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JUNKERLAND IN BAUERNHAND

Von der Bodenreform zur sozialistischen Landwirtschaft in der DDR

Inner­halb von nur 45 Jahren verän­der­ten sich – zunächst in der Sowje­ti­schen Besat­zungs­zone und später in der DDR – die Verhält­nisse auf dem Land grund­le­gend. Dieser Wandel verlief in unter­schied­li­chen Etappen. 

Mit der Boden­re­form (1945–1948) wurden die jahr­hun­der­te­al­ten Besitz­ver­hält­nisse auf dem Land aufge­bro­chen. Eine damit verbun­dene Demo­kra­ti­sie­rung schuf erste Voraus­set­zun­gen für neue, auf Koope­ra­tion basie­rende Produk­ti­ons­ver­hält­nisse. Die Genos­sen­schafts­be­we­gung (1952–1960) konnte im Unter­schied zur kapi­ta­lis­ti­schen Entwick­lung den Wider­spruch zwischen moder­ner Tech­nik und Klein­pro­duk­tion im Inter­esse der Klein­bau­ern und Land­ar­bei­ter ohne ihre im Kapi­ta­lis­mus notwen­dige Ruinie­rung, Verdrän­gung und Unter­ord­nung lösen und ermög­lichte der Land­be­völ­ke­rung den Zugang zu bis dato uner­reich­ten sozia­len und kultu­rel­len Rech­ten und Errun­gen­schaf­ten. Die dritte und letzte Etappe (1970er–1980er Jahre) baute auf diesen Grund­la­gen auf und war gekenn­zeich­net von der Entwick­lung großer land­wirt­schaft­li­cher Produk­ti­ons­kom­plexe und der Vertie­fung der koope­ra­ti­ven Bezie­hun­gen zwischen den verschie­de­nen Produk­ti­ons­stu­fen, von der Primär­pro­duk­tion über die Verar­bei­tung bis hin zum Vertrieb.

Im Ganzen voll­zog sich auf dem Land, im Verhält­nis zu ande­ren Berei­chen der DDR-Gesell­schaft, wohl die revo­lu­tio­närste, weil umfas­sendste Entwicklung.

Inhaltsverzeichnis 

Einleitung

Die gegen­wär­tige globale Lage der Land­wirt­schaft und Lebens­mit­tel­pro­duk­tion schreit nach Alter­na­ti­ven. Welt­weit stehen rein rech­ne­risch ausrei­chend Nahrungs­mit­tel zur Verfü­gung. Bei gerech­ter gleich­mä­ßi­ger Vertei­lung der vorhan­de­nen Nahrungs­mit­tel müsste niemand hungern. Im Jahr 2023 hunger­ten nicht­de­sto­trotz welt­weit bis zu 757 Millio­nen Menschen, einer von elf.1 Nahrungsmittel‑, Rohstoff- und Boden­spe­ku­la­tion trei­ben die Preise zusätz­lich in die Höhe und sorgen pervers­er­weise dafür, dass nicht nur am Satt­wer­den verdient wird, sondern Menschen sich durch das Speku­lie­ren auf stei­gende Rohstoff­preise am wach­sen­den Hunger ande­rer berei­chern.2

Während etwa ein Drit­tel der welt­wei­ten Nahrungs­mit­tel weiter­hin von Klein­bau­ern produ­ziert werden, beherr­schen riesige Agrar­kon­zerne, wie die soge­nannte ABCD-Gruppe – Archer Dani­els Midland, Bunge, Cargill, und Louis Drey­fus – den globa­len Anbau, die Verar­bei­tung, Vermark­tung und Distri­bu­tion.3 Die bereits über die Kolo­ni­al­herr­schaft etablier­ten Tenden­zen zur Mono­kul­tur, zu einsei­ti­gen Handels­be­zie­hun­gen und zur Verdrän­gung von Land wurden über die weitere Konzen­tra­tion von Land­be­sitz und der Zentra­li­sie­rung der Mittel zur Nahrungs­gü­ter­pro­duk­tion noch verstärkt. Zusätz­lich erhöht sich Druck auf die klein­bäu­er­li­che Subsis­tenz­wirt­schaft, verschär­fen sich die extreme Ausbeu­tung von Land­ar­bei­tern, Armut, Hunger, Umwelt­zer­stö­rung und die Rück­stän­dig­keit des länd­li­chen Raums.

Die Entwick­lung kapi­ta­lis­ti­scher Verhält­nisse in der Land­wirt­schaft und der Agrar­wis­sen­schaft hat bedeu­tende Poten­tiale zur Lebens­mit­tel­pro­duk­tion frei­ge­setzt und dennoch bis heute offen­sicht­lich nicht dazu geführt, das allge­meinste Bedürf­nis der Menschen nach Nahrung zu befrie­di­gen. Die Probleme und Wider­sprü­che, die sich quer durch den Bereich der Land­wirt­schaft und der Versor­gung der Mensch­heit mit Lebens­mit­teln ziehen, verlan­gen nach umfas­sen­den Antwor­ten. Die revo­lu­tio­nä­ren Verän­de­run­gen der DDR liefern dafür hilf­rei­che Anre­gung und Erfahrung.

Inner­halb von nur 45 Jahren verän­der­ten sich – zunächst in der Sowje­ti­schen Besat­zungs­zone und später in der DDR – die Verhält­nisse auf dem Land grund­le­gend. Dieser Wandel verlief in unter­schied­li­chen Etap­pen. Mit der Boden­re­form (1945–1948) wurden die jahr­hun­der­te­al­ten Besitz­ver­hält­nisse auf dem Land aufge­bro­chen. Eine damit verbun­dene Demo­kra­ti­sie­rung schuf erste Voraus­set­zun­gen für neue, auf Koope­ra­tion basie­rende Produk­ti­ons­ver­hält­nisse. Die Genos­sen­schafts­be­we­gung (1952–1960) konnte im Unter­schied zur kapi­ta­lis­ti­schen Entwick­lung den Wider­spruch zwischen moder­ner Tech­nik und Klein­pro­duk­tion im Inter­esse der Klein­bau­ern und Land­ar­bei­ter ohne ihre im Kapi­ta­lis­mus notwen­dige Ruinie­rung, Verdrän­gung und Unter­ord­nung lösen und ermög­lichte der Land­be­völ­ke­rung den Zugang zu bis dato uner­reich­ten sozia­len und kultu­rel­len Rech­ten und Errun­gen­schaf­ten. Die dritte und letzte Etappe (1970er–1980er Jahre) baute auf diesen Grund­la­gen auf und war gekenn­zeich­net von der Entwick­lung großer land­wirt­schaft­li­cher Produk­ti­ons­kom­plexe und der Vertie­fung der koope­ra­ti­ven Bezie­hun­gen zwischen den verschie­de­nen Produk­ti­ons­stu­fen, von der Primär­pro­duk­tion über die Verar­bei­tung bis hin zum Vertrieb.

Im Ganzen voll­zog sich auf dem Land, im Verhält­nis zu ande­ren Berei­chen der DDR-Gesell­schaft, wohl die revo­lu­tio­närste, weil umfas­sendste Entwicklung.

Ausge­hend von noch feudal gepräg­ten Eigen­tums­struk­tu­ren und Arbeits­be­din­gun­gen, der wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Unter­ord­nung und einer kultu­rel­len Rück­stän­dig­keit, entwi­ckelte sich die Bauern­schaft zu einem selbst­be­wuss­ten, poli­tisch voran­trei­ben­den Akteur in der DDR.

Es entstand eine hoch­pro­duk­tive, indus­trie­mä­ßige Land­wirt­schafts­pro­duk­tion und mit dem Aufbau sozia­ler und kultu­rel­ler Infra­struk­tur auf dem Dorf eine Tendenz zur Annä­he­rung der Lebens­ver­hält­nisse von Stadt und Land. Ohne dass die Millio­nen Bauern und Land­ar­bei­ter tief verin­ner­lichte Erfah­run­gen und alther­ge­brachte Tradi­tio­nen in Frage gestellt hätten und sich aktiv an der Neuaus­rich­tung der Land­wirt­schaft und des Dorf­le­bens betei­ligt hätten, wären diese Verän­de­run­gen nicht möglich gewe­sen. Eine gründ­li­che Ausein­an­der­set­zung mit diesem wider­sprüch­li­chen und kompli­zier­ten Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess wider­legt die vorherr­schende Darstel­lung der „Zwangs­kol­lek­ti­vie­rung“ und einer Sozia­lis­ti­schen Einheits­par­tei Deutsch­lands (SED), die mit Zwang und Gewalt regierte.

Jedes Land, jede Region hat ihre eigene Geschichte und spezi­fi­sche Bedin­gun­gen, die sorg­fäl­tig analy­siert und zu denen konkrete Antwor­ten gefun­den werden müssen.  Die Entschei­dun­gen, die auf dem Gebiet der Land­wirt­schaft in der DDR getrof­fen wurden, bieten dennoch prak­ti­sche Einbli­cke in eine Alter­na­tive zur kapi­ta­lis­ti­schen Entwick­lung. Die folgende Arbeit soll einen Beitrag zu aktu­el­len Debat­ten über Möglich­kei­ten sozia­lis­ti­scher Land­wirt­schaft leis­ten, indem sie den histo­ri­schen Prozess unter­sucht, der die sozia­len Struk­tu­ren und Arbeits- und Denk­wei­sen im ostdeut­schen länd­li­chen Raum grund­le­gend verän­dert hat. Es war dabei nicht möglich allen Aspek­ten gerecht zu werden; wich­tige Fragen zur Forst­wirt­schaft, Umwelt, Agrar­wis­sen­schaft, Inter­na­tio­na­lis­mus und der Bedeu­tung der Demo­kra­ti­schen Bauern­par­tei Deutsch­lands (DBD) werden nur am Rande gestreift und müssen weiter bear­bei­tet werden.

Die Studie folgt der konkre­ten histo­ri­schen Entwick­lung der Land­wirt­schaft in Deutsch­land: vom jahr­hun­der­te­al­ten feuda­len Joch, unter dem die deut­sche Bauern­schaft stand, über die histo­ri­sche Umwäl­zung der Boden­re­form und dem anschlie­ßen­den Über­gang zur genos­sen­schaft­li­chen Produk­ti­ons­weise bis hin zu Fragen der Groß­pro­duk­tion und indus­trie­mä­ßi­ger Landwirtschaft.

Vom Preußischen Weg der Bauernbefreiung zum Faschismus

Die Entwick­lung von feuda­len zu bürger­lich-kapi­ta­lis­ti­schen Verhält­nis­sen auf dem Land voll­zog sich in Deutsch­land im Laufe des 19. Jahr­hun­derts, anders als beispiels­weise in England und Frank­reich, rela­tiv spät, nur sehr allmäh­lich und ohne radi­ka­len Sturz des Feudal­adels, sondern unter seiner Kontrolle. Die deut­sche Staats­ei­ni­gung wurde nicht von unten, sondern von oben herbei­ge­führt – durch die poli­ti­schen Manö­ver und die Kriegs­po­li­tik Preu­ßens unter der Führung von Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm I.

In dieser, als preu­ßi­scher Weg bezeich­ne­ten Entwick­lung in Deutsch­land verband sich die Heraus­bil­dung der kapi­ta­lis­ti­schen Produk­ti­ons­weise mit den Elemen­ten feuda­ler Unter­ord­nung. Die Lebens- und Rechts­ver­hält­nisse der verschie­de­nen bäuer­lich arbei­ten­den Schich­ten verän­der­ten sich, ihre ökono­mi­schen und sozia­len Abhän­gig­kei­ten zur Grund­herr­schaft blie­ben. Es entstand die Schicht freier, bei den Grund­her­ren meist hoch­ver­schul­de­ter Klein- und Mittel­bau­ern; Gesinde und Insten – die ehema­li­gen Dienst­knechte der Guts­her­ren ohne eige­nes Land – wurden zur neuen Schicht der Land­ar­bei­ter und der Grund­herr selbst wandelte sich zum Groß­agra­rier und Verpächter.

Die wirt­schaft­lich und poli­tisch beherr­schende Rolle der Groß­grund­be­sit­zer auf dem Dorf blieb durch über­kom­me­nes Recht, Gewohn­heit, Tradi­tion, und durch die gewan­del­ten kapi­ta­lis­ti­schen Abhän­gig­keits­ver­hält­nisse noch bis ins 20. Jahr­hun­dert hinein bestim­mend. Auf dem Land herrsch­ten vieler­orts zurück­ge­blie­bene, fast mittel­al­ter­li­che Zustände.

Gesin­de­ord­nun­gen, die mancher­orts noch bis 1919 in Kraft blie­ben und darüber hinaus noch faktisch Anwen­dung fanden, unter­war­fen die Arbei­ter der Herr­schaft der Guts­her­ren und verba­ten den Land­ar­bei­tern und Dienst­an­ge­stell­ten jegli­che poli­ti­sche und gewerk­schaft­li­che Orga­ni­sie­rung, bspw. im 1909 gegrün­de­ten Deut­schen Land­ar­bei­ter-Verband. Auszüge aus der preu­ßi­schen Gesin­de­ord­nung spre­chen eine deut­li­che Sprache:

Para­graph 77: „Reizt das Gesinde die Herr­schaft durch unge­bühr­li­ches Betra­gen zum Zorn und wird in selbi­gem von ihr mit Schelt­wor­ten oder gerin­gen Tätlich­kei­ten behan­delt, so kann es dafür keine gericht­li­che Genug­tu­ung fordern.“

 

Para­graph 79: „Außer dem Falle, wo das Leben und die Gesund­heit des Dienst­bo­ten durch Mißhand­lun­gen der Herr­schaft in gegen­wär­tige und unver­meid­li­che Gefahr gerät, darf er sich der Herr­schaft nicht tätlich widersetzen.“

 

Para­graph 74: „Ohne Vorwis­sen und Geneh­mi­gung der Herr­schaft darf es sich auch in eige­nen Ange­le­gen­hei­ten vom Hause nicht entfernen.“

 

Para­graph 76: „Die Befehle der Herr­schaft und ihre Verweise muß das Gesinde mit Ehrerbie­tung und Beschei­den­heit anneh­men.“4

Vom frühen 19. bis zum 20. Jahr­hun­dert wandelte sich Deutsch­land von einer agro­in­dus­tri­el­len zu einer indus­tri­el­len Wirt­schaft. Die Bevöl­ke­rung verdrei­fachte sich, von rund 18 Millio­nen im Jahr 1800 auf über 52 Millio­nen im Jahr 1900.5 Während zu Beginn des 19. Jahr­hun­derts die meis­ten Deut­schen auf dem Land lebten, stieg der Anteil der Stadt­be­völ­ke­rung nach der mit der kapi­ta­lis­ti­schen Entwick­lung einher­ge­hen­den Urba­ni­sie­rung von 36 % im Jahr 1871 auf 60 % im Jahr 1910.6 Zugleich sank der Anteil der in der Land- und Forst­wirt­schaft Beschäf­tig­ten von 42,5 % im Jahr 1882 auf nur noch 28,6 % im Jahr 1907. Eine große Klasse land­lo­ser Land­ar­bei­ter über­stieg bald die Zahl der Eigen­tü­mer und Päch­ter von land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben in länd­li­chen Gebie­ten. Im Jahr 1907 beschäf­tig­ten Groß­grund­be­sit­zer (mit mehr als 100 Hektar Land) durch­schnitt­lich 51 Arbei­ter. Ein Drit­tel der 9,5 Millio­nen Menschen, die in der Land­wirt­schaft arbei­te­ten, waren Lohn­ar­bei­ter.7 Die land­wirt­schaft­li­chen Lohn­ar­bei­ter waren auf die Gebiete östlich der Elbe konzen­triert, wo große land­wirt­schaft­li­che Betriebe am weites­ten verbrei­tet waren. Auslän­di­sche Saison­ar­bei­ter, insbe­son­dere aus den polni­schen Regio­nen, wurden beson­ders stark ausge­beu­tet. Mitte des 19. Jahr­hun­derts gab es eine erheb­li­che Konzen­tra­tion des Land­be­sit­zes: Weni­ger als 1 % der Land­be­sit­zer besa­ßen mehr als 40 % der Acker­flä­che, während rund 80 % der Bauern weni­ger als 12 % besa­ßen, wobei ihre einzel­nen Parzel­len im Schnitt weni­ger als 7,5 Hektar groß waren.8

Die Verhält­nisse auf dem Land entwi­ckel­ten sich dabei in Deutsch­land regio­nal und zeit­lich unein­heit­lich. Links­rhei­nisch wurden bereits mit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­tion Leib­ei­gen­schaft und Fron­dienste hinweg­ge­fegt. In Mittel- und Süddeutsch­land, zwischen Rhein und Elbe bestan­den Parzel­len­wirt­schaf­ten von Klein- und Mittel­bau­ern mit Pacht­ver­trä­gen zu großen Land­be­sit­zern. Ostelbisch führte die Befrei­ung der Bauern zu umfang­rei­chen Land­ab­tre­tun­gen an die Guts­her­ren. So entstand der typi­sche junker­li­che Groß­be­sitz. Die ohne­hin schon sehr unglei­che Vertei­lung des Acker­lan­des verschärfte sich dadurch noch: Die Bauern muss­ten für ihre Befrei­ung von den feuda­len Abga­ben und Pflich­ten insge­samt 1,8 Milli­ar­den Mark zahlen und 425.169 Hektar Land abtre­ten.9 Fried­rich Engels beschrieb die poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Rolle der Junker im preu­ßi­schen Deutsch­land, deren große Land­gü­ter die ostdeut­sche Land­schaft bis 1945 präg­ten, scharf:

„Die tatsäch­li­che halbe Leib­ei­gen­schaft der ostelbi­schen Land­ar­bei­ter ist die Haupt­grund­lage der preu­ßi­schen Junker­herr­schaft und damit der spezi­fisch preu­ßi­schen Ober­herr­schaft in Deutsch­land. […] Die Macht dieser Junker beruht darauf, daß sie in dem geschlos­se­nen Gebiet der sieben altpreu­ßi­schen Provin­zen – also etwa einem Drit­tel des ganzen Reichs­ge­biets – über den Grund­be­sitz verfü­gen, der hier die gesell­schaft­li­che und poli­ti­sche Macht mit sich führt, und nicht nur über den Grund­be­sitz, sondern vermit­telst der Rüben­zu­cker­fa­bri­ken und Schnaps­bren­ne­reien auch über die bedeu­tends­ten Indus­trien dieses Gebiets. Weder die Groß­grund­be­sit­zer des übri­gen Deutsch­lands noch die Groß­in­dus­tri­el­len sind in einer ähnlich güns­ti­gen Lage; über ein geschlos­se­nes König­reich verfü­gen weder diese noch jene. […] Aber diese Macht­stel­lung der preu­ßi­schen Junker verliert mehr und mehr ihre ökono­mi­sche Unter­lage. Die Verschul­dung und Auspo­werung greift auch hier trotz aller Staats­hilfe (und seit Fried­rich II. gehört diese in jedes regel­rechte Junker­bud­get) unauf­halt­sam um sich; nur die durch Gesetz­ge­bung und Gewohn­heit sank­tio­nierte tatsäch­li­che halbe Leib­ei­gen­schaft und hier­durch ermög­lichte gren­zen­lose Ausbeu­tung der Land­ar­bei­ter hält die versin­kende Junker­schaft noch eben über Wasser. Werft den Samen der Sozi­al­de­mo­kra­tie unter diese Arbei­ter, gebt ihnen den Mut und den Zusam­men­halt, auf ihren Rech­ten zu bestehen, und es ist aus mit der Junker­herr­lich­keit. Die große reak­tio­näre Macht, die für Deutsch­land dasselbe barba­ri­sche, erobernde Element reprä­sen­tiert wie der russi­sche Zaris­mus für ganz Europa, sinkt in sich zusam­men wie eine ange­stochne Blase.“10

Die revo­lu­tio­näre Sozi­al­de­mo­kra­tie hatte vor dem Hinter­grund der beherr­schen­den Rolle der Groß­grund­be­sit­zer und der umfas­sen­den Abhän­gig­keits­ver­hält­nisse, die sie für die Land­be­völ­ke­rung darstellte, Schwie­rig­kei­ten, das Land­pro­le­ta­riat und die klei­nen Bauern poli­tisch zu gewin­nen. Die ostelbi­schen Junker hinge­gen waren eine zentrale Stütze des reak­tio­när-mili­ta­ris­ti­schen preu­ßi­schen Staa­tes und Hand in Hand mit Mono­po­len der Indus­trie Wegbe­rei­ter des Faschis­mus. Der Histo­ri­ker Sieg­fried Kunt­sche zeigt auf, dass die aris­to­kra­ti­sche Junker­schicht ihre Schlüs­sel­po­si­tio­nen in der deut­schen Mili­tär- und Staats­bü­ro­kra­tie nutzte, um während der Weima­rer Repu­blik (1919–1933) offen reak­tio­näre Kräfte zu unterstützen:

„Der bürger­li­chen Repu­blik begeg­ne­ten die meis­ten Guts­be­sit­zer in altkon­ser­va­ti­ver Gegner­schaft. Die Unter­stüt­zung des Kapp-Putsches blieb nicht margi­nal. Viele Güter wurden zu Sammel­punk­ten von Frei­korps, von Trupps der Schwar­zen Reichs­wehr und auch zahl­rei­cher rechts­extre­mis­ti­scher bewaff­ne­ter Grup­pen. […] Seit Ende der 20er Jahre hatten sich Reprä­sen­tan­ten eini­ger altein­ge­ses­se­ner Adels­fa­mi­lien der Nazi­be­we­gung ange­schlos­sen.“11

In Meck­len­burg, einem Kern­land des Groß­grund­be­sit­zes, wurden ein Vier­tel aller Guts­be­sit­zer Mitglie­der der NSDAP.12 Die Hälfte der Gene­räle im Ober­kom­mando der faschis­ti­schen Wehr­macht stammte aus dem Adel.13 Ihre ohne­hin beherr­schende Rolle im gesell­schaft­li­chen Leben des Dorfes, nutz­ten die Junker um die chau­vi­nis­ti­schen Kriegs­ziele des Land­rau­bes unter der Parole „Volk ohne Raum“ in die Köpfe derje­ni­gen Bauern und Land­ar­bei­ter zu pflan­zen, denen sie bereits über Gene­ra­tio­nen hinweg ihr Land genom­men hatten.

Im deut­schen Faschis­mus wurde die völlige Unter­wer­fung der Bauern und Land­be­völ­ke­rung unter die impe­ria­lis­ti­sche Kriegs­po­li­tik betrie­ben. Orga­ni­sa­tio­nen wie der Land­ar­bei­ter-Verein wurden verbo­ten. Alle, die mit der Produk­tion, Verar­bei­tung und dem Handel von land­wirt­schaft­li­chen Erzeug­nis­sen zu tun hatten, wurden zwangs­weise Mitglied im Reichs­nähr­stand, der unter der Hege­mo­nie des Groß­grund­be­sit­zes stand. Dieser orga­ni­sierte eine Total­ab­lie­fe­rungs­pflicht der Bauern, d.h. eine Beschlag­nah­mung bestimm­ter Erzeug­nisse durch den Staat. Spar­ein­la­gen und Gutha­ben der Bauern wurden zur „Finan­zie­rung der Kriegs­las­ten“ einge­zo­gen. Die Folgen des rapi­den Rück­gangs der Ernte­er­träge während der Kriegs­jahre hatte der faschis­ti­sche Staat durch Zwangs­lie­fe­run­gen aus den okku­pier­ten Ländern und einer gnaden­lo­sen Hunger­po­li­tik für deren Bevöl­ke­rung kompen­siert. Die Land­wirt­schaft in Deutsch­land hiel­ten die Faschis­ten ledig­lich durch den millio­nen­fa­chen Einsatz und die barba­ri­sche Ausbeu­tung von Zwangs­ar­bei­tern am Laufen.

Die Kriegs­po­li­tik Nazi­deutsch­lands warf den Entwick­lungs­stand der Land­wirt­schaft weit zurück. Bereits ab Mitte der 30er Jahre wurde die Kriegs­wirt­schaft über die Land­wirt­schaft prio­ri­siert. „Wir werden zu Not auch einmal ohne Butter fertig werden, niemals aber ohne Kano­nen“, wie es der Nazi-Propa­gan­da­mi­nis­ter Joseph Goeb­bels 1936 formu­lierte.14 Kriegs­schä­den vernich­te­ten Maschi­nen, hekt­ar­weise Land wurde unbrauch­bar gemacht, Nutz­vieh aufge­zehrt. Dies galt insbe­son­dere für Ostdeutsch­land, wo die Faschis­ten im März 1945, als die Kriegs­hand­lun­gen auf deut­schem Boden statt­fan­den und ihre völlige mili­tä­ri­sche Nieder­lage längst sicht­bar war, den Befehl gaben massen­weise Nutz­vieh abzu­schlach­ten. Gerhard Grüne­berg, von 1960 bis 1981 Land­wirt­schafts­mi­nis­ter der SED, bezeich­nete diese Maßnah­men als Fort­set­zung der „verbre­che­ri­schen Poli­tik der verbrann­ten Erde“.15

Junkerland in Bauernhand – die Bodenreform

Kriegszerstörung und Hunger

Im Osten Deutsch­lands, dem Haupt­kampf­ge­biet der letz­ten Schlach­ten des Welt­krie­ges in Europa, waren weite Teile der land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che verwüs­tet oder unbrauch­bar gewor­den, land­wirt­schaft­li­che Anla­gen und weiter­ver­ar­bei­tende Betriebe waren zerstört oder in ihrem Betriebs­ab­lauf massiv unter­bro­chen, Trans­port­mit­tel fehl­ten. Die Produk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten wurden über Jahre zurück­ge­wor­fen. Viele Junker flohen vor der Roten Armee nach West­deutsch­land samt trans­por­ta­blem Vieh, Tech­nik, Hab und Gut und verschlech­ter­ten die Versor­gungs­lage zusätz­lich. Der Bestand etwa an Schwei­nen betrug 20 Prozent gegen­über der Vorkriegs­zeit, an Rindern 65 Prozent, an Geflü­gel 25 Prozent.16 Die Bestände von Nutz- und Zucht­tie­ren, von Maschi­nen, Werk­zeu­gen und Saat­gut hatten unter der Kriegs­wirt­schaft und den Kriegs­fol­gen so gelit­ten, dass die Ernäh­rungs­wirt­schaft 1945 zusammenbrach.

