KEYWORDS
Wohnungspolitik
Wohnungsbauprogramm
Bauindustrie
Miete
Grund und Boden
Eigentum
Genossenschaften
Wohnungsdefizit
Aufbau
WOHNEN FÜR ALLE, BAUEN NACH PLAN
Das sozialistische Wohnungswesen in der DDR
Die Wohnungsfrage ist kein Novum der Gegenwart. Sie ist so alt wie der Kapitalismus selbst — und sie ist ungelöst. Angesichts explodierender Mieten, wachsender Wohnungslosigkeit und ‑armut sowie massiver Immobilienspekulation stellt sich heute mit neuer Dringlichkeit die Frage: Wie könnte eine andere Wohnungspolitik aussehen?
Die vierte Ausgabe der Studies on the DDR widmet sich dem sozialistischen Wohnungswesen der Deutschen Demokratischen Republik. Ausgehend von Kriegstrümmern, Ressourcenmangel und massiver Wohnungsnot verfolgt die Studie, wie in der DDR die Wohnraumversorgung aller zur staatlichen Aufgabe und zum verfassungsmäßigen Grundrecht wurde. Nicht nur der Aufbau einer eigenen Bauindustrie, sondern auch die Zurückdrängung des Privateigentums an Grund und Boden, die staatliche Lenkung der Wohnraumverteilung sowie staatlich festgelegte Mieten waren dafür notwendig.
Der Text verfolgt die Entwicklung des Wohnungswesens entlang zentraler Etappen: von den rechtlichen und städtebaulichen Grundlagen der frühen DDR über die Industrialisierung des Bauens und die großen Wohnungsbauprogramme bis hin zum Alltag in Hausgemeinschaften, Neubaugebieten und Altbauwohnungen sowie dem internationalen Wohnungsbau der DDR. Dabei nimmt die Studie Erfolge wie Probleme des ambitionierten Wohnungsbaus ebenso in den Blick wie die rasche Abwicklung der sozialistischen Wohnverhältnisse nach 1990.
Am 10.09.2026 um 19:30 Uhr stellen wir die Studie im Café Sibylle in der Karl-Marx-Allee 72, 10243 Berlin, vor. Der Eintritt ist frei. Mehr Informationen hier.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Wohnen in der DDR
„Wer baute das siebentorige Theben?“, fragt der lesende Arbeiter in Bertolt Brechts bekanntem Gedicht von 1935, in welchem dieser seinen Platz und den seiner Klasse in der Geschichtsschreibung sucht.1 1951 wurde in der noch jungen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) mit dem Bau des ersten Hochhauses in Ost-Berlin begonnen. Über dem Eingang des aus Kriegstrümmern errichteten, neun-stöckigen „Hochhauses an der Weberwiese“ sind folgende Zeilen Brechts, der das Vorhaben damals enthusiastisch verfolgte, eingemeißelt:
Friede in unserem Lande
Friede in unserer Stadt
Daß sie den gut behause
Der sie gebauet hat.
Innerhalb eines Jahres wird der Bau fertiggestellt und zum Bezug übergeben. Das Hochhaus steht am Anfang der Geschichte des sozialistischen Wohnungsbaus in der DDR, wo erstmals die Arbeiterklasse für sich baute und ihre eigene Geschichte schrieb.
Wie in den meisten osteuropäischen Staaten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde auch der Osten Deutschlands, die DDR, städtebaulich geprägt von einem großangelegten Wohnungsneubau. Bis heute prägt dieser die städtische Landschaft Osteuropas, der ehemaligen Sowjetunion und Ostdeutschlands. Bereits zu DDR-Zeiten schieden sich die Geister an den in industrieller Bauweise heraufgezogenen Neubauvierteln. So wurde sich über die Monotonie der Blöcke beklagt, die ungleiche Fertigstellung von Wohnung und Gesellschaftseinrichtungen oder die Tendenz zur Anonymisierung in den Wohnblöcken. Abwertende Spitznamen wurden auserko-ren wie „Arbeiterschließfächer“, „Fickzellen mit Fernheizung“ oder „Wohnsilos“. Allerdings war die Zufriedenheit unter denen, die dort lebten hoch, insbesondere weil der Wohnkomfort mit Einbauküche, Fernwärme, Fahrstuhl, Müllschlucker und Dusche äußerst modern war. Darüber hinaus stellten die kurzen Wege, die Ruhe vor dem Verkehr und die Entdeckungsmöglichkeiten für Kinder zufrieden.2
Das, was vom Wohnungsbau und der Städtearchitektur der DDR blieb, ist nach 1990 noch heftiger umstritten: Die Plattenbauviertel wurden plötzlich zu Synonymen für Armut, Heruntergekommenheit und soziale Ausgrenzung – ganz wie im Westen. Mit Abrissen, Privatisierungen, neuen Mietverhältnissen und ‑preisen sowie dem Rückbau der sozialen Infrastruktur und der Aufwertung der Innenstädte als Konsumzentren und Wohngegenden für Besserverdienende passte sich das Erscheinungsbild der ostdeutschen Plattenbauviertel der kapitalistischen Realität westlicher Großstädte an. Dabei war die Plattenbauweise der DDR nicht eigen, auch wenn sie zum Sinnbild des „Ostens“ wurde. Wer auf das Leben der Arbeiterinnen und Arbeiter im Westen schaut, sieht, dass auch diese in Plattenbauten lebten. Was die Architektur, den Städtebau und ost- von westdeutschen Leben aber wesentlich unterschied, war die planmäßige, auf Bedarf ausgerichtete Wohnungspolitik, die soziale Absicherung und die soziale Durchmischung mit der sie einherging.
Zwar suchten in der DDR alle eine Wohnung – aber niemand war obdachlos. Viele waren unzufrieden – aber niemand musste Angst haben, gekündigt zu werden. Immer war alles knapp – aber niemand musste sich sorgen, die Miete nicht zahlen zu können. Was heute unvorstellbar scheint, war in der DDR Realität: Miete machte durchschnittlich nur 3–5 Prozent des Einkommens aus, Kündigungen waren verboten, es wurde unentwegt gebaut. Und selbst was heute im Angesicht der Krise erst vor-stellbar erscheint, war verwirklicht in der DDR: Enteignung des Großgrundbesitzes, Zurückdrängung des Privateigentums sowie stabile und staatlich festgelegte Mieten.
Wohnen war ein gesellschaftliches Verhältnis – zugleich war es, was Du draus gemacht hast: Die Architekturhistorikerin Simone Hain und ihr Mann Wolfgang Schumann lebten im Neubaugebiet Berlin-Marzahn. Dort wie in vielen anderen Neubaugebieten galt für die Planer die Devise, dass eine Schule, ein Kindergarten, eine medizinische Einrichtung oder eine S‑Bahn-Station nicht mehr als 600 m von der Wohnung entfernt sein dürfen.3 Die beiden erinnern sich an die Situation Mitte der 1980er Jahre:
„Man lernte sich kennen. Einem Hausfest folgte das nächste; nach dem Bäumepflanzen wurde abends vor dem Haus gegrillt. Man half sich gegenseitig beim Möbeltragen und Kinderbeaufsichtigen. Den Trockenraum im 9. Stock bauten wir gemeinsam zum Klubraum um – so richtig mit Bar. (…) Soziale Beziehungen, die Atmosphäre in Haus und Nachbarschaft wurden überwiegend positiv (…) eingeschätzt.“4
Der Gleichheitsanspruch im Arbeiter- und Bauernstaat garantierte allen verfassungsmäßig Wohnraum. Wie konnte der Staat das tun? Vor welche Herausforderungen wurde er dabei gestellt und welche Auswirkungen hatte das auf die Gesellschaft? Wie also wohnt/lebt es sich in einem solchen Staat? Die DDR ist kein verallgemeinerbarer Fall, sie agierte unter ganz bestimmten Bedingungen, die u. a. von Sanktionen und Materialmangel bestimmt waren. Und doch zeigt sie, was möglich ist und das vieles von dem, was heute gefordert wird, einmal bereits versucht wurde.
In diesem Sinne ist diese vierte Studies on the DDR ein bewusster Kommentar zu einer globalen Entwicklung bei der sich die Lage auf den Wohnungsmärkten in einem Tempo verschärft, dem die Politik wirkungslos hinterherrennt. Mieten steigen ohne Einhalt, Häuser sind Spekulationsmasse und bezahlbarer Wohnraum fehlt während Löhne stagnieren und Sozialleistungen gekürzt werden. Das Grundproblem ist überall dasselbe: Wohnraum ist Ware. Als solche unterliegt er den Gesetzen des Marktes — und dieser Markt produziert seit Jahrzehnten keine bezahlbaren Wohnungen, sondern profitable Vermögensanlagen. Dabei sind Eigentümer wie Mieter dem Markt gleichermaßen ausgeliefert, beide abhängig von Preisentwicklungen, die sie nicht kontrollieren. Mieterinnen und Mieter trifft es jedoch besonders hart, denn Miete bedeutet die reine Abschöpfung des Lohns ohne Gegenwert. Betriebskosten, Renovierungen, selbst einfache „Schönheitsreparaturen“ werden auf sie umgelegt, während Vermieter vom passiven Einkommensfluss profitieren, ohne in ihre Bestände zu investieren.
Die in Deutschland geltende Faustregel, nicht mehr als 30 Prozent seines Einkommens für die Nettokaltmiete der Wohnung auszugeben, bröckelt. In Großstädten wie Berlin liegt der Durchschnitt bei 27,1 Prozent mit stark steigender Tendenz, wobei gilt: Wer weniger Einkommen hat, muss sowieso einen höheren Anteil hiervon für die Miete berappen. Wohnen ist eine Armutsfalle.5 Wie viele Menschen alleine in Deutschland von dieser Form extremer Armut betroffen sind, lässt sich nicht genau sagen. Eine Studie des „Paritätischen Gesamtverbandes“ verweist darauf, dass die Zahl der in Deutschland von Armut Betroffenen unter Berücksichtigung von Wohnkosten um 5,4 Millionen auf insgesamt 18,4 Millionen Menschen hochkorrigiert werden müsste.6 Die „Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe“ geht für das Jahr 2024 von etwa 1,03 Millionen wohnungslosen Kindern, Frauen und Männern aus, wovon 56.000 obdachlos sind.7 Dabei ist das Problem lösbar, denn der Wohnungsnot stehen ungefähr 1,9 Millionen leere Wohnungen gegenüber.8 Wohnungslosigkeit ist allerdings die Folge von Armut und eines Wohnungsmarkts, in dem bezahlbarer und passender Wohnraum immer knapper wird. Besonders der Rückgang der Sozialwohnungen verschärft die Situation, da auslaufende Bindungen und fehlender Neubau viele mit steigenden, unbezahlbaren Mieten konfrontiert. Im Jahr 2024 gab es bundesweit 32.358 Zwangsräumungen, die häufig unter Einsatz von Polizeigewalt durchgeführt werden.9 Das entspricht einem Anstieg von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einem Trend, der sich angesichts der wachsenden Wohnarmut fortzusetzen droht.10
Doch Widerstand regt sich. Durch europäische Großstädte und vom Tourismus überrannte Gebiete demonstrieren Tausende gegen Verdrängung, Zusammenschlüsse von Mieterinnen und Mietern formieren sich gegen Mieterhöhungen, Bewegungen fordern das Kappen von Mieten durch Mietendeckel, das Verbot von Eigenbedarfskündigungen und die Vergesellschaftung von Wohnraum, und selbst in bürgerlichen Medien wird die Frage laut, ob Wohnraum überhaupt dem Markt überlassen werden sollte. Doch woher rühren die Probleme und wie können sie nachhaltig behoben werden? Wie sähe eine sozialistische Wohn(ungs)politik aus? Dazu möchten wir mit dieser Studie einen Debattenbeitrag leisten.
Diese Studie widmet sich nicht nur der Wohnungspolitik, dem Aufbau einer staatlichen Bauindustrie und den Wohnungsbauprogrammen, also den politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen und Mitteln, der gesamten Bevölkerung planmäßig angemessenen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, sondern auch dem Leben in neu errichteten Stadtvierteln und zerfallenden Altbauten; sie berichtet von den Gestaltungsmöglichkeiten – und ihren Grenzen – in Hausgemeinschaften, Nachbarschaftskollektiven und Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften und von der staatlichen Förderung selbstgestalteten Wohnens. Außerdem werfen wir einen nüchternen Blick auf die Grenzen und Probleme, die den ambitionierten Plänen gesetzt waren.
Wir beginnen mit den Ursachen: der Entstehung der Wohnungsfrage im Kapitalismus des 19. Jahrhunderts, den ersten Lösungsversuchen und ihrer begrenzten Reichweite — und den Ausgangsbedingungen im Osten Deutschlands unmittelbar nach Kriegsende. Die folgenden Kapitel behandeln die rechtliche und institutionelle Sozialisierung der Wohnungspolitik in den Anfangsjahren der DDR, die Industrialisierung des Bauens und die großen Bauprogramme der späteren Jahrzehnte, den Wohnalltag der Bevölkerung sowie den internationalen Wohnungsbauexport. Den Abschluss bildet der Umgang mit dem Erbe der „Ostmoderne“ nach 1990.
Die Entstehung der „Wohnungsfrage“ im Kapitalismus
Wohnraummangel ist kein neues Phänomen und eng verflochten mit der Entwicklung des Kapitalismus selbst. Die im Prozess der ursprünglichen Akkumulation – dem Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus durch Landnahme – ausgelöste Landflucht trieb Unzählige in die Städte und entstehenden Industriezentren, wo die Eigentumsfrage und die Not des Wohnens von Beginn an untrennbar miteinander verknüpft waren. Bereits im 19. Jahrhundert machte die rasante Verstädterung das Wohnelend der arbeitenden Klassen sichtbar. Bevölkerungsbewegungen vom Land in die Stadt trafen auf fehlende Infrastruktur. Überbelegte Wohnräume, Behelfsbauten sowie schlechte Licht‑, Luft- und Hygieneverhältnisse förderten Krankheiten und prägten die Lebensbedingungen vieler Menschen.
Dieser Verelendungsprozess erzeugte das, was unter dem Begriff „Wohnungsfrage“ bis heute diskutiert wird. In seiner gleichnamigen Artikelserie von 1872/3 analysierte Friedrich Engels (1820–1895) diese Zustände nicht als zufälliges Versagen, sondern als ein „notwendiges Erzeugnis der bürgerlichen Gesellschaftsform“11. Sie ist also ein strukturelles Merkmal der kapitalistischen Ordnung, in welcher der Arbeiterin und dem Arbeiter nichts anderes übrig bleibt als ihre Arbeitskraft dort zu verkaufen, wo es Arbeit gibt und in welcher „der Hausbesitzer, in seiner Eigenschaft als Kapitalist, nicht nur das Recht, sondern, vermöge der Konkurrenz, auch gewissermaßen die Pflicht hat, aus seinem Hauseigentum rücksichtslos die höchsten Mietpreise herauszuschlagen“.12
Schon früh erkannten die Sozialisten, dass ein gesundes Wohnen nicht nur abhängig ist von technischen, stadtplanerischen und architektonischen Lösungen, sondern vor allem eine soziale Frage ist. Sie rückten die gesellschaftlichen Ursachen der Wohnungsnot in den Mittelpunkt, die ihnen als sichtbarer Ausdruck der Klassenunterschiede im Kapitalismus galt – ein Problem, das nur durch tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen lösbar sei. Praktische Antworten darauf waren etwa gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaften, die häufig aus Gewerkschaften hervorgingen. Nach dem Prinzip der Selbsthilfe bündelten sie das Kapital ihrer Mitglieder, errichteten damit Wohnungen, blieben als Genossenschaft selbst deren Eigentümerin und überließen sie ihren Mitgliedern dauerhaft zur Nutzung gegen eine kostendeckende Miete. Für die verelendeten Massen in den Städten war die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft jedoch oft unerschwinglich.
Die schlechten hygienischen Zustände in den Städten bedrohten nicht zuletzt auch das Wohlergehen des Bürgertums und die dahinsiechenden Arbeiterinnen und Arbeiter zwangen auch die Kapitalisten an der Lösung der Wohnungsfrage mitzuwirken. Bürgerlich-sozialreformerische Lösungsansätze konzentrierten sich daher auf Maßnahmen innerhalb der gegebenen gesellschaftlichen Verhältnisse, häufig als Maßnahmen „von oben“ und als Mittel zur Befriedung der sozialen Verhältnisse gedacht. Private Initiativen von bürgerlichen Philanthropen, gutmütigen Fabrikherren, gemeinwohlorientierten Baugesellschaften und kirchlichen Organisationen waren aufgerufen, Abhilfe zu schaffen.
Das führte zu keiner grundlegenden Änderung der Verhältnisse: Die Häuser und Wohnungen sowie der Boden auf dem sie standen blieben Privateigentum und die Marktmechanismen intakt. Engels stellte heraus, dass das Wohnen der kapitalistischen Logik unterworfen ist und bleibt – selbst in vermeintlich wohltäterischen Arbeitersiedlungen großer Fabrikanten. Nicht die Bedürfnisse nach Gesundheit, Ruhe und Zufriedenheit oder der Geldbeutel entscheiden über die Höhe der Miete. Vielmehr sind es die Bau- und Reparaturkosten, der Bodenpreis und das örtliche Wohnangebot, die den Preis bestimmen.13 Engels schlägt gegen die Wohnungsnot mehrere Maßnahmen vor.14 Zum einen müsse der Leerstand mit der bestehenden Nachfrage vermittelt werden. Zweitens könne die Bevölkerung angemessen auf das Land verteilt werden, um den Stadt-Land-Gegensatz aufzuheben. Die „rationelle Benutzung“ von Wohngebäuden könne durch „Expropriation“ und „Bequartierung“, also die gesellschaftliche Nutzbarmachung von privatem Wohneigentum, durchgesetzt werden.15 Jedoch, „[u]m dieser Wohnungsnot ein Ende zu machen, gibt es“, nach Engels, „nur ein Mittel: die Ausbeutung und Unterdrückung der arbeitenden Klasse durch die herrschende Klasse überhaupt zu beseitigen.“16 Alle Versuche, das Problem durch Reformen und im Bündnis mit den herrschenden Klassen zu lösen, wären zum Scheitern verurteilt.
