Ein neues Buch über das Gesundheitswesen im Sowjetgeorgien, in der DDR und im sozialistischen Jugoslawien.
Demnächst auf Deutsch zur Verfügung.
Gedruckte Ausgabe (auf Englisch) per E‑Mail bestellen: kontakt@ifddr.org
Wir sind stolz darauf, dass wir diesen Sommer unser neues Buch herausgeben konnten: „Misdiagnosed: Socialist Health Care Models in Retrospect“. Gemeinsam mit Freunden aus Tbilisi und Zagreb haben wir an diesem Buch gearbeitet, um zu zeigen, dass es nicht nur erstrebenswert, sondern auch möglich ist, Profitinteressen aus dem Gesundheitswesen zu eliminieren und neue Systeme aufzubauen, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.
In drei Kapiteln untersuchen wir, wie die Sowjetrepublik Georgien, die DDR und das sozialistische Jugoslawien sich daran machten, die Gesundheit ihrer Bevölkerung stetig zu verbessern. Die Leitprinzipien waren Prophylaxe und Sozialmedizin, also der Ansatz, der die Wechselwirkungen zwischen unserer Arbeits- und Lebenswelt und unserer Gesundheit untersucht. Dank vergesellschafteter Eigentumsverhältnisse war es diesen Staaten möglich, alltägliche Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft und in den Schulen anzugehen, sodass die Bevölkerung bestenfalls gesund gehalten werden konnte, anstatt erst nach einer Erkrankung behandelt zu werden. Somit gelang es einigen der am stärksten von Krankheit und Krieg gezeichneten Gesellschaften Europas, schlimme Epidemien zu überwinden und sich zu industrialisierten Staaten mit modernen Gesundheitssystemen zu entwickeln. Das Buch beschreibt, wie diese drei Staaten verschiedene Gesundheitseinrichtungen entwickelten, wie beispielsweise die Poliklinik in der DDR oder die „selbstverwalteten Interessengemeinschaften“ (samoupravne interesne zajednice) in Jugoslawien.
Tragischerweise haben die menschlichen Kosten der kapitalistischen Restauration im Osten nach 1990 und der schlechte Zustand der Gesundheitssysteme in ganz Europa heute die Wirksamkeit des sozialistischen Ansatzes deutlich gemacht. Eine ganzheitliche und präventive Ausrichtung wurde durch das fragmentierte und kommerzialisierte Gesundheitssystem ersetzt, das wir heute in kapitalistischen Staaten nur allzu gut kennen. Durch einen Rückblick auf die historischen Erfahrungen in Osteuropa zeigen die Beiträge in diesem Buch, dass eine effektive, universelle Gesundheitsversorgung tatsächlich auf die Bedürfnisse der Menschen und nicht auf Profit ausgerichtet sein kann.
