa­ra­tio­nen, die von 1945 bis 1953 in Form von Demon­ta­gen oder Entnah­men aus der laufen­den Produk­tion an die Sowjet­union geleis­tet wurden, verschärf­ten die Situa­tion zusätz­lich. Außer­dem traf die Rohstoff­krise von 1947 die SBZ schwer. Das im Pots­da­mer Abkom­men geschlos­sene Tausch­ge­schäft mit der briti­schen Zone – Kohle und Stahl gegen Indus­trie­wa­ren und Lebens­mit­tel – brach zusam­men, als die Briten wegen Liefer­aus­fäl­len den Stahl­zu­fluss stopp­ten. Die Abhän­gig­keit der SBZ von west­li­chen Liefe­run­gen wurde sicht­bar und verstärkte den Druck, eigene Ressour­cen zu erschlie­ßen. Dies führte kurz vor der Grün­dung der DDR zum stra­te­gi­schen Ausbau der Schwer­indus­trie (Kohle, Stahl, Chemie und Berg­bau).58

Der Aufbau der Schwer­indus­trie verlangte wiederum einen raschen Wohnungs­bau, um Arbeits­kräfte dort zu anzu­sie­deln, wo der verstärkte Ressour­cen­ab­bau nötig gewor­den war. Das bekann­teste Beispiel hier­für ist die 1953 gegrün­dete Stadt Stalin­stadt (ab 1961 Eisen­hüt­ten­stadt), die im Rahmen des Baus des Eisen­hüt­ten­kom­bi­nats Ost gebaut wurde. Die städ­te­bau­li­che Konzep­tion stammt vom Archi­tek­ten Kurt W. Leucht (1913–2001), der 1951 die Anlage als geschlos­sene Einheit entwirft: vier Wohn­kom­plexe, ein zentra­ler Platz und eine Magis­trale, die das Werks­tor mit dem Herzen der Stadt verbin­det. Hier orien­tiert sich alles am Indus­trie­kom­plex. So defi­niert sich die Stadt vom Werk her, öffnet sich aber zugleich in die Land­schaft.59 Bis 1960 verzehn­fachte sich die Einwoh­ner­zahl von 2.400 auf 24.000.

Die erste sozia­lis­ti­sche Stadt der DDR im Aufbau: In Eisen­hüt­ten­stadt wurden neben Wohn­häu­sern Sonder­bau­ten errich­tet wie das Fried­rich-Wolf Thea­ter, hier links im Bild, 1959. (Quelle: Bundes­ar­chiv, Bild 183–61967-0001)

Von der Baustelle in die Fabrik: Industrialisierung und Typisierung

Als der staat­li­che Wohnungs­bau in den 1960ern mit der Etablie­rung der Wohnungs­bau­kom­bi­nate konso­li­diert wurde, war die Indus­tria­li­sie­rung des Bauwe­sens in vollem Gange. Die Baupro­duk­tion sollte Schritt für Schritt von der offe­nen Baustelle in die Fabrik verla­gert werden. In den Werks­hal­len ließ sich die Arbeit in klar umris­sene Teil­pro­zesse glie­dern: von Mecha­ni­sie­rung und Auto­ma­ti­sie­rung über das Arbei­ten im Takt bis hin zu Vorfer­ti­gung, Serien- und Fließ­fer­ti­gung. Was einst Ziegel auf Ziegel unter freiem Himmel entstand, also unge­bühr­lich Zeit und Geld kostete, sollte schließ­lich auf der Baustelle nur noch zusam­men­ge­setzt, also montiert werden. Schon 1955 wurde auf der 1. Baukon­fe­renz die Einfüh­rung von Monta­ge­bau­wei­sen geför­dert und gefor­dert. Erste Expe­ri­mente im Großblock‑, Tafel- und Plat­ten­bau fanden bereits zu Beginn der 1950er Jahre statt, wurden zuse­hends in Breite ange­wen­det.60

Auch in der Bundes­re­pu­blik rück­ten Normie­rung und Ratio­na­li­sie­rung in dieser Zeit in den Fokus. Der starke Gegen­satz zwischen indus­tri­el­len Ferti­gungs­me­tho­den und der vom tradi­tio­nel­len Hand­werk gepräg­ten Archi­tek­tur, die sich aus der Beibe­hal­tung der privat­ei­gen­tüm­li­chen Form der Bauwirt­schaft ergab, führte jedoch nur zu einer Teil­in­dus­tria­li­sie­rung. Die konven­tio­nelle, hand­werk­li­che Bauweise blieb bestim­mend, wurde durch den begrenz­ten Einsatz von Fertig- und Halb­fer­tig­tei­len, neue Baustoffe sowie ratio­na­li­sierte Bauab­läufe ergänzt.61

Die Bauweise, ihre Ausfüh­rung und Ausstat­tung verän­derte sich in der DDR im Laufe der Zeit maßgeb­lich, so kann man anhand der Gestal­tungs­weise bis heute einzelne Phasen der Bauge­schichte der DDR den Gebäu­den able­sen, da sie sich in den Konstruk­ti­ons­wei­sen und ande­ren Para­me­tern wie städ­te­bau­li­che Anord­nung, Dach­form und Geschoss­höhe vonein­an­der unter­schei­den. So kamen Q‑Serien (z. B. Q3, Q3a, Q6, Qx/7) in Stalin­stadt zum Einsatz, P‑Serien (z. B. P1, P2, P‑Halle, QP) präg­ten den Rosto­cker Stadt­teil Lütten-Klein und später ab den 1970er Jahren domi­nierte, das Wohnungs­bau­sys­tem 70 (WBS 70), das rasch in Wohnungs­bau­se­rie 70 umbe­nannt wurde.62 Insbe­son­dere die WBS 70 machte am Ende der DDR unge­fähr 42 Prozent aller indus­tri­ell errich­te­ten Wohnun­gen aus. 1985 betrug der Anteil der indus­tri­el­len Bauwei­sen am Wohnungs­bau 83 Prozent.63

Die Indus­tria­li­sie­rung des Wohnungs­baus kam nicht nur Neubau­ge­bie­ten zugute. Auch in vom Krieg stark zerstör­ten Innen­städ­ten wurde die Plat­ten­bau­weise einge­setzt und an die angren­zende histo­ri­sche Bausub­stanz ange­passt. Im Vorder­grund das restau­rierte Berli­ner Niko­lai­vier­tel, wo das WBS 70 zum Einsatz kam. Ähnli­che Bauvor­ha­ben wurden in den Altstäd­ten von Dres­den, Rostock und Leip­zig reali­siert. (Quelle: Bundes­ar­chiv, Bild 183‑1988-1220–013)

Zu Beginn der 1980er Jahre sahen die Norm­vor­ga­ben für eine Wohnung folgen­der­ma­ßen aus: 56 bis 58 Quadrat­me­ter Wohn­flä­che, erfor­dern u. a. 1,2 Tonnen Stahl, 12,5 Tonnen Zement, 2500 Watt Strom, 540 Arbeits­stun­den je Wohnung (zur Hälfte in der Fabrik, zur Hälfte auf der Baustelle), genormte Rohr­bün­del mit fest­ge­leg­ten Arma­tu­ren und 50 bis 60 Milli­me­ter dicke Wärme­däm­mung in Kami­lith. Eine Wohnung sollte unge­fähr 38.000 Mark kosten.

 

– Vgl. Thomas Kupfer­mann, Platte, Teepott und Paläste, Berlin: Welt­bild Verlag 2015, S. 55.

Beglei­tet wurde dieser indus­tri­elle Wandel von Begrif­fen, die den Geist der Zeit präg­ten: Typen­pro­jek­tie­rung, Typi­sie­rung und Typen­bau. Hinter ihnen stand die Idee, Gebäude mit glei­cher Funk­tion auch in glei­cher Form mehr­fach zu errich­ten. Damit dies möglich wurde, galt es, durch die Typi­sie­rung grund­le­gende Merk­male fest­zu­le­gen: die Art, den Zweck, die Form und die Größe eines Bauwerks. Das Resul­tat war der Typen­bau. Aus einem fest­ge­leg­ten Satz von Bautei­len konnte immer wieder dasselbe Gebäude entste­hen. In Anleh­nung an die Bauhaus-Tradi­tion sprach man dafür auch vom „Baukas­ten­sys­tem“. Dieses beruhte auf dem Prin­zip, ein System in seine Elemente zu zerle­gen, die belie­big ergänzt und neu kombi­niert werden konn­ten. Auf diese Weise entstan­den zwar stan­dar­di­sierte Struk­tu­ren, doch blie­ben Spiel­räume für lokale Bautra­di­tio­nen oder künst­le­ri­sche Eigen­hei­ten erhal­ten.64

Das erste Wohnungsbauprogramm (1959–65)

Trotz bedeu­ten­der Fort­schritte im ersten Jahr­zehnt fehl­ten 1958 noch immer rund 730.000 Wohnun­gen in der DDR. Um dem entge­gen­zu­wir­ken, folgte die SED dem sowje­ti­schen Vorbild und trieb den Wohnungs­bau auf der Grund­lage der Schwer­indus­trie massiv voran. Im Rahmen des letzt­lich abge­bro­che­nen Sieben­jahr­plans (1959–1965) konnte die Zahl der neu gebau­ten Wohnun­gen bis 1961 auf 85.000 pro Jahr gestei­gert werden. Bis 1965 sollte der Wohn­raum­man­gel besei­tigt sein und jeder Fami­lie eine Wohnung zur Verfü­gung stehen. Eine Moder­ni­sie­rung der Wohn­ver­hält­nisse sollte bis 1980 erfol­gen. Dies sollte einer­seits durch indus­tri­elle Baumaß­nah­men wie Abriss und Neubau und ande­rer­seits durch den genos­sen­schaft­li­chen Wohnungs­bau erreicht werden.

Letzt­lich gelan­gen die Vorha­ben nicht, weil die dafür nöti­gen Ressour­cen in die Indus­trie umge­lenkt wurden. Das bedeu­tete nicht, dass nicht mehr gebaut wurde, sondern der Wohnungs­bau konzen­trierte sich fortan dort, wo die Indus­trie ausge­baut werden sollte. 73 Prozent der Bauquote wurden letzt­lich 1965 erreicht, im selben Jahr konn­ten jedoch nur 53.000 Neuwoh­nun­gen errich­tet werden.65 Anfang der 1970er Jahre gab es etwa 6,05 Millio­nen Wohnun­gen bei 6,4 Millio­nen aner­kann­ten Haus­hal­ten.66

Im Rahmen des ersten Wohnungs­bau­pro­gramms beschloss die SED, eine „Chemie­ar­bei­ter­stadt“ in der Nähe der Buna- und Leuna­werke aufzu­bauen. Am 9. August 1965 zogen die ersten Mieter nach Halle-Neustadt. Wohn­kom­plex I mit kreis­för­mi­ger Gast­stätte, 1974. (Quelle: Jörg Blobelt)

Der Fokus auf eine indus­tria­li­sierte Bauwirt­schaft blieb aller­dings bestehen, was ange­sichts des Alters des Wohnungs­be­stands ein äußerst ambi­tio­nier­tes und kniff­li­ges Vorha­ben war. So waren von den 1965 vorhan­de­nen 5,8 Millio­nen Wohnun­gen knapp 1,18 Millio­nen vor 1870 errich­tet worden, 1,27 Millio­nen in der Grün­der­zeit und 3,3 Millio­nen ab 1900. Die Wohnun­gen waren also einer­seits zu sehr über­al­tert für eine hand­werk­li­che Instand­set­zung, ande­rer­seits noch zu funk­ti­ons­tüch­tig, um sie abzu­rei­ßen, wie es in der 1967 veröf­fent­lich­ten Studie „Erhal­tung und Rekon­struk­tion der Altbau­sub­stanz“ unter Leitung des renom­mier­ten Archi­tek­ten Richard Paulick (1903–1979) hieß.67

In den 1960er Jahren blieb die unter dem Stich­wort „Sozia­lis­ti­sche Umge­stal­tung“ firmie­rende Orien­tie­rung auf indus­tri­el­les Bauen bestehen, wodurch die Moder­ni­sie­rung des Altwoh­nungs­be­stands in den Hinter­grund rückte. In der zwei­ten Hälfte der 1960er Jahre konn­ten ledig­lich etwa 12.000 Wohnun­gen pro Jahr saniert werden. Alleine in Ost-Berlin benö­tig­ten aber rund Drei­vier­tel der 453.000 gemel­de­ten Wohnun­gen eine Repa­ra­tur.68 Knapp 15 Jahre später hatte sich die Lage nicht verbes­sert, insbe­son­dere fehlte es in den alten Gebäu­den an moder­nen sani­tä­ren Einrich­tun­gen.69

Obwohl die ange­streb­ten Plan­zif­fern im Wohnungs­bau in der zwei­ten Hälfte der 1960er Jahre ange­sichts des anhal­ten­den Ressour­cen­be­darfs der Indus­trie nicht erreicht wurden, wurden die gewon­ne­nen Erkennt­nisse und Erfah­run­gen des indus­tri­el­len Bauens in die Umge­stal­tung der Stadt­zen­tren und den Bau neuer Städte und Stadt­teile einge­setzt. Die in Karl-Marx-Allee umbe­nannte Stalin­al­lee wurde im 2. Bauab­schnitt um zwei moderne Wohn­kom­plexe erwei­tert, in der Berli­ner Mitte wurde mit dem Bau des 1969 fertig­ge­stell­ten Fern­seh­turms begon­nen, in Karl-Marx-Stadt (heute: Chem­nitz) wurde das Einkaufs­zen­trum Rosen­hof und die Ostseite der Straße der Natio­nen mit acht Wohn­schei­ben errich­tet, die quer zur Straße stan­den und unter­ein­an­der mit Gewer­be­räu­men verbun­den wurden, 1969 öffnete im Zentrum der zerstör­ten Altstadt von Dres­den der Kultur­pa­last seine Pfor­ten und wurde fortan als Mehr­zweck­halle u. a. für Konzerte, Tanz­ver­an­stal­tun­gen und Tagun­gen genutzt.

Wie wir lebten

Recht, Planung und Produk­tion des Wohn­raums folg­ten in der DDR einem ande­ren Grund­satz: Wohnen war mensch­li­ches Grund­be­dürf­nis, nicht Ware. Im geleb­ten Alltag — in der Wohnungs­ver­gabe, der Raum­ge­stal­tung, der Haus­ge­mein­schaft — nahm dieses Prin­zip konkrete Gestalt an. Gleich­zei­tig wurden aber auch die Gren­zen des Mögli­chen deutlich.