Bild 1. Bauern entfer­nen Trüm­mer und Steine von einem Feld im Dorf Podel­zig, das in den letz­ten Tagen des Zwei­ten Welt­kriegs (1945) fast voll­stän­dig zerstört wurde.

Die neu geschaf­fene Deut­sche Zentral­ver­wal­tung für Land- und Forst­wirt­schaft stand vor der vordring­li­chen Aufgabe, die Einbrin­gung der ersten Frie­dens­ernte zu sichern. Die vom Faschis­mus aufer­legte Total­ab­lie­fe­rungs­pflicht wurde am 18. Juni 1945 mit Erlass der Verord­nung Nr. 40 der Sowje­ti­schen Mili­tär­ad­mi­nis­tra­tion (SMAD) aufge­ho­ben, die die Liefer­ziele für Getreide, Kartof­feln, Gemüse und Ölsaa­ten fest­legte (die Verord­nung Nr. 18 vom 29. Juli 1945 regelte die Pflicht­lie­fe­rung von tieri­schen Erzeug­nis­sen). Damit wurden erste Maßnah­men einer demo­kra­ti­schen Agrar­po­li­tik durch­ge­führt, die das Inter­esse der Bauern an eine Produk­ti­ons­stei­ge­rung stimu­lier­ten. Es wurde ein doppel­tes Preis­sys­tem einge­führt: ein nied­ri­ge­rer Preis für Produkte, die gelie­fert werden muss­ten, und ein höhe­rer Preis für Über­schüsse, die die Land­wirte frei verkau­fen konn­ten. Verwal­tungs­or­gane, Gewerk­schaf­ten und die neu zuge­las­se­nen Parteien, die sich im soge­nann­ten anti­fa­schis­ti­schen demo­kra­ti­schen Block zusam­men­ge­schlos­sen hatten – bestehend aus der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Partei Deutsch­lands (SPD), der Kommu­nis­ti­schen Partei Deutsch­lands (KPD), der Christ­lich-Demo­kra­ti­schen Union Deutsch­lands (CDU) und der Libe­ral­de­mo­kra­ti­schen Partei Deutsch­lands (LDPD) – riefen die Bevöl­ke­rung auf, bei der Einbrin­gung der Ernte zu helfen. Inge­nieure und Indus­trie­ar­bei­ter bilde­ten Repa­ra­tur­ko­lon­nen, um vordring­lich Ernte­ma­schi­nen herzu­rich­ten, die Stadt­be­völ­ke­rung leis­tete Ernte­ein­sätze, in den Dörfern wurden Ernte­aus­schüsse und Bauern­ko­mi­tees gebil­det, die die Arbeit koor­di­nier­ten, die Pflicht­ab­ga­ben und damit die Belie­fe­rung der Bevöl­ke­rung gemäß den Lebens­mit­tel­ra­tio­nen sicherten.

Programm der Bodenreform

Deut­sche kommu­nis­ti­sche Emigran­ten in der Sowjet­union hatten 1944 die Grund­sätze für eine Boden­re­form im Nach­kriegs­deutsch­land bereits erar­bei­tet. Maßgeb­li­chen Anteil daran hatte Edwin Hoernle, der bis zum Macht­an­tritt Hitlers 1933 KPD-Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­ter und Agrar­ex­perte war. Sein Konzept wurde Basis der Boden­re­form, was auch erklärt, weshalb unmit­tel­bar nach dem Krieg die KPD ein derart durch­dach­tes, trag­fä­hi­ges Programm vorle­gen konnte. Im Mai 1945 kehrte Hoernle nach Deutsch­land zurück, wo er in der Deut­schen Wirt­schafts­kom­mis­sion die Haupt­ver­wal­tung Land- und Forst­wirt­schaft über­nahm. In dieser Funk­tion war er maßgeb­lich an der Boden­re­form beteiligt.

Die KPD erließ bereits im Juni 1945 einen Aufruf zur „Demo­kra­ti­schen Boden­re­form“ mit der Losung „Junker­land in Bauern­hand“, orien­tierte auf die schnellste Durch­füh­rung und bean­tragte im zentra­len Ausschuss des demo­kra­ti­schen Partei­en­blocks die Bera­tung der Boden­re­form. Am 22. August 1945 verab­schie­dete das Zentral­ko­mi­tee der KPD einen konkre­ten Vorschlag für die Durch­füh­rung einer Boden­re­form in der sowje­ti­schen Besat­zungs­zone bis Ende 1945. Haupt­punkte waren:

  1. die entschä­di­gungs­lose Enteig­nung des priva­ten Groß­grund­be­sit­zes über 100 Hektar
  2. die entschä­di­gungs­lose Enteig­nung des Grund­be­sit­zes von Nazi­ak­ti­vis­ten und Kriegs­ver­bre­chern, unab­hän­gig von dessen Größe
  3. Bildung eines staat­li­chen Boden­fonds aus den enteig­ne­ten Betrie­ben und den staat­li­chen Domänen
  4. Auftei­lung des größ­ten Teiles des Boden­fonds als Privat­ei­gen­tum, wobei die neuen Bauern­stel­len bei guten und mitt­le­ren Böden fünf Hektar, bei schlech­ten und sehr schlech­ten Böden acht bis zehn Hektar groß sein sollten
  5. Vertei­lung des Viehs und der einfa­chen Produk­ti­ons­ge­räte an Neubauern
  6. Über­gabe der Trak­to­ren und großen Land­ma­schi­nen sowie von Werk­stät­ten und von Betrie­ben zur Verar­bei­tung land­wirt­schaft­li­cher Erzeug­nisse an zu schaf­fende Ausschüsse der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe für eine gemein­same Nutzung.17
Bild 2. Am 11. Septem­ber 1945 enteig­ne­ten drei Gemein­den in der Nähe von Dres­den das ehema­lige „König­li­che Gut“ und teil­ten es auf.

Die Idee der Boden­re­form fand, durch Rund­funk und Presse und auf viel­fäl­tige andere Weise propa­giert, zuneh­men­den Wider­hall in der Bevöl­ke­rung, auch weit­ge­hend den Zuspruch der Kirche, und es gab zahl­rei­che Initia­ti­ven in den Ausschüs­sen der Parteien. Die CDU und die LDPD lehn­ten den Vorschlag einer entschä­di­gungs­lo­sen Enteig­nung zunächst ab. Hoernle und die KPD argu­men­tier­ten, dass eine Entschä­di­gung entwe­der die Bauern oder die Allge­mein­heit finan­zi­ell belas­ten würde, was ange­sichts der Versor­gungs­eng­pässe und der allge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Notlage unver­ant­wort­lich wäre. Die Groß­grund­be­sit­zer hinge­gen würden durch eine entschä­di­gungs­lose Enteig­nung keines­wegs zu Bett­lern werden, da sie ihr persön­li­ches Eigen­tum und ihr ange­sam­mel­tes Vermö­gen behal­ten würden. Darüber hinaus wurde dies als ange­mes­sene Strafe für Kriegs­ver­bre­chen und als Akt der histo­ri­schen Gerech­tig­keit betrach­tet.18 Nach lang­wie­ri­gen Verhand­lun­gen erfolgte ab dem 3. Septem­ber die Verab­schie­dung der Boden­re­form­ver­ord­nun­gen durch die fünf Landes­re­gie­run­gen der Sowje­ti­schen Besat­zungs­zone. Die von den Alli­ier­ten auf der Pots­da­mer Konfe­renz im August 1945 beschlos­se­nen Grund­sätze zur Demo­kra­ti­sie­rung, Dezen­tra­li­sie­rung, Demi­li­ta­ri­sie­rung und Dena­zi­fi­zie­rung stan­den im Einklang mit den Zielen der Boden­re­form und gaben ihr zusätz­lich ein siche­res poli­ti­sches und recht­li­ches Funda­ment inner­halb der Nach­kriegs­ord­nung in Deutschland.

Bild 3. Ein Plakat des Zentral­ko­mi­tees der KPD aus dem Jahr 1945.

Der Beschluss zur Boden­re­form Anfang Septem­ber 1945 in der sowje­ti­schen Besat­zungs­zone veran­lasste auch die ameri­ka­ni­sche und engli­sche Mili­tär­ver­wal­tung, in ihren Zonen aktiv zu werden und Gesetz­ent­würfe für eine Boden­re­form und eine Sied­lungs­po­li­tik zu erar­bei­ten. Die recht­li­chen Vorga­ben boten aller­dings Poli­ti­kern und Groß­grund­be­sit­zern Spiel­raum, Umver­tei­lungs­maß­nah­men zu verhin­dern oder so weit hinaus­zu­zö­gern, bis die poli­ti­schen Rahmen­be­din­gun­gen sich in ihrem Inter­esse geän­dert haben würden, wofür die sich etablie­ren­den bürger­li­chen Parteien mit ihrer Orien­tie­rung auf die Wahrung der alten privat­ka­pi­ta­lis­ti­schen Eigen­tums­ver­hält­nisse dann auch sorgten.

In Hessen beispiels­weise wurde auf Basis einer Mehr­heit von Sozi­al­de­mo­kra­ten und Kommu­nis­ten in der Landes­re­gie­rung eine Verfas­sung ausge­ar­bei­tet, in der Arti­kel 41 Pläne zur Verge­sell­schaf­tung wich­ti­ger Indus­trie­zweige und zur Verstaat­li­chung des Banken­sek­tors vorsah. Obwohl dieser Arti­kel in keiner Weise gegen die Grund­sätze des Pots­da­mer Abkom­mens verstieß, wollte die US-Mili­tär­ver­wal­tung ihn aus der Verfas­sung strei­chen. Eine Volks­ab­stim­mung über Arti­kel 41 im Dezem­ber 1946 ergab zwar eine Zustim­mung von 72 %, doch US-Gene­ral Lucius Clay verbot dessen Umset­zung. Eine geplante Boden­re­form wurde in den ande­ren Teilen der US-Besat­zungs­zone eben­falls verhin­dert. In der briti­schen Besat­zungs­zone wurde nach viel Verzö­ge­rung 1947 eine begrenzte Boden­re­form einge­lei­tet, die jedoch die bestehen­den land­wirt­schaft­li­chen Struk­tu­ren weit­ge­hend unan­ge­tas­tet ließ.

Die neuen Boden­re­form­ge­setze, die in West­deutsch­land ausge­ar­bei­tet wurden, waren Ausdruck des Wunsches der länd­li­chen Bevöl­ke­rung nach Verän­de­rung. Letzt­end­lich wurden sie jedoch enttäuscht, da die weni­gen im Westen ergrif­fe­nen Maßnah­men nicht ausreich­ten, um einen echten Wandel herbei­zu­füh­ren. Sie betra­fen ledig­lich 5 % der gesam­ten Acker­flä­che. Im Gegen­satz dazu wurden zwischen 1945 und 1952 in der DDR 3,2 Millio­nen Hektar enteig­net und neu verteilt (vier­zehn­mal so viel Land wie in West­deutsch­land).19

Politisch-wirtschaftlicher Hintergrund der Bodenreform

Die Boden­re­form war zum einen die Verwirk­li­chung jahr­zehn­te­al­ter Forde­run­gen zur demo­kra­ti­schen Umge­stal­tung auf dem Land und zum ande­ren die konkrete Antwort auf die poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Nach­kriegs­si­tua­tion in Deutschland.

Weder die sowje­ti­sche Besat­zungs­macht noch die deut­schen Kommu­nis­ten verfolg­ten direkt das Ziel einer sozia­lis­ti­schen Umge­stal­tung in Deutsch­land. Ihre Stra­te­gie zielte auf eine anti­fa­schis­tisch-demo­kra­ti­sche Umwäl­zung. Der aggres­sive deut­sche Impe­ria­lis­mus sollte geschwächt und für die inter­na­tio­nale System­aus­ein­an­der­set­zung, die sogleich den Kampf gegen den Faschis­mus ablöste, neutra­li­siert werden. Inner­halb Deutsch­lands soll­ten so die Kampf­be­din­gun­gen für die deut­sche Arbei­ter­be­we­gung verbes­sert werden. Die Boden­re­form kann nicht aus der späte­ren Entwick­lung des Aufbaus des Sozia­lis­mus in der DDR verstan­den werden, legte aber durch die Demo­kra­ti­sie­rung auf dem Land und die Etablie­rung von Koope­ra­ti­ons­be­zie­hun­gen letzt­lich bereits ein wich­ti­ges Funda­ment. Die Forde­rung zur Neuauf­tei­lung des Bodens bestand bedeu­tend länger, ihr entschei­den­der Hinter­grund lieferte die jahr­hun­der­te­alte, feudal geprägte Unter­drü­ckung der Bauern und Land­ar­bei­ter. Walter Ulbricht brachte diesen Zusam­men­hang in seiner Rede auf dem zwei­ten Partei­tag der SED 1947 auf den Punkt.

„Wir haben offen gesagt: Wir sind nicht für irgend­wel­che Kollek­ti­vie­rungs­maß­nah­men oder etwa für die Sozia­li­sie­rung in der Land­wirt­schaft. Im Gegen­teil, den Bauern wurde Land gege­ben, es wurde neues Privat­ei­gen­tum geschaff­ten, aber zugleich wurde die Soli­da­ri­tät der Neubau­ern und der Altbau­ern auf einer neuen Grund­lage entwi­ckelt. Ich sage offen, wenn manche Leute uns bei Beginn der Boden­re­form sagten: Was seid ihr für Sozia­lis­ten? Ihr seid ja nicht einmal für die „Verge­nos­sen­schaft­li­chung der land­wirt­schaft­li­chen Betriebe“, so haben wir ihnen gesagt: Das könnte Ihnen, meine Herren, so passen, daß der Groß­grund­be­sitz zusam­men­ge­hal­ten wird, damit Sie später diesen Groß­grund­be­sitz in die Hände der alten Besit­zer zurück­ge­ben können! Nein, unser Kurs ist ein ande­rer: Wir handeln so, daß der Groß­grund­be­sitz voll­stän­dig aufge­teilt wird, damit es niemals wieder in Deutsch­land einen Groß­grund­be­sit­zer geben wird, der diesen Boden zurück­be­kom­men kann. […]

 

Es ist rich­tig, was die Sach­sen, die Thürin­ger und die bran­den­bur­gi­schen Selbst­ver­wal­tungs­or­gane gemacht haben, sie haben auch die alten Grund­bü­cher vernich­tet. Jawohl, nicht einmal die alten Grund­bü­cher, nicht ein Stück Papier vom frühe­ren Groß­grund­be­sitz darf übrigbleiben.

 

Wir sind über­zeugt: Wenn faschis­ti­sche und reak­tio­näre Kräfte noch Hoff­nung haben soll­ten, bei der künf­ti­gen Einheit Deutsch­lands ihre Posi­tio­nen irgend­wie zurück­be­kom­men zu können, so werden die Arbei­ter­klasse, die Bauern­schaft, die fort­schritt­li­che Intel­li­genz gemein­sam das, was sie erkämpft haben, mit allen Mitteln vertei­di­gen.“20

Die Einheit Deutsch­lands, von der Ulbricht hier spricht, drückt das stra­te­gi­sche Ziel der Kommu­nis­ten zu dieser Zeit aus. Sie kämp­fen in allen vier Besat­zungs­zo­nen für ein einheit­li­ches, demo­kra­ti­sches und neutra­les Deutsch­land. Im Sinne dieses Ziels bildete die Boden­re­form einen zentra­len Schlag gegen die tradi­tio­nel­len Eigen­tums- und Macht­ver­hält­nisse auf dem Land, die endgül­tige Besei­ti­gung der Über­reste der Feudal­ord­nung. Wie die soge­nannte Wieder­ver­ei­ni­gung 1990 zeigen sollte, behiel­ten die Kommu­nis­ten mit der sorg­fäl­ti­gen Zerschla­gung des Groß­grund­be­sit­zes Recht. Die Parzel­lie­rung des Landes mittels der Boden­re­form verhin­derte, zumin­dest zunächst, eine Restau­rie­rung ehema­li­ger Besitz­ver­hält­nisse und sicherte so die Errun­gen­schaft der endgül­ti­gen bürger­li­chen Bauern­be­frei­ung.

Neben diesem poli­ti­schen Kontext ist der wirt­schaft­li­che entschei­dend. Die Aufgabe bestand darin, unter den Bedin­gun­gen der kata­stro­pha­len Kriegs­zer­stö­rung die Versor­gung mit Lebens­mit­teln abzu­si­chern. Die tech­ni­schen Voraus­set­zun­gen für land­wirt­schaft­li­che Groß­pro­duk­tion waren nicht gege­ben. Nach­dem bereits die Total­ab­lie­fe­rungs­pflicht durch eine Teil­ab­lie­fe­rung ersetzt wurde, sodass die Bauern Über­schüsse zu für sie besse­ren Prei­sen verkau­fen konn­ten, schaffte es die Boden­re­form mit der priva­ten Klein­bau­ern­wirt­schaft das Inter­esse zur Stei­ge­rung der Produk­tion zusätz­lich zu wecken. Edwin Hoernle fasste die Haupt­gründe für die Boden­re­form unter diesen beson­de­ren Bedin­gun­gen so zusammen:

„Die große Agrar­re­form ist vor allem ein entschei­den­des Mittel zur völli­gen Ausrot­tung des preu­ßi­schen Mili­ta­ris­mus, dessen Haupt­trä­ger die Junker­kaste war. Auch wirt­schaft­lich ist die Über­gabe des Bodens an den selbst arbei­ten­den Bauern heute drin­gend notwen­dig. Nur der sprich­wört­li­che Bauern­fleiß, der Fana­tis­mus, mit denen der kleine Bauer an seiner Scholle klebt, vermag bei dem heuti­gen Ruin der Land­wirt­schaft und dem gewal­ti­gen Mangel an tech­ni­schen Mitteln eine schleu­nige Hebung der land­wirt­schaft­li­chen Produk­tion herbei­zu­füh­ren.“21

Ein weite­res Problem war der massive Zustrom von Flücht­lin­gen und ihre Unter­brin­gung: 4,4 Millio­nen Flücht­linge deut­scher Herkunft kamen in die sowje­ti­sche Besat­zungs­zone, das entsprach über 24 % der Bevöl­ke­rung.22 Sie waren von der sich zurück­zie­hen­den Wehr­macht oder der loka­len Bevöl­ke­rung und den Regie­run­gen aus Osteu­ropa umge­sie­delt worden, als die Regio­nen von der faschis­ti­schen Besat­zung befreit wurden. Indus­trie und Wohn­ge­biete der Städte waren weit­ge­hend vom Krieg zerstört. In Scheu­nen und Bauern­wirt­schaf­ten konnte noch eher Wohn­raum geschaf­fen werden. Mit dem Zusam­men­bruch der Lebens­mit­tel­ver­sor­gung bot die klein­bäu­er­li­che Land­wirt­schaft den so genann­ten Umsied­lern auch die Möglich­keit zur Selbstversorgung.

Für Neubau­ern­höfe erwies sich die Größe der zuge­teil­ten land­wirt­schaft­li­chen Flächen und geringe Verfüg­bar­keit von Betriebs­mit­teln oftmals als objek­tive Grenze, einen Ertrag zu erwirt­schaf­ten, der über die Selbst­ver­sor­gung der neuen Eigen­tü­mer hinaus­ging und den stren­gen Pflicht­ab­ga­be­auf­la­gen genü­gen konnte. Von vorn­her­ein war klar, dass die durch die Boden­re­form parzel­lierte Klein­bau­ern­wirt­schaft auf lange Sicht die stei­gen­den Anfor­de­run­gen der Nahrungs­mit­tel­pro­duk­tion nicht wird leis­ten können. Zur befris­te­ten Absi­che­rung der Versor­gungs­lage konn­ten die mit der Boden­re­form entstan­de­nen Struk­tu­ren erheb­lich beitragen.

Durchführung und Wirkung der Bodenreform

In öffent­li­chen Dorf­ver­samm­lun­gen wähl­ten im Septem­ber 1945 in der Regel Land­ar­bei­ter, land­arme und kleine Bauern sowie Umsied­ler aus ihren eige­nen Reihen die Mitglie­der der Boden­re­form­kom­mis­sio­nen, die die Umset­zung der Reform koor­di­nier­ten. Auch auf Kreis- und Landes­ebene nahmen entspre­chende Kommis­sio­nen ihre Tätig­keit auf. Die Boden­re­form­kom­mis­sio­nen legten im Rahmen der gesetz­li­chen Bestim­mun­gen fest, welcher Boden zu enteig­nen war, doku­men­tier­ten und sicher­ten den Bestand der dazu­ge­hö­ri­gen Gebäude und des Inven­tars, erstell­ten Listen der land­ar­men und land­lo­sen Bauern und Land­ar­bei­ter sowie der Flücht­linge und Umsied­ler und nahmen Anträge auf Land­zu­tei­lung entge­gen. Sie waren verpflich­tet, in öffent­li­chen Versamm­lun­gen mit allen Boden­an­wär­tern über die Auftei­lungs­pläne zu bera­ten und zu beschlie­ßen. Über die Vergabe der Parzel­len und des toten und leben­di­gen Inven­tars entschied, um Unge­rech­tig­kei­ten zu vermei­den, am Ende das Los. Ebenso zustän­dig war die Boden­re­form­kom­mis­sion für die Bildung erster Komi­tees zur gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe. Diese im Herbst 1945 gebil­de­ten Komi­tees sorg­ten für eine ratio­nelle Nutzung der land­wirt­schaft­li­chen Maschi­nen und orga­ni­sier­ten die gegen­sei­tige Hilfe der Neubauern.

Bild 4. Mitglie­der einer Boden­re­form­kom­mis­sion vermes­sen im Septem­ber 1945 eine Parzelle.

Den rund 9.500 Boden­re­form­kom­mis­sio­nen gehör­ten über 52.000 Mitglie­der an, darun­ter 19.700 Land­ar­bei­ter, über 18.500 kleine Bauern und Päch­ter, über 6.300 Umsied­ler. Die übri­gen ca. 7.700 sons­ti­gen Mitglie­der waren Indus­trie­ar­bei­ter, Dorf­hand­wer­ker und andere. Damit wurde die Haupt­ver­ant­wor­tung für die Durch­füh­rung der Boden­re­form denje­ni­gen sozia­len Kräf­ten über­tra­gen, welche selbst am stärks­ten an der Neuge­stal­tung der Besitz­ver­hält­nisse auf dem Land inter­es­siert waren. Den Vorsitz der aus fünf bis sieben Mitglie­dern bestehen­den Kommis­sio­nen führte zumeist der Bürger­meis­ter. Der größte Teil des zur Indi­vi­du­al­ver­gabe gelan­gen­den Bodens war bis Ende 1945 aufge­teilt. Die ehema­li­gen Groß­grund­be­sit­zer wurden in der Regel aus ihren Gemein­den ausge­wie­sen. Als Organe der Boden­re­form erwie­sen sich die Kommis­sio­nen als Schu­len der Demo­kra­tie. Die Umset­zung der Boden­re­form wurde in die verant­wort­li­chen Hände der orts­an­säs­si­gen Bevöl­ke­rung gelegt. Die Über­gabe der Eigen­tums­ur­kun­den über den zuge­teil­ten Boden wurde zu einem Fest­tag in den Dörfern. Der Bericht des örtli­chen SED-Partei­mit­glieds Hermann Wesemann über eine öffent­li­che Versamm­lung in Toris­dorf, Kreis Schön­berg, zeich­net ein anschau­li­ches Bild davon, dass die Boden­re­form eine Form des Klas­sen­kampfs war:

„Toris­dorf war ein Gut von etwa 400 Hektar. Es gehörte dem Junker Axel Bunger, einem einge­fleisch­ten Mili­ta­ris­ten, der sich von ‘seinen Leuten’ mit ‘Herr Haupt­mann’ anre­den ließ. Im Dorf gab es einige klas­sen­be­wußte Arbei­ter, die uns halfen, durch indi­vi­du­elle Ausspra­chen eine Dorf­ver­samm­lung vorzu­be­rei­ten. Sie fand am 3. oder 4. Okto­ber morgens um 07.00 Uhr statt. […] Es waren alle da, auch die Umsied­ler. Einige Land­ar­bei­ter waren bemüht, den Eindruck zu erwe­cken, als wären sie nur zufäl­lig auf die Versamm­lung gesto­ßen. Sie hiel­ten Wasser­ei­mer oder Milch­kan­nen in den Händen und stan­den etwas abseits. Das war sicher wegen des ‘Herrn Haupt­mann’, vor dessen Augen sich ja alles abspielte. Als Refe­rent sprach ich über die Notwen­dig­keit und Bedeu­tung der Boden­re­form und erklärte das Gesetz über die Boden­re­form. In der anschlie­ßen­den Diskus­sion zeig­ten sich unter­schied­li­che Stand­punkte und Unklar­hei­ten der Versam­mel­ten. Zuerst traten die klas­sen­be­wuß­ten Land­ar­bei­ter, wie Genosse Bruns oder der alte Kräger, auf. Sie forder­ten, daß mit der Guts­herr­schaft Schluß gemacht werden und die sofor­tige Enteig­nung des Guts­herrn und seine Entfer­nung aus dem Dorf erfol­gen sollte. Einige Land­ar­bei­ter dreh­ten und wende­ten sich noch mit Meinun­gen: ‘Wer weiß, wie das noch kommt, der Herr ist ja noch da, und er kann ja auch wieder­kom­men, dann geht es uns an den Kragen.’ Andere mein­ten: ‘Wie sollen wir denn mit dem Land fertig werden, wenn jeder für sich wirt­schaf­tet? Wir haben ja nichts dazu’ So gingen eine Zeit­lang die Meinun­gen hin und her, bis schließ­lich alle ihre Zustim­mung zur Auftei­lung des Gutes gaben. Es wurde eine Boden­kom­mis­sion gebil­det, an deren Spitze der Land­ar­bei­ter Genosse Bruns stand. Jetzt mußte aber der Guts­herr von dem Beschluß der Versamm­lung offi­zi­ell unter­rich­tet werden. Als wir zu ihm gingen, kam er uns schon schrei­end und schimp­fend entge­gen. Ich teilte ihm in knap­pen Worten den Beschluß mit und forderte ihn auf, der Boden­kom­mis­sion unver­züg­lich die Schlüs­sel und alle Guts­un­ter­la­gen auszu­hän­di­gen, sich bis auf weite­res in seinem Zimmer aufzu­hal­ten und sich jeder Einmi­schung zu enthal­ten. Er versuchte uns zunächst einzu­schüch­tern, erklärte die Versamm­lung nicht für kompe­tent, und münd­li­che Beschlüsse könne er über­haupt nicht aner­ken­nen. Auf die Frage der Kompe­tenz antwor­tend fragte ich ihn, ob er es auf eine Macht­frage ankom­men lassen wolle? Dazu käme er zu spät, sie sei bereits zuguns­ten des werk­tä­ti­gen Volkes entschie­den, er und seines­glei­chen hätten hier für immer ausge­spielt. Wir haben ihn in der Zeit bis zur Auftei­lung des Gutes, die bald darauf erfolgte, sicher bewacht und verhin­dert, daß er irgend etwas verschi­cken konnte.“23

Bild 5. Junge Menschen helfen beim Abbau eines alten Herren­hau­ses, um Bauma­te­ria­lien für neue Bauern­häu­ser zu gewinnen.

