Der Weg zur „sozialistischen Warenproduktion“

Ökono­mi­sche Probleme und Debat­ten während des sozia­lis­ti­schen Aufbaus in der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik (1950–1963)

Matthew Read
3. März 2026

Die Warne­mün­der Boots­werft wurde nach der Befrei­ung vom Faschis­mus beschlag­nahmt, da die Eigen­tü­mer zu den Kriegs­ver­bre­chern gehör­ten, die von Zwangs­ar­beit profi­tiert hatten. Im Juli 1946 stimm­ten die Hafen­ar­bei