Wohnungsvergabe

Wer eine Wohnung brauchte, stellte einen schrift­li­chen Antrag bei der zustän­di­gen kommu­na­len Abtei­lung für Wohnungs­po­li­tik und Wohnungs­wirt­schaft oder bei der Wohnungs­ge­nos­sen­schaft. Der Antrag erfasste soziale Merk­male wie Beruf, Fami­li­en­stand, Kinder­zahl. Die Warte­lis­ten waren immer sehr lang, sodass sich häufig Warte­zei­ten von mehre­ren Jahren erga­ben, was in der Bevöl­ke­rung für andau­ern­den Unmut sorgte und sich auch in der Zahl der ab 1975 einge­reich­ten Einga­ben70 wider­spie­gelt, mit denen die Bevöl­ke­rung ihren verfas­sungs­mä­ßi­gen Rechts­an­spruch auf eine Wohnung gegen­über den staat­li­chen Behör­den arti­ku­lie­ren konnte. Junge, kinder­rei­che Fami­lien, Allein­er­zie­hende, aner­kannte „Opfer des Faschis­mus“ und „Kämp­fer gegen den Faschis­mus“ (und ihre Nach­fah­ren) wie Stamm­be­leg­schaf­ten oder Schicht­ar­bei­ter oder Männer nach ihrem Wehr­dienst sowie Ange­hö­rige der bewaff­ne­ten Organe hatten in aller Regel bessere Karten, eine Wohnung zu erhal­ten, insbe­son­dere in den Neubaugebieten.

Fern­hei­zung, Einbau­kü­che, Kinder­gär­ten, Poli­kli­ni­ken, Kauf­hal­len, Kinos. Neue Wohn­sied­lun­gen wie Lütten-Klein in der Nähe von Rostock waren heiß begehrt, da sie mehr Komfort boten als die Altbau-Wohnun­gen in den Stadt­zen­tren, die oft drin­gend reno­vie­rungs­be­dürf­tig waren. Der erste Wohn­block in Lütten-Klein wurde am 29. April 1966 bezugs­fer­tig über­ge­ben. (Quelle: Bundes­ar­chiv, Bild 183-E0711-0011–001)

Dadurch zeich­nete sich auch eine gewisse soziale Struk­tu­rie­rung in den Wohn­ge­bie­ten ab, die ansons­ten eine sehr hohe soziale Durch­mi­schung aufwie­sen. Es bewohn­ten über­wie­gend Ange­stellte und Ange­hö­rige der Arbei­ter­schaft unter­schied­lichs­ter Quali­fi­ka­tion die großen Neubau­ge­biete, Arbei­ter­schaft und Rent­ne­rin­nen und Rent­ner häufig die Altbau­ge­biete und Ange­hö­rige der Hand­werks- und Bauern­zunft häufig Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser. Im Verhält­nis zu der Art Ghet­toi­sie­rung, etwa nach Einkom­men, Alter, ethni­scher Zuge­hö­rig­keit oder Reli­gion, wie wir sie heute in den Städ­ten erle­ben, blieb die Durch­mi­schung, die durch weit gerin­gere Einkom­mens­un­ter­schiede defi­niert war, erstaun­lich hoch.

Anfang der 1970er Jahre lagen rund 600.000 Wohn­an­träge vor, 1989 waren es 800.000 bei leicht gesun­ke­nen Warte­zei­ten. Diese Zahlen sind jedoch nicht mit Obdach­lo­sig­keit gleich­zu­set­zen. Obdach­lo­sig­keit war in der DDR, von verein­zel­ten Fällen abge­se­hen, ein Relikt der Vergan­gen­heit, ebenso wie Zwangs­räu­mun­gen.71 Die Anträge spie­gel­ten vor allem den Wunsch nach passen­dem Wohn­raum wider. Denn ein struk­tu­rel­les Problem war die Unter­be­le­gung. Geringe Mieten und lang­wie­rige Verga­be­ver­fah­ren begüns­tig­ten, dass Menschen nach Schei­dung, Tod des Part­ners oder Auszug der Kinder in zu großen Wohnun­gen blie­ben oder getrennt lebende Part­ner ihre Wohnung formal behiel­ten. War eine Wohnung erst verge­ben, konnte der Staat nieman­den mehr vor die Tür setzen.72

Da die Wohn­raum­len­kung in der DDR ein lang­sa­mer Appa­rat war, der einer­seits die Vorga­ben der Poli­tik und ande­rer­seits die dring­li­chen Bedürf­nisse der Bevöl­ke­rung zu erfül­len hatte, und es insbe­son­dere in Altbau­ge­bie­ten sicht­ba­ren Leer­stand gab, such­ten die Menschen auch andere Möglich­kei­ten, an Wohn­raum zu gelan­gen. Möglich waren z. B. der Wohnungs­tausch und ein weit verbrei­te­tes Phäno­men war das soge­nannte Schwarz­woh­nen, das häufig gedul­det wurde.73 Gerade Bevöl­ke­rungs­grup­pen, die wenig Chan­cen hatten, in den Warte­lis­ten nach oben zu rutschen wie junge, allein­ste­hende Menschen bezo­gen leer­ste­hende Wohnun­gen. 1979 gab es beispiels­weise in Berlin-Fried­richs­hain 534 besetzte Wohnun­gen. Die Ange­stellte Gert­hild Dominka erin­nert sich:

„Wer eine Wohnung schwarz bezog, konnte diese, wenn er wollte und Glück hatte, lega­li­sie­ren. Es hieß und bewahr­hei­tete sich in vielen Fällen: Du über­weist die Miete an die KWV [Kommu­nale Wohnungs­ver­wal­tung], wenn die drei Monate lang nicht wider­spre­chen, gilt das Gewohn­heits­recht. Ob es dafür eine gesetz­li­che Grund­lage gab? Manch­mal klappte es, manch­mal flogen auch Leute raus bezie­hungs­weise gingen (in die nächste leer­ste­hende Wohnung), bevor es Ärger gab. Ich wohnte in Leip­zig und brauchte eine Wohnung in Berlin. Die war schnell ausge­späht und die Auswahl war verdammt groß. Wenn es mit dieser nicht klap­pen würde (…) – im Hinter­hof nebenan stan­den auch drei oder fünf leer. Mit Sack und Pack vorge­fah­ren, ein großer Schrau­ben­zie­her reichte, das Türschloss zu knacken, Strom und Wasser vorhan­den, Kachel­ofen auch – diese Wohnung war es. Die Rent­ne­rin über mir, mit der ich mir von nun an das Klo auf halber Treppe teilte, borgte die Leiter, die ich zum Malern der Stube und Küche brauchte, womit das gutnach­bar­schaft­li­che Verhält­nis herge­stellt war. Die poli­zei­li­che Anmel­dung: kein Problem. In der als büro­kra­tisch verschrie­nen DDR fragte niemand nach der ‚Zustim­mung des Vermie­ters‘ oder dem Miet­ver­trag. Jeden­falls war es in den sieb­zi­ger Jahren so, im Prenz­l­berg. Nach ein paar Mona­ten klin­gelte eine Frau von der KWV an meiner Tür, ach nein, eine Klin­gel gab es ja nicht, sie klopfte also an die Tür. Wer ich sei, was ich hier mache und so weiter. Aha, uner­laub­ter Bezug, das gehe nicht. Etwas milder blickte sie, als meine Toch­ter um die Ecke guckte und fragte: ‚Mami, was will die Tante von dir?‘ Ich kannte Geschich­ten, da hatten sich die über­for­der­ten KWV-Leute abge­wandt und den Dingen ihren Lauf gelas­sen. So glimpf­lich kam ich nicht davon. Eine Ordnungs­strafe von, ich glaube 400 Mark musste ich zahlen, und vermut­lich ange­sichts der Lage – allein­ste­hende Mutter mit Kind – bekam ich auch einen Miet­ver­trag. Das mit den 400 Mark fand ich so gemein, dass ich Gerech­tig­keit herstellte, indem ich die nun zu zahlende Miete mit dem Bußgeld verrech­nete, also keine Miete zahlte – und nieman­den hat’s geschert.“74

Der zweite entschei­dende Hebel der Wohn­po­li­tik war der Miet­preis. Das Zivil­ge­setz­buch der DDR (ZGB) sah zwar vor, dass die Miete zwischen den Parteien verein­bart wird — tatsäch­lich war sie jedoch staat­lich fest­ge­legt.75 Altbau­woh­nun­gen wurden zum Miet­preis­ni­veau von 1936 vermie­tet. Eine Verord­nung von 1981 regelte die Miete für Neubau­woh­nun­gen. In Ostber­lin zahlte man 1,00 bis 1,25 Mark pro Quadrat­me­ter, in den Bezirks­städ­ten 0,80 bis 0,90 Mark — zuzüg­lich bis zu 0,40 Mark für Zentral­hei­zung.76 In der „Platte“ kostete eine 80 Quadrat­me­ter große Wohnung etwa 70 Mark. Das galt unab­hän­gig vom tatsäch­li­chen Zustand und der Lage der Wohnung und entsprach einer Belas­tung von unge­fähr drei Prozent des durch­schnitt­li­chen Haus­halts­ein­kom­mens.77

Die Miete deckte die tatsäch­li­chen Kosten bei weitem nicht. Ende der 1980er Jahre lagen diese etwa drei­mal höher als die einge­zo­gene Miete. Wohnen war damit ein zentra­ler Posten der staat­li­chen Subven­ti­ons­po­li­tik. Diese stark subven­tio­nier­ten Mieten hatten aller­dings eine Kehr­seite: Sie schu­fen keinen Anreiz zur ratio­nel­len Wohn­raum­nut­zung, woraus die massen­hafte Unter­be­le­gung resul­tierte. Für Privat­ver­mie­ter kam hinzu, dass ohne ausrei­chende Miet­ein­nah­men – und vor allem ohne Zugang zu ausrei­chen­den Bauka­pa­zi­tä­ten – die laut § 101 ZGB ihnen oblie­gende Instand­hal­tungs­pflicht kaum zu erfül­len war. Der Verfall der Altbau­sub­stanz war die unver­meid­li­che Folge.

Von „Jedem eine Wohnung“ zu „Jedem seine Wohnung“

Die Wohnun­gen in den Neubau­ge­bie­ten waren häufig fami­li­en­freund­lich auf eine Fami­lie mit ein bis zwei Kindern konzi­piert. Das bedeu­tete, dass ein Flur die Zimmer mitein­an­der verbin­det. Das größte Zimmer einer Drei­raum­woh­nung ist das Wohn­zim­mer, das häufig über einen üppi­gen Balkon verfügt. Das Schlaf­zim­mer ist das zweit­größte Zimmer und das Kinder­zim­mer das kleinste. Es wurde fest­ge­legt, dass die Zimmer eine bestimmte Zeit am Tag Sonnen­ein­strah­lung erhal­ten soll­ten. Die Küche wird über eine Durch­rei­che mit dem Wohn­zim­mer verbunden.

Die indus­tri­elle Bauweise eröff­nete in der DDR nicht nur neue tech­ni­sche, sondern auch neue soziale und gestal­te­ri­sche Möglich­kei­ten. Ein eindrucks­vol­les Beispiel dafür war das 1970 in Rostock durch­ge­führte Pilot­pro­jekt „Varia­bles Wohnen“, an dem 45 Fami­lien verschie­de­ner sozia­ler Herkunft teil­nah­men, über­wie­gend junge bis mittel­alte Paare und Fami­lien. Jede von ihnen erhielt eine Wohnung von etwa 60 bis 70 Quadrat­me­tern in einem moder­nen Plat­ten­bau. Der Grund­riss war offen ange­legt, nur das Bade­zim­mer war aus tech­ni­schen Grün­den fest posi­tio­niert. Mit einem soge­nann­ten Ausschnitt­bo­gen, der verschie­dene Raum­ele­mente enthielt, konn­ten die Fami­lien ihre eigene Wohn­auf­tei­lung entwer­fen. Beglei­tet wurden sie dabei von Ärzten, Sozio­lo­gen, Desi­gnern und weite­ren Fach­leu­ten, die ihnen halfen, ihre indi­vi­du­el­len Bedürf­nisse zu reflek­tie­ren und zu formu­lie­ren. In Gesprä­chen, Umfra­ge­bo­gen und Planungs­pha­sen entwi­ckel­ten sich zuneh­mend diffe­ren­zierte Vorstel­lun­gen davon, was „gutes Wohnen“ für jede Fami­lie bedeu­tete. Die Entwürfe über­rasch­ten selbst die Projekt­lei­tung. Der daran betei­ligte Gestal­ter Rudolf Horn (1929–2025) fasst die Erfah­run­gen zusam­men: „Sobald man die Fesseln wegnimmt und die Menschen ermu­tigt, sich selbst zu finden, ihnen sagt, über­legt bitte, wie wollt ihr leben, dann entsteht etwas Neues, Uner­war­te­tes.“78 Statt sich an herkömm­li­chen Grund­riss­lö­sun­gen zu orien­tie­ren, spie­gel­ten die Pläne die Lebens­rea­li­tä­ten und Wünsche der Fami­lien wider. Räume wurden nach funk­tio­na­len, alltäg­li­chen Bedürf­nis­sen gestal­tet, nicht nach abstrak­ten Normen. Solange die Entwürfe tech­nisch umsetz­bar waren, wurden die Wohnun­gen tatsäch­lich nach diesen indi­vi­du­el­len Vorga­ben gebaut. Der Fokus lag darauf, dass sich die Räume mit den Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern verän­dern konn­ten. Die meis­ten Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer berich­te­ten fünf Jahre später, dass sie ihre Wohnun­gen an verän­derte Lebens­si­tua­tio­nen ange­passt hatten und insge­samt zufrie­den waren.