Im Zuge der Boden­re­form in der sowje­ti­schen Besat­zungs­zone wurden 3,3 Millio­nen Hektar Land­be­sitz – das entsprach etwa einem Drit­tel der land- und forst­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­chen – sowie 14.000 bauli­che Objekte entschä­di­gungs­los enteig­net. 76 % der enteig­ne­ten Fläche stamm­ten von 7.160 priva­ten Guts­be­trie­ben, also von Höfen mit über 100 Hektar Nutz­flä­che; 4 % von 4.537 Höfen akti­ver Nazis und Kriegs­ver­bre­cher mit weni­ger als 100 Hektar Fläche. Bei den rest­li­chen 20 % der enteig­ne­ten Flächen handelte es sich um staat­li­ches Eigen­tum sowie um Eigen­tum der Nazi-Partei.24

Aus den enteig­ne­ten 3,3 Millio­nen Hektar gingen 2,2 Millio­nen Hektar in einen zentra­len Boden­fonds ein, der durch Boden­re­form­kom­mis­sio­nen an private Bewer­ber verteilt wurde. Das verblei­bende Drit­tel des Boden­re­form­lan­des, unge­fähr 1,1 Millio­nen Hektar, die nicht in Form von Privat­ei­gen­tum neuver­teilt wurden, gingen in Landes­ei­gen­tum über oder wurden an Kommu­nen und gesell­schaft­li­che Organe über­ge­ben. In diesem Prozess entstan­den 500 Volks­ei­gene Güter.25 Diese Güter dien­ten, im Rahmen der Repa­ra­ti­ons­leis­tung, zunächst als Versor­gungs­be­triebe für die Rote Armee. Später wurden sie sukzes­sive in Staats­ei­gen­tum der DDR umge­wan­delt. Sie erfüll­ten primär Unter­stüt­zungs­funk­tio­nen gegen­über ande­ren land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben: etwa als „Saat­gut- und Tier­zucht­be­triebe“, als Ausbil­dungs- und Lehr­be­triebe sowie als Betriebe zu Versuchs- und Forschungs­zwe­cken. Außer­dem unter­stütz­ten sie wirt­schafts­schwa­che Bauern bera­tend. Ihnen kam eine Vorrei­ter­rolle bei Einfüh­rung neuer Arbeits­me­tho­den zu.

Das enteig­nete Land wurde als Privat­ei­gen­tum verteilt mit den Einschrän­kun­gen, dass es als „gebun­de­nes Eigen­tum“ neuver­teilt wurde. Die Empfän­ger soll­ten auch die Nutzer sein: Es durfte zwar vererbt, jedoch nicht verkauft, verpach­tet oder verpfän­det werden und ging grund­sätz­lich schul­den­frei in das Eigen­tum des Empfän­gers über. 43% des zu verge­ben­den Landes wurde an Land­ar­bei­ter und land­lose Bauern, 35% an Umsied­ler aus den ehema­li­gen von Deutsch­land beset­zen Ostge­bie­ten verteilt.26 Die land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­che, die von Klein­bau­ern bewirt­schaf­tet wurde, hatte sich durch die Boden­re­form verdoppelt.

Im Früh­jahr 1946 fanden für die zuvor noch über­gangs­weise gebil­de­ten Komi­tees Wahlen für die Orts­aus­schüsse der Verei­ni­gung der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe (VdgB) statt. Diese Ausschüsse stell­ten sich die Aufgabe, Ausleih­sta­tio­nen für land­wirt­schaft­li­chen Maschi­nen und Geräte aufzu­bauen (soge­nannte Maschi­nen-Ausleih-Statio­nen, MAS), Betriebe zur Verar­bei­tung land­wirt­schaft­li­cher Produkte zu errich­ten, Repa­ra­tur­werk­stät­ten zu schaf­fen, Deck­sta­tio­nen einzurichten.

Es gab zahl­rei­che Maßnah­men, um die Situa­tion der Neubau­ern zu verbes­sern und die neuge­schaf­fe­nen Wirt­schaf­ten zu festi­gen. Dazu zähl­ten die Anpas­sung von Ablie­fe­rungs­nor­men, Saat­gut- und Vieh­be­reit­stel­lung, Kredite, Förde­rung von Koope­ra­tion mit ande­ren Bauern und Ernte­hil­fen oder ein auf Befehl der Sowje­ti­schen Mili­tär­ad­mi­nis­tra­tion erlas­se­nes Baupro­gramm, in dessen Rahmen bis 1953 rund 95.000 Wohn­häu­ser, 104.300 Ställe und 38.470 Scheu­nen gebaut wurden.27

Da gene­rell Arbeits­kräfte, Land­ma­schi­nen und Zugtiere fehl­ten, war die Koope­ra­tion sowohl zwischen den Bauern als auch mit Kommu­nen, Orga­ni­sa­tio­nen und Betrie­ben wich­tig und nötig, beispiels­weise wurden die Neubau­ern mit der Orga­ni­sa­tion von Ernte­hil­fen aus den Städ­ten unterstützt.

Bild 6. Feier zur Fertig­stel­lung des 100. Trak­tors im Trak­to­ren­werk Bran­den­burg im Okto­ber 1949.

Die Boden­re­form war ein histo­ri­scher Einschnitt zur Demo­kra­ti­sie­rung der Agrar­ver­hält­nisse in der deut­schen Geschichte. Sie verän­derte die Exis­tenz­be­din­gun­gen der Land­be­völ­ke­rung im Osten Deutsch­lands radi­kal. Die ökono­mi­sche und poli­ti­sche Macht des Groß­grund­be­sit­zes wurde gebro­chen. Vom Joch der Groß­grund­be­sit­zer befreit, entwi­ckel­ten sich die Bauern und Land­ar­bei­ter durch die demo­kra­ti­schen Struk­tu­ren der Boden­re­form­kom­mis­sion, der Verei­ni­gung der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe und der 1948 gegrün­de­ten Demo­kra­ti­schen Bauern­par­tei Deutsch­lands (DBD) zuneh­mend zum selbst­be­wuss­ten und gesell­schaft­lich wirk­mäch­ti­gen Subjekt. Die DBD wurde gegrün­det, um das poli­ti­sche Mitwir­ken und die Vertre­tung der Bauern in der DDR zu stär­ken. Mit einer festen Frak­tion in der Volks­kam­mer blieb sie ein fester Bestand­teil der poli­ti­schen Entschei­dungs­struk­tu­ren, und spielte eine aktive Rolle auf dem Land.

Koope­ra­tion und Mitbe­stim­mung wurden zu zentra­len Merk­ma­len der Arbeits­be­zie­hun­gen der Bauern. Die Boden­re­form stellte, wie die Erfah­rungs­be­richte zeigen, die Macht­frage auf den Dörfern ganz konkret. Groß­grund­be­sit­zer versuch­ten oftmals Wider­stand gegen ihre Enteig­nung und ihren Verlust von Einfluss und Macht zu leis­ten, nahmen, als sie keine Alter­na­tive mehr sahen, alles mit, was sie trans­por­tie­ren konn­ten. Der Umfang des Neube­ginns und die Kompli­ziert­heit dieses Wandels im Leben und Denken der Neubau­ern und Land­be­völ­ke­rung darf ange­sichts der zwölf Jahre faschis­ti­scher Kriegs­hetze und jahr­hun­der­te­al­ter Unter­drü­ckung durch den Feudal­adel und Groß­grund­be­sitz nicht unter­schätzt werden. Bruno Kies­ler, lang­jäh­ri­ger Leiter der Land­wirt­schafts­ab­tei­lung des SED-Zentral­ko­mi­tees, erklärte die stra­te­gi­sche Bedeu­tung der Bodenreform:

„Die demo­kra­ti­sche Boden­re­form war eine stra­te­gisch rich­tige Entschei­dung, obwohl ihren Vätern bewusst war, dass die Groß­pro­duk­tion auch in der Land­wirt­schaft einer zersplit­ter­ten Klein­wirt­schaft über­le­gen war. Doch es war notwen­dig, die Menschen auf dem Lande auf diesem Weg mitzu­neh­men und ihnen nicht diese Erkennt­nis zu verord­nen. Sie muss­ten im Wort­sinne erst einmal (eige­nen) Boden unter die Füße bekom­men und Vertrauen in die poli­ti­sche Führung gewin­nen. In der prak­ti­schen bäuer­li­chen Tätig­keit sollte dann sukzes­siv erfah­ren werden, dass die gemein­schaft­li­che, die genos­sen­schaft­li­che Arbeit effek­ti­ver ist.“28

„Vom Ich zum Wir“ – Die Genossenschaftsbewegung

Private oder genossenschaftliche Großproduktion – eine strategische Entscheidung

1950 bestan­den 32.621 staat­li­che Land­wirt­schafts­be­triebe und 617.886 Privat­wirt­schaf­ten, die größer als ein Hektar waren. Zusam­men­ge­nom­men bewirt­schaf­te­ten diese priva­ten land­wirt­schaft­li­chen Betriebe rund 88 % der gesam­ten land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che (5,7 Millio­nen Hektar).29 Infolge der Boden­re­form und des hohen Verlusts an Männern während des Krie­ges wurden 1948 40.000 Bauern­höfe von Bäue­rin­nen unab­hän­gig geführt.30 Mit einer durch­schnitt­li­chen Größe von etwa 9,3 ha. teil­ten sich die Privat­be­trieb zu diesen tatsäch­li­chen Größen auf:

Annä­hernd zwei Millio­nen der fast acht Millio­nen Erwerbs­tä­ti­gen in der DDR arbei­te­ten 1950 in der Land­wirt­schaft. Darun­ter wurden ca. ¼ Land­ar­bei­ter und ¼ Bauern gezählt. Die andere Hälfte setzte sich annä­hernd komplett aus mithel­fen­den Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen, fast ausschließ­lich Frauen zusam­men (ohne Vertrag, Sozi­al­ver­si­che­rung oder Einkom­men­steuer arbei­tet).31 Von den etwa 500.000 Bauern waren annä­hernd die Hälfte (ca. 210.000) Neubau­ern, d.h. ehema­lige Land­ar­bei­ter, land­lose Bauern und Umsied­ler.

Der wirt­schaft­li­che Druck zur Über­win­dung der land­wirt­schaft­li­chen Klein­pro­duk­tion stieg zu Beginn der 50er Jahre an. Der Bedarf an land­wirt­schaft­li­chen Erzeug­nis­sen, sowohl als Rohstoffe für die Indus­trie als auch für den Versor­gungs­be­darf der Bevöl­ke­rung mit Nahrungs­gü­tern, wuchs an. Gleich­zei­tig deutete sich eine Stagna­tion der land­wirt­schaft­li­chen Produk­tion und der Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät an.32 Anfang der 50’er Jahre kam es auf Grund der schwie­ri­gen ökono­mi­schen Lage vor allem bei Neubau­ern zu Betriebs­auf­ga­ben. Bis Mitte 1952, d.h. bis zum Beginn der Genos­sen­schafts­be­we­gung, gaben ca. 30.000 Neubau­ern ihre Betriebe wieder auf.33 Oftmals handelte es sich dabei um schwer zu bewirt­schaf­tende Gelände und schlechte Böden. Diese Höfe wurden zunächst staat­lich, von soge­nann­ten örtli­chen Land­wirt­schafts­be­trie­ben (ÖLB) zwischenbewirtschaftet.

Die parzel­lierte Agrar­pro­duk­tion, land­läu­fig als „Hand­tuch­wirt­schaft“ bezeich­net, behin­derte eine ratio­nelle Vertei­lung der Arbeits­kräfte und erschwerte den produk­ti­ven Einsatz von Land­ma­schi­nen, die aller­dings weiter­hin nur in gerin­gem Maße zur Verfü­gung stan­den. Die Hand­ar­beit blieb vorherr­schend. 1950 verfüg­ten die 514 Maschi­nen-Trak­to­ren-Statio­nen (MTS) der DDR über gerade einmal 10 834 Trak­to­ren und 675 Last­kraft­wa­gen für das gesamte Land.34

Bild 7. Hof einer Maschi­nen-Trak­to­ren-Station in Obhau­sen, Sach­sen-Anhalt (1950).

Eine Reihe von wohl­ha­ben­de­ren Mittel­bau­ern, darun­ter auch Neubau­ern, hatte begon­nen sich tenden­zi­ell zu Groß­bau­ern zu entwi­ckeln. Als Groß­bau­ern­wirt­schaf­ten wurden solche Wirt­schaf­ten betrach­tet, die mehr als 20 Hektar Land mitt­le­rer Boden­qua­li­tät besa­ßen, und Land­ar­bei­ter beschäf­ti­gen mit dem Ziel, nicht selbst erar­bei­tete Einkünfte zu erhal­ten.35 Diese Gruppe von Bauern suchte sich mehr Boden und Tech­nik zu beschaf­fen, ihre Vieh­be­stände zu erhö­hen und mehr Land­ar­bei­ter zu beschäf­ti­gen. Im Gegen­satz zu den sowje­tisch orien­tier­ten Volks­re­pu­bli­ken in Osteu­ropa war die Eigen­tums­struk­tur in der DDR auf dem Stand von 1948 einge­fro­ren. Hinter­grund dafür war die noch unge­löste Frage der deut­schen Einheit. Zu diesem Zeit­punkt waren Indus­trie­un­ter­neh­men, Banken und der Verkehrs­sek­tor bereits weit­ge­hend verstaat­licht. Die land­wirt­schaft­li­che Produk­ti­vi­tät wurde jedoch durch die Beschrän­kun­gen klei­ner und mitt­le­rer priva­ter land­wirt­schaft­li­cher Betriebe entschei­dend beein­träch­tigt. Der sozia­lis­ti­sche Histo­ri­ker Kurt Goss­wei­ler beschrieb die zuneh­mende Notwen­dig­keit einer stra­te­gi­schen Entscheidung:

„Die drin­gend notwen­dige Stei­ge­rung der Ertrags­kraft der Land­wirt­schaft stellte die DDR-Führung vor die Entschei­dung: Öffnung des Weges zur Groß­land­wirt­schaft, entwe­der zur kapi­ta­lis­ti­schen oder zur sozia­lis­ti­schen. Deshalb bedeu­tete die Diskus­sion um den Aufbau des Sozia­lis­mus in der DDR vor allem eine Diskus­sion darum, ob in der Land­wirt­schaft der Weg frei­ge­ge­ben würde zur Bildung von land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten.“36

Die Orien­tie­rung auf genos­sen­schaft­li­che Land­wirt­schafts­pro­duk­tion würde tief in die Arbeits- und Eigen­tums­ver­hält­nisse auf dem Land eingrei­fen. Es war eine lang­fris­tige Grund­satz­ent­schei­dung, die unge­klärt blei­ben musste, solange die poli­ti­schen Verhält­nisse in Deutsch­land es blieben.

In erster Linie war diese Entschei­dung abhän­gig von der Entwick­lung der natio­na­len Frage in Deutsch­land. 1949 wurde die DDR, in Reak­tion auf die Grün­dung der west­deut­schen Bundes­re­pu­blik, als anti­fa­schis­tisch-demo­kra­ti­scher Staat gegrün­dete. Ein Kurs zum Aufbau des Sozia­lis­mus wurde noch nicht gelegt. Die Sowjet­union, ebenso wie die Kommu­nis­ten in West- und Ostdeutsch­land, verfolg­ten weiter­hin das stra­te­gi­sche Ziel eines einheit­li­chen, neutra­len Deutsch­lands, in dem die Beschlüsse des Pots­da­mer Abkom­mens zur Dena­zi­fi­zie­rung, Demi­li­ta­ri­sie­rung, Dezen­tra­li­sie­rung und Demo­kra­ti­sie­rung umge­setzt würden.

Die Poli­tik der West­al­li­ier­ten und der west­deut­schen Regie­rung durch­kreuzte diese Absicht zuse­hends. Poli­tisch und ökono­misch formier­ten sich die West­zo­nen 1949, unter­stützt von den USA, Groß­bri­tan­nien und Frank­reich zum Sepa­rat­staat. Die Volks­be­we­gung, die sich entschlos­sen für die Entna­zi­fi­zie­rung und Enteig­nung der Kriegs­ver­bre­cher einsetzte, wurde im Westen massiv bekämpft und konnte nicht die nötige Stärke errin­gen. Zu Beginn der 50er Jahre wurden in West­deutsch­land Schritte zur Remi­li­ta­ri­sie­rung unter­nom­men. Einen letz­ten Versuch, um eine andere Entwick­lung in Deutsch­land zu beför­dern, unter­nahm die Sowjet­union mit den soge­nann­ten Stalin-Noten im März 1952, die ein einheit­li­ches Deutsch­land vorschlug, das seine eige­nen natio­na­len Streit­kräfte zur Vertei­di­gung behal­ten, sich jedoch aus Koali­tio­nen oder Mili­tär­bünd­nis­sen gegen einen Staat der Anti-Hitler-Koali­tion heraus­hal­ten würde. Dieser Vorstoß blieb vom Westen unbe­ant­wor­tet. Die Stra­te­gie für ein einheit­li­ches, demo­kra­ti­sches und bünd­nis­freies Deutsch­land war geschei­tert. Für die DDR ergab sich daraus die Notwen­dig­keit, eine vom Westen unab­hän­gige und souve­räne wirt­schafts- und sicher­heits­po­li­ti­sche Entwick­lung voran­zu­trei­ben und abzu­si­chern. In eini­gen Dörfern hatten sich schon 1950 und 1951 Bauern zu einer Art genos­sen­schaft­li­cher Produk­tion zusam­men­ge­fun­den. Die subjek­ti­ven und objek­ti­ven Voraus­set­zun­gen für land­wirt­schaft­li­che Genos­sen­schaf­ten waren weiter­hin nur unzu­rei­chend gegeben.

Ange­sichts der poli­ti­schen Zuspit­zung in der Deutsch­land­frage erkann­ten die SED und die UdSSR aller­dings die Notwen­dig­keit einer Stra­te­gie­än­de­rung. Die zweite Partei­kon­fe­renz der SED vom 9.–12. Juli 1952 gab die klare Orien­tie­rung für den Aufbau des Sozia­lis­mus und damit insbe­son­dere auch für die Bildung von Genos­sen­schaf­ten in der Land­wirt­schaft. Walter Ulbricht, Gene­ral­se­kre­tär der SED, betonte die Notwen­dig­keit der Frei­wil­lig­keit für den Zusam­men­schluss in den Genossenschaften:

„Ich halte es für notwen­dig, von der Tribüne dieser Konfe­renz herab den Grund­satz der abso­lu­ten Frei­wil­lig­keit bei der Orga­ni­sie­rung solcher Genos­sen­schaf­ten ausdrück­lich zu unter­strei­chen und auf die Unzu­läs­sig­keit der Anwen­dung irgend­ei­nes Zwan­ges gegen­über den Bauern in dieser Frage hinzu­wei­sen. Schon Genosse Lenin hat darauf hinge­wie­sen, daß man nicht durch Dekrete und Gesetze die gemein­schaft­li­che Boden­be­ar­bei­tung einfüh­ren kann.“37

Bild 8. SED-Agita­ti­ons­pla­kat aus den 1950er Jahren.

Subjektive und objektive Voraussetzungen für die Genossenschaft entwickeln

Das poli­ti­sche Ziel der Bildung von Genos­sen­schaf­ten unter­lag einem star­ken ökono­mi­schen Druck zur raschen Entwick­lung und Stei­ge­rung der Produk­tion. Zugleich waren die subjek­ti­ven und objek­ti­ven Voraus­set­zun­gen zur genos­sen­schaft­li­chen Groß­pro­duk­tion in mehr­fa­cher Hinsicht noch nicht ausrei­chend entwi­ckelt und muss­ten erst geschaf­fen werden.

Das Eigen­tüm­erden­ken vom ‘freien Bauern auf freier Scholle’ hatte sich über Jahr­hun­derte tief in das Denken der Bauern einge­prägt. Die Altbau­ern waren fest mit ihrem in Eigen­re­gie bewirt­schaf­te­ten Boden und Vieh verbun­den. Die nöti­gen Land­ma­schi­nen und Infra­struk­tur für die Groß­pro­duk­tion waren kaum vorhan­den. Nicht zuletzt fand dieser umfas­sende Struk­tur­wan­del auf dem Land unter den Bedin­gun­gen hefti­ger Kämpfe zwischen dem sozia­lis­ti­schen und kapi­ta­lis­ti­schen Lager statt. Der Versuch des Westens, den sozia­lis­ti­schen Aufbau mit allen erdenk­li­chen Mitteln zu torpe­die­ren, war in den 50er Jahren, unter der Bedin­gung offe­ner Gren­zen in Deutsch­land, zur Hoch­form ange­lau­fen. Wirt­schafts­sa­bo­tage, darun­ter die Zerstö­rung von Ernten und Lebens­mit­tel­vor­rä­ten, die Abwer­bung von Fach­kräf­ten und vieles mehr, belas­te­ten die schwie­ri­gen Jahre des Wieder­auf­baus in der Land­wirt­schaft und die DDR insgesamt.

Für die DDR bestand also vor dem Hinter­grund wirt­schaft­li­cher Entwick­lungs­er­for­der­nisse das Problem, in möglichst kurzer Zeit einen gewal­ti­gen Umbruch in der Arbeits‑, Lebens- und Denk­weise der Bauern voran­zu­brin­gen und die notwen­di­gen Struk­tu­ren zur land­wirt­schaft­li­chen Groß­pro­duk­tion heraus­zu­bil­den. Ohne die aktive Betei­li­gung der großen Masse der Bauern war dieser Prozess nicht zu schaf­fen. Wie konnte unter diesen Voraus­set­zun­gen das nötige Bewusst­sein und Vertrauen bei den Bauern für das poli­ti­sche Ziel der Genos­sen­schaf­ten entwi­ckelt und dabei dem Prin­zip der Frei­wil­lig­keit Rech­nung getra­gen werden?

Wie in der ersten Land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaft (LPG) der DDR, im thürin­gi­schen Merx­le­ben, gab es Bauern und Land­ar­bei­ter, die von sich aus, ob auf Grund der schwie­ri­gen ökono­mi­schen Lage ihrer Höfe oder auch aus Kennt­nis der genos­sen­schaft­li­chen Land­wirt­schaft der Sowjet­union und der eige­nen Über­zeu­gung für den Sozia­lis­mus, danach streb­ten, den Schritt zur gemein­sa­men Produk­tion zu gehen. Sie waren es, die bei der SED, auch bereits vor deren Beschluss, auf die Unter­stüt­zung für Genos­sen­schafts­grün­dun­gen dräng­ten. Für die aller­meis­ten, vor allem altein­ge­ses­sene Mittel- und Groß­bau­ern, war es im Jahr 1952 noch unvor­stell­bar, die über Gene­ra­tio­nen heran­ge­reifte Form des selbst­stän­di­gen Wirt­schaf­tens aufzu­ge­ben. Viele verhiel­ten sich ableh­nend, andere abwar­tend. Ihnen schien die lang­fris­tige Perspek­tive der DDR und des sozia­lis­ti­schen Aufbaus ebenso unsi­cher wie das Verspre­chen einer höhe­ren Produk­ti­vi­tät der genos­sen­schaft­li­chen Landwirtschaft.

Bild 9. Im Januar 1953 grün­de­ten neun Bauern aus der Gemeinde Bloch­witz im Kreis Großen­hain eine land­wirt­schaft­li­che Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaft. Mit ihrer Unter­schrift meldet sich eine Bäue­rin namens Godzina als Mitglied einer LPG.

Haupt­trieb­kraft der Genos­sen­schafts­be­we­gung waren in der Anfangs­phase vorwie­gend ökono­misch schwa­che Betriebe aller Betriebs­grö­ßen­grup­pen, vorran­gig die Klein- und Neubau­ern.38 Groß­bau­ern waren bis 1955 von der Mitglied­schaft in LPG‘en zunächst ausge­schlos­sen, um den werk­tä­ti­gen Schich­ten von Beginn an eine bestim­mende Rolle in den Genos­sen­schaf­ten zu sichern.39 Es waren die klei­nen Höfe, Land­ar­bei­ter und Neubau­ern, die meist die größ­ten wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten und zugleich weni­ger feste Bindung an ihr Land hatten, sodass sie einfa­cher für den Eintritt in die LPG zu gewin­nen waren.

Schlechte natür­li­che Produk­ti­ons­be­din­gun­gen, schlech­ter Kultur­zu­stand des Bodens, fehlende Wirt­schafts­ge­bäude, gerin­ger Arbeits­kraft­be­stand und mangelnde Erfah­run­gen sorg­ten bei den jungen LPG’en in der Regel für beträcht­li­che Anfangs­schwie­rig­kei­ten. Dadurch, dass sich tenden­zi­ell wirt­schafts­schwa­che Höfe, Neubau­ern und Land­ar­bei­ter zusam­men­schlos­sen, waren die Anfor­de­run­gen zur wirt­schaft­li­chen Entwick­lung einer­seits hoch und zugleich fehl­ten Erfah­run­gen zur Orga­ni­sa­tion der kollek­ti­ven Großproduktion.