Und tatsächlich: Weder sozialistische Reformkonzepte noch bürgerliche Philanthropie konnten die Wohnungsfrage grundsätzlich lösen. Sie mussten wirkungslos bleiben, da sie weder vermochten, Privateigentum anzurühren noch den Bedingungen des Marktes zu entkommen. Stattdessen wuchsen die industriellen Zentren an, in den europäischen Metropolen wurden Arbeiterinnen und Arbeiter mehr und mehr an die Stadtränder verdrängt, der Mangel an Wohnraum und seine Unbezahlbarkeit machten beengte und schlechte Lebensverhältnisse zur bleibenden Realität für die Arbeiterklasse bis weit ins 20. Jahrhundert hinein.
Die Ausgangssituation: Trümmer, Wohnungsnot und Neubeginn
Als im Mai 1945 in Europa die Waffen schwiegen, lag der Kontinent in Schutt und Asche. Am Ende des Krieges waren von den rund 18,8 Millionen Wohnungen in Nazideutschland knapp 4,8 Millionen zerstört, 13 Millionen Menschen waren obdachlos und 400 Millionen Kubikmeter Trümmer fielen an. „Niemals seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges hatten so viele Familien in Deutschland keine ‚eigene Wohnung’ mehr, auch nicht die schlechteste, die dürftigste“, stellte der Historiker Jürgen Kuczynski fest.17
Die Schäden waren allerdings unterschiedlich verteilt. Bezogen auf den Wohnungsbestand von 1939 waren etwa in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) neun bis zehn Prozent zerstört oder unbewohnbar. Während aber etwa der Zerstörungsgrad auf dem Gebiet des heutigen Thüringens mit drei Prozent am geringsten ausfiel, war er in Prenzlau, in der Nähe des umkämpften Berlin, mit 80 Prozent besonders hoch.18
Im Herbst 1946 lebten circa 17,2 Millionen Menschen in der SBZ. Das entspricht einem Zuwachs von rund 2,7 Millionen Menschen, wenn man das Jahr 1939 als Bezugspunkt nimmt. Unter ihnen befanden sich vor allem Kriegsheimkehrer und sogenannte Umsiedler, die entsprechend der Bestimmungen des Potsdamer Abkommens aus den ehemalig von Deutschland besetzen Ostgebieten in die SBZ kamen. Zunächst stieg die Bevölkerungszahl weiter an. Zeitweise lebten 4,4 Millionen Geflüchtete deutscher Herkunft in der SBZ, was etwa 24 Prozent der Bevölkerung entsprach.19 Mit der Gründung der DDR nahm die Gesamtbevölkerung jedoch wieder ab, sodass 1950 der Stand von 1946 erneut erreicht wurde.
Im Rahmen der Volkszählung von 1950 ging man davon aus, dass rund 4,9 Millionen Mehrpersonenhaushalten etwa 1,3 Millionen Einpersonenhaushalte gegenüberstanden.20 Dennoch gab es nur 4,65 Millionen Wohnungen in 1,9 Millionen Wohngebäuden, von denen wiederum knapp die Hälfte Ein- bis Dreizimmerwohnungen waren. Über 90 Prozent dieser Wohnungen befanden sich in massiven Wohngebäuden. 870.000 Wohnungen waren Einfamilienhäuser. Hinzu kamen etwa 300.000 sogenannte Notwohnungen, also Wohnungen in Ruinen, Kellern oder Dachgeschossen. Auch Landwirtschaftsgebäude dienten zuweilen als Wohnersatz.
Zunächst schnitt die SBZ in der Deckung des Wohnbedarfs im Vergleich mit den westlichen Besatzungszonen, deren industrielle Ballungszentren massiv zerstört waren, quantitativ besser ab.21 Auf der qualitativen Ebene war sie aber im Nachteil. Knapp eine Million des gesamten Wohnungsbestandes war vor dem Jahr 1860 erbaut worden. Nur 36 Prozent der Wohnungen waren 1950 jünger als 50 Jahre alt. Der größte Teil der Wohnungen entsprach also nicht mehr den damaligen kulturellen und hygienischen Standards und war zudem reparatur- und modernisierungsbedürftig. Berücksichtigt man diese Faktoren fehlten 1950 statistisch gesehen etwa 1,3 Millionen Wohnungen.22
Auf die dramatische Wohnungsnot der Nachkriegszeit reagierten verschiedene politische Kräfte, darunter die im Juni 1945 wiedergegründete KPD. Auf ihrer Parteikonferenz im März 1946 verabschiedete sie ein Wohnungsprogramm, das eine konzentrierte Wiederaufbauoffensive vorsah, getragen von aufeinander abgestimmten Plänen der Gemeinden und Provinzen. Voraussetzung dafür war der Aufbau einer Bauindustrie mit gut ausgebildeten Fachkräften. Der Wohnungsbau sollte sich zunächst auf kleine Wohnungen konzentrieren und durch ein neues Planungs‑, Bau- und Bodenrecht abgesichert werden. Das Programm sollte vor allem durch die Bourgeoisie und Grundeigentümer finanziert werden, unter anderem durch eine „Baunotsteuer“, die Mietüberschüsse sowie bestimmte Eigenheime und Grundbesitz belastete. Jegliches Industrieeigentum und private Kapitalanteile in der Wohnungswirtschaft sollten in die öffentliche Hand übergehen. Zentrale Elemente des Programms waren die schrittweise Zurückdrängung des Privateigentums in der Wohnungswirtschaft, die Verhinderung von Bodenspekulation, die Re-Verstaatlichung ehemals gemeinnütziger Wohnungsbaugesellschaften und die Förderung von Baugenossenschaften. Begleitet werden sollte dies durch eine strenge öffentliche Kontrolle des Mietpreisrechts, das u. a. Mieterhöhungen untersagt, und eine sozial gerechte Wohnungsverteilung. So sollte ehemaligen Nazikadern und ‑aktivisten das Recht auf Wohneigentum aberkannt, dafür aber die Familien der Opfer des Faschismus bevorzugt mit Wohnraum versorgt werden.23 Dieses Programm bildete den Ausgangspunkt für die Wohnpolitik der DDR.
Bodenrecht und Städtebau im Sozialismus
In den sich nach dem Zweiten Weltkrieg formierenden sozialistischen Staaten wurden erstmals die von Engels geforderten Bedingungen geschaffen, die „durch die Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise (…) zugleich die Lösung der Wohnungsfrage möglich“24 machten. Die Umwälzung der Eigentums- und Produktionsverhältnisse ermöglichte eine Wohnungspolitik und eine Stadtplanung, die sich nach dem Bedarf der Bevölkerung richtet. In der Sowjetischen Besatzungszone im Osten Deutschlands wurde diese Umwälzung durch eine Bodenreform und die Enteignung von Kriegsverbrechern und Großgrundbesitzern vorangetrieben und durch weitere gesetzliche Regelungen der Einfluss von Eigentümern an Grund und Boden geschwächt.
Zurückdrängung des Privateigentums
In der frisch gegründeten DDR wurde die Wohnungsversorgung als öffentliche Aufgabe anerkannt und die rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen, um zu verhindern, dass privater Gewinn mit Boden gemacht werden kann. Das politische Ziel, das Wohnen als Menschenrecht durch den Staat zu sichern, wurde in rechtlich verbindliche Formen überführt. So heißt es in der ersten Verfassung der DDR von 1949:
„(1) Die Verteilung und Nutzung des Bodens wird überwacht und jeder Mißbrauch verhütet. Die Wertsteigerung des Bodens, die ohne Arbeits- und Kapitalaufwendung für das Grundstück entsteht, ist für die Gesamtheit nutzbar zu machen.
(2) Jedem Bürger und jeder Familie ist eine gesunde und ihren Bedürfnissen entsprechende Wohnung zu sichern. Opfer des Faschismus, Schwer-Körperbehinderte, Kriegsgeschädigte und Umsiedler sind dabei bevorzugt zu berücksichtigen.“25
Auch die im Wohnungsprogramm der KPD formulierten Maßnahmen fanden Eingang in gesetzliche Regelungen, welche die konkrete staatlich gelenkte Praxis anleiteten. Am 6. September 1950 verabschiedete die Volkskammer – das Parlament der DDR – das „Aufbaugesetz“26, welches den Wiederaufbau des Landes umfassend regelte. Zunächst legte es die lokalen Schwerpunkte fest und erklärte die Rationalisierung des Bauwesens zum zentralen Motor der künftigen Entwicklung. Mit ihm wurden weiterhin die Planungshoheiten neu geordnet. Während die entsprechenden Ministerien über die grundlegenden städtischen Funktionen wie Industrie, Verwaltung und Kultur entschieden, erarbeiteten die Gemeinden ihre eigenen Aufbau- und Bebauungspläne, die vom Ministerium für Aufbau bestätigt werden mussten. Von besonderer Bedeutung war § 14 des Aufbaugesetzes, der es der Regierung erlaubte, ganze Städte oder Gemeinden zu Aufbaugebieten zu erklären und Grundstücke gegen Entschädigung zu enteignen. Diese Bestimmungen erlaubten eine ganzheitliche Stadtplanung durch das Zurückdrängen privater Kapitalinteressen und die Möglichkeit des Zugriffs des Staates auf weiträumige Bauflächen. Entschädigungen erfolgten auf Grundlage staatlich festgelegter Bodenpreise und fanden wegen finanzieller Engpässe erst ab 1960 rückwirkend auf Basis der Preise von 1936 statt.27
Schritt für Schritt sollte das Privateigentum an Grund und Boden in Volkseigentum überführt oder zumindest irrelevant werden.28 Die Wohnung wurde eine staatliche Leistung, im Rahmen der Planwirtschaft bereitgestellt, um ein wesentliches Grundbedürfnis der Menschen zu befriedigen. Indem die DDR der Wohnung ihren Warencharakter absprach ermöglichte sie, das Recht auf Wohnen verfassungsrechtlich zu garantieren. In der Verfassung von 1968 (und in der novellierten Verfassung von 1974) heißt es im Kapitel Grundrechte und Grundpflichten der Bürger in Artikel 37:
„1. Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht auf Wohnraum für sich und seine Familie entsprechend den volkswirtschaftlichen Möglichkeiten und örtlichen Bedingungen. Der Staat ist verpflichtet, dieses Recht durch die Förderung des Wohnungsbaus, die Werterhaltung vorhandenen Wohnraums und die öffentliche Kontrolle über die gerechte Verteilung des Wohnraums zu verwirklichen.
2. Es besteht Rechtsschutz bei Kündigungen.
3. Jeder Bürger hat das Recht auf Unverletzbarkeit seiner Wohnung.“29
Trotz der Bemühungen um die Beseitigung der Trümmer, großer Bauvorhaben wie der Stalinallee und der Errichtung ganzer Städte wie Stalinstadt, gelang es der DDR in den 1950er Jahren aber nicht, der Wohnungsnot schnell Abhilfe zu schaffen. Bis 1955 konnten nur etwa 30.000 Neuwohnungen pro Jahr gebaut werden, womit die DDR den letzten Platz unter den Industrienationen einnahm. Die bisherigen Vorhaben und Herangehensweisen erwiesen sich als zu teuer und zu aufwendig.
Damit waren Ende der 1960er Jahre die politischen Institutionen, ökonomischen und juristischen Grundlagen in der DDR geschaffen, die für eine Vergesellschaftung des Wohnens notwendig sind. Der Wohnraum wurde staatlich gelenkt, wie es in § 96 des Zivilgesetzbuches hieß: „Zur Gewährleistung des Grundrechts der Bürger auf Wohnraum und zur Sicherung einer gerechten Verteilung unterliegt der gesamte Wohnraum der staatlichen Lenkung unter Mitwirkung von Kommissionen der Bürger in den Wohngebieten und Betrieben.“ Mietverhältnisse wurden also nicht auf einem freien Markt geschlossen, sondern behördlich geregelt. Damit war der Warencharakter der Wohnung aufgehoben. Das galt auch für die zahlreichen Wohnungen und Häuser, die im Privatbesitz verblieben. Das waren nach offiziellen Angaben im Jahr 1989 rund 41 Prozent der sieben Millionen Wohnungen – ein bedeutend höherer privater Anteil als in anderen Teilen der Wirtschaft.
Das Ziel des Gesetzgebers bestand darin, einmal, dass das Privateigentum, das eine Demokratisierung der Gesellschaft blockierte, seine gesellschaftspolitische Relevanz verlieren sollte und zum anderen, dass die Nutzerinnen und Nutzer der Wohnungen bzw. die Mietgemeinschaften an der Gestaltung, Pflege und Instandhaltung ihres Wohnraums aktiven Anteil nehmen sollten. Dafür sollten „die Betriebe der Gebäude- und Wohnungswirtschaft für die von ihnen verwalteten Wohnhäuser mit den Mietergemeinschaften Verträge [schließen], in denen die beiderseitigen Rechte und Pflichten festgelegt werden.“30 Solche Verträge wurden auch für privates Wohnungseigentum abgeschlossen und konnten regelmäßige wie unregelmäßige Arbeitseinsätze zur Pflege von Außenbereichen, Verwaltung und Nutzung von Gemeinschaftsräumen, die Anschaffung von kollektiv genutzten Arbeitsmitteln usw. beinhalten.
Der Aufbau einer sozialistischen Bauwirtschaft
Parallel zur rechtlichen Absicherung des Wohnungsziels wurde der Aufbau einer zentral gesteuerten Bauwirtschaft in der DDR vorangetrieben, ohne die die ambitionierten politischen Ziele nicht umsetzbar gewesen wären. Das Bauwesen wurde umfassend in die Gesamtplanung der Wirtschaft durch die Staatliche Plankommission (SPK) einbezogen. Volkseigene Baubetriebe wurden gezielt ausgebaut und drängten den Anteil privater Unternehmen systematisch zurück.
Die Planungsstruktur war mehrstufig und bedarfsorientiert. Lokale Plankommissionen auf Bezirks- und Kreisebene ermittelten den konkreten Bedarf und entschieden in Absprache mit der SPK über die Ressourcenverteilung. Ihre Planziffern gaben den Rahmen vor, in dem das Ministerium für Aufbau (ab 1958 Ministerium für Bauwesen) agieren konnte. In den Bezirken entstanden Projektierungsbüros mit Außenstellen in den Kreisen, die konkrete Bauaufgaben von den Bauämtern erhielten. So wurden Bedarfsermittlung, Materialversorgung und Bau in einer Hand gebündelt.31
Anders als im Kapitalismus entschieden nicht Markt- oder Kapitalinteressen darüber, was und wie gebaut wurde, sondern der lokal ermittelte Bedarf im Abgleich mit den nationalen Ressourcen. Dass der zentralen Planung dabei ein Prozess von unten nach oben zugrunde lag, ergänzt von einer durch die SPK vermittelten Verfügbarkeit, wird in heutigen Darstellungen der Planwirtschaft häufig außer Acht gelassen. In der DDR standen alle Instrumente der Wohnpolitik unter staatlicher Lenkung. Widersprüchliche Interessen — wie heute von Grundbesitzern, Investoren, Spekulanten, Vermietern, Baufirmen — wurden überwunden.
Das Ministerium trieb zugleich die Industrialisierung des Bauens voran: Normung, Typisierung, Mechanisierung.32 Es förderte die Aktivisten- und Wettbewerbsbewegung, die seit Ende der 1940er Jahre erhöhte Arbeitsleistung mit sozialistischem Arbeitsethos verband, und sicherte die planmäßige Ausbildung von Ingenieuren und Architekten — vor allem aus der Arbeiterklasse und Bauernschaft.33 1951 wurde die Bauakademie der DDR gegründet, um die Grundlagenforschung, Materialentwicklung, Typisierung, Architekturtheorie und Kaderausbildung unter einem Dach zu vereinen.34
Die 16 Grundsätze des Städtebaus
Der Städtebau und die Architektur in der DDR wurden zudem durch gesellschaftliche Debatten geprägt, die sich politisch in verschiedenen grundlegenden Programmen niederschlugen und der Baupraxis immer neue Impulse gaben. Von besonderer Bedeutung sind die „16 Grundsätze des Städtebaus“35, die im Juli 1950 als Beilage zum Aufbaugesetz verabschiedet wurden. Vorausgegangen war ihnen eine Delegationsreise von Baupolitikern, Stadtplanern und Architekten in die Sowjetunion. Angelehnt an die Stadtgestaltungen Moskaus, Leningrads und Kiews formulierten die Grundsätze weit mehr als technische Leitlinien. Sie verstanden sich als gesellschaftspolitische Direktiven, die das Bauen in und an den Städten grundlegend bestimmen sollten.
Die Stadt sollte den Anspruch auf Arbeit, Wohnen, Kultur und Erholung in ausgewogener Weise erfüllen. Ihr Ausbau hatte sich an den städtebildenden Faktoren Industrie, Verwaltung und Kultur zu orientieren, wobei in Hauptstädten Verwaltung und Kultur bewusst Vorrang vor der Industrie erhielten. Das Stadtzentrum galt als politisches, administratives und kulturelles Herz, geprägt von monumentalen Bauten, großzügigen Plätzen und klaren Achsen, die Raum für Demonstrationen, Kultur und Austausch boten. Dadurch erfuhren Zentren und Magistralen eine deutliche Aufwertung, oft auf Kosten historischer Strukturen. In den 1960er Jahren entstanden zudem markante Hochbauten, wie der Berliner Fernsehturm oder der Leipziger Uni-Riese am heutigen Augustusplatz.
Anders als in westdeutschen Städten, wo insbesondere dem Auto eine die Stadt bestimmende Rolle zugeschrieben wurde, sollte der Verkehr in der DDR die Stadt nicht ungebührlich zerschneiden. Durchgangs- und Güterverkehr sollten aus dem Zentrum genauso verbannt werden wie aus den Wohngebieten.36 Die Wohngebiete, die 30.000 Einwohnerinnen und Einwohner und mehr umfassten, gliedern sich in Wohnbezirke, deren Herzstück die Bezirkszentren bilden. Dort finden sich alle wichtigen Einrichtungen für das tägliche Leben – von Kultur- über Sozial- bis zu Versorgungseinrichtungen. Innerhalb dieser Bezirke entstehen Wohnkomplexe, die wiederum mehrere Häuserviertel für 5.000 bis 15.000 Bewohner umfassen und mit Gärten, Schulen, Kindergärten und Versorgungsgeschäften ausgestattet sind, die den Alltag erleichtern.37 Der städtische Verkehr bleibt aus diesen Bereichen herausgehalten, doch weder Wohnkomplexe noch Wohnbezirke sind als abgeschlossene Inseln gedacht. Ihre Struktur soll sich stets in das größere Gefüge der Stadt einfügen. Auch Begrünung, Licht und Luft gehören zu den Grundsätzen.