Eine Wohnungs­aus­stel­lung auf dem Gelände des Sport­fo­rums in Berlin, 1987. Durch die Glas­wände ist die Einrich­tung einer 3‑Raum-Wohnung des Typs WBS 70 mit großem Balkon im Vorder­grund zu sehen. (Quelle: Jörg Blobelt)

Geför­dert wurde die indi­vi­du­elle Gestal­tung der eige­nen vier Wände aber nicht nur in exklu­si­ven Expe­ri­men­ten, sondern durch aller­hand allge­mein verfüg­bare Lite­ra­tur wie etwa der in Massen gedruck­ten „Wohn­raum­fi­bel“, ein „Buch für jeden, der aus seinen vier Wänden eine behag­li­che Wohnung machen will“79. Das Ziel bestand darin, zu zeigen, wie man eine Wohnung zweck­mä­ßig einrich­tet und welche Möbel die Wirt­schaft hier­für bereit hält. Zeich­nun­gen, Beschrei­bun­gen, Anlei­tun­gen und Berech­nun­gen dien­ten dabei als Orien­tie­rungs­hilfe und auch als Inspi­ra­tion zur eigen­stän­di­gen Gestaltung.

Massen­pro­duk­tion und Eigen­sinn soll­ten Hand in Hand gehen. So war nicht nur der Selbst­bau von Möbeln oder die Ansamm­lung von über die Zeit erwor­be­nen Einzel­mö­bel­stü­cken weit verbrei­tet, sondern auch das von Rudolf Horn entwi­ckelte und von den Deut­schen Werk­stät­ten Hellerau indus­tri­ell produ­zierte „Möbel­pro­gramm Deut­sche Werk­stät­ten” (MDW). Es wurde zwischen 1967 und 1993 produ­ziert, in viele Länder expor­tiert und viel­fach im In- und Ausland ausge­zeich­net. Es handelte sich hier­bei um ein modu­la­res Möbel­mon­ta­ge­pro­gramm zur Selbst­mon­tage, das zwar Nutzungs­nor­men beinhal­tete, den Verbrau­che­rin­nen und Verbrau­chern aber auch Vari­an­ten ermög­lichte, die ihren spezi­fi­schen Bedürf­nis­sen entspra­chen. Das erlaubte eigen­wil­lige Konstruk­tio­nen. Man konnte Teile in selbst­ge­baute Ensem­bles einfü­gen mit ande­ren Einzel­mö­bel­stü­cken kombi­nie­ren, in Kinder- und Schlaf­zim­mer verbauen oder mit eigen­wil­li­gen Deko­ra­tio­nen ergän­zen.80

Mitbestimmung im Wohngebiet

Die Möglich­kei­ten, sich aktiv in die eigene Wohn­um­welt einzu­brin­gen, waren viel­fäl­tig und reich­ten von der Einrich­tung und Nutzung von Gemein­schafts­räu­men über den Bau und die Pflege von Spiel­plät­zen bis hin zur Gestal­tung von Gartenanlagen.

Nach­dem beispiels­weise in Berlin-Marzahn die Natur den Baumaß­nah­men weichen musste, pflanzte man 38.000 neue Bäume und zahl­rei­che Sträu­cher im Rahmen des „Mach-mit!“-Programms, der Nach­folge-Initia­tive des Natio­na­len Aufbau­werks.81 Elisa­beth Albrecht wohnte seit Anfang der 1980er Jahre in der neun­ten Etage eines 11-stöcki­gen Gebäu­des im Wohn­kom­plex III bei Ahrens­felde. Für sie war die kollek­tive Pflanz­ak­tion, die nicht auf Anhieb gelin­gen wollte, wich­tig für die emotio­nale Bindung an den Ort und an die Mitmenschen:

„Beim drit­ten Versuch schlu­gen die Bäume und Sträu­cher Wurzeln. Der Sommer wurde sehr warm. Jeder aus dem Haus ging mal mit einem Eimer Wasser hinun­ter und goss die Pflan­zen. In jenem Jahr grill­ten die Mieter zusam­men vor der Tür oder feier­ten als Haus­ge­mein­schaft den Kinder­tag am 1. Juni. Die Bäume wurden groß, und wir wuch­sen zusam­men. Vier Jahre später war aus der klei­nen Zwei-Meter-Pappel am Eingang schon ein rich­ti­ger Baum gewor­den.“82

Eine wich­tige orga­ni­sa­to­ri­sche Rolle bei der Förde­rung der Eigen­ak­ti­vi­tät über­nah­men die „Wohn­ge­biets­aus­schüsse der Natio­na­len Front“, die eng mit den kommu­na­len Struk­tu­ren verbun­den waren. Ihre Mitglie­der wurden direkt vor Ort gewählt und boten zugleich ein Forum für ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment. Darüber hinaus orga­ni­sier­ten sie lokale Wett­be­werbe und Mitmach­ak­tio­nen zur Verschö­ne­rung und zum Erhalt der Wohn­um­ge­bung. Auch das kultu­relle Leben sollte auf diese Weise belebt werden, etwa durch die Ausrich­tung von Mati­neen, Festen oder gemein­sa­men Ausflügen.

Im Rahmen des sozia­lis­ti­schen Wett­be­werbs „Schö­ner unsere Städte und Gemein­den – Mach mit!“ wurden auch Kinder mitein­be­zo­gen. So plan­ten beispiels­weise die Pioniere der Ober­schule Uhlstädt einen neuen Spiel­platz. Auf Anre­gung der Gemein­de­ver­tre­tung reich­ten die Kinder Ideen und Vorschläge für die Gestal­tung eines unge­nutz­ten Gelän­des in der Nähe ihrer Schule ein. (Quelle: Bundes­ar­chiv, Bild 183-S0207-0017)

In vielen Häusern wurden zudem Haus­ge­mein­schafts­lei­tun­gen (HGL) gegrün­det, die als Anlauf­stel­len für persön­li­che wie kollek­tive Anlie­gen dien­ten. Hier wurden Konflikte bespro­chen und notwen­dige Arbei­ten orga­ni­siert. Häufig über­nahm beispiels­weise eine Person aus der Mieter­ge­mein­schaft die Verant­wor­tung für den Brand­schutz, sicht­bar gemacht durch einen Aushang am Schwar­zen Brett im Haus­flur. Im Mittel­punkt stand das Prin­zip der gegen­sei­ti­gen Hilfe im Mehr­fa­mi­li­en­haus. Die aus den Mitmach­ak­tio­nen entstan­de­nen Gemein­schaf­ten erhiel­ten so eine dauer­hafte Struk­tur und ermög­lich­ten es den Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern, ihre Inter­es­sen geschlos­sen gegen­über Wohnungs­ver­wal­tun­gen oder ‑genos­sen­schaf­ten zu vertre­ten. Bernd Preu­ßer, Bewoh­ner eines Hoch­hau­ses in der Leip­zi­ger Straße in Berlin, erin­nert sich:

„Haupt­zweck der HGL-Grün­dung war es, eine legi­ti­mierte Vertre­tung für die notwen­di­gen Verhand­lun­gen mit dem Vermie­ter – der Kommu­na­len Wohnungs­ver­wal­tung, kurz KWV – und den Baube­trie­ben zu haben. Die HGL war keine echte ‚Leitung‘, sie hatte selbst­ver­ständ­lich keiner­lei admi­nis­tra­tive Befug­nisse und konnte natür­lich auch nieman­den zu irgend­et­was ‚zwin­gen‘. Aber es gab eben bestimmte Probleme, die es vernünf­tig erschei­nen ließen, wenn man sich zu ihrer Lösung ‚verbün­dete‘. (…) In unse­rem Haus war es beispiels­weise so, dass laut Miet­ver­trag die gesamte Haus­rei­ni­gung in Verant­wor­tung des Vermie­ters, also der KWV, lag. Das klappte schlecht. (…) Wir haben vorge­schla­gen, die Reini­gung der Etagen­flure an die Mieter zu über­ge­ben und sie dafür entspre­chend zu bezah­len. (…) Das Geld wurde der HGL über­wie­sen. Einfachs­ter Weg war die Auftei­lung auf die betei­lig­ten Mieter, die meis­ten Etagen haben aber mit dem Geld gemein­sam etwas unter­nom­men. Es gab gemein­same Thea­ter­be­su­che, auch gemein­same Zoospa­zier­gänge und was es so alles gibt. Die häufigste Form war jedoch, das Geld gemein­sam zu ‚verfres­sen‘, wie man so sagt. Ich habe mit den Mietern den Termin für ein ‚Etagen­fest‘ abge­spro­chen, und dann wusste eigent­lich jeder, was er zu tun hat: (…) Jede Fami­lie bietet etwas an, was sie selbst gern isst. Und das Ganze fand direkt im Flur statt, vor dem Fahr­stuhl­schacht war genü­gend Platz, die Tische und Stühle kamen aus den Wohnun­gen; es war unkom­pli­ziert und immer sehr lustig. Es gab stets ein paar, die etwas zum Besten zu geben hatten – Spiele, Lieder, Witze, Anek­do­ten und sonst was. Für die Bezie­hun­gen zwischen den Mietern war das sehr gut.“83

Das blieb nicht auf die Neubau­ge­biete beschränkt. In „Repa­ra­tur­stütz­punk­ten“ konn­ten Mieter Mate­ria­lien und Maschi­nen für die Reno­vie­rung von Altbau­ten entlei­hen.84 Die von der Haus­ge­mein­schaft erbrach­ten Arbeits­stun­den wurden vom VEB Gebäu­de­wirt­schaft begli­chen und auf das Haus­konto über­wie­sen. Unter Anlei­tung von Fach­kräf­ten der kommu­na­len Repa­ra­tur­be­triebe wurden auch Volks­wirt­schaft­li­che Massen­in­itia­ti­ven und frei­wil­lige Arbeits­ein­sätze durch­ge­führt. In Lehr­gän­gen versuch­ten Wohnungs­ver­wal­tun­gen Know-how zur Selbst­hilfe zu vermit­teln.85 Über recht­li­che Bestim­mun­gen zum Wohnen infor­mier­ten eine Reihe von Heim­wer­ker­ma­ga­zi­nen, Kata­lo­gen und popu­lär­wis­sen­schaft­li­chen Ratge­bern wie das monat­lich erschei­nende „Maga­zin für Haus und Wohnung“, worin auch Tipps und Tricks zum Bauen und Reno­vie­ren gezeigt wurden.

Exkurs: Wohnungsbau global made in the GDR

Städte‑, Wohnungs­bau, tech­ni­sches wie archi­tek­to­ni­sches Wissen verharr­ten nicht in den Gren­zen der DDR. Auf allen Konti­nen­ten, vor allem aber in osteu­ro­päi­schen, afri­ka­ni­schen und asia­ti­schen Ländern, bemühte sich die DDR aktive und nach­hal­tige Bauhilfe zur Verfü­gung zu stel­len.86 Die Spann­weite reicht dabei von Perso­nal, Entwür­fen, Plänen bis Mate­rial. Auch wenn die DDR es für wich­ti­ger hielt, Wohn­sied­lun­gen und soziale und tech­ni­sche Einrich­tun­gen zu planen, die zu einem größe­ren Stadt­pla­nungs­kon­zept gehör­ten, wurden auch Indus­trie­an­la­gen geplant und gebaut, wie im Irak87, wobei viele Projekte nicht fina­li­siert wurden.

Archi­tek­tur­pro­jekte der DDR im Ausland, darun­ter Wohn‑, Indus­trie- und Kultur­bau­ten sowie Wett­be­werbs­teil­nah­men. (Quelle: DDR Planungs­ge­schichte. Portal des IRS Erkner zur Bau- und Planungs­ge­schichte der DDR: Archi­tek­tur­pro­jekte der DDR im Ausland – Bauten, Akteure und kultu­relle Trans­fer­pro­zesse, Online­da­ten­bank zum Archi­tek­tur­ex­port der DDR; HoBo-Dyer-Karte © Conne­xus Inter­na­tio­nal gGmbH.)

Das inter­na­tio­nale Enga­ge­ment der DDR speiste sich aus unter­schied­li­chen, inein­an­der­grei­fen­den Moti­ven. Neben wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen, etwa der Beschaf­fung drin­gend benö­tig­ter Devi­sen und dem Aufbau von Handels­be­zie­hun­gen, spiel­ten auch stra­te­gisch-poli­ti­sche Über­le­gun­gen eine wich­tige Rolle. Vor allem verstand sich die DDR jedoch als Akteur inter­na­tio­na­ler Soli­da­ri­tät. Über ihre Akti­vi­tä­ten im Ausland suchte sie nicht nur ihre außen­po­li­ti­sche Aner­ken­nung zu festi­gen, sondern auch gezielt progres­sive Kräfte welt­weit zu unter­stüt­zen, insbe­son­dere in Staa­ten, die nach revo­lu­tio­nä­ren Umbrü­chen oder bewaff­ne­ten Konflik­ten vor dem Wieder­auf­bau stan­den und sich gegen impe­ria­lis­ti­sche Einflüsse posi­tio­nier­ten.88

So betei­ligte sich die DDR in den 1950er Jahren massiv am Wieder­auf­bau des vom US-Bomben­ha­gel schwer zerstör­ten Koreas, insbe­son­dere in der Hafen­stadt Hamhŭng. Für die Planung und den Bau von Schu­len, einer tech­ni­schen Univer­si­tät und fünf bis zehn Wohn­kom­ple­xen für jeweils 3.500 Menschen wandte sie im Verlauf von zehn Jahren unge­fähr ein Prozent ihres jähr­li­chen Brut­to­in­lands­pro­dukts auf.89 Zwei weitere bekannte Beispiele sind, erstens, ein klei­nes Wohnungs­bau­pro­gramm für die Volks­re­pu­blik Sansi­bar90 ab 1964 und, zwei­tens, ein größer ange­leg­tes Wieder­auf­bau­pro­jekt im nord­viet­na­me­si­schen Vinh, einer im viet­na­me­si­schen Befrei­ungs­krieg gegen die USA stark zerstör­ten Stadt, die als Ausgangs­punkt des Ho-Chi-Minh-Pfads gilt.91

Die korea­ni­sche Hafen­stadt Hamhŭng wurde durch die US-ameri­ka­ni­sche Stra­te­gie der verbrann­ten Erde verwüs­tet. 80 bis 90 Prozent der Stadt lagen nach dem Krieg in Schutt und Asche. Zur Unter­stüt­zung des Wieder­auf­baus entsandte die DDR die Deut­sche Arbeits­gruppe Hamhŭng (DAH), bestehend aus über 150 Inge­nieu­ren, Archi­tek­ten und Geolo­gen. Sie half bei der Errich­tung einer ganzen Stadt, von Wohn- und Indus­trie­ge­bie­ten bis zu Kultur­häu­sern und einem Kran­ken­haus. Im Bild: Ein Wohn­block, errich­tet mit tradi­tio­nel­ler Ondol-Fußbo­den­hei­zung, die viele Schorn­steine erfor­derte, um 1958. (Quelle: Matthias Schubert)

In Sansi­bar wurden mehrere hundert Wohnun­gen gebaut, ergänzt durch länd­li­che Sied­lun­gen und Häuser für Regie­rungs­ver­tre­ter. Aufgrund der klima­ti­schen Bedin­gun­gen wurden beispiels­weise Loggien als Arbeits­räume entwi­ckelt. Ab 1969 nahm der Einfluss der Part­ner aus der DDR aber wegen poli­ti­scher Diffe­ren­zen, finan­zi­el­len Engpäs­sen und diver­gie­ren­den Vorstel­lun­gen einer reprä­sen­ta­ti­ven Stadt­ge­stal­tung ab. Trotz aller Diffe­ren­zen bot die Zusam­men­ar­beit wert­volle Lern­erfah­run­gen. So erhiel­ten lokale Fach­kräfte eine Ausbil­dung und Bauschaf­fende gewan­nen Einbli­cke in regio­nale Bautra­di­tio­nen, klima­ti­sche Bedin­gun­gen und soziale Bedürf­nisse. Anstelle neoko­lo­nia­len Pater­na­lis­mus wurde auf eine part­ner­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit auf den Baustel­len gesetzt. Das zweite Beispiel in Vinh umfasste ab 1973 den Wieder­auf­bau eines ganzen Vier­tels mit Schu­len, Kinder­gär­ten, einem Kino, Jugend­klub und Markt. Das heiße Klima erfor­derte durch­dachte Belüf­tung, weshalb in Vinh die Typo­lo­gie des Gale­rie­wohn­hau­ses wieder­be­lebt wurde. Bis 1980 entstan­den dort trotz finan­zi­el­ler Engpässe 1.800 Wohnun­gen für etwa 8.800 Menschen, rund zwei Drit­tel des ursprüng­lich geplan­ten Umfangs.