Dabei wurde der Prozess zusätz­lich dadurch erschwert, dass Bauern oftmals nach und nach den Genos­sen­schaf­ten beitra­ten und sich die Anfor­de­rung zur Inte­gra­tion in das Kollek­tiv und die Einglie­de­rung neuer Flächen in die Produk­tion immer wieder aufs Neue stell­ten. Frucht­fol­gen und die Orga­ni­sa­tion der Wirt­schaft muss­ten laufend verän­dert werden. Die Erfah­rung zeigte, dass es je nach Ausgangs­lage in der Regel fünf bis zehn Jahre bedurfte, um feste Struk­tu­ren und konti­nu­ier­li­che Betriebs­ab­läufe zu etablie­ren.40

Viele Bauern hingen in tradier­ten Vorstel­lun­gen privat­bäu­er­li­cher Fami­li­en­wirt­schaft fest und hatten große Schwie­rig­kei­ten, sich an eine koope­ra­tive Arbeits­weise, an die aktive Teil­nahme zur Leitung einer Genos­sen­schaft und die Anwen­dung des Leis­tungs­prin­zips zu gewöh­nen. Erfah­run­gen mit einer land­wirt­schaft­li­chen Groß­pro­duk­tion waren sehr gering. Ein massi­ves Umden­ken ‘vom Ich zum Wir’ war dafür erforderlich.

„Die Mitglied­schaft in der LPG verlangt von den Bauern und Land­ar­bei­tern, in größe­rem Maßstab zu denken. Die kleine Wirt­schaft konnte der Bauer leich­ter über­se­hen. Jetzt muß er über die Belange eines Groß­be­trie­bes sach­kun­dig mitent­schei­den. Die genos­sen­schaft­li­che Arbeit macht es nötig, sich als Glied in ein Kollek­tiv einzu­fü­gen. Bisher entschied der Bauer selbst, wie er seine Arbeit einteilte. Jetzt erhält er Weisun­gen oder muß, wenn er z.B. Leiter einer Brigade wird, die Arbeit für viele Menschen orga­ni­sie­ren. Frühere Einzel­bau­ern und frühere Land­ar­bei­ter müssen lernen, bestimmte Vorur­teile zu über­win­den und sich als gleich­be­rech­tigte Genos­sen­schafts­bau­ern zu achten.“41

1952 bewirt­schaf­te­ten die ersten Genos­sen­schaf­ten bereits durch­schnitt­lich rund 114 Hektar land­wirt­schaft­li­che Fläche.42 In einem kurzen Zeit­raum muss­ten die mate­ri­el­len Voraus­set­zun­gen zur Groß­pro­duk­tion, die Ferti­gung von Land­ma­schi­nen und Agrar­tech­nik und die notwen­di­gen Inves­ti­ti­ons­mit­tel für den Bau von Stäl­len, Lager­ka­pa­zi­tä­ten und weite­ren Wirt­schafts­ge­bäu­den geschaf­fen werden. Auch wenn ab 1952 die Produk­tion von Land­ma­schi­nen ange­kur­belt wurde, fehlte es noch an ausrei­chend tech­ni­schem Gerät. Neben der Entwick­lung der tech­ni­schen Produk­ti­ons­mit­tel war es nötig, auch die Genos­sen­schafts­bau­ern selbst zu quali­fi­zie­ren und zu spezia­li­sie­ren. Dafür muss­ten zuneh­mend umfang­rei­chere Kapa­zi­tä­ten an Hoch‑, Fach- und Abend­schu­len geschaf­fen werden. Es erga­ben sich also massive volks­wirt­schaft­li­che Herausforderungen.

Bild 10. Am 19. Mai 1954 baut die LPG „Freie Erde“ in Magde­burg-Salbke einen großen, zentra­len Hof. Die Genos­sen­schafts­bau­ern legten gemein­sam mit Arbei­tern aus benach­bar­ten Indus­trie­be­trie­ben den Grundstein.

Um den Über­gang zur Genos­sen­schaft entspre­chend den volks­wirt­schaft­li­chen Möglich­kei­ten und dem Bewusst­seins­stand der Bauern allmäh­li­cher und möglichst nieder­schwel­lig zu gestal­ten, wurden drei verschie­dene Typen der LPG geschaf­fen, die sich im Grad der Verge­sell­schaf­tung der Produk­ti­ons­mit­tel, durch den Umfang der notwen­di­gen Teil­nahme an der gemein­schaft­li­chen Arbeit und in der Rege­lung zur Vertei­lung der Einkünfte unter­schie­den. Der von den Bauern in die LPG einge­brachte Boden blieb in allen drei Typen Eigen­tum der Bauern selbst und wurde für die Vertei­lung des Lohns berück­sich­tigt, und unter­schied sich damit vom Kolchos-System der Sowjet­union. In der LPG Typ I wurde das Acker­land einge­bracht, Maschi­nen, Geräte und Zug‑, Nutz- und Zucht­vieh blie­ben Eigen­tum der Bauern. In LPG Typ II wurden zuätz­lich Trak­to­ren, Zugtiere, Maschi­nen und Geräte in die LPG einge­bracht. Die LPG Typ III bestand als selb­stän­di­ges Unter­neh­men. Mit Ausnahme der indi­vi­du­el­len Haus­wirt­schaft wurde die gesamte Wirt­schaft (Acker­land, Grün­land, Wald­flä­chen, Vieh, Trak­to­ren, Maschi­nen, Geräte, Wirt­schafts­ge­bäude) der Bauern in die Genos­sen­schaft einge­bracht. Je höher der Grad der Verge­nos­sen­schaf­tung, desto weni­ger wurde der von den Bauern einge­brachte Boden für die Entloh­nung berücksichtig.

Bild 11. Die LPG-Baubri­gade beim Bau eines Futter­hau­ses am 19. Okto­ber 1955. Zwischen April und Okto­ber dessel­ben Jahres stellte die Baubri­gade drei neue Ställe fertig. Bis 1960 hatte die Brigade einen Schwei­ne­zucht­be­trieb, einen Rinder­zucht­be­trieb, Abfer­kel­buch­ten und einen Geflü­gel­zucht­be­trieb gebaut. Alle diese großen Baupro­jekte wurden mit Hilfe von frei­wil­li­gen Bauar­bei­tern fertiggestellt.

1949 wurden die Maschi­nen-Ausleih-Statio­nen (MAS), die von der Verei­ni­gung der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe (VdgB) orga­ni­siert wurden, zu staat­li­chen Maschi­nen-Trak­to­ren-Statio­nen (MTS) umge­bil­det. Sie spiel­ten eine heraus­ra­gende Rolle für die Bildung und Stabi­li­sie­rung der Genos­sen­schaf­ten. Größere Tech­ni­sche Geräte, Fuhr­werke und Maschi­nen­sys­teme konn­ten von den Bauern nicht privat erwor­ben werden. In den MTS konn­ten sie nach einem Tarif­sys­tem, das Klein­bau­ern gegen­über Groß­bau­ern bzw. Genos­sen­schaf­ten gegen­über Einzel­bau­ern bevor­zugte, in Anspruch genom­men werden. Indem die tech­ni­sche Basis der MTS und ihr agro­no­mi­scher Bera­tungs­dienst vom Staat immer weiter ausge­baut wurden, gaben sie ganz prak­tisch die Entwick­lungs­rich­tung hin zur indus­trie­mä­ßi­gen land­wirt­schaft­li­chen Groß­pro­duk­tion vor.

Neben ihren ökono­mi­schen Aufga­ben spiel­ten die MTS auch für die poli­ti­sche und kultu­relle Entwick­lung auf den Dörfern eine zentrale Rolle. Den MTS wurden Kultur­häu­ser ange­schlos­sen, es wurden Weiter­bil­dun­gen für die Bauern, agro­che­mi­sche und zootech­ni­sche Bera­tun­gen für die Genos­sen­schaf­ten, Film­vor­füh­run­gen, Thea­ter­fahr­ten, Musik- und Tanz­grup­pen orga­ni­siert, Biblio­the­ken und Sport­ge­mein­schaf­ten einge­rich­tet, und weite­res mehr. Der SED galten die MTS als Stütz­punkte der Arbei­ter­klasse auf dem Land. Die Mecha­ni­ker, Trak­to­ris­ten und weite­ren Arbei­ter der Maschi­nen-Trak­to­ren-Statio­nen, die direk­ten Kontakt zu den Einzel­bau­ern hatten, über­nah­men eine wich­tige Rolle zur Über­zeu­gung der Bauern für den Eintritt in die Genossenschaft.

Bild 12. Dorf­be­woh­ner stöbern in der Biblio­thek der Gemeinde Krien in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Staat hatte zu keinem Zeit­punkt eine passive Haltung zur Genos­sen­schafts­ent­wick­lung einge­nom­men, sondern aktive Entwick­lungs­an­reize geschaf­fen und die jungen LPG subven­tio­niert. Der ostdeut­sche Agrar­his­to­ri­ker Sigfried Kunt­sche hat einige dieser Maßnah­men zusammengefasst:

„Für den genos­sen­schaft­li­chen Zusam­men­schluß wurde eine Viel­zahl von Vergüns­ti­gun­gen in Aussicht gestellt: Nieder­schla­gung von Ablie­fe­rungs­rück­stän­den und Steu­er­schul­den sowie Erlaß der Boden­re­form­bei­träge, Veran­la­gung der LPG nach den Vorzug­nor­men der Einzel­bau­ern der Größen­gruppe 5–10 ha, vorran­gi­ger Einsatz der MTS-Tech­nik zu Vorzug­ta­ri­fen, kosten­lose agro­no­mi­sche und zootech­ni­sche Bera­tung, bevor­zugte Belie­fe­rung mit Quali­täts­saat­gut und Mine­ral­dün­ger, vorteil­hafte Kredite.“43

Bild 13. Ein Kultur­haus, welches Anfang der 1950er Jahre in Kruge-Gers­dorf, Bran­den­burg, errich­tet wurde.

Klassenkampf und Richtungsstreit – Zwischen Rückzug, Selbstlauf und Offensive

Möglich­kei­ten, Wider­sprü­che und Anfor­de­run­gen zum Voran­kom­men der Genos­sen­schafts­be­we­gung hingen nicht nur von der DDR selbst ab, sondern waren wesent­lich von den poli­ti­schen Rahmen­be­din­gun­gen der 50er Jahre insge­samt geprägt. Der Aufbau des Sozia­lis­mus steckte in der DDR und Osteu­ropa noch in seinen Kinder­schu­hen. Zugleich gewann der von den USA und seinen west­li­chen Verbün­de­ten auf inter­na­tio­na­ler Ebene geführte hybride „Kalte Krieg“ gegen das sozia­lis­ti­sche Lager an massi­ver Schärfe und versuchte insbe­son­dere nach dem Tod Stalins 1953, Unsi­cher­hei­ten und Lücken in den poli­ti­schen Führun­gen der sozia­lis­ti­schen Länder auszu­nut­zen. Die hefti­gen poli­ti­sche Krisen und Anti­re­gie­rungs­pro­teste unter ande­rem in der DDR 1953, Polen und Ungarn 1956 müssen in diesem Zusam­men­hang verstan­den werden.

Noch im März 1952 verkün­dete der dama­lige Außen­mi­nis­ter der BRD Hein­rich von Bren­tano ganz offen: „Wir werden alles tun, und das Letzte unter­neh­men, ich sage ausdrück­lich: alles und das Letzte, um die sowje­ti­sche Besat­zungs­zone wieder zurück­zu­ho­len.“44 Insbe­son­dere die offene Grenze zwischen West- und Ostber­lin bot der Bundes­re­pu­blik viel­fäl­tige Möglich­kei­ten für Stör­ak­tio­nen und den geziel­ten Aufbau von Spio­nage, Sabo­tage- und Terror­or­ga­ni­sa­tio­nen. Vorhan­dene Unzu­frie­den­heit und Probleme, die sich vor allem aus dem Ringen zur Über­win­dung der Folgen des Krie­ges in der Bevöl­ke­rung erklär­ten, wurden vom Westen gezielt aufge­grif­fen, verstärkt und gegen die DDR-Regie­rung gewen­det. Bereits Anfang Juni 1953 beschloss die DDR-Führung umfas­sende entlas­tende Maßnah­men für die Bevöl­ke­rung. Dennoch kam es am 17. Juni zu Protes­ten, die mit Hilfe west­li­cher Provo­ka­teure zu einem konter­re­vo­lu­tio­nä­ren Putsch­ver­such aufge­sta­chelt wurden.

Die SED-Führung übte im Nach­gang umfas­sende und öffent­li­che Selbst­kri­tik, die auch die erst vor einem Jahr begon­nene Genos­sen­schafts­be­we­gung reflek­tierte und ihren Kurs korri­gierte. In einem Zeitungs­ar­ti­kel schrieb das SED-Zentralkomitee:

„Die Partei, die den rich­ti­gen Kurs auf den Aufbau der Grund­la­gen des Sozia­lis­mus in der DDR genom­men hatte, beschritt den falschen Weg der beschleu­nig­ten Lösung dieser Aufgabe ohne entspre­chende Berück­sich­ti­gung der realen inne­ren und äuße­ren Voraus­set­zun­gen. Das führte zu einem über­spitz­ten Entwick­lungs­tempo der Wirt­schaft, beson­ders in der Schwer­indus­trie, zu falschen Versu­chen der Verdrän­gung und Liqui­die­rung des städ­ti­schen Mittel- und Klein­bür­ger­tums sowie der Groß­bau­ern­schaft auf dem Lande, was nach­tei­lige Folgen für die Versor­gung der Bevöl­ke­rung hatte und in gewis­sem Maße zur Störung der rich­ti­gen Bezie­hun­gen zwischen der Partei und den werk­tä­ti­gen Massen und zur Anwen­dung von Metho­den des Admi­nis­trie­rens an Stelle einer brei­ten und gedul­di­gen Aufklä­rungs­ar­beit unter den Massen führte.

 

Es war rich­tig, daß die Partei­or­ga­ni­sa­tio­nen die in der DDR auf Initia­tive der werk­tä­ti­gen Bauern entstan­dene Bewe­gung zur Bildung von Land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten unter­stütz­ten. Die Partei­or­ga­ni­sa­tio­nen haben jedoch in eini­gen Krei­sen die Verlet­zung des Prin­zips der strengs­ten Frei­wil­lig­keit bei der Bildung solcher Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten gedul­det, haben versucht, ihr zahlen­mä­ßi­ges Wachs­tum zu forcie­ren, ohne der orga­ni­sa­to­risch-wirt­schaft­li­chen Festi­gung der bestehen­den Genos­sen­schaf­ten die nötige Aufmerk­sam­keit zu widmen, was die Haupt­auf­gabe der Partei auf dem Gebiet des genos­sen­schaft­li­chen Aufbaus im Dorfe ist.“45

Der Kurs lag weiter­hin auf der Förde­rung der LPGen. Gleich­zei­tig soll­ten aller­dings auch die Privat­bau­ern­wirt­schaf­ten staat­lich unter­stützt werden. Die Geschwin­dig­keit zur Bildung von Genos­sen­schaf­ten wurde gedrosselt.

1956 kam es in Polen und Ungarn zu vom Westen gestütz­ten regie­rungs­feind­li­chen Protes­ten, die auch in der DDR die Kräfte gegen die sozia­lis­ti­sche Entwick­lung in der Land­wirt­schaft belebt haben. Dabei tat sich gegen die DDR insbe­son­dere der West­ber­li­ner Rund­funk im ameri­ka­ni­schen Sektor (RIAS) mit einer geschickt betrie­be­nen Nega­tiv­be­richt­erstat­tung hervor, die die Zwei­fel über die Dauer­haf­tig­keit der sozia­lis­ti­schen Perspek­tive bei den Bauern verstär­ken soll­ten.46 Walter Ulbricht, Gene­ral­se­kre­tär der SED, hat diesen Zusam­men­hang ausdrück­lich benannt:

„Im Zusam­men­hang mit den konter­re­vo­lu­tio­nä­ren Ereig­nis­sen in Ungarn und den Vorgän­gen in Polen stel­len wir eine stär­kere Akti­vi­tät kapi­ta­lis­ti­scher Kräfte in den land­wirt­schaft­li­chen Krei­sen, einen stär­ke­ren Druck gegen die land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten und auch zuneh­mende Sabo­ta­ge­akte fest.“47

Es entbrannte zu dieser Zeit eine erneute Debatte um die Fort­ent­wick­lung der Land­wirt­schaft. Wladys­law Gomulka forderte auf dem 8. Plenum der Polni­schen Verei­nig­ten Arbei­ter­par­tei 1956, welches ihn zum neuen Gene­ral­se­kre­tär der Partei gewählt hatte:

„Auch die Agrar­po­li­tik braucht gewisse Korrek­tu­ren. Was die Genos­sen­schaf­ten angeht, so sollte nur den gesun­den unter ihnen mit zurück­zahl­ba­ren Inves­ti­ti­ons­kre­di­ten gehol­fen werden, und alle Arten von staat­li­chen Subven­tio­nen soll­ten abge­schafft werden.“48

Der Kern der Debatte bestand auch in der DDR darin, inwie­fern eine bewusste und aktive Förde­rung der Genos­sen­schaf­ten durch den Staat weiter betrie­ben werden sollte. Mitte der 50er Jahre waren die meis­ten Genos­sen­schaf­ten im Verhält­nis zu Mittel- und Groß­bau­ern noch weni­ger produk­tiv und muss­ten mit staat­li­chen Subven­tio­nen gestützt werden. Einzelne verant­wort­li­che Poli­ti­ker und Wissen­schaft­ler nahmen das zum Anlass, von einer akti­ven Förde­rung der „unpro­duk­ti­ven“ Genos­sen­schaf­ten Abstand zu nehmen und die priva­ten Einzel­bau­ern wieder zu stär­ken. Diese Vorschläge wurden von der SED-Führung unter Walter Ulbricht scharf zurück­ge­wie­sen. Auf einer Tagung des Zentral­ko­mi­tees der SED 1957 erklärte er:

„Die plan­mä­ßige Entwick­lung der Land­wirt­schaft und die syste­ma­ti­sche Förde­rung der sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft sollen aufge­ge­ben und die MTS besei­tigt werden. Der Einfluß auf die Entwick­lung der Land­wirt­schaft solle ledig­lich über eine gewisse Regu­lie­rung der Preise für land­wirt­schaft­li­che Erzeug­nisse, die Fest­set­zung der Steu­ern und die Anwen­dung des Kredit­sys­tems erfol­gen. Vorran­gig solle die Entwick­lung der bäuer­li­chen Fami­li­en­be­triebe erfol­gen, worun­ter alle Betriebe verstan­den werden, die im wesent­li­chen ohne fremde Kräfte wirt­schaf­ten […]. Dieser Vorschlag zeigt den Weg der Rück­kehr zur kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schaft, wobei die Groß­bau­ern die ökono­mi­sche Haupt­kraft im Dorf werden würden.“49

Die Ausein­an­der­set­zun­gen zeigen, dass es über die gesamte Peri­ode der Genos­sen­schafts­be­we­gung wieder­holt scharfe Konflikte und Debat­ten darüber gab, wie das Verhält­nis von Frei­wil­lig­keit und akti­ver und offen­si­ver Förde­rung der Genos­sen­schaf­ten durch den Staat abge­wo­gen werden musste. Einer­seits wurden admi­nis­tra­tive Über­spit­zun­gen durch staat­li­che Stel­len und poli­ti­sche Führungs­kräfte, die das Prin­zip der Frei­wil­lig­keit verletz­ten, kriti­siert und bekämpft. Ande­rer­seits wurden Vorstel­lun­gen eines Selbst­lau­fes zurück­ge­wie­sen, die dem Staat eine passive Rolle gegen­über den Bauern zudach­ten. Zusätz­lich muss­ten dieje­ni­gen Kräfte bekämpft werden, die die Entwick­lung hin zur sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft aktiv sabo­tier­ten, unter ande­rem, indem sie eine Stär­kung der Privat­bau­ern­wirt­schaft forder­ten. Der marxis­ti­sche Histo­ri­ker Kurt Goss­wei­ler erklärt, warum der Staat die Grün­dung von Genos­sen­schaf­ten aktiv unter­stüt­zen musste:

„Wenn also prokla­miert wird, daß der Staat keine Zuschüsse mehr leis­tet, die MTS renta­bel arbei­ten sollen, so heißt das, daß die Genos­sen­schaft den schwa­chen Bauern keine Perspek­tive mehr bietet. Wenn man gleich­zei­tig „das Besit­zer­ge­fühl“ stärkt, indem man den reichen Bauern die Möglich­keit gibt, den Boden der schwa­chen Bauern aufzu­kau­fen, dann ist es selbst­ver­ständ­lich, daß kein Mittel­bauer mehr daran denkt, der Genos­sen­schaft beizu­tre­ten. Die Bauern kommen nicht von sich aus, spon­tan, zur sozia­lis­ti­schen Form der Land­wirt­schaft. Sie bedür­fen dazu der Führung durch die Arbei­ter­klasse.“50

Sozialistischer Frühling – Der Abschluss der Genossenschaftsbewegung

Ab 1958 trat die Genos­sen­schafts­be­we­gung dann wieder in eine dyna­mi­sche Entwick­lungs­phase ein. Mitt­ler­weile hatte eine allmäh­li­che Festi­gung der bestehen­den LPG statt­ge­fun­den, auch wenn in den meis­ten Fällen weiter­hin eine staat­li­che Stüt­zung notwen­dig blieb. Die bereits beschrie­be­nen volks­wirt­schaft­li­chen Maßnah­men zur Stär­kung der mate­ri­ell-tech­ni­schen Basis der Land­wirt­schaft began­nen zu wirken. Der Maschi­nen­stand wurde erwei­tert und die Produk­ti­vi­tät der LPG begann auf die Mittel- und Groß­bau­ern auszu­strah­len, die sich mit dem Schritt zum LPG-Eintritt häufig trotz alle­dem weiter­hin schwertaten.

Bild 14. Indus­trie­ar­bei­ter helfen bei der Kartof­fel­ernte. Genos­sen­schaf­ten wurden früh­zei­tig Betrie­ben zuge­wie­sen, die Unter­stüt­zung leis­te­ten. Arbei­ter halfen bei der Ernte und bei Reparaturen.

Auf Dauer musste die Unter­schied­lich­keit der sozi­al­öko­no­mi­schen Struk­tu­ren in der Land­wirt­schaft, das heißt die Gleich­zei­tig­keit von Genos­sen­schafts­pro­duk­tion und der Einzel­bau­ern­wirt­schaft, hemmend auf die Weiter­ent­wick­lung der Produk­ti­vi­tät wirken. Zugleich bot der Fort­be­stand der Privat­wirt­schaft auf dem Land stetige poli­ti­sche Angriffs­punkte gegen den sozia­lis­ti­schen Aufbau und eine mate­ri­elle Grund­lage für die wieder­holt aufflam­men­den poli­ti­schen Ausein­an­der­set­zun­gen. Der Druck für die DDR, die Genos­sen­schafts­be­we­gung zum Abschluss zu brin­gen, stieg. Die poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Rahmen­be­din­gun­gen auf dem Land wurden zuneh­mend auf die Arbeit der LPG ausge­rich­tet. Der Vorrang der Genos­sen­schaf­ten insbe­son­dere bei der Inan­spruch­nahme der Tech­nik der Maschi­nen-Trak­to­ren-Statio­nen begrenzte die Entwick­lungs­mög­lich­kei­ten der Privatwirtschaften.

Im ersten Quar­tal des Jahres 1960 wurden umfas­sende Kräfte mobi­li­siert, um Einzel­bau­ern vom Eintritt in die Genos­sen­schaft zu über­zeu­gen. Gemein­sam und orga­ni­siert zogen Grup­pen aus Mitglie­dern der Block­par­teien und Massen­or­ga­ni­sa­tio­nen der Natio­na­len Front in die Dörfer, um mit den Bauern zu disku­tie­ren. Dabei spiel­ten die Demo­kra­ti­sche Bauern­par­tei, die Verei­ni­gung der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe und die Maschi­nen-Trak­to­ren-Statio­nen eine wich­tige Rolle, da sie am engs­ten mit den Erfah­run­gen der Bauern und den jungen LPG vertraut waren.

