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Landwirtschaft
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Umverteilung
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SBZ
DDR
JUNKERLAND IN BAUERNHAND
Von der Bodenreform zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR
Innerhalb von nur 45 Jahren veränderten sich – zunächst in der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR – die Verhältnisse auf dem Land grundlegend. Dieser Wandel verlief in unterschiedlichen Etappen.
Mit der Bodenreform (1945–1948) wurden die jahrhundertealten Besitzverhältnisse auf dem Land aufgebrochen. Eine damit verbundene Demokratisierung schuf erste Voraussetzungen für neue, auf Kooperation basierende Produktionsverhältnisse. Die Genossenschaftsbewegung (1952–1960) konnte im Unterschied zur kapitalistischen Entwicklung den Widerspruch zwischen moderner Technik und Kleinproduktion im Interesse der Kleinbauern und Landarbeiter ohne ihre im Kapitalismus notwendige Ruinierung, Verdrängung und Unterordnung lösen und ermöglichte der Landbevölkerung den Zugang zu bis dato unerreichten sozialen und kulturellen Rechten und Errungenschaften. Die dritte und letzte Etappe (1970er–1980er Jahre) baute auf diesen Grundlagen auf und war gekennzeichnet von der Entwicklung großer landwirtschaftlicher Produktionskomplexe und der Vertiefung der kooperativen Beziehungen zwischen den verschiedenen Produktionsstufen, von der Primärproduktion über die Verarbeitung bis hin zum Vertrieb.
Im Ganzen vollzog sich auf dem Land, im Verhältnis zu anderen Bereichen der DDR-Gesellschaft, wohl die revolutionärste, weil umfassendste Entwicklung.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die gegenwärtige globale Lage der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion schreit nach Alternativen. Weltweit stehen rein rechnerisch ausreichend Nahrungsmittel zur Verfügung. Bei gerechter gleichmäßiger Verteilung der vorhandenen Nahrungsmittel müsste niemand hungern. Im Jahr 2023 hungerten nichtdestotrotz weltweit bis zu 757 Millionen Menschen, einer von elf.1 Nahrungsmittel‑, Rohstoff- und Bodenspekulation treiben die Preise zusätzlich in die Höhe und sorgen perverserweise dafür, dass nicht nur am Sattwerden verdient wird, sondern Menschen sich durch das Spekulieren auf steigende Rohstoffpreise am wachsenden Hunger anderer bereichern.2
Während etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittel weiterhin von Kleinbauern produziert werden,✱Fünf von sechs landwirtschaftlichen Betrieben auf der Welt haben eine Fläche von weniger als zwei Hektar, bewirtschaften nur etwa 12 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche und produzieren rund 35 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel. Quelle: Lowder, Sarah K.; Sánchez, Marco V.; Bertini, Raffaele: “Which farms feed the world and has farmland become more concentrated?”. World Development, 30.03.2021. Unter (aufgerufen am 4.12.2023): https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0305750X2100067X?via%3Dihub beherrschen riesige Agrarkonzerne, wie die sogenannte ABCD-Gruppe – Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill, und Louis Dreyfus – den globalen Anbau, die Verarbeitung, Vermarktung und Distribution.3 Die bereits über die Kolonialherrschaft etablierten Tendenzen zur Monokultur, zu einseitigen Handelsbeziehungen und zur Verdrängung von Land wurden über die weitere Konzentration von Landbesitz und der Zentralisierung der Mittel zur Nahrungsgüterproduktion noch verstärkt. Zusätzlich erhöht sich Druck auf die kleinbäuerliche Subsistenzwirtschaft, verschärfen sich die extreme Ausbeutung von Landarbeitern, Armut, Hunger, Umweltzerstörung und die Rückständigkeit des ländlichen Raums.
Die Entwicklung kapitalistischer Verhältnisse in der Landwirtschaft und der Agrarwissenschaft hat bedeutende Potentiale zur Lebensmittelproduktion freigesetzt und dennoch bis heute offensichtlich nicht dazu geführt, das allgemeinste Bedürfnis der Menschen nach Nahrung zu befriedigen. Die Probleme und Widersprüche, die sich quer durch den Bereich der Landwirtschaft und der Versorgung der Menschheit mit Lebensmitteln ziehen, verlangen nach umfassenden Antworten. Die revolutionären Veränderungen der DDR liefern dafür hilfreiche Anregung und Erfahrung.
Innerhalb von nur 45 Jahren veränderten sich – zunächst in der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR – die Verhältnisse auf dem Land grundlegend. Dieser Wandel verlief in unterschiedlichen Etappen. Mit der Bodenreform (1945–1948) wurden die jahrhundertealten Besitzverhältnisse auf dem Land aufgebrochen. Eine damit verbundene Demokratisierung schuf erste Voraussetzungen für neue, auf Kooperation basierende Produktionsverhältnisse. Die Genossenschaftsbewegung (1952–1960) konnte im Unterschied zur kapitalistischen Entwicklung den Widerspruch zwischen moderner Technik und Kleinproduktion im Interesse der Kleinbauern und Landarbeiter ohne ihre im Kapitalismus notwendige Ruinierung, Verdrängung und Unterordnung lösen und ermöglichte der Landbevölkerung den Zugang zu bis dato unerreichten sozialen und kulturellen Rechten und Errungenschaften. Die dritte und letzte Etappe (1970er–1980er Jahre) baute auf diesen Grundlagen auf und war gekennzeichnet von der Entwicklung großer landwirtschaftlicher Produktionskomplexe und der Vertiefung der kooperativen Beziehungen zwischen den verschiedenen Produktionsstufen, von der Primärproduktion über die Verarbeitung bis hin zum Vertrieb.
Im Ganzen vollzog sich auf dem Land, im Verhältnis zu anderen Bereichen der DDR-Gesellschaft, wohl die revolutionärste, weil umfassendste Entwicklung.
Ausgehend von noch feudal geprägten Eigentumsstrukturen und Arbeitsbedingungen, der wirtschaftlichen und politischen Unterordnung und einer kulturellen Rückständigkeit, entwickelte sich die Bauernschaft zu einem selbstbewussten, politisch vorantreibenden Akteur in der DDR.
Es entstand eine hochproduktive, industriemäßige Landwirtschaftsproduktion und mit dem Aufbau sozialer und kultureller Infrastruktur auf dem Dorf eine Tendenz zur Annäherung der Lebensverhältnisse von Stadt und Land. Ohne dass die Millionen Bauern und Landarbeiter tief verinnerlichte Erfahrungen und althergebrachte Traditionen in Frage gestellt hätten und sich aktiv an der Neuausrichtung der Landwirtschaft und des Dorflebens beteiligt hätten, wären diese Veränderungen nicht möglich gewesen. Eine gründliche Auseinandersetzung mit diesem widersprüchlichen und komplizierten Transformationsprozess widerlegt die vorherrschende Darstellung der „Zwangskollektivierung“ und einer Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), die mit Zwang und Gewalt regierte.
Jedes Land, jede Region hat ihre eigene Geschichte und spezifische Bedingungen, die sorgfältig analysiert und zu denen konkrete Antworten gefunden werden müssen. Die Entscheidungen, die auf dem Gebiet der Landwirtschaft in der DDR getroffen wurden, bieten dennoch praktische Einblicke in eine Alternative zur kapitalistischen Entwicklung. Die folgende Arbeit soll einen Beitrag zu aktuellen Debatten über Möglichkeiten sozialistischer Landwirtschaft leisten, indem sie den historischen Prozess untersucht, der die sozialen Strukturen und Arbeits- und Denkweisen im ostdeutschen ländlichen Raum grundlegend verändert hat. Es war dabei nicht möglich allen Aspekten gerecht zu werden; wichtige Fragen zur Forstwirtschaft, Umwelt, Agrarwissenschaft, Internationalismus und der Bedeutung der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) werden nur am Rande gestreift und müssen weiter bearbeitet werden.
Die Studie folgt der konkreten historischen Entwicklung der Landwirtschaft in Deutschland: vom jahrhundertealten feudalen Joch, unter dem die deutsche Bauernschaft stand, über die historische Umwälzung der Bodenreform und dem anschließenden Übergang zur genossenschaftlichen Produktionsweise bis hin zu Fragen der Großproduktion und industriemäßiger Landwirtschaft.
Vom Preußischen Weg der Bauernbefreiung zum Faschismus
Die Entwicklung von feudalen zu bürgerlich-kapitalistischen Verhältnissen auf dem Land vollzog sich in Deutschland im Laufe des 19. Jahrhunderts, anders als beispielsweise in England und Frankreich, relativ spät, nur sehr allmählich und ohne radikalen Sturz des Feudaladels, sondern unter seiner Kontrolle.✱In England wurde die Leibeigenschaft faktisch bereits zum Ende des 15., in Frankreich im 18. Jahrhundert aufgehoben. Die deutsche Staatseinigung wurde nicht von unten, sondern von oben herbeigeführt – durch die politischen Manöver und die Kriegspolitik Preußens unter der Führung von Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm I.
In dieser, als preußischer Weg bezeichneten Entwicklung in Deutschland verband sich die Herausbildung der kapitalistischen Produktionsweise mit den Elementen feudaler Unterordnung. Die Lebens- und Rechtsverhältnisse der verschiedenen bäuerlich arbeitenden Schichten veränderten sich, ihre ökonomischen und sozialen Abhängigkeiten zur Grundherrschaft blieben. Es entstand die Schicht freier, bei den Grundherren meist hochverschuldeter Klein- und Mittelbauern; Gesinde und Insten – die ehemaligen Dienstknechte der Gutsherren ohne eigenes Land – wurden zur neuen Schicht der Landarbeiter und der Grundherr selbst wandelte sich zum Großagrarier und Verpächter.
Die wirtschaftlich und politisch beherrschende Rolle der Großgrundbesitzer auf dem Dorf blieb durch überkommenes Recht, Gewohnheit, Tradition, und durch die gewandelten kapitalistischen Abhängigkeitsverhältnisse noch bis ins 20. Jahrhundert hinein bestimmend. Auf dem Land herrschten vielerorts zurückgebliebene, fast mittelalterliche Zustände.
Gesindeordnungen, die mancherorts noch bis 1919 in Kraft blieben und darüber hinaus noch faktisch Anwendung fanden, unterwarfen die Arbeiter der Herrschaft der Gutsherren und verbaten den Landarbeitern und Dienstangestellten jegliche politische und gewerkschaftliche Organisierung, bspw. im 1909 gegründeten Deutschen Landarbeiter-Verband. Auszüge aus der preußischen Gesindeordnung sprechen eine deutliche Sprache:
Paragraph 77: „Reizt das Gesinde die Herrschaft durch ungebührliches Betragen zum Zorn und wird in selbigem von ihr mit Scheltworten oder geringen Tätlichkeiten behandelt, so kann es dafür keine gerichtliche Genugtuung fordern.“
Paragraph 79: „Außer dem Falle, wo das Leben und die Gesundheit des Dienstboten durch Mißhandlungen der Herrschaft in gegenwärtige und unvermeidliche Gefahr gerät, darf er sich der Herrschaft nicht tätlich widersetzen.“
Paragraph 74: „Ohne Vorwissen und Genehmigung der Herrschaft darf es sich auch in eigenen Angelegenheiten vom Hause nicht entfernen.“
Paragraph 76: „Die Befehle der Herrschaft und ihre Verweise muß das Gesinde mit Ehrerbietung und Bescheidenheit annehmen.“4
Vom frühen 19. bis zum 20. Jahrhundert wandelte sich Deutschland von einer agroindustriellen zu einer industriellen Wirtschaft. Die Bevölkerung verdreifachte sich, von rund 18 Millionen im Jahr 1800 auf über 52 Millionen im Jahr 1900.5 Während zu Beginn des 19. Jahrhunderts die meisten Deutschen auf dem Land lebten, stieg der Anteil der Stadtbevölkerung nach der mit der kapitalistischen Entwicklung einhergehenden Urbanisierung von 36 % im Jahr 1871 auf 60 % im Jahr 1910.6 Zugleich sank der Anteil der in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigten von 42,5 % im Jahr 1882 auf nur noch 28,6 % im Jahr 1907. Eine große Klasse landloser Landarbeiter überstieg bald die Zahl der Eigentümer und Pächter von landwirtschaftlichen Betrieben in ländlichen Gebieten. Im Jahr 1907 beschäftigten Großgrundbesitzer (mit mehr als 100 Hektar Land) durchschnittlich 51 Arbeiter. Ein Drittel der 9,5 Millionen Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiteten, waren Lohnarbeiter.7 Die landwirtschaftlichen Lohnarbeiter waren auf die Gebiete östlich der Elbe konzentriert, wo große landwirtschaftliche Betriebe am weitesten verbreitet waren. Ausländische Saisonarbeiter, insbesondere aus den polnischen Regionen, wurden besonders stark ausgebeutet. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine erhebliche Konzentration des Landbesitzes: Weniger als 1 % der Landbesitzer besaßen mehr als 40 % der Ackerfläche, während rund 80 % der Bauern weniger als 12 % besaßen, wobei ihre einzelnen Parzellen im Schnitt weniger als 7,5 Hektar groß waren.8
Die Verhältnisse auf dem Land entwickelten sich dabei in Deutschland regional und zeitlich uneinheitlich. Linksrheinisch wurden bereits mit der Französischen Revolution Leibeigenschaft und Frondienste hinweggefegt. In Mittel- und Süddeutschland, zwischen Rhein und Elbe bestanden Parzellenwirtschaften von Klein- und Mittelbauern mit Pachtverträgen zu großen Landbesitzern. Ostelbisch führte die Befreiung der Bauern zu umfangreichen Landabtretungen an die Gutsherren. So entstand der typische junkerliche Großbesitz. Die ohnehin schon sehr ungleiche Verteilung des Ackerlandes verschärfte sich dadurch noch: Die Bauern mussten für ihre Befreiung von den feudalen Abgaben und Pflichten insgesamt 1,8 Milliarden Mark zahlen und 425.169 Hektar Land abtreten.9 Friedrich Engels beschrieb die politische und wirtschaftliche Rolle der Junker im preußischen Deutschland, deren große Landgüter die ostdeutsche Landschaft bis 1945 prägten, scharf:
„Die tatsächliche halbe Leibeigenschaft der ostelbischen Landarbeiter ist die Hauptgrundlage der preußischen Junkerherrschaft und damit der spezifisch preußischen Oberherrschaft in Deutschland. […] Die Macht dieser Junker beruht darauf, daß sie in dem geschlossenen Gebiet der sieben altpreußischen Provinzen – also etwa einem Drittel des ganzen Reichsgebiets – über den Grundbesitz verfügen, der hier die gesellschaftliche und politische Macht mit sich führt, und nicht nur über den Grundbesitz, sondern vermittelst der Rübenzuckerfabriken und Schnapsbrennereien auch über die bedeutendsten Industrien dieses Gebiets. Weder die Großgrundbesitzer des übrigen Deutschlands noch die Großindustriellen sind in einer ähnlich günstigen Lage; über ein geschlossenes Königreich verfügen weder diese noch jene. […] Aber diese Machtstellung der preußischen Junker verliert mehr und mehr ihre ökonomische Unterlage. Die Verschuldung und Auspowerung greift auch hier trotz aller Staatshilfe (und seit Friedrich II. gehört diese in jedes regelrechte Junkerbudget) unaufhaltsam um sich; nur die durch Gesetzgebung und Gewohnheit sanktionierte tatsächliche halbe Leibeigenschaft und hierdurch ermöglichte grenzenlose Ausbeutung der Landarbeiter hält die versinkende Junkerschaft noch eben über Wasser. Werft den Samen der Sozialdemokratie unter diese Arbeiter, gebt ihnen den Mut und den Zusammenhalt, auf ihren Rechten zu bestehen, und es ist aus mit der Junkerherrlichkeit. Die große reaktionäre Macht, die für Deutschland dasselbe barbarische, erobernde Element repräsentiert wie der russische Zarismus für ganz Europa, sinkt in sich zusammen wie eine angestochne Blase.“10
Die revolutionäre Sozialdemokratie hatte vor dem Hintergrund der beherrschenden Rolle der Großgrundbesitzer und der umfassenden Abhängigkeitsverhältnisse, die sie für die Landbevölkerung darstellte, Schwierigkeiten, das Landproletariat und die kleinen Bauern politisch zu gewinnen. Die ostelbischen Junker hingegen waren eine zentrale Stütze des reaktionär-militaristischen preußischen Staates und Hand in Hand mit Monopolen der Industrie Wegbereiter des Faschismus. Der Historiker Siegfried Kuntsche zeigt auf, dass die aristokratische Junkerschicht ihre Schlüsselpositionen in der deutschen Militär- und Staatsbürokratie nutzte, um während der Weimarer Republik (1919–1933) offen reaktionäre Kräfte zu unterstützen:
„Der bürgerlichen Republik begegneten die meisten Gutsbesitzer in altkonservativer Gegnerschaft. Die Unterstützung des Kapp-Putsches blieb nicht marginal. Viele Güter wurden zu Sammelpunkten von Freikorps, von Trupps der Schwarzen Reichswehr und auch zahlreicher rechtsextremistischer bewaffneter Gruppen. […] Seit Ende der 20er Jahre hatten sich Repräsentanten einiger alteingesessener Adelsfamilien der Nazibewegung angeschlossen.“11
In Mecklenburg, einem Kernland des Großgrundbesitzes, wurden ein Viertel aller Gutsbesitzer Mitglieder der NSDAP.12 Die Hälfte der Generäle im Oberkommando der faschistischen Wehrmacht stammte aus dem Adel.13 Ihre ohnehin beherrschende Rolle im gesellschaftlichen Leben des Dorfes, nutzten die Junker um die chauvinistischen Kriegsziele des Landraubes unter der Parole „Volk ohne Raum“ in die Köpfe derjenigen Bauern und Landarbeiter zu pflanzen, denen sie bereits über Generationen hinweg ihr Land genommen hatten.
Im deutschen Faschismus wurde die völlige Unterwerfung der Bauern und Landbevölkerung unter die imperialistische Kriegspolitik betrieben. Organisationen wie der Landarbeiter-Verein wurden verboten. Alle, die mit der Produktion, Verarbeitung und dem Handel von landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu tun hatten, wurden zwangsweise Mitglied im Reichsnährstand, der unter der Hegemonie des Großgrundbesitzes stand. Dieser organisierte eine Totalablieferungspflicht der Bauern, d.h. eine Beschlagnahmung bestimmter Erzeugnisse durch den Staat. Spareinlagen und Guthaben der Bauern wurden zur „Finanzierung der Kriegslasten“ eingezogen. Die Folgen des rapiden Rückgangs der Ernteerträge während der Kriegsjahre hatte der faschistische Staat durch Zwangslieferungen aus den okkupierten Ländern und einer gnadenlosen Hungerpolitik für deren Bevölkerung kompensiert. Die Landwirtschaft in Deutschland hielten die Faschisten lediglich durch den millionenfachen Einsatz und die barbarische Ausbeutung von Zwangsarbeitern am Laufen.
Die Kriegspolitik Nazideutschlands warf den Entwicklungsstand der Landwirtschaft weit zurück. Bereits ab Mitte der 30er Jahre wurde die Kriegswirtschaft über die Landwirtschaft priorisiert. „Wir werden zu Not auch einmal ohne Butter fertig werden, niemals aber ohne Kanonen“, wie es der Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels 1936 formulierte.14 Kriegsschäden vernichteten Maschinen, hektarweise Land wurde unbrauchbar gemacht, Nutzvieh aufgezehrt. Dies galt insbesondere für Ostdeutschland, wo die Faschisten im März 1945, als die Kriegshandlungen auf deutschem Boden stattfanden und ihre völlige militärische Niederlage längst sichtbar war, den Befehl gaben massenweise Nutzvieh abzuschlachten. Gerhard Grüneberg, von 1960 bis 1981 Landwirtschaftsminister der SED, bezeichnete diese Maßnahmen als Fortsetzung der „verbrecherischen Politik der verbrannten Erde“.15
Junkerland in Bauernhand – die Bodenreform
Kriegszerstörung und Hunger
Im Osten Deutschlands, dem Hauptkampfgebiet der letzten Schlachten des Weltkrieges in Europa, waren weite Teile der landwirtschaftlichen Nutzfläche verwüstet oder unbrauchbar geworden, landwirtschaftliche Anlagen und weiterverarbeitende Betriebe waren zerstört oder in ihrem Betriebsablauf massiv unterbrochen, Transportmittel fehlten. Die Produktionskapazitäten wurden über Jahre zurückgeworfen. Viele Junker flohen vor der Roten Armee nach Westdeutschland samt transportablem Vieh, Technik, Hab und Gut und verschlechterten die Versorgungslage zusätzlich. Der Bestand etwa an Schweinen betrug 20 Prozent gegenüber der Vorkriegszeit, an Rindern 65 Prozent, an Geflügel 25 Prozent.16 Die Bestände von Nutz- und Zuchttieren, von Maschinen, Werkzeugen und Saatgut hatten unter der Kriegswirtschaft und den Kriegsfolgen so gelitten, dass die Ernährungswirtschaft 1945 zusammenbrach.