Auch die Idee des „sozialistischen Dorfs“, also eines ländlich geprägten Ortes, der im Sinne des Sozialismus durch Bodenreform und Industrialisierung der Landwirtschaft umgestaltet wurde, zielte auf eine Annäherung des ländlichen Raums an die Stadt ab. Träger dieser Entwicklung waren die ab den 1950er Jahren etablierten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG). Einerseits führten sie industriemäßige Produktionsmethoden ein, andererseits übernahmen sie gesellschaftliche Aufgaben. Sie initiierten den Bau von Wohnungen, Straßen, Kultur- und Bildungseinrichtungen, förderten Dorffeste und Kultur und wurden so zu prägenden Kräften, die überlieferte dörfliche Denkweisen und Traditionen aufbrachen.38
Entscheidend zum Verständnis der Baukultur der DDR ist, dass Stadtplanung, Architektur und Wohnen nicht mehr als getrennte Bereiche begriffen wurden. Stattdessen sollten sie als eine hierarchische Einheit verstanden werden: Wohnraum, Wohnung, Wohnhaus, Wohngebiet, Stadt und Siedlungsraum.39 Diese großflächige und weitsichtige Planung war möglich, weil das Privateigentum seine dominante Rolle verlor. Anders als heute konkurrierten keine Profitinteressen – z. B. Kaufhäuser und Luxusvillen – mit gesellschaftlichen Bedürfnissen – z. B. nach Grünflächen, ÖPNV und soziokulturellen Einrichtungen – um städtische Flächen. Stattdessen konnten diese ganzheitlich geplant und gebaut werden.
Mit ihrem Stadtkonzept fügte sich die DDR mit einer eigenen Stimme in eine internationale städtebauliche Entwicklung ein. So gab es beispielsweise die 1943 als Manifest veröffentlichte „Charta von Athen”, die nach dem Zweiten Weltkrieg große Wirkung entfaltete. In ihr wurden die Folgen von Industrialisierung und Bodenspekulation scharf kritisiert: dichte Städte, schlechte Wohnverhältnisse und mangelnde Grünflächen. Zwar liegen der Charta wie den 16 Grundsätzen eine am Menschen orientierte Planung zugrunde, doch vor dem Hintergrund unterschiedlicher gesellschaftlicher Grundlagen stellte der Architekturhistoriker Kurt Junghanns auch gravierende Unterschiede fest: Während die Athener Charta vom bürgerlichen Individuum, der Wohnung und dem Verkehr ausgehe, würden die 16 Grundsätze die sozialistische Gesellschaft, Kultur und den politisch verstandenen öffentlichen Raum in den Mittelpunkt stellen.40
Kunst am Bau als Programm
Die Wohnungs- und Stadtpolitik der DDR verband architektonische Visionen mit gesellschaftlichen Utopien. Stadtplanung, Wohnungsbau und Kultur galten nicht nur als technische Aufgaben, sondern als zentrale Mittel zur Gestaltung einer sozialistischen Lebensweise. Architektur, Kunst und Planung sollten den Alltag prägen, Nachbarschaften stärken und neue Formen des Zusammenlebens ermöglichen. Gleichzeitig offenbaren sich in der Praxis Spannungen zwischen Anspruch und Wirklichkeit, zwischen staatlicher Steuerung, Mangelverwaltung und den alltäglichen Aneignungen der Bewohnerinnen und Bewohner, die das Leben in den Städten entscheidend gestalteten.
Kunst am Bau fungierte als Gelenk zwischen Architektur, Stadtplanung und Politik. Immer wieder waren die Gestaltungsvorhaben begleitet von öffentlichen und fachinternen Debatten darum, wer in welchem Auftrag den gesellschaftlichen Raum gestaltet oder wie diejenigen, die mit der Kunst in ihrem Alltag leben, hierauf Einfluss ausüben können. Auch institutionell wurde die Kunst am Bau im Bauwesen verankert. So gab es in den Bezirken Büros für raumbezogene Kunst, wo Bau- und Kunstschaffende miteinander Konzepte entwarfen.41
Die seit 1952 bestehende „Anordnung über die künstlerische Ausgestaltung von Verwaltungsbauten“ sah beispielsweise vor, dass 1 bis 2 Prozent der Baukosten für die künstlerische Gestaltung der Gebäude freigehalten werden sollten. Die 1965 veröffentlichten „Grundsätze der Planung und Gestaltung der Städte in der Periode des umfassenden Aufbaus des Sozialismus“ hielten ergänzend fest, dass öffentliche Gebäude wirtschaftlich und modern gebaut werden und zugleich „das Neue unserer sozialistischen Gesellschaft sichtbar machen“ sollten.42
Diese Anordnungen wurden auch auf den Wohnungsbau ausgeweitet. Dabei reichten die Möglichkeiten von der dekorativen Fassadengestaltung bis hin zur Gliederung von öffentlichen Plätzen.43 Der als Mittel zur Humanisierung der Lebenswelt begriffene industrielle Wohnungsbau wurde damit auch in die Formulierung allgemeinerer Kulturkonzepte einbezogen. In gegenwärtigen Wohnkämpfen wird die ästhetisch-kulturelle Seite der Wohnungsfrage kaum berücksichtigt.
Bauen im Kollektiv
Die Vorhaben der Regierung und der Anspruch, allen angemessenen Wohnraum zur Verfügung zu stellen konnten in der von Zerstörung und Reparationszahlungen geprägten Nachkriegszeit und unter den Bedingungen einer von Sanktionen und begrenzten Ressourcen gehemmten Wirtschaft nur gelöst werden, wenn alle mit anpackten. (Auf)Bauen wurde zum gesellschaftlichen Kraftakt, in den die Bevölkerung aktiv einbezogen wurde. Ob freiwillige Trümmerbeseitigung, Wohnungslotterie, alternative Eigentumsformen oder neue Arbeitsprozesse – durch die Jahrzehnte kamen verschiedene Methoden und Anreize zur Anwendung, die allesamt den Wohnungsbau ankurbeln sollten. Staatliche Regulierung ging dabei Hand in Hand mit Masseninitiativen und Selbstorganisierung.
Das Nationale Aufbauwerk
Im November 1951 wurde das „Nationale Aufbauprogramm Berlin“ (ab 1952: Nationales Aufbauwerk) gegründet, das ab 1953 auf die gesamte DDR ausgeweitet wurde. Mit diesem Programm wurden erstmals staatlich gelenkte, kollektive Formen des Wohnungsbaus erprobt, die den Wiederaufbau des Landes auf Grundlage von Masseninitiativen und freiwilliger Arbeit vorantreiben sollte – es war also eine gesamtgesellschaftliche politische Initiative, getragen von der Nationalen Front, dem Block der Parteien und Massenorganisationen der DDR.
Die Nationale Front:
Die mit der Gründung der DDR ausgerufene Volksbewegung der „Nationalen Front“ bezeichnet ein organisatorisches Dach aller Parteien und gesellschaftlichen Organisationen und fungierte so als Schnittstelle zwischen der Bevölkerung und den politischen Organisationen. Sie organisierte u. a. die Volkskammerwahlen und war insbesondere in den Wohngebieten aktiv etwa als Ausrichter des Wettbewerbs „Schöner unsere Städte und Gemeinden – Mach mit!“. In den Ausschüssen der Nationalen Front waren über 300.000 Freiwillige aktiv und organisierten z. B. Nachbarschaftsfeste oder Arbeitseinsätze zur Begrünung der Wohngegend gemeinsam mit Hausgemeinschaften.
Das erste große Vorhaben des Programms war der Bau neuer Wohnungen entlang der Stalinallee. Dafür wurde das zu bebauende Areal zum „Aufbaugebiet“ erklärt und vorab mehrere Wettbewerbe veranstaltet, an denen hochkarätige und die weitere Entwicklung der DDR prägende Architekten teilnahmen.44 Deren Entwürfe wurden in einer von 12.000 Menschen besuchten Ausstellung gezeigt, in der ausdrücklich Kommentare seitens der Bevölkerung erwünscht waren. Die Bemerkungen der Besucherinnen und Besucher und die Kritiken des Preiskomitees führten dazu, dass die fünf Gewinner einen gemeinsamen Bebauungsplan erarbeiteten, der schließlich mit der politischen Führung diskutiert und modifiziert wurde.
Um die Enttrümmerung voranzubringen und das Bauvorhaben an der Stalinallee zu realisieren, sollte die Bevölkerung aktiv mit in den Bau einbezogen werden. Trümmer mussten beseitigt werden, freiwillige Helferinnen und Helfer sollten den Aufbau unterstützen und eine Lotterie, bei der durch eine finanzielle Beteiligung von 3 Prozent des Monatslohns ein Anrecht auf die Vergabe einer der zu bauenden Wohnungen gewonnen werden konnte, wurde ins Leben gerufen. Das Ziel war, mehr als 100 Millionen Mark zu bekommen, das Bauvorhaben zu beschleunigen und die Bevölkerung von den neuen Verhältnissen politisch zu überzeugen. Denn insbesondere im Bausektor konzentrierten sich viele ehemalige NSDAP-Mitglieder, da viele zur Trümmerbeseitigung und zum Wiederaufbau verpflichtet wurden und anschließend in der Bauwirtschaft tätig waren. Neben 23.000 Fachkräften gelang es 1952, 45.000 Helferinnen und Helfer zu gewinnen.
Die Bauarbeiten fanden zwischen 1956 und 1958 ihren Abschluss und die Allee beeindruckt bis heute Besucher und Bewohnerinnen. Boulevards dieser Art, wie der Boulevard Haussmann in Paris, waren bis dato ausschließlich wohlhabenden Schichten vorbehalten. In der Stalinallee wurde bewusst damit gebrochen, indem vor allem Angehörige der Arbeiterklasse – die ersten über den Gewinn in der Wohnungslotterie – einzogen, was den Bauten den Spitznamen „Arbeiterpaläste“ eintrug.
Trotz der Bemühungen um die Beseitigung der Trümmer, großer Bauvorhaben wie der Stalinallee und der Errichtung ganzer Städte wie Stalinstadt, gelang es der DDR in den 1950er Jahren aber nicht, der Wohnungsnot schnell Abhilfe zu schaffen. Bis 1955 konnten nur etwa 30.000 Neuwohnungen pro Jahr gebaut werden, womit die DDR den letzten Platz unter den Industrienationen einnahm. Die bisherigen Vorhaben und Herangehensweisen erwiesen sich als zu teuer und zu aufwendig.
Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften
Zur Beschleunigung des Wohnungsbaus wurden 1954 Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften (AWG) gegründet.45 Schon der Name macht den Unterschied zum Kapitalismus deutlich: keine Wohnungsbaugesellschaft nach unternehmerischem Muster, sondern ein Instrument der Masseninitiative. Im Westen war die Genossenschaft eine Rechtsform neben anderen, in der DDR politisierte sie das Wohnen. Mitglieder brachten nicht nur Geld ein, sie arbeiteten auf den Baustellen mit und lebten anschließend in dem, was sie gemeinsam errichtet hatten. Die AWGs waren bei volkseigenen Betrieben und Kombinaten angesiedelt — Staat, Betrieb und Arbeiterschaft bildeten eine funktionale Einheit. Noch im Gründungsjahr entstanden in allen Teilen der Republik neue Genossenschaften, die den Wohnungsbau spürbar voranbrachten.
Der Staat stellte den AWGs Grundstücke kostenlos zur Verfügung und gewährte ihnen zinslose Kredite in erheblichem Umfang. Bevor ihnen eine Wohnung zugeteilt wurde, beteiligten sich die Mitglieder zum einen durch den zu errichtenden Genossenschaftsanteil und zum anderen durch „Aufbauhilfe“ auf der Baustelle oder im lokalen Baugewerbe in ihrer freien Zeit.46 Rolf Beyer aus Leipzig erinnert sich:
„Das waren teilweise schwere körperliche Arbeiten. Die AWG verfügte nach ihrer Gründung nur über wenige Maschinen. So mussten wir die Gruben für die Keller mit Spitzhacke, Schippe, Schubkarre und Förderband ausheben. Wurde der Keller noch von Maurern Stein für Stein hochgezogen, ging das Hinstellen des Hauses mit Hilfe von vorgefertigten Platten ruckzuck. Dann kamen die Handwerker für den Innenausbau und anschließend für uns Mitglieder die Grobreinigung. Wir machten aber auch Hilfsarbeiten bei den einzelnen Gewerken, soweit das für Nichtfachleute möglich war.“47
Um in eine AWG aufgenommen zu werden, mussten Wohnungsbedarf, aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und hohe Leistungen am Arbeitsplatz nachgewiesen werden. Über Wartelisten oder Wohnungskontingente der Betriebe, die sich nach der Größe oder industriellen Relevanz des Betriebs berechneten, konnten AWG-Mitglieder, bevorzugt Familien, Wohnungen erhalten. Die Nutzerinnen und Nutzer verwalteten die Häuser selbst und der VEB Gebäudewirtschaft half ihnen dabei.48 Drei Jahre nach der Gründung der ersten AWG gab es bereits 560 weitere mit ungefähr 60.000 Mitgliedern. Der Anteil am Wohnungsneubau betrug bereits 1957 19 Prozent, wobei das anfängliche Übergewicht an Einfamilienhäusern zugunsten des industriellen Wohnungsbaus wich. 1966 konnten die AWG ihren Anteil am Wohnungsbau auf 66 Prozent steigern, bevor er wieder sank und in den 1980er Jahren auf 50 Prozent wieder anstieg.49
Neben den AWG existierten noch die Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaften (GWG), die Nachfolger der schon vor dem Zweiten Weltkrieg existierenden kleinen, lokalen Baugenossenschaften und Bauvereine waren. Sie kümmerten sich bevorzugt um die Verwaltung, Instandhaltung und Modernisierung von Altbeständen, konnten aber aufgrund mangelnder Finanzkraft keine nennenswerte Bautätigkeit entfalten.
Produktionsgenossenschaften des Handwerks und Brigadeleben
Die Anzahl der Beschäftigten im Bauwesen schwankte und war stets geringer als die zu bewältigenden Aufgaben. Ab 1957 wurden deshalb Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH) gezielt gefördert, um das private Handwerk in die industrielle Bauwirtschaft zu integrieren. In ihnen schlossen sich ehemalige selbstständige Maurer, Installateure, Dachdecker und Elektriker zusammen. Die Überwindung der handwerklichen Zersplitterung durch kollektive Betriebsführung erlaubte höhere Arbeitsproduktivität und die Einbindung vereinzelter Handwerker in den staatlich geplanten Bauprozess, ohne dass diese ihr Eigentum an den Produktionsmitteln aufgeben mussten. Die Mitglieder profitierten dabei von den sozialistischen Produktionsverhältnissen: gesichertes Einkommen und Urlaubstage, Zugang zu Kultur und Weiterbildung, demokratische Mitbestimmung im Betrieb. In der Praxis fungierten diese PGH vor allem als Versorgungs- und Reparaturbetriebe neben den Großbetrieben.
Innerhalb der Kombinate, also der Zusammenschlüsse von Betrieben einer bestimmten Industrie, gab es Projektierungsbetriebe, die für verschiedene Arbeitsbereiche verantwortlich waren und in denen sich wiederum Brigaden bzw. Kollektive bildeten. Die kleinste Einheit der Kombinate war die Brigade, die aus fünf bis fünfundzwanzig Mitgliedern bestand und die von den Arbeitenden eigenständig organisiert wurde. Häufig waren die Brigaden in der industrialisierten Großtafelbauweise in Taktstraßen organisiert, die ungefähr 100 Arbeiter umfasste und 500 bis 800 Wohnungen im Jahr errichtete: „Das heißt, die spezialisierten Brigaden errichteten im Takt ‚Null‘ Fundamente, im nächsten Takt erfolgte die Montage und anschließend der Ausbau. Fließend wurden an einer Wohnscheibe (aneinandergereihte Wohnblocks) im Vorlauf die Baugruben und Fundamente hergestellt, während an den vorangegangenen Blöcken montiert wurde.“50
Produktionsbrigaden entstanden bereits Ende der 1940er Jahre. Zu Beginn der 1950er Jahre wurden Arbeitsbrigaden durch den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) gegründet, schließlich Ende der 1950er Jahre die sogenannte Sozialistische Brigadebewegung ausgerufen. Im Unterschied zu den Arbeitsbrigaden verpflichteten sich die Mitglieder der Sozialistischen Brigaden, sozialistisch zu arbeiten, zu lernen und zu leben. In ihnen sollte sich die „progressive Elite“ der Industriearbeiterschaft zusammenfinden. Ihre Bildung beruhte auf der Entscheidung ihrer Mitglieder. Sie schlossen jährlich Verträge mit Werk- und Gewerkschaftsleitung und verpflichteten sich, Produktionsziele zu übertreffen oder Qualitätssteigerungen zu erreichen. Darüber hinaus übernahmen sie Aufgaben, die über den Betrieb hinausgingen: Qualifizierung, kulturelle Aktivitäten, Patenschaften für Schulen oder kommunale Aufbauarbeiten. Werk- und Gewerkschaftsleitung unterstützten sie materiell und organisatorisch.51 Sie galten daher nicht nur als Motor höherer Produktivität und Träger sozialistischer Moral, sondern auch als Raum gemeinsamer Lebensgestaltung. Zwischen den Brigaden, der Partei, den Architekten und Ingenieuren bestand häufig eine enge Bindung. Vorstellungen und Ideen mussten entwickelt, erdacht oder erfunden werden, diese mussten wiederum Teil der Planung werden und schließlich auch auf der Baustelle verbaut werden.52
Der Wandel zur Industrialisierung des Bauens
Die Vorstellung, dass der Wohnungsbau industrialisiert werden müsse, um die Wohnungsnot zu bekämpfen, wurde bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts intensiv in der Stadtplanung, Architektur und Ökonomie diskutiert.53 Der Architekt und Gründer des Bauhauses in Weimar, Walter Gropius (1883–1969), stellte 1926 fest, dass „die menschliche behausung (…) eine frage des massenbedarfs [sic!]“54 sei. In seinem 13-Punkte-Programm beschreibt Gropius eine Vision für den modernen Städtebau: Planung, Technik und Gesellschaft sollen Hand in Hand gehen. Seine Prinzipien reichen von der Priorisierung guter Siedlungsplanung und klarer Trennung der Funktionen bis hin zu technisch-industriellen Innovationen wie Typisierung, Standardisierung und rationeller Fabrikfertigung. Durch neue Materialien, Maschinen und eine minutiöse Detailplanung soll ein effizienter und kostengünstiger Wohnungsbau ermöglicht werden. So soll Wohnraum entstehen, der vielen zugutekommt, ohne dass dabei menschliche Bedürfnisse vernachlässigt werden. Im Zentrum steht dabei stets das harmonische Zusammenspiel aller Beteiligten, um Zukunft und Lebensqualität für viele zu gestalten. „wo sind die deutschen bauversuchspläne,“ fragt Gropius, „die die ungeheure verschwendung von mitteln, zeit und arbeit verhindern, indem sie den großen baukasten schaffen helfen, aus dem häuser entstehen sollen, die jeder arbeiter bezahlen kann? [sic!]“55
Was in den 1920er Jahren noch Vision war und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nur in Experimenten u. a. in Berlin, Frankfurt/Main, Stuttgart, New York und London materiell und organisatorisch ausprobiert werden konnte, konnte in den 1950er Jahren in der DDR Realität werden. Der durch die Zerstörung des Zweiten Weltkriegs und die Enttrümmerung freigewordene Platz, die ökonomischen und rechtlichen Grundlagen einer weitestgehend entprivatisierten Bauwirtschaft sowie technische Fortschritte und der politische Wille erlaubten es nun flächendeckend industriell zu bauen.