Im Laufe der Jahr­zehnte entstan­den inter­na­tio­nale Wissens­netz­werke zwischen den Part­ner­län­dern, in denen Erfah­run­gen wech­sel­sei­tig ausge­tauscht wurden. Das an der Bauaka­de­mie ansäs­sige Insti­tut für Städ­te­bau und Archi­tek­tur war einge­bun­den in eine Reihe fach­li­cher, inter­na­tio­na­ler Koope­ra­tio­nen wie dem Inter­na­tio­na­len Kongress für Städ­te­bau und Archi­tek­tur, Inter­na­tio­na­len Rat für Denk­mal­pflege oder dem Zentrum der Verein­ten Natio­nen für mensch­li­che Sied­lun­gen. 1987 gab es in Dessau beispiels­weise eine Tagung bei der Vertre­te­rin­nen und Vertre­ter der Bauwirt­schaft, Stadt­pla­nung und Archi­tek­tur aus vier­zehn Ländern Afri­kas und des vorder­asia­ti­schen Raums über die Nutzung der Erfah­run­gen der DDR bei der Lösung der Wohnungs­frage in ihren Ländern disku­tier­ten. Dabei ging es z. B. um die Verhin­de­rung von dich­ten Ballungs­räu­men, das Bauen im Bestand, den Einsatz alter­na­ti­ver Bauwei­sen und ‑mate­ria­lien wie Lehm. Auch bot die DDR Lösun­gen für Stahl­be­ton­bau­ele­mente für afri­ka­ni­sche Staa­ten an, die von der Bauaka­de­mie entwi­ckelt wurden.92

Die Realität des Wohnungsbauprogramms

Erfolge und spezifische Probleme

Ende der 1960er Jahre wandte sich die SED der Wohnungs­frage mit neuer Dring­lich­keit zu. Der seit 1961 anhal­tende Rück­gang der Gebur­ten­rate wurde teil­weise auf unzu­rei­chende Wohn­ver­hält­nisse zurück­ge­führt.93 Das Defi­zit an zeit­ge­mä­ßen Wohnun­gen wurde 1971 auf rund 1,6 Millio­nen bezif­fert. Zugleich geriet die unter Walter Ulbricht (1893–1973) verfolgte Indus­trie­po­li­tik an ihre Gren­zen. Erheb­li­che Ungleich­ge­wichte in der Ressour­cen­ver­tei­lung setz­ten den Wohnungs­bau — neben Konsum­gü­ter­in­dus­trie und Ener­gie­wirt­schaft — zusätz­lich unter Druck.94 Eine Kurs­kor­rek­tur, die bereits ange­sto­ßene Projekte in den Stadt­zen­tren zurück­stellte, wurde bereits Ende 1970 vorgenommen.

Nach dem VIII. Partei­tag der SED im Juni 1971 wurde im Okto­ber durch das Polit­büro des ZK der SED und durch den Minis­ter­rat für den Planungs­zeit­raum von 1971–1975 der Bau von 500.000 Wohnun­gen in Angriff genom­men und eine über­ar­bei­tete Wohnungs­po­li­tik ange­kün­digt. Im Folge­jahr wurden Beschlüsse durch das Sekre­ta­riat des ZK der SED hinsicht­lich des Eigen­heim­baus und der notwen­di­gen Repa­ra­tu­ren unter Einbe­zie­hung der Bevöl­ke­rung gefasst. Das Wohnungs­bau­pro­gramm wurde schließ­lich auf der 9. Tagung des ZK im Früh­som­mer 1973 beauf­tragt und schließ­lich nach inten­si­ven Bera­tun­gen und Analy­sen mithilfe der Bauin­sti­tu­tio­nen der DDR im Okto­ber auf der 10. Tagung des ZK der SED zur Beschluss­reife gebracht.

Hier­nach soll­ten im Zeit­raum von 1976 bis 1990 2,8 bis 3 Millio­nen Wohnun­gen gebaut bezie­hungs­weise moder­ni­siert werden. Die glei­che Zahl hatte Honecker bereits 1973 auf der 9. Tagung des ZK genannt:

„Ein bedeu­ten­des Vorha­ben der Verbes­se­rung der Lebens­be­din­gun­gen ist die weitere Forcie­rung des Wohnungs­baus. Welcher Rang dieser Aufgabe für die Entwick­lung der sozia­lis­ti­schen Lebens­weise beizu­mes­sen ist, geht wohl daraus hervor, daß wir ins Auge fassen, im nächs­ten Fünf­jahr­plan 700.000 bis 800.000, im Zeit­raum bis 1990 2,8 bis 3 Millio­nen Wohnun­gen neu zu bauen bezie­hungs­weise zu moder­ni­sie­ren. Damit werden wir in diesem Zeit­ab­schnitt die Wohnungs­frage lösen.“95

Ab 1973 wurden auf der Grund­lage staat­li­cher Vorga­ben detail­lierte Pläne für den Wohnungs­bau durch die Räte der Bezirke und Städte erar­bei­tet. Diese waren einer­seits nach den Berei­chen der tech­ni­schen Erschlie­ßung, der Wohnun­gen und der gesell­schaft­li­chen Einrich­tun­gen geglie­dert und ande­rer­seits enthiel­ten sie Kenn­zif­fern für Inves­ti­tio­nen und Kapa­zi­tä­ten für Neu‑, Um- und Ausbau sowie die notwen­di­gen Maßnah­men für Erhal­tung und Moder­ni­sie­rung. Zentral war dabei die Bilanz­me­thode für Wohnun­gen, den Bau und die Material‑, Ausrüs­tungs- und Konsum­gü­ter, mit der der Bedarf an Gütern den vorhan­de­nen gegen­über­ge­stellt wurde, sowohl intern als auch auf der zwischen­be­trieb­li­chen Ebene.96

Dieses äußerst ambi­tio­nierte und komplexe Wohnungs­bau­pro­gramm, für das Inves­ti­tio­nen im Wert von 200 Mrd. Mark aus dem Staats­haus­halt sowie Eigen­leis­tun­gen der Bevöl­ke­rung, vermit­telt durch die Genos­sen­schaf­ten, kalku­liert wurden, bildete den Kern der auf dem VIII. Partei­tag beschlos­se­nen „Einheit von Wirt­schafts- und Sozi­al­po­li­tik“. Diese sah unter­schied­li­che Maßnah­men zur Verbes­se­rung der Lebens­si­tua­tion der Gesamt­be­völ­ke­rung vor. In den Neubau­ge­bie­ten gab es für 290.000 Fami­lien mit einem monat­li­chen Brut­to­ein­kom­men unter 2.000 Mark beispiels­weise eine weitere Miet­sen­kung der bereits subven­tio­nier­ten Miete. Davon profi­tierte insbe­son­dere die Arbei­ter­schaft. Vor allem ging es darum, die alte Ziel­stel­lung wieder aufzu­neh­men, jeder Fami­lie im Laufe der Zeit eine eigene Wohnung und jedem Fami­li­en­mit­glied ein eige­nes Zimmer zur Verfü­gung zu stel­len.97

Die Lösung der Wohnungs­frage wurde daher als soziale Frage ange­gan­gen. Mit dem Baupro­gramm soll­ten einer­seits die Bauzei­ten verkürzt und die Baukos­ten gesenkt werden. Zugleich sollte der Wohn­stan­dard massen­weise ange­ho­ben werden, indem indus­tri­ell gebaut, Altbau moder­ni­siert und Eigen­heime für kinder­rei­che Fami­lie zu bauen seien. Eine nicht zu vernach­läs­si­gende Rolle spielte nämlich auch, vor allem auf dem Land und in Klein­städ­ten, der Bau von Eigen­hei­men, der ab den 1970er Jahren 11 bis 15 Prozent des Wohnungs­baus ausmachte.98

Von nun an lag der Fokus des Bauens auf Groß­wohn­ge­bie­ten außer­halb der Stadt­zen­tren. Bis zum Beginn der 1980er Jahre machte dies unge­fähr 90 Prozent des Bauvo­lu­mens aus. In allen größe­ren Städ­ten wie Görlitz, Karl-Marx-Stadt (heute Chem­nitz), Leip­zig, Erfurt oder Stral­sund wurden auf der „grünen Wiese“ vor allem Vari­an­ten der WBS 70 gebaut, das heißt, zuvor land­wirt­schaft­lich genutzte Flächen wurden in Bauland umge­wan­delt und mit der notwen­di­gen tech­ni­schen Infra­struk­tur erschlossen.

In mehr­spän­ni­gen Blöcken mit fünf bis zwan­zig Etagen erstreck­ten sich die neuen Wohn­ge­biete kilo­me­ter­weise, unter­bro­chen von markan­ten Bauten wie den Wind­müh­len­hoch­häu­sern in Rostock oder dem Berli­ner Restau­rant „Ahorn­blatt“. Das größte dieser Quar­tiere entstand in Berlin-Marzahn. Mit knapp 60.000 neuen Wohnun­gen wurde sie zur größ­ten Plat­ten­bau­sied­lung Euro­pas. Was dort gebaut wurde, war keine Schlaf­stadt, sondern ein am mensch­li­chen Bedarf orien­tier­tes Stadt­quar­tier mit Kitas, Schu­len, Spiel­plät­zen, Einkaufs­mög­lich­kei­ten, Poli­kli­ni­ken, Biblio­the­ken, Schwimm­hal­len und Kultur­ein­rich­tun­gen, guter Verkehrs­an­bin­dung an Berlin-Mitte und groß­zü­gi­gen, durch­grün­ten Frei­flä­chen. Bis zum Ende der DDR wuchs und entwi­ckelte sich diese Sied­lun­gen weiter.

1977 begann der Bau der Groß­sied­lung Berlin-Marzahn, geprägt von elfge­schos­si­gen Plat­ten­bau­ten, die jeweils in rund 110 Tagen aus vorge­fer­tig­ten Groß­plat­ten montiert wurden. Am 9. Mai 1987, anläss­lich der 750-Jahr-Feier Berlins, wurde im neuen Bezirk der 21 Hektar große Park „Berli­ner Garten­schau“ (heute: Gärten der Welt) eröff­net. (Quelle: Bundes­ar­chiv, Bild 183-Z0904-006 und Bundes­ar­chiv, Bild 1987–0129-310)

Herausforderungen in der Umsetzung des Wohnungsbauprogramms

Seit den 1980er Jahren geriet das ambi­tio­nierte Wohnungs­bau­pro­gramm zuneh­mend unter Druck. Gegen alle objek­ti­ven und subjek­ti­ven Wider­stände wurde es aller­dings aufrecht­erhal­ten. Die Mitte der 1970er Jahre ausge­bro­chene Wirt­schafts­krise im kapi­ta­lis­ti­schen Ausland zeigte auch in den Staa­ten des Sozia­lis­mus ihre Wirkung. Die immensen Preis­stei­ge­run­gen im Rohstoff­sek­tor erhöh­ten den Bedarf an Devi­sen, während die Preise der eige­nen Indus­trie­pro­dukte nicht so schnell anstie­gen.99 So wurden Bauleis­tun­gen und ‑mate­rial zuneh­mend für den Export bzw. zur Devi­sen­be­schaf­fung benö­tigt. Der Subven­ti­ons­auf­wand des Staa­tes wuchs zudem konti­nu­ier­lich an und belas­tete den Staats­haus­halt weiter. So stie­gen die Aufwen­dun­gen für Ener­gie, Wasser, Müll­be­sei­ti­gung und Garten­pflege von 222 Millio­nen Mark im Jahr 1971 auf 4.247 Millio­nen Mark im Jahr 1988, was durch das konti­nu­ier­li­che Wirt­schafts­wachs­tum nicht aufge­fan­gen werden konnte und in den Ausma­ßen der Bevöl­ke­rung auch nicht sicht­bar war.100 Der Drang zur weite­ren Ratio­na­li­sie­rung führte außer­dem dazu, dass vermehrt klei­nere Gebäude mit klei­ne­ren Grund­ris­sen ohne Aufzug gebaut wurden. Auch die Entschei­dung, vorhan­dene Ressour­cen anläss­lich der 750-Jahr-Feier Berlins aus den Städ­ten und Bezir­ken abzu­zie­hen, führte zu Verzö­ge­run­gen in ande­ren Gebie­ten.101

Aufgrund dieser Probleme gerie­ten auch die Altbe­stände in den Innen­städ­ten und klei­ne­ren Städ­ten in Bezug auf ihre Quali­tät unter Druck. Trotz des seit den 1970er Jahren wach­sen­den Fokus auf Restau­rie­rung, Sanie­rung und Erhal­tung von histo­ri­scher Bausub­stanz, wie etwa beim Projekt „komplexe Rekon­struk­tion“ im Areal um den Arnim­platz und am Arko­na­platz im Berli­ner Bezirk Prenz­lauer Berg mit etwa 11.000 Wohnun­gen102, fehl­ten wich­tige Ressour­cen, sodass der Verfall nicht gestoppt werden konnte. Nur vier Prozent der neuen Wohnun­gen waren 1989 auf der Grund­lage hand­werk­li­cher Bauwei­sen entstan­den. Nur 14 Prozent des repa­ra­tur­be­dürf­ti­gen Altbaus konn­ten bis zum Ende der 1980er Jahre wieder instand gesetzt werden.103

Die Prio­ri­tät des Neubaus hatte auch perso­nelle Konse­quen­zen. Inge­nieure und Bauar­bei­ter wurden eher für indus­tri­elle Bauver­fah­ren ausge­bil­det, nicht für Restau­rie­rung und Bestands­er­halt. Wo Kapa­zi­tä­ten für die Altbau­sub­stanz frei­ge­macht werden konn­ten, kamen daher meist indus­tri­elle Metho­den zum Einsatz — häufig Abriss und Neubau. Das schuf aller­dings auch Spiel­raum für moderne Gestal­tung. In Greifs­wald entstan­den in den 1980er Jahren soge­nannte „Altstadt­plat­ten“ — Neubau­ten in viel­fäl­ti­gen Plat­ten­for­ma­ten, mit deko­ra­ti­ven Moti­ven verse­hen, die weni­gen erhal­te­nen histo­ri­schen Häuser bewusst als Kontrast hervor­ge­ho­ben. Viele abge­ris­sene Altbau­ten wichen Grün­an­la­gen und gesell­schaft­li­chen Einrichtungen.