Die neu geschaffene Deutsche Zentralverwaltung für Land- und Forstwirtschaft stand vor der vordringlichen Aufgabe, die Einbringung der ersten Friedensernte zu sichern. Die vom Faschismus auferlegte Totalablieferungspflicht wurde am 18. Juni 1945 mit Erlass der Verordnung Nr. 40 der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) aufgehoben, die die Lieferziele für Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Ölsaaten festlegte (die Verordnung Nr. 18 vom 29. Juli 1945 regelte die Pflichtlieferung von tierischen Erzeugnissen). Damit wurden erste Maßnahmen einer demokratischen Agrarpolitik durchgeführt, die das Interesse der Bauern an eine Produktionssteigerung stimulierten. Es wurde ein doppeltes Preissystem eingeführt: ein niedrigerer Preis für Produkte, die geliefert werden mussten, und ein höherer Preis für Überschüsse, die die Landwirte frei verkaufen konnten. Verwaltungsorgane, Gewerkschaften und die neu zugelassenen Parteien, die sich im sogenannten antifaschistischen demokratischen Block zusammengeschlossen hatten – bestehend aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands (CDU) und der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands (LDPD) – riefen die Bevölkerung auf, bei der Einbringung der Ernte zu helfen. Ingenieure und Industriearbeiter bildeten Reparaturkolonnen, um vordringlich Erntemaschinen herzurichten, die Stadtbevölkerung leistete Ernteeinsätze, in den Dörfern wurden Ernteausschüsse und Bauernkomitees gebildet, die die Arbeit koordinierten, die Pflichtabgaben und damit die Belieferung der Bevölkerung gemäß den Lebensmittelrationen sicherten.
Programm der Bodenreform
Deutsche kommunistische Emigranten in der Sowjetunion hatten 1944 die Grundsätze für eine Bodenreform im Nachkriegsdeutschland bereits erarbeitet. Maßgeblichen Anteil daran hatte Edwin Hoernle, der bis zum Machtantritt Hitlers 1933 KPD-Reichstagsabgeordneter und Agrarexperte war. Sein Konzept wurde Basis der Bodenreform, was auch erklärt, weshalb unmittelbar nach dem Krieg die KPD ein derart durchdachtes, tragfähiges Programm vorlegen konnte. Im Mai 1945 kehrte Hoernle nach Deutschland zurück, wo er in der Deutschen Wirtschaftskommission die Hauptverwaltung Land- und Forstwirtschaft übernahm. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Bodenreform beteiligt.
Die KPD erließ bereits im Juni 1945 einen Aufruf zur „Demokratischen Bodenreform“ mit der Losung „Junkerland in Bauernhand“, orientierte auf die schnellste Durchführung und beantragte im zentralen Ausschuss des demokratischen Parteienblocks die Beratung der Bodenreform. Am 22. August 1945 verabschiedete das Zentralkomitee der KPD einen konkreten Vorschlag für die Durchführung einer Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone bis Ende 1945. Hauptpunkte waren:
- die entschädigungslose Enteignung des privaten Großgrundbesitzes über 100 Hektar
- die entschädigungslose Enteignung des Grundbesitzes von Naziaktivisten und Kriegsverbrechern, unabhängig von dessen Größe
- Bildung eines staatlichen Bodenfonds aus den enteigneten Betrieben und den staatlichen Domänen
- Aufteilung des größten Teiles des Bodenfonds als Privateigentum, wobei die neuen Bauernstellen bei guten und mittleren Böden fünf Hektar, bei schlechten und sehr schlechten Böden acht bis zehn Hektar groß sein sollten
- Verteilung des Viehs und der einfachen Produktionsgeräte an Neubauern
- Übergabe der Traktoren und großen Landmaschinen sowie von Werkstätten und von Betrieben zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse an zu schaffende Ausschüsse der gegenseitigen Bauernhilfe für eine gemeinsame Nutzung.17
Die Idee der Bodenreform fand, durch Rundfunk und Presse und auf vielfältige andere Weise propagiert, zunehmenden Widerhall in der Bevölkerung, auch weitgehend den Zuspruch der Kirche, und es gab zahlreiche Initiativen in den Ausschüssen der Parteien. Die CDU und die LDPD lehnten den Vorschlag einer entschädigungslosen Enteignung zunächst ab. Hoernle und die KPD argumentierten, dass eine Entschädigung entweder die Bauern oder die Allgemeinheit finanziell belasten würde, was angesichts der Versorgungsengpässe und der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage unverantwortlich wäre. Die Großgrundbesitzer hingegen würden durch eine entschädigungslose Enteignung keineswegs zu Bettlern werden, da sie ihr persönliches Eigentum und ihr angesammeltes Vermögen behalten würden. Darüber hinaus wurde dies als angemessene Strafe für Kriegsverbrechen und als Akt der historischen Gerechtigkeit betrachtet.18 Nach langwierigen Verhandlungen erfolgte ab dem 3. September die Verabschiedung der Bodenreformverordnungen durch die fünf Landesregierungen der Sowjetischen Besatzungszone. Die von den Alliierten auf der Potsdamer Konferenz im August 1945 beschlossenen Grundsätze zur Demokratisierung, Dezentralisierung, Demilitarisierung und Denazifizierung standen im Einklang mit den Zielen der Bodenreform und gaben ihr zusätzlich ein sicheres politisches und rechtliches Fundament innerhalb der Nachkriegsordnung in Deutschland.
Der Beschluss zur Bodenreform Anfang September 1945 in der sowjetischen Besatzungszone veranlasste auch die amerikanische und englische Militärverwaltung, in ihren Zonen aktiv zu werden und Gesetzentwürfe für eine Bodenreform und eine Siedlungspolitik zu erarbeiten. Die rechtlichen Vorgaben boten allerdings Politikern und Großgrundbesitzern Spielraum, Umverteilungsmaßnahmen zu verhindern oder so weit hinauszuzögern, bis die politischen Rahmenbedingungen sich in ihrem Interesse geändert haben würden, wofür die sich etablierenden bürgerlichen Parteien mit ihrer Orientierung auf die Wahrung der alten privatkapitalistischen Eigentumsverhältnisse dann auch sorgten.
In Hessen beispielsweise wurde auf Basis einer Mehrheit von Sozialdemokraten und Kommunisten in der Landesregierung eine Verfassung ausgearbeitet, in der Artikel 41 Pläne zur Vergesellschaftung wichtiger Industriezweige und zur Verstaatlichung des Bankensektors vorsah. Obwohl dieser Artikel in keiner Weise gegen die Grundsätze des Potsdamer Abkommens verstieß, wollte die US-Militärverwaltung ihn aus der Verfassung streichen. Eine Volksabstimmung über Artikel 41 im Dezember 1946 ergab zwar eine Zustimmung von 72 %, doch US-General Lucius Clay verbot dessen Umsetzung. Eine geplante Bodenreform wurde in den anderen Teilen der US-Besatzungszone ebenfalls verhindert. In der britischen Besatzungszone wurde nach viel Verzögerung 1947 eine begrenzte Bodenreform eingeleitet, die jedoch die bestehenden landwirtschaftlichen Strukturen weitgehend unangetastet ließ.
Die neuen Bodenreformgesetze, die in Westdeutschland ausgearbeitet wurden, waren Ausdruck des Wunsches der ländlichen Bevölkerung nach Veränderung. Letztendlich wurden sie jedoch enttäuscht, da die wenigen im Westen ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichten, um einen echten Wandel herbeizuführen. Sie betrafen lediglich 5 % der gesamten Ackerfläche. Im Gegensatz dazu wurden zwischen 1945 und 1952 in der DDR 3,2 Millionen Hektar enteignet und neu verteilt (vierzehnmal so viel Land wie in Westdeutschland).19
Politisch-wirtschaftlicher Hintergrund der Bodenreform
Die Bodenreform war zum einen die Verwirklichung jahrzehntealter Forderungen zur demokratischen Umgestaltung auf dem Land und zum anderen die konkrete Antwort auf die politische und wirtschaftliche Nachkriegssituation in Deutschland.
Weder die sowjetische Besatzungsmacht noch die deutschen Kommunisten verfolgten direkt das Ziel einer sozialistischen Umgestaltung in Deutschland. Ihre Strategie zielte auf eine antifaschistisch-demokratische Umwälzung. Der aggressive deutsche Imperialismus sollte geschwächt und für die internationale Systemauseinandersetzung, die sogleich den Kampf gegen den Faschismus ablöste, neutralisiert werden.✱Eine solche Vereinbarung wurde beispielsweise in Österreich getroffen, wo das Parlament 1955 unter Aufsicht der Alliierten Mächte eine Neutralitätserklärung verabschiedete. Österreich blieb danach sowohl der Nordatlantikvertrags-Organisation (NATO) als auch der Warschauer Vertragsorganisation fern. Innerhalb Deutschlands sollten so die Kampfbedingungen für die deutsche Arbeiterbewegung verbessert werden. Die Bodenreform kann nicht aus der späteren Entwicklung des Aufbaus des Sozialismus in der DDR verstanden werden, legte aber durch die Demokratisierung auf dem Land und die Etablierung von Kooperationsbeziehungen letztlich bereits ein wichtiges Fundament. Die Forderung zur Neuaufteilung des Bodens bestand bedeutend länger, ihr entscheidender Hintergrund lieferte die jahrhundertealte, feudal geprägte Unterdrückung der Bauern und Landarbeiter. Walter Ulbricht brachte diesen Zusammenhang in seiner Rede auf dem zweiten Parteitag der SED 1947 auf den Punkt.
„Wir haben offen gesagt: Wir sind nicht für irgendwelche Kollektivierungsmaßnahmen oder etwa für die Sozialisierung in der Landwirtschaft. Im Gegenteil, den Bauern wurde Land gegeben, es wurde neues Privateigentum geschafften, aber zugleich wurde die Solidarität der Neubauern und der Altbauern auf einer neuen Grundlage entwickelt. Ich sage offen, wenn manche Leute uns bei Beginn der Bodenreform sagten: Was seid ihr für Sozialisten? Ihr seid ja nicht einmal für die „Vergenossenschaftlichung der landwirtschaftlichen Betriebe“, so haben wir ihnen gesagt: Das könnte Ihnen, meine Herren, so passen, daß der Großgrundbesitz zusammengehalten wird, damit Sie später diesen Großgrundbesitz in die Hände der alten Besitzer zurückgeben können! Nein, unser Kurs ist ein anderer: Wir handeln so, daß der Großgrundbesitz vollständig aufgeteilt wird, damit es niemals wieder in Deutschland einen Großgrundbesitzer geben wird, der diesen Boden zurückbekommen kann. […]
Es ist richtig, was die Sachsen, die Thüringer und die brandenburgischen Selbstverwaltungsorgane gemacht haben, sie haben auch die alten Grundbücher vernichtet. Jawohl, nicht einmal die alten Grundbücher, nicht ein Stück Papier vom früheren Großgrundbesitz darf übrigbleiben.
Wir sind überzeugt: Wenn faschistische und reaktionäre Kräfte noch Hoffnung haben sollten, bei der künftigen Einheit Deutschlands ihre Positionen irgendwie zurückbekommen zu können, so werden die Arbeiterklasse, die Bauernschaft, die fortschrittliche Intelligenz gemeinsam das, was sie erkämpft haben, mit allen Mitteln verteidigen.“20
Die Einheit Deutschlands, von der Ulbricht hier spricht, drückt das strategische Ziel der Kommunisten zu dieser Zeit aus. Sie kämpfen in allen vier Besatzungszonen für ein einheitliches, demokratisches und neutrales Deutschland. Im Sinne dieses Ziels bildete die Bodenreform einen zentralen Schlag gegen die traditionellen Eigentums- und Machtverhältnisse auf dem Land, die endgültige Beseitigung der Überreste der Feudalordnung. Wie die sogenannte Wiedervereinigung 1990 zeigen sollte, behielten die Kommunisten mit der sorgfältigen Zerschlagung des Großgrundbesitzes Recht. Die Parzellierung des Landes mittels der Bodenreform verhinderte, zumindest zunächst, eine Restaurierung ehemaliger Besitzverhältnisse und sicherte so die Errungenschaft der endgültigen bürgerlichen Bauernbefreiung.✱Im Kapitel „Kehrtwende auf dem Land“ gehen wir auf die Entwicklung nach 1990 und die Auseinandersetzung um den Erhalt der Bodenreform bis heute genauer ein.
Neben diesem politischen Kontext ist der wirtschaftliche entscheidend. Die Aufgabe bestand darin, unter den Bedingungen der katastrophalen Kriegszerstörung die Versorgung mit Lebensmitteln abzusichern. Die technischen Voraussetzungen für landwirtschaftliche Großproduktion waren nicht gegeben. Nachdem bereits die Totalablieferungspflicht durch eine Teilablieferung ersetzt wurde, sodass die Bauern Überschüsse zu für sie besseren Preisen verkaufen konnten, schaffte es die Bodenreform mit der privaten Kleinbauernwirtschaft das Interesse zur Steigerung der Produktion zusätzlich zu wecken. Edwin Hoernle fasste die Hauptgründe für die Bodenreform unter diesen besonderen Bedingungen so zusammen:
„Die große Agrarreform ist vor allem ein entscheidendes Mittel zur völligen Ausrottung des preußischen Militarismus, dessen Hauptträger die Junkerkaste war. Auch wirtschaftlich ist die Übergabe des Bodens an den selbst arbeitenden Bauern heute dringend notwendig. Nur der sprichwörtliche Bauernfleiß, der Fanatismus, mit denen der kleine Bauer an seiner Scholle klebt, vermag bei dem heutigen Ruin der Landwirtschaft und dem gewaltigen Mangel an technischen Mitteln eine schleunige Hebung der landwirtschaftlichen Produktion herbeizuführen.“21
Ein weiteres Problem war der massive Zustrom von Flüchtlingen und ihre Unterbringung: 4,4 Millionen Flüchtlinge deutscher Herkunft kamen in die sowjetische Besatzungszone, das entsprach über 24 % der Bevölkerung.22 Sie waren von der sich zurückziehenden Wehrmacht oder der lokalen Bevölkerung und den Regierungen aus Osteuropa umgesiedelt worden, als die Regionen von der faschistischen Besatzung befreit wurden. Industrie und Wohngebiete der Städte waren weitgehend vom Krieg zerstört. In Scheunen und Bauernwirtschaften konnte noch eher Wohnraum geschaffen werden. Mit dem Zusammenbruch der Lebensmittelversorgung bot die kleinbäuerliche Landwirtschaft den so genannten Umsiedlern auch die Möglichkeit zur Selbstversorgung.
Für Neubauernhöfe erwies sich die Größe der zugeteilten landwirtschaftlichen Flächen und geringe Verfügbarkeit von Betriebsmitteln oftmals als objektive Grenze, einen Ertrag zu erwirtschaften, der über die Selbstversorgung der neuen Eigentümer hinausging und den strengen Pflichtabgabeauflagen genügen konnte. Von vornherein war klar, dass die durch die Bodenreform parzellierte Kleinbauernwirtschaft auf lange Sicht die steigenden Anforderungen der Nahrungsmittelproduktion nicht wird leisten können. Zur befristeten Absicherung der Versorgungslage konnten die mit der Bodenreform entstandenen Strukturen erheblich beitragen.
Durchführung und Wirkung der Bodenreform
In öffentlichen Dorfversammlungen wählten im September 1945 in der Regel Landarbeiter, landarme und kleine Bauern sowie Umsiedler aus ihren eigenen Reihen die Mitglieder der Bodenreformkommissionen, die die Umsetzung der Reform koordinierten. Auch auf Kreis- und Landesebene nahmen entsprechende Kommissionen ihre Tätigkeit auf. Die Bodenreformkommissionen legten im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen fest, welcher Boden zu enteignen war, dokumentierten und sicherten den Bestand der dazugehörigen Gebäude und des Inventars, erstellten Listen der landarmen und landlosen Bauern und Landarbeiter sowie der Flüchtlinge und Umsiedler und nahmen Anträge auf Landzuteilung entgegen. Sie waren verpflichtet, in öffentlichen Versammlungen mit allen Bodenanwärtern über die Aufteilungspläne zu beraten und zu beschließen. Über die Vergabe der Parzellen und des toten und lebendigen Inventars entschied, um Ungerechtigkeiten zu vermeiden, am Ende das Los. Ebenso zuständig war die Bodenreformkommission für die Bildung erster Komitees zur gegenseitigen Bauernhilfe. Diese im Herbst 1945 gebildeten Komitees sorgten für eine rationelle Nutzung der landwirtschaftlichen Maschinen und organisierten die gegenseitige Hilfe der Neubauern.