Diese Entwicklung wurde durch eine baupolitische Wende in der Sowjetunion unter der neuen Führung nach 1953 begleitet und veranlasst. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs litt die Sowjetunion unter massiver Wohnungsnot und einer geschwächten Industrie. In den späten 1940er Jahren knüpfte man zunächst an Vorkriegsmodelle an, errichtete Behelfe aus Holz, was bei weitem nicht ausreichte. Daneben setzte man bei den öffentlichen Bauten auf klassizistische Vorgaben aus den 1930er Jahren. Nikita Chruschtschow (1894–1971), seit September 1953 Erster Sekretär der KPdSU, rief im Dezember 1954 zum „Allunionskongress der Bauschaffenden“ nach Moskau. In seiner Rede stellte Chruschtschow die Priorität der Schwerindustrie als Fundament für wirtschaftlichen Aufschwung heraus. Er betonte die Erfolge in der Bauindustrie, die dank vorgefertigter Bauteile und Materialien nun schneller, günstiger und effizienter arbeiten könne. Die Sowjetunion verfüge nun über eine Produktionsbasis, die den Einsatz vorgefertigter Stahlbetonkonstruktionen ermögliche. Skelettlose Konstruktionen mit großen Platten seien besonders vorteilhaft für den Wohnungsbau. Die Industrialisierung sollte die Baustelle zur reinen Montagestätte machen, während in Planungsbüros Typen standardisiert werden sollten, um Bauprozesse zu beschleunigen und zu optimieren.
Infolge des Schwenks in der Baupolitik und der forcierten Industrialisierung konnte der Wohnungsbau in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre in der Sowjetunion verdoppelt werden. Der fünfstöckige Plattenbau, der in den 1960er- und 1970er-Jahren häufig gebaut wurde und heute noch zahlreich das Stadtbild der Nachfolgestaaten der Sowjetunion prägt, erhielt den Beinamen „Chruschtschowka“. Das Stichwort „Besser, schneller und billiger bauen“, so die deutsche Übersetzung des Referats von Chruschtschow56, inspirierte auch die Baupolitik in der DDR.
Städte für die Industrie
Der Wohnungsbau der 1950er Jahre in der DDR diente der Beseitigung von Kriegsschäden, der schnellen Unterbringung der Bevölkerung und dem Aufbau einer eigenen Industrie.57 Die DDR war zwar keineswegs arm an Rohstoffen – bei Braunkohle und Kali gehörte sie sogar zur Weltspitze –, doch genau jene Materialien, die für eine erfolgreiche Bauwirtschaft unverzichtbar waren, standen nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung: Steinkohle, Eisenerze, Eisen und Walzstahl. Zudem fehlte es an einem ausgereiften Hüttenwesen und einer intensivierten chemischen Industrie.
Die Reparationen, die von 1945 bis 1953 in Form von Demontagen oder Entnahmen aus der laufenden Produktion an die Sowjetunion geleistet wurden, verschärften die Situation zusätzlich. Außerdem traf die Rohstoffkrise von 1947 die SBZ schwer. Das im Potsdamer Abkommen geschlossene Tauschgeschäft mit der britischen Zone – Kohle und Stahl gegen Industriewaren und Lebensmittel – brach zusammen, als die Briten wegen Lieferausfällen den Stahlzufluss stoppten. Die Abhängigkeit der SBZ von westlichen Lieferungen wurde sichtbar und verstärkte den Druck, eigene Ressourcen zu erschließen. Dies führte kurz vor der Gründung der DDR zum strategischen Ausbau der Schwerindustrie (Kohle, Stahl, Chemie und Bergbau).58
Der Aufbau der Schwerindustrie verlangte wiederum einen raschen Wohnungsbau, um Arbeitskräfte dort zu anzusiedeln, wo der verstärkte Ressourcenabbau nötig geworden war. Das bekannteste Beispiel hierfür ist die 1953 gegründete Stadt Stalinstadt (ab 1961 Eisenhüttenstadt), die im Rahmen des Baus des Eisenhüttenkombinats Ost gebaut wurde. Die städtebauliche Konzeption stammt vom Architekten Kurt W. Leucht (1913–2001), der 1951 die Anlage als geschlossene Einheit entwirft: vier Wohnkomplexe, ein zentraler Platz und eine Magistrale, die das Werkstor mit dem Herzen der Stadt verbindet. Hier orientiert sich alles am Industriekomplex. So definiert sich die Stadt vom Werk her, öffnet sich aber zugleich in die Landschaft.59 Bis 1960 verzehnfachte sich die Einwohnerzahl von 2.400 auf 24.000.
Von der Baustelle in die Fabrik: Industrialisierung und Typisierung
Als der staatliche Wohnungsbau in den 1960ern mit der Etablierung der Wohnungsbaukombinate konsolidiert wurde, war die Industrialisierung des Bauwesens in vollem Gange. Die Bauproduktion sollte Schritt für Schritt von der offenen Baustelle in die Fabrik verlagert werden. In den Werkshallen ließ sich die Arbeit in klar umrissene Teilprozesse gliedern: von Mechanisierung und Automatisierung über das Arbeiten im Takt bis hin zu Vorfertigung, Serien- und Fließfertigung. Was einst Ziegel auf Ziegel unter freiem Himmel entstand, also ungebührlich Zeit und Geld kostete, sollte schließlich auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt, also montiert werden. Schon 1955 wurde auf der 1. Baukonferenz die Einführung von Montagebauweisen gefördert und gefordert. Erste Experimente im Großblock‑, Tafel- und Plattenbau fanden bereits zu Beginn der 1950er Jahre statt, wurden zusehends in Breite angewendet.60
Auch in der Bundesrepublik rückten Normierung und Rationalisierung in dieser Zeit in den Fokus. Der starke Gegensatz zwischen industriellen Fertigungsmethoden und der vom traditionellen Handwerk geprägten Architektur, die sich aus der Beibehaltung der privateigentümlichen Form der Bauwirtschaft ergab, führte jedoch nur zu einer Teilindustrialisierung. Die konventionelle, handwerkliche Bauweise blieb bestimmend, wurde durch den begrenzten Einsatz von Fertig- und Halbfertigteilen, neue Baustoffe sowie rationalisierte Bauabläufe ergänzt.61
Die Bauweise, ihre Ausführung und Ausstattung veränderte sich in der DDR im Laufe der Zeit maßgeblich, so kann man anhand der Gestaltungsweise bis heute einzelne Phasen der Baugeschichte der DDR den Gebäuden ablesen, da sie sich in den Konstruktionsweisen und anderen Parametern wie städtebauliche Anordnung, Dachform und Geschosshöhe voneinander unterscheiden. So kamen Q‑Serien (z. B. Q3, Q3a, Q6, Qx/7) in Stalinstadt zum Einsatz, P‑Serien (z. B. P1, P2, P‑Halle, QP) prägten den Rostocker Stadtteil Lütten-Klein und später ab den 1970er Jahren dominierte, das Wohnungsbausystem 70 (WBS 70), das rasch in Wohnungsbauserie 70 umbenannt wurde.62 Insbesondere die WBS 70 machte am Ende der DDR ungefähr 42 Prozent aller industriell errichteten Wohnungen aus. 1985 betrug der Anteil der industriellen Bauweisen am Wohnungsbau 83 Prozent.63
Zu Beginn der 1980er Jahre sahen die Normvorgaben für eine Wohnung folgendermaßen aus: 56 bis 58 Quadratmeter Wohnfläche, erfordern u. a. 1,2 Tonnen Stahl, 12,5 Tonnen Zement, 2500 Watt Strom, 540 Arbeitsstunden je Wohnung (zur Hälfte in der Fabrik, zur Hälfte auf der Baustelle), genormte Rohrbündel mit festgelegten Armaturen und 50 bis 60 Millimeter dicke Wärmedämmung in Kamilith. Eine Wohnung sollte ungefähr 38.000 Mark kosten.
– Vgl. Thomas Kupfermann, Platte, Teepott und Paläste, Berlin: Weltbild Verlag 2015, S. 55.
Begleitet wurde dieser industrielle Wandel von Begriffen, die den Geist der Zeit prägten: Typenprojektierung, Typisierung und Typenbau. Hinter ihnen stand die Idee, Gebäude mit gleicher Funktion auch in gleicher Form mehrfach zu errichten. Damit dies möglich wurde, galt es, durch die Typisierung grundlegende Merkmale festzulegen: die Art, den Zweck, die Form und die Größe eines Bauwerks. Das Resultat war der Typenbau. Aus einem festgelegten Satz von Bauteilen konnte immer wieder dasselbe Gebäude entstehen. In Anlehnung an die Bauhaus-Tradition sprach man dafür auch vom „Baukastensystem“. Dieses beruhte auf dem Prinzip, ein System in seine Elemente zu zerlegen, die beliebig ergänzt und neu kombiniert werden konnten. Auf diese Weise entstanden zwar standardisierte Strukturen, doch blieben Spielräume für lokale Bautraditionen oder künstlerische Eigenheiten erhalten.64
Das erste Wohnungsbauprogramm (1959–65)
Trotz bedeutender Fortschritte im ersten Jahrzehnt fehlten 1958 noch immer rund 730.000 Wohnungen in der DDR. Um dem entgegenzuwirken, folgte die SED dem sowjetischen Vorbild und trieb den Wohnungsbau auf der Grundlage der Schwerindustrie massiv voran. Im Rahmen des letztlich abgebrochenen Siebenjahrplans (1959–1965) konnte die Zahl der neu gebauten Wohnungen bis 1961 auf 85.000 pro Jahr gesteigert werden. Bis 1965 sollte der Wohnraummangel beseitigt sein und jeder Familie eine Wohnung zur Verfügung stehen. Eine Modernisierung der Wohnverhältnisse sollte bis 1980 erfolgen. Dies sollte einerseits durch industrielle Baumaßnahmen wie Abriss und Neubau und andererseits durch den genossenschaftlichen Wohnungsbau erreicht werden.
Letztlich gelangen die Vorhaben nicht, weil die dafür nötigen Ressourcen in die Industrie umgelenkt wurden. Das bedeutete nicht, dass nicht mehr gebaut wurde, sondern der Wohnungsbau konzentrierte sich fortan dort, wo die Industrie ausgebaut werden sollte. 73 Prozent der Bauquote wurden letztlich 1965 erreicht, im selben Jahr konnten jedoch nur 53.000 Neuwohnungen errichtet werden.65 Anfang der 1970er Jahre gab es etwa 6,05 Millionen Wohnungen bei 6,4 Millionen anerkannten Haushalten.66
Der Fokus auf eine industrialisierte Bauwirtschaft blieb allerdings bestehen, was angesichts des Alters des Wohnungsbestands ein äußerst ambitioniertes und kniffliges Vorhaben war. So waren von den 1965 vorhandenen 5,8 Millionen Wohnungen knapp 1,18 Millionen vor 1870 errichtet worden, 1,27 Millionen in der Gründerzeit und 3,3 Millionen ab 1900. Die Wohnungen waren also einerseits zu sehr überaltert für eine handwerkliche Instandsetzung, andererseits noch zu funktionstüchtig, um sie abzureißen, wie es in der 1967 veröffentlichten Studie „Erhaltung und Rekonstruktion der Altbausubstanz“ unter Leitung des renommierten Architekten Richard Paulick (1903–1979) hieß.67
In den 1960er Jahren blieb die unter dem Stichwort „Sozialistische Umgestaltung“ firmierende Orientierung auf industrielles Bauen bestehen, wodurch die Modernisierung des Altwohnungsbestands in den Hintergrund rückte. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre konnten lediglich etwa 12.000 Wohnungen pro Jahr saniert werden. Alleine in Ost-Berlin benötigten aber rund Dreiviertel der 453.000 gemeldeten Wohnungen eine Reparatur.68 Knapp 15 Jahre später hatte sich die Lage nicht verbessert, insbesondere fehlte es in den alten Gebäuden an modernen sanitären Einrichtungen.69
Obwohl die angestrebten Planziffern im Wohnungsbau in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre angesichts des anhaltenden Ressourcenbedarfs der Industrie nicht erreicht wurden, wurden die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen des industriellen Bauens in die Umgestaltung der Stadtzentren und den Bau neuer Städte und Stadtteile eingesetzt. Die in Karl-Marx-Allee umbenannte Stalinallee wurde im 2. Bauabschnitt um zwei moderne Wohnkomplexe erweitert, in der Berliner Mitte wurde mit dem Bau des 1969 fertiggestellten Fernsehturms begonnen, in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz) wurde das Einkaufszentrum Rosenhof und die Ostseite der Straße der Nationen mit acht Wohnscheiben errichtet, die quer zur Straße standen und untereinander mit Gewerberäumen verbunden wurden, 1969 öffnete im Zentrum der zerstörten Altstadt von Dresden der Kulturpalast seine Pforten und wurde fortan als Mehrzweckhalle u. a. für Konzerte, Tanzveranstaltungen und Tagungen genutzt.
Wie wir lebten
Recht, Planung und Produktion des Wohnraums folgten in der DDR einem anderen Grundsatz: Wohnen war menschliches Grundbedürfnis, nicht Ware. Im gelebten Alltag — in der Wohnungsvergabe, der Raumgestaltung, der Hausgemeinschaft — nahm dieses Prinzip konkrete Gestalt an. Gleichzeitig wurden aber auch die Grenzen des Möglichen deutlich.
Wohnungsvergabe
Wer eine Wohnung brauchte, stellte einen schriftlichen Antrag bei der zuständigen kommunalen Abteilung für Wohnungspolitik und Wohnungswirtschaft oder bei der Wohnungsgenossenschaft. Der Antrag erfasste soziale Merkmale wie Beruf, Familienstand, Kinderzahl. Die Wartelisten waren immer sehr lang, sodass sich häufig Wartezeiten von mehreren Jahren ergaben, was in der Bevölkerung für andauernden Unmut sorgte und sich auch in der Zahl der ab 1975 eingereichten Eingaben70 widerspiegelt, mit denen die Bevölkerung ihren verfassungsmäßigen Rechtsanspruch auf eine Wohnung gegenüber den staatlichen Behörden artikulieren konnte. Junge, kinderreiche Familien, Alleinerziehende, anerkannte „Opfer des Faschismus“ und „Kämpfer gegen den Faschismus“ (und ihre Nachfahren) wie Stammbelegschaften oder Schichtarbeiter oder Männer nach ihrem Wehrdienst sowie Angehörige der bewaffneten Organe hatten in aller Regel bessere Karten, eine Wohnung zu erhalten, insbesondere in den Neubaugebieten.
Dadurch zeichnete sich auch eine gewisse soziale Strukturierung in den Wohngebieten ab, die ansonsten eine sehr hohe soziale Durchmischung aufwiesen. Es bewohnten überwiegend Angestellte und Angehörige der Arbeiterschaft unterschiedlichster Qualifikation die großen Neubaugebiete, Arbeiterschaft und Rentnerinnen und Rentner häufig die Altbaugebiete und Angehörige der Handwerks- und Bauernzunft häufig Ein- und Zweifamilienhäuser. Im Verhältnis zu der Art Ghettoisierung, etwa nach Einkommen, Alter, ethnischer Zugehörigkeit oder Religion, wie wir sie heute in den Städten erleben, blieb die Durchmischung, die durch weit geringere Einkommensunterschiede definiert war, erstaunlich hoch.