Karl Mewis, der damals Erster Sekre­tär der SED-Landes­lei­tung in Meck­len­burg und verant­wort­lich für die Genos­sen­schafts­be­we­gung im Norden der DDR war, argu­men­tierte, dass die Abfin­dun­gen, die den Bauern für den Beitritt zu Genos­sen­schaf­ten gezahlt wurden, letzt­lich der entschei­dende Faktor waren:

„Die Regie­rung hatte einen Beschluss gefasst, wonach dieje­ni­gen, die sich nun bereit erklär­ten (Mitglied der LPG zu werden, IFDDR), ob Klein‑, Mittel‑, oder Groß­bau­ern, die beka­men doch große Vergüns­ti­gun­gen. Und der Groß­bauer bekam für seine Maschi­nen Geld, für seine Geräte und für sein Vieh. Die Abfin­dung war so, dass manche mit zig-tausend Mark auf der hohen Kannte nach­her sich über­leg­ten, ob sie über­haupt noch arbei­ten. Aber sie haben sich dann wieder ans Arbei­ten gewöhnt.“51

Insbe­son­dere die Bäue­rin­nen bilde­ten in dieser Schluss­phase der Genos­sen­schafts­be­we­gung, aber auch grund­sätz­lich eine wich­tige Trieb­kraft in diesem Prozess. Sie waren es, die von dem Eintritt in der LPG objek­tiv am meis­ten zu gewin­nen hatten. Tradi­tio­nell arbei­te­ten sie in der körper­lich und zeit­lich fordern­den Vieh­wirt­schaft und muss­ten zusätz­lich Haus­halt und Kinder­be­treu­ung bewerk­stel­li­gen. Die über­große Mehr­heit der noch privat wirt­schaf­ten­den Bauern stimmte schließ­lich einem Eintritt in die LPG zu, auch wenn ihre Über­zeu­gung für die genos­sen­schaft­li­che Produk­tion teil­weise erst in den Jahren danach wirk­lich heran­reifte. Rück­bli­ckend reflek­tierte die Land­wir­tin Elli I. ihre Skep­sis gegen­über der Genossenschaft:

„Wir muss­ten als Einzel­bau­ern auch von früh bis abends arbei­ten. 1957 ist meine Toch­ter zu früh jeborn, weil ich meinem Mann jehol­fen hatte, 30 Sack Kalk mit aufje­la­den. Das brauch­ten wir nich mehr in der Genos­sen­schaft. Wir sind denn nach­her auch in de Jenos­sen­schaft einje­tre­ten, und denn hab ich mir nach Jahren jesacht, meine Güte, wie dumm bist de denn man jewe­sen?! Du kannst jar nicht besser leben als da. Die Arbeit wurde leich­ter. Wir hatten ärzt­li­che Betreu­ung, da konnte jede Frau zum Arzt gehen, hatten Haus­halts­tag und Urlaub. Wenn ich so zurück­denke: Ich bin nicht frei­wil­lig in de Genos­sen­schaft jegang’n, aber es waren meine besten Jahre.“52

Vor allem mit den LPG-Grün­dun­gen im Früh­jahr 1960 wurde die voll­stän­dige Verge­nos­sen­schaft­li­chung bis auf zu vernach­läs­si­gende rest­li­che Privat­wirt­schaf­ten in der DDR erreicht. Aus über 850.000 einzel­bäu­er­li­chen Wirt­schaf­ten mit einer durch­schnitt­li­chen land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che von rund 7,6 Hektar im Jahr 1950 waren 1960 über 19.000 LPG mit einer durch­schnitt­li­chen Betriebs­größe von 280 Hektar entstan­den. 84 Prozent der gesam­ten land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che wurden nunmehr genos­sen­schaft­lich bewirt­schaf­tet.53

Sozialistische Verhältnisse auf dem Land

Integration der Genossenschaften in die Planwirtschaft

Genos­sen­schaft­li­che Zusam­men­schlüsse von Bauern gab es in Deutsch­land bereits unter kapi­ta­lis­ti­schen Bedin­gun­gen. Sie waren Zusam­men­schlüsse von land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben zur Kredit­ver­gabe, zur Orga­ni­sa­tion von Einkauf (Saat­gut, Dünge­mit­tel, etc.) und Vertrieb, in denen Junker und Groß­bau­ern führende Posi­tio­nen inne­hat­ten und somit ihre Domi­nanz gegen­über klein- und mittel­bäu­er­li­chen Betrie­ben verstär­ken konn­ten. Bis 1950 wurden diese Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten umge­bil­det und in die VdgB als Bäuer­li­che Handels­ge­nos­sen­schaft (BGH) inte­griert. Die Genos­sen­schaft unter kapi­ta­lis­ti­schen Bedin­gun­gen unter­schei­det sich wesent­lich und grund­sätz­lich von den LPG der DDR. Die LPG waren eigen­stän­dige Wirt­schafts­ein­hei­ten, kein Zusam­men­schluss von ansons­ten unab­hän­gi­gen Wirt­schafts­ein­hei­ten. Die LPG nahmen eine breite gesell­schaft­li­che Funk­tion für wirt­schaft­li­che, soziale und kultu­relle Aufga­ben ein. Erst durch ihre Zweck­be­stim­mung, ihre Arbeits- und Orga­ni­sa­ti­ons­weise und vor allem ihre fest inte­grierte Rolle inner­halb der poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Struk­tu­ren der DDR wurde der sozia­lis­ti­sche Charak­ter der Genos­sen­schafts­pro­duk­tion bestimmt.

1959 wurde das erste LPG-Gesetz verab­schie­det, in einer über­ar­bei­te­ten Version von 1982 wurde die gesell­schaft­li­che Rolle und Aufgabe der Genos­sen­schaf­ten umfas­send gefasst:

„§ 1. Grund­sätze. (1) Die land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten (nach­fol­gend LPG genannt) sind frei­wil­lige Verei­ni­gun­gen von Bäue­rin­nen und Bauern, Gärt­nern und ande­ren Bürgern zur gemein­sa­men sozia­lis­ti­schen Produk­tion, zur stän­dig besse­ren Befrie­di­gung ihrer mate­ri­el­len und kultu­rel­len Bedürf­nisse und zur stän­dig besse­ren Versor­gung der Bevöl­ke­rung mit Nahrungs­gü­tern und der Indus­trie mit Rohstof­fen. Sie gewähr­leis­ten in der land­wirt­schaft­li­chen Produk­tion einen bedeu­ten­den Leis­tungs­an­stieg und hohe Effek­ti­vi­tät durch stän­dige Verbes­se­rung des Verhält­nis­ses von Aufwand und Ergebnis.

 

(2) In den LPG orga­ni­sie­ren die Genos­sen­schafts­bäue­rin­nen und ‑bauern (nach­fol­gend Genos­sen­schafts­bau­ern genannt) nach den Grund­sät­zen der genos­sen­schaft­li­chen Demo­kra­tie und der sozia­lis­ti­schen Betriebs­wirt­schaft die gemein­same Arbeit und ihre sozia­len Bezie­hun­gen entspre­chend den Prin­zi­pien der Gleich­be­rech­ti­gung; der kame­rad­schaft­li­chen Zusam­men­ar­beit und der gegen­sei­ti­gen Hilfe, verfü­gen gemein­sam über das genos­sen­schaft­li­che Eigen­tum und haben nach genos­sen­schaft­li­chen Vertei­lungs­prin­zi­pien Anteil am wirt­schaft­li­chen Ergeb­nis ihrer LPG.“54

Auf dem V. Partei­tag 1958 beschloss die SED, die Ziel­stel­lung bis Ende 1962 die Eigen­ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung mit land­wirt­schaft­li­chen Produk­ten und die weit­ge­hende Versor­gung der Indus­trie mit land­wirt­schaft­li­chen Rohstof­fen sicher­zu­stel­len. Ein wich­ti­ger Schritt, um sich insbe­son­dere vom Import aus dem kapi­ta­lis­ti­schen Ausland unab­hän­gig zu machen. Bis auf Erzeug­nisse, die in der DDR auf Grund der Umwelt­be­din­gun­gen (Südfrüchte, Kaffee, Kakao u.Ä.) nicht produ­ziert werden konn­ten, ist die Selbst­ver­sor­gung weit­ge­hend gelun­gen. Zur Planung und Entwick­lung der Volks­wirt­schaft als Ganzes musste die Land­wirt­schafts­pro­duk­tion fest in das staat­li­che Wirt­schafts­pla­nungs­sys­tem der DDR inte­griert werden. Der wich­tigste Plan für den Bereich der Land­wirt­schaft war der ‘Plan des staat­li­chen Aufkom­mens land­wirt­schaft­li­cher Erzeug­nisse’. Er sicherte sowohl die Versor­gung der Bevöl­ke­rung als auch der Leicht­in­dus­trie mit Erzeug­nis­sen und Rohstof­fen aus der Land­wirt­schaft ab. Ein komple­xer Erar­bei­tungs­pro­zess ging dem endgül­ti­gen Beschluss eines Jahres­plans als Arbeits­grund­lage der LPG und weite­rer land­wirt­schaft­li­cher Betriebe voraus.

Zunächst wurde auf zentra­ler Ebene, in der staat­li­chen Plan­kom­mis­sion, gemein­sam mit dem Minis­te­rium für Land- und Forst­wirt­schaft und der zentra­len staat­li­chen Stelle für Erfas­sung und Aufkauf land­wirt­schaft­li­cher Produkte der Bedarf an Gütern und Erzeug­nis­sen aus der Land­wirt­schaft ermit­telt und daraus Orien­tie­rungs­zif­fern für den Plan fest­ge­stellt. Darin enthal­ten waren Schwer­punkte für die Entwick­lung der Produk­tion und des kultu­rel­len und sozia­len Fort­schritts. Dieser Entwurfs­plan ging zur Diskus­sion von zentra­ler Ebene weiter an die Bezirke, Kreise, Gemein­den bis hin zu den LPG und den weite­ren sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schafts­be­trie­ben. In der Rich­tung, von zentra­ler zu loka­ler Ebene, wurden die Orien­tie­rungs­zif­fern und die Möglich­kei­ten zu ihrer Erfül­lung disku­tiert, für die darun­ter liegen­den Ebenen aufge­schlüs­selt und Vorschläge zur Anpas­sung entwi­ckelt. In umge­kehr­ter Rich­tung wurden die Ergeb­nisse der Plan­dis­kus­sio­nen zunächst in den LPG, dann den Räten der Kreise, den Räten der Bezirke und schließ­lich auf zentra­ler Ebene zusam­men­ge­fasst und zu guter Letzt von der Volks­kam­mer der DDR beschlos­sen. Erst jetzt wurden auf dieser Grund­lage die fina­len Betriebs­pläne der LPG in Koope­ra­tion mit den Räten der Kreise aufge­stellt. Die Räte der Kreise bzw. die Bürger­meis­ter der Gemein­den kontrol­lier­ten die Planerfüllung.

Zur demo­kra­ti­schen Orga­ni­sa­tion der LPG lagen neben dem 1959 beschlos­se­nen LPG-Gesetz zentrale Muster­sta­tute und Muster­be­triebs­ord­nun­gen vor, die auf die spezi­fi­schen Bedin­gun­gen einer LPG ange­passt und von ihrem wich­tigs­ten Organ, der Mitglie­der­ver­samm­lung beschlos­sen wurden. Alle zentra­len Entschei­dun­gen wurden auf diesen mindes­tens jähr­lich statt­fin­den­den Bera­tun­gen getrof­fen. Die Mitglie­der­ver­samm­lung wählte einen Vorstand, einen Vorsit­zen­den der LPG, Leitun­gen für die verschie­de­nen Arbeits­bri­ga­den, legte die Arbeits­nor­men fest, beriet und beschloss die Produk­ti­ons­pläne und entschied inner­halb eines vom Statut bestimm­ten Rahmens und in Abspra­che mit den Räten der Kreise über die Verwen­dung der finan­zi­el­len Mittel der LPG.

Die alltäg­li­che Arbeit wurde, ebenso wie in den volks­ei­ge­nen Betrie­ben der DDR, in Briga­den orga­ni­siert. In den LPG wurde die Arbeit unter­teilt in Feld­bau­bri­ga­den, Trak­to­ren­bri­ga­den, Vieh­wirt­schafts­bri­ga­den, Garten­bau­bri­ga­den und sons­ti­gen Briga­den bzw. stän­di­gen Arbeits­grup­pen für Bau- und Hand­wer­ker, Trans­port­ar­bei­ten sowie Hof- und Spei­cher­ar­bei­ten. Die Briga­den orga­ni­sier­ten ihrer­seits wiederum in der Regel monat­li­che Briga­de­ver­samm­lun­gen. Hier wurden die Jahres­pläne für die Brigade disku­tiert, ihre Umset­zung bespro­chen, der Aufwand an Arbeits­ein­hei­ten, der Einsatz von Saat­gut und Handels­dün­ger etc. aufgestellt.

Alle Arbei­ten in der LPG wurden bewer­tet mit 0,8 bis 1,6 Arbeits­ein­hei­ten (AE). Die Arbeits­ein­heit funk­tio­nierte als Umrech­nungs­schlüs­sel, um die verschie­de­nen Arbei­ten nach Bedeu­tung, Schwere und dafür nöti­ger Quali­fi­ka­tion einzu­ord­nen. Kompli­zierte Arbeit wurde mit mehr Arbeits­ein­hei­ten bewer­tet als einfa­chere Arbeit. An einem norma­len 8‑Stun­den-Arbeits­tag waren durch­schnitt­lich 1,2–1,8 Arbeits­ein­hei­ten erreich­bar. Eine Arbeits­ein­heit entsprach außer­dem einem Geld­wert, der sich aus der Gesamt­summe, der zur Vertei­lung an die Mitglie­der verfüg­ba­ren erwirt­schaf­te­ten Mittel und der Zahl der in der LPG geleis­te­ten Arbeits­ein­hei­ten ergab. Staat­lich abge­si­chert war ein Mindest­wert von 7 Mark pro Arbeits­ein­heit. Da der Wert der AE erst nach Abschluss des Jahres genau fest­stand, war vorge­se­hen, im Laufe des Jahres je AE nur einen bestimm­ten Vorschuss auszu­zah­len. Im Allge­mei­nen 70 Prozent des geplan­ten Wertes der AE.55 Solv­eig Leo, lang­jäh­rige Vorsit­zende einer Genos­sen­schaft, erin­nerte sich an Ausein­an­der­set­zun­gen über die Arbeitseinheiten:

„Abends wurde dann in der Regel auch einge­schätzt, wie die Leis­tung war und dementspre­chend gab’s eine Tabelle an der Wand­ta­fel in der LPG. Da wurden die Arbeits­ein­hei­ten einge­tra­gen, also 1,1 oder 1,2 Arbeits­ein­hei­ten an dem Tag für jeden Namen. Das heißt jeder Genos­sen­schafts­bauer konnte sehen wie viele Arbeits­ein­hei­ten sein Kollege da ange­schrie­ben gekriegt hat. Und das hat natür­lich auch Diskus­sio­nen gege­ben, wenn einer nicht einver­stan­den war und gemeint hat er hat viel flei­ßi­ger gear­bei­tet als das in seiner Zahl da zum Ausdruck kam, dann hat er natür­lich auch gefragt: warum hab ich nur 1,1 und der hat 1,3. Dann musste der Briga­dier das erklä­ren, warum.“56

Bild 15. Die LPG-Buch­hal­tung war eine schwie­rige und oft unbe­liebte, aber notwen­dige Aufgabe. Der Agro­nom Reisig (links) vom VdgB unter­stützt die Bäue­rin Aar (rechts) bei dieser Arbeit in Neubre­de­rs­dorf im Okto­ber 1954, die sie für die LPG über­nom­men hat, während einige der ande­ren Mitglie­der die Ergeb­nisse überprüfen.

Die erwirt­schaf­te­ten Mittel der LPG wurden auf verschie­dene Fonds aufge­teilt. Grob unter­tei­len lassen sich die unter­schied­li­chen Fonds in einen Konsum­teil und einen Inves­ti­ti­ons­teil, also in Mittel, die zur einfa­chen und zur erwei­ter­ten Repro­duk­tion der LPG aufge­teilt wurden. Konkret wurde unter ande­rem unter­schie­den in einen Grund­mit­tel­fonds (Wirt­schafts­ge­bäude, Maschi­nen und Geräte mit langer Halt­bar­keit, Eintritts­bei­träge der Genos­sen­schafts­mit­glie­der etc.), Umlauf­mit­tel­fond, Inves­ti­ti­ons­fonds, Vergü­tungs­fonds, Kultur- und Sozi­al­fonds und weite­ren mehr. Die Fonds­ver­tei­lung wurde bereits mit der Aufstel­lung des Produk­ti­ons­pla­nes gemein­sam mit dem Rat des Krei­ses abgestimmt.

Bild 16. Bei der monat­li­chen Kassen­prü­fung arbei­tet die leitende Buch­hal­te­rin der Schö­ne­mark LPG, Anne-Margret Mielke, mit dem Insti­tut für Agrar­öko­no­mie der Deut­schen Akade­mie für Agrar­wis­sen­schaf­ten in Berlin zusammen.
Bild 17. Obwohl die Genos­sen­schafts­bau­ern der LPG „Vorwärts“ in Groß Beuchow keine Spei­se­kar­tof­feln liefern muss­ten, wurden 100 Tonnen zusätz­lich bereit­ge­stellt, um die Bevöl­ke­rung besser zu versor­gen. Zwei­und­drei­ßig Bäue­rin­nen ernte­ten Kartof­feln, die sofort in nahe­ge­le­gene Läden gebracht wurden (Septem­ber 1961).

Der nach 1945 zur Förde­rung der land­wirt­schaft­li­chen Produk­tion einge­führte doppelte Agrar­preis wurde ab 1964 schritt­weise durch einheit­li­che Preise ersetzt. Zuvor wurde für land­wirt­schaft­li­che Erzeug­nisse, die im Rahmen staat­lich vorge­schrie­be­ner Quoten gelie­fert wurden, ein nied­ri­ger Preis verlangt, während für die über diese Quoten hinaus produ­zier­ten Über­schüsse ein höhe­rer Preis gezahlt wurde. Der deut­li­che Anstieg des Produk­ti­ons­ni­veaus nach 1945 führte dazu, dass die Liefer­quo­ten bereits früh im Jahr erreicht wurden und mit den Über­schüs­sen hohe Einnah­men erzielt wurden. Der Anreiz, die Produk­ti­vi­tät weiter zu stei­gern, nahm ab. Die neu einge­führ­ten Fest­preise für land­wirt­schaft­li­che Erzeug­nisse wurden auf einem hohen Niveau fest­ge­setzt. Gleich­zei­tig entstan­den den Genos­sen­schaf­ten höhere Kosten (z. B. weil sie nun selbst für den Kauf und die Wartung tech­ni­scher Geräte verant­wort­lich waren).

Bild 18. 1961 produ­zierte die Melk­bri­gade „Freund­schaft” der LPG in Neßdorf mehr als 80.000 Kilo­gramm Milch und über­traf damit die Jahresvorgabe.
Bild 19. Jahres­ver­samm­lung der LPG in Priborn, bei der über hohe Ernte­er­träge und den effi­zi­en­ten Einsatz von Tech­no­lo­gie disku­tiert wird. Die Mitglie­der der Feld­bau­bri­gade hören aufmerk­sam zu (Januar 1973).

Weitere Neue­run­gen bestimm­ten die wirt­schaft­li­chen Akti­vi­tä­ten der LPG. Zuvor wurden die land­wirt­schaft­li­chen Erzeug­nisse der Genos­sen­schaf­ten vom Volks­ei­ge­nen Erfas­sungs- und Aufkauf­be­trieb (VEAB) aufge­kauft. Mit Ausnahme von Getreide und Hülsen­früch­ten schlos­sen die Genos­sen­schaf­ten nun direkte Verträge mit größe­ren Verar­bei­tungs­be­trie­ben ohne Einschal­tung einer ande­ren staat­li­chen Orga­ni­sa­tion ab.

Wie auch in ande­ren Produk­ti­ons­be­rei­chen der DDR wurden neben den Jahres­plä­nen und der tägli­chen Briga­de­ar­beit inner- und zwischen­be­trieb­li­che sowie über­re­gio­nale Wett­be­werbe orga­ni­siert, um die Produk­tion weiter zu fördern. Ziel war es, zusätz­li­che Reser­ven zu mobi­li­sie­ren, die Öffent­lich­keit auf die Bedeu­tung der Land­wirt­schaft aufmerk­sam zu machen und das Bewusst­sein für die kollek­ti­ven Ergeb­nisse der Arbeit zu schär­fen. Ein Auszug aus einem 2015 erschie­ne­nen Buch von Thomas Kupfer­mann über die Geschichte und den Alltag der Land­wirt­schaft in der DDR verdeut­licht, wie viel öffent­li­che Aufmerk­sam­keit diesen Akti­vi­tä­ten zuteil wurde:

Für das mecha­ni­sierte Einbrin­gen der Feld­früchte im großen Stil gab es – durch die Presse propa­giert, ironisch aber auch in den allge­mei­nen Sprach­ge­brauch über­nom­men – das poeti­sche Wort von der ‘Ernte­schlacht’. Und die tüch­ti­gen Männer – und auch Frauen –, die mit ihren Mähdre­schern über die großen LPG-Felder roll­ten und zum Leid der Auto­fah­rer ihre Maschi­nen auf den Land­stra­ßen zum nächs­ten Einsatz fuhren, waren die ‘Ernte­ka­pi­täne’. Alljähr­lich tobte die Schlacht, und die Medien beglei­te­ten sie mit Schlag­zei­len und Erfolgs­mel­dun­gen. ‘Hoch­be­trieb auf den Ernte­fel­dern’, dann folg­ten Hektar- und Ertrags­zah­len, aktu­elle Bild- und Text-Repor­ta­gen, Selbst­ver­pflich­tun­gen der Genos­sen­schafts­bau­ern. Die LPG traten in bezirk­li­che Wett­be­werbe, über die eben­falls berich­tet wurde, und am Ende der Ernte­schlacht gab es Auszeich­nun­gen für die Sieger und ihre Bilder in den ‘Stra­ßen der Besten’ (Wand­ta­feln zur Ausstel­lung der Best­ar­bei­ter). Jeder DDR-Bürger sollte aus Zeitun­gen und Nach­rich­ten erfah­ren, wie viele Hektar Getreide gemäht oder wie viele Tonnen Zucker­rü­ben einge­bracht worden waren, und kannte Losun­gen wie ‘Werk­tä­tige der Land­wirt­schaft! Wett­ei­fert um hohe Erträge! Mehr Fleisch, Milch und Getreide für die Repu­blik!’. In ähnlich hohem Anse­hen wie die Mähdresch­erfah­rer stan­den die Trak­to­ris­ten, die ein Bild für den tech­ni­schen Fort­schritt in der sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft abge­ben soll­ten.57

Hans Luft, Agrar­wis­sen­schaft­ler und ehema­li­ger Mitar­bei­ter des DDR-Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums, reflek­tiert über den kultu­rel­len Wandel, den die neuen Produk­ti­ons­ver­hält­nisse des Genos­sen­schafts­sys­tems mit sich brachten:

„Durch die gemein­same Arbeit in der Genos­sen­schaft und die dabei neu auftau­chen­den Probleme wie der komplexe Einsatz von Maschi­nen zur schnellst­mög­li­chen Einbrin­gung der Ernte, Schwie­rig­kei­ten bei Repa­ra­tu­ren und Ersatz­teil­be­schaf­fung für die Land­tech­nik, Fertig­stel­lung von Bau- und Melio­ra­ti­ons­maß­nah­men, seuchen­freue Führung großer Tier­be­stände bauten sich schnell über Gene­ra­tio­nen währende Feind­schaf­ten in den Dörfern ab. Die Kinder der Bauern wuch­sen in die neuen Produk­ti­ons­for­men hinein, mit neuen Erkennt­nis­sen, Erfah­run­gen und vor allem höhe­ren Quali­fi­ka­ti­ons­stan­dards.“58

Genossenschaften als Triebkraft sozialer und kultureller Entwicklung

Die Aufga­ben der LPG waren von Beginn an nicht auf die Land­wirt­schafts­pro­duk­tion beschränkt. Die LPG entwi­ckel­ten sich zum zentra­len Knoten­punkt der sozia­len, kommu­na­len, kultur­po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Entwick­lung auf dem Land. In Koope­ra­tion mit den Gemein­den und städ­ti­schen Betrie­ben errich­te­ten die LPG Wohnun­gen, Kultur­häu­ser, Kinder­gär­ten und ‑krip­pen sowie Sport­stät­ten. Sie besser­ten Stra­ßen aus und legten neue an, instal­lier­ten Wasser­lei­tun­gen und Kana­li­sa­ti­ons­sys­teme, zogen Entwäs­se­rungs­grä­ben, eröff­ne­ten Verkaufs­stel­len und Gast­stät­ten. Die LPG knüpf­ten an die Kultur­ar­beit der MTS an und entwi­ckel­ten sie weiter. Auftritte von Thea­ter­grup­pen, Jugend­tanz­abende, Sport­ver­an­stal­tun­gen, Film­abende brach­ten kultu­rel­les Leben in die Dörfer.

Darüber hinaus ermög­lich­ten die LPG einen umfas­sen­den sozia­len Wandel für die Dorf­be­völ­ke­rung. Der Histo­ri­ker Wolf­gang Mahlich hat die umfas­sen­den Auswir­kun­gen der Genos­sen­schaf­ten auf die Lebens­be­din­gun­gen der länd­li­chen Bevöl­ke­rung untersucht:

Mit der Über­füh­rung der Einzel­bau­ern in LPG verrin­ger­ten sich die physi­schen Belas­tun­gen der Bauern insbe­son­dere die der Bäue­rin­nen — auf den Feldern, in den Stäl­len und Lager­hal­len allein durch die gemein­schaft­li­che Arbeit, vor allem aber durch den Einsatz von Maschi­nen und komplet­ten Maschi­nen­sys­te­men.“59

Mahlich listet wich­tige soziale Errun­gen­schaf­ten auf, die mit den Genos­sen­schaf­ten einhergingen:

  • der Bezug von glei­chem Lohn für glei­che Arbeit unab­hän­gig von Alter und Geschlecht;
  • die beson­dere Vergü­tung von Arbei­ten an Sonn- und Feier­ta­gen; — der Bezug von Kran­ken­geld im Falle einer Erkrankung;
  • der Bezug von Kinder­geld für Genos­sen­schafts­bau­ern mit Kindern;
  • der bezahlte Urlaub mit der Möglich­keit, ihn in LPG-eige­nen Heimen zu verbringen;
  • die Verrich­tung der Arbei­ten — abge­se­hen von den Ernte­mo­na­ten — inner­halb einer gere­gel­ten Arbeitszeit;
  • die Erfas­sung sämt­li­cher Genos­sen­schafts­bau­ern in einem einheit­li­chen Sozialversicherungssystem;
  • die Möglich­keit, die Land­am­bu­la­to­rien zwecks kosten­lo­ser medi­zi­ni­scher Betreu­ung aufsu­chen zu können. Sie stand allen Land­be­woh­nern offen.
  • die “Befrei­ung” der LPG-Mitglie­der von Lohnsteuerabgaben;
  • die Gleich­stel­lung der LPG-Mitglie­der mit den Arbei­tern und Ange­stell­ten im Sozial‑, Kran­ken- und Versi­che­rungs­sys­tem.60
Bild 20. Zwei Kinder­gärt­ne­rin­nen und eine Erzie­he­rin betreuen 47 Kinder im Kinder­gar­ten der LPG Walter Ulbricht in Jahna, die 1952 von 64 Bauern mit 254 Hektar gegrün­det wurde (1958, als das Bild aufge­nom­men wurde, hatte sie 240 Mitglie­der). Neben land­wirt­schaft­li­chen Gebäu­den wurden viele soziale und kultu­relle Einrich­tun­gen gebaut.