Den rund 9.500 Bodenreformkommissionen gehörten über 52.000 Mitglieder an, darunter 19.700 Landarbeiter, über 18.500 kleine Bauern und Pächter, über 6.300 Umsiedler. Die übrigen ca. 7.700 sonstigen Mitglieder waren Industriearbeiter, Dorfhandwerker und andere.✱Parteipolitisch setzen sich die Bodenreformkommissionen wie folgt zusammen: 12.475 Kommunisten, 9.164 Sozialdemokratien, 974 Mitglieder der bürgerlich-demokratischen Parteien und 29.679 parteilos. Quelle: Piskol, Joachim; Nehrig, Christel; Trixa, Paul: „Antifaschistisch-demokratische Umwälzung auf dem Lande“. VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin, 1984, S.50 Damit wurde die Hauptverantwortung für die Durchführung der Bodenreform denjenigen sozialen Kräften übertragen, welche selbst am stärksten an der Neugestaltung der Besitzverhältnisse auf dem Land interessiert waren. Den Vorsitz der aus fünf bis sieben Mitgliedern bestehenden Kommissionen führte zumeist der Bürgermeister. Der größte Teil des zur Individualvergabe gelangenden Bodens war bis Ende 1945 aufgeteilt. Die ehemaligen Großgrundbesitzer wurden in der Regel aus ihren Gemeinden ausgewiesen. Als Organe der Bodenreform erwiesen sich die Kommissionen als Schulen der Demokratie. Die Umsetzung der Bodenreform wurde in die verantwortlichen Hände der ortsansässigen Bevölkerung gelegt. Die Übergabe der Eigentumsurkunden über den zugeteilten Boden wurde zu einem Festtag in den Dörfern. Der Bericht des örtlichen SED-Parteimitglieds Hermann Wesemann über eine öffentliche Versammlung in Torisdorf, Kreis Schönberg, zeichnet ein anschauliches Bild davon, dass die Bodenreform eine Form des Klassenkampfs war:
„Torisdorf war ein Gut von etwa 400 Hektar. Es gehörte dem Junker Axel Bunger, einem eingefleischten Militaristen, der sich von ‘seinen Leuten’ mit ‘Herr Hauptmann’ anreden ließ. Im Dorf gab es einige klassenbewußte Arbeiter, die uns halfen, durch individuelle Aussprachen eine Dorfversammlung vorzubereiten. Sie fand am 3. oder 4. Oktober morgens um 07.00 Uhr statt. […] Es waren alle da, auch die Umsiedler. Einige Landarbeiter waren bemüht, den Eindruck zu erwecken, als wären sie nur zufällig auf die Versammlung gestoßen. Sie hielten Wassereimer oder Milchkannen in den Händen und standen etwas abseits. Das war sicher wegen des ‘Herrn Hauptmann’, vor dessen Augen sich ja alles abspielte. Als Referent sprach ich über die Notwendigkeit und Bedeutung der Bodenreform und erklärte das Gesetz über die Bodenreform. In der anschließenden Diskussion zeigten sich unterschiedliche Standpunkte und Unklarheiten der Versammelten. Zuerst traten die klassenbewußten Landarbeiter, wie Genosse Bruns oder der alte Kräger, auf. Sie forderten, daß mit der Gutsherrschaft Schluß gemacht werden und die sofortige Enteignung des Gutsherrn und seine Entfernung aus dem Dorf erfolgen sollte. Einige Landarbeiter drehten und wendeten sich noch mit Meinungen: ‘Wer weiß, wie das noch kommt, der Herr ist ja noch da, und er kann ja auch wiederkommen, dann geht es uns an den Kragen.’ Andere meinten: ‘Wie sollen wir denn mit dem Land fertig werden, wenn jeder für sich wirtschaftet? Wir haben ja nichts dazu’ So gingen eine Zeitlang die Meinungen hin und her, bis schließlich alle ihre Zustimmung zur Aufteilung des Gutes gaben. Es wurde eine Bodenkommission gebildet, an deren Spitze der Landarbeiter Genosse Bruns stand. Jetzt mußte aber der Gutsherr von dem Beschluß der Versammlung offiziell unterrichtet werden. Als wir zu ihm gingen, kam er uns schon schreiend und schimpfend entgegen. Ich teilte ihm in knappen Worten den Beschluß mit und forderte ihn auf, der Bodenkommission unverzüglich die Schlüssel und alle Gutsunterlagen auszuhändigen, sich bis auf weiteres in seinem Zimmer aufzuhalten und sich jeder Einmischung zu enthalten. Er versuchte uns zunächst einzuschüchtern, erklärte die Versammlung nicht für kompetent, und mündliche Beschlüsse könne er überhaupt nicht anerkennen. Auf die Frage der Kompetenz antwortend fragte ich ihn, ob er es auf eine Machtfrage ankommen lassen wolle? Dazu käme er zu spät, sie sei bereits zugunsten des werktätigen Volkes entschieden, er und seinesgleichen hätten hier für immer ausgespielt. Wir haben ihn in der Zeit bis zur Aufteilung des Gutes, die bald darauf erfolgte, sicher bewacht und verhindert, daß er irgend etwas verschicken konnte.“23
Im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone wurden 3,3 Millionen Hektar Landbesitz – das entsprach etwa einem Drittel der land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen – sowie 14.000 bauliche Objekte entschädigungslos enteignet. 76 % der enteigneten Fläche stammten von 7.160 privaten Gutsbetrieben, also von Höfen mit über 100 Hektar Nutzfläche; 4 % von 4.537 Höfen aktiver Nazis und Kriegsverbrecher mit weniger als 100 Hektar Fläche. Bei den restlichen 20 % der enteigneten Flächen handelte es sich um staatliches Eigentum sowie um Eigentum der Nazi-Partei.24
Aus den enteigneten 3,3 Millionen Hektar gingen 2,2 Millionen Hektar in einen zentralen Bodenfonds ein, der durch Bodenreformkommissionen an private Bewerber verteilt wurde. Das verbleibende Drittel des Bodenreformlandes, ungefähr 1,1 Millionen Hektar, die nicht in Form von Privateigentum neuverteilt wurden, gingen in Landeseigentum über oder wurden an Kommunen und gesellschaftliche Organe übergeben. In diesem Prozess entstanden 500 Volkseigene Güter.25 Diese Güter dienten, im Rahmen der Reparationsleistung, zunächst als Versorgungsbetriebe für die Rote Armee. Später wurden sie sukzessive in Staatseigentum der DDR umgewandelt. Sie erfüllten primär Unterstützungsfunktionen gegenüber anderen landwirtschaftlichen Betrieben: etwa als „Saatgut- und Tierzuchtbetriebe“, als Ausbildungs- und Lehrbetriebe sowie als Betriebe zu Versuchs- und Forschungszwecken. Außerdem unterstützten sie wirtschaftsschwache Bauern beratend. Ihnen kam eine Vorreiterrolle bei Einführung neuer Arbeitsmethoden zu.
Das enteignete Land wurde als Privateigentum verteilt mit den Einschränkungen, dass es als „gebundenes Eigentum“ neuverteilt wurde. Die Empfänger sollten auch die Nutzer sein: Es durfte zwar vererbt, jedoch nicht verkauft, verpachtet oder verpfändet werden und ging grundsätzlich schuldenfrei in das Eigentum des Empfängers über. 43% des zu vergebenden Landes wurde an Landarbeiter und landlose Bauern, 35% an Umsiedler aus den ehemaligen von Deutschland besetzen Ostgebieten verteilt.26 Die landwirtschaftliche Nutzfläche, die von Kleinbauern bewirtschaftet wurde, hatte sich durch die Bodenreform verdoppelt.
Im Frühjahr 1946 fanden für die zuvor noch übergangsweise gebildeten Komitees Wahlen für die Ortsausschüsse der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) statt. Diese Ausschüsse stellten sich die Aufgabe, Ausleihstationen für landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte aufzubauen (sogenannte Maschinen-Ausleih-Stationen, MAS), Betriebe zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte zu errichten, Reparaturwerkstätten zu schaffen, Deckstationen einzurichten.
Es gab zahlreiche Maßnahmen, um die Situation der Neubauern zu verbessern und die neugeschaffenen Wirtschaften zu festigen. Dazu zählten die Anpassung von Ablieferungsnormen, Saatgut- und Viehbereitstellung, Kredite, Förderung von Kooperation mit anderen Bauern und Erntehilfen oder ein auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration erlassenes Bauprogramm, in dessen Rahmen bis 1953 rund 95.000 Wohnhäuser, 104.300 Ställe und 38.470 Scheunen gebaut wurden.27
Da generell Arbeitskräfte, Landmaschinen und Zugtiere fehlten, war die Kooperation sowohl zwischen den Bauern als auch mit Kommunen, Organisationen und Betrieben wichtig und nötig, beispielsweise wurden die Neubauern mit der Organisation von Erntehilfen aus den Städten unterstützt.
Die Bodenreform war ein historischer Einschnitt zur Demokratisierung der Agrarverhältnisse in der deutschen Geschichte. Sie veränderte die Existenzbedingungen der Landbevölkerung im Osten Deutschlands radikal. Die ökonomische und politische Macht des Großgrundbesitzes wurde gebrochen. Vom Joch der Großgrundbesitzer befreit, entwickelten sich die Bauern und Landarbeiter durch die demokratischen Strukturen der Bodenreformkommission, der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe und der 1948 gegründeten Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD) zunehmend zum selbstbewussten und gesellschaftlich wirkmächtigen Subjekt. Die DBD wurde gegründet, um das politische Mitwirken und die Vertretung der Bauern in der DDR zu stärken. Mit einer festen Fraktion in der Volkskammer blieb sie ein fester Bestandteil der politischen Entscheidungsstrukturen, und spielte eine aktive Rolle auf dem Land.
Kooperation und Mitbestimmung wurden zu zentralen Merkmalen der Arbeitsbeziehungen der Bauern. Die Bodenreform stellte, wie die Erfahrungsberichte zeigen, die Machtfrage auf den Dörfern ganz konkret. Großgrundbesitzer versuchten oftmals Widerstand gegen ihre Enteignung und ihren Verlust von Einfluss und Macht zu leisten, nahmen, als sie keine Alternative mehr sahen, alles mit, was sie transportieren konnten. Der Umfang des Neubeginns und die Kompliziertheit dieses Wandels im Leben und Denken der Neubauern und Landbevölkerung darf angesichts der zwölf Jahre faschistischer Kriegshetze und jahrhundertealter Unterdrückung durch den Feudaladel und Großgrundbesitz nicht unterschätzt werden. Bruno Kiesler, langjähriger Leiter der Landwirtschaftsabteilung des SED-Zentralkomitees, erklärte die strategische Bedeutung der Bodenreform:
„Die demokratische Bodenreform war eine strategisch richtige Entscheidung, obwohl ihren Vätern bewusst war, dass die Großproduktion auch in der Landwirtschaft einer zersplitterten Kleinwirtschaft überlegen war. Doch es war notwendig, die Menschen auf dem Lande auf diesem Weg mitzunehmen und ihnen nicht diese Erkenntnis zu verordnen. Sie mussten im Wortsinne erst einmal (eigenen) Boden unter die Füße bekommen und Vertrauen in die politische Führung gewinnen. In der praktischen bäuerlichen Tätigkeit sollte dann sukzessiv erfahren werden, dass die gemeinschaftliche, die genossenschaftliche Arbeit effektiver ist.“28
„Vom Ich zum Wir“ – Die Genossenschaftsbewegung
Private oder genossenschaftliche Großproduktion – eine strategische Entscheidung
1950 bestanden 32.621 staatliche Landwirtschaftsbetriebe und 617.886 Privatwirtschaften, die größer als ein Hektar waren. Zusammengenommen bewirtschafteten diese privaten landwirtschaftlichen Betriebe rund 88 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche (5,7 Millionen Hektar).29 Infolge der Bodenreform und des hohen Verlusts an Männern während des Krieges wurden 1948 40.000 Bauernhöfe von Bäuerinnen unabhängig geführt.30 Mit einer durchschnittlichen Größe von etwa 9,3 ha. teilten sich die Privatbetrieb zu diesen tatsächlichen Größen auf:
Annähernd zwei Millionen der fast acht Millionen Erwerbstätigen in der DDR arbeiteten 1950 in der Landwirtschaft. Darunter wurden ca. ¼ Landarbeiter und ¼ Bauern gezählt. Die andere Hälfte setzte sich annähernd komplett aus mithelfenden Familienangehörigen, fast ausschließlich Frauen zusammen (ohne Vertrag, Sozialversicherung oder Einkommensteuer arbeitet).31 Von den etwa 500.000 Bauern waren annähernd die Hälfte (ca. 210.000) Neubauern, d.h. ehemalige Landarbeiter, landlose Bauern und Umsiedler.✱Die Bezeichnung „Neubauer“ wird in den verschiedenen gesichteten Veröffentlichungen nicht einheitlich verwendet. Neben den oben genannten Umsiedlern, landlosen Bauern und Landarbeitern werden teilweise auch lediglich die nichtlandwirtschaftlichen Arbeiter und Angestellten als Neubauern bezeichnet. 183.261 von ihnen haben 5% der Bodenreformfläche zugeteilt bekommen und damit in der Regel Flächen von unter zwei Hektar Land als Nebenerwerb bewirtschaftet. Vgl. Schmidt, Klaus: „Landwirtschaft in der DDR“. Agrimedia, 2009, S.16.
Der wirtschaftliche Druck zur Überwindung der landwirtschaftlichen Kleinproduktion stieg zu Beginn der 50er Jahre an. Der Bedarf an landwirtschaftlichen Erzeugnissen, sowohl als Rohstoffe für die Industrie als auch für den Versorgungsbedarf der Bevölkerung mit Nahrungsgütern, wuchs an. Gleichzeitig deutete sich eine Stagnation der landwirtschaftlichen Produktion und der Arbeitsproduktivität an.32 Anfang der 50’er Jahre kam es auf Grund der schwierigen ökonomischen Lage vor allem bei Neubauern zu Betriebsaufgaben. Bis Mitte 1952, d.h. bis zum Beginn der Genossenschaftsbewegung, gaben ca. 30.000 Neubauern ihre Betriebe wieder auf.33 Oftmals handelte es sich dabei um schwer zu bewirtschaftende Gelände und schlechte Böden. Diese Höfe wurden zunächst staatlich, von sogenannten örtlichen Landwirtschaftsbetrieben (ÖLB) zwischenbewirtschaftet.
Die parzellierte Agrarproduktion, landläufig als „Handtuchwirtschaft“ bezeichnet, behinderte eine rationelle Verteilung der Arbeitskräfte und erschwerte den produktiven Einsatz von Landmaschinen, die allerdings weiterhin nur in geringem Maße zur Verfügung standen. Die Handarbeit blieb vorherrschend. 1950 verfügten die 514 Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS) der DDR über gerade einmal 10 834 Traktoren und 675 Lastkraftwagen für das gesamte Land.34
Eine Reihe von wohlhabenderen Mittelbauern, darunter auch Neubauern, hatte begonnen sich tendenziell zu Großbauern zu entwickeln. Als Großbauernwirtschaften wurden solche Wirtschaften betrachtet, die mehr als 20 Hektar Land mittlerer Bodenqualität besaßen, und Landarbeiter beschäftigen mit dem Ziel, nicht selbst erarbeitete Einkünfte zu erhalten.35 Diese Gruppe von Bauern suchte sich mehr Boden und Technik zu beschaffen, ihre Viehbestände zu erhöhen und mehr Landarbeiter zu beschäftigen. Im Gegensatz zu den sowjetisch orientierten Volksrepubliken in Osteuropa war die Eigentumsstruktur in der DDR auf dem Stand von 1948 eingefroren. Hintergrund dafür war die noch ungelöste Frage der deutschen Einheit. Zu diesem Zeitpunkt waren Industrieunternehmen, Banken und der Verkehrssektor bereits weitgehend verstaatlicht. Die landwirtschaftliche Produktivität wurde jedoch durch die Beschränkungen kleiner und mittlerer privater landwirtschaftlicher Betriebe entscheidend beeinträchtigt. Der sozialistische Historiker Kurt Gossweiler beschrieb die zunehmende Notwendigkeit einer strategischen Entscheidung:
„Die dringend notwendige Steigerung der Ertragskraft der Landwirtschaft stellte die DDR-Führung vor die Entscheidung: Öffnung des Weges zur Großlandwirtschaft, entweder zur kapitalistischen oder zur sozialistischen. Deshalb bedeutete die Diskussion um den Aufbau des Sozialismus in der DDR vor allem eine Diskussion darum, ob in der Landwirtschaft der Weg freigegeben würde zur Bildung von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften.“36
Die Orientierung auf genossenschaftliche Landwirtschaftsproduktion würde tief in die Arbeits- und Eigentumsverhältnisse auf dem Land eingreifen. Es war eine langfristige Grundsatzentscheidung, die ungeklärt bleiben musste, solange die politischen Verhältnisse in Deutschland es blieben.
In erster Linie war diese Entscheidung abhängig von der Entwicklung der nationalen Frage in Deutschland. 1949 wurde die DDR, in Reaktion auf die Gründung der westdeutschen Bundesrepublik, als antifaschistisch-demokratischer Staat gegründete. Ein Kurs zum Aufbau des Sozialismus wurde noch nicht gelegt. Die Sowjetunion, ebenso wie die Kommunisten in West- und Ostdeutschland, verfolgten weiterhin das strategische Ziel eines einheitlichen, neutralen Deutschlands, in dem die Beschlüsse des Potsdamer Abkommens zur Denazifizierung, Demilitarisierung, Dezentralisierung und Demokratisierung umgesetzt würden.
Die Politik der Westalliierten und der westdeutschen Regierung durchkreuzte diese Absicht zusehends. Politisch und ökonomisch formierten sich die Westzonen 1949, unterstützt von den USA, Großbritannien und Frankreich zum Separatstaat. Die Volksbewegung, die sich entschlossen für die Entnazifizierung und Enteignung der Kriegsverbrecher einsetzte, wurde im Westen massiv bekämpft und konnte nicht die nötige Stärke erringen. Zu Beginn der 50er Jahre wurden in Westdeutschland Schritte zur Remilitarisierung unternommen. Einen letzten Versuch, um eine andere Entwicklung in Deutschland zu befördern, unternahm die Sowjetunion mit den sogenannten Stalin-Noten im März 1952, die ein einheitliches Deutschland vorschlug, das seine eigenen nationalen Streitkräfte zur Verteidigung behalten, sich jedoch aus Koalitionen oder Militärbündnissen gegen einen Staat der Anti-Hitler-Koalition heraushalten würde. Dieser Vorstoß blieb vom Westen unbeantwortet. Die Strategie für ein einheitliches, demokratisches und bündnisfreies Deutschland war gescheitert. Für die DDR ergab sich daraus die Notwendigkeit, eine vom Westen unabhängige und souveräne wirtschafts- und sicherheitspolitische Entwicklung voranzutreiben und abzusichern. In einigen Dörfern hatten sich schon 1950 und 1951 Bauern zu einer Art genossenschaftlicher Produktion zusammengefunden. Die subjektiven und objektiven Voraussetzungen für landwirtschaftliche Genossenschaften waren weiterhin nur unzureichend gegeben.
Angesichts der politischen Zuspitzung in der Deutschlandfrage erkannten die SED und die UdSSR allerdings die Notwendigkeit einer Strategieänderung. Die zweite Parteikonferenz der SED vom 9.–12. Juli 1952 gab die klare Orientierung für den Aufbau des Sozialismus und damit insbesondere auch für die Bildung von Genossenschaften in der Landwirtschaft. Walter Ulbricht, Generalsekretär der SED, betonte die Notwendigkeit der Freiwilligkeit für den Zusammenschluss in den Genossenschaften:
„Ich halte es für notwendig, von der Tribüne dieser Konferenz herab den Grundsatz der absoluten Freiwilligkeit bei der Organisierung solcher Genossenschaften ausdrücklich zu unterstreichen und auf die Unzulässigkeit der Anwendung irgendeines Zwanges gegenüber den Bauern in dieser Frage hinzuweisen. Schon Genosse Lenin hat darauf hingewiesen, daß man nicht durch Dekrete und Gesetze die gemeinschaftliche Bodenbearbeitung einführen kann.“37
Subjektive und objektive Voraussetzungen für die Genossenschaft entwickeln
Das politische Ziel der Bildung von Genossenschaften unterlag einem starken ökonomischen Druck zur raschen Entwicklung und Steigerung der Produktion. Zugleich waren die subjektiven und objektiven Voraussetzungen zur genossenschaftlichen Großproduktion in mehrfacher Hinsicht noch nicht ausreichend entwickelt und mussten erst geschaffen werden.
Das Eigentümerdenken vom ‘freien Bauern auf freier Scholle’ hatte sich über Jahrhunderte tief in das Denken der Bauern eingeprägt. Die Altbauern waren fest mit ihrem in Eigenregie bewirtschafteten Boden und Vieh verbunden. Die nötigen Landmaschinen und Infrastruktur für die Großproduktion waren kaum vorhanden. Nicht zuletzt fand dieser umfassende Strukturwandel auf dem Land unter den Bedingungen heftiger Kämpfe zwischen dem sozialistischen und kapitalistischen Lager statt. Der Versuch des Westens, den sozialistischen Aufbau mit allen erdenklichen Mitteln zu torpedieren, war in den 50er Jahren, unter der Bedingung offener Grenzen in Deutschland, zur Hochform angelaufen. Wirtschaftssabotage, darunter die Zerstörung von Ernten und Lebensmittelvorräten, die Abwerbung von Fachkräften und vieles mehr, belasteten die schwierigen Jahre des Wiederaufbaus in der Landwirtschaft und die DDR insgesamt.
Für die DDR bestand also vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Entwicklungserfordernisse das Problem, in möglichst kurzer Zeit einen gewaltigen Umbruch in der Arbeits‑, Lebens- und Denkweise der Bauern voranzubringen und die notwendigen Strukturen zur landwirtschaftlichen Großproduktion herauszubilden. Ohne die aktive Beteiligung der großen Masse der Bauern war dieser Prozess nicht zu schaffen. Wie konnte unter diesen Voraussetzungen das nötige Bewusstsein und Vertrauen bei den Bauern für das politische Ziel der Genossenschaften entwickelt und dabei dem Prinzip der Freiwilligkeit Rechnung getragen werden?
Wie in der ersten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) der DDR, im thüringischen Merxleben, gab es Bauern und Landarbeiter, die von sich aus, ob auf Grund der schwierigen ökonomischen Lage ihrer Höfe oder auch aus Kenntnis der genossenschaftlichen Landwirtschaft der Sowjetunion und der eigenen Überzeugung für den Sozialismus, danach strebten, den Schritt zur gemeinsamen Produktion zu gehen. Sie waren es, die bei der SED, auch bereits vor deren Beschluss, auf die Unterstützung für Genossenschaftsgründungen drängten. Für die allermeisten, vor allem alteingesessene Mittel- und Großbauern, war es im Jahr 1952 noch unvorstellbar, die über Generationen herangereifte Form des selbstständigen Wirtschaftens aufzugeben. Viele verhielten sich ablehnend, andere abwartend. Ihnen schien die langfristige Perspektive der DDR und des sozialistischen Aufbaus ebenso unsicher wie das Versprechen einer höheren Produktivität der genossenschaftlichen Landwirtschaft.