Anfang der 1970er Jahre lagen rund 600.000 Wohnanträge vor, 1989 waren es 800.000 bei leicht gesunkenen Wartezeiten. Diese Zahlen sind jedoch nicht mit Obdachlosigkeit gleichzusetzen. Obdachlosigkeit war in der DDR, von vereinzelten Fällen abgesehen, ein Relikt der Vergangenheit, ebenso wie Zwangsräumungen.71 Die Anträge spiegelten vor allem den Wunsch nach passendem Wohnraum wider. Denn ein strukturelles Problem war die Unterbelegung. Geringe Mieten und langwierige Vergabeverfahren begünstigten, dass Menschen nach Scheidung, Tod des Partners oder Auszug der Kinder in zu großen Wohnungen blieben oder getrennt lebende Partner ihre Wohnung formal behielten. War eine Wohnung erst vergeben, konnte der Staat niemanden mehr vor die Tür setzen.72
Da die Wohnraumlenkung in der DDR ein langsamer Apparat war, der einerseits die Vorgaben der Politik und andererseits die dringlichen Bedürfnisse der Bevölkerung zu erfüllen hatte, und es insbesondere in Altbaugebieten sichtbaren Leerstand gab, suchten die Menschen auch andere Möglichkeiten, an Wohnraum zu gelangen. Möglich waren z. B. der Wohnungstausch und ein weit verbreitetes Phänomen war das sogenannte Schwarzwohnen, das häufig geduldet wurde.73 Gerade Bevölkerungsgruppen, die wenig Chancen hatten, in den Wartelisten nach oben zu rutschen wie junge, alleinstehende Menschen bezogen leerstehende Wohnungen. 1979 gab es beispielsweise in Berlin-Friedrichshain 534 besetzte Wohnungen. Die Angestellte Gerthild Dominka erinnert sich:
„Wer eine Wohnung schwarz bezog, konnte diese, wenn er wollte und Glück hatte, legalisieren. Es hieß und bewahrheitete sich in vielen Fällen: Du überweist die Miete an die KWV [Kommunale Wohnungsverwaltung], wenn die drei Monate lang nicht widersprechen, gilt das Gewohnheitsrecht. Ob es dafür eine gesetzliche Grundlage gab? Manchmal klappte es, manchmal flogen auch Leute raus beziehungsweise gingen (in die nächste leerstehende Wohnung), bevor es Ärger gab. Ich wohnte in Leipzig und brauchte eine Wohnung in Berlin. Die war schnell ausgespäht und die Auswahl war verdammt groß. Wenn es mit dieser nicht klappen würde (…) – im Hinterhof nebenan standen auch drei oder fünf leer. Mit Sack und Pack vorgefahren, ein großer Schraubenzieher reichte, das Türschloss zu knacken, Strom und Wasser vorhanden, Kachelofen auch – diese Wohnung war es. Die Rentnerin über mir, mit der ich mir von nun an das Klo auf halber Treppe teilte, borgte die Leiter, die ich zum Malern der Stube und Küche brauchte, womit das gutnachbarschaftliche Verhältnis hergestellt war. Die polizeiliche Anmeldung: kein Problem. In der als bürokratisch verschrienen DDR fragte niemand nach der ‚Zustimmung des Vermieters‘ oder dem Mietvertrag. Jedenfalls war es in den siebziger Jahren so, im Prenzlberg. Nach ein paar Monaten klingelte eine Frau von der KWV an meiner Tür, ach nein, eine Klingel gab es ja nicht, sie klopfte also an die Tür. Wer ich sei, was ich hier mache und so weiter. Aha, unerlaubter Bezug, das gehe nicht. Etwas milder blickte sie, als meine Tochter um die Ecke guckte und fragte: ‚Mami, was will die Tante von dir?‘ Ich kannte Geschichten, da hatten sich die überforderten KWV-Leute abgewandt und den Dingen ihren Lauf gelassen. So glimpflich kam ich nicht davon. Eine Ordnungsstrafe von, ich glaube 400 Mark musste ich zahlen, und vermutlich angesichts der Lage – alleinstehende Mutter mit Kind – bekam ich auch einen Mietvertrag. Das mit den 400 Mark fand ich so gemein, dass ich Gerechtigkeit herstellte, indem ich die nun zu zahlende Miete mit dem Bußgeld verrechnete, also keine Miete zahlte – und niemanden hat’s geschert.“74
Der zweite entscheidende Hebel der Wohnpolitik war der Mietpreis. Das Zivilgesetzbuch der DDR (ZGB) sah zwar vor, dass die Miete zwischen den Parteien vereinbart wird — tatsächlich war sie jedoch staatlich festgelegt.75 Altbauwohnungen wurden zum Mietpreisniveau von 1936 vermietet. Eine Verordnung von 1981 regelte die Miete für Neubauwohnungen. In Ostberlin zahlte man 1,00 bis 1,25 Mark pro Quadratmeter, in den Bezirksstädten 0,80 bis 0,90 Mark — zuzüglich bis zu 0,40 Mark für Zentralheizung.76 In der „Platte“ kostete eine 80 Quadratmeter große Wohnung etwa 70 Mark. Das galt unabhängig vom tatsächlichen Zustand und der Lage der Wohnung und entsprach einer Belastung von ungefähr drei Prozent des durchschnittlichen Haushaltseinkommens.77
Die Miete deckte die tatsächlichen Kosten bei weitem nicht. Ende der 1980er Jahre lagen diese etwa dreimal höher als die eingezogene Miete. Wohnen war damit ein zentraler Posten der staatlichen Subventionspolitik. Diese stark subventionierten Mieten hatten allerdings eine Kehrseite: Sie schufen keinen Anreiz zur rationellen Wohnraumnutzung, woraus die massenhafte Unterbelegung resultierte. Für Privatvermieter kam hinzu, dass ohne ausreichende Mieteinnahmen – und vor allem ohne Zugang zu ausreichenden Baukapazitäten – die laut § 101 ZGB ihnen obliegende Instandhaltungspflicht kaum zu erfüllen war. Der Verfall der Altbausubstanz war die unvermeidliche Folge.
Von „Jedem eine Wohnung“ zu „Jedem seine Wohnung“
Die Wohnungen in den Neubaugebieten waren häufig familienfreundlich auf eine Familie mit ein bis zwei Kindern konzipiert. Das bedeutete, dass ein Flur die Zimmer miteinander verbindet. Das größte Zimmer einer Dreiraumwohnung ist das Wohnzimmer, das häufig über einen üppigen Balkon verfügt. Das Schlafzimmer ist das zweitgrößte Zimmer und das Kinderzimmer das kleinste. Es wurde festgelegt, dass die Zimmer eine bestimmte Zeit am Tag Sonneneinstrahlung erhalten sollten. Die Küche wird über eine Durchreiche mit dem Wohnzimmer verbunden.
Die industrielle Bauweise eröffnete in der DDR nicht nur neue technische, sondern auch neue soziale und gestalterische Möglichkeiten. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür war das 1970 in Rostock durchgeführte Pilotprojekt „Variables Wohnen“, an dem 45 Familien verschiedener sozialer Herkunft teilnahmen, überwiegend junge bis mittelalte Paare und Familien. Jede von ihnen erhielt eine Wohnung von etwa 60 bis 70 Quadratmetern in einem modernen Plattenbau. Der Grundriss war offen angelegt, nur das Badezimmer war aus technischen Gründen fest positioniert. Mit einem sogenannten Ausschnittbogen, der verschiedene Raumelemente enthielt, konnten die Familien ihre eigene Wohnaufteilung entwerfen. Begleitet wurden sie dabei von Ärzten, Soziologen, Designern und weiteren Fachleuten, die ihnen halfen, ihre individuellen Bedürfnisse zu reflektieren und zu formulieren. In Gesprächen, Umfragebogen und Planungsphasen entwickelten sich zunehmend differenzierte Vorstellungen davon, was „gutes Wohnen“ für jede Familie bedeutete. Die Entwürfe überraschten selbst die Projektleitung. Der daran beteiligte Gestalter Rudolf Horn (1929–2025) fasst die Erfahrungen zusammen: „Sobald man die Fesseln wegnimmt und die Menschen ermutigt, sich selbst zu finden, ihnen sagt, überlegt bitte, wie wollt ihr leben, dann entsteht etwas Neues, Unerwartetes.“78 Statt sich an herkömmlichen Grundrisslösungen zu orientieren, spiegelten die Pläne die Lebensrealitäten und Wünsche der Familien wider. Räume wurden nach funktionalen, alltäglichen Bedürfnissen gestaltet, nicht nach abstrakten Normen. Solange die Entwürfe technisch umsetzbar waren, wurden die Wohnungen tatsächlich nach diesen individuellen Vorgaben gebaut. Der Fokus lag darauf, dass sich die Räume mit den Bewohnerinnen und Bewohnern verändern konnten. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten fünf Jahre später, dass sie ihre Wohnungen an veränderte Lebenssituationen angepasst hatten und insgesamt zufrieden waren.
Gefördert wurde die individuelle Gestaltung der eigenen vier Wände aber nicht nur in exklusiven Experimenten, sondern durch allerhand allgemein verfügbare Literatur wie etwa der in Massen gedruckten „Wohnraumfibel“, ein „Buch für jeden, der aus seinen vier Wänden eine behagliche Wohnung machen will“79. Das Ziel bestand darin, zu zeigen, wie man eine Wohnung zweckmäßig einrichtet und welche Möbel die Wirtschaft hierfür bereit hält. Zeichnungen, Beschreibungen, Anleitungen und Berechnungen dienten dabei als Orientierungshilfe und auch als Inspiration zur eigenständigen Gestaltung.
Massenproduktion und Eigensinn sollten Hand in Hand gehen. So war nicht nur der Selbstbau von Möbeln oder die Ansammlung von über die Zeit erworbenen Einzelmöbelstücken weit verbreitet, sondern auch das von Rudolf Horn entwickelte und von den Deutschen Werkstätten Hellerau industriell produzierte „Möbelprogramm Deutsche Werkstätten” (MDW). Es wurde zwischen 1967 und 1993 produziert, in viele Länder exportiert und vielfach im In- und Ausland ausgezeichnet. Es handelte sich hierbei um ein modulares Möbelmontageprogramm zur Selbstmontage, das zwar Nutzungsnormen beinhaltete, den Verbraucherinnen und Verbrauchern aber auch Varianten ermöglichte, die ihren spezifischen Bedürfnissen entsprachen. Das erlaubte eigenwillige Konstruktionen. Man konnte Teile in selbstgebaute Ensembles einfügen mit anderen Einzelmöbelstücken kombinieren, in Kinder- und Schlafzimmer verbauen oder mit eigenwilligen Dekorationen ergänzen.80
Mitbestimmung im Wohngebiet
Die Möglichkeiten, sich aktiv in die eigene Wohnumwelt einzubringen, waren vielfältig und reichten von der Einrichtung und Nutzung von Gemeinschaftsräumen über den Bau und die Pflege von Spielplätzen bis hin zur Gestaltung von Gartenanlagen.
Nachdem beispielsweise in Berlin-Marzahn die Natur den Baumaßnahmen weichen musste, pflanzte man 38.000 neue Bäume und zahlreiche Sträucher im Rahmen des „Mach-mit!“-Programms, der Nachfolge-Initiative des Nationalen Aufbauwerks.81 Elisabeth Albrecht wohnte seit Anfang der 1980er Jahre in der neunten Etage eines 11-stöckigen Gebäudes im Wohnkomplex III bei Ahrensfelde. Für sie war die kollektive Pflanzaktion, die nicht auf Anhieb gelingen wollte, wichtig für die emotionale Bindung an den Ort und an die Mitmenschen:
„Beim dritten Versuch schlugen die Bäume und Sträucher Wurzeln. Der Sommer wurde sehr warm. Jeder aus dem Haus ging mal mit einem Eimer Wasser hinunter und goss die Pflanzen. In jenem Jahr grillten die Mieter zusammen vor der Tür oder feierten als Hausgemeinschaft den Kindertag am 1. Juni. Die Bäume wurden groß, und wir wuchsen zusammen. Vier Jahre später war aus der kleinen Zwei-Meter-Pappel am Eingang schon ein richtiger Baum geworden.“82
Eine wichtige organisatorische Rolle bei der Förderung der Eigenaktivität übernahmen die „Wohngebietsausschüsse der Nationalen Front“, die eng mit den kommunalen Strukturen verbunden waren. Ihre Mitglieder wurden direkt vor Ort gewählt und boten zugleich ein Forum für ehrenamtliches Engagement. Darüber hinaus organisierten sie lokale Wettbewerbe und Mitmachaktionen zur Verschönerung und zum Erhalt der Wohnumgebung. Auch das kulturelle Leben sollte auf diese Weise belebt werden, etwa durch die Ausrichtung von Matineen, Festen oder gemeinsamen Ausflügen.
In vielen Häusern wurden zudem Hausgemeinschaftsleitungen (HGL) gegründet, die als Anlaufstellen für persönliche wie kollektive Anliegen dienten. Hier wurden Konflikte besprochen und notwendige Arbeiten organisiert. Häufig übernahm beispielsweise eine Person aus der Mietergemeinschaft die Verantwortung für den Brandschutz, sichtbar gemacht durch einen Aushang am Schwarzen Brett im Hausflur. Im Mittelpunkt stand das Prinzip der gegenseitigen Hilfe im Mehrfamilienhaus. Die aus den Mitmachaktionen entstandenen Gemeinschaften erhielten so eine dauerhafte Struktur und ermöglichten es den Bewohnerinnen und Bewohnern, ihre Interessen geschlossen gegenüber Wohnungsverwaltungen oder ‑genossenschaften zu vertreten. Bernd Preußer, Bewohner eines Hochhauses in der Leipziger Straße in Berlin, erinnert sich:
„Hauptzweck der HGL-Gründung war es, eine legitimierte Vertretung für die notwendigen Verhandlungen mit dem Vermieter – der Kommunalen Wohnungsverwaltung, kurz KWV – und den Baubetrieben zu haben. Die HGL war keine echte ‚Leitung‘, sie hatte selbstverständlich keinerlei administrative Befugnisse und konnte natürlich auch niemanden zu irgendetwas ‚zwingen‘. Aber es gab eben bestimmte Probleme, die es vernünftig erscheinen ließen, wenn man sich zu ihrer Lösung ‚verbündete‘. (…) In unserem Haus war es beispielsweise so, dass laut Mietvertrag die gesamte Hausreinigung in Verantwortung des Vermieters, also der KWV, lag. Das klappte schlecht. (…) Wir haben vorgeschlagen, die Reinigung der Etagenflure an die Mieter zu übergeben und sie dafür entsprechend zu bezahlen. (…) Das Geld wurde der HGL überwiesen. Einfachster Weg war die Aufteilung auf die beteiligten Mieter, die meisten Etagen haben aber mit dem Geld gemeinsam etwas unternommen. Es gab gemeinsame Theaterbesuche, auch gemeinsame Zoospaziergänge und was es so alles gibt. Die häufigste Form war jedoch, das Geld gemeinsam zu ‚verfressen‘, wie man so sagt. Ich habe mit den Mietern den Termin für ein ‚Etagenfest‘ abgesprochen, und dann wusste eigentlich jeder, was er zu tun hat: (…) Jede Familie bietet etwas an, was sie selbst gern isst. Und das Ganze fand direkt im Flur statt, vor dem Fahrstuhlschacht war genügend Platz, die Tische und Stühle kamen aus den Wohnungen; es war unkompliziert und immer sehr lustig. Es gab stets ein paar, die etwas zum Besten zu geben hatten – Spiele, Lieder, Witze, Anekdoten und sonst was. Für die Beziehungen zwischen den Mietern war das sehr gut.“83
Das blieb nicht auf die Neubaugebiete beschränkt. In „Reparaturstützpunkten“ konnten Mieter Materialien und Maschinen für die Renovierung von Altbauten entleihen.84 Die von der Hausgemeinschaft erbrachten Arbeitsstunden wurden vom VEB Gebäudewirtschaft beglichen und auf das Hauskonto überwiesen. Unter Anleitung von Fachkräften der kommunalen Reparaturbetriebe wurden auch Volkswirtschaftliche Masseninitiativen und freiwillige Arbeitseinsätze durchgeführt. In Lehrgängen versuchten Wohnungsverwaltungen Know-how zur Selbsthilfe zu vermitteln.85 Über rechtliche Bestimmungen zum Wohnen informierten eine Reihe von Heimwerkermagazinen, Katalogen und populärwissenschaftlichen Ratgebern wie das monatlich erscheinende „Magazin für Haus und Wohnung“, worin auch Tipps und Tricks zum Bauen und Renovieren gezeigt wurden.
Exkurs: Wohnungsbau global made in the GDR
Städte‑, Wohnungsbau, technisches wie architektonisches Wissen verharrten nicht in den Grenzen der DDR. Auf allen Kontinenten, vor allem aber in osteuropäischen, afrikanischen und asiatischen Ländern, bemühte sich die DDR aktive und nachhaltige Bauhilfe zur Verfügung zu stellen.86 Die Spannweite reicht dabei von Personal, Entwürfen, Plänen bis Material. Auch wenn die DDR es für wichtiger hielt, Wohnsiedlungen und soziale und technische Einrichtungen zu planen, die zu einem größeren Stadtplanungskonzept gehörten, wurden auch Industrieanlagen geplant und gebaut, wie im Irak87, wobei viele Projekte nicht finalisiert wurden.
Das internationale Engagement der DDR speiste sich aus unterschiedlichen, ineinandergreifenden Motiven. Neben wirtschaftlichen Interessen, etwa der Beschaffung dringend benötigter Devisen und dem Aufbau von Handelsbeziehungen, spielten auch strategisch-politische Überlegungen eine wichtige Rolle. Vor allem verstand sich die DDR jedoch als Akteur internationaler Solidarität. Über ihre Aktivitäten im Ausland suchte sie nicht nur ihre außenpolitische Anerkennung zu festigen, sondern auch gezielt progressive Kräfte weltweit zu unterstützen, insbesondere in Staaten, die nach revolutionären Umbrüchen oder bewaffneten Konflikten vor dem Wiederaufbau standen und sich gegen imperialistische Einflüsse positionierten.88
So beteiligte sich die DDR in den 1950er Jahren massiv am Wiederaufbau des vom US-Bombenhagel schwer zerstörten Koreas, insbesondere in der Hafenstadt Hamhŭng. Für die Planung und den Bau von Schulen, einer technischen Universität und fünf bis zehn Wohnkomplexen für jeweils 3.500 Menschen wandte sie im Verlauf von zehn Jahren ungefähr ein Prozent ihres jährlichen Bruttoinlandsprodukts auf.89 Zwei weitere bekannte Beispiele sind, erstens, ein kleines Wohnungsbauprogramm für die Volksrepublik Sansibar90 ab 1964 und, zweitens, ein größer angelegtes Wiederaufbauprojekt im nordvietnamesischen Vinh, einer im vietnamesischen Befreiungskrieg gegen die USA stark zerstörten Stadt, die als Ausgangspunkt des Ho-Chi-Minh-Pfads gilt.91
In Sansibar wurden mehrere hundert Wohnungen gebaut, ergänzt durch ländliche Siedlungen und Häuser für Regierungsvertreter. Aufgrund der klimatischen Bedingungen wurden beispielsweise Loggien als Arbeitsräume entwickelt. Ab 1969 nahm der Einfluss der Partner aus der DDR aber wegen politischer Differenzen, finanziellen Engpässen und divergierenden Vorstellungen einer repräsentativen Stadtgestaltung ab. Trotz aller Differenzen bot die Zusammenarbeit wertvolle Lernerfahrungen. So erhielten lokale Fachkräfte eine Ausbildung und Bauschaffende gewannen Einblicke in regionale Bautraditionen, klimatische Bedingungen und soziale Bedürfnisse. Anstelle neokolonialen Paternalismus wurde auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf den Baustellen gesetzt. Das zweite Beispiel in Vinh umfasste ab 1973 den Wiederaufbau eines ganzen Viertels mit Schulen, Kindergärten, einem Kino, Jugendklub und Markt. Das heiße Klima erforderte durchdachte Belüftung, weshalb in Vinh die Typologie des Galeriewohnhauses wiederbelebt wurde. Bis 1980 entstanden dort trotz finanzieller Engpässe 1.800 Wohnungen für etwa 8.800 Menschen, rund zwei Drittel des ursprünglich geplanten Umfangs.