Nicht zuletzt verschwin­det mit der genos­sen­schaft­li­chen Arbeits­weise die im bäuer­li­chen Fami­li­en­be­trieb norma­li­sierte Kinder­ar­beit. Zentral­schu­len erset­zen die Einklas­sen­schu­len der Dörfer. Den Kindern und Jugend­li­chen stand das poly­tech­ni­sche Bildungs­sys­tem der DDR offen, das eine unab­hän­gige Berufs­wahl ermög­lichte, aber auch den Weg für ein land­wirt­schaft­li­ches Studium öffnete. Für die Genos­sen­schafts­bau­ern entstan­den umfas­sende Bildungs- und Weiter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten, von denen maßgeb­lich die Bäue­rin­nen profi­tier­ten. Sie konn­ten sich beruf­lich quali­fi­zie­ren und verant­wor­tungs­volle, leitende Aufga­ben in den LPG übernehmen.

Bild 21. Die VdgB-Frau­en­kom­mis­sion im Kreis Stoll­berg folgte den Beschlüs­sen des Bauern­kon­gres­ses, Bäue­rin­nen und Mädchen in ihrer Weiter­bil­dung zu unter­stüt­zen, indem sie spezi­elle Schu­lungs­kurse anbot. Fünf­und­vier­zig Frauen und Mädchen kamen fünf­zehn Wochen lang in die Kreis­stadt, um sich weiter­zu­bil­den. Es gab Vorträge, Semi­nare, prak­ti­sche Übun­gen und Exkur­sio­nen. Der Schwer­punkt lag auf der Rinder­zucht und ‑haltung, da die meis­ten Teil­neh­me­rin­nen in diesem Bereich tätig waren (Februar 1962).

Die Agrar­wis­sen­schaft­le­rin und SED-Poli­ti­ke­rin Marga­rete Müller berich­tete über die schritt­wei­sen Fort­schritte, die ihr Dorf gemein­sam erzielt hatte:

Ich lebe seit 1960 in Kote­low. Damals bin ich, mit 29 Jahren, zur LPG-Vorsit­zen­den gewählt worden. Als wir anfin­gen, gab es keine befes­tig­ten Stra­ßen, die Stie­fel blie­ben im tiefen Schlamm stecken. Stück für Stück haben wir dieses Dorf, sagen wir ruhig, zivi­li­siert und voran­ge­bracht. Über jedes neue Haus, jeden neuen Stall, jede neue Scheune, über die Milch­vieh­an­lage, die Schwei­ne­ställe, die wir gemein­sam errich­tet haben, haben wir uns auch gemein­sam gefreut. Wir haben zusam­men gefei­ert und uns auch gemein­sam geär­gert, wenn es nicht so lief, wie wir es uns wünsch­ten. Wir waren eine Gemein­schaft. Und selbst im Sommer konn­ten Bauern in den Urlaub fahren, und die Kinder quali­fi­zier­ten sich an Hoch- und Fach­schu­len und kamen mitun­ter wieder zurück, weil sie selbst in dem klei­nen Kote­low für sich und ihre Fami­lie eine Perspek­tive sahen.“61

Bild 22. Anne­liese Hart­mann, Mecha­ni­sie­rungs­exper­tin der LPG W. I. Lenin in Ötters­dorf, im Juni 1978. Hart­mann bediente eine Viel­zahl von land­wirt­schaft­li­chen Groß­ge­rä­ten. Hier lenkt sie ihren Schwad­mä­her über die Grünlandflächen.

Zwischen 1960 und 1990 schwankte der Anteil weib­li­cher Mitglie­der in Genos­sen­schaf­ten unge­fähr zwischen 40 und 45 %.62 Im Jahr 1963 betrug der Anteil der Menschen, die in der sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft arbei­te­ten und einen Hoch­schul­ab­schluss oder eine Berufs­aus­bil­dung hatten, 18,1 %, während nur 8,5 % der in der Land­wirt­schaft täti­gen Frauen einen Hoch­schul­ab­schluss oder eine Ausbil­dung hatten. Bis 1984 lag dieser Anteil bei insge­samt 90,2 % und bei 88,6 % aller in der Land­wirt­schaft täti­gen Frauen.63 Diese Zahl war inter­na­tio­nal unüber­trof­fen.64 Zeit­zeu­gen beschrei­ben diesen deut­li­chen Anstieg des Bildungs­ni­veaus der länd­li­chen Bevöl­ke­rung, insbe­son­dere in den 1960er Jahren, und ihr garan­tier­tes Recht auf beruf­li­che Bildung und Hoch­schul­bil­dung als Bildungs­re­vo­lu­tion auf dem Land.65

Im Jahr 1966 waren 26 % aller Vorstands­mit­glie­der der LPGs Frauen; aller­dings wurden nur 0,9 % aller Genos­sen­schaf­ten von Frauen geführt.66 In den LPG wurden konkrete Struk­tu­ren wie Frau­en­aus­schüsse und Frau­en­ent­wick­lungs­pläne flächen­de­ckend einge­rich­tet, um die Rolle der Frauen zu stär­ken, ihre Inter­es­sen zu vertre­ten und ihren Anteil an Führungs­po­si­tio­nen zu erhö­hen. In den folgen­den Jahren stieg der Anteil von Frauen in Leitungs­ver­ant­wor­tung deut­lich an und erreichte 1978 35 %, was zum Teil auf die Verbes­se­rung ihrer beruf­li­chen und schu­li­schen Quali­fi­ka­tio­nen zurück­zu­füh­ren war. Dennoch wurden Frauen nur sehr selten Vorsit­zende einer LPG.67 Im Jahr 1987 gab es nur 125 weib­li­che Vorsit­zende.68 Trotz ihrer rela­tiv nied­ri­gen Reprä­sen­ta­tion in Führungs­po­si­tio­nen stellte die gleich­be­rech­tigte und unab­hän­gige Mitglied­schaft in Genos­sen­schaf­ten eine histo­ri­sche und funda­men­tale Entwick­lung für Bäue­rin­nen dar.

Es wurde eine Tendenz zur allmäh­li­chen Annä­he­rung der Lebens­be­din­gun­gen von Stadt und Land einge­schla­gen. Die Genos­sen­schafts­bau­ern hatten einen festen Platz in den poli­ti­schen und demo­kra­ti­schen Struk­tu­ren der DDR. Die Demo­kra­ti­sche Bauern­par­tei (DBD) als poli­ti­sches Organ der Land­be­völ­ke­rung und Bauern und die Verei­ni­gung der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe (VdgB) als ihre Massen­or­ga­ni­sa­tion waren fest in das demo­kra­ti­sche System der DDR inte­griert. Sie hatten ihren Platz in der Natio­na­len Front und der Volks­kam­mer der DDR. LPG-Beiräte bei den Räten der Kreise sicher­ten einen konti­nu­ier­li­chen und direk­ten Austausch ab. Ebenso wie die regel­mä­ßig statt­fin­den­den Bauern­kon­gresse, insbe­son­dere auf Kreis­ebene, zur Diskus­sion über die Lage und weitere Entwick­lung der Land­wirt­schaft und dem Leben auf dem Land. So entstand ein viel­fach verfloch­te­nes Netz aus Struk­tu­ren und Orga­nen, dass den Bauern und der Land­be­völ­ke­rung eine aktive Teil­nahme zur Mitwir­kung an dem poli­ti­schen, sozia­len und wirt­schaft­li­chen System der DDR ermög­lichte und die Land­be­völ­ke­rung fest mit der arbei­ten­den Bevöl­ke­rung der Städte verband. Die Isoliert­heit der länd­li­chen Bevöl­ke­rung und die poli­ti­sche Domi­nanz der Stadt über das Land wurden aufgebrochen.

Anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Soli­da­ri­tät in der Landwirtschaft

Am 1. Septem­ber 1960 wurde an der Leip­zi­ger Karl-Marx-Univer­si­tät das Insti­tut für tropi­sche Land­wirt­schaft gegrün­det. Warum aber grün­det sich in Deutsch­land, gele­gen in einer kühl­ge­mä­ßig­ten Klima­zone, ein solches Insti­tut? Der letzte inhalt­lich verwandte Lehr­stuhl in Deutsch­land unter dem Titel „Kolo­niale und auslän­di­sche Land­wirt­schaft“ wurde mit der erzwun­ge­nen Aufgabe deut­scher Kolo­nien nach dem ersten Welt­krieg aufge­löst. Fortan bestand kein staat­li­ches Inter­esse mehr an Forschung und Ausbil­dung zu tropi­scher Land­wirt­schaft. Das änderte sich mit der DDR, unter umge­kehr­ten Vorzei­chen. Die aus anti­ko­lo­nia­len Kämp­fen entstan­de­nen jungen Natio­nal­staa­ten soll­ten auf dem Weg zur ökono­mi­schen Befrei­ung aktiv unter­stützt werden. Tausende Studen­ten aus über 60 Ländern aus dem Globa­len Süden wurden am Leip­zi­ger Insti­tut und einer Hand­voll weite­rer Ausbil­dungs­stät­ten, wie der Agrar­in­ge­nieur­schule für tropi­sche Land­wirt­schaft in Alten­burg oder dem VEB Inter­agrar­ko­ope­ra­tion, für die Entwick­lung der Land­wirt­schaft in ihrer Heimat ausgebildet.

Ob Schweine-Spezia­lis­ten, die in Viet­nam versuch­ten die Frucht­bar­keit des viet­na­me­si­schen Hänge­bauch­schwei­nes mit der Mast­fä­hig­keit deut­scher Rassen zu kombi­nie­ren, ein Tropen­land­wirt, der in der Demo­kra­ti­schen Volks­re­pu­blik Jemen gemein­sam mit loka­len Verant­wort­li­chen die ersten gründ­li­chen statis­ti­schen Erfas­sun­gen der Vieh­pro­duk­tion vornahm, oder eine Gruppe aus 38 DDR-Spezia­lis­ten, die auf Grund­lage eines Freund­schafts­ver­tra­ges zwischen der DDR und Mosam­bik in vertrau­ens­vol­ler Zusam­men­ar­beit mit loka­len Kräf­ten dabei halfen eine Staats­farm aufzu­bauen, wobei acht von ihnen von konter­re­vo­lu­tio­nä­ren Kräf­ten 1984 getö­tet wurden.69

Groß­pro­jekte, wie der mit 32 Millio­nen Rubel unter­stützte Aufbau der ersten Kaffee­an­bau­ge­biete in Dac Lac, Viet­nam, auf deren Grund­lage das Land zum zweit­größ­ten Kaffee­pro­du­zen­ten der Welt aufstieg, stachen aus einer großen Anzahl von viel­fäl­ti­gen Soli­da­ri­täts­ak­ti­vi­tä­ten hervor.70 Versen­dung von Trak­to­ren, Land­ma­schi­nen oder Einrich­tung von Repa­ra­tur­werk­stät­ten wurden durch Spen­den der DDR-Bürger finan­ziert, die auch von Bauern erbracht wurden. In tausen­den Genos­sen­schaf­ten grün­de­ten Bauern der DDR Soli­da­ri­täts­ak­tivs und unter­stütz­ten beispiels­weise Kampa­gnen wie „Bauern helfen den Bauern Viet­nams“, um Sprüh­ge­räte zu entsen­den, mit deren Hilfe die durch die USA vergif­te­ten land­wirt­schaft­li­che Kultu­ren entgif­tet werden sollten.

Bild 23. Auf dem Ernte­feld bekun­den die Genos­sen­schafts­bau­ern der LPG „Oskar Schnel­ler“ in Mans­feld in Anwe­sen­heit von Bui Tru, dem zwei­ten Sekre­tär der Botschaft der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Viet­nam in der DDR, ihre Soli­da­ri­tät und Freund­schaft mit dem viet­na­me­si­schen Volk (Juli 1972).

Kooperation und Intensivierung — Der Weg zur industriemäßigen Großproduktion

Nach der Boden­re­form und der Genos­sen­schafts­be­we­gung begann im Laufe der 1960er Jahre eine dritte zentrale Phase der Entwick­lung der Land­wirt­schaft, die bis zum Ende der DDR den stra­te­gi­schen Kurs bestimmte: Konzen­tra­tion, Spezia­li­sie­rung und Koope­ra­tion als Voraus­set­zung für eine indus­trie­mä­ßige Groß­pro­duk­tion auf dem Land. Auf Grund­lage stei­gen­der Inves­ti­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten und stabi­ler Erfah­run­gen mit der genos­sen­schaft­li­chen Arbeits­weise entwi­ckel­ten sich alle LPG nach dem Abschluss der Genos­sen­schafts­be­we­gung 1960 allmäh­lich zu TYP III-LPG. Durch einen Beschluss des Minis­ter­ra­tes von 1963 wurde die Tech­nik der Maschi­nen-Trak­to­ren-Statio­nen den LPG Typ III größ­ten­teils kosten­los über­ge­ben, die LPG Typ I und II konn­ten sie preis­güns­tig und auf Raten erwer­ben. Insge­samt kamen dadurch Trak­to­ren und Maschi­nen im Wert von rund 1,8 Milli­ar­den Mark in die LPG.71 Viele Arbei­ter, Trak­to­ris­ten und Tech­ni­ker der MTS wurden Mitglie­der der Genos­sen­schaf­ten. So konnte der Einsatz der Tech­nik effek­ti­ver koor­di­niert und mit den Arbeits­ab­läu­fen der LPG abge­stimmt werden. Schließ­lich verei­nig­ten sich zudem LPG zu gemein­sa­men, größe­ren LPG. Die Gesamt­zahl der LPG sank, die bewirt­schaf­tete land­wirt­schaft­li­che Nutz­flä­che je LPG vergrö­ßerte sich. Während es 1960 noch 19.313 Genos­sen­schaf­ten gab, die rund 5,4 Millio­nen Hektar Land bewirt­schaf­te­ten, waren es 1988 nur noch 3.855, die die glei­che Fläche bestell­ten.72 Zusätz­lich zu ihren Mitglie­dern beschäf­tig­ten LPG Arbei­ter und Ange­stellte, teil­weise auch saiso­nal. Der Arbeits­kräf­te­be­darf wurde mit den Gemein­den und Krei­sen und in den Wirt­schafts­plä­nen abgestimmt.

Die Stei­ge­rung der Produk­ti­vi­tät der Land­wirt­schaft war aus mehre­ren Grün­den notwen­dig. Die umfas­sen­dere Versor­gung mit Nahrungs­gü­tern aus eige­ner Produk­tion spielte eine zentrale Rolle. Darüber hinaus waren agra­ri­sche Rohstoffe für viele Indus­trie­zweige, die keine Nahrungs­gü­ter herstell­ten, wich­tige Produk­ti­ons­grund­lage, wie z.B. in der Textil‑, Leder- und Rauchwaren‑, Zell­stoff- und Papier­in­dus­trie, in der chemi­schen und phar­ma­zeu­ti­schen Indus­trie, der Holz- und Kultur­wa­ren­in­dus­trie. Fast 65% des primä­ren Rohstoff­auf­kom­mens der DDR wurden in der Land­wirt­schaft erzeugt.73 Nicht zuletzt versprach eine Produk­ti­vi­täts­stei­ge­rung der Land­wirt­schaft die Möglich­keit, Arbeits­kräfte frei­zu­set­zen, die in ande­ren Wirt­schafts­be­rei­chen einge­setzt werden konn­ten. Neben dem konti­nu­ier­li­chen Ausbau des Maschi­nen­be­stan­des war das stark stei­gende Ausbil­dungs­ni­veau der Bauern und Land­ar­bei­ter eine wich­tige Trieb­kraft zur Produk­ti­vi­täts­stei­ge­rung und ein notwen­di­ges Funda­ment der weite­ren Konzen­tra­tion und Koope­ra­tion in der Struk­tur der Landwirtschaft.

Bereits in der Phase der Genos­sen­schafts­be­we­gung wurden zwischen den entste­hen­den LPG einer­seits und größe­ren Indus­trie­be­trie­ben, staat­li­chen und wissen­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen ande­rer­seits Paten­schafts­ver­träge abge­schlos­sen, die die Entwick­lung der LPG fördern und festi­gen soll­ten. Beispiels­weise wurden orga­ni­sierte Unter­stüt­zun­gen in Zeiten inten­si­ver Ernte­zei­ten oder bei Baupro­jek­ten verein­bart, die zusätz­lich das poli­ti­sche Ziel verfolg­ten, Arbei­ter aus den Städ­ten und Bauern näher zusam­men­zu­brin­gen. Die Verbin­dung war zu diesem Zeit­punkt aller­dings noch verein­zelt und rela­tiv lose. Nun soll­ten Abstim­mun­gen für den Produk­ti­ons­ab­lauf und zur Weiter­ver­ar­bei­tung verbes­sert werden. Ab Anfang der 1970er Jahre wurden die Verflech­tun­gen und die Zusam­men­ar­beit auf hori­zon­ta­ler Ebene, d.h. zwischen Betrie­ben der glei­chen Produk­ti­ons­stufe und auf verti­ka­ler Ebene, d.h. zwischen den Betrie­ben verschie­de­ner Stufen in der Kette bis zum Verbrau­cher (Primär­pro­duk­tion, Verar­bei­tung und Handel) wesent­lich entwi­ckelt und aufgebaut.

Es entstan­den eine Viel­zahl von Koope­ra­ti­ons­ge­mein­schaf­ten und Zwischen­be­trieb­li­chen Einrich­tun­gen zwischen den juris­tisch und ökono­misch weiter­hin eigen­stän­dig orga­ni­sier­ten Genos­sen­schaf­ten und volks­ei­ge­nen Betrie­ben. Beispiele für diese betrieb­li­chen Schnitt­stel­len waren die Agro­che­mi­schen Zentren, die Spezi­al­auf­ga­ben zur Düngung und zum Pflan­zen­schutz über­nah­men, die Melio­ra­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten, die schwer­punkt­mä­ßig den Bau der Be- und Entwäs­se­rungs­sys­teme orga­ni­sier­ten, oder auch die Repa­ra­tur-Tech­nik-Statio­nen bzw. Kreis­be­triebe für Land­tech­nik, die die Folge­or­ga­ni­sa­tio­nen der MTS wurden.

Bild 24. Die Spezia­lis­ten Klaus Ulrich und Franz Mally über­prü­fen ein compu­ter­ge­steu­er­tes Bewäs­se­rungs­sys­tem in einer LPG in Dambeck.

Auch in der Planung der Land­wirt­schaft wurden auf zentra­ler, örtli­cher und auf Betriebs­ebene immer mehr die vor- und nach­ge­la­ger­ten Berei­che der Produk­tion mitein­an­der verfloch­ten. Für die LPG bedeu­tete das eine konti­nu­ier­lich tiefere Inte­gra­tion in die gesamt­ge­sell­schaft­li­che Planung und Leitung der Wirt­schaft der DDR. Im beson­de­ren Maße verkör­per­ten die Mitte der 1970er Jahre entstan­de­nen Agrar-Indus­trie-Verei­ni­gun­gen (AIV) diese Tendenz. AIV waren eine insti­tu­tio­na­li­sierte Form der vertief­ten Koope­ra­tion zwischen verschie­de­nen LPG, VEG, zwischen­be­trieb­li­chen Einrich­tun­gen und den vor- und nach­ge­la­ger­ten Betrie­ben des Dienstleistungs‑, Be- und Verar­bei­tungs­sek­tors. Feste Orga­ni­sa­ti­ons- und Leitungs­struk­tu­ren verban­den die einzel­nen Betriebe mitein­an­der. Insge­samt bilde­ten sich in der DDR 13 dieser Produk­ti­ons­kom­plexe heraus, die zusam­men­ge­nom­men 6,6 % der gesam­ten land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che der DDR bewirt­schaf­te­ten.74 Hans Reichelt, lang­jäh­ri­ger Land­wirt­schafts­mi­nis­ter, vertei­digt den Weg zu einer indus­trie­mä­ßi­gen Land­wirt­schafts­pro­duk­tion unter den Bedin­gun­gen des Sozialismus:

Hier wurde der Weg zur Bildung großer Einhei­ten beschrit­ten – Klein­fel­der­wirt­schaft ist so wenig effek­tiv wie die Haltung von Vieh in klei­nen Stäl­len. Auch wenn jetzt der Einwurf kommt: Pfui, Massen­tier­hal­tung! Indus­trie­mä­ßige Produk­tion in der Land­wirt­schaft ist nicht a priori schlecht. Sie ist objek­tiv notwen­dig, um die Mensch­heit zu sätti­gen – das geht nicht mit Produk­ti­ons­me­tho­den aus dem 19. Jahr­hun­dert. Schlecht ist, wenn aus Grün­den der Profit­ma­che­rei alle mora­li­schen und ethi­schen Regeln inklu­sive Tier­schutz igno­riert werden. Das hängt jedoch mit dem Charak­ter der Gesell­schaft zusam­men. Wenn Bauern von Groß­ab­neh­mern gezwun­gen werden, ihre Erzeug­nisse unter dem Herstel­lungs­preis zu verkau­fen, und wenn Aktio­näre und Banken an den Börsen mit Lebens­mit­teln speku­lie­ren, schlägt dies zwangs­läu­fig auf die Produk­tion durch.“75

Bild 25. Getrei­de­ernte mit dem Mähdre­scher in einer Genos­sen­schaft in Werben.

Konkrete Probleme, die sich aus der Tendenz zur Spezia­li­sie­rung und aus Über­spit­zun­gen in der Groß­pro­duk­tion erga­ben, führ­ten Anfang der 1980er Jahre zu Debat­ten und Kurs­kor­rek­tu­ren. Die Spezia­li­sie­rung und Tren­nung von Pflan­zen- und Tier­pro­duk­tion störte den direk­ten Austausch von Natur­dün­ger und Futter­mit­teln und führte zu logis­ti­schen Schwie­rig­kei­ten. Stei­gende Trans­port­auf­wen­dun­gen und Zusatz­kos­ten für Groß­be­triebe belas­te­ten die Produk­tion. In der Tier­pro­duk­tion stieg der Aufwand für Vete­ri­när­hy­giene und Seuchen­vor­beu­gung spür­bar an. Ökolo­gi­sche Probleme, die durch den über­mä­ßi­gen Einsatz mine­ra­li­scher Dünge­mit­tel bei gleich­zei­ti­ger Vernach­läs­si­gung orga­ni­scher Alter­na­ti­ven entstan­den waren, wurden im Laufe der Zeit korri­giert. Ener­gie­in­ten­sive Maschi­nen­sys­teme waren anfäl­lig für Ener­gie­preis­spit­zen auf dem Welt­markt, von denen die DDR insbe­son­dere zu Beginn der 1980er Jahre betrof­fen war. Schließ­lich war die Frage nach den Gren­zen der wissen­schaft­li­chen Regu­lie­rung der Land­wirt­schaft als einem notwen­di­ger­weise von Umwelt- und biolo­gi­schen Bedin­gun­gen abhän­gi­gen Bereich umstritten.

Obwohl die Tendenz zur immer stär­ke­ren Koope­ra­tion zwischen den verschie­de­nen Betrie­ben und Inte­gra­tion in die gesamt­ge­sell­schaft­li­che Planung voran­ge­trie­ben wurde, war eine Über­füh­rung der LPG in Volks­ei­gene Güter (VEG) bis zum Ende der DDR nicht geplant.

„Immer wieder fragen Besu­cher unse­rer Repu­blik, ob und wann der Boden verstaat­licht wird. Diese Frage ist nicht aktu­ell, denn niemand denkt daran, die Eigen­tums­for­men auf dem Lande zu verän­dern. Der größte Teil des Bodens ist persön­li­ches Eigen­tum der Bauern. Seine genos­sen­schaft­li­che Nutzung, die Vertei­lung seines Ertra­ges an die LPG-Mitglie­der entspre­chend ihrem Anteil an der geleis­te­ten Arbeit, schafft alle Möglich­kei­ten, die entwi­ckelte sozia­lis­ti­sche Gesell­schaft weiter zu gestal­ten.“76

Eigen­tum an Boden, sofern es nicht Teil des Boden­re­form­lan­des war, konnte verkauft werden. Der Staat behielt das Vorkaufs­recht. Land aus dem Fonds der Boden­re­form konnte ledig­lich vererbt werden. Geschah dies nicht, wurde das Land an den staat­li­chen Boden­fonds zurück­ge­ge­ben. Der Staat über­gab es der jewei­li­gen LPG zur Nutzung. Der Tendenz nach vergrö­ßerte sich mit diesen Rege­lun­gen der Anteil des staat­li­chen Eigen­tums am Boden lang­sam, aber stetig. Die feste und immer engere Inte­gra­tion der LPG und Genos­sen­schafts­bau­ern in die einheit­li­chen Struk­tu­ren der Wirt­schafts­pla­nung und Demo­kra­tie der DDR verhin­derte, dass das Privat­ei­gen­tum am Boden eine ökono­mi­sche Bedeu­tung entfal­ten konnte. Auf das Bewusst­sein der einzel­nen Bauern konnte es aller­dings weiter eine Wirkung haben. Ein Indiz dafür, dass die Frage des Boden­ei­gen­tums und die Aufgabe zur Über­füh­rung der LPG in volks­ei­gene Güter früher oder später von der Entwick­lung selbst aufge­wor­fen würde, sind Wider­sprü­che zwischen den Kompe­ten­zen der großen Produk­ti­ons­ein­hei­ten, wie den AIV und staat­li­chen Orga­nen, wie Klaus Schmidt, ehema­li­ger Leiter des Insti­tuts für Agrar­öko­no­mie der DDR, betont:

Beson­ders dort, wo die AIV das Terri­to­rium eines ganzen Krei­ses bewirt­schaf­te­ten oder ihr Einfluss­be­reich sogar über die Kreis­gren­zen hinaus reichte, zeigte sich die Tendenz, dass sie immer stär­ker Hoheits­auf­ga­ben der staat­li­chen Organe an sich zogen. Als ein grund­le­gen­des Problem stellte sich mit zuneh­men­der Entwick­lung die Frage nach der Perspek­tive und der Entfal­tungs­mög­lich­kei­ten der in die AIV einbe­zo­ge­nen Einzel­un­ter­neh­men im Sinne des Erhalts ihrer Eigen­stän­dig­keit.“77

Es waren solche Wider­sprü­che und Probleme, wie auch die als Fehler erkannte Tren­nung der Pflan­zen- und Tier­pro­duk­tion in den 70er Jahren, die eine leben­dige Diskus­sion und Entwick­lung der Land­wirt­schaft erge­ben muss­ten. Auch die Frage des Boden­ei­gen­tums und der Eigen­stän­dig­keit bzw. der noch weiter­ge­hen­den Inte­gra­tion und Zentra­li­sie­rung der LPG wäre, sofern die DDR fort­exis­tiert hätte, sicher­lich Gegen­stand der poli­ti­schen Ausein­an­der­set­zung geblie­ben. Solange die SED und die weit­ver­zweig­ten demo­kra­ti­schen Struk­tu­ren auf dem Land – von den Land­wirt­schafts­bei­rä­ten auf allen poli­ti­schen Ebenen der DDR (Gemein­den, Kreise, Bezirke, zentrale Ebene), über die Orga­ni­sa­tio­nen der Bauern (Bauern­kon­gress, Demo­kra­ti­sche Bauern­par­tei, Verei­ni­gung der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe) bis hin zu den zahl­rei­chen wissen­schaft­li­chen Einrich­tun­gen, insbe­son­dere der Akade­mie für Land­wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten und den zahl­rei­chen Publi­ka­tio­nen für die Land­wirt­schaft –  diesen Wider­sprü­chen und Aufga­ben beweg­lich, selbst­kri­tisch und aktiv begeg­ne­ten, waren sie in der Lage, die Entwick­lung voranzutreiben.