Haupttriebkraft der Genossenschaftsbewegung waren in der Anfangsphase vorwiegend ökonomisch schwache Betriebe aller Betriebsgrößengruppen, vorrangig die Klein- und Neubauern.38 Großbauern waren bis 1955 von der Mitgliedschaft in LPG‘en zunächst ausgeschlossen, um den werktätigen Schichten von Beginn an eine bestimmende Rolle in den Genossenschaften zu sichern.39 Es waren die kleinen Höfe, Landarbeiter und Neubauern, die meist die größten wirtschaftlichen Schwierigkeiten und zugleich weniger feste Bindung an ihr Land hatten, sodass sie einfacher für den Eintritt in die LPG zu gewinnen waren.
Schlechte natürliche Produktionsbedingungen, schlechter Kulturzustand des Bodens, fehlende Wirtschaftsgebäude, geringer Arbeitskraftbestand und mangelnde Erfahrungen sorgten bei den jungen LPG’en in der Regel für beträchtliche Anfangsschwierigkeiten. Dadurch, dass sich tendenziell wirtschaftsschwache Höfe, Neubauern und Landarbeiter zusammenschlossen, waren die Anforderungen zur wirtschaftlichen Entwicklung einerseits hoch und zugleich fehlten Erfahrungen zur Organisation der kollektiven Großproduktion.
Dabei wurde der Prozess zusätzlich dadurch erschwert, dass Bauern oftmals nach und nach den Genossenschaften beitraten und sich die Anforderung zur Integration in das Kollektiv und die Eingliederung neuer Flächen in die Produktion immer wieder aufs Neue stellten. Fruchtfolgen und die Organisation der Wirtschaft mussten laufend verändert werden. Die Erfahrung zeigte, dass es je nach Ausgangslage in der Regel fünf bis zehn Jahre bedurfte, um feste Strukturen und kontinuierliche Betriebsabläufe zu etablieren.40
Viele Bauern hingen in tradierten Vorstellungen privatbäuerlicher Familienwirtschaft fest und hatten große Schwierigkeiten, sich an eine kooperative Arbeitsweise, an die aktive Teilnahme zur Leitung einer Genossenschaft und die Anwendung des Leistungsprinzips zu gewöhnen. Erfahrungen mit einer landwirtschaftlichen Großproduktion waren sehr gering. Ein massives Umdenken ‘vom Ich zum Wir’ war dafür erforderlich.
„Die Mitgliedschaft in der LPG verlangt von den Bauern und Landarbeitern, in größerem Maßstab zu denken. Die kleine Wirtschaft konnte der Bauer leichter übersehen. Jetzt muß er über die Belange eines Großbetriebes sachkundig mitentscheiden. Die genossenschaftliche Arbeit macht es nötig, sich als Glied in ein Kollektiv einzufügen. Bisher entschied der Bauer selbst, wie er seine Arbeit einteilte. Jetzt erhält er Weisungen oder muß, wenn er z.B. Leiter einer Brigade wird, die Arbeit für viele Menschen organisieren. Frühere Einzelbauern und frühere Landarbeiter müssen lernen, bestimmte Vorurteile zu überwinden und sich als gleichberechtigte Genossenschaftsbauern zu achten.“41
1952 bewirtschafteten die ersten Genossenschaften bereits durchschnittlich rund 114 Hektar landwirtschaftliche Fläche.42 In einem kurzen Zeitraum mussten die materiellen Voraussetzungen zur Großproduktion, die Fertigung von Landmaschinen und Agrartechnik und die notwendigen Investitionsmittel für den Bau von Ställen, Lagerkapazitäten und weiteren Wirtschaftsgebäuden geschaffen werden. Auch wenn ab 1952 die Produktion von Landmaschinen angekurbelt wurde, fehlte es noch an ausreichend technischem Gerät. Neben der Entwicklung der technischen Produktionsmittel war es nötig, auch die Genossenschaftsbauern selbst zu qualifizieren und zu spezialisieren. Dafür mussten zunehmend umfangreichere Kapazitäten an Hoch‑, Fach- und Abendschulen geschaffen werden. Es ergaben sich also massive volkswirtschaftliche Herausforderungen.
Um den Übergang zur Genossenschaft entsprechend den volkswirtschaftlichen Möglichkeiten und dem Bewusstseinsstand der Bauern allmählicher und möglichst niederschwellig zu gestalten, wurden drei verschiedene Typen der LPG geschaffen, die sich im Grad der Vergesellschaftung der Produktionsmittel, durch den Umfang der notwendigen Teilnahme an der gemeinschaftlichen Arbeit und in der Regelung zur Verteilung der Einkünfte unterschieden. Der von den Bauern in die LPG eingebrachte Boden blieb in allen drei Typen Eigentum der Bauern selbst und wurde für die Verteilung des Lohns berücksichtigt, und unterschied sich damit vom Kolchos-System der Sowjetunion.✱Eine Kolchose war eine Form der landwirtschaftlichen Genossenschaft in der Sowjetunion, die neben den staatlichen Landwirtschaftsbetrieben (Sowchosen) existierte. Kolchosen wurden im Rahmen des staatlichen Programms zur Enteignung privater Landbesitze ab 1929 gegründet. Im Gegensatz zum Genossenschaftsmodell in der DDR war das Ackerland Staatseigentum und wurde den Kolchosen auf unbestimmte Zeit verpachtet. Die Bauern bearbeiteten das Land gemeinsam und erhielten eine Vergütung entsprechend ihrer Arbeitsleistung. Die Kolchosen waren zwar grundsätzlich selbstverwaltet, unterlagen jedoch einer staatlichen Planung und Aufsicht. In der LPG Typ I wurde das Ackerland eingebracht, Maschinen, Geräte und Zug‑, Nutz- und Zuchtvieh blieben Eigentum der Bauern. In LPG Typ II wurden zuätzlich Traktoren, Zugtiere, Maschinen und Geräte in die LPG eingebracht. Die LPG Typ III bestand als selbständiges Unternehmen. Mit Ausnahme der individuellen Hauswirtschaft wurde die gesamte Wirtschaft (Ackerland, Grünland, Waldflächen, Vieh, Traktoren, Maschinen, Geräte, Wirtschaftsgebäude) der Bauern in die Genossenschaft eingebracht. Je höher der Grad der Vergenossenschaftung, desto weniger wurde der von den Bauern eingebrachte Boden für die Entlohnung berücksichtig.
1949 wurden die Maschinen-Ausleih-Stationen (MAS), die von der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) organisiert wurden, zu staatlichen Maschinen-Traktoren-Stationen (MTS) umgebildet. Sie spielten eine herausragende Rolle für die Bildung und Stabilisierung der Genossenschaften. Größere Technische Geräte, Fuhrwerke und Maschinensysteme konnten von den Bauern nicht privat erworben werden. In den MTS konnten sie nach einem Tarifsystem, das Kleinbauern gegenüber Großbauern bzw. Genossenschaften gegenüber Einzelbauern bevorzugte, in Anspruch genommen werden. Indem die technische Basis der MTS und ihr agronomischer Beratungsdienst vom Staat immer weiter ausgebaut wurden, gaben sie ganz praktisch die Entwicklungsrichtung hin zur industriemäßigen landwirtschaftlichen Großproduktion vor.
Neben ihren ökonomischen Aufgaben spielten die MTS auch für die politische und kulturelle Entwicklung auf den Dörfern eine zentrale Rolle. Den MTS wurden Kulturhäuser angeschlossen, es wurden Weiterbildungen für die Bauern, agrochemische und zootechnische Beratungen für die Genossenschaften, Filmvorführungen, Theaterfahrten, Musik- und Tanzgruppen organisiert, Bibliotheken und Sportgemeinschaften eingerichtet, und weiteres mehr. Der SED galten die MTS als Stützpunkte der Arbeiterklasse auf dem Land. Die Mechaniker, Traktoristen und weiteren Arbeiter der Maschinen-Traktoren-Stationen, die direkten Kontakt zu den Einzelbauern hatten, übernahmen eine wichtige Rolle zur Überzeugung der Bauern für den Eintritt in die Genossenschaft.
Der Staat hatte zu keinem Zeitpunkt eine passive Haltung zur Genossenschaftsentwicklung eingenommen, sondern aktive Entwicklungsanreize geschaffen und die jungen LPG subventioniert. Der ostdeutsche Agrarhistoriker Sigfried Kuntsche hat einige dieser Maßnahmen zusammengefasst:
„Für den genossenschaftlichen Zusammenschluß wurde eine Vielzahl von Vergünstigungen in Aussicht gestellt: Niederschlagung von Ablieferungsrückständen und Steuerschulden sowie Erlaß der Bodenreformbeiträge, Veranlagung der LPG nach den Vorzugnormen der Einzelbauern der Größengruppe 5–10 ha, vorrangiger Einsatz der MTS-Technik zu Vorzugtarifen, kostenlose agronomische und zootechnische Beratung, bevorzugte Belieferung mit Qualitätssaatgut und Mineraldünger, vorteilhafte Kredite.“43
Klassenkampf und Richtungsstreit – Zwischen Rückzug, Selbstlauf und Offensive
Möglichkeiten, Widersprüche und Anforderungen zum Vorankommen der Genossenschaftsbewegung hingen nicht nur von der DDR selbst ab, sondern waren wesentlich von den politischen Rahmenbedingungen der 50er Jahre insgesamt geprägt. Der Aufbau des Sozialismus steckte in der DDR und Osteuropa noch in seinen Kinderschuhen. Zugleich gewann der von den USA und seinen westlichen Verbündeten auf internationaler Ebene geführte hybride „Kalte Krieg“ gegen das sozialistische Lager an massiver Schärfe und versuchte insbesondere nach dem Tod Stalins 1953, Unsicherheiten und Lücken in den politischen Führungen der sozialistischen Länder auszunutzen. Die heftigen politische Krisen und Antiregierungsproteste unter anderem in der DDR 1953, Polen und Ungarn 1956 müssen in diesem Zusammenhang verstanden werden.
Noch im März 1952 verkündete der damalige Außenminister der BRD Heinrich von Brentano ganz offen: „Wir werden alles tun, und das Letzte unternehmen, ich sage ausdrücklich: alles und das Letzte, um die sowjetische Besatzungszone wieder zurückzuholen.“44 Insbesondere die offene Grenze zwischen West- und Ostberlin bot der Bundesrepublik vielfältige Möglichkeiten für Störaktionen und den gezielten Aufbau von Spionage, Sabotage- und Terrororganisationen. Vorhandene Unzufriedenheit und Probleme, die sich vor allem aus dem Ringen zur Überwindung der Folgen des Krieges in der Bevölkerung erklärten, wurden vom Westen gezielt aufgegriffen, verstärkt und gegen die DDR-Regierung gewendet. Bereits Anfang Juni 1953 beschloss die DDR-Führung umfassende entlastende Maßnahmen für die Bevölkerung. Dennoch kam es am 17. Juni zu Protesten, die mit Hilfe westlicher Provokateure zu einem konterrevolutionären Putschversuch aufgestachelt wurden.
Die SED-Führung übte im Nachgang umfassende und öffentliche Selbstkritik, die auch die erst vor einem Jahr begonnene Genossenschaftsbewegung reflektierte und ihren Kurs korrigierte. In einem Zeitungsartikel schrieb das SED-Zentralkomitee:
„Die Partei, die den richtigen Kurs auf den Aufbau der Grundlagen des Sozialismus in der DDR genommen hatte, beschritt den falschen Weg der beschleunigten Lösung dieser Aufgabe ohne entsprechende Berücksichtigung der realen inneren und äußeren Voraussetzungen. Das führte zu einem überspitzten Entwicklungstempo der Wirtschaft, besonders in der Schwerindustrie, zu falschen Versuchen der Verdrängung und Liquidierung des städtischen Mittel- und Kleinbürgertums sowie der Großbauernschaft auf dem Lande, was nachteilige Folgen für die Versorgung der Bevölkerung hatte und in gewissem Maße zur Störung der richtigen Beziehungen zwischen der Partei und den werktätigen Massen und zur Anwendung von Methoden des Administrierens an Stelle einer breiten und geduldigen Aufklärungsarbeit unter den Massen führte.
Es war richtig, daß die Parteiorganisationen die in der DDR auf Initiative der werktätigen Bauern entstandene Bewegung zur Bildung von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften unterstützten. Die Parteiorganisationen haben jedoch in einigen Kreisen die Verletzung des Prinzips der strengsten Freiwilligkeit bei der Bildung solcher Produktionsgenossenschaften geduldet, haben versucht, ihr zahlenmäßiges Wachstum zu forcieren, ohne der organisatorisch-wirtschaftlichen Festigung der bestehenden Genossenschaften die nötige Aufmerksamkeit zu widmen, was die Hauptaufgabe der Partei auf dem Gebiet des genossenschaftlichen Aufbaus im Dorfe ist.“45
Der Kurs lag weiterhin auf der Förderung der LPGen. Gleichzeitig sollten allerdings auch die Privatbauernwirtschaften staatlich unterstützt werden. Die Geschwindigkeit zur Bildung von Genossenschaften wurde gedrosselt.
1956 kam es in Polen und Ungarn zu vom Westen gestützten regierungsfeindlichen Protesten, die auch in der DDR die Kräfte gegen die sozialistische Entwicklung in der Landwirtschaft belebt haben. Dabei tat sich gegen die DDR insbesondere der Westberliner Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS) mit einer geschickt betriebenen Negativberichterstattung hervor, die die Zweifel über die Dauerhaftigkeit der sozialistischen Perspektive bei den Bauern verstärken sollten.46 Walter Ulbricht, Generalsekretär der SED, hat diesen Zusammenhang ausdrücklich benannt:
„Im Zusammenhang mit den konterrevolutionären Ereignissen in Ungarn und den Vorgängen in Polen stellen wir eine stärkere Aktivität kapitalistischer Kräfte in den landwirtschaftlichen Kreisen, einen stärkeren Druck gegen die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften und auch zunehmende Sabotageakte fest.“47
Es entbrannte zu dieser Zeit eine erneute Debatte um die Fortentwicklung der Landwirtschaft. Wladyslaw Gomulka forderte auf dem 8. Plenum der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei 1956, welches ihn zum neuen Generalsekretär der Partei gewählt hatte:
„Auch die Agrarpolitik braucht gewisse Korrekturen. Was die Genossenschaften angeht, so sollte nur den gesunden unter ihnen mit zurückzahlbaren Investitionskrediten geholfen werden, und alle Arten von staatlichen Subventionen sollten abgeschafft werden.“48
Der Kern der Debatte bestand auch in der DDR darin, inwiefern eine bewusste und aktive Förderung der Genossenschaften durch den Staat weiter betrieben werden sollte. Mitte der 50er Jahre waren die meisten Genossenschaften im Verhältnis zu Mittel- und Großbauern noch weniger produktiv und mussten mit staatlichen Subventionen gestützt werden. Einzelne verantwortliche Politiker und Wissenschaftler nahmen das zum Anlass, von einer aktiven Förderung der „unproduktiven“ Genossenschaften Abstand zu nehmen und die privaten Einzelbauern wieder zu stärken. Diese Vorschläge wurden von der SED-Führung unter Walter Ulbricht scharf zurückgewiesen. Auf einer Tagung des Zentralkomitees der SED 1957 erklärte er:
„Die planmäßige Entwicklung der Landwirtschaft und die systematische Förderung der sozialistischen Landwirtschaft sollen aufgegeben und die MTS beseitigt werden. Der Einfluß auf die Entwicklung der Landwirtschaft solle lediglich über eine gewisse Regulierung der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse, die Festsetzung der Steuern und die Anwendung des Kreditsystems erfolgen. Vorrangig solle die Entwicklung der bäuerlichen Familienbetriebe erfolgen, worunter alle Betriebe verstanden werden, die im wesentlichen ohne fremde Kräfte wirtschaften […]. Dieser Vorschlag zeigt den Weg der Rückkehr zur kapitalistischen Wirtschaft, wobei die Großbauern die ökonomische Hauptkraft im Dorf werden würden.“49
Die Auseinandersetzungen zeigen, dass es über die gesamte Periode der Genossenschaftsbewegung wiederholt scharfe Konflikte und Debatten darüber gab, wie das Verhältnis von Freiwilligkeit und aktiver und offensiver Förderung der Genossenschaften durch den Staat abgewogen werden musste. Einerseits wurden administrative Überspitzungen durch staatliche Stellen und politische Führungskräfte, die das Prinzip der Freiwilligkeit verletzten, kritisiert und bekämpft. Andererseits wurden Vorstellungen eines Selbstlaufes zurückgewiesen, die dem Staat eine passive Rolle gegenüber den Bauern zudachten. Zusätzlich mussten diejenigen Kräfte bekämpft werden, die die Entwicklung hin zur sozialistischen Landwirtschaft aktiv sabotierten, unter anderem, indem sie eine Stärkung der Privatbauernwirtschaft forderten. Der marxistische Historiker Kurt Gossweiler erklärt, warum der Staat die Gründung von Genossenschaften aktiv unterstützen musste:
„Wenn also proklamiert wird, daß der Staat keine Zuschüsse mehr leistet, die MTS rentabel arbeiten sollen, so heißt das, daß die Genossenschaft den schwachen Bauern keine Perspektive mehr bietet. Wenn man gleichzeitig „das Besitzergefühl“ stärkt, indem man den reichen Bauern die Möglichkeit gibt, den Boden der schwachen Bauern aufzukaufen, dann ist es selbstverständlich, daß kein Mittelbauer mehr daran denkt, der Genossenschaft beizutreten. Die Bauern kommen nicht von sich aus, spontan, zur sozialistischen Form der Landwirtschaft. Sie bedürfen dazu der Führung durch die Arbeiterklasse.“50
Sozialistischer Frühling – Der Abschluss der Genossenschaftsbewegung
Ab 1958 trat die Genossenschaftsbewegung dann wieder in eine dynamische Entwicklungsphase ein. Mittlerweile hatte eine allmähliche Festigung der bestehenden LPG stattgefunden, auch wenn in den meisten Fällen weiterhin eine staatliche Stützung notwendig blieb. Die bereits beschriebenen volkswirtschaftlichen Maßnahmen zur Stärkung der materiell-technischen Basis der Landwirtschaft begannen zu wirken. Der Maschinenstand wurde erweitert und die Produktivität der LPG begann auf die Mittel- und Großbauern auszustrahlen, die sich mit dem Schritt zum LPG-Eintritt häufig trotz alledem weiterhin schwertaten.
Auf Dauer musste die Unterschiedlichkeit der sozialökonomischen Strukturen in der Landwirtschaft, das heißt die Gleichzeitigkeit von Genossenschaftsproduktion und der Einzelbauernwirtschaft, hemmend auf die Weiterentwicklung der Produktivität wirken. Zugleich bot der Fortbestand der Privatwirtschaft auf dem Land stetige politische Angriffspunkte gegen den sozialistischen Aufbau und eine materielle Grundlage für die wiederholt aufflammenden politischen Auseinandersetzungen. Der Druck für die DDR, die Genossenschaftsbewegung zum Abschluss zu bringen, stieg. Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf dem Land wurden zunehmend auf die Arbeit der LPG ausgerichtet. Der Vorrang der Genossenschaften insbesondere bei der Inanspruchnahme der Technik der Maschinen-Traktoren-Stationen begrenzte die Entwicklungsmöglichkeiten der Privatwirtschaften.
Im ersten Quartal des Jahres 1960 wurden umfassende Kräfte mobilisiert, um Einzelbauern vom Eintritt in die Genossenschaft zu überzeugen. Gemeinsam und organisiert zogen Gruppen aus Mitgliedern der Blockparteien und Massenorganisationen der Nationalen Front in die Dörfer, um mit den Bauern zu diskutieren. Dabei spielten die Demokratische Bauernpartei, die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe und die Maschinen-Traktoren-Stationen eine wichtige Rolle, da sie am engsten mit den Erfahrungen der Bauern und den jungen LPG vertraut waren.