Im Laufe der Jahrzehnte entstanden internationale Wissensnetzwerke zwischen den Partnerländern, in denen Erfahrungen wechselseitig ausgetauscht wurden. Das an der Bauakademie ansässige Institut für Städtebau und Architektur war eingebunden in eine Reihe fachlicher, internationaler Kooperationen wie dem Internationalen Kongress für Städtebau und Architektur, Internationalen Rat für Denkmalpflege oder dem Zentrum der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen. 1987 gab es in Dessau beispielsweise eine Tagung bei der Vertreterinnen und Vertreter der Bauwirtschaft, Stadtplanung und Architektur aus vierzehn Ländern Afrikas und des vorderasiatischen Raums über die Nutzung der Erfahrungen der DDR bei der Lösung der Wohnungsfrage in ihren Ländern diskutierten. Dabei ging es z. B. um die Verhinderung von dichten Ballungsräumen, das Bauen im Bestand, den Einsatz alternativer Bauweisen und ‑materialien wie Lehm. Auch bot die DDR Lösungen für Stahlbetonbauelemente für afrikanische Staaten an, die von der Bauakademie entwickelt wurden.92
Die Realität des Wohnungsbauprogramms
Erfolge und spezifische Probleme
Ende der 1960er Jahre wandte sich die SED der Wohnungsfrage mit neuer Dringlichkeit zu. Der seit 1961 anhaltende Rückgang der Geburtenrate wurde teilweise auf unzureichende Wohnverhältnisse zurückgeführt.93 Das Defizit an zeitgemäßen Wohnungen wurde 1971 auf rund 1,6 Millionen beziffert. Zugleich geriet die unter Walter Ulbricht (1893–1973) verfolgte Industriepolitik an ihre Grenzen. Erhebliche Ungleichgewichte in der Ressourcenverteilung setzten den Wohnungsbau — neben Konsumgüterindustrie und Energiewirtschaft — zusätzlich unter Druck.94 Eine Kurskorrektur, die bereits angestoßene Projekte in den Stadtzentren zurückstellte, wurde bereits Ende 1970 vorgenommen.
Nach dem VIII. Parteitag der SED im Juni 1971 wurde im Oktober durch das Politbüro des ZK der SED und durch den Ministerrat für den Planungszeitraum von 1971–1975 der Bau von 500.000 Wohnungen in Angriff genommen und eine überarbeitete Wohnungspolitik angekündigt. Im Folgejahr wurden Beschlüsse durch das Sekretariat des ZK der SED hinsichtlich des Eigenheimbaus und der notwendigen Reparaturen unter Einbeziehung der Bevölkerung gefasst. Das Wohnungsbauprogramm wurde schließlich auf der 9. Tagung des ZK im Frühsommer 1973 beauftragt und schließlich nach intensiven Beratungen und Analysen mithilfe der Bauinstitutionen der DDR im Oktober auf der 10. Tagung des ZK der SED zur Beschlussreife gebracht.
Hiernach sollten im Zeitraum von 1976 bis 1990 2,8 bis 3 Millionen Wohnungen gebaut beziehungsweise modernisiert werden. Die gleiche Zahl hatte Honecker bereits 1973 auf der 9. Tagung des ZK genannt:
„Ein bedeutendes Vorhaben der Verbesserung der Lebensbedingungen ist die weitere Forcierung des Wohnungsbaus. Welcher Rang dieser Aufgabe für die Entwicklung der sozialistischen Lebensweise beizumessen ist, geht wohl daraus hervor, daß wir ins Auge fassen, im nächsten Fünfjahrplan 700.000 bis 800.000, im Zeitraum bis 1990 2,8 bis 3 Millionen Wohnungen neu zu bauen beziehungsweise zu modernisieren. Damit werden wir in diesem Zeitabschnitt die Wohnungsfrage lösen.“95
Ab 1973 wurden auf der Grundlage staatlicher Vorgaben detaillierte Pläne für den Wohnungsbau durch die Räte der Bezirke und Städte erarbeitet. Diese waren einerseits nach den Bereichen der technischen Erschließung, der Wohnungen und der gesellschaftlichen Einrichtungen gegliedert und andererseits enthielten sie Kennziffern für Investitionen und Kapazitäten für Neu‑, Um- und Ausbau sowie die notwendigen Maßnahmen für Erhaltung und Modernisierung. Zentral war dabei die Bilanzmethode für Wohnungen, den Bau und die Material‑, Ausrüstungs- und Konsumgüter, mit der der Bedarf an Gütern den vorhandenen gegenübergestellt wurde, sowohl intern als auch auf der zwischenbetrieblichen Ebene.96
Dieses äußerst ambitionierte und komplexe Wohnungsbauprogramm, für das Investitionen im Wert von 200 Mrd. Mark aus dem Staatshaushalt sowie Eigenleistungen der Bevölkerung, vermittelt durch die Genossenschaften, kalkuliert wurden, bildete den Kern der auf dem VIII. Parteitag beschlossenen „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“. Diese sah unterschiedliche Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituation der Gesamtbevölkerung vor. In den Neubaugebieten gab es für 290.000 Familien mit einem monatlichen Bruttoeinkommen unter 2.000 Mark beispielsweise eine weitere Mietsenkung der bereits subventionierten Miete. Davon profitierte insbesondere die Arbeiterschaft. Vor allem ging es darum, die alte Zielstellung wieder aufzunehmen, jeder Familie im Laufe der Zeit eine eigene Wohnung und jedem Familienmitglied ein eigenes Zimmer zur Verfügung zu stellen.97
Die Lösung der Wohnungsfrage wurde daher als soziale Frage angegangen. Mit dem Bauprogramm sollten einerseits die Bauzeiten verkürzt und die Baukosten gesenkt werden. Zugleich sollte der Wohnstandard massenweise angehoben werden, indem industriell gebaut, Altbau modernisiert und Eigenheime für kinderreiche Familie zu bauen seien. Eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielte nämlich auch, vor allem auf dem Land und in Kleinstädten, der Bau von Eigenheimen, der ab den 1970er Jahren 11 bis 15 Prozent des Wohnungsbaus ausmachte.98
Von nun an lag der Fokus des Bauens auf Großwohngebieten außerhalb der Stadtzentren. Bis zum Beginn der 1980er Jahre machte dies ungefähr 90 Prozent des Bauvolumens aus. In allen größeren Städten wie Görlitz, Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), Leipzig, Erfurt oder Stralsund wurden auf der „grünen Wiese“ vor allem Varianten der WBS 70 gebaut, das heißt, zuvor landwirtschaftlich genutzte Flächen wurden in Bauland umgewandelt und mit der notwendigen technischen Infrastruktur erschlossen.
In mehrspännigen Blöcken mit fünf bis zwanzig Etagen erstreckten sich die neuen Wohngebiete kilometerweise, unterbrochen von markanten Bauten wie den Windmühlenhochhäusern in Rostock oder dem Berliner Restaurant „Ahornblatt“. Das größte dieser Quartiere entstand in Berlin-Marzahn. Mit knapp 60.000 neuen Wohnungen wurde sie zur größten Plattenbausiedlung Europas. Was dort gebaut wurde, war keine Schlafstadt, sondern ein am menschlichen Bedarf orientiertes Stadtquartier mit Kitas, Schulen, Spielplätzen, Einkaufsmöglichkeiten, Polikliniken, Bibliotheken, Schwimmhallen und Kultureinrichtungen, guter Verkehrsanbindung an Berlin-Mitte und großzügigen, durchgrünten Freiflächen. Bis zum Ende der DDR wuchs und entwickelte sich diese Siedlungen weiter.
Herausforderungen in der Umsetzung des Wohnungsbauprogramms
Seit den 1980er Jahren geriet das ambitionierte Wohnungsbauprogramm zunehmend unter Druck. Gegen alle objektiven und subjektiven Widerstände wurde es allerdings aufrechterhalten. Die Mitte der 1970er Jahre ausgebrochene Wirtschaftskrise im kapitalistischen Ausland zeigte auch in den Staaten des Sozialismus ihre Wirkung. Die immensen Preissteigerungen im Rohstoffsektor erhöhten den Bedarf an Devisen, während die Preise der eigenen Industrieprodukte nicht so schnell anstiegen.99 So wurden Bauleistungen und ‑material zunehmend für den Export bzw. zur Devisenbeschaffung benötigt. Der Subventionsaufwand des Staates wuchs zudem kontinuierlich an und belastete den Staatshaushalt weiter. So stiegen die Aufwendungen für Energie, Wasser, Müllbeseitigung und Gartenpflege von 222 Millionen Mark im Jahr 1971 auf 4.247 Millionen Mark im Jahr 1988, was durch das kontinuierliche Wirtschaftswachstum nicht aufgefangen werden konnte und in den Ausmaßen der Bevölkerung auch nicht sichtbar war.100 Der Drang zur weiteren Rationalisierung führte außerdem dazu, dass vermehrt kleinere Gebäude mit kleineren Grundrissen ohne Aufzug gebaut wurden. Auch die Entscheidung, vorhandene Ressourcen anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins aus den Städten und Bezirken abzuziehen, führte zu Verzögerungen in anderen Gebieten.101
Aufgrund dieser Probleme gerieten auch die Altbestände in den Innenstädten und kleineren Städten in Bezug auf ihre Qualität unter Druck. Trotz des seit den 1970er Jahren wachsenden Fokus auf Restaurierung, Sanierung und Erhaltung von historischer Bausubstanz, wie etwa beim Projekt „komplexe Rekonstruktion“ im Areal um den Arnimplatz und am Arkonaplatz im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg mit etwa 11.000 Wohnungen102, fehlten wichtige Ressourcen, sodass der Verfall nicht gestoppt werden konnte. Nur vier Prozent der neuen Wohnungen waren 1989 auf der Grundlage handwerklicher Bauweisen entstanden. Nur 14 Prozent des reparaturbedürftigen Altbaus konnten bis zum Ende der 1980er Jahre wieder instand gesetzt werden.103
Die Priorität des Neubaus hatte auch personelle Konsequenzen. Ingenieure und Bauarbeiter wurden eher für industrielle Bauverfahren ausgebildet, nicht für Restaurierung und Bestandserhalt. Wo Kapazitäten für die Altbausubstanz freigemacht werden konnten, kamen daher meist industrielle Methoden zum Einsatz — häufig Abriss und Neubau. Das schuf allerdings auch Spielraum für moderne Gestaltung. In Greifswald entstanden in den 1980er Jahren sogenannte „Altstadtplatten“ — Neubauten in vielfältigen Plattenformaten, mit dekorativen Motiven versehen, die wenigen erhaltenen historischen Häuser bewusst als Kontrast hervorgehoben. Viele abgerissene Altbauten wichen Grünanlagen und gesellschaftlichen Einrichtungen.
Bilanz des Wohnungsbauprogramms
Wurde das Ziel des Wohnungsbauprogramms quantitativ erreicht? Der ehemalige Wissenschaftliche Direktor der Bauakademie und leitende Mitarbeiter im Ministerium für Bauwesen der DDR, Joachim Tesch, schreibt hierzu:
„Im Zeitraum 1971 bis 1989 wurden insgesamt 2,9 bis 3,3 Millionen Wohnungen, im Zeitraum 1976 bis 1989 insgesamt 2,3 bis 2,6 Millionen Wohnungen gebaut und modernisiert. Fairerweise müßte beim Vergleich mit der Zielstellung auch noch ein fiktives Ergebnis für das Jahr 1990 in Höhe von ca. 0,15 Millionen Wohnungen hinzugerechnet werden. Das heißt: Gerechnet ab 1971 wurde die Zielstellung von 2,8 bis 3,0 Millionen Wohnungen übererfüllt, für den Bezugszeitraum ab 1976 knapp untererfüllt.“104
Die DDR hat also eine mehr als beachtliche Leistung erbracht, auch, weil die Schaffung komplexer Lebenswelten das Bauen von Wohnungen und der dazugehörigen Infrastruktur beinhaltete. Dennoch waren die Baukapazitäten insgesamt zu gering. Es hätte mehr und schneller mit mehr Baupersonal gebaut werden müssen.
Wurde das Ziel des Wohnungsbauprogramms qualitativ erreicht? Ja und Nein. Immer wieder wurde die Monotonie der architektonischen Räume beklagt, eine Kritik die in den 1980er Jahren lauter wurde, als auch traditionelle Bauweisen eine Renaissance erfuhren. Unter Monotonie ist aber nicht das industrielle Bauen per se verstanden worden, sondern die Art der Anordnung der industriellen Bauten, so dass man, wie der Architekt Hans Schmidt (1893–1972) sagt, „vor lauter Häusern die Stadt nicht mehr sieht“105. Die Kritik an der Monotonie richtete sich häufig gegen das Anordnen der Bauten ohne stimmige Gliederung, die Monofunktionalität des Wohnungsbaus und die Gleichförmigkeit von Grundrissen und Gebäuden, die den Bewohnerinnen und Bewohnern ungenügenden Raum für eigene Gestaltung ließ. Ihre Möglichkeiten, Individualität auszudrücken, beschränkten sich meist auf dekorative Details wie die Gestaltung der Balkone und Loggien.
Für Unmut sorgte auch die ungleiche Entwicklung, wo die gesellschaftlichen Einrichtungen häufig lange nach den Wohnungen fertig wurden und die Bewohnerinnen und Bewohner einschränkte und zu längeren Wegen, etwa zur Arbeit, zwang. Zugleich spiegelte diese Kritik jedoch ein wachsendes Selbstbewusstsein der Nutzerinnen und Nutzer wider. Das Wohnen wurde nicht länger als passives Mieten, sondern als aktives Nutzen des Raums verstanden – als Teilhabe an der Erhaltung und Verwaltung der eigenen Wohnung, die man zunehmend als etwas Eigenes betrachtete und behandelt wissen wollte.106 Die Entwicklung dieses Selbstverständnisses ist nur vor dem Hintergrund der weitgehenden Vergesellschaftung von Grund und Boden sowie der Industrialisierung des Bauens möglich gewesen.
Das Spannungsverhältnis zwischen Neubau und Altbaumodernisierung lag laut Tesch auch an einem konzeptionellen Fehler. Die Wohnungspolitik der 1970er und 1980er Jahre wurde zu einseitig als Bauprogramm betrieben — statt Bauen als Teil einer umfassenden Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik zu begreifen. Symptomatisch dafür war die fehlende institutionelle Zuständigkeit:
„Die Verkennung der Komplexität des Wohnungsproblems und seine einseitige Behandlung als Bauaufgabe zeigte sich auch daran, dass es – trotz Vorhandenseins vieler Staatsorgane für vergleichsweise nicht so wichtige Aufgaben – für die Wohnungswirtschaft kein zentrales Staatsorgan gab. Das Bauministerium hat sich absichtlich nur auf die Bauaufgaben konzentriert.“107
Die Idee, ein zentrales Organ für die Wohnungspolitik zu schaffen, wurde trotz Überlegungen und Vorarbeiten nie umgesetzt. Die Wohnungsfrage blieb institutionell ungebündelt — verteilt auf mehrere Institutionen wie dem Finanz- und Bauministerium – und führte damit zu Unklarheiten in Kompetenzfragen in und zwischen den Institutionen.
Die Priorität der Bebauung in den Randgebieten führte unterdessen zunehmend zu Unmut, gerade weil die überlieferten Altstadtkerne für die Identität der örtlichen Bevölkerung häufig von großer Bedeutung waren. Der durch mangelnde Baustoffe und Baupersonal sowie teilweise bewusst in Kauf genommenen Verfall der Altstädte – auch da sie an die Mietskasernen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnerten mit ihren „Berliner Zimmern“108 – wurde zu spät durch Ersatzneubau kompensiert. Der Verfall der Altstädte unterminierte zum einen das „Heimisch-Fühlen“. Zum anderen erschien der Neubau nach Abriss vielen als zu tiefgreifender und risikobehafteter Einschnitt in das persönliche Umfeld. Dennoch wurden durch Modernisierungen und Neubau die Wohnverhältnisse für Millionen von Menschen immens verbessert. So erhielten im Zuge der Modernisierungen circa 1,2 Millionen Wohnungen ein Bad bzw. eine Dusche und 0,8 Millionen ein WC im Innenbereich.109 Die Mieten waren bezahlbar, Kündigungen quasi ausgeschlossen und die Obdachlosigkeit beseitigt.
Die Wohnzufriedenheit, aber auch die Ansprüche wuchsen stetig, da das Grundbedürfnis nach einem Dach über dem Kopf gesichert wurde. Gegen Ende der 1980er Jahre wuchs jedoch die Kluft zwischen dem offiziellen Wohnungsbauprogramm und der Stimmung in Teilen der Bevölkerung. In den Eingaben der Bevölkerung blieb die Wohnungsfrage ein Dauerbrenner. Zum Jahresende 1989 gab es 770.000 anerkannte Wohnungsanträge, insbesondere von Einzelpersonen, die es besonders schwer hatten, Wohnraum zu bekommen. Es war aber nicht im Interesse der DDR Einpersonenhaushalte zu fördern. Die Bevölkerung konzentrierte sich zunehmend in den größeren Städten, was zu territorialen Ungleichgewichten führte. Viele leerstehende Wohnungen wiesen so starke Mängel auf, dass sie nicht mehr vermietbar waren. Zugleich stieg der Anteil unterbelegter Wohnungen, dem selbst die staatliche Wohnraumlenkung nicht Abhilfe schaffen konnte.110 Gegenmaßnahmen, etwa die Anhebung der Mieten, um den Staatshaushalt zu entlasten, wurden aus politischen Gründen abgelehnt.
Abwicklung der sozialistischen Wohnverhältnisse
In den 1990er Jahren hatte die Stunde des „Revanchismus“ geschlagen.