Rückkehr zum Kapitalismus

Im Sommer 1990, nach Inkraft­tre­ten der Währungs‑, Wirt­schafts- und Sozi­al­union kam es zum rapi­den Preis­ver­fall und einer Absatz­krise für Produkte aus der DDR-Land­wirt­schaft. Die Bauern orga­ni­sier­ten zum Teil spek­ta­ku­läre Proteste zur Rettung ihrer Wirtschaften.

Bild 26: Am 10. Juli 1990 demons­trie­ren Bauern in Leip­zig. Aus Protest gegen die Land­wirt­schafts­po­li­tik der Regie­rung kipp­ten Bauern aus dem Kreis Geit­hain am Morgen Milch vor die Bezirks­ver­wal­tungs­be­hörde. Sie woll­ten auf den Umstand aufmerk­sam machen, daß die Molke­reien immer weni­ger Milch abnehmen.

Dabei erho­ben sie auch Forde­run­gen zum Erhalt der Genos­sen­schaf­ten und der Siche­rung der Ergeb­nisse der Boden­re­form. „Wir wollen nicht wieder dort begin­nen, wo wir oder unsere Eltern in den 1950er Jahren aufge­hört haben“, war viel­fach die Haltung der Bauern.78 Die Kehrt­wende zurück zu kapi­ta­lis­ti­schen Verhält­nis­sen war ab 1990 das verord­nete poli­ti­sche Programm für die gesamte DDR-Wirt­schaft. Begon­nen hatte damit bereits die letzte CDU-geführte DDR-Regie­rung, mit der soge­nann­ten Wieder­ver­ei­ni­gung am 3. Okto­ber 1990 wird die eilige Priva­ti­sie­rung und Abwick­lung der Wirt­schaft der DDR zum umfas­sen­den Regie­rungs­pro­gramm. Die radi­kale Umwäl­zung, die die Land­wirt­schaft in 45 Jahren erlebt hatte, stellte diese Pläne aller­dings vor beson­dere Heraus­for­de­run­gen. Klaus Schmidt, ehema­li­ger Leiter des Insti­tuts für Agrar­öko­no­mie der DDR, urteilte:

„Im Zuge des Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­ses gab es struk­tu­rell wohl in keinem ande­ren zu inte­grie­ren­den Wirt­schafts­zweig so große Unter­schiede zwischen West und Ost wie in der Land­wirt­schaft.“79

1990 bestan­den in der DDR 464 Volks­ei­gene Güter (VEG), die 7 % der Land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che bewirt­schaf­te­ten. Die 3844 LPG bilde­ten den heraus­ra­gen­den Schwer­punkt der Land­wirt­schafts­pro­duk­tion.80 Die auf Pflan­zen­pro­duk­tion spezia­li­sier­ten LPG umfass­ten durch­schnitt­lich 4500 ha, es waren in der DDR kolos­sale Land­wirt­schafts­be­triebe entstan­den.81 Die DDR-Land­wirt­schaft musste aus Sicht der Abwick­ler aus dem Westen priva­ti­siert und wett­be­werbs­fä­hig gemacht werden. Maßstab der Umwand­lung waren die in West­deutsch­land vorherr­schen­den fami­liä­ren Einzel­be­triebe und das Ziel der Rück­gän­gig­ma­chung der Eigen­tums- und Struk­tur­ver­än­de­run­gen der DDR.

Zunächst stellte sich die Frage, ob auch die durch die Boden­re­form durch­ge­setzte Enteig­nung rück­gän­gig gemacht werden sollte. Ob also die Altei­gen­tü­mer, die Groß­grund­be­sit­zer, Nazi- und Kriegs­ver­bre­cher, Ansprü­che auf ihr ehema­li­ges Boden­ei­gen­tum geltend machen könn­ten. Die letzte PDS-Führung unter Hans Modrow, ebenso wie die Bauern der DDR setz­ten sich vehe­ment für den Erhalt der Ergeb­nisse der Boden­re­form ein.

Schließ­lich wurde zwar fest­ge­legt, dass die Entschei­dun­gen der Besat­zungs­macht, und inso­fern auch die Boden­re­form, nicht Rück­gän­gig gemacht werden dürfen. Trotz dessen wurden in den 1990er Jahren rund 70.000 Erben von Boden­re­form­land mit dem Argu­ment entschä­di­gungs­los enteig­net, dass sie zum Zeit­punkt der Wende selbst nicht Mitglie­der einer LPG oder darüber hinaus in der Land­wirt­schaft tätig waren.82 Darüber hinaus wurde durch das Entschä­di­gungs- und Ausgleich­ge­setz (EALG) der vergüns­tigte Rück­erwerb zumin­dest eines Teils der frühe­ren Besitz­tü­mer der „Boden­re­form­op­fer“ ermög­licht. Land konnte demnach auch von Verwand­ten vier­ten Grades für 65 % des Verkehrs­wer­tes erwor­ben werden.83

Das volks­ei­gene Boden­ei­gen­tum der DDR ging zum Zweck der Repri­va­ti­sie­rung zunächst in Eigen­tum der Treu­hand­an­stalt (THA) und später an die Boden­ver­wer­tungs und ‑verwal­tungs GmbH (BVVG) über. Dazu zähl­ten neben den Flächen der Volks­ei­ge­nen Güter (VEG) auch bedeu­tende Boden­an­teile aus den LPG. Die DDR hatte unge­nutzte staat­li­che Flächen den LPG zur Nutzung über­las­sen. Boden­ei­gen­tum ausschei­den­der LPG-Mitglie­der, das nicht vererbt wurde, ging in Volks­ei­gen­tum über. So hatte sich der Anteil an staat­li­chem Boden­ei­gen­tum im Verlauf der DDR konti­nu­ier­lich erhöht. Rund ein Drit­tel der gesam­ten Land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che der DDR war im Jahr 1990 volks­ei­gen.84 Der von den LPG bewirt­schaf­tete Boden bestand nur zu 55% aus eigen­brach­ten Boden­ei­gen­tum der LPG-Mitglie­der.85 Woll­ten ehema­lige LPG, nun unter neuer Rechts­form, weiter­be­stehen, muss­ten sie zuse­hen die Flächen, die zwar zu ihrer Wirt­schafts­struk­tur gehör­ten aber nun Eigen­tum der Treu­hand­an­stalt waren, zu pach­ten. Darüber entstand ein wich­ti­ger Hebel, um die bestehen­den LPG-Struk­tu­ren aufzu­lö­sen. Zudem muss­ten sie den Rechts­form­wan­del in kurzer Zeit bis Ende 1991 bereits abge­schlos­sen haben.

Die Möglich­keit die LPG als einge­tra­gene Genos­sen­schaft (eG) oder Gesell­schaft mit beschränk­ter Haftung (GmbH) fort­füh­ren zu können, wurde den Genos­sen­schafts­bau­ern nicht leicht gemacht. Insbe­son­dere Anfang der 1990er Jahre verkaufte oder verpach­tete die Treu­hand­an­stalt ihren Boden­be­sitz bevor­zugt an Altei­gen­tü­mer und west­li­che Land­wirte.86 Ihre Prio­ri­tä­ten­set­zung sah vor die ehemals volks­ei­ge­nen Flächen zunächst an private Wieder­ein­rich­ter („Boden­re­form­op­fer“, LPG-Ausstei­ger oder „Resti­tu­ti­ons­be­rech­tigte“), an zwei­ter Stelle an orts­an­säs­sige Neuein­rich­ter, d.h. ostdeut­sche Hofgrün­der, an drit­ter Stelle an LPG-Nach­fol­ger und zuletzt an orts­fremde Neuein­rich­ter zu verkau­fen oder zu verpach­ten.87 Der Schwer­punkt der Trans­for­ma­ti­ons­stra­te­gie der Bundes­re­pu­blik lag zu Beginn auf Liqui­die­rung der LPG und Umwand­lung in Einzelwirtschaften.

Die Etablie­rung kapi­ta­lis­ti­scher Produk­ti­ons­ver­hält­nisse endete nicht mit der Enteig­nung und Priva­ti­sie­rung des Volks­ei­gen­tums und der Ände­rung der Rechts­for­men der ehema­li­gen LPG. Günter Heller, Sach­ver­stän­di­ger für die Umstruk­tu­rie­rung land­wirt­schaft­li­cher Unter­neh­men ab 1992 kam zu folgen­dem Schluss:

„In vielen Fällen muss­ten „Köpfe“ umge­krem­pelt werden. Ein Bruch mit den Tradi­tio­nen und Gewohn­hei­ten der DDR-Vergan­gen­heit musste erfol­gen. Oft musste in den neuen Betrie­ben das Manage­ment ausge­wech­selt werden, denn nur die Rechts­form zu ändern, hätte nichts verbes­sert.“88

In der DDR war der Absatz der land­wirt­schaft­li­chen Erzeug­nisse zu festen Prei­sen garan­tiert. Schlag­ar­tig muss­ten sich die Bauern an den Erfor­der­nis­sen des Mark­tes, den Absatz­mög­lich­kei­ten und Preis­be­din­gun­gen anpas­sen. Die eng verwach­se­nen Verflech­tun­gen mit den Kommu­nen und den vor- und nach­ge­la­ger­ten Wirt­schafts­be­rei­chen wurde aufge­bro­chen. Am heftigs­ten zeigte sich diese Umstel­lung auf markt­kon­forme Produk­tion im massi­ven Arbeits­platz­ver­lust in der ostdeut­schen Land­wirt­schaft. Von den ehemals 923.000 in der Land­wirt­schaft Beschäf­tig­ten der DDR wurden bis 1993 durch die Einfüh­rung der Markt­wirt­schaft 743.900 Arbeits­kräfte abge­baut, 4 von 5 muss­ten gehen.89 Eine regel­rechte Land­flucht, insbe­son­dere der jünge­ren und quali­fi­zier­ten Kräfte, beglei­tete den massi­ven Abbau der Versor­gungs­in­fra­struk­tur auf dem Land, die bis zur Gegen­wart andau­ert.85 Die umfas­sen­den, zumeist den LPG ange­glie­der­ten sozia­len und kultu­rel­len Struk­tu­ren hiel­ten dem Profi­ta­bi­li­täts­druck nicht stand.

„Das schlimmste war, neben diesem notwen­di­gen Finden der zukünf­ti­gen Struk­tur, dass die Arbeits­kräfte entlas­sen wurden. Bei uns waren das unge­fähr 90% der Leute, die nach Hause geschickt wurden. Der ganze Repa­ra­tur­be­reich, die Werk­stät­ten, […] die Betriebs­kü­chen, die Kultur­häu­ser – alles, was den sozia­len Bereich anging – das war von heut auf Morgen weg. Und die Leute waren zu Hause und haben nach ande­ren Möglich­kei­ten gesucht. Am schlimms­ten fand ich, dass die Männer mit 55 Jahren nach Hause geschickt wurden. […] Nun stel­len sie sich mal vor: Nen Mann mit 55 sitzt zu Hause und die Frau hat viel­leicht noch das Glück, dass sie arbei­ten kann, das ist ne Kata­stro­phe in der Fami­lie. Die werden nicht mehr gebraucht. Die waren so lange der Stabi­li­täts­fak­tor in der Fami­lie und auf einmal will die keiner mehr haben. Und wo gehst du hin aufm Land? Es war ja in dem Moment nichts greif­bar.“90

Trotz der umfas­sen­den Trans­for­ma­tion der Land­wirt­schaft drückt die Entwick­lung der DDR dem Antlitz der Land­wirt­schaft bis heute ihren deut­li­chen Stem­pel auf. Die stark unter­schied­li­che Land­wirt­schafts­struk­tur zwischen Ost und West bezeu­gen die grund­ver­schie­dene Geschichte der DDR und der Alt-BRD. Im Jahr 2020 bewirt­schaf­te­ten 3.900 „Juris­ti­sche Perso­nen“ (GmbH, eG, GbR, u.a.) – viel­fach direkte Nach­fol­ge­be­triebe der LPG – ca. die Hälfte der land­wirt­schaft­li­chen Nutz­flä­che im Osten.91 Es sind nomi­nell fast genau so viele wie es LPG gab im letz­ten Jahr der DDR. Aller­dings bewirt­schaf­ten sie nur rund die Hälfte der Fläche der ehema­li­gen LPG. Im Westen domi­nie­ren die Einzel­un­ter­neh­men (Fami­li­en­be­triebe und Perso­nen­ge­sell­schaf­ten) die Land­wirt­schafts­struk­tur voll­kom­men. Die Land­wirt­schafts­be­triebe im Osten Deutsch­lands bewirt­schaf­ten durch­schnitt­lich sehr viel größere Flächen als im Wesen.92 Während im Osten 68 % der Fläche in Betrie­ben mit über 500 ha bewirt­schaf­tet werden, sind es im Westen nur 2 %.93

Bis heute hält die „markt­kon­forme“ Priva­ti­sie­rungs- und Verpach­tungs­po­li­tik der BVVG an. Längst hat Boden­spe­ku­la­tion im Osten Einzug gehal­ten, die auch die Pacht­ge­büh­ren in die Höhe trei­ben lässt und bis heute die tradier­ten Land­wirt­schafts­struk­tu­ren im Osten Deutsch­lands zersetzt.

Dieter Wolff, Agrar­in­ge­nieur und Ökonom, fasst poin­tiert zusam­men, wie dieser Struk­tur­wan­del der Land­wirt­schaft von vielen ostdeut­schen Land­wir­ten wahr­ge­nom­men wurde:

Die Unru­hen und Span­nun­gen zur Zeit der ‘Wende’ im Jahr 1989 gingen natür­lich auch an unse­rer LPG nicht vorüber. Wie wohl alle ehema­li­gen DDR-Bürger habe ich die aufge­deck­ten Fehler der Partei- und Staats­füh­rung mit Entrüs­tung zur Kennt­nis genom­men. Es war für mich zugleich aber unfass­bar, wie nun auch alle guten Seiten der DDR-Erfah­rung pauschal als schlecht oder unrecht darge­stellt wurden. […] Sehr vieles, was wir in der sozia­lis­ti­schen Genos­sen­schaft über Jahr­zehnte lern­ten und prak­ti­zier­ten, kommt uns heute zugute. Und der Unter­schied zu früher? Haben wir uns damals oft über die stän­di­gen Einmi­schungs­ver­su­che über­ge­ord­ne­ter Leitun­gen ins Wirken der LPG geär­gert, so hat heute eigent­lich nur einer etwas wirk­lich zu sagen: die Bank.“94

Fazit

In einer – mensch­heits­ge­schicht­lich betrach­tet – kurzen Zeit­spanne von einem knap­pen halben Jahr­hun­dert zeigen sich in Ostdeutsch­land, wie in einem Brenn­glas, epochale Brüche der Lebens- und Wirt­schafts­be­zie­hun­gen auf dem Land. Von den Über­res­ten einer halb­feu­dal-hier­ar­chi­sier­ten Sozial- und Eigen­tums­ord­nung hin zu einer gemein­schaft­li­chen, auf Koope­ra­tion basie­ren­den Arbeits- und Lebens­weise und schließ­lich zurück zu einer privat­ka­pi­ta­lis­ti­schen Konkur­renz­wirt­schaft auf dem Land. In exem­pla­ri­scher Weise gibt die Land­wirt­schafts­ge­schichte im Osten Deutsch­lands damit Aufschluss über den bestim­men­den Charak­ter der Eigen­tums- und Macht­ver­hält­nisse auf die Lebens- und Arbeits­be­zie­hun­gen der Menschen. Ohne Blau­pause für die welt­weit sehr unter­schied­li­chen poli­ti­schen und ökono­mi­schen Ausgangs­be­din­gun­gen auf dem Land, werden dennoch Grund­li­nien erkenn­bar, die entschei­dende Anhalts­punkte zum Verständ­nis gegen­wär­ti­ger Entwick­lun­gen und zum Aufstel­len poli­ti­scher Stra­te­gien sein können.

Die Boden­re­form schaffte die unab­ding­bare Voraus­set­zung für jedwede grund­le­gende Verän­de­rung auf dem Lande. Die poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che Macht der über Jahr­hun­derte domi­nie­ren­den Eigen­tü­mer­schich­ten wurde gebro­chen. Erst mit der Zerschla­gung ihrer Herr­schaft konn­ten neue Bezie­hun­gen aufge­baut werden und wach­sen. Die Boden­re­form been­dete mit der Enteig­nung des junker­li­chen Groß­grund­be­sit­zes die Vorherr­schaft feudal­ad­li­ger und agrar­ka­pi­ta­lis­ti­scher Schich­ten und mit ihr eben­falls ihre gesell­schaft­lich domi­nante Rolle. Land­ar­bei­ter, land­lose und land­arme Bauern und die einfa­che Dorf­be­völ­ke­rung wurden aus dem System ökono­mi­scher Ausbeu­tung und halb­feu­da­ler Entrech­tung befreit. Aus Unter­drück­ten wurden aktive Gestal­ter der Land­wirt­schaft und des Dorf­le­bens. Zu diesem tief­grei­fen­den Wandel waren die poli­ti­schen Führun­gen des bürger­lich-kapi­ta­lis­ti­schen Deutsch­land bis dahin nicht bereit und nicht in der Lage. Erst unter Führung der Parteien der Arbei­ter­be­we­gung und unter der Voraus­set­zung der sowje­ti­schen Besat­zungs­macht wurde die bürger­li­che Bauern­be­frei­ung in diesem Teil von Deutsch­land durch­ge­setzt. Zugleich wurde die Boden­re­form verbun­den mit einer deut­li­chen Partei­nahme für die Inter­es­sen der werk­tä­ti­gen Schich­ten der Bauern. Die erneute Entste­hung von Groß­grund­be­sitz wurde verhin­dert, die gegen­sei­tige Hilfe, kollek­tive und demo­kra­ti­sche Arbeits- und Denk­wei­sen zwischen den Land­wir­ten beför­dert. Indem sie also gesamt­ge­sell­schaft­li­che Entwick­lun­gen anti­zi­pierte, wies die Boden­re­form bereits über ihren bürger­lich-kapi­ta­lis­ti­schen Rahmen hinaus.

Die darauf aufbau­ende Etappe der Genos­sen­schafts­be­we­gung ist ein Lehr­stück für die Kompli­ziert­heit und Wider­sprüch­lich­keit eines gesamt­ge­sell­schaft­li­chen Entwick­lungs­pro­zes­ses, in dem ein Wandel im Denken und Handeln der Akteure entschei­dend für sein Gelin­gen ist. Die SED musste konti­nu­ier­lich das Verhält­nis zwischen stra­te­gi­schem Ziel und den wider­sprüch­li­chen Ausgangs­be­din­gung austa­rie­ren, Fehler und Härten blie­ben dabei nicht aus. Volun­t­a­ris­mus einer­seits und passi­ver Selbst­lauf ande­rer­seits bargen die Gefahr, entwe­der den Blick für die gesell­schaft­li­chen Reali­tä­ten oder die notwen­dige und aktive Gestal­tungs­rolle zu verlie­ren. Äußere und innere Bedin­gun­gen, die feind­li­chen Akti­vi­tä­ten des impe­ria­lis­ti­schen Lagers, der Bewusst­seins­stand der Bauern, Notwen­dig­kei­ten und Perspek­ti­ven der wirt­schaft­li­chen Entwick­lung muss­ten stetig neube­wer­tet werden, um die Geschwin­dig­keit und Führungs­rolle in diesem umfas­sen­den Entwick­lungs­pro­zess zu bestim­men. Die Kompli­ziert­heit des Weges, die Lang­wie­rig­keit mancher Prozesse, insbe­son­dere im Denken der Menschen, das Einwir­ken und Sabo­tie­ren der poli­ti­schen Gegner, muss­ten beach­tet und darauf reagiert werden. Dies verlangte nach einem hohen Maß an Beweg­lich­keit und Ziel­klar­heit, aber auch an Fähig­keit zur Selbst­kri­tik, das die poli­tisch Verant­wort­li­chen über weite Stre­cken und im Wesent­li­chen aufwiesen.

Soziale Härten und verein­zelte Verlet­zun­gen des Prin­zips der Frei­wil­lig­keit, zu denen es im Verlauf der Genos­sen­schafts­be­we­gung kam, lassen sich nur im Zusam­men­hang mit der wider­sprüch­li­chen und kompli­zier­ten Ausgangs­lage erklä­ren. Gegen­über der Gesamt­ent­wick­lung verblas­sen die Fehler. Ohne die aktive und voran­trei­bende Rolle der Bauern wäre der Schritt zur Genos­sen­schaft unmög­lich gewe­sen. Erzäh­lun­gen wie die einer „Zwangs­kol­lek­ti­vie­rung“, die den öffent­li­chen Diskurs in Deutsch­land domi­nie­ren, verfol­gen nicht die Absicht, die Prozesse in der DDR zu verste­hen, sondern sie mit anti­kom­mu­nis­ti­schen Etiket­ten zu verse­hen. Die Abwen­dung von der Domi­nanz des Privat­ei­gen­tums ist aus bürger­li­cher Perspek­tive prin­zi­pi­ell zu verur­tei­len. Anhand von Einzel­schick­sa­len, in denen es durch­aus auch tragi­sche Konflikte und Verwick­lun­gen gab, soll der Blick auf das Ganze verstellt und eine ernst­hafte und auf histo­ri­schen Tatsa­chen beru­hende Beschäf­ti­gung unter­bun­den werden. Ein Muster der Geschichts­be­wäl­ti­gung mit dem Real­so­zia­lis­mus, das uns auf vielen Gebie­ten begegnet.

Durch den Zusam­men­schluss der Bauern aller Größen­ord­nun­gen und ihre enge Einglie­de­rung in die staat­li­che Gesamt­pla­nung wurde die Unsi­cher­heit der indi­vi­du­el­len wirt­schaft­li­chen Exis­tenz, die zur „Frei­heit“ des Privat­ei­gen­tums und des Wett­be­werbs notwen­dig dazu­ge­hört, über­wun­den. Der Aufbau der genos­sen­schaft­li­chen Produk­tion auf dem Land war Teil der Durch­set­zung sozia­lis­ti­scher Produk­ti­ons­ver­hält­nisse und ein entschei­den­der Baustein dafür, dass die DDR sich als sozia­lis­ti­scher Staat einheit­lich entwi­ckeln konnte. Posi­tio­nen, die in der Fort­exis­tenz des genos­sen­schaft­li­chen Eigen­tums neben dem Volks­ei­gen­tum wesent­li­che Hinder­nisse zur Vertie­fung plan­wirt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen sehen, werden durch die Entwick­lun­gen der DDR nicht bestä­tigt. Zwar wiesen die Erfah­run­gen der Agrar-Indus­trie-Verei­ni­gun­gen auf zu lösende Wider­sprü­che zwischen den verschie­de­nen Eigen­tums­for­men durch­aus hin, aller­dings waren die Genos­sen­schaf­ten durch gemein­sam entwi­ckelte Pläne und damit verbind­li­che Abspra­chen zur Fondver­tei­lung, so wie dem Fest­preis­sys­tem bereits tief in die gesamt­wirt­schaft­li­chen Vorgänge der DDR inte­griert. Wirt­schaft­li­che Eigen­stän­dig­keit bestand im gewis­sen Maße in Hinblick auf die inne­ren Belange der Genos­sen­schaf­ten, konnte aber keine wesent­li­che Wirkung auf die Gesamt­wirt­schaft der DDR entfalten.

Die genos­sen­schaft­li­che Arbeits- und Lebens­weise hat die Dörfer demo­kra­ti­siert, indem soziale Unter­schiede aufge­ho­ben wurden, hat die Frei­zeit der Dorf­be­völ­ke­rung ausge­baut und umfas­sende Möglich­kei­ten zur kultu­rel­len, sport­li­chen und sozia­len Akti­vi­tät beför­dert. Kultur­häu­ser, Kinder­krip­pen, Dorf­lä­den, Essens­ver­sor­gung, flächen­de­ckende medi­zi­ni­sche Versor­gung, Weiter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten, Feri­en­plätze, Sport- und Musik­grup­pen und weite­res mehr gehör­ten fest zur Infra­struk­tur der Dörfer und Gemein­den. Es war die Land­be­völ­ke­rung selbst, oftmals orga­ni­siert durch die LPG, die maßgeb­lich am Aufbau dieser Struk­tu­ren betei­ligt und inso­fern eng damit verbun­den war.