Karl Mewis, der damals Erster Sekretär der SED-Landesleitung in Mecklenburg und verantwortlich für die Genossenschaftsbewegung im Norden der DDR war, argumentierte, dass die Abfindungen, die den Bauern für den Beitritt zu Genossenschaften gezahlt wurden, letztlich der entscheidende Faktor waren:
„Die Regierung hatte einen Beschluss gefasst, wonach diejenigen, die sich nun bereit erklärten (Mitglied der LPG zu werden, IFDDR), ob Klein‑, Mittel‑, oder Großbauern, die bekamen doch große Vergünstigungen. Und der Großbauer bekam für seine Maschinen Geld, für seine Geräte und für sein Vieh. Die Abfindung war so, dass manche mit zig-tausend Mark auf der hohen Kannte nachher sich überlegten, ob sie überhaupt noch arbeiten. Aber sie haben sich dann wieder ans Arbeiten gewöhnt.“51
Insbesondere die Bäuerinnen bildeten in dieser Schlussphase der Genossenschaftsbewegung, aber auch grundsätzlich eine wichtige Triebkraft in diesem Prozess. Sie waren es, die von dem Eintritt in der LPG objektiv am meisten zu gewinnen hatten. Traditionell arbeiteten sie in der körperlich und zeitlich fordernden Viehwirtschaft und mussten zusätzlich Haushalt und Kinderbetreuung bewerkstelligen. Die übergroße Mehrheit der noch privat wirtschaftenden Bauern stimmte schließlich einem Eintritt in die LPG zu, auch wenn ihre Überzeugung für die genossenschaftliche Produktion teilweise erst in den Jahren danach wirklich heranreifte. Rückblickend reflektierte die Landwirtin Elli I. ihre Skepsis gegenüber der Genossenschaft:
„Wir mussten als Einzelbauern auch von früh bis abends arbeiten. 1957 ist meine Tochter zu früh jeborn, weil ich meinem Mann jeholfen hatte, 30 Sack Kalk mit aufjeladen. Das brauchten wir nich mehr in der Genossenschaft. Wir sind denn nachher auch in de Jenossenschaft einjetreten, und denn hab ich mir nach Jahren jesacht, meine Güte, wie dumm bist de denn man jewesen?! Du kannst jar nicht besser leben als da. Die Arbeit wurde leichter. Wir hatten ärztliche Betreuung, da konnte jede Frau zum Arzt gehen, hatten Haushaltstag und Urlaub. Wenn ich so zurückdenke: Ich bin nicht freiwillig in de Genossenschaft jegang’n, aber es waren meine besten Jahre.“52
Vor allem mit den LPG-Gründungen im Frühjahr 1960 wurde die vollständige Vergenossenschaftlichung bis auf zu vernachlässigende restliche Privatwirtschaften in der DDR erreicht. Aus über 850.000 einzelbäuerlichen Wirtschaften mit einer durchschnittlichen landwirtschaftlichen Nutzfläche von rund 7,6 Hektar im Jahr 1950 waren 1960 über 19.000 LPG mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 280 Hektar entstanden. 84 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche wurden nunmehr genossenschaftlich bewirtschaftet.53
Sozialistische Verhältnisse auf dem Land
Integration der Genossenschaften in die Planwirtschaft
Genossenschaftliche Zusammenschlüsse von Bauern gab es in Deutschland bereits unter kapitalistischen Bedingungen. Sie waren Zusammenschlüsse von landwirtschaftlichen Betrieben zur Kreditvergabe, zur Organisation von Einkauf (Saatgut, Düngemittel, etc.) und Vertrieb, in denen Junker und Großbauern führende Positionen innehatten und somit ihre Dominanz gegenüber klein- und mittelbäuerlichen Betrieben verstärken konnten. Bis 1950 wurden diese Organisationseinheiten umgebildet und in die VdgB als Bäuerliche Handelsgenossenschaft (BGH) integriert. Die Genossenschaft unter kapitalistischen Bedingungen unterscheidet sich wesentlich und grundsätzlich von den LPG der DDR. Die LPG waren eigenständige Wirtschaftseinheiten, kein Zusammenschluss von ansonsten unabhängigen Wirtschaftseinheiten. Die LPG nahmen eine breite gesellschaftliche Funktion für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aufgaben ein. Erst durch ihre Zweckbestimmung, ihre Arbeits- und Organisationsweise und vor allem ihre fest integrierte Rolle innerhalb der politischen und wirtschaftlichen Strukturen der DDR wurde der sozialistische Charakter der Genossenschaftsproduktion bestimmt.
1959 wurde das erste LPG-Gesetz verabschiedet, in einer überarbeiteten Version von 1982 wurde die gesellschaftliche Rolle und Aufgabe der Genossenschaften umfassend gefasst:
„§ 1. Grundsätze. (1) Die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (nachfolgend LPG genannt) sind freiwillige Vereinigungen von Bäuerinnen und Bauern, Gärtnern und anderen Bürgern zur gemeinsamen sozialistischen Produktion, zur ständig besseren Befriedigung ihrer materiellen und kulturellen Bedürfnisse und zur ständig besseren Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsgütern und der Industrie mit Rohstoffen. Sie gewährleisten in der landwirtschaftlichen Produktion einen bedeutenden Leistungsanstieg und hohe Effektivität durch ständige Verbesserung des Verhältnisses von Aufwand und Ergebnis.
(2) In den LPG organisieren die Genossenschaftsbäuerinnen und ‑bauern (nachfolgend Genossenschaftsbauern genannt) nach den Grundsätzen der genossenschaftlichen Demokratie und der sozialistischen Betriebswirtschaft die gemeinsame Arbeit und ihre sozialen Beziehungen entsprechend den Prinzipien der Gleichberechtigung; der kameradschaftlichen Zusammenarbeit und der gegenseitigen Hilfe, verfügen gemeinsam über das genossenschaftliche Eigentum und haben nach genossenschaftlichen Verteilungsprinzipien Anteil am wirtschaftlichen Ergebnis ihrer LPG.“54
Auf dem V. Parteitag 1958 beschloss die SED, die Zielstellung bis Ende 1962 die Eigenversorgung der Bevölkerung mit landwirtschaftlichen Produkten und die weitgehende Versorgung der Industrie mit landwirtschaftlichen Rohstoffen sicherzustellen. Ein wichtiger Schritt, um sich insbesondere vom Import aus dem kapitalistischen Ausland unabhängig zu machen. Bis auf Erzeugnisse, die in der DDR auf Grund der Umweltbedingungen (Südfrüchte, Kaffee, Kakao u.Ä.) nicht produziert werden konnten, ist die Selbstversorgung weitgehend gelungen.✱In den statistischen Jahrbüchern bleibt über alle Jahre der DDR hinweg eine gewisse Menge an Importgütern im Bereich landwirtschaftlicher Erzeugnisse, wobei es sich vornehmlich auf Südfrüchte etc. bezieht. Im Interview mit Hans Watzek wird klar, dass es tlw. auch Weizenimporte (auch aus nicht sozialistischem Wirtschaftsgebiet) gab. Dieses und weitere Interviews gibt es in unserem Interview-Archiv auf ifddr.org. Zur Planung und Entwicklung der Volkswirtschaft als Ganzes musste die Landwirtschaftsproduktion fest in das staatliche Wirtschaftsplanungssystem der DDR integriert werden. Der wichtigste Plan für den Bereich der Landwirtschaft war der ‘Plan des staatlichen Aufkommens landwirtschaftlicher Erzeugnisse’. Er sicherte sowohl die Versorgung der Bevölkerung als auch der Leichtindustrie mit Erzeugnissen und Rohstoffen aus der Landwirtschaft ab. Ein komplexer Erarbeitungsprozess ging dem endgültigen Beschluss eines Jahresplans als Arbeitsgrundlage der LPG und weiterer landwirtschaftlicher Betriebe voraus.
Zunächst wurde auf zentraler Ebene, in der staatlichen Plankommission, gemeinsam mit dem Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und der zentralen staatlichen Stelle für Erfassung und Aufkauf landwirtschaftlicher Produkte der Bedarf an Gütern und Erzeugnissen aus der Landwirtschaft ermittelt und daraus Orientierungsziffern für den Plan festgestellt. Darin enthalten waren Schwerpunkte für die Entwicklung der Produktion und des kulturellen und sozialen Fortschritts. Dieser Entwurfsplan ging zur Diskussion von zentraler Ebene weiter an die Bezirke, Kreise, Gemeinden bis hin zu den LPG und den weiteren sozialistischen Landwirtschaftsbetrieben. In der Richtung, von zentraler zu lokaler Ebene, wurden die Orientierungsziffern und die Möglichkeiten zu ihrer Erfüllung diskutiert, für die darunter liegenden Ebenen aufgeschlüsselt und Vorschläge zur Anpassung entwickelt. In umgekehrter Richtung wurden die Ergebnisse der Plandiskussionen zunächst in den LPG, dann den Räten der Kreise, den Räten der Bezirke und schließlich auf zentraler Ebene zusammengefasst und zu guter Letzt von der Volkskammer der DDR beschlossen. Erst jetzt wurden auf dieser Grundlage die finalen Betriebspläne der LPG in Kooperation mit den Räten der Kreise aufgestellt. Die Räte der Kreise bzw. die Bürgermeister der Gemeinden kontrollierten die Planerfüllung.
Zur demokratischen Organisation der LPG lagen neben dem 1959 beschlossenen LPG-Gesetz zentrale Musterstatute und Musterbetriebsordnungen vor, die auf die spezifischen Bedingungen einer LPG angepasst und von ihrem wichtigsten Organ, der Mitgliederversammlung beschlossen wurden. Alle zentralen Entscheidungen wurden auf diesen mindestens jährlich stattfindenden Beratungen getroffen. Die Mitgliederversammlung wählte einen Vorstand, einen Vorsitzenden der LPG, Leitungen für die verschiedenen Arbeitsbrigaden, legte die Arbeitsnormen fest, beriet und beschloss die Produktionspläne und entschied innerhalb eines vom Statut bestimmten Rahmens und in Absprache mit den Räten der Kreise über die Verwendung der finanziellen Mittel der LPG.
Die alltägliche Arbeit wurde, ebenso wie in den volkseigenen Betrieben der DDR, in Brigaden organisiert. In den LPG wurde die Arbeit unterteilt in Feldbaubrigaden, Traktorenbrigaden, Viehwirtschaftsbrigaden, Gartenbaubrigaden und sonstigen Brigaden bzw. ständigen Arbeitsgruppen für Bau- und Handwerker, Transportarbeiten sowie Hof- und Speicherarbeiten. Die Brigaden organisierten ihrerseits wiederum in der Regel monatliche Brigadeversammlungen. Hier wurden die Jahrespläne für die Brigade diskutiert, ihre Umsetzung besprochen, der Aufwand an Arbeitseinheiten, der Einsatz von Saatgut und Handelsdünger etc. aufgestellt.
Alle Arbeiten in der LPG wurden bewertet mit 0,8 bis 1,6 Arbeitseinheiten (AE). Die Arbeitseinheit funktionierte als Umrechnungsschlüssel, um die verschiedenen Arbeiten nach Bedeutung, Schwere und dafür nötiger Qualifikation einzuordnen. Komplizierte Arbeit wurde mit mehr Arbeitseinheiten bewertet als einfachere Arbeit. An einem normalen 8‑Stunden-Arbeitstag waren durchschnittlich 1,2–1,8 Arbeitseinheiten erreichbar. Eine Arbeitseinheit entsprach außerdem einem Geldwert, der sich aus der Gesamtsumme, der zur Verteilung an die Mitglieder verfügbaren erwirtschafteten Mittel und der Zahl der in der LPG geleisteten Arbeitseinheiten ergab. Staatlich abgesichert war ein Mindestwert von 7 Mark pro Arbeitseinheit. Da der Wert der AE erst nach Abschluss des Jahres genau feststand, war vorgesehen, im Laufe des Jahres je AE nur einen bestimmten Vorschuss auszuzahlen. Im Allgemeinen 70 Prozent des geplanten Wertes der AE.55 Solveig Leo, langjährige Vorsitzende einer Genossenschaft, erinnerte sich an Auseinandersetzungen über die Arbeitseinheiten:
„Abends wurde dann in der Regel auch eingeschätzt, wie die Leistung war und dementsprechend gab’s eine Tabelle an der Wandtafel in der LPG. Da wurden die Arbeitseinheiten eingetragen, also 1,1 oder 1,2 Arbeitseinheiten an dem Tag für jeden Namen. Das heißt jeder Genossenschaftsbauer konnte sehen wie viele Arbeitseinheiten sein Kollege da angeschrieben gekriegt hat. Und das hat natürlich auch Diskussionen gegeben, wenn einer nicht einverstanden war und gemeint hat er hat viel fleißiger gearbeitet als das in seiner Zahl da zum Ausdruck kam, dann hat er natürlich auch gefragt: warum hab ich nur 1,1 und der hat 1,3. Dann musste der Brigadier das erklären, warum.“56
Die erwirtschafteten Mittel der LPG wurden auf verschiedene Fonds aufgeteilt. Grob unterteilen lassen sich die unterschiedlichen Fonds in einen Konsumteil und einen Investitionsteil, also in Mittel, die zur einfachen und zur erweiterten Reproduktion der LPG aufgeteilt wurden. Konkret wurde unter anderem unterschieden in einen Grundmittelfonds (Wirtschaftsgebäude, Maschinen und Geräte mit langer Haltbarkeit, Eintrittsbeiträge der Genossenschaftsmitglieder etc.), Umlaufmittelfond, Investitionsfonds, Vergütungsfonds, Kultur- und Sozialfonds und weiteren mehr. Die Fondsverteilung wurde bereits mit der Aufstellung des Produktionsplanes gemeinsam mit dem Rat des Kreises abgestimmt.
Der nach 1945 zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion eingeführte doppelte Agrarpreis wurde ab 1964 schrittweise durch einheitliche Preise ersetzt. Zuvor wurde für landwirtschaftliche Erzeugnisse, die im Rahmen staatlich vorgeschriebener Quoten geliefert wurden, ein niedriger Preis verlangt, während für die über diese Quoten hinaus produzierten Überschüsse ein höherer Preis gezahlt wurde. Der deutliche Anstieg des Produktionsniveaus nach 1945 führte dazu, dass die Lieferquoten bereits früh im Jahr erreicht wurden und mit den Überschüssen hohe Einnahmen erzielt wurden. Der Anreiz, die Produktivität weiter zu steigern, nahm ab. Die neu eingeführten Festpreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse wurden auf einem hohen Niveau festgesetzt. Gleichzeitig entstanden den Genossenschaften höhere Kosten (z. B. weil sie nun selbst für den Kauf und die Wartung technischer Geräte verantwortlich waren).
Weitere Neuerungen bestimmten die wirtschaftlichen Aktivitäten der LPG. Zuvor wurden die landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Genossenschaften vom Volkseigenen Erfassungs- und Aufkaufbetrieb (VEAB) aufgekauft. Mit Ausnahme von Getreide und Hülsenfrüchten schlossen die Genossenschaften nun direkte Verträge mit größeren Verarbeitungsbetrieben ohne Einschaltung einer anderen staatlichen Organisation ab.
Wie auch in anderen Produktionsbereichen der DDR wurden neben den Jahresplänen und der täglichen Brigadearbeit inner- und zwischenbetriebliche sowie überregionale Wettbewerbe organisiert, um die Produktion weiter zu fördern. Ziel war es, zusätzliche Reserven zu mobilisieren, die Öffentlichkeit auf die Bedeutung der Landwirtschaft aufmerksam zu machen und das Bewusstsein für die kollektiven Ergebnisse der Arbeit zu schärfen. Ein Auszug aus einem 2015 erschienenen Buch von Thomas Kupfermann über die Geschichte und den Alltag der Landwirtschaft in der DDR verdeutlicht, wie viel öffentliche Aufmerksamkeit diesen Aktivitäten zuteil wurde:
Für das mechanisierte Einbringen der Feldfrüchte im großen Stil gab es – durch die Presse propagiert, ironisch aber auch in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen – das poetische Wort von der ‘Ernteschlacht’. Und die tüchtigen Männer – und auch Frauen –, die mit ihren Mähdreschern über die großen LPG-Felder rollten und zum Leid der Autofahrer ihre Maschinen auf den Landstraßen zum nächsten Einsatz fuhren, waren die ‘Erntekapitäne’. Alljährlich tobte die Schlacht, und die Medien begleiteten sie mit Schlagzeilen und Erfolgsmeldungen. ‘Hochbetrieb auf den Erntefeldern’, dann folgten Hektar- und Ertragszahlen, aktuelle Bild- und Text-Reportagen, Selbstverpflichtungen der Genossenschaftsbauern. Die LPG traten in bezirkliche Wettbewerbe, über die ebenfalls berichtet wurde, und am Ende der Ernteschlacht gab es Auszeichnungen für die Sieger und ihre Bilder in den ‘Straßen der Besten’ (Wandtafeln zur Ausstellung der Bestarbeiter). Jeder DDR-Bürger sollte aus Zeitungen und Nachrichten erfahren, wie viele Hektar Getreide gemäht oder wie viele Tonnen Zuckerrüben eingebracht worden waren, und kannte Losungen wie ‘Werktätige der Landwirtschaft! Wetteifert um hohe Erträge! Mehr Fleisch, Milch und Getreide für die Republik!’. In ähnlich hohem Ansehen wie die Mähdrescherfahrer standen die Traktoristen, die ein Bild für den technischen Fortschritt in der sozialistischen Landwirtschaft abgeben sollten.57
Hans Luft, Agrarwissenschaftler und ehemaliger Mitarbeiter des DDR-Landwirtschaftsministeriums, reflektiert über den kulturellen Wandel, den die neuen Produktionsverhältnisse des Genossenschaftssystems mit sich brachten:
„Durch die gemeinsame Arbeit in der Genossenschaft und die dabei neu auftauchenden Probleme wie der komplexe Einsatz von Maschinen zur schnellstmöglichen Einbringung der Ernte, Schwierigkeiten bei Reparaturen und Ersatzteilbeschaffung für die Landtechnik, Fertigstellung von Bau- und Meliorationsmaßnahmen, seuchenfreue Führung großer Tierbestände bauten sich schnell über Generationen währende Feindschaften in den Dörfern ab. Die Kinder der Bauern wuchsen in die neuen Produktionsformen hinein, mit neuen Erkenntnissen, Erfahrungen und vor allem höheren Qualifikationsstandards.“58
Genossenschaften als Triebkraft sozialer und kultureller Entwicklung
Die Aufgaben der LPG waren von Beginn an nicht auf die Landwirtschaftsproduktion beschränkt. Die LPG entwickelten sich zum zentralen Knotenpunkt der sozialen, kommunalen, kulturpolitischen und wirtschaftlichen Entwicklung auf dem Land. In Kooperation mit den Gemeinden und städtischen Betrieben errichteten die LPG Wohnungen, Kulturhäuser, Kindergärten und ‑krippen sowie Sportstätten. Sie besserten Straßen aus und legten neue an, installierten Wasserleitungen und Kanalisationssysteme, zogen Entwässerungsgräben, eröffneten Verkaufsstellen und Gaststätten. Die LPG knüpften an die Kulturarbeit der MTS an und entwickelten sie weiter. Auftritte von Theatergruppen, Jugendtanzabende, Sportveranstaltungen, Filmabende brachten kulturelles Leben in die Dörfer.
Darüber hinaus ermöglichten die LPG einen umfassenden sozialen Wandel für die Dorfbevölkerung. Der Historiker Wolfgang Mahlich hat die umfassenden Auswirkungen der Genossenschaften auf die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung untersucht:
„Mit der Überführung der Einzelbauern in LPG verringerten sich die physischen Belastungen der Bauern insbesondere die der Bäuerinnen — auf den Feldern, in den Ställen und Lagerhallen allein durch die gemeinschaftliche Arbeit, vor allem aber durch den Einsatz von Maschinen und kompletten Maschinensystemen.“59
Mahlich listet wichtige soziale Errungenschaften auf, die mit den Genossenschaften einhergingen:
- der Bezug von gleichem Lohn für gleiche Arbeit unabhängig von Alter und Geschlecht;
- die besondere Vergütung von Arbeiten an Sonn- und Feiertagen; — der Bezug von Krankengeld im Falle einer Erkrankung;
- der Bezug von Kindergeld für Genossenschaftsbauern mit Kindern;
- der bezahlte Urlaub mit der Möglichkeit, ihn in LPG-eigenen Heimen zu verbringen;
- die Verrichtung der Arbeiten — abgesehen von den Erntemonaten — innerhalb einer geregelten Arbeitszeit;
- die Erfassung sämtlicher Genossenschaftsbauern in einem einheitlichen Sozialversicherungssystem;
- die Möglichkeit, die Landambulatorien zwecks kostenloser medizinischer Betreuung aufsuchen zu können. Sie stand allen Landbewohnern offen.