„Die weitgehende Reprivatisierung des ostdeutschen Wohnungswesens nach der Wende stellte“, wie Stadtforscher Andrej Holm schreibt, „de facto die Eigentumsverhältnisse von 1945 wieder her und steht für einen Revanchismus als ‚Wiedergutmachung erlittener Verluste‘. Die Zerschlagung von Einrichtungen und Infrastrukturen wie den Polikliniken und Kreiskulturhäusern oder auch der Abriss von baulichen Ikonen der Ostmoderne lassen sich nicht allein aus pragmatischen Politiküberlegungen und ökonomischen Interessen erklären. Sie folgten offensichtlich auch Impulsen der Rache und Bestrafung.“111
Am 31. August 1990 wurde das Ende der DDR mit dem Einigungsvertrag besiegelt. Mit Wirksamwerden des Vertrags war die DDR von der BRD geschluckt worden. Das hatte gewaltige Auswirkungen auf die zuvor geschaffenen Wohnverhältnisse. Mit dem Ende der DDR wurde die zuvor staatliche Wohnungswirtschaft sukzessive privatisiert. Im Einigungsvertrag hieß es demgemäß unter Art. 22, Abs. 4: „Die Kommunen überführen ihren Wohnungsbestand unter Berücksichtigung sozialer Belange schrittweise in eine marktwirtschaftliche Wohnungswirtschaft. Dabei soll die Privatisierung auch zur Förderung der Bildung individuellen Wohneigentums beschleunigt durchgeführt werden.“112 Wohnungsverwaltungen wurden in Wohnungsunternehmen transformiert, die den Kommunen ganz oder teilweise gehörten. Das genossenschaftliche Wohneigentum verblieb bei den Genossenschaften, ebenso wie der Grund und Boden, auf dem die Häuser standen.
Einer der Schritte der Reprivatisierung umfasste das 1993 in Kraft getretene Altschuldenhilfegesetz, welches die ostdeutschen Kommunen in erhebliche Schwierigkeiten brachte. Die für die Bilanzierung und die Investitionen im Bauwesen der DDR verwendeten Darlehen, die häufig mit Niedrigzinsen versehen waren, wurden in verpflichtende Kredite mit an den Kapitalmarkt angepassten Zinsen der Kommunen gegenüber den Banken der Bundesrepublik Deutschland umgewandelt. Statt vier waren nun neun Prozent fällig. Hierfür hatte man zum Stichtag, dem 1. Juli 1990, eine Gesamtsumme von 36 Milliarden DM errechnet. Bis 1993 wurde eine Stundung eingeführt, bis 1995 gar ein Moratorium, mit dem die Tilgung ausgesetzt wurde. Danach sollten aber Zinsen fällig werden. Die errechnete Altschuldensumme stieg auf 50 Milliarden DM. Da diese Summe mit den bisherigen Mieten nicht zu bestreiten war, wurden im rasanten Tempo, per Gesetz, die Mieten erhöht. Diese stiegen um das Siebenfache an. Der Anteil der Bruttokaltmiete am Haushaltseinkommen vervierfachte sich.113
Man setzte den Kommunen die Pistole auf die Brust. Laut Altschuldenhilfegesetz sollten die Kommunen die erfundenen Schulden zuzüglich der Zinsen zahlen oder die Altschulden auf 150 DM pro Quadratmeter Wohnfläche kappen. Der Preis für die Kappung war sehr hoch. Die Kommunen mussten den Verkauf von fünfzehn Prozent ihres Wohnbestandes bis zum Jahr 2003 veranlassen, wobei ein Teil des Verkaufserlöses an den Erblastentilgungsfonds114, abgeführt werden musste, mit dem z. B. der Abzug der sowjetischen Truppen bezahlt wurde.
Bis Ende 1996 wurden im Rahmen des Altschuldenhilfegesetzes bereits 185.000 Wohnungen verkauft. Ein Viertel der Käufer waren Mieterinnen und Mieter, der Rest ging an private Wohnunternehmen oder z. T. neu gegründete Wohnungsgenossenschaften.115 So tummelten sich in den ehemals volkseigenen Neubausiedlungen in Halle-Neustadt oder Leipzig ein bis zwei Dutzend privatwirtschaftliche organisierte Unternehmen.116
Der Staat förderte die Privatisierung für einen kurzen Zeitraum sogar mit einer Sonderabschreibung. Für jede Million konnte die Hälfte im ersten Jahr abgeschrieben werden. Der bundesrepublikanische Staat verschenkte somit Steuereinnahmen in hoher zweistelliger Milliardenhöhe und beförderte damit die private Reichtumsbildung, v. a. westdeutscher Investoren.117 Zudem wurden großzügige Investitionen für den Eigenheimbau zur Verfügung gestellt, der in den 1990er Jahren nochmal am Rande von Städten boomte.
Fatal wirkten sich auch das 1990 festgelegte Prinzip „Rückgabe vor Entschädigung“ aus, nach dem Enteignungen und Liquidationen, beispielsweise von hinterlassenem Eigentum derjenigen, die in den Westen gingen, rückgängig gemacht werden sollten. Die hochkomplizierte Angelegenheit führte dazu, dass 2,1 Millionen Rückübertragungsansprüche, vor allem auf Gebäude und Grundstücke, gestellt wurden. Dies vergiftete nachhaltig die Beziehung zwischen der ost- und der westdeutschen Bevölkerung, weil infolge des „Gesetzes zur Regelung offener Vermögensfragen“ zahlreiche Gerichtsverfahren angestrengt wurden, in denen den Rückgabeberechtigten der Zeitwert des Vermögens zugesprochen wurde. Alleine in dem kleinen Ort Kleinmachnow nahe Berlin, der 11.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählte, sollten 1.912 Grundstücke und 5.500 Wohnungen geräumt werden.118 In Ostberlin wurden 175.000 Anträge gestellt und ungefähr 50.000 Wohnungen aus den kommunalen Beständen herausgelöst und Privatbesitzern gegeben, die wiederum ihre neu erhaltenen Wohnungen häufig an große Wohnkonzerne verkauften.119
Die Reprivatisierung stimulierte in den 1990er Jahren eine regelrechte Bauwut. Über 770.000 Wohnungen wurden in zehn Jahren gebaut, dysfunktionale Gewerbegebiete schossen an den Rändern der Ortschaften wie Pilze aus dem Boden. Der Ausverkauf und die forcierte Deindustrialisierung und Deinfrastrukturalisierung der ehemals sozialistischen Wirtschaft führte aber dazu, dass am tatsächlichen Bedarf vorbei gebaut wurde. Denn 1,2 Millionen Menschen verließen in den 1990er Jahren das ehemalige Staatsgebiet der DDR, der massive Geburtenrückgang dezimierte die Bevölkerung nochmal um ungefähr 700.000. Insbesondere in den Neubaugebieten, die an den Industriezentren errichtet worden waren, machten sich die Wanderungen bemerkbar. Eine Folge war, dass im Jahr 2000 etwa eine Millionen Wohnungen leer standen. Die hohen Bau- und Unterhaltungskosten und ausbleibende Mieteinnahmen belasteten die kommunalen Wohnungsgesellschaften zusätzlich. Also setzte der Staat wiederum ein Programm auf, um großflächig abreißen zu können.120
Delegitimierung der Architektur und des Städtebaus der DDR
Parallel zu den juristischen, politischen und ökonomischen Um- und Entwertungen der Architektur und des Städtebaus der DDR griff auch der materielle und kulturelle Abrisshammer um sich. In der Bevölkerung durchaus beliebte, modernistische Gebäude wie der Palast der Republik oder das Restaurant „Ahornblatt“ in Berlin wurden in den 2000er Jahren trotz zahlreicher Proteste abgerissen. Der Architekturjournalist Anh-Linh Ngo sprach in diesem Kontext davon, dass der „Abriss von Symbolbauten der DDR (…) gewissermaßen den Versuch der Tilgung ihrer Gesellschaft“121 widerspiegle. In vielen kleineren und größeren Orten wurden Kunstwerke an Gebäuden oder freistehende Kunstwerke abmontiert oder sind Opfer von Vandalismus geworden, teilweise wurden sie sogar gestohlen. Ehemalige kulturelle Zentren und besondere architektonische Ensembles wurden dem Verfall überlassen, da sie nicht mehr genutzt wurden.
Unter dem Stichwort „Kritische Rekonstruktion” schlossen sich Architekten und Stadtplaner zusammen, um einen Feldzug gegen die Architekturen der Nachkriegszeit zu führen. An deren Stelle sollten historische Vorbilder barocker und klassizistischer Herkunft wieder auferstehen. So wurde beispielsweise die Gestaltung der Spreeinsel (das Areal zwischen dem Marx-Engels-Platz, dem Palast der Republik, dem Staatsratsgebäude und der Fischerinsel) im Jahr 1993 in einem Wettbewerb ausgeschrieben. Mit über 1000 Einsendungen avancierte dieser zu einem der größten Wettbewerbe der Welt. In den Unterlagen waren alle Bauten der DDR von Beginn an für den Abriss vorgesehen. Heute steht dort nur noch das ehemalige Staatsratsgebäude, das von einer Privatuniversität genutzt wird.122 An der Stelle, an der einst der Palast der Republik stand, thront heute das wiedererrichtete Berliner Stadtschloss, das umstrittene Humboldt-Forum. Das Museum, das mit Geldern aus westdeutschen, erzreaktionären Kreisen vorangetrieben wurde, ist ein Mix aus Barock, italienischem Rationalismus und Modernismus und beherbergt u. a. die aus aller Welt zusammengetragenen Kolonialschätze aus der Zeit des Deutschen Reichs.
Das rabiate Vorgehen gegen die DDR-Architektur fügte sich in das in den 1990er Jahren populäre Leitbild der „Europäischen Stadt“123. Für den Denkmalschutz bedeutete diese neue Leitidee vor allem die Bewahrung jener Bauten, die zwischen dem Beginn und dem Ende des Deutschen Kaiserreichs entstanden waren. In der Stadtplanung wiederum diente sie als Orientierungspunkt für Mischnutzung, Quartiersentwicklung und die Revitalisierung der Innenstädte als Einkaufsmeilen. Der Begriff wurde nie präzise gefasst. Vielmehr entfaltete er als schillernde Metapher eine emotionale Anziehungskraft, die sich mit der verbreiteten Zuneigung zu Altbauwohnungen vergleichen lässt. Gleichzeitig bildete dieses Leitbild das Gegenstück zur funktionalistischen Moderne der 1920er Jahre und Nachkriegszeit. Es stand in engem Zusammenhang mit der Delegitimierung der DDR.
Auch die Neubaugebiete erfuhren eine Bedeutungsverschiebung. Ähnlich wie die zahlreichen Großsiedlungen in Westdeutschland, in denen sich häufig Armut konzentrierte, wurden sie von vielen als Problemviertel angesehen. Sie wären ästhetisch minderwertig, sanierungsbedürftig und soziale „Brennpunkte“ sowie Nester des Neofaschismus.124 Die Wochenzeitung „Die Zeit“ schrieb 1992: „Westdeutsche befällt beim Gedanken an diese Neubauwohngebiete Ostdeutschlands meist ein sozusagen polit-ästhetischer Schauder. Wie häßlich und wie kommunistisch, denken sie.“125 Abwertend sprach man in der Presse seit dem Ende der DDR häufig vom „Plattenbau“, ein in der Umgangssprache zuvor eher unüblicher Begriff, der von vielen der Bewohnerinnen und Bewohnern der Neubaugebiete als „westdeutscher Kampfbegriff“ angesehen wurde, weil mit ihm die Entwertung der DDR ausgedrückt werden sollte.126
Schon früh regte sich aber auch Widerstand gegen die materielle und kulturelle Entwertung. Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Initiativen gebildet, die bis heute mit zunehmendem Erfolg für den Erhalt und die Wiedernutzung der Architektur der „Ostmoderne“ eintreten.127
Fazit
Der Wohnungs- und Städtebau in der DDR war weit mehr als eine technische oder architektonische Aufgabe — es war ein zutiefst politisches, soziales und kulturelles Projekt. Der Wohnungsbau wurde zum Prüfstein der sozialistischen Gesellschaftsordnung: Das Recht auf Wohnen war Grundrecht und verfassungsmäßiger Anspruch — kein Marktversprechen. Es war erklärtes Staatsziel, das Privateigentum an Grund und Boden zurückzudrängen, Wohnraum zu vergesellschaften und planwirtschaftlich weiterzuentwickeln. Dass Wohnen aufhörte, Ware zu sein, war nur möglich, weil die Machtfrage im Sinne der Werktätigen entschieden war.
Ausgehend von den zerstörten Städten nach 1945, massiver Wohnungsnot und begrenzten Ressourcen wurde der Aufbau des Wohnungswesens zu einem zentralen Bestandteil der neuen Wirtschaftsordnung. Institutionell, juristisch und organisatorisch entstand ein eng verflochtenes System staatlicher Planung und Vergesellschaftung, das alle Ebenen vom Ministerium für Bauwesen über Kombinate bis zu den kommunalen Bauämtern umfasste. Mit den „16 Grundsätzen des Städtebaus“ von 1950 wurden die ideologischen und ästhetischen Leitlinien gelegt. Die Stadt galt als höchste Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens, ihr Zentrum als Ausdruck sozialistischer Kultur.
Die frühen Projekte — von der Berliner Stalinallee bis Stalinstadt — verbanden repräsentative Architektur mit dem gesellschaftlichen Anspruch, der Arbeiterklasse ein neues Selbstbewusstsein zu geben. Über das Nationale Aufbauwerk sollte die Bevölkerung nicht Zuschauerin des Aufbaus sein, sondern aktiv daran mitwirken. Die Lösung der Wohnungsfrage war als Massenprojekt und kollektiver Akt konzipiert. Architektur, Politik und Alltag sollten in diesen frühen Projekten zusammenfallen — Sozialismus nicht als Verwaltungsakt, sondern als gebaute Lebensform. Ab Mitte der 1950er Jahre trat an die Stelle des repräsentativen Anspruchs die Forderung nach Masse, Effizienz und Industrialisierung. Typenbau, Plattenproduktion und Montagebauweise sollten das Bauen rationalisieren und die Wohnungsnot systematisch bekämpfen. Diese Entwicklung machte die DDR zu einem der experimentellsten Räume industriellen Bauens weltweit.
Trotz aller Fortschritte blieb die Wohnraumversorgung ein dauerhaftes Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Engpässe bei Material, Arbeitskraft und Finanzierung, institutionelle Kompetenzfragen sowie die Vernachlässigung der Altbausubstanz führten dazu, dass die selbstgesteckten Ziele innerhalb des 40-jährigen Bestehens der DDR nicht vollständig erreicht wurden. Gleichwohl verbesserte sich der Wohnstandard für breite Bevölkerungsschichten erheblich. Zentralheizung, sanitäre Anlagen, Grünanlagen und soziale Infrastruktur wurden für Millionen zur Selbstverständlichkeit. Viele Bürgerinnen und Bürger erinnern sich an ein Leben ohne Angst vor der Miete, ohne Kündigung, ohne Obdachlosigkeit.
Was die Wohnungspolitik der DDR zeigt: Wenn die Eigentums- und Machtfrage geklärt ist — Boden kein Spekulationsobjekt, Wohnen keine Ware — dann entstehen Gestaltungsspielräume, die im Kapitalismus strukturell verschlossen bleiben. Das bedeutet nicht das Ende von Konflikten, Spannungen und Fallstricken. Im Gegenteil. Eine am menschlichen Bedarf orientierte Wohnungspolitik muss immer wieder neu justiert, an veränderte Umstände angepasst und weiterentwickelt werden. Doch die DDR schuf zum ersten Mal den Rahmen für eine gesamtgesellschaftliche und planmäßige Herangehensweise an die Lösung der Wohnungsfrage. Ihre Erfahrungen bleiben deswegen unverzichtbar für alle, die Alternativen jenseits des Kapitalismus nicht nur denken, sondern bauen wollen.
Dieser Text wurde in Zusammenarbeit mit Dr. Martin Küpper erstellt.