Nach dem Abriss alter Bausub­stanz rund um den Domplatz in Halle (Saale) wurden pass­ge­naue Ersatz­neu­bau­ten in indus­tri­el­ler Plat­ten­bau­weise errich­tet, die sich im Maßstab an den histo­ri­schen Stadt­grund­riss anleh­nen. (Quelle: Jörg Blobelt)

Bilanz des Wohnungsbauprogramms

Wurde das Ziel des Wohnungs­bau­pro­gramms quan­ti­ta­tiv erreicht? Der ehema­lige Wissen­schaft­li­che Direk­tor der Bauaka­de­mie und leitende Mitar­bei­ter im Minis­te­rium für Bauwe­sen der DDR, Joachim Tesch, schreibt hierzu:

„Im Zeit­raum 1971 bis 1989 wurden insge­samt 2,9 bis 3,3 Millio­nen Wohnun­gen, im Zeit­raum 1976 bis 1989 insge­samt 2,3 bis 2,6 Millio­nen Wohnun­gen gebaut und moder­ni­siert. Fairer­weise müßte beim Vergleich mit der Ziel­stel­lung auch noch ein fikti­ves Ergeb­nis für das Jahr 1990 in Höhe von ca. 0,15 Millio­nen Wohnun­gen hinzu­ge­rech­net werden. Das heißt: Gerech­net ab 1971 wurde die Ziel­stel­lung von 2,8 bis 3,0 Millio­nen Wohnun­gen über­erfüllt, für den Bezugs­zeit­raum ab 1976 knapp unte­rerfüllt.“104

Die DDR hat also eine mehr als beacht­li­che Leis­tung erbracht, auch, weil die Schaf­fung komple­xer Lebens­wel­ten das Bauen von Wohnun­gen und der dazu­ge­hö­ri­gen Infra­struk­tur beinhal­tete. Dennoch waren die Bauka­pa­zi­tä­ten insge­samt zu gering. Es hätte mehr und schnel­ler mit mehr Bauper­so­nal gebaut werden müssen.

Wurde das Ziel des Wohnungs­bau­pro­gramms quali­ta­tiv erreicht? Ja und Nein. Immer wieder wurde die Mono­to­nie der archi­tek­to­ni­schen Räume beklagt, eine Kritik die in den 1980er Jahren lauter wurde, als auch tradi­tio­nelle Bauwei­sen eine Renais­sance erfuh­ren. Unter Mono­to­nie ist aber nicht das indus­tri­elle Bauen per se verstan­den worden, sondern die Art der Anord­nung der indus­tri­el­len Bauten, so dass man, wie der Archi­tekt Hans Schmidt (1893–1972) sagt, „vor lauter Häusern die Stadt nicht mehr sieht“105. Die Kritik an der Mono­to­nie rich­tete sich häufig gegen das Anord­nen der Bauten ohne stim­mige Glie­de­rung, die Mono­funk­tio­na­li­tät des Wohnungs­baus und die Gleich­för­mig­keit von Grund­ris­sen und Gebäu­den, die den Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern unge­nü­gen­den Raum für eigene Gestal­tung ließ. Ihre Möglich­kei­ten, Indi­vi­dua­li­tät auszu­drü­cken, beschränk­ten sich meist auf deko­ra­tive Details wie die Gestal­tung der Balkone und Loggien.

Für Unmut sorgte auch die unglei­che Entwick­lung, wo die gesell­schaft­li­chen Einrich­tun­gen häufig lange nach den Wohnun­gen fertig wurden und die Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner einschränkte und zu länge­ren Wegen, etwa zur Arbeit, zwang. Zugleich spie­gelte diese Kritik jedoch ein wach­sen­des Selbst­be­wusst­sein der Nutze­rin­nen und Nutzer wider. Das Wohnen wurde nicht länger als passi­ves Mieten, sondern als akti­ves Nutzen des Raums verstan­den – als Teil­habe an der Erhal­tung und Verwal­tung der eige­nen Wohnung, die man zuneh­mend als etwas Eige­nes betrach­tete und behan­delt wissen wollte.106 Die Entwick­lung dieses Selbst­ver­ständ­nis­ses ist nur vor dem Hinter­grund der weit­ge­hen­den Verge­sell­schaf­tung von Grund und Boden sowie der Indus­tria­li­sie­rung des Bauens möglich gewesen.

Das Span­nungs­ver­hält­nis zwischen Neubau und Altbau­mo­der­ni­sie­rung lag laut Tesch auch an einem konzep­tio­nel­len Fehler. Die Wohnungs­po­li­tik der 1970er und 1980er Jahre wurde zu einsei­tig als Baupro­gramm betrie­ben — statt Bauen als Teil einer umfas­sen­den Wohnungs- und Stadt­ent­wick­lungs­po­li­tik zu begrei­fen. Sympto­ma­tisch dafür war die fehlende insti­tu­tio­nelle Zuständigkeit:

„Die Verken­nung der Komple­xi­tät des Wohnungs­pro­blems und seine einsei­tige Behand­lung als Bauauf­gabe zeigte sich auch daran, dass es – trotz Vorhan­den­seins vieler Staats­or­gane für vergleichs­weise nicht so wich­tige Aufga­ben – für die Wohnungs­wirt­schaft kein zentra­les Staats­or­gan gab. Das Baumi­nis­te­rium hat sich absicht­lich nur auf die Bauauf­ga­ben konzen­triert.“107

Die Idee, ein zentra­les Organ für die Wohnungs­po­li­tik zu schaf­fen, wurde trotz Über­le­gun­gen und Vorar­bei­ten nie umge­setzt. Die Wohnungs­frage blieb insti­tu­tio­nell unge­bün­delt — verteilt auf mehrere Insti­tu­tio­nen wie dem Finanz- und Baumi­nis­te­rium – und führte damit zu Unklar­hei­ten in Kompe­tenz­fra­gen in und zwischen den Institutionen.

Die Prio­ri­tät der Bebau­ung in den Rand­ge­bie­ten führte unter­des­sen zuneh­mend zu Unmut, gerade weil die über­lie­fer­ten Altstadt­kerne für die Iden­ti­tät der örtli­chen Bevöl­ke­rung häufig von großer Bedeu­tung waren. Der durch mangelnde Baustoffe und Bauper­so­nal sowie teil­weise bewusst in Kauf genom­me­nen Verfall der Altstädte – auch da sie an die Miets­ka­ser­nen der ersten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts erin­ner­ten mit ihren „Berli­ner Zimmern“108 – wurde zu spät durch Ersatz­neu­bau kompen­siert. Der Verfall der Altstädte unter­mi­nierte zum einen das „Heimisch-Fühlen“. Zum ande­ren erschien der Neubau nach Abriss vielen als zu tief­grei­fen­der und risi­ko­be­haf­te­ter Einschnitt in das persön­li­che Umfeld. Dennoch wurden durch Moder­ni­sie­run­gen und Neubau die Wohn­ver­hält­nisse für Millio­nen von Menschen immens verbes­sert. So erhiel­ten im Zuge der Moder­ni­sie­run­gen circa 1,2 Millio­nen Wohnun­gen ein Bad bzw. eine Dusche und 0,8 Millio­nen ein WC im Innen­be­reich.109 Die Mieten waren bezahl­bar, Kündi­gun­gen quasi ausge­schlos­sen und die Obdach­lo­sig­keit beseitigt.

Nach dem Abriss von Altbau­ten in Rostock wurden vom VEB Wohnungs­bau­kom­bi­nat um 1986 Ersatz­neu­bau­ten in Plat­ten­bau­weise (WBS 70) errich­tet, einge­passt zwischen den verblie­be­nen Altbau­ten und gestaf­felt auf maxi­mal sechs Geschosse. Die Fassa­den wurden mit Klin­ker­plat­ten verklei­det, um sie an die histo­ri­schen Back­stein­bau­ten der Umge­bung anzu­pas­sen. (Quelle: Jörg Blobelt)

Die Wohn­zu­frie­den­heit, aber auch die Ansprü­che wuch­sen stetig, da das Grund­be­dürf­nis nach einem Dach über dem Kopf gesi­chert wurde. Gegen Ende der 1980er Jahre wuchs jedoch die Kluft zwischen dem offi­zi­el­len Wohnungs­bau­pro­gramm und der Stim­mung in Teilen der Bevöl­ke­rung. In den Einga­ben der Bevöl­ke­rung blieb die Wohnungs­frage ein Dauer­bren­ner. Zum Jahres­ende 1989 gab es 770.000 aner­kannte Wohnungs­an­träge, insbe­son­dere von Einzel­per­so­nen, die es beson­ders schwer hatten, Wohn­raum zu bekom­men. Es war aber nicht im Inter­esse der DDR Einper­so­nen­haus­halte zu fördern. Die Bevöl­ke­rung konzen­trierte sich zuneh­mend in den größe­ren Städ­ten, was zu terri­to­ria­len Ungleich­ge­wich­ten führte. Viele leer­ste­hende Wohnun­gen wiesen so starke Mängel auf, dass sie nicht mehr vermiet­bar waren. Zugleich stieg der Anteil unter­be­leg­ter Wohnun­gen, dem selbst die staat­li­che Wohn­raum­len­kung nicht Abhilfe schaf­fen konnte.110 Gegen­maß­nah­men, etwa die Anhe­bung der Mieten, um den Staats­haus­halt zu entlas­ten, wurden aus poli­ti­schen Grün­den abgelehnt.

Abwicklung der sozialistischen Wohnverhältnisse

In den 1990er Jahren hatte die Stunde des „Revan­chis­mus“ geschlagen.

„Die weit­ge­hende Repri­va­ti­sie­rung des ostdeut­schen Wohnungs­we­sens nach der Wende stellte“, wie Stadt­for­scher Andrej Holm schreibt, „de facto die Eigen­tums­ver­hält­nisse von 1945 wieder her und steht für einen Revan­chis­mus als ‚Wieder­gut­ma­chung erlit­te­ner Verluste‘. Die Zerschla­gung von Einrich­tun­gen und Infra­struk­tu­ren wie den Poli­kli­ni­ken und Kreis­kul­tur­häu­sern oder auch der Abriss von bauli­chen Ikonen der Ostmo­derne lassen sich nicht allein aus prag­ma­ti­schen Poli­tik­über­le­gun­gen und ökono­mi­schen Inter­es­sen erklä­ren. Sie folg­ten offen­sicht­lich auch Impul­sen der Rache und Bestra­fung.“111

Am 31. August 1990 wurde das Ende der DDR mit dem Eini­gungs­ver­trag besie­gelt. Mit Wirk­sam­wer­den des Vertrags war die DDR von der BRD geschluckt worden. Das hatte gewal­tige Auswir­kun­gen auf die zuvor geschaf­fe­nen Wohn­ver­hält­nisse. Mit dem Ende der DDR wurde die zuvor staat­li­che Wohnungs­wirt­schaft sukzes­sive priva­ti­siert. Im Eini­gungs­ver­trag hieß es demge­mäß unter Art. 22, Abs. 4: „Die Kommu­nen über­füh­ren ihren Wohnungs­be­stand unter Berück­sich­ti­gung sozia­ler Belange schritt­weise in eine markt­wirt­schaft­li­che Wohnungs­wirt­schaft. Dabei soll die Priva­ti­sie­rung auch zur Förde­rung der Bildung indi­vi­du­el­len Wohn­ei­gen­tums beschleu­nigt durch­ge­führt werden.“112 Wohnungs­ver­wal­tun­gen wurden in Wohnungs­un­ter­neh­men trans­for­miert, die den Kommu­nen ganz oder teil­weise gehör­ten. Das genos­sen­schaft­li­che Wohn­ei­gen­tum verblieb bei den Genos­sen­schaf­ten, ebenso wie der Grund und Boden, auf dem die Häuser standen.