- die “Befreiung” der LPG-Mitglieder von Lohnsteuerabgaben;
- die Gleichstellung der LPG-Mitglieder mit den Arbeitern und Angestellten im Sozial‑, Kranken- und Versicherungssystem.60
Nicht zuletzt verschwindet mit der genossenschaftlichen Arbeitsweise die im bäuerlichen Familienbetrieb normalisierte Kinderarbeit. Zentralschulen ersetzen die Einklassenschulen der Dörfer. Den Kindern und Jugendlichen stand das polytechnische Bildungssystem der DDR offen, das eine unabhängige Berufswahl ermöglichte, aber auch den Weg für ein landwirtschaftliches Studium öffnete. Für die Genossenschaftsbauern entstanden umfassende Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, von denen maßgeblich die Bäuerinnen profitierten. Sie konnten sich beruflich qualifizieren und verantwortungsvolle, leitende Aufgaben in den LPG übernehmen.
Die Agrarwissenschaftlerin und SED-Politikerin Margarete Müller berichtete über die schrittweisen Fortschritte, die ihr Dorf gemeinsam erzielt hatte:
„Ich lebe seit 1960 in Kotelow. Damals bin ich, mit 29 Jahren, zur LPG-Vorsitzenden gewählt worden. Als wir anfingen, gab es keine befestigten Straßen, die Stiefel blieben im tiefen Schlamm stecken. Stück für Stück haben wir dieses Dorf, sagen wir ruhig, zivilisiert und vorangebracht. Über jedes neue Haus, jeden neuen Stall, jede neue Scheune, über die Milchviehanlage, die Schweineställe, die wir gemeinsam errichtet haben, haben wir uns auch gemeinsam gefreut. Wir haben zusammen gefeiert und uns auch gemeinsam geärgert, wenn es nicht so lief, wie wir es uns wünschten. Wir waren eine Gemeinschaft. Und selbst im Sommer konnten Bauern in den Urlaub fahren, und die Kinder qualifizierten sich an Hoch- und Fachschulen und kamen mitunter wieder zurück, weil sie selbst in dem kleinen Kotelow für sich und ihre Familie eine Perspektive sahen.“61
Zwischen 1960 und 1990 schwankte der Anteil weiblicher Mitglieder in Genossenschaften ungefähr zwischen 40 und 45 %.62 Im Jahr 1963 betrug der Anteil der Menschen, die in der sozialistischen Landwirtschaft arbeiteten und einen Hochschulabschluss oder eine Berufsausbildung hatten, 18,1 %, während nur 8,5 % der in der Landwirtschaft tätigen Frauen einen Hochschulabschluss oder eine Ausbildung hatten. Bis 1984 lag dieser Anteil bei insgesamt 90,2 % und bei 88,6 % aller in der Landwirtschaft tätigen Frauen.63 Diese Zahl war international unübertroffen.64 Zeitzeugen beschreiben diesen deutlichen Anstieg des Bildungsniveaus der ländlichen Bevölkerung, insbesondere in den 1960er Jahren, und ihr garantiertes Recht auf berufliche Bildung und Hochschulbildung als Bildungsrevolution auf dem Land.65
Im Jahr 1966 waren 26 % aller Vorstandsmitglieder der LPGs Frauen; allerdings wurden nur 0,9 % aller Genossenschaften von Frauen geführt.66 In den LPG wurden konkrete Strukturen wie Frauenausschüsse und Frauenentwicklungspläne flächendeckend eingerichtet, um die Rolle der Frauen zu stärken, ihre Interessen zu vertreten und ihren Anteil an Führungspositionen zu erhöhen. In den folgenden Jahren stieg der Anteil von Frauen in Leitungsverantwortung deutlich an und erreichte 1978 35 %, was zum Teil auf die Verbesserung ihrer beruflichen und schulischen Qualifikationen zurückzuführen war. Dennoch wurden Frauen nur sehr selten Vorsitzende einer LPG.67 Im Jahr 1987 gab es nur 125 weibliche Vorsitzende.68 Trotz ihrer relativ niedrigen Repräsentation in Führungspositionen stellte die gleichberechtigte und unabhängige Mitgliedschaft in Genossenschaften eine historische und fundamentale Entwicklung für Bäuerinnen dar.
Es wurde eine Tendenz zur allmählichen Annäherung der Lebensbedingungen von Stadt und Land eingeschlagen. Die Genossenschaftsbauern hatten einen festen Platz in den politischen und demokratischen Strukturen der DDR. Die Demokratische Bauernpartei (DBD) als politisches Organ der Landbevölkerung und Bauern und die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) als ihre Massenorganisation waren fest in das demokratische System der DDR integriert. Sie hatten ihren Platz in der Nationalen Front und der Volkskammer der DDR. LPG-Beiräte bei den Räten der Kreise sicherten einen kontinuierlichen und direkten Austausch ab. Ebenso wie die regelmäßig stattfindenden Bauernkongresse, insbesondere auf Kreisebene, zur Diskussion über die Lage und weitere Entwicklung der Landwirtschaft und dem Leben auf dem Land. So entstand ein vielfach verflochtenes Netz aus Strukturen und Organen, dass den Bauern und der Landbevölkerung eine aktive Teilnahme zur Mitwirkung an dem politischen, sozialen und wirtschaftlichen System der DDR ermöglichte und die Landbevölkerung fest mit der arbeitenden Bevölkerung der Städte verband. Die Isoliertheit der ländlichen Bevölkerung und die politische Dominanz der Stadt über das Land wurden aufgebrochen.
Am 1. September 1960 wurde an der Leipziger Karl-Marx-Universität das Institut für tropische Landwirtschaft gegründet. Warum aber gründet sich in Deutschland, gelegen in einer kühlgemäßigten Klimazone, ein solches Institut? Der letzte inhaltlich verwandte Lehrstuhl in Deutschland unter dem Titel „Koloniale und ausländische Landwirtschaft“ wurde mit der erzwungenen Aufgabe deutscher Kolonien nach dem ersten Weltkrieg aufgelöst. Fortan bestand kein staatliches Interesse mehr an Forschung und Ausbildung zu tropischer Landwirtschaft. Das änderte sich mit der DDR, unter umgekehrten Vorzeichen. Die aus antikolonialen Kämpfen entstandenen jungen Nationalstaaten sollten auf dem Weg zur ökonomischen Befreiung aktiv unterstützt werden. Tausende Studenten aus über 60 Ländern aus dem Globalen Süden wurden am Leipziger Institut und einer Handvoll weiterer Ausbildungsstätten, wie der Agraringenieurschule für tropische Landwirtschaft in Altenburg oder dem VEB Interagrarkooperation, für die Entwicklung der Landwirtschaft in ihrer Heimat ausgebildet.
Ob Schweine-Spezialisten, die in Vietnam versuchten die Fruchtbarkeit des vietnamesischen Hängebauchschweines mit der Mastfähigkeit deutscher Rassen zu kombinieren, ein Tropenlandwirt, der in der Demokratischen Volksrepublik Jemen gemeinsam mit lokalen Verantwortlichen die ersten gründlichen statistischen Erfassungen der Viehproduktion vornahm, oder eine Gruppe aus 38 DDR-Spezialisten, die auf Grundlage eines Freundschaftsvertrages zwischen der DDR und Mosambik in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit lokalen Kräften dabei halfen eine Staatsfarm aufzubauen, wobei acht von ihnen von konterrevolutionären Kräften 1984 getötet wurden.69
Großprojekte, wie der mit 32 Millionen Rubel✱„Rubel“ bezieht sich auf den „Transferrubel“, eine bargeldlose Rechnungseinheit, die innerhalb des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) zur Regulierung des Handels und der Hilfe zwischen sozialistischen Staaten verwendet wurde. Er unterschied sich vom sowjetischen nationalen Rubel und wurde für den Ausgleich von Transaktionen zwischen Mitgliedstaaten wie der DDR und Vietnam verwendet. unterstützte Aufbau der ersten Kaffeeanbaugebiete in Dac Lac, Vietnam, auf deren Grundlage das Land zum zweitgrößten Kaffeeproduzenten der Welt aufstieg, stachen aus einer großen Anzahl von vielfältigen Solidaritätsaktivitäten hervor.70 Versendung von Traktoren, Landmaschinen oder Einrichtung von Reparaturwerkstätten wurden durch Spenden der DDR-Bürger finanziert, die auch von Bauern erbracht wurden. In tausenden Genossenschaften gründeten Bauern der DDR Solidaritätsaktivs und unterstützten beispielsweise Kampagnen wie „Bauern helfen den Bauern Vietnams“, um Sprühgeräte zu entsenden, mit deren Hilfe die durch die USA vergifteten landwirtschaftliche Kulturen entgiftet werden sollten.
Kooperation und Intensivierung — Der Weg zur industriemäßigen Großproduktion
Nach der Bodenreform und der Genossenschaftsbewegung begann im Laufe der 1960er Jahre eine dritte zentrale Phase der Entwicklung der Landwirtschaft, die bis zum Ende der DDR den strategischen Kurs bestimmte: Konzentration, Spezialisierung und Kooperation als Voraussetzung für eine industriemäßige Großproduktion auf dem Land. Auf Grundlage steigender Investitionskapazitäten und stabiler Erfahrungen mit der genossenschaftlichen Arbeitsweise entwickelten sich alle LPG nach dem Abschluss der Genossenschaftsbewegung 1960 allmählich zu TYP III-LPG. Durch einen Beschluss des Ministerrates von 1963 wurde die Technik der Maschinen-Traktoren-Stationen den LPG Typ III größtenteils kostenlos übergeben, die LPG Typ I und II konnten sie preisgünstig und auf Raten erwerben. Insgesamt kamen dadurch Traktoren und Maschinen im Wert von rund 1,8 Milliarden Mark in die LPG.71 Viele Arbeiter, Traktoristen und Techniker der MTS wurden Mitglieder der Genossenschaften. So konnte der Einsatz der Technik effektiver koordiniert und mit den Arbeitsabläufen der LPG abgestimmt werden. Schließlich vereinigten sich zudem LPG zu gemeinsamen, größeren LPG. Die Gesamtzahl der LPG sank, die bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche je LPG vergrößerte sich. Während es 1960 noch 19.313 Genossenschaften gab, die rund 5,4 Millionen Hektar Land bewirtschafteten, waren es 1988 nur noch 3.855, die die gleiche Fläche bestellten.72 Zusätzlich zu ihren Mitgliedern beschäftigten LPG Arbeiter und Angestellte, teilweise auch saisonal. Der Arbeitskräftebedarf wurde mit den Gemeinden und Kreisen und in den Wirtschaftsplänen abgestimmt.
Die Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft war aus mehreren Gründen notwendig. Die umfassendere Versorgung mit Nahrungsgütern aus eigener Produktion spielte eine zentrale Rolle. Darüber hinaus waren agrarische Rohstoffe für viele Industriezweige, die keine Nahrungsgüter herstellten, wichtige Produktionsgrundlage, wie z.B. in der Textil‑, Leder- und Rauchwaren‑, Zellstoff- und Papierindustrie, in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, der Holz- und Kulturwarenindustrie. Fast 65% des primären Rohstoffaufkommens der DDR wurden in der Landwirtschaft erzeugt.73 Nicht zuletzt versprach eine Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft die Möglichkeit, Arbeitskräfte freizusetzen, die in anderen Wirtschaftsbereichen eingesetzt werden konnten. Neben dem kontinuierlichen Ausbau des Maschinenbestandes war das stark steigende Ausbildungsniveau der Bauern und Landarbeiter eine wichtige Triebkraft zur Produktivitätssteigerung und ein notwendiges Fundament der weiteren Konzentration und Kooperation in der Struktur der Landwirtschaft.
Bereits in der Phase der Genossenschaftsbewegung wurden zwischen den entstehenden LPG einerseits und größeren Industriebetrieben, staatlichen und wissenschaftlichen Institutionen andererseits Patenschaftsverträge abgeschlossen, die die Entwicklung der LPG fördern und festigen sollten. Beispielsweise wurden organisierte Unterstützungen in Zeiten intensiver Erntezeiten oder bei Bauprojekten vereinbart, die zusätzlich das politische Ziel verfolgten, Arbeiter aus den Städten und Bauern näher zusammenzubringen. Die Verbindung war zu diesem Zeitpunkt allerdings noch vereinzelt und relativ lose. Nun sollten Abstimmungen für den Produktionsablauf und zur Weiterverarbeitung verbessert werden. Ab Anfang der 1970er Jahre wurden die Verflechtungen und die Zusammenarbeit auf horizontaler Ebene, d.h. zwischen Betrieben der gleichen Produktionsstufe und auf vertikaler Ebene, d.h. zwischen den Betrieben verschiedener Stufen in der Kette bis zum Verbraucher (Primärproduktion, Verarbeitung und Handel) wesentlich entwickelt und aufgebaut.
Es entstanden eine Vielzahl von Kooperationsgemeinschaften und Zwischenbetrieblichen Einrichtungen zwischen den juristisch und ökonomisch weiterhin eigenständig organisierten Genossenschaften und volkseigenen Betrieben. Beispiele für diese betrieblichen Schnittstellen waren die Agrochemischen Zentren, die Spezialaufgaben zur Düngung und zum Pflanzenschutz übernahmen, die Meliorationsgenossenschaften, die schwerpunktmäßig den Bau der Be- und Entwässerungssysteme organisierten, oder auch die Reparatur-Technik-Stationen bzw. Kreisbetriebe für Landtechnik, die die Folgeorganisationen der MTS wurden.
Auch in der Planung der Landwirtschaft wurden auf zentraler, örtlicher und auf Betriebsebene immer mehr die vor- und nachgelagerten Bereiche der Produktion miteinander verflochten. Für die LPG bedeutete das eine kontinuierlich tiefere Integration in die gesamtgesellschaftliche Planung und Leitung der Wirtschaft der DDR. Im besonderen Maße verkörperten die Mitte der 1970er Jahre entstandenen Agrar-Industrie-Vereinigungen (AIV) diese Tendenz. AIV waren eine institutionalisierte Form der vertieften Kooperation zwischen verschiedenen LPG, VEG, zwischenbetrieblichen Einrichtungen und den vor- und nachgelagerten Betrieben des Dienstleistungs‑, Be- und Verarbeitungssektors. Feste Organisations- und Leitungsstrukturen verbanden die einzelnen Betriebe miteinander. Insgesamt bildeten sich in der DDR 13 dieser Produktionskomplexe heraus, die zusammengenommen 6,6 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche der DDR bewirtschafteten.74 Hans Reichelt, langjähriger Landwirtschaftsminister, verteidigt den Weg zu einer industriemäßigen Landwirtschaftsproduktion unter den Bedingungen des Sozialismus:
„Hier wurde der Weg zur Bildung großer Einheiten beschritten – Kleinfelderwirtschaft ist so wenig effektiv wie die Haltung von Vieh in kleinen Ställen. Auch wenn jetzt der Einwurf kommt: Pfui, Massentierhaltung! Industriemäßige Produktion in der Landwirtschaft ist nicht a priori schlecht. Sie ist objektiv notwendig, um die Menschheit zu sättigen – das geht nicht mit Produktionsmethoden aus dem 19. Jahrhundert. Schlecht ist, wenn aus Gründen der Profitmacherei alle moralischen und ethischen Regeln inklusive Tierschutz ignoriert werden. Das hängt jedoch mit dem Charakter der Gesellschaft zusammen. Wenn Bauern von Großabnehmern gezwungen werden, ihre Erzeugnisse unter dem Herstellungspreis zu verkaufen, und wenn Aktionäre und Banken an den Börsen mit Lebensmitteln spekulieren, schlägt dies zwangsläufig auf die Produktion durch.“75
Konkrete Probleme, die sich aus der Tendenz zur Spezialisierung und aus Überspitzungen in der Großproduktion ergaben, führten Anfang der 1980er Jahre zu Debatten und Kurskorrekturen. Die Spezialisierung und Trennung von Pflanzen- und Tierproduktion störte den direkten Austausch von Naturdünger und Futtermitteln und führte zu logistischen Schwierigkeiten. Steigende Transportaufwendungen und Zusatzkosten für Großbetriebe belasteten die Produktion. In der Tierproduktion stieg der Aufwand für Veterinärhygiene und Seuchenvorbeugung spürbar an. Ökologische Probleme, die durch den übermäßigen Einsatz mineralischer Düngemittel bei gleichzeitiger Vernachlässigung organischer Alternativen entstanden waren, wurden im Laufe der Zeit korrigiert. Energieintensive Maschinensysteme waren anfällig für Energiepreisspitzen auf dem Weltmarkt, von denen die DDR insbesondere zu Beginn der 1980er Jahre betroffen war. Schließlich war die Frage nach den Grenzen der wissenschaftlichen Regulierung der Landwirtschaft als einem notwendigerweise von Umwelt- und biologischen Bedingungen abhängigen Bereich umstritten.
Obwohl die Tendenz zur immer stärkeren Kooperation zwischen den verschiedenen Betrieben und Integration in die gesamtgesellschaftliche Planung vorangetrieben wurde, war eine Überführung der LPG in Volkseigene Güter (VEG) bis zum Ende der DDR nicht geplant.
„Immer wieder fragen Besucher unserer Republik, ob und wann der Boden verstaatlicht wird. Diese Frage ist nicht aktuell, denn niemand denkt daran, die Eigentumsformen auf dem Lande zu verändern. Der größte Teil des Bodens ist persönliches Eigentum der Bauern. Seine genossenschaftliche Nutzung, die Verteilung seines Ertrages an die LPG-Mitglieder entsprechend ihrem Anteil an der geleisteten Arbeit, schafft alle Möglichkeiten, die entwickelte sozialistische Gesellschaft weiter zu gestalten.“76
Eigentum an Boden, sofern es nicht Teil des Bodenreformlandes war, konnte verkauft werden. Der Staat behielt das Vorkaufsrecht. Land aus dem Fonds der Bodenreform konnte lediglich vererbt werden. Geschah dies nicht, wurde das Land an den staatlichen Bodenfonds zurückgegeben. Der Staat übergab es der jeweiligen LPG zur Nutzung. Der Tendenz nach vergrößerte sich mit diesen Regelungen der Anteil des staatlichen Eigentums am Boden langsam, aber stetig. Die feste und immer engere Integration der LPG und Genossenschaftsbauern in die einheitlichen Strukturen der Wirtschaftsplanung und Demokratie der DDR verhinderte, dass das Privateigentum am Boden eine ökonomische Bedeutung entfalten konnte. Auf das Bewusstsein der einzelnen Bauern konnte es allerdings weiter eine Wirkung haben. Ein Indiz dafür, dass die Frage des Bodeneigentums und die Aufgabe zur Überführung der LPG in volkseigene Güter früher oder später von der Entwicklung selbst aufgeworfen würde, sind Widersprüche zwischen den Kompetenzen der großen Produktionseinheiten, wie den AIV und staatlichen Organen, wie Klaus Schmidt, ehemaliger Leiter des Instituts für Agrarökonomie der DDR, betont:
„Besonders dort, wo die AIV das Territorium eines ganzen Kreises bewirtschafteten oder ihr Einflussbereich sogar über die Kreisgrenzen hinaus reichte, zeigte sich die Tendenz, dass sie immer stärker Hoheitsaufgaben der staatlichen Organe an sich zogen. Als ein grundlegendes Problem stellte sich mit zunehmender Entwicklung die Frage nach der Perspektive und der Entfaltungsmöglichkeiten der in die AIV einbezogenen Einzelunternehmen im Sinne des Erhalts ihrer Eigenständigkeit.“77
Es waren solche Widersprüche und Probleme, wie auch die als Fehler erkannte Trennung der Pflanzen- und Tierproduktion in den 70er Jahren, die eine lebendige Diskussion und Entwicklung der Landwirtschaft ergeben mussten. Auch die Frage des Bodeneigentums und der Eigenständigkeit bzw. der noch weitergehenden Integration und Zentralisierung der LPG wäre, sofern die DDR fortexistiert hätte, sicherlich Gegenstand der politischen Auseinandersetzung geblieben. Solange die SED und die weitverzweigten demokratischen Strukturen auf dem Land – von den Landwirtschaftsbeiräten auf allen politischen Ebenen der DDR (Gemeinden, Kreise, Bezirke, zentrale Ebene), über die Organisationen der Bauern (Bauernkongress, Demokratische Bauernpartei, Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe) bis hin zu den zahlreichen wissenschaftlichen Einrichtungen, insbesondere der Akademie für Landwirtschaftswissenschaften und den zahlreichen Publikationen für die Landwirtschaft – diesen Widersprüchen und Aufgaben beweglich, selbstkritisch und aktiv begegneten, waren sie in der Lage, die Entwicklung voranzutreiben.
Rückkehr zum Kapitalismus
Im Sommer 1990, nach Inkrafttreten der Währungs‑, Wirtschafts- und Sozialunion kam es zum rapiden Preisverfall und einer Absatzkrise für Produkte aus der DDR-Landwirtschaft. Die Bauern organisierten zum Teil spektakuläre Proteste zur Rettung ihrer Wirtschaften.