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- Brecht, Bertolt: Fragen eines lesenden Arbeiters, in: Bertolt Brecht – Gesammelte Werke, Bd. 9, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1990, S. 656–657.[↩]
- Vgl. Gerd Dietrich: Kulturge-schichte der DDR, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2018, S. 1382.[↩]
- Vgl. Rubin, Amnesiopolis: Macht, Raum und Plattenbau in Nordost-Berlin, in: https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/233369/amnesiopolis.[↩]
- Simone Hain und Wolfgang Schumann: Berlin-Marzahn – Vollkommen subjektive Betrachtungen vor Ort selbst nebst Ergänzungen aus der Sicht soziologischer Untersuchungen, in: Hans G. Helms (Hg.): Die Stadt als Gabentisch, Leipzig: Reclam 1992, S. 533–534.[↩]
- Vgl. Jana Gäng: Neue Studie zu Wohnkosten. Nirgendwo frisst die Miete so viel vom Einkommen wie in Berlin, in: Tagesspiegel vom 9.7.2025.[↩]
- Greta Schabram, Katja Kipping, Dr. Joachim Rock: Mieten fressen Einkommen – Paritätischer Bericht zu Wohnarmut. Paritätische Forschungsstelle, Dezember 2025: https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/expertise_armutsericht_2025_wohnarmut_web.pdf.[↩]
- Vgl. Mehr als eine Million wohnungslose Menschen Deutschland, in: https://www.bagw.de/fileadmin/bagw/media/Doc/PRM/PRM_25_BAG_W_Hochrechnung_2025_Pressemappe.pdf.[↩]
- Vgl. Leere Häuser als Spekulationsobjekte, in: https://www.deutschlandfunk.de/leerstand-wohnung-haus-spekulation-mieten-100.html.[↩]
- Deutscher Bundestag, Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Abgeordneten Caren Lay (Die Linke), Drucksache 21/3136, https://dserver.bundestag.de/btd/21/031/2103136.pdf, S. 54.[↩]
- Vgl. Mehr Zwangsräumungen im Norden, in: https://www.sueddeutsche.de/stil/wohnen-mehr-zwangsraeumungen-im-norden-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101–251214-930–420534.[↩]
- Friedrich Engels: Zur Wohnungsfrage, in: Marx-Engels-Werke, Bd. 18, Berlin: Dietz-Verlag 1976, S. 236.[↩]
- Ebd.[↩]
- Friedrich Engels: Zur Wohnungsfrage, S. 216.[↩]
- Vgl. Andrej Holm: Objekt der Rendite, Berlin: Dietz-Verlag 2022, S. 78–84.[↩]
- Friedrich Engels, Zur Wohnungsfrage, S. 226–227.[↩]
- Ebd., S. 213.[↩]
- Jürgen Kuczynski: Geschichte des Alltags des Deutschen Volkes, Bd. 5, Köln: Pahl-Rugenstein Verlag 1982, S. 389.[↩]
- Vgl. Klaus Bode: Kriegszerstörungen 1939–1945 in Städten der Bundesrepublik Deutschland, in: Europa Regional, 3/1996, S. 9–20.[↩]
- Vgl. Junkerland in Bauernhand. Von der Bodenreform zur sozialistischen Landwirtschaft, Studies on the DDR, Bd. 3, in: https://ifddr.org/publikationen/studies-on-the-ddr/junkerland-in-bauernhand/.[↩]
- Zu dieser Zeit wurde die Anzahl Mehrpersonenhaushalte und die Hälfte der Einpersonenhaushalte mit den zur Verfügung stehenden Wohnungen verglichen, um den „Wohnungsbedarf“ zu ermitteln. Der Wohnungsbedarf stellt also eine politische, statistisch errechnete Zielmarke dar, die durch Neubau zu decken wäre. Vgl. Klaus Dieter Arndt: Wohnverhältnisse und Wohnungsbedarf in der sowjetischen Besatzungszone, Berlin: Duncker & Humblot 1960, S. 18 f.[↩]
- Vgl. ebd., S. 6–10.[↩]
- Vgl. ebd., S. 13–19.[↩]
- Vgl. Das Wohnungsprogramm der KPD vom 3. März 1946, in: Zur ökonomischen Politik der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin: Dietz-Verlag 1955, S. 47–53.[↩]
- Friedrich Engels, Zur Wohnungsfrage, S. 243.[↩]
- Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 7. Oktober 1949, in: http://www.documentarchiv.de/ddr/verfddr1949.html.[↩]
- Gesetz über den Aufbau der Städte in der Deutschen Demokratischen Republik und der Hauptstadt Deutschlands, Berlin (Aufbaugesetz), Gesetzblatt der DDR, 1950, Nr. 104, S. 365–367, in: https://de.wikisource.org/wiki/Aufbaugesetz_(DDR)_1950.[↩]
- Vgl. Thomas Hoscislawski: Bauen zwischen Macht und Ohnmacht, Berlin: Verlag für Bauweisen 1992, S. 51–52.[↩]
- Vgl. Thomas Hoscislawski: Die „Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem“ – Etappen der Wohnungsbaupolitik in der DDR, in: COMPARATIV, 3/1996, S. 68.[↩]
- Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik vom 6. April 1968, in: http://www.documentarchiv.de/ddr/verfddr1968.html.[↩]
- Zivilgesetzbuch der Deutschen Demokratischen Republik, § 114, 1. Absatz, https://www.verfassungen.de/ddr/zivilgesetzbuch75.htm.[↩]
- Vgl. Christine Hannemann: Die Platte, Braunschweig/Wiesbaden: Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft 1996, S. 82.[↩]
- Vgl. Ministerium für Bauwesen Teil 1: Ministerium für Aufbau (1949–1958) DH 1 (1945) 1949–1958 (1966), Koblenz 2004, in: http://www.argus.bstu.bundesarchiv.de/DH1-24875/.[↩]
- Vgl. Die Aktivist*innenbewegung in der DDR, in: https://www.ddr-museum.de/de/blog/archive/die-aktivistenbewegung-der-ddr.[↩]
- Christian Peter Ludz/Johannes Kuppe (Hg.): DDR Handbuch, Köln: Verlag Wissenschaft und Politik 1979, S. 134.[↩]
- Die 16 Grundsätze des Städtebaus, in: https://www.bpb.de/themen/nachkriegszeit/wiederaufbau-der-staedte/64346/die-16-grundsaetze-des-staedtebaus/.[↩]
- Ebd.[↩]
- Bruno Flierl: Individualität und Gesellschaftlichkeit des bewohnten Raumes, in: Ders.: Architektur und Kunst, Dresden: Verlag der Kunst 1984, S. 193.[↩]
- Vgl. Junkerland in Bauernhand, in: https://ifddr.org/publikationen/studies-on-the-ddr/junkerland-in-bauernhand/.[↩]
- Vgl. Bruno Flierl: Individualität und Gesellschaftlichkeit des bewohnten Raumes, S. 193.[↩]
- Vgl. Kurt Junghanns: Zwei interessante städtebauliche Dokumente, in: Planen und Bauen 5/1951.[↩]
- Vgl. Thomas Flierl: Das (staats-)sozialistische Gesellschaftsmodell. Stadtplanung, Architektur und Kunst am Bau in der DDR, in: Kunst am Bau in der DDR, Berlin: Deutscher Kunstverlag 2020, S. 21.[↩]
- Zit. n. Thomas Topfstedt: Wohnen und Städtebau in der DDR, in: Ingeborg Flagge (Hg.): Geschichte des Wohnens. Bd. 5, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt 1999, S. 506.[↩]
- Vgl. Dokumentarfilm „Menschen – Bauten – Kunst“ von 1972, abrufbar unter: https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/248661/692966?fbclid=IwY2xjawLs3-JleHRuA2FlbQIxMQABHud1AGIIzx5hsOBnA49MOsf1cd7dZ9qaG-h5M-24CUd7Bu8iiOqgLosia_dU_aem_5BuJZ0Q1Qaz4-6_g8dFJUg.[↩]
- Wie Hermann Henselmann (1905–1995), Richard Paulick (1903–1979) und Hanns Hopp (1890–1971).[↩]
- Grundlage war die Verordnung „Über die weitere Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter und Rechte der Gewerkschaften“ vom 10. Dezember 1953.[↩]
- Vgl. Marvin Brendel: „Instrument des Sozialismus“. Die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften der DDR, in: https://genostory.de/arbeiterwohnungsbaugenossenschaften-der-ddr-814.[↩]
- Rolf Beyer: Über 40 Jahre in der Platte, in: https://research.uni-leipzig.de/fernstud/Zeitzeugen/zz136.htm.[↩]
- Vgl. Karl-Heinz Schubert: Blick zurück nach vorn. Kleiner Exkurs über die Wohnungspolitik in der SBZ/DDR von 1946 bis 1976, in: https://www.bmgev.de/mieterecho/archiv/2025/me-single/article/blick-zurueck-nach-vorn/?cHash=b54ecd2bc86d10f33d3a55efc10b98b8.[↩]
- Vgl. Topfstedt: Wohnen und Städtebau in der DDR, S. 428–429.[↩]
- Vgl. Siegfried Schlegel: Bauleute haben Namen, in: Joachim Tesch (Hg.): Bauen in Leipzig 1945–1990, Leipzig: Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen 2003, S. 377.[↩]
- Vgl. Jörg Roesler: Probleme des Brigadealltags Arbeitsverhältnisse und Arbeitsklima in volkseigenen Betrieben 1950–1989, in: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/archiv/538225/probleme-des-brigadealltags-arbeitsverhaeltnisse-und-arbeitsklima-in-volkseigenen-betrieben-1950–1989/.[↩]
- Vgl. Brünenberg, Arbeits- und Organisationsprinzipien in den Kombinaten, Volkseigenen Betrieben und Brigaden, S. 73–75 und S. 86.[↩]
- Vgl. Philipp Meuser: Vom seriellen Plattenbau zur komplexen Grosssiedlung. Industrieller Wohnungsbau in der DDR 1953–1990, Berlin: Dom Publishers, S. 53.[↩]
- Walter Gropius: der große baukasten, in: Das Neue Frankfurt. Monatsschrift für die Fragen der Grosstadtgestaltung, 2/1926, S. 25.[↩]
- Ebd., S. 30.[↩]
- Nikita Chruschtschow: Besser, billiger und schneller bauen, Berlin: Dietz Verlag 1955.[↩]
- Vgl. Hannemann: Die Platte, S. 78.[↩]
- Vgl. Rainer Karlsch: Energie- und Rohstoffpolitik, in: Wirtschaftspolitik in Deutschland in Deutschland 1917–1990, Bd. 3, Berlin/Boston: Walter de Gruyter Verlag 2016, S. 258–262.[↩]
- Vgl. Dietrich: Kulturgeschichte der DDR, S. 514–515.[↩]
- Vgl. Manfred Lamm: Zur Entwicklung des industriellen Bauens in Berlin/Ost, in: Geschichte und Zukunft des industriellen Bauens, Berlin: NORA Verlagsgemeinschaft 2002, S. 122–137. Die Skelettbauweise wurde im Industrie‑, Versorgungs- und Öffentlichkeitsbau bevorzugt.[↩]
- Vgl. Martin Schienbein: Beton-Bauweisen von Wohnhochhäusern der 1960er Jahre. Großtafelsysteme der Philipp Holzmann AG, in: https://holzmann-bildarchiv.de/wp-content/uploads/2019/05/Grosstafelsysteme-Holzmann.pdf.[↩]
- Vgl. Meuser: Vom seriellen Plattenbau zur komplexen Grosssiedlung, S. 131–137.[↩]
- Vgl. Hannemann: Die Platte, S. 22.[↩]
- Vgl. Roman Hillmann (Hg.): Moderne Architektur der DDR. Gestaltung. Konstruktion. Denkmalschutz, Leipzig: spector books 2020, S. 24–25.[↩]
- Vgl. Hoscislawski: Die „Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem“, S. 71–73.[↩]
- Vgl. Wolfgang Scheumann/Peter Marcuse: Wohnungsprobleme und widersprüchliche Wohnungspolitiken, in: Peter Marcuse/Fred Staufenbiel (Hg.): Wohnen und Stadtpolitik im Umbruch, Berlin: Akademie Verlag 1991, S. 159.[↩]
- Vgl. Topfstedt: Wohnen und Städtebau in der DDR, S. 508–509.[↩]
- Vgl. Denis Bechmann: Die Wohnungsfrage in der DDR, Erfurt: Landeszentrale für politische Bildung 2024, S. 33.[↩]
- Zit. n. Joachim Tesch: Der Wohnungsbau in der DDR 1971–1990, Berlin: Helle Panke 2001, S. 8.[↩]
- Das Eingabensystem verpflichtete den Staat, Beschwerden der Bevölkerung innerhalb von vier Wochen zu beantworten. Vgl. Eingaben, in: https://lha.sachsen-anhalt.de/onlineangebote/friedliche-revolution-1989–90/themenseiten/april-1989/eingaben.[↩]
- Vgl. Britta-Marie Schenk: Eine Geschichte der Obdachlosigkeit im 19. und 20. Jahrhundert, in: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/270884/eine-geschichte-der-obdachlosigkeit-im-19-und-20-jahrhundert.[↩]
- Joachim Tesch: Der Wohnungsbau in der DDR 1971–1990, S. 53–54.[↩]
- Vgl. Udo Grashoff: Schwarzwohnen. Subversive und zugleich systemstabilisierende Praxis, in: https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/222535/schwarzwohnen.[↩]
- Zit. n. Kupfermann: Platte, Teepott und Paläste, S. 34–35.[↩]
- Zivilgesetzbuch der Deutschen Demokratischen Republik vom 19. Juni 1975, § 103, in: https://www.verfassungen.de/ddr/zivilgesetzbuch75.htm.[↩]
- Vgl. Helmut Jenkins: Überführung der ostdeutschen Wohnungswirtschaft in die soziale Marktwirtschaft, in: Ders. (Hg.): Kompendium der Wohnungswirtschaft, München/Wien: Oldenbourg 1996, S. 679.[↩]
- Vgl. Dieter Rink: Wohnen, in: https://www.bpb.de/themen/deutsche-einheit/lange-wege-der-deutschen-einheit/47280/wohnen/.[↩]
- Vgl. Variables Wohnen. Ein Experiment im Plattenbau. Rudolf Horn im Gespräch mit Sabine Kraft, in: Arch+ 218/2014, S. 148.[↩]
- Georg Waterstradt: Vorwort, zit. n. https://www.ddr-museum.de/de/blog/archive/die-wohnraumfibel-wohnen-nach-wunsch-zu-ddr-zeiten.[↩]
- Vgl. Andreas Ludwig: „Hunderte von Varianten“. Das Möbelprogramm Deutsche Werkstätten (MDW) in der DDR, in: https://zeithistorische-forschungen.de/3–2006/id=4592.[↩]
- Vgl. Rubin: Amnesiopolis.[↩]
- Zit. n. ebd.[↩]
- Zit. n. Kupfermann: Platte, Teepott und Paläste, S. 58–60.[↩]
- Vgl. ebd., S. 55.[↩]
- Vgl. Torsten Lange: Handwerkelei als Prinzip. DIY im industriellen Wohnungsbau der DDR, in: Tilo Amhoff et al (Hg.): Produktionsbedingungen der Architektur. Zwischen Autonomie und Heteronomie, Dresden: Thelem 2018, S. 193.[↩]
- Vgl. Onlinedatenbank zum Architekturexport der DDR, in: http://ddr-planungsgeschichte.de/auslandsprojekte/.[↩]
- Vgl. Łukasz Stanek: Architecture in Global Socialism, Princeton/Oxford: Princeton University Press 2020, S. 214–224.[↩]
- Vgl. Andreas Butter: Showcase and window to the world: East German architecture abroad 1949–1990, in: Planning Perspectives, 2/2018, S. 250 und S. 255.[↩]
- Vgl. Rüdiger Frank: Lessons from the Past: The First Wave of Developmental Assistance to North Korea and the German Reconstruction of Hamhung, in: Pacific Focus 1/2008, S. 46–76.[↩]
- Vgl. Ludger Wimmelbücker: Architecture and city planning projects of the German Democratic Republic in Zanzibar, in: The Journal of Architecture 3/2012, S. 407–432.[↩]
- Vgl. Butter: Showcase and window to the world, S. 259–260.[↩]
- Vgl. Andreas Butter: Platte unter Palmen? Der Wohnungsbau-Export der DDR, in: Andreas Butter/Thomas Flierl (Hg.): Architektur Export DDR, Berlin: Lukas Verlag 2022, S. 39–40.[↩]
- Vgl. Hoscislawski: Die „Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem“, S. 74.[↩]
- Vgl. Jörg Roesler: Geschichte der DDR, Köln: PapyRossa 2012, S. 68.[↩]
- Zit. n. Joachim Tesch: Wurde das DDR-Wohnungsbauprogramm 1971/1976 bis 1990 erfüllt?, in: UTOPIE kreativ, Sonderheft 2000, S. 51.[↩]
- Vgl. Tesch: Der Wohnungsbau in der DDR 1971–1990, S. 22–23.[↩]
- Vgl. Dietrich: Kulturgeschichte der DDR, S. 1380.[↩]
- Wilhelm Hinrichs: Wohnungsversorgung in der ehemaligen DDR – Verteilungskriterien und Zugangswege, Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung 1992, S. 29–30.[↩]
- Vgl. Roesler: Geschichte der DDR, S. 78–79.[↩]
- Vgl. Tesch: Der Wohnungsbau in der DDR 1971–1990, S. 55.[↩]
- Vgl. ebd., S. 16.[↩]
- Vgl. Dieter Hanauske: Die „Lösung der Wohnungsfrage“. Zum Wohnungsbau in West- und Ost-Berlin 1962–1990, in: https://berlingeschichte.de/bms/bmstxt01/0106prod.htm.[↩]
- Vgl. Topfstedt: Wohnen und Städtebau in der DDR, S. 553.[↩]
- Tesch: Wurde das DDR-Wohnungsbauprogramm 1971/1976 bis 1990 erfüllt?, S. 54.[↩]
- Hans Schmidt: Muß industrielles Bauen langweilig sein?, in: Ders.: Beiträge zur Architektur 1924–1964, Zürich: gta Verlag 1993, S. 167.[↩]
- Vgl. Lange: Handwerkelei als Prinzip, S. 194–195.[↩]
- Tesch: Wurde das DDR-Wohnungsbauprogramm 1971/1976 bis 1990 erfüllt?, S. 56.[↩]
- Vgl. Rubin: Amnesiopolis.[↩]
- Vgl. Tesch: Der Wohnungsbau in der DDR 1971–1990, S. 38–39.[↩]
- Vgl. ebd., S. 47 und S. 54.[↩]
- Vgl. Holm: Objekt der Rendite, S. 133.[↩]
- Vgl. Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands (Einigungsvertrag), in: www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/einigvtr/gesamt.pdf.[↩]
- Vgl. Joachim Tesch/Klaus-Jürgen Warnick: Vom DDR-Wohnungsbauprogramm zum Stadtumbauprogramm Ost, in: https://www.bdwi.de/suchen/97861.html.[↩]
- Der zynische Begriff sollte der deutschen Öffentlichkeit deutlich machen, dass die DDR und ihre Tätigkeiten die „Erblast“ der BRD sei, die diese nun zu tilgen hätte.[↩]
- Vgl. Institut für Wohnen und Umwelt (Hg.): Planungslexikon: Ein Leitfaden durch das Labyrinth der Planersprache, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 1999, S. 23.[↩]
- Vgl. Matthias Bernt: Wohnungsleerstand und Abrisse in Ostdeutschland, in: https://www.bdwi.de/forum/archiv/themen/brd_ddr/2380967.html.[↩]
- Vgl. Susanne Schäfer/Julia Jung/Phillip Bittner: Fehl-Steuer Ost, in: https://www.spiegel.de/politik/fehl-steuer-ost-a-a49be453-0002–0001-0000–000008811135.[↩]
- Vgl. Roland Czada: Das Prinzip „Rückgabe“. Die Tragweite des Eigentums, in: https://www.politik.uni-osnabrueck.de/POLSYS/Archive/eigentum.pdf.[↩]
- Vgl. Andrej Holm: Privatisierung in Berlin seit 1990, in: Arch+ 241/2020, S. 96.[↩]
- Vgl. Bernt: Wohnungsleerstand und Abrisse in Ostdeutschland.[↩]
- Anh-Linh Ngo im Gespräch mit Ola Gordowy: „Mauern nach der Mauer. Politik des Raums im neuen Berlin“, in: Arch+ 241/2020, S. 5.[↩]
- Vgl. Michael Falser: Stadtumbau Berlin nach 1990 und der Neomythos der Geschichte, in: Arch+ 241/2020, S. 31.[↩]
- Vgl. Dirk Schubert: Europäische Stadt, in: https://www.arl-net.de/system/files/media-shop/pdf/HWB 2018/Europäische Stadt.pdf.[↩]
- Vgl. Steffen Mau: Mentale Lagerungen. Textauszug aus „Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft“, in: https://www.soziopolis.de/mentale-lagerungen.html.[↩]
- Zit. n. Robert Liebscher, Wohnen für alle. Eine Kulturgeschichte des Plattenbaus, Berlin: Vergangenheitsverlag 2009, S. 111.[↩]
- Vgl. Matthias Heine: Ist Plattenbau ein westdeutscher Kampfbegriff?, in: https://www.welt.de/kultur/article129887649/Ein-Mann-ein-Wort-Ist-Plattenbau-ein-westdeutscher-Kampfbegriff.html.[↩]
- Vgl. Wertschätzung statt Abriss, in: https://www.deutschlandfunkkultur.de/ostmoderne-erhalten-ddr-moderne-architektur-100.html.[↩]