Einer der Schritte der Repri­va­ti­sie­rung umfasste das 1993 in Kraft getre­tene Altschul­den­hil­fe­ge­setz, welches die ostdeut­schen Kommu­nen in erheb­li­che Schwie­rig­kei­ten brachte. Die für die Bilan­zie­rung und die Inves­ti­tio­nen im Bauwe­sen der DDR verwen­de­ten Darle­hen, die häufig mit Nied­rig­zin­sen verse­hen waren, wurden in verpflich­tende Kredite mit an den Kapi­tal­markt ange­pass­ten Zinsen der Kommu­nen gegen­über den Banken der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land umge­wan­delt. Statt vier waren nun neun Prozent fällig. Hier­für hatte man zum Stich­tag, dem 1. Juli 1990, eine Gesamt­summe von 36 Milli­ar­den DM errech­net. Bis 1993 wurde eine Stun­dung einge­führt, bis 1995 gar ein Mora­to­rium, mit dem die Tilgung ausge­setzt wurde. Danach soll­ten aber Zinsen fällig werden. Die errech­nete Altschul­den­summe stieg auf 50 Milli­ar­den DM. Da diese Summe mit den bishe­ri­gen Mieten nicht zu bestrei­ten war, wurden im rasan­ten Tempo, per Gesetz, die Mieten erhöht. Diese stie­gen um das Sieben­fa­che an. Der Anteil der Brut­to­kalt­miete am Haus­halts­ein­kom­men vervier­fachte sich.113

Man setzte den Kommu­nen die Pistole auf die Brust. Laut Altschul­den­hil­fe­ge­setz soll­ten die Kommu­nen die erfun­de­nen Schul­den zuzüg­lich der Zinsen zahlen oder die Altschul­den auf 150 DM pro Quadrat­me­ter Wohn­flä­che kappen. Der Preis für die Kappung war sehr hoch. Die Kommu­nen muss­ten den Verkauf von fünf­zehn Prozent ihres Wohn­be­stan­des bis zum Jahr 2003 veran­las­sen, wobei ein Teil des Verkaufs­er­lö­ses an den Erblas­ten­til­gungs­fonds114, abge­führt werden musste, mit dem z. B. der Abzug der sowje­ti­schen Trup­pen bezahlt wurde.

Bis Ende 1996 wurden im Rahmen des Altschul­den­hil­fe­ge­set­zes bereits 185.000 Wohnun­gen verkauft. Ein Vier­tel der Käufer waren Miete­rin­nen und Mieter, der Rest ging an private Wohn­un­ter­neh­men oder z. T. neu gegrün­dete Wohnungs­ge­nos­sen­schaf­ten.115 So tummel­ten sich in den ehemals volks­ei­ge­nen Neubau­sied­lun­gen in Halle-Neustadt oder Leip­zig ein bis zwei Dutzend privat­wirt­schaft­li­che orga­ni­sierte Unter­neh­men.116

Der Staat förderte die Priva­ti­sie­rung für einen kurzen Zeit­raum sogar mit einer Sonder­ab­schrei­bung. Für jede Million konnte die Hälfte im ersten Jahr abge­schrie­ben werden. Der bundes­re­pu­bli­ka­ni­sche Staat verschenkte somit Steu­er­ein­nah­men in hoher zwei­stel­li­ger Milli­ar­den­höhe und beför­derte damit die private Reich­tums­bil­dung, v. a. west­deut­scher Inves­to­ren.117 Zudem wurden groß­zü­gige Inves­ti­tio­nen für den Eigen­heim­bau zur Verfü­gung gestellt, der in den 1990er Jahren noch­mal am Rande von Städ­ten boomte.

Fatal wirk­ten sich auch das 1990 fest­ge­legte Prin­zip „Rück­gabe vor Entschä­di­gung“ aus, nach dem Enteig­nun­gen und Liqui­da­tio­nen, beispiels­weise von hinter­las­se­nem Eigen­tum derje­ni­gen, die in den Westen gingen, rück­gän­gig gemacht werden soll­ten. Die hoch­kom­pli­zierte Ange­le­gen­heit führte dazu, dass 2,1 Millio­nen Rück­über­tra­gungs­an­sprü­che, vor allem auf Gebäude und Grund­stü­cke, gestellt wurden. Dies vergif­tete nach­hal­tig die Bezie­hung zwischen der ost- und der west­deut­schen Bevöl­ke­rung, weil infolge des „Geset­zes zur Rege­lung offe­ner Vermö­gens­fra­gen“ zahl­rei­che Gerichts­ver­fah­ren ange­strengt wurden, in denen den Rück­ga­be­be­rech­tig­ten der Zeit­wert des Vermö­gens zuge­spro­chen wurde. Alleine in dem klei­nen Ort Klein­mach­now nahe Berlin, der 11.000 Einwoh­ne­rin­nen und Einwoh­ner zählte, soll­ten 1.912 Grund­stü­cke und 5.500 Wohnun­gen geräumt werden.118 In Ostber­lin wurden 175.000 Anträge gestellt und unge­fähr 50.000 Wohnun­gen aus den kommu­na­len Bestän­den heraus­ge­löst und Privat­be­sit­zern gege­ben, die wiederum ihre neu erhal­te­nen Wohnun­gen häufig an große Wohn­kon­zerne verkauf­ten.119

Die Repri­va­ti­sie­rung stimu­lierte in den 1990er Jahren eine regel­rechte Bauwut. Über 770.000 Wohnun­gen wurden in zehn Jahren gebaut, dysfunk­tio­nale Gewer­be­ge­biete schos­sen an den Rändern der Ortschaf­ten wie Pilze aus dem Boden. Der Ausver­kauf und die forcierte Deindus­tria­li­sie­rung und Deinfra­struk­tu­ra­li­sie­rung der ehemals sozia­lis­ti­schen Wirt­schaft führte aber dazu, dass am tatsäch­li­chen Bedarf vorbei gebaut wurde. Denn 1,2 Millio­nen Menschen verlie­ßen in den 1990er Jahren das ehema­lige Staats­ge­biet der DDR, der massive Gebur­ten­rück­gang dezi­mierte die Bevöl­ke­rung noch­mal um unge­fähr 700.000. Insbe­son­dere in den Neubau­ge­bie­ten, die an den Indus­trie­zen­tren errich­tet worden waren, mach­ten sich die Wande­run­gen bemerk­bar. Eine Folge war, dass im Jahr 2000 etwa eine Millio­nen Wohnun­gen leer stan­den. Die hohen Bau- und Unter­hal­tungs­kos­ten und ausblei­bende Miet­ein­nah­men belas­te­ten die kommu­na­len Wohnungs­ge­sell­schaf­ten zusätz­lich. Also setzte der Staat wiederum ein Programm auf, um groß­flä­chig abrei­ßen zu können.120

Delegitimierung der Architektur und des Städtebaus der DDR

Paral­lel zu den juris­ti­schen, poli­ti­schen und ökono­mi­schen Um- und Entwer­tun­gen der Archi­tek­tur und des Städ­te­baus der DDR griff auch der mate­ri­elle und kultu­relle Abriss­ham­mer um sich. In der Bevöl­ke­rung durch­aus beliebte, moder­nis­ti­sche Gebäude wie der Palast der Repu­blik oder das Restau­rant „Ahorn­blatt“ in Berlin wurden in den 2000er Jahren trotz zahl­rei­cher Proteste abge­ris­sen. Der Archi­tek­tur­jour­na­list Anh-Linh Ngo sprach in diesem Kontext davon, dass der „Abriss von Symbol­bau­ten der DDR (…) gewis­ser­ma­ßen den Versuch der Tilgung ihrer Gesell­schaft“121 wider­spiegle. In vielen klei­ne­ren und größe­ren Orten wurden Kunst­werke an Gebäu­den oder frei­ste­hende Kunst­werke abmon­tiert oder sind Opfer von Vanda­lis­mus gewor­den, teil­weise wurden sie sogar gestoh­len. Ehema­lige kultu­relle Zentren und beson­dere archi­tek­to­ni­sche Ensem­bles wurden dem Verfall über­las­sen, da sie nicht mehr genutzt wurden.

Unter dem Stich­wort „Kriti­sche Rekon­struk­tion” schlos­sen sich Archi­tek­ten und Stadt­pla­ner zusam­men, um einen Feld­zug gegen die Archi­tek­tu­ren der Nach­kriegs­zeit zu führen. An deren Stelle soll­ten histo­ri­sche Vorbil­der baro­cker und klas­si­zis­ti­scher Herkunft wieder aufer­ste­hen. So wurde beispiels­weise die Gestal­tung der Spree­insel (das Areal zwischen dem Marx-Engels-Platz, dem Palast der Repu­blik, dem Staats­rats­ge­bäude und der Fischer­insel) im Jahr 1993 in einem Wett­be­werb ausge­schrie­ben. Mit über 1000 Einsen­dun­gen avan­cierte dieser zu einem der größ­ten Wett­be­werbe der Welt. In den Unter­la­gen waren alle Bauten der DDR von Beginn an für den Abriss vorge­se­hen. Heute steht dort nur noch das ehema­lige Staats­rats­ge­bäude, das von einer Privat­uni­ver­si­tät genutzt wird.122 An der Stelle, an der einst der Palast der Repu­blik stand, thront heute das wieder­errich­tete Berli­ner Stadt­schloss, das umstrit­tene Humboldt-Forum. Das Museum, das mit Geldern aus west­deut­schen, erzre­ak­tio­nä­ren Krei­sen voran­ge­trie­ben wurde, ist ein Mix aus Barock, italie­ni­schem Ratio­na­lis­mus und Moder­nis­mus und beher­bergt u. a. die aus aller Welt zusam­men­ge­tra­ge­nen Kolo­ni­al­schätze aus der Zeit des Deut­schen Reichs.

Graf­fito an der Abriss-Baustelle des Palasts der Repu­blik: „Die DDR hat’s nie gege­ben“. Links im Hinter­grund das Staats­rats­ge­bäude, 2009. (Quelle: Böhm, Stadt­mu­seum Berlin)

Das rabiate Vorge­hen gegen die DDR-Archi­tek­tur fügte sich in das in den 1990er Jahren popu­läre Leit­bild der „Euro­päi­schen Stadt“123. Für den Denk­mal­schutz bedeu­tete diese neue Leit­idee vor allem die Bewah­rung jener Bauten, die zwischen dem Beginn und dem Ende des Deut­schen Kaiser­reichs entstan­den waren. In der Stadt­pla­nung wiederum diente sie als Orien­tie­rungs­punkt für Misch­nut­zung, Quar­tiers­ent­wick­lung und die Revi­ta­li­sie­rung der Innen­städte als Einkaufs­mei­len. Der Begriff wurde nie präzise gefasst. Viel­mehr entfal­tete er als schil­lernde Meta­pher eine emotio­nale Anzie­hungs­kraft, die sich mit der verbrei­te­ten Zunei­gung zu Altbau­woh­nun­gen verglei­chen lässt. Gleich­zei­tig bildete dieses Leit­bild das Gegen­stück zur funk­tio­na­lis­ti­schen Moderne der 1920er Jahre und Nach­kriegs­zeit. Es stand in engem Zusam­men­hang mit der Dele­gi­ti­mie­rung der DDR.

Auch die Neubau­ge­biete erfuh­ren eine Bedeu­tungs­ver­schie­bung. Ähnlich wie die zahl­rei­chen Groß­sied­lun­gen in West­deutsch­land, in denen sich häufig Armut konzen­trierte, wurden sie von vielen als Problem­vier­tel ange­se­hen. Sie wären ästhe­tisch minder­wer­tig, sanie­rungs­be­dürf­tig und soziale „Brenn­punkte“ sowie Nester des Neofa­schis­mus.124 Die Wochen­zei­tung „Die Zeit“ schrieb 1992: „West­deut­sche befällt beim Gedan­ken an diese Neubau­wohn­ge­biete Ostdeutsch­lands meist ein sozu­sa­gen polit-ästhe­ti­scher Schau­der. Wie häßlich und wie kommu­nis­tisch, denken sie.“125 Abwer­tend sprach man in der Presse seit dem Ende der DDR häufig vom „Plat­ten­bau“, ein in der Umgangs­spra­che zuvor eher unüb­li­cher Begriff, der von vielen der Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­nern der Neubau­ge­biete als „west­deut­scher Kampf­be­griff“ ange­se­hen wurde, weil mit ihm die Entwer­tung der DDR ausge­drückt werden sollte.126

Schon früh regte sich aber auch Wider­stand gegen die mate­ri­elle und kultu­relle Entwer­tung. Im Laufe der Jahre wurden zahl­rei­che Initia­ti­ven gebil­det, die bis heute mit zuneh­men­dem Erfolg für den Erhalt und die Wieder­nut­zung der Archi­tek­tur der „Ostmo­derne“ eintre­ten.127

Fazit

Der Wohnungs- und Städ­te­bau in der DDR war weit mehr als eine tech­ni­sche oder archi­tek­to­ni­sche Aufgabe — es war ein zutiefst poli­ti­sches, sozia­les und kultu­rel­les Projekt. Der Wohnungs­bau wurde zum Prüf­stein der sozia­lis­ti­schen Gesell­schafts­ord­nung: Das Recht auf Wohnen war Grund­recht und verfas­sungs­mä­ßi­ger Anspruch — kein Markt­ver­spre­chen. Es war erklär­tes Staats­ziel, das Privat­ei­gen­tum an Grund und Boden zurück­zu­drän­gen, Wohn­raum zu verge­sell­schaf­ten und plan­wirt­schaft­lich weiter­zu­ent­wi­ckeln. Dass Wohnen aufhörte, Ware zu sein, war nur möglich, weil die Macht­frage im Sinne der Werk­tä­ti­gen entschie­den war.

Ausge­hend von den zerstör­ten Städ­ten nach 1945, massi­ver Wohnungs­not und begrenz­ten Ressour­cen wurde der Aufbau des Wohnungs­we­sens zu einem zentra­len Bestand­teil der neuen Wirt­schafts­ord­nung. Insti­tu­tio­nell, juris­tisch und orga­ni­sa­to­risch entstand ein eng verfloch­te­nes System staat­li­cher Planung und Verge­sell­schaf­tung, das alle Ebenen vom Minis­te­rium für Bauwe­sen über Kombi­nate bis zu den kommu­na­len Bauäm­tern umfasste. Mit den „16 Grund­sät­zen des Städ­te­baus“ von 1950 wurden die ideo­lo­gi­schen und ästhe­ti­schen Leit­li­nien gelegt. Die Stadt galt als höchste Form des gesell­schaft­li­chen Zusam­men­le­bens, ihr Zentrum als Ausdruck sozia­lis­ti­scher Kultur.