Dabei erhoben sie auch Forderungen zum Erhalt der Genossenschaften und der Sicherung der Ergebnisse der Bodenreform. „Wir wollen nicht wieder dort beginnen, wo wir oder unsere Eltern in den 1950er Jahren aufgehört haben“, war vielfach die Haltung der Bauern.78 Die Kehrtwende zurück zu kapitalistischen Verhältnissen war ab 1990 das verordnete politische Programm für die gesamte DDR-Wirtschaft. Begonnen hatte damit bereits die letzte CDU-geführte DDR-Regierung, mit der sogenannten Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wird die eilige Privatisierung und Abwicklung der Wirtschaft der DDR zum umfassenden Regierungsprogramm. Die radikale Umwälzung, die die Landwirtschaft in 45 Jahren erlebt hatte, stellte diese Pläne allerdings vor besondere Herausforderungen. Klaus Schmidt, ehemaliger Leiter des Instituts für Agrarökonomie der DDR, urteilte:
„Im Zuge des Transformationsprozesses gab es strukturell wohl in keinem anderen zu integrierenden Wirtschaftszweig so große Unterschiede zwischen West und Ost wie in der Landwirtschaft.“79
1990 bestanden in der DDR 464 Volkseigene Güter (VEG), die 7 % der Landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschafteten. Die 3844 LPG bildeten den herausragenden Schwerpunkt der Landwirtschaftsproduktion.80 Die auf Pflanzenproduktion spezialisierten LPG umfassten durchschnittlich 4500 ha, es waren in der DDR kolossale Landwirtschaftsbetriebe entstanden.81 Die DDR-Landwirtschaft musste aus Sicht der Abwickler aus dem Westen privatisiert und wettbewerbsfähig gemacht werden. Maßstab der Umwandlung waren die in Westdeutschland vorherrschenden familiären Einzelbetriebe und das Ziel der Rückgängigmachung der Eigentums- und Strukturveränderungen der DDR.
Zunächst stellte sich die Frage, ob auch die durch die Bodenreform durchgesetzte Enteignung rückgängig gemacht werden sollte. Ob also die Alteigentümer, die Großgrundbesitzer, Nazi- und Kriegsverbrecher, Ansprüche auf ihr ehemaliges Bodeneigentum geltend machen könnten. Die letzte PDS-Führung unter Hans Modrow, ebenso wie die Bauern der DDR setzten sich vehement für den Erhalt der Ergebnisse der Bodenreform ein.✱Im Februar fand eine Namensänderung der SED statt. Sie hieß nun PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus).
Schließlich wurde zwar festgelegt, dass die Entscheidungen der Besatzungsmacht, und insofern auch die Bodenreform, nicht Rückgängig gemacht werden dürfen. Trotz dessen wurden in den 1990er Jahren rund 70.000 Erben von Bodenreformland mit dem Argument entschädigungslos enteignet, dass sie zum Zeitpunkt der Wende selbst nicht Mitglieder einer LPG oder darüber hinaus in der Landwirtschaft tätig waren.82 Darüber hinaus wurde durch das Entschädigungs- und Ausgleichgesetz (EALG) der vergünstigte Rückerwerb zumindest eines Teils der früheren Besitztümer der „Bodenreformopfer“ ermöglicht. Land konnte demnach auch von Verwandten vierten Grades für 65 % des Verkehrswertes erworben werden.83
Das volkseigene Bodeneigentum der DDR ging zum Zweck der Reprivatisierung zunächst in Eigentum der Treuhandanstalt (THA) und später an die Bodenverwertungs und ‑verwaltungs GmbH (BVVG) über. Dazu zählten neben den Flächen der Volkseigenen Güter (VEG) auch bedeutende Bodenanteile aus den LPG. Die DDR hatte ungenutzte staatliche Flächen den LPG zur Nutzung überlassen. Bodeneigentum ausscheidender LPG-Mitglieder, das nicht vererbt wurde, ging in Volkseigentum über. So hatte sich der Anteil an staatlichem Bodeneigentum im Verlauf der DDR kontinuierlich erhöht. Rund ein Drittel der gesamten Landwirtschaftlichen Nutzfläche der DDR war im Jahr 1990 volkseigen.84 Der von den LPG bewirtschaftete Boden bestand nur zu 55% aus eigenbrachten Bodeneigentum der LPG-Mitglieder.85 Wollten ehemalige LPG, nun unter neuer Rechtsform, weiterbestehen, mussten sie zusehen die Flächen, die zwar zu ihrer Wirtschaftsstruktur gehörten aber nun Eigentum der Treuhandanstalt waren, zu pachten. Darüber entstand ein wichtiger Hebel, um die bestehenden LPG-Strukturen aufzulösen. Zudem mussten sie den Rechtsformwandel in kurzer Zeit bis Ende 1991 bereits abgeschlossen haben.
Die Möglichkeit die LPG als eingetragene Genossenschaft (eG) oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) fortführen zu können, wurde den Genossenschaftsbauern nicht leicht gemacht. Insbesondere Anfang der 1990er Jahre verkaufte oder verpachtete die Treuhandanstalt ihren Bodenbesitz bevorzugt an Alteigentümer und westliche Landwirte.86 Ihre Prioritätensetzung sah vor die ehemals volkseigenen Flächen zunächst an private Wiedereinrichter („Bodenreformopfer“, LPG-Aussteiger oder „Restitutionsberechtigte“), an zweiter Stelle an ortsansässige Neueinrichter, d.h. ostdeutsche Hofgründer, an dritter Stelle an LPG-Nachfolger und zuletzt an ortsfremde Neueinrichter zu verkaufen oder zu verpachten.87 Der Schwerpunkt der Transformationsstrategie der Bundesrepublik lag zu Beginn auf Liquidierung der LPG und Umwandlung in Einzelwirtschaften.
Die Etablierung kapitalistischer Produktionsverhältnisse endete nicht mit der Enteignung und Privatisierung des Volkseigentums und der Änderung der Rechtsformen der ehemaligen LPG. Günter Heller, Sachverständiger für die Umstrukturierung landwirtschaftlicher Unternehmen ab 1992 kam zu folgendem Schluss:
„In vielen Fällen mussten „Köpfe“ umgekrempelt werden. Ein Bruch mit den Traditionen und Gewohnheiten der DDR-Vergangenheit musste erfolgen. Oft musste in den neuen Betrieben das Management ausgewechselt werden, denn nur die Rechtsform zu ändern, hätte nichts verbessert.“88
In der DDR war der Absatz der landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu festen Preisen garantiert. Schlagartig mussten sich die Bauern an den Erfordernissen des Marktes, den Absatzmöglichkeiten und Preisbedingungen anpassen. Die eng verwachsenen Verflechtungen mit den Kommunen und den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen wurde aufgebrochen. Am heftigsten zeigte sich diese Umstellung auf marktkonforme Produktion im massiven Arbeitsplatzverlust in der ostdeutschen Landwirtschaft. Von den ehemals 923.000 in der Landwirtschaft Beschäftigten der DDR wurden bis 1993 durch die Einführung der Marktwirtschaft 743.900 Arbeitskräfte abgebaut, 4 von 5 mussten gehen.89 Eine regelrechte Landflucht, insbesondere der jüngeren und qualifizierten Kräfte, begleitete den massiven Abbau der Versorgungsinfrastruktur auf dem Land, die bis zur Gegenwart andauert.85 Die umfassenden, zumeist den LPG angegliederten sozialen und kulturellen Strukturen hielten dem Profitabilitätsdruck nicht stand.
„Das schlimmste war, neben diesem notwendigen Finden der zukünftigen Struktur, dass die Arbeitskräfte entlassen wurden. Bei uns waren das ungefähr 90% der Leute, die nach Hause geschickt wurden. Der ganze Reparaturbereich, die Werkstätten, […] die Betriebsküchen, die Kulturhäuser – alles, was den sozialen Bereich anging – das war von heut auf Morgen weg. Und die Leute waren zu Hause und haben nach anderen Möglichkeiten gesucht. Am schlimmsten fand ich, dass die Männer mit 55 Jahren nach Hause geschickt wurden. […] Nun stellen sie sich mal vor: Nen Mann mit 55 sitzt zu Hause und die Frau hat vielleicht noch das Glück, dass sie arbeiten kann, das ist ne Katastrophe in der Familie. Die werden nicht mehr gebraucht. Die waren so lange der Stabilitätsfaktor in der Familie und auf einmal will die keiner mehr haben. Und wo gehst du hin aufm Land? Es war ja in dem Moment nichts greifbar.“90
Trotz der umfassenden Transformation der Landwirtschaft drückt die Entwicklung der DDR dem Antlitz der Landwirtschaft bis heute ihren deutlichen Stempel auf. Die stark unterschiedliche Landwirtschaftsstruktur zwischen Ost und West bezeugen die grundverschiedene Geschichte der DDR und der Alt-BRD. Im Jahr 2020 bewirtschafteten 3.900 „Juristische Personen“ (GmbH, eG, GbR, u.a.) – vielfach direkte Nachfolgebetriebe der LPG – ca. die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche im Osten.91 Es sind nominell fast genau so viele wie es LPG gab im letzten Jahr der DDR. Allerdings bewirtschaften sie nur rund die Hälfte der Fläche der ehemaligen LPG. Im Westen dominieren die Einzelunternehmen (Familienbetriebe und Personengesellschaften) die Landwirtschaftsstruktur vollkommen. Die Landwirtschaftsbetriebe im Osten Deutschlands bewirtschaften durchschnittlich sehr viel größere Flächen als im Wesen.92 Während im Osten 68 % der Fläche in Betrieben mit über 500 ha bewirtschaftet werden, sind es im Westen nur 2 %.93
Bis heute hält die „marktkonforme“ Privatisierungs- und Verpachtungspolitik der BVVG an. Längst hat Bodenspekulation im Osten Einzug gehalten, die auch die Pachtgebühren in die Höhe treiben lässt und bis heute die tradierten Landwirtschaftsstrukturen im Osten Deutschlands zersetzt.
Dieter Wolff, Agraringenieur und Ökonom, fasst pointiert zusammen, wie dieser Strukturwandel der Landwirtschaft von vielen ostdeutschen Landwirten wahrgenommen wurde:
„Die Unruhen und Spannungen zur Zeit der ‘Wende’ im Jahr 1989 gingen natürlich auch an unserer LPG nicht vorüber. Wie wohl alle ehemaligen DDR-Bürger habe ich die aufgedeckten Fehler der Partei- und Staatsführung mit Entrüstung zur Kenntnis genommen. Es war für mich zugleich aber unfassbar, wie nun auch alle guten Seiten der DDR-Erfahrung pauschal als schlecht oder unrecht dargestellt wurden. […] Sehr vieles, was wir in der sozialistischen Genossenschaft über Jahrzehnte lernten und praktizierten, kommt uns heute zugute. Und der Unterschied zu früher? Haben wir uns damals oft über die ständigen Einmischungsversuche übergeordneter Leitungen ins Wirken der LPG geärgert, so hat heute eigentlich nur einer etwas wirklich zu sagen: die Bank.“94
Fazit
In einer – menschheitsgeschichtlich betrachtet – kurzen Zeitspanne von einem knappen halben Jahrhundert zeigen sich in Ostdeutschland, wie in einem Brennglas, epochale Brüche der Lebens- und Wirtschaftsbeziehungen auf dem Land. Von den Überresten einer halbfeudal-hierarchisierten Sozial- und Eigentumsordnung hin zu einer gemeinschaftlichen, auf Kooperation basierenden Arbeits- und Lebensweise und schließlich zurück zu einer privatkapitalistischen Konkurrenzwirtschaft auf dem Land. In exemplarischer Weise gibt die Landwirtschaftsgeschichte im Osten Deutschlands damit Aufschluss über den bestimmenden Charakter der Eigentums- und Machtverhältnisse auf die Lebens- und Arbeitsbeziehungen der Menschen. Ohne Blaupause für die weltweit sehr unterschiedlichen politischen und ökonomischen Ausgangsbedingungen auf dem Land, werden dennoch Grundlinien erkennbar, die entscheidende Anhaltspunkte zum Verständnis gegenwärtiger Entwicklungen und zum Aufstellen politischer Strategien sein können.
Die Bodenreform schaffte die unabdingbare Voraussetzung für jedwede grundlegende Veränderung auf dem Lande. Die politische und wirtschaftliche Macht der über Jahrhunderte dominierenden Eigentümerschichten wurde gebrochen. Erst mit der Zerschlagung ihrer Herrschaft konnten neue Beziehungen aufgebaut werden und wachsen. Die Bodenreform beendete mit der Enteignung des junkerlichen Großgrundbesitzes die Vorherrschaft feudaladliger und agrarkapitalistischer Schichten und mit ihr ebenfalls ihre gesellschaftlich dominante Rolle. Landarbeiter, landlose und landarme Bauern und die einfache Dorfbevölkerung wurden aus dem System ökonomischer Ausbeutung und halbfeudaler Entrechtung befreit. Aus Unterdrückten wurden aktive Gestalter der Landwirtschaft und des Dorflebens. Zu diesem tiefgreifenden Wandel waren die politischen Führungen des bürgerlich-kapitalistischen Deutschland bis dahin nicht bereit und nicht in der Lage. Erst unter Führung der Parteien der Arbeiterbewegung und unter der Voraussetzung der sowjetischen Besatzungsmacht wurde die bürgerliche Bauernbefreiung in diesem Teil von Deutschland durchgesetzt. Zugleich wurde die Bodenreform verbunden mit einer deutlichen Parteinahme für die Interessen der werktätigen Schichten der Bauern. Die erneute Entstehung von Großgrundbesitz wurde verhindert, die gegenseitige Hilfe, kollektive und demokratische Arbeits- und Denkweisen zwischen den Landwirten befördert. Indem sie also gesamtgesellschaftliche Entwicklungen antizipierte, wies die Bodenreform bereits über ihren bürgerlich-kapitalistischen Rahmen hinaus.
Die darauf aufbauende Etappe der Genossenschaftsbewegung ist ein Lehrstück für die Kompliziertheit und Widersprüchlichkeit eines gesamtgesellschaftlichen Entwicklungsprozesses, in dem ein Wandel im Denken und Handeln der Akteure entscheidend für sein Gelingen ist. Die SED musste kontinuierlich das Verhältnis zwischen strategischem Ziel und den widersprüchlichen Ausgangsbedingung austarieren, Fehler und Härten blieben dabei nicht aus. Voluntarismus einerseits und passiver Selbstlauf andererseits bargen die Gefahr, entweder den Blick für die gesellschaftlichen Realitäten oder die notwendige und aktive Gestaltungsrolle zu verlieren. Äußere und innere Bedingungen, die feindlichen Aktivitäten des imperialistischen Lagers, der Bewusstseinsstand der Bauern, Notwendigkeiten und Perspektiven der wirtschaftlichen Entwicklung mussten stetig neubewertet werden, um die Geschwindigkeit und Führungsrolle in diesem umfassenden Entwicklungsprozess zu bestimmen. Die Kompliziertheit des Weges, die Langwierigkeit mancher Prozesse, insbesondere im Denken der Menschen, das Einwirken und Sabotieren der politischen Gegner, mussten beachtet und darauf reagiert werden. Dies verlangte nach einem hohen Maß an Beweglichkeit und Zielklarheit, aber auch an Fähigkeit zur Selbstkritik, das die politisch Verantwortlichen über weite Strecken und im Wesentlichen aufwiesen.
Soziale Härten und vereinzelte Verletzungen des Prinzips der Freiwilligkeit, zu denen es im Verlauf der Genossenschaftsbewegung kam, lassen sich nur im Zusammenhang mit der widersprüchlichen und komplizierten Ausgangslage erklären. Gegenüber der Gesamtentwicklung verblassen die Fehler. Ohne die aktive und vorantreibende Rolle der Bauern wäre der Schritt zur Genossenschaft unmöglich gewesen. Erzählungen wie die einer „Zwangskollektivierung“, die den öffentlichen Diskurs in Deutschland dominieren, verfolgen nicht die Absicht, die Prozesse in der DDR zu verstehen, sondern sie mit antikommunistischen Etiketten zu versehen. Die Abwendung von der Dominanz des Privateigentums ist aus bürgerlicher Perspektive prinzipiell zu verurteilen. Anhand von Einzelschicksalen, in denen es durchaus auch tragische Konflikte und Verwicklungen gab, soll der Blick auf das Ganze verstellt und eine ernsthafte und auf historischen Tatsachen beruhende Beschäftigung unterbunden werden. Ein Muster der Geschichtsbewältigung mit dem Realsozialismus, das uns auf vielen Gebieten begegnet.
Durch den Zusammenschluss der Bauern aller Größenordnungen und ihre enge Eingliederung in die staatliche Gesamtplanung wurde die Unsicherheit der individuellen wirtschaftlichen Existenz, die zur „Freiheit“ des Privateigentums und des Wettbewerbs notwendig dazugehört, überwunden. Der Aufbau der genossenschaftlichen Produktion auf dem Land war Teil der Durchsetzung sozialistischer Produktionsverhältnisse und ein entscheidender Baustein dafür, dass die DDR sich als sozialistischer Staat einheitlich entwickeln konnte. Positionen, die in der Fortexistenz des genossenschaftlichen Eigentums neben dem Volkseigentum wesentliche Hindernisse zur Vertiefung planwirtschaftlichen Beziehungen sehen, werden durch die Entwicklungen der DDR nicht bestätigt. Zwar wiesen die Erfahrungen der Agrar-Industrie-Vereinigungen auf zu lösende Widersprüche zwischen den verschiedenen Eigentumsformen durchaus hin, allerdings waren die Genossenschaften durch gemeinsam entwickelte Pläne und damit verbindliche Absprachen zur Fondverteilung, so wie dem Festpreissystem bereits tief in die gesamtwirtschaftlichen Vorgänge der DDR integriert. Wirtschaftliche Eigenständigkeit bestand im gewissen Maße in Hinblick auf die inneren Belange der Genossenschaften, konnte aber keine wesentliche Wirkung auf die Gesamtwirtschaft der DDR entfalten.
Die genossenschaftliche Arbeits- und Lebensweise hat die Dörfer demokratisiert, indem soziale Unterschiede aufgehoben wurden, hat die Freizeit der Dorfbevölkerung ausgebaut und umfassende Möglichkeiten zur kulturellen, sportlichen und sozialen Aktivität befördert. Kulturhäuser, Kinderkrippen, Dorfläden, Essensversorgung, flächendeckende medizinische Versorgung, Weiterbildungsmöglichkeiten, Ferienplätze, Sport- und Musikgruppen und weiteres mehr gehörten fest zur Infrastruktur der Dörfer und Gemeinden. Es war die Landbevölkerung selbst, oftmals organisiert durch die LPG, die maßgeblich am Aufbau dieser Strukturen beteiligt und insofern eng damit verbunden war.
Die DDR konnte ihren Bedarf an Produkten aus der Landwirtschaft, im Rahmen der geographisch-klimatischen Bedingungen, was beispielsweise Südfrüchte oder Kaffee ausschloss, im Wesentlichen eigenständig produzieren. Hunger und wirtschaftliche Existenzsorgen der Bauern wurden auf Basis der politischen Ordnung der DDR und der Entwicklung in der Landwirtschaft zu Fremdwörtern. Zum Ende der DDR fehlten, wie in der Breite der Produktionsbasis, die Mittel zur Modernisierung der technischen Grundlagen der Landwirtschaft. Nichtdestotrotz gibt die Orientierung auf eine hochtechnisierte, industriemäßige Landwirtschaftsproduktion Anstöße für eine Diskussion über Großproduktion und Technisierung in der Landwirtschaft. Mit Blick auf den allgegenwärtigen Raubbau an der Natur und die Marktdominanz von Agrarmultis wird von Einigen die Perspektive in der Kleinproduktion gesehen. Der Weg der DDR weist eine Entwicklungsrichtung, die bei Vermeidung der negativen Erscheinungen steigende Erträge bei sinkendem Arbeitskräftebesatz erzielen konnte.