Die DDR konnte ihren Bedarf an Produk­ten aus der Land­wirt­schaft, im Rahmen der geogra­phisch-klima­ti­schen Bedin­gun­gen, was beispiels­weise Südfrüchte oder Kaffee ausschloss, im Wesent­li­chen eigen­stän­dig produ­zie­ren. Hunger und wirt­schaft­li­che Exis­tenz­sor­gen der Bauern wurden auf Basis der poli­ti­schen Ordnung der DDR und der Entwick­lung in der Land­wirt­schaft zu Fremd­wör­tern. Zum Ende der DDR fehl­ten, wie in der Breite der Produk­ti­ons­ba­sis, die Mittel zur Moder­ni­sie­rung der tech­ni­schen Grund­la­gen der Land­wirt­schaft. Nicht­de­sto­trotz gibt die Orien­tie­rung auf eine hoch­tech­ni­sierte, indus­trie­mä­ßige Land­wirt­schafts­pro­duk­tion Anstöße für eine Diskus­sion über Groß­pro­duk­tion und Tech­ni­sie­rung in der Land­wirt­schaft. Mit Blick auf den allge­gen­wär­ti­gen Raub­bau an der Natur und die Markt­do­mi­nanz von Agrar­mul­tis wird von Eini­gen die Perspek­tive in der Klein­pro­duk­tion gese­hen. Der Weg der DDR weist eine Entwick­lungs­rich­tung, die bei Vermei­dung der nega­ti­ven Erschei­nun­gen stei­gende Erträge bei sinken­dem Arbeits­kräf­te­be­satz erzie­len konnte.

Der jähe Abbruch dieser Entwick­lung 1990 führt mit aller Deut­lich­keit Wesens­merk­male der kapi­ta­lis­ti­schen Umge­stal­tung vor: Priva­ti­sie­rung, Abbau „unpro­fi­ta­bler“ sozia­ler und kultu­rel­ler Infra­struk­tur, Boden­spe­ku­la­tion, Land­flucht. Nach 1990 waren die Bauern wieder auf sich allein gestellt: Absatz­schwie­rig­kei­ten, Preis­druck und Markt­kon­kur­renz brach­ten exis­ten­zi­elle Sorgen zurück. Der Abbau von Infra­struk­tur auf dem Land stärkt die Tendenz zur Verein­ze­lung. Der Zuge­winn an Entschei­dungs­frei­heit, die die Rück­kehr der Domi­nanz des Privat­ei­gen­tums für den eige­nen Hof bedeu­ten mochte – stets beschränkt durch die Sach­zwänge des Mark­tes –, geschah auf Kosten einer Rolle als Mitge­stal­ter der Gesell­schaft. Eigen­stän­dig muss­ten und müssen sich die Bauern durch das Chaos der Abwick­lung, Priva­ti­sie­rung und schar­fen Wett­be­werbs­be­din­gun­gen kämp­fen. Nicht wenige treibt es heute wieder in Oppo­si­tion zur herr­schen­den Poli­tik, die keine sichere Perspek­tive für ihre Betriebe entwi­ckeln kann. Mit der kapi­ta­lis­ti­schen Restau­ra­tion kamen auch die „billi­gen“, meist migran­ti­schen Ernte­hel­fer und Land­ar­bei­ter, kam die wach­sende Ungleich­heit zurück. Boden liegt als Speku­la­ti­ons­ob­jekt brach, anstatt Lebens­mit­tel zu produ­zie­ren. Der Profit ist zum bestim­men­den Faktor der Land­wirt­schaft gewor­den. „Das Land denen, die es bear­bei­ten“ steht heute auch im Osten Deutsch­lands wie in weiten Teilen der Welt, unter sehr ande­ren Vorzei­chen als 1945, wieder auf der Tagesordnung.

Bild­nach­weise

Bilder 5, 6, 7, 12, 13, 14, 24, und 25: Unbe­kannte Foto­gra­fen, in Autoren­kol­lek­tiv, Früchte des Bünd­nis­ses – Werden und Wach­sen der sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft der DDR. Berlin: Dietz Verlag, 1985.

 

Bild 1: Donath, Otto. ADN-ZB / Donath, Podel­zig, 1945. Ohne Datum. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183-N0816-313 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 2: Höhne, Erich and Pohl, Erich. Boden­re­form in der SBZ. 11. Septem­ber 1945. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183–32584-0002 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 3: Unbe­kannt. Plakat heraus­ge­ge­ben vom Zentral­ko­mi­tee der KPD (Kommu­nis­ti­sche Partei Deutsch­lands). 1945. Plakat.

 

Bild 4: Unbe­kannt. SLUB / Deut­sche Foto­thek. Ohne Datum. Foto. Freier Zugang — Rechte vorbe­hal­ten 1.0.

 

Bild 8: SED Verlag für Agita­ti­ons- und Lehr­ma­te­ria­lien. Dem Sozia­lis­mus gehört die Zukunft. Werk­tä­tige Einzel­bau­ern werdet Mitglie­der der LPG. 1979. Plakat. © Samm­lung DDR Museum, Berlin.

 

Bild 9: Zentral­bild / Unbe­kannt. LPG Bloch­witz, Fest­akt, Eintritt in LPG. 26. Januar 1953. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183–18079-0002 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 10: Biscan, Wilhelm. LPG Sabke, Grund­stein­le­gung. 19. Mai 1954. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183–24684-000 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 11: Klein. LPG Schön­fließ, Blick auf den Bauplatz. 19. Okto­ber 1955. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183–33546-0003 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 15: Pietsch. LPG Neubre­de­rs­dorf, Buch­füh­rung. Okto­ber 1954. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183–16767-0001 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 16: Klein. LPG Schö­ne­mark, Berlin, Kassen­prü­fung. 16. Okto­ber 1956. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183–42037-0009 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 17: Leske, Peter. LPG Groß Beuchow, Frauen bei Kartof­fel­ernte. 15. Septem­ber 1961. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183–86381-0001 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 18: Unbe­kannt. LPG Neßdorf, Melker­bri­gade. 21. Septem­ber 1961. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183–86543-0001 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 19: Barto­cha, Benno. LPG Priborn, Jahres­haupt­ver­samm­lung. 9. Januar 1973. Foto. Bundes­ar­chiv, Bild 183-M0109-0030 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 20: Löwe. LPG Jahna, Spiel­platz des Kinder­gar­tens. 11. August 1958. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183–57461-0015 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 21: Gahl­beck, Fried­rich. Stoll­berg, Schu­lung für Bäue­rin­nen. 2. Februar 1962. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183–90211-0001 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 22: Liebers, Peter. LPG Ötters­dorf, Mecha­ni­sa­to­rin. 8. Juni 1978. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183-T0608-0003 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 23: Schaar, Helmut. LPG Mans­feld, Soli­da­ri­täts­be­kun­dung mit Viet­nam. 26. Juli 1972. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183-L0725-0030 / CC-BY-SA 3.0.

 

Bild 26: Kluge, Wolf­gang. Leip­zig: Bauern­pro­test. 10. Juli 1990. Foto. Wiki­me­dia Commons / Bundes­ar­chiv, Bild 183‑1990-0710–019 / CC-BY-SA 3.0.

Fußno­ten
  1. FAO, IFAD, UNICEF, WFP, und WHO, The State of Food Secu­rity and Nutri­tion in the World 2024 – Finan­cing to End Hunger, Food Inse­cu­rity and Malnu­tri­tion in All Its Forms [Der Zustand der Ernäh­rungs­si­cher­heit und Ernäh­rung in der Welt 2024 – Finan­zie­rung zur Besei­ti­gung von Hunger, Ernäh­rungs­un­si­cher­heit und Mangel­er­näh­rung in all ihren Formen] (Rom: FAO, 2024), https://openknowledge.fao.org/items/ebe19244-9611–443c-a2a6-25cec697b361, 3.[]
  2. FIAN Switz­er­land, Fact Sheet Nahrungs­mit­tel­spe­ku­la­tion, aufge­ru­fen 12. April 2023, https://fian-ch.org/content/uploads/Fact_Sheet_Nahrungsmittelspekulation.pdf.[]
  3. Sarah K. Lowder, Marco V. Sánchez, und Raffaele Bertini, Which Farms Feed the World and Has Farm­land Become More Concen­tra­ted? [Welche land­wirt­schaft­li­chen Betriebe ernäh­ren die Welt und hat sich die Konzen­tra­tion von Acker­land verstärkt?], World Deve­lo­p­ment, 142, 1. Juni 2021: 105455, https://doi.org/10.1016/j.worlddev.2021.105455; Roman Herre, Fünf Agrar­kon­zerne beherr­schen den Welt­markt, Hein­rich Böll Stif­tung, 10. Januar 2017, aufge­ru­fen 12. April 2023, https://www.boell.de/de/2017/01/10/fuenf-agrarkonzerne-beherrschen-den-weltmarkt.[]
  4. Hermann Matern, 10 Jahre Boden­re­form, Neues Deutsch­land, 03.09.1955.[]
  5. Aaron O’Neill, Popu­la­tion of Germany 1800–2020 [Bevöl­ke­rung Deutsch­lands von 1800 bis 2020], Statista, aufge­ru­fen 17. Juni 2024, https://www.statista.com/statistics/1066918/population-germany-historical/.[]
  6. Gemein­den mit mehr als 2.000 Einwoh­nern wurden als Städte betrach­tet. Volker Klemm et al., Von den bürger­li­chen Agrar­re­for­men zur sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft in der DDR (Berlin: VEB Deut­scher Land­wirt­schafts­ver­lag, 1985), 55.[]
  7. Klemm et al., Von den bürger­li­chen Agrar­re­for­men, 55, 33, 75, 76.[]
  8. Klemm et al., Von den bürger­li­chen Agrar­re­for­men, 33.[]
  9. Klemm et al., Von den bürger­li­chen Agrar­re­for­men, 30.[]
  10. Fried­rich Engels, Die Bauern­frage in Frank­reich und Deutsch­land, in MEW Band 22, 504f.[]
  11. Sieg­fried Kunt­sche, Boden­re­form in einem Kern­land des Groß­grund­be­sit­zes, in Hans Modrow, Hans Watzek (Hrsg.), Junker­land in Bauern­hand (Berlin: edition ost, 2005),110.[]
  12. Kunt­sche, Boden­re­form, 101.[]
  13. Klemm et al., Von den bürger­li­chen Agrar­re­for­men, 142.[]
  14. Rede von Joseph Goeb­bels im Januar 1936, zitiert von Kurt Bauer, Natio­nal­so­zia­lis­mus: Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall (Wien: UTB, 2008), 306.[]
  15. Autoren­kol­lek­tiv unter Leitung von Gerhard Grüne­berg, Von der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe zur sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft in der DDR (Berlin: Dietz Verlag, 1965), 11.[]
  16. Klemm et al., Von den bürger­li­chen Agrar­re­for­men, 163.[]
  17. Hans Watzek, Der Streit um die Reform, in Junker­land in Bauern­hand (Berlin: edition Ost, 2005), 16.[]
  18. Frank Schuh­mann, Edwin Hoernle (1883–1952), in Modrow, Hans und Watzek, Hans, Junker­land in Bauern­hand (Berlin: edition Ost, 2005), 75.[]
  19. Gerhard Henkel, Boden­re­form­sied­lun­gen des 20. Jahr­hun­derts in West­fa­len, in West­fa­len Regio­nal, vol. 35, Hein­eberg, H., Müns­ter, Aschen­dorff, 2007, 108–109, aufge­ru­fen 12. April 2023, https://www.lwl.org/westfalen-regional-download/PDF/S108_Bodenreformsiedlungen.pdf[]
  20. Walter Ulbricht, Bren­nende Fragen des Neuauf­baus Deutsch­lands (Berlin: Dietz Verlag, 1947), 57.[]
  21. Edwin Hoernle, zitiert nach Frank Schu­mann, Edwin Hoernle (1883–1952), in Hans Modrow und Hans Watzek, Junker­land in Bauern­hand (Berlin: edition Ost, 2005), 71f.[]
  22. Hart­mut Koschyk und Vincent Regente, Vertrie­bene in SBZ und DDR (Berlin-Bran­den­burg: Be.bra wissen­schaft verlag GmbH, 2021), 31.[]
  23. Joachim Piskol, Chris­tel Nehrig, Paul Trixa, Anti­fa­schis­tisch-demo­kra­ti­sche Umwäl­zung auf dem Lande (Berlin: VEB Deut­scher Land­wirt­schafts­ver­lag, 1984), 52.[]
  24. Autoren­kol­lek­tiv, Früchte des Bünd­nis­ses – Werden und Wach­sen der sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft der DDR (Berlin: Dietz Verlag, 1985), 170. Axel Wolz, The Orga­ni­sa­tion of Agri­cul­tu­ral Produc­tion in East Germany since World War II: Histo­ri­cal Roots and Present Situa­tion [Die Orga­ni­sa­tion der land­wirt­schaft­li­chen Produk­tion in Ostdeutsch­land seit dem Zwei­ten Welt­krieg: Histo­ri­sche Wurzeln und aktu­elle Situa­tion], Diskus­si­ons­pa­pier, Nr. 139 (Halle, Saale: Leib­niz Insti­tute of Agri­cul­tu­ral Deve­lo­p­ment in Central and Eastern Europe, 2013), aufge­ru­fen 15. Juli 2025, https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:3:2–27321.[]
  25. Klaus Schmidt, Land­wirt­schaft in der DDR: VEG, LPG und Koope­ra­tio­nen; Wie sie wurden, was sie waren, was aus ihnen gewor­den ist (Clenze: Agri­Me­dia, 2009), 16.[]
  26. Schmidt, Land­wirt­schaft in der DDR, 16.[]
  27. Autoren­kol­lek­tiv, Früchte des Bünd­nis­ses, 45.[]
  28. Bruno Kies­ler, Ein soli­des Konzept, in Hans Modrow und Hans Watzek, Junker­land in Bauern­hand (Berlin: edition ost, 2005), 57.[]
  29. Schmidt, Land­wirt­schaft in der DDR, 131; Staat­li­che Zentral­ver­wal­tung für Statis­tik, Statis­ti­sches Jahr­buch der DDR 1956 (Berlin: VEB Deut­scher Zentral­ver­lag, 1957), 350.[]
  30. Abtei­lung Frauen im ZK der SED, Frau­en­ar­beit in Stadt und Land, Neues Deutsch­land, 27. Februar 1948, 2.[]
  31. Staat­li­che Zentral­ver­wal­tung für Statis­tik, Statis­ti­sches Jahr­buch der DDR 1955 (Berlin: VEB Deut­scher Zentral­ver­lag, 1956), 26f.[]
  32. Autoren­kol­lek­tiv unter Leitung von Gerhard Grüne­berg, Von der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe, 63.[]
  33. Sieg­fried Kunt­sche, Beiträge zur Agrar­ge­schichte der DDR (Diek­hof: Van Derner, 2015), 144.[]
  34. Staat­li­che Zentral­ver­wal­tung für Statis­tik, Statis­ti­sches Jahr­buch der DDR 1955, 198.[]
  35. Walter Ulbricht zitiert nach Wolf­gang Mahlich, Die Heraus­bil­dung der Land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten in der DDR, darge­stellt an der Entwick­lung des Krei­ses Haldens­le­ben, Bezirk Magde­burg (1952 bis 1960) (Doktor­ar­beit, Humboldt-Univer­si­tät Berlin, 1999), 93; Autoren­kol­lek­tiv unter Leitung von Gerhard Grüne­berg, Von der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe, 64[]
  36. Kurt Goss­wei­ler, Benja­min Baum­gar­ten und die ‘Stalin-Note’, in Streit­ba­rer Mate­ria­lis­mus Nr. 22, Mai 1998, 61–74, aufge­ru­fen 05.12.23, https://kurt-gossweiler.de/benjamin-baumgarten-und-die-stalin-note-mai-1998/.[]
  37. Walter Ulbricht, Refe­rat und Schluß­wort auf der II. Partei­kon­fe­renz der SED Berlin, 9. bis 12. Juli 1952 (Berlin: Dietz Verlag, 1952).[]
  38. Kunt­sche, Beiträge zur Agrar­ge­schichte der DDR. 144[]
  39. Beschluss der III. LPG Konfe­renz im Dezem­ber 1954. Vgl. Mahlich, Die Heraus­bil­dung der Land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten in der DDR, 107[]
  40. Autoren­kol­lek­tiv unter Leitung von Gerhard Grüne­berg, Von der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe zur sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft in der DDR, 71.[]
  41. Autoren­kol­lek­tiv unter Leitung von Gerhard Grüne­berg, Von der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe zur sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft in der DDR, 70.[]
  42. Staat­li­che Zentral­ver­wal­tung für Statis­tik, Statis­ti­sches Jahr­buch der DDR 1955, 197.[]
  43. Kunt­sche, Beiträge zur Agrar­ge­schichte der DDR, 143.[]
  44. Insti­tut für Marxis­mus-Leni­nis­mus beim Zentral­ko­mi­tee der SED, Geschichte der deut­schen Arbei­ter­be­we­gung, Band 7 (Berlin: Dietz Verlag, 1966), 226.[]
  45. ZK der SED, Der neue Kurs und die Aufga­ben der Partei, Neues Deutsch­land, 28. Juli 1953.[]
  46. Kunt­sche, Beiträge zur Agrar­ge­schichte der DDR, 322.[]
  47. Walter Ulbricht, Zur konter­re­vo­lu­tio­nä­ren Konzep­tion View­egs, aus der Rede auf der 30. Tagung des ZK der SED vom 30. Januar bis 1. Februar 1957, in Walter Ulbricht, Die Bauern­be­frei­ung in der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik Band I (Berlin, Dietz Verlag, 1961), 601.[]
  48. Kurt Goss­wei­ler, Die Tauben­fuß-Chro­nik Band I (München: Verlag zur Förde­rung der wissen­schaft­li­chen Welt­an­schau­ung, 2002), 138.[]
  49. Walter Ulbricht, Zur konter­re­vo­lu­tio­nä­ren Konzep­tion View­egs, 601f.[]
  50. Goss­wei­ler, Die Tauben­fuß-Chro­nik, 129f.[]
  51. Karl Mewis, Staat­li­che Film­do­ku­men­ta­tion beim Staat­li­chen Film­ar­chiv der DDR SFD, 1973, aufge­ru­fen 10. Juni 2025, TC 42:30, https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/248665/672354[]
  52. Kunt­sche, Beiträge zur Agrar­ge­schichte der DDR, 333.[]
  53. Staat­li­che Zentral­ver­wal­tung für Statis­tik, Statis­ti­sches Jahr­buch der DDR 1960/61 (Berlin: VEB Deut­scher Zentral­ver­lag, 1962), 419.[]
  54. Gesetz über die land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten, 2. Juli 1982, aufge­ru­fen 05.12.23, https://www.verfassungen.de/ddr/lpggesetz82.htm.[]
  55. Autoren­kol­lek­tiv unter Leitung von Gerhard Grüne­berg, Von der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe, 76.[]
  56. Solv­eig Leo, Lohn, Pläne und Demo­kra­tie in der LPG, Inter­view mit der IFDDR, Septem­ber 2022, aufge­ru­fen 2. Septem­ber 2024, https://www.youtube.com/watch?v=Hg6WLA8UaEc.[]
  57. Thomas Kupfer­mann (Hrsg.), Ernte­ka­pi­täne, Plan­soll und Genos­sen­schaft (Augs­burg: Welt­bild Detail GmbH, 2015), 69.[]
  58. Hans Luft, Agrar­ge­nos­sen­schaf­ten – gestern, heute und morgen (Berlin: Helle Panke e.V., 1998), 43.[]
  59. Mahlich, Die Heraus­bil­dung der Land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten in der DDR, 445.[]
  60. Mahlich, Die Heraus­bil­dung der Land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten in der DDR, 445–446.[]
  61. Marga­rete Müller, So war es, in Ernte­ka­pi­täne, Plan­soll und Genos­sen­schaft, 58.[]
  62. Staat­li­che Zentral­ver­wal­tung für Statis­tik, Statis­ti­sches Jahr­buch der DDR 1989 (Berlin: VEB Deut­scher Zentral­ver­lag, 1990), 182f.[]
  63. Autoren­kol­lek­tiv, Minis­te­rium für Land‑, Forst und Nahrungs­gü­ter­wirt­schaft (Hrsg.), 40 Jahre erfolg­rei­che Entwick­lung zu einer leis­tungs­fä­hi­gen sozia­lis­ti­schen Land­wirt­schaft in der DDR (Eggers­dorf: agra­buch, 1989), 66.[]
  64. Aus erster Hand, Bauern mit Zukunft: über die Land­wirt­schaft der DDR (Berlin: Panorama DDR, 1988), 28.[]
  65. Luft, Agrar­ge­nos­sen­schaf­ten, 32.[]
  66. Eleo­nore Körner, Unter­su­chun­gen zum Einsatz von Genos­sen­schafts­bäue­rin­nen in der Leitungs­funk­tion der LPG (Berlin: Eigen­druck, 1969), 57, aufge­ru­fen 14. Juli 2024, https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/meta-objekt/untersuchungen-zum-einsatz-von-genossenschaftsbaeuerinnen-in-der-leitungsfunktion-der-lpg–thesen-zur-dissertation/3244genderbib#?id=3244genderbib_1&open=&c=&m=&s=&cv=1&xywh=0%2C-411%2C5010%2C4329.[]
  67. Helga Kuhrig and Wulf­ram Speig­ner, Zur gesell­schaft­li­chen Stel­lung der Frau in der DDR (Leip­zig: Verlag für die Frau, 1978), 169.[]
  68. Aus erster Hand, Bauern mit Zukunft, 18.[]
  69. Monika Smardz, Bis zum jenem Tag im Dezem­ber – Eine Farm mitten in der Savanne, in Matthias Vos, Wir haben Spuren hinter­las­sen! (Müns­ter: LIT Verlag, 2005), 277.[]
  70. Ralf Böhme, Entwick­lungs­hilfe-Projekte der DDR: Hallen­ser sorgt für Kaffee-Boom in Viet­nam, Mittel­deut­sche Zeitung, 18. Novem­ber 2015, aufge­ru­fen 22. Mai 2025, https://www.mz.de/mitteldeutschland/entwicklungshilfe-projekte-der-ddr-hallenser-sorgt-fur-kaffee-boom-in-vietnam-3158247.[]
  71. Autoren­kol­lek­tiv, Früchte des Bünd­nis­ses, 170.[]
  72. Staat­li­che Zentral­ver­wal­tung für Statis­tik, Statis­ti­sches Jahr­buch der DDR 1989, 181.[]
  73. Klaus Schmidt and Vassi­lij Boew, Verflech­tung im volks­wirt­schaft­li­chen Agrar-Indus­trie-Komplex der DDR und der UdSSR (Berlin: VEB Deut­scher Land­wirt­schafts­ver­lag, 1988), 14.[]
  74. Klaus Schmidt, Land­wirt­schaft in der DDR, (Agri­me­dia, 2009), 293.[]
  75. Hans Reichelt, Das Dorf lieferte die Vorlage, in Junge­Welt, 22.06.2013, aufge­ru­fen 05. Dezem­ber 2023, https://www.jungewelt.de/artikel/203007.das-dorf-lieferte-die-vorlage.html?sstr=%7CJuni.[]
  76. PANORAMA DDR-Auslands­pres­se­agen­tur (Hrsg.), Die Land­wirt­schaft in der DDR, (Dres­den: Verlag Zeit im Bild, 1979), 29.[]
  77. Schmidt, Land­wirt­schaft in der DDR, 294.[]
  78. Schmidt, Land­wirt­schaft in der DDR, 321.[]
  79. Schmidt, Land­wirt­schaft in der DDR, 317.[]
  80. Staat­li­che Zentral­ver­wal­tung für Statis­tik, Statis­ti­sches Jahr­buch der DDR 1990 (Berlin: VEB Deut­scher Zentralverlag,1991), 212.[]
  81. Halvor Jochim­sen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, in Bundes­mi­nis­te­rium für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Verbrau­cher­schutz (Hrsg.), Berichte über Land­wirt­schaft: Zeit­schrift Agrar­po­li­tik und Land­wirt­schaft, Band 88 Heft 2 (Berlin: BMELV, 2010), 203.[]
  82. Hans Modrow, Ein nunmehr endgül­tig abge­schlos­se­nes Kapi­tel, in Modrow, Watzek, Junker­land in Bauern­hand, 11. Lothar Weigelt, Ich war 15, in Modrow, Watzek, Junker­land in Bauern­hand, 151f. Urteil Euro­päi­scher Gerichts­hof für Menschen­rechte, Rechts­sa­che JAHN und andere gegen DEUTSCHLAND (Beschwer­den Nr.46720/99, 72203/01 und 72552/01), 20. Juni 2005, 8 und 34.[]
  83. Jana Frie­ling­haus, Priva­ti­sie­rungs­bi­lanz, in Junge Welt, 13. Juli 2012, aufge­ru­fen 15. Juli 2025, https://www.jungewelt.de/artikel/185891.privatisierungsbilanz.html.[]
  84. Jochim­sen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, 211f.[]
  85. Schmidt, Land­wirt­schaft in der DDR, 320.[][]
  86. Jochim­sen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, 213.[]
  87. Jochim­sen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, 214f.[]
  88. Jochim­sen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, 207.[]
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  90. Solv­eig Leo, Über­gang zum Kapi­ta­lis­mus (‘Tran­si­tion to Capi­ta­lism’), Inter­view mit der IFDDR, Septem­ber 2022, aufge­ru­fen 5. August 2025, https://youtu.be/tN-QyY-mZ4I[]
  91. Bundes­mi­nis­te­rium für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft, Daten und Fakten – Land‑, Forst- und Ernäh­rungs­wirt­schaft mit Fische­rei und Wein- und Garten­bau (Pader­born: Boni­fa­tius GmbH, Mai 2022), 9, aufge­ru­fen 5. August 2025, https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/daten-fakten-2022.pdf?__blob=publicationFile&v=8.[]
  92. Bundes­mi­nis­te­rium für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft, Daten und Fakten, 9.[]
  93. Jochim­sen, 20 Jahre Grüner Aufbau Ost, 232.[]
  94. Dieter Wolff, ‘Das muss einmal deut­lich gesagt werden!’, in Ernte­ka­pi­täne, Plan­soll und Genos­sen­schaft, 110.[]