Die frühen Projekte — von der Berli­ner Stalin­al­lee bis Stalin­stadt — verban­den reprä­sen­ta­tive Archi­tek­tur mit dem gesell­schaft­li­chen Anspruch, der Arbei­ter­klasse ein neues Selbst­be­wusst­sein zu geben. Über das Natio­nale Aufbau­werk sollte die Bevöl­ke­rung nicht Zuschaue­rin des Aufbaus sein, sondern aktiv daran mitwir­ken. Die Lösung der Wohnungs­frage war als Massen­pro­jekt und kollek­ti­ver Akt konzi­piert. Archi­tek­tur, Poli­tik und Alltag soll­ten in diesen frühen Projek­ten zusam­men­fal­len — Sozia­lis­mus nicht als Verwal­tungs­akt, sondern als gebaute Lebens­form. Ab Mitte der 1950er Jahre trat an die Stelle des reprä­sen­ta­ti­ven Anspruchs die Forde­rung nach Masse, Effi­zi­enz und Indus­tria­li­sie­rung. Typen­bau, Plat­ten­pro­duk­tion und Monta­ge­bau­weise soll­ten das Bauen ratio­na­li­sie­ren und die Wohnungs­not syste­ma­tisch bekämp­fen. Diese Entwick­lung machte die DDR zu einem der expe­ri­men­tells­ten Räume indus­tri­el­len Bauens weltweit.

Trotz aller Fort­schritte blieb die Wohn­raum­ver­sor­gung ein dauer­haf­tes Span­nungs­feld zwischen Anspruch und Wirk­lich­keit. Engpässe bei Mate­rial, Arbeits­kraft und Finan­zie­rung, insti­tu­tio­nelle Kompe­tenz­fra­gen sowie die Vernach­läs­si­gung der Altbau­sub­stanz führ­ten dazu, dass die selbst­ge­steck­ten Ziele inner­halb des 40-jähri­gen Bestehens der DDR nicht voll­stän­dig erreicht wurden. Gleich­wohl verbes­serte sich der Wohn­stan­dard für breite Bevöl­ke­rungs­schich­ten erheb­lich. Zentral­hei­zung, sani­täre Anla­gen, Grün­an­la­gen und soziale Infra­struk­tur wurden für Millio­nen zur Selbst­ver­ständ­lich­keit. Viele Bürge­rin­nen und Bürger erin­nern sich an ein Leben ohne Angst vor der Miete, ohne Kündi­gung, ohne Obdachlosigkeit.

Was die Wohnungs­po­li­tik der DDR zeigt: Wenn die Eigen­tums- und Macht­frage geklärt ist — Boden kein Speku­la­ti­ons­ob­jekt, Wohnen keine Ware — dann entste­hen Gestal­tungs­spiel­räume, die im Kapi­ta­lis­mus struk­tu­rell verschlos­sen blei­ben. Das bedeu­tet nicht das Ende von Konflik­ten, Span­nun­gen und Fall­stri­cken. Im Gegen­teil. Eine am mensch­li­chen Bedarf orien­tierte Wohnungs­po­li­tik muss immer wieder neu justiert, an verän­derte Umstände ange­passt und weiter­ent­wi­ckelt werden. Doch die DDR schuf zum ersten Mal den Rahmen für eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che und plan­mä­ßige Heran­ge­hens­weise an die Lösung der Wohnungs­frage. Ihre Erfah­run­gen blei­ben deswe­gen unver­zicht­bar für alle, die Alter­na­ti­ven jenseits des Kapi­ta­lis­mus nicht nur denken, sondern bauen wollen.

Dieser Text wurde in Zusam­men­ar­beit mit Dr. Martin Küpper erstellt.

Bildnachweise

Cover: Klaus Berns­dorf: „35 Jahre DDR – Seht, Großes ist voll­bracht“, 1984, bearbeitet.

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Quelle: DDR Planungs­ge­schichte. Portal des IRS Erkner zur Bau- und Planungs­ge­schichte der DDR: Archi­tek­tur­pro­jekte der DDR im Ausland – Bauten, Akteure und kultu­relle Trans­fer­pro­zesse, Online­da­ten­bank zum Archi­tek­tur­ex­port der DDR; HoBo-Dyer-Karte © Conne­xus Inter­na­tio­nal gGmbH.