Der jähe Abbruch dieser Entwicklung 1990 führt mit aller Deutlichkeit Wesensmerkmale der kapitalistischen Umgestaltung vor: Privatisierung, Abbau „unprofitabler“ sozialer und kultureller Infrastruktur, Bodenspekulation, Landflucht. Nach 1990 waren die Bauern wieder auf sich allein gestellt: Absatzschwierigkeiten, Preisdruck und Marktkonkurrenz brachten existenzielle Sorgen zurück. Der Abbau von Infrastruktur auf dem Land stärkt die Tendenz zur Vereinzelung. Der Zugewinn an Entscheidungsfreiheit, die die Rückkehr der Dominanz des Privateigentums für den eigenen Hof bedeuten mochte – stets beschränkt durch die Sachzwänge des Marktes –, geschah auf Kosten einer Rolle als Mitgestalter der Gesellschaft. Eigenständig mussten und müssen sich die Bauern durch das Chaos der Abwicklung, Privatisierung und scharfen Wettbewerbsbedingungen kämpfen. Nicht wenige treibt es heute wieder in Opposition zur herrschenden Politik, die keine sichere Perspektive für ihre Betriebe entwickeln kann. Mit der kapitalistischen Restauration kamen auch die „billigen“, meist migrantischen Erntehelfer und Landarbeiter, kam die wachsende Ungleichheit zurück. Boden liegt als Spekulationsobjekt brach, anstatt Lebensmittel zu produzieren. Der Profit ist zum bestimmenden Faktor der Landwirtschaft geworden. „Das Land denen, die es bearbeiten“ steht heute auch im Osten Deutschlands wie in weiten Teilen der Welt, unter sehr anderen Vorzeichen als 1945, wieder auf der Tagesordnung.
Bilder 5, 6, 7, 12, 13, 14, 24, und 25: Unbekannte Fotografen, in Autorenkollektiv, Früchte des Bündnisses – Werden und Wachsen der sozialistischen Landwirtschaft der DDR. Berlin: Dietz Verlag, 1985.
Bild 1: Donath, Otto. ADN-ZB / Donath, Podelzig, 1945. Ohne Datum. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183-N0816-313 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 2: Höhne, Erich and Pohl, Erich. Bodenreform in der SBZ. 11. September 1945. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183–32584-0002 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 3: Unbekannt. Plakat herausgegeben vom Zentralkomitee der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands). 1945. Plakat.
Bild 4: Unbekannt. SLUB / Deutsche Fotothek. Ohne Datum. Foto. Freier Zugang — Rechte vorbehalten 1.0.
Bild 8: SED Verlag für Agitations- und Lehrmaterialien. Dem Sozialismus gehört die Zukunft. Werktätige Einzelbauern werdet Mitglieder der LPG. 1979. Plakat. © Sammlung DDR Museum, Berlin.
Bild 9: Zentralbild / Unbekannt. LPG Blochwitz, Festakt, Eintritt in LPG. 26. Januar 1953. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183–18079-0002 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 10: Biscan, Wilhelm. LPG Sabke, Grundsteinlegung. 19. Mai 1954. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183–24684-000 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 11: Klein. LPG Schönfließ, Blick auf den Bauplatz. 19. Oktober 1955. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183–33546-0003 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 15: Pietsch. LPG Neubredersdorf, Buchführung. Oktober 1954. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183–16767-0001 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 16: Klein. LPG Schönemark, Berlin, Kassenprüfung. 16. Oktober 1956. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183–42037-0009 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 17: Leske, Peter. LPG Groß Beuchow, Frauen bei Kartoffelernte. 15. September 1961. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183–86381-0001 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 18: Unbekannt. LPG Neßdorf, Melkerbrigade. 21. September 1961. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183–86543-0001 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 19: Bartocha, Benno. LPG Priborn, Jahreshauptversammlung. 9. Januar 1973. Foto. Bundesarchiv, Bild 183-M0109-0030 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 20: Löwe. LPG Jahna, Spielplatz des Kindergartens. 11. August 1958. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183–57461-0015 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 21: Gahlbeck, Friedrich. Stollberg, Schulung für Bäuerinnen. 2. Februar 1962. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183–90211-0001 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 22: Liebers, Peter. LPG Öttersdorf, Mechanisatorin. 8. Juni 1978. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183-T0608-0003 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 23: Schaar, Helmut. LPG Mansfeld, Solidaritätsbekundung mit Vietnam. 26. Juli 1972. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183-L0725-0030 / CC-BY-SA 3.0.
Bild 26: Kluge, Wolfgang. Leipzig: Bauernprotest. 10. Juli 1990. Foto. Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183‑1990-0710–019 / CC-BY-SA 3.0.
- FAO, IFAD, UNICEF, WFP, und WHO, The State of Food Security and Nutrition in the World 2024 – Financing to End Hunger, Food Insecurity and Malnutrition in All Its Forms [Der Zustand der Ernährungssicherheit und Ernährung in der Welt 2024 – Finanzierung zur Beseitigung von Hunger, Ernährungsunsicherheit und Mangelernährung in all ihren Formen] (Rom: FAO, 2024), https://openknowledge.fao.org/items/ebe19244-9611–443c-a2a6-25cec697b361, 3.[↩]
- FIAN Switzerland, Fact Sheet Nahrungsmittelspekulation, aufgerufen 12. April 2023, https://fian-ch.org/content/uploads/Fact_Sheet_Nahrungsmittelspekulation.pdf.[↩]
- Sarah K. Lowder, Marco V. Sánchez, und Raffaele Bertini, Which Farms Feed the World and Has Farmland Become More Concentrated? [Welche landwirtschaftlichen Betriebe ernähren die Welt und hat sich die Konzentration von Ackerland verstärkt?], World Development, 142, 1. Juni 2021: 105455, https://doi.org/10.1016/j.worlddev.2021.105455; Roman Herre, Fünf Agrarkonzerne beherrschen den Weltmarkt, Heinrich Böll Stiftung, 10. Januar 2017, aufgerufen 12. April 2023, https://www.boell.de/de/2017/01/10/fuenf-agrarkonzerne-beherrschen-den-weltmarkt.[↩]
- Hermann Matern, 10 Jahre Bodenreform, Neues Deutschland, 03.09.1955.[↩]
- Aaron O’Neill, Population of Germany 1800–2020 [Bevölkerung Deutschlands von 1800 bis 2020], Statista, aufgerufen 17. Juni 2024, https://www.statista.com/statistics/1066918/population-germany-historical/.[↩]
- Gemeinden mit mehr als 2.000 Einwohnern wurden als Städte betrachtet. Volker Klemm et al., Von den bürgerlichen Agrarreformen zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR (Berlin: VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, 1985), 55.[↩]
- Klemm et al., Von den bürgerlichen Agrarreformen, 55, 33, 75, 76.[↩]
- Klemm et al., Von den bürgerlichen Agrarreformen, 33.[↩]
- Klemm et al., Von den bürgerlichen Agrarreformen, 30.[↩]
- Friedrich Engels, Die Bauernfrage in Frankreich und Deutschland, in MEW Band 22, 504f.[↩]
- Siegfried Kuntsche, Bodenreform in einem Kernland des Großgrundbesitzes, in Hans Modrow, Hans Watzek (Hrsg.), Junkerland in Bauernhand (Berlin: edition ost, 2005),110.[↩]
- Kuntsche, Bodenreform, 101.[↩]
- Klemm et al., Von den bürgerlichen Agrarreformen, 142.[↩]
- Rede von Joseph Goebbels im Januar 1936, zitiert von Kurt Bauer, Nationalsozialismus: Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall (Wien: UTB, 2008), 306.[↩]
- Autorenkollektiv unter Leitung von Gerhard Grüneberg, Von der gegenseitigen Bauernhilfe zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR (Berlin: Dietz Verlag, 1965), 11.[↩]
- Klemm et al., Von den bürgerlichen Agrarreformen, 163.[↩]
- Hans Watzek, Der Streit um die Reform, in Junkerland in Bauernhand (Berlin: edition Ost, 2005), 16.[↩]
- Frank Schuhmann, Edwin Hoernle (1883–1952), in Modrow, Hans und Watzek, Hans, Junkerland in Bauernhand (Berlin: edition Ost, 2005), 75.[↩]
- Gerhard Henkel, Bodenreformsiedlungen des 20. Jahrhunderts in Westfalen, in Westfalen Regional, vol. 35, Heineberg, H., Münster, Aschendorff, 2007, 108–109, aufgerufen 12. April 2023, https://www.lwl.org/westfalen-regional-download/PDF/S108_Bodenreformsiedlungen.pdf. [↩]
- Walter Ulbricht, Brennende Fragen des Neuaufbaus Deutschlands (Berlin: Dietz Verlag, 1947), 57.[↩]
- Edwin Hoernle, zitiert nach Frank Schumann, Edwin Hoernle (1883–1952), in Hans Modrow und Hans Watzek, Junkerland in Bauernhand (Berlin: edition Ost, 2005), 71f.[↩]
- Hartmut Koschyk und Vincent Regente, Vertriebene in SBZ und DDR (Berlin-Brandenburg: Be.bra wissenschaft verlag GmbH, 2021), 31.[↩]
- Joachim Piskol, Christel Nehrig, Paul Trixa, Antifaschistisch-demokratische Umwälzung auf dem Lande (Berlin: VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, 1984), 52.[↩]
- Autorenkollektiv, Früchte des Bündnisses – Werden und Wachsen der sozialistischen Landwirtschaft der DDR (Berlin: Dietz Verlag, 1985), 170. Axel Wolz, The Organisation of Agricultural Production in East Germany since World War II: Historical Roots and Present Situation [Die Organisation der landwirtschaftlichen Produktion in Ostdeutschland seit dem Zweiten Weltkrieg: Historische Wurzeln und aktuelle Situation], Diskussionspapier, Nr. 139 (Halle, Saale: Leibniz Institute of Agricultural Development in Central and Eastern Europe, 2013), aufgerufen 15. Juli 2025, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:3:2–27321.[↩]
- Klaus Schmidt, Landwirtschaft in der DDR: VEG, LPG und Kooperationen; Wie sie wurden, was sie waren, was aus ihnen geworden ist (Clenze: AgriMedia, 2009), 16.[↩]
- Schmidt, Landwirtschaft in der DDR, 16.[↩]
- Autorenkollektiv, Früchte des Bündnisses, 45.[↩]
- Bruno Kiesler, Ein solides Konzept, in Hans Modrow und Hans Watzek, Junkerland in Bauernhand (Berlin: edition ost, 2005), 57.[↩]
- Schmidt, Landwirtschaft in der DDR, 131; Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Statistisches Jahrbuch der DDR 1956 (Berlin: VEB Deutscher Zentralverlag, 1957), 350.[↩]
- Abteilung Frauen im ZK der SED, Frauenarbeit in Stadt und Land, Neues Deutschland, 27. Februar 1948, 2.[↩]
- Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Statistisches Jahrbuch der DDR 1955 (Berlin: VEB Deutscher Zentralverlag, 1956), 26f.[↩]
- Autorenkollektiv unter Leitung von Gerhard Grüneberg, Von der gegenseitigen Bauernhilfe, 63.[↩]
- Siegfried Kuntsche, Beiträge zur Agrargeschichte der DDR (Diekhof: Van Derner, 2015), 144.[↩]
- Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Statistisches Jahrbuch der DDR 1955, 198.[↩]
- Walter Ulbricht zitiert nach Wolfgang Mahlich, Die Herausbildung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der DDR, dargestellt an der Entwicklung des Kreises Haldensleben, Bezirk Magdeburg (1952 bis 1960) (Doktorarbeit, Humboldt-Universität Berlin, 1999), 93; Autorenkollektiv unter Leitung von Gerhard Grüneberg, Von der gegenseitigen Bauernhilfe, 64[↩]
- Kurt Gossweiler, Benjamin Baumgarten und die ‘Stalin-Note’, in Streitbarer Materialismus Nr. 22, Mai 1998, 61–74, aufgerufen 05.12.23, https://kurt-gossweiler.de/benjamin-baumgarten-und-die-stalin-note-mai-1998/.[↩]
- Walter Ulbricht, Referat und Schlußwort auf der II. Parteikonferenz der SED Berlin, 9. bis 12. Juli 1952 (Berlin: Dietz Verlag, 1952).[↩]
- Kuntsche, Beiträge zur Agrargeschichte der DDR. 144[↩]
- Beschluss der III. LPG Konferenz im Dezember 1954. Vgl. Mahlich, Die Herausbildung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der DDR, 107[↩]
- Autorenkollektiv unter Leitung von Gerhard Grüneberg, Von der gegenseitigen Bauernhilfe zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR, 71.[↩]
- Autorenkollektiv unter Leitung von Gerhard Grüneberg, Von der gegenseitigen Bauernhilfe zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR, 70.[↩]
- Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Statistisches Jahrbuch der DDR 1955, 197.[↩]
- Kuntsche, Beiträge zur Agrargeschichte der DDR, 143.[↩]
- Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der SED, Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Band 7 (Berlin: Dietz Verlag, 1966), 226.[↩]
- ZK der SED, Der neue Kurs und die Aufgaben der Partei, Neues Deutschland, 28. Juli 1953.[↩]
- Kuntsche, Beiträge zur Agrargeschichte der DDR, 322.[↩]
- Walter Ulbricht, Zur konterrevolutionären Konzeption Viewegs, aus der Rede auf der 30. Tagung des ZK der SED vom 30. Januar bis 1. Februar 1957, in Walter Ulbricht, Die Bauernbefreiung in der Deutschen Demokratischen Republik Band I (Berlin, Dietz Verlag, 1961), 601.[↩]
- Kurt Gossweiler, Die Taubenfuß-Chronik Band I (München: Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung, 2002), 138.[↩]
- Walter Ulbricht, Zur konterrevolutionären Konzeption Viewegs, 601f.[↩]
- Gossweiler, Die Taubenfuß-Chronik, 129f.[↩]
- Karl Mewis, Staatliche Filmdokumentation beim Staatlichen Filmarchiv der DDR SFD, 1973, aufgerufen 10. Juni 2025, TC 42:30, https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/248665/672354[↩]
- Kuntsche, Beiträge zur Agrargeschichte der DDR, 333.[↩]
- Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Statistisches Jahrbuch der DDR 1960/61 (Berlin: VEB Deutscher Zentralverlag, 1962), 419.[↩]
- Gesetz über die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, 2. Juli 1982, aufgerufen 05.12.23, https://www.verfassungen.de/ddr/lpggesetz82.htm.[↩]
- Autorenkollektiv unter Leitung von Gerhard Grüneberg, Von der gegenseitigen Bauernhilfe, 76.[↩]
- Solveig Leo, Lohn, Pläne und Demokratie in der LPG, Interview mit der IFDDR, September 2022, aufgerufen 2. September 2024, https://www.youtube.com/watch?v=Hg6WLA8UaEc.[↩]
- Thomas Kupfermann (Hrsg.), Erntekapitäne, Plansoll und Genossenschaft (Augsburg: Weltbild Detail GmbH, 2015), 69.[↩]
- Hans Luft, Agrargenossenschaften – gestern, heute und morgen (Berlin: Helle Panke e.V., 1998), 43.[↩]
- Mahlich, Die Herausbildung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der DDR, 445.[↩]
- Mahlich, Die Herausbildung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in der DDR, 445–446.[↩]
- Margarete Müller, So war es, in Erntekapitäne, Plansoll und Genossenschaft, 58.[↩]
- Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Statistisches Jahrbuch der DDR 1989 (Berlin: VEB Deutscher Zentralverlag, 1990), 182f.[↩]
- Autorenkollektiv, Ministerium für Land‑, Forst und Nahrungsgüterwirtschaft (Hrsg.), 40 Jahre erfolgreiche Entwicklung zu einer leistungsfähigen sozialistischen Landwirtschaft in der DDR (Eggersdorf: agrabuch, 1989), 66.[↩]
- Aus erster Hand, Bauern mit Zukunft: über die Landwirtschaft der DDR (Berlin: Panorama DDR, 1988), 28.[↩]
- Luft, Agrargenossenschaften, 32.[↩]
- Eleonore Körner, Untersuchungen zum Einsatz von Genossenschaftsbäuerinnen in der Leitungsfunktion der LPG (Berlin: Eigendruck, 1969), 57, aufgerufen 14. Juli 2024, https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/meta-objekt/untersuchungen-zum-einsatz-von-genossenschaftsbaeuerinnen-in-der-leitungsfunktion-der-lpg–thesen-zur-dissertation/3244genderbib#?id=3244genderbib_1&open=&c=&m=&s=&cv=1&xywh=0%2C-411%2C5010%2C4329.[↩]
- Helga Kuhrig and Wulfram Speigner, Zur gesellschaftlichen Stellung der Frau in der DDR (Leipzig: Verlag für die Frau, 1978), 169.[↩]
- Aus erster Hand, Bauern mit Zukunft, 18.[↩]
- Monika Smardz, Bis zum jenem Tag im Dezember – Eine Farm mitten in der Savanne, in Matthias Vos, Wir haben Spuren hinterlassen! (Münster: LIT Verlag, 2005), 277.[↩]
- Ralf Böhme, Entwicklungshilfe-Projekte der DDR: Hallenser sorgt für Kaffee-Boom in Vietnam, Mitteldeutsche Zeitung, 18. November 2015, aufgerufen 22. Mai 2025, https://www.mz.de/mitteldeutschland/entwicklungshilfe-projekte-der-ddr-hallenser-sorgt-fur-kaffee-boom-in-vietnam-3158247.[↩]
- Autorenkollektiv, Früchte des Bündnisses, 170.[↩]
- Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Statistisches Jahrbuch der DDR 1989, 181.[↩]
- Klaus Schmidt and Vassilij Boew, Verflechtung im volkswirtschaftlichen Agrar-Industrie-Komplex der DDR und der UdSSR (Berlin: VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, 1988), 14.[↩]
- Klaus Schmidt, Landwirtschaft in der DDR, (Agrimedia, 2009), 293.[↩]
- Hans Reichelt, Das Dorf lieferte die Vorlage, in JungeWelt, 22.06.2013, aufgerufen 05. Dezember 2023, https://www.jungewelt.de/artikel/203007.das-dorf-lieferte-die-vorlage.html?sstr=%7CJuni.[↩]
- PANORAMA DDR-Auslandspresseagentur (Hrsg.), Die Landwirtschaft in der DDR, (Dresden: Verlag Zeit im Bild, 1979), 29.[↩]
- Schmidt, Landwirtschaft in der DDR, 294.[↩]
- Schmidt, Landwirtschaft in der DDR, 321.[↩]
- Schmidt, Landwirtschaft in der DDR, 317.[↩]
- Staatliche Zentralverwaltung für Statistik, Statistisches Jahrbuch der DDR 1990 (Berlin: VEB Deutscher Zentralverlag,1991), 212.[↩]
- Halvor Jochimsen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, in Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.), Berichte über Landwirtschaft: Zeitschrift Agrarpolitik und Landwirtschaft, Band 88 Heft 2 (Berlin: BMELV, 2010), 203.[↩]
- Hans Modrow, Ein nunmehr endgültig abgeschlossenes Kapitel, in Modrow, Watzek, Junkerland in Bauernhand, 11. Lothar Weigelt, Ich war 15, in Modrow, Watzek, Junkerland in Bauernhand, 151f. Urteil Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Rechtssache JAHN und andere gegen DEUTSCHLAND (Beschwerden Nr.46720/99, 72203/01 und 72552/01), 20. Juni 2005, 8 und 34.[↩]
- Jana Frielinghaus, Privatisierungsbilanz, in Junge Welt, 13. Juli 2012, aufgerufen 15. Juli 2025, https://www.jungewelt.de/artikel/185891.privatisierungsbilanz.html.[↩]
- Jochimsen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, 211f.[↩]
- Schmidt, Landwirtschaft in der DDR, 320.[↩][↩]
- Jochimsen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, 213.[↩]
- Jochimsen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, 214f.[↩]
- Jochimsen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, 207.[↩]
- Jochimsen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, 233.[↩]
- Solveig Leo, Übergang zum Kapitalismus (‘Transition to Capitalism’), Interview mit der IFDDR, September 2022, aufgerufen 5. August 2025, https://youtu.be/tN-QyY-mZ4I. [↩]
- Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Daten und Fakten – Land‑, Forst- und Ernährungswirtschaft mit Fischerei und Wein- und Gartenbau (Paderborn: Bonifatius GmbH, Mai 2022), 9, aufgerufen 5. August 2025, https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/daten-fakten-2022.pdf?__blob=publicationFile&v=8.[↩]
- Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Daten und Fakten, 9.[↩]
- Jochimsen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, 232.[↩]
- Dieter Wolff, ‘Das muss einmal deutlich gesagt werden!’, in Erntekapitäne, Plansoll und Genossenschaft, 110.[↩]