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Fußno­ten
  1. Brecht, Bertolt: Fragen eines lesen­den Arbei­ters, in: Bertolt Brecht – Gesam­melte Werke, Bd. 9, Frank­furt am Main: Suhr­kamp Verlag 1990, S. 656–657.[]
  2. Vgl. Gerd Diet­rich: Kulturge-schichte der DDR, Göttin­gen: Vanden­hoeck & Ruprecht 2018, S. 1382.[]
  3. Vgl. Rubin, Amne­sio­po­lis: Macht, Raum und Plat­ten­bau in Nord­ost-Berlin, in: https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/233369/amnesiopolis.[]
  4. Simone Hain und Wolf­gang Schu­mann: Berlin-Marzahn – Voll­kom­men subjek­tive Betrach­tun­gen vor Ort selbst nebst Ergän­zun­gen aus der Sicht sozio­lo­gi­scher Unter­su­chun­gen, in: Hans G. Helms (Hg.): Die Stadt als Gaben­tisch, Leip­zig: Reclam 1992, S. 533–534.[]
  5. Vgl. Jana Gäng: Neue Studie zu Wohn­kos­ten. Nirgendwo frisst die Miete so viel vom Einkom­men wie in Berlin, in: Tages­spie­gel vom 9.7.2025.[]
  6. Greta Schabram, Katja Kipping, Dr. Joachim Rock: Mieten fres­sen Einkom­men – Pari­tä­ti­scher Bericht zu Wohn­ar­mut. Pari­tä­ti­sche Forschungs­stelle, Dezem­ber 2025: https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/expertise_armutsericht_2025_wohnarmut_web.pdf.[]
  7. Vgl. Mehr als eine Million wohnungs­lose Menschen Deutsch­land, in: https://www.bagw.de/fileadmin/bagw/media/Doc/PRM/PRM_25_BAG_W_Hochrechnung_2025_Pressemappe.pdf.[]
  8. Vgl. Leere Häuser als Speku­la­ti­ons­ob­jekte, in: https://www.deutschlandfunk.de/leerstand-wohnung-haus-spekulation-mieten-100.html.[]
  9. Deut­scher Bundes­tag, Antwort der Bundes­re­gie­rung auf eine schrift­li­che Anfrage der Abge­ord­ne­ten Caren Lay (Die Linke), Druck­sa­che 21/3136, https://dserver.bundestag.de/btd/21/031/2103136.pdf, S. 54.[]
  10. Vgl. Mehr Zwangs­räu­mun­gen im Norden, in: https://www.sueddeutsche.de/stil/wohnen-mehr-zwangsraeumungen-im-norden-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101–251214-930–420534.[]
  11. Fried­rich Engels: Zur Wohnungs­frage, in: Marx-Engels-Werke, Bd. 18, Berlin: Dietz-Verlag 1976, S. 236.[]
  12. Ebd.[]
  13. Fried­rich Engels: Zur Wohnungs­frage, S. 216.[]
  14. Vgl. Andrej Holm: Objekt der Rendite, Berlin: Dietz-Verlag 2022, S. 78–84.[]
  15. Fried­rich Engels, Zur Wohnungs­frage, S. 226–227.[]
  16. Ebd., S. 213.[]
  17. Jürgen Kuczyn­ski: Geschichte des Alltags des Deut­schen Volkes, Bd. 5, Köln: Pahl-Rugen­stein Verlag 1982, S. 389.[]
  18. Vgl. Klaus Bode: Kriegs­zer­stö­run­gen 1939–1945 in Städ­ten der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land, in: Europa Regio­nal, 3/1996, S. 9–20.[]
  19. Vgl. Junker­land in Bauern­hand. Von der Boden­re­form zur sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft, Studies on the DDR, Bd. 3, in: https://ifddr.org/publikationen/studies-on-the-ddr/junkerland-in-bauernhand/.[]
  20. Zu dieser Zeit wurde die Anzahl Mehr­per­so­nen­haus­halte und die Hälfte der Einper­so­nen­haus­halte mit den zur Verfü­gung stehen­den Wohnun­gen vergli­chen, um den „Wohnungs­be­darf“ zu ermit­teln. Der Wohnungs­be­darf stellt also eine poli­ti­sche, statis­tisch errech­nete Ziel­marke dar, die durch Neubau zu decken wäre. Vgl. Klaus Dieter Arndt: Wohn­ver­hält­nisse und Wohnungs­be­darf in der sowje­ti­schen Besat­zungs­zone, Berlin: Duncker & Humblot 1960, S. 18 f.[]
  21. Vgl. ebd., S. 6–10.[]
  22. Vgl. ebd., S. 13–19.[]
  23. Vgl. Das Wohnungs­pro­gramm der KPD vom 3. März 1946, in: Zur ökono­mi­schen Poli­tik der Sozia­lis­ti­schen Einheits­par­tei Deutsch­lands und der Regie­rung der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik, Berlin: Dietz-Verlag 1955, S. 47–53.[]
  24. Fried­rich Engels, Zur Wohnungs­frage, S. 243.[]
  25. Verfas­sung der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik vom 7. Okto­ber 1949, in: http://www.documentarchiv.de/ddr/verfddr1949.html.[]
  26. Gesetz über den Aufbau der Städte in der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik und der Haupt­stadt Deutsch­lands, Berlin (Aufbau­ge­setz), Gesetz­blatt der DDR, 1950, Nr. 104, S. 365–367, in: https://de.wikisource.org/wiki/Aufbaugesetz_(DDR)_1950.[]
  27. Vgl. Thomas Hoscis­law­ski: Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, Berlin: Verlag für Bauwei­sen 1992, S. 51–52.[]
  28. Vgl. Thomas Hoscis­law­ski: Die „Lösung der Wohnungs­frage als sozia­les Problem“ – Etap­pen der Wohnungs­bau­po­li­tik in der DDR, in: COMPARATIV, 3/1996, S. 68.[]
  29. Verfas­sung der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik vom 6. April 1968, in: http://www.documentarchiv.de/ddr/verfddr1968.html.[]
  30. Zivil­ge­setz­buch der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik, § 114, 1. Absatz, https://www.verfassungen.de/ddr/zivilgesetzbuch75.htm.[]
  31. Vgl. Chris­tine Hanne­mann: Die Platte, Braunschweig/Wiesbaden: Friedr. Vieweg & Sohn Verlags­ge­sell­schaft 1996, S. 82.[]
  32. Vgl. Minis­te­rium für Bauwe­sen Teil 1: Minis­te­rium für Aufbau (1949–1958) DH 1 (1945) 1949–1958 (1966), Koblenz 2004, in: http://www.argus.bstu.bundesarchiv.de/DH1-24875/.[]
  33. Vgl. Die Aktivist*innenbewegung in der DDR, in: https://www.ddr-museum.de/de/blog/archive/die-aktivistenbewegung-der-ddr.[]
  34. Chris­tian Peter Ludz/Johannes Kuppe (Hg.): DDR Hand­buch, Köln: Verlag Wissen­schaft und Poli­tik 1979, S. 134.[]
  35. Die 16 Grund­sätze des Städ­te­baus, in: https://www.bpb.de/themen/nachkriegszeit/wiederaufbau-der-staedte/64346/die-16-grundsaetze-des-staedtebaus/.[]
  36. Ebd.[]
  37. Bruno Flierl: Indi­vi­dua­li­tät und Gesell­schaft­lich­keit des bewohn­ten Raumes, in: Ders.: Archi­tek­tur und Kunst, Dres­den: Verlag der Kunst 1984, S. 193.[]
  38. Vgl. Junker­land in Bauern­hand, in: https://ifddr.org/publikationen/studies-on-the-ddr/junkerland-in-bauernhand/.[]
  39. Vgl. Bruno Flierl: Indi­vi­dua­li­tät und Gesell­schaft­lich­keit des bewohn­ten Raumes, S. 193.[]
  40. Vgl. Kurt Jung­hanns: Zwei inter­es­sante städ­te­bau­li­che Doku­mente, in: Planen und Bauen 5/1951.[]
  41. Vgl. Thomas Flierl: Das (staats-)sozialistische Gesell­schafts­mo­dell. Stadt­pla­nung, Archi­tek­tur und Kunst am Bau in der DDR, in: Kunst am Bau in der DDR, Berlin: Deut­scher Kunst­ver­lag 2020, S. 21.[]
  42. Zit. n. Thomas Topf­stedt: Wohnen und Städ­te­bau in der DDR, in: Inge­borg Flagge (Hg.): Geschichte des Wohnens. Bd. 5, Stutt­gart: Deut­sche Verlags-Anstalt 1999, S. 506.[]
  43. Vgl. Doku­men­tar­film „Menschen – Bauten – Kunst“ von 1972, abruf­bar unter: https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/248661/692966?fbclid=IwY2xjawLs3-JleHRuA2FlbQIxMQABHud1AGIIzx5hsOBnA49MOsf1cd7dZ9qaG-h5M-24CUd7Bu8iiOqgLosia_dU_aem_5BuJZ0Q1Qaz4-6_g8dFJUg.[]
  44. Wie Hermann Hensel­mann (1905–1995), Richard Paulick (1903–1979) und Hanns Hopp (1890–1971).[]
  45. Grund­lage war die Verord­nung „Über die weitere Verbes­se­rung der Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen der Arbei­ter und Rechte der Gewerk­schaf­ten“ vom 10. Dezem­ber 1953.[]
  46. Vgl. Marvin Bren­del: „Instru­ment des Sozia­lis­mus“. Die Arbei­ter­woh­nungs­bau­ge­nos­sen­schaf­ten der DDR, in: https://genostory.de/arbeiterwohnungsbaugenossenschaften-der-ddr-814.[]
  47. Rolf Beyer: Über 40 Jahre in der Platte, in: https://research.uni-leipzig.de/fernstud/Zeitzeugen/zz136.htm.[]
  48. Vgl. Karl-Heinz Schu­bert: Blick zurück nach vorn. Klei­ner Exkurs über die Wohnungs­po­li­tik in der SBZ/DDR von 1946 bis 1976, in: https://www.bmgev.de/mieterecho/archiv/2025/me-single/article/blick-zurueck-nach-vorn/?cHash=b54ecd2bc86d10f33d3a55efc10b98b8.[]
  49. Vgl. Topf­stedt: Wohnen und Städ­te­bau in der DDR, S. 428–429.[]
  50. Vgl. Sieg­fried Schle­gel: Bauleute haben Namen, in: Joachim Tesch (Hg.): Bauen in Leip­zig 1945–1990, Leip­zig: Rosa-Luxem­burg-Stif­tung Sach­sen 2003, S. 377.[]
  51. Vgl. Jörg Roes­ler: Probleme des Briga­deall­tags Arbeits­ver­hält­nisse und Arbeits­klima in volks­ei­ge­nen Betrie­ben 1950–1989, in: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/538225/probleme-des-brigadealltags-arbeitsverhaeltnisse-und-arbeitsklima-in-volkseigenen-betrieben-1950–1989/.[]
  52. Vgl. Brünen­berg, Arbeits- und Orga­ni­sa­ti­ons­prin­zi­pien in den Kombi­na­ten, Volks­ei­ge­nen Betrie­ben und Briga­den, S. 73–75 und S. 86.[]
  53. Vgl. Phil­ipp Meuser: Vom seri­el­len Plat­ten­bau zur komple­xen Gross­sied­lung. Indus­tri­el­ler Wohnungs­bau in der DDR 1953–1990, Berlin: Dom Publishers, S. 53.[]
  54. Walter Gropius: der große baukas­ten, in: Das Neue Frank­furt. Monats­schrift für die Fragen der Gros­stadt­ge­stal­tung, 2/1926, S. 25.[]
  55. Ebd., S. 30.[]
  56. Nikita Chruscht­schow: Besser, billi­ger und schnel­ler bauen, Berlin: Dietz Verlag 1955.[]
  57. Vgl. Hanne­mann: Die Platte, S. 78.[]
  58. Vgl. Rainer Karlsch: Ener­gie- und Rohstoff­po­li­tik, in: Wirt­schafts­po­li­tik in Deutsch­land in Deutsch­land 1917–1990, Bd. 3, Berlin/Boston: Walter de Gruy­ter Verlag 2016, S. 258–262.[]
  59. Vgl. Diet­rich: Kultur­ge­schichte der DDR, S. 514–515.[]
  60. Vgl. Manfred Lamm: Zur Entwick­lung des indus­tri­el­len Bauens in Berlin/Ost, in: Geschichte und Zukunft des indus­tri­el­len Bauens, Berlin: NORA Verlags­ge­mein­schaft 2002, S. 122–137. Die Skelett­bau­weise wurde im Industrie‑, Versor­gungs- und Öffent­lich­keits­bau bevor­zugt.[]
  61. Vgl. Martin Schien­bein: Beton-Bauwei­sen von Wohn­hoch­häu­sern der 1960er Jahre. Groß­ta­fel­sys­teme der Phil­ipp Holz­mann AG, in: https://holzmann-bildarchiv.de/wp-content/uploads/2019/05/Grosstafelsysteme-Holzmann.pdf.[]
  62. Vgl. Meuser: Vom seri­el­len Plat­ten­bau zur komple­xen Gross­sied­lung, S. 131–137.[]
  63. Vgl. Hanne­mann: Die Platte, S. 22.[]
  64. Vgl. Roman Hill­mann (Hg.): Moderne Archi­tek­tur der DDR. Gestal­tung. Konstruk­tion. Denk­mal­schutz, Leip­zig: spec­tor books 2020, S. 24–25.[]
  65. Vgl. Hoscis­law­ski: Die „Lösung der Wohnungs­frage als sozia­les Problem“, S. 71–73.[]
  66. Vgl. Wolf­gang Scheumann/Peter Marcuse: Wohnungs­pro­bleme und wider­sprüch­li­che Wohnungs­po­li­ti­ken, in: Peter Marcuse/Fred Stau­fen­biel (Hg.): Wohnen und Stadt­po­li­tik im Umbruch, Berlin: Akade­mie Verlag 1991, S. 159.[]
  67. Vgl. Topf­stedt: Wohnen und Städ­te­bau in der DDR, S. 508–509.[]
  68. Vgl. Denis Bech­mann: Die Wohnungs­frage in der DDR, Erfurt: Landes­zen­trale für poli­ti­sche Bildung 2024, S. 33.[]
  69. Zit. n. Joachim Tesch: Der Wohnungs­bau in der DDR 1971–1990, Berlin: Helle Panke 2001, S. 8.[]
  70. Das Einga­ben­sys­tem verpflich­tete den Staat, Beschwer­den der Bevöl­ke­rung inner­halb von vier Wochen zu beant­wor­ten. Vgl. Einga­ben, in: https://lha.sachsen-anhalt.de/onlineangebote/friedliche-revolution-1989–90/themenseiten/april-1989/eingaben.[]
  71. Vgl. Britta-Marie Schenk: Eine Geschichte der Obdach­lo­sig­keit im 19. und 20. Jahr­hun­dert, in: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/270884/eine-geschichte-der-obdachlosigkeit-im-19-und-20-jahrhundert.[]
  72. Joachim Tesch: Der Wohnungs­bau in der DDR 1971–1990, S. 53–54.[]
  73. Vgl. Udo Gras­hoff: Schwarz­woh­nen. Subver­sive und zugleich system­sta­bi­li­sie­rende Praxis, in: https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/222535/schwarzwohnen.[]
  74. Zit. n. Kupfer­mann: Platte, Teepott und Paläste, S. 34–35.[]
  75. Zivil­ge­setz­buch der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik vom 19. Juni 1975, § 103, in: https://www.verfassungen.de/ddr/zivilgesetzbuch75.htm.[]
  76. Vgl. Helmut Jenk­ins: Über­füh­rung der ostdeut­schen Wohnungs­wirt­schaft in die soziale Markt­wirt­schaft, in: Ders. (Hg.): Kompen­dium der Wohnungs­wirt­schaft, München/Wien: Olden­bourg 1996, S. 679.[]
  77. Vgl. Dieter Rink: Wohnen, in: https://www.bpb.de/themen/deutsche-einheit/lange-wege-der-deutschen-einheit/47280/wohnen/.[]
  78. Vgl. Varia­bles Wohnen. Ein Expe­ri­ment im Plat­ten­bau. Rudolf Horn im Gespräch mit Sabine Kraft, in: Arch+ 218/2014, S. 148.[]
  79. Georg Waterst­radt: Vorwort, zit. n. https://www.ddr-museum.de/de/blog/archive/die-wohnraumfibel-wohnen-nach-wunsch-zu-ddr-zeiten.[]
  80. Vgl. Andreas Ludwig: „Hunderte von Vari­an­ten“. Das Möbel­pro­gramm Deut­sche Werk­stät­ten (MDW) in der DDR, in: https://zeithistorische-forschungen.de/3–2006/id=4592.[]
  81. Vgl. Rubin: Amne­sio­po­lis.[]
  82. Zit. n. ebd.[]
  83. Zit. n. Kupfer­mann: Platte, Teepott und Paläste, S. 58–60.[]
  84. Vgl. ebd., S. 55.[]
  85. Vgl. Tors­ten Lange: Hand­wer­ke­lei als Prin­zip. DIY im indus­tri­el­len Wohnungs­bau der DDR, in: Tilo Amhoff et al (Hg.): Produk­ti­ons­be­din­gun­gen der Archi­tek­tur. Zwischen Auto­no­mie und Hete­ro­no­mie, Dres­den: Thelem 2018, S. 193.[]
  86. Vgl. Online­da­ten­bank zum Archi­tek­tur­ex­port der DDR, in: http://ddr-planungsgeschichte.de/auslandsprojekte/.[]
  87. Vgl. Łukasz Stanek: Archi­tec­ture in Global Socia­lism, Princeton/Oxford: Prince­ton Univer­sity Press 2020, S. 214–224.[]
  88. Vgl. Andreas Butter: Show­case and window to the world: East German archi­tec­ture abroad 1949–1990, in: Plan­ning Perspec­ti­ves, 2/2018, S. 250 und S. 255.[]
  89. Vgl. Rüdi­ger Frank: Lessons from the Past: The First Wave of Deve­lo­p­men­tal Assis­tance to North Korea and the German Recon­s­truc­tion of Hamhung, in: Paci­fic Focus 1/2008, S. 46–76.[]
  90. Vgl. Ludger Wimmel­bü­cker: Archi­tec­ture and city plan­ning projects of the German Demo­cra­tic Repu­blic in Zanzi­bar, in: The Jour­nal of Archi­tec­ture 3/2012, S. 407–432.[]
  91. Vgl. Butter: Show­case and window to the world, S. 259–260.[]
  92. Vgl. Andreas Butter: Platte unter Palmen? Der Wohnungs­bau-Export der DDR, in: Andreas Butter/Thomas Flierl (Hg.): Archi­tek­tur Export DDR, Berlin: Lukas Verlag 2022, S. 39–40.[]
  93. Vgl. Hoscis­law­ski: Die „Lösung der Wohnungs­frage als sozia­les Problem“, S. 74.[]
  94. Vgl. Jörg Roes­ler: Geschichte der DDR, Köln: Papy­Rossa 2012, S. 68.[]
  95. Zit. n. Joachim Tesch: Wurde das DDR-Wohnungs­bau­pro­gramm 1971/1976 bis 1990 erfüllt?, in: UTOPIE krea­tiv, Sonder­heft 2000, S. 51.[]
  96. Vgl. Tesch: Der Wohnungs­bau in der DDR 1971–1990, S. 22–23.[]
  97. Vgl. Diet­rich: Kultur­ge­schichte der DDR, S. 1380.[]
  98. Wilhelm Hinrichs: Wohnungs­ver­sor­gung in der ehema­li­gen DDR – Vertei­lungs­kri­te­rien und Zugangs­wege, Berlin: Wissen­schafts­zen­trum Berlin für Sozi­al­for­schung 1992, S. 29–30.[]
  99. Vgl. Roes­ler: Geschichte der DDR, S. 78–79.[]
  100. Vgl. Tesch: Der Wohnungs­bau in der DDR 1971–1990, S. 55.[]
  101. Vgl. ebd., S. 16.[]
  102. Vgl. Dieter Hanauske: Die „Lösung der Wohnungs­frage“. Zum Wohnungs­bau in West- und Ost-Berlin 1962–1990, in: https://berlingeschichte.de/bms/bmstxt01/0106prod.htm.[]
  103. Vgl. Topf­stedt: Wohnen und Städ­te­bau in der DDR, S. 553.[]
  104. Tesch: Wurde das DDR-Wohnungs­bau­pro­gramm 1971/1976 bis 1990 erfüllt?, S. 54.[]
  105. Hans Schmidt: Muß indus­tri­el­les Bauen lang­wei­lig sein?, in: Ders.: Beiträge zur Archi­tek­tur 1924–1964, Zürich: gta Verlag 1993, S. 167.[]
  106. Vgl. Lange: Hand­wer­ke­lei als Prin­zip, S. 194–195.[]
  107. Tesch: Wurde das DDR-Wohnungs­bau­pro­gramm 1971/1976 bis 1990 erfüllt?, S. 56.[]
  108. Vgl. Rubin: Amne­sio­po­lis.[]
  109. Vgl. Tesch: Der Wohnungs­bau in der DDR 1971–1990, S. 38–39.[]
  110. Vgl. ebd., S. 47 und S. 54.[]
  111. Vgl. Holm: Objekt der Rendite, S. 133.[]
  112. Vgl. Vertrag zwischen der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land und der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik über die Herstel­lung der Einheit Deutsch­lands (Eini­gungs­ver­trag), in: www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/einigvtr/gesamt.pdf.[]
  113. Vgl. Joachim Tesch/Klaus-Jürgen Warnick: Vom DDR-Wohnungs­bau­pro­gramm zum Stadt­um­bau­pro­gramm Ost, in: https://www.bdwi.de/suchen/97861.html.[]
  114. Der zyni­sche Begriff sollte der deut­schen Öffent­lich­keit deut­lich machen, dass die DDR und ihre Tätig­kei­ten die „Erblast“ der BRD sei, die diese nun zu tilgen hätte.[]
  115. Vgl. Insti­tut für Wohnen und Umwelt (Hg.): Planungs­le­xi­kon: Ein Leit­fa­den durch das Laby­rinth der Planer­spra­che, Wies­ba­den: VS Verlag für Sozi­al­wis­sen­schaf­ten 1999, S. 23.[]
  116. Vgl. Matthias Bernt: Wohnungs­leer­stand und Abrisse in Ostdeutsch­land, in: https://www.bdwi.de/forum/archiv/themen/brd_ddr/2380967.html.[]
  117. Vgl. Susanne Schäfer/Julia Jung/Phillip Bitt­ner: Fehl-Steuer Ost, in: https://www.spiegel.de/politik/fehl-steuer-ost-a-a49be453-0002–0001-0000–000008811135.[]
  118. Vgl. Roland Czada: Das Prin­zip „Rück­gabe“. Die Trag­weite des Eigen­tums, in: https://www.politik.uni-osnabrueck.de/POLSYS/Archive/eigentum.pdf.[]
  119. Vgl. Andrej Holm: Priva­ti­sie­rung in Berlin seit 1990, in: Arch+ 241/2020, S. 96.[]
  120. Vgl. Bernt: Wohnungs­leer­stand und Abrisse in Ostdeutsch­land.[]
  121. Anh-Linh Ngo im Gespräch mit Ola Gordowy: „Mauern nach der Mauer. Poli­tik des Raums im neuen Berlin“, in: Arch+ 241/2020, S. 5.[]
  122. Vgl. Michael Falser: Stadt­um­bau Berlin nach 1990 und der Neomy­thos der Geschichte, in: Arch+ 241/2020, S. 31.[]
  123. Vgl. Dirk Schu­bert: Euro­päi­sche Stadt, in: https://www.arl-net.de/system/files/media-shop/pdf/HWB 2018/Europäische Stadt.pdf.[]
  124. Vgl. Stef­fen Mau: Mentale Lage­run­gen. Text­aus­zug aus „Lütten Klein. Leben in der ostdeut­schen Trans­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft“, in: https://www.soziopolis.de/mentale-lagerungen.html.[]
  125. Zit. n. Robert Lieb­scher, Wohnen für alle. Eine Kultur­ge­schichte des Plat­ten­baus, Berlin: Vergan­gen­heits­ver­lag 2009, S. 111.[]
  126. Vgl. Matthias Heine: Ist Plat­ten­bau ein west­deut­scher Kampf­be­griff?, in: https://www.welt.de/kultur/article129887649/Ein-Mann-ein-Wort-Ist-Plattenbau-ein-westdeutscher-Kampfbegriff.html.[]
  127. Vgl. Wert­schät­zung statt Abriss, in: https://www.deutschlandfunkkultur.de/ostmoderne-erhalten-ddr-moderne-architektur-100.html.[]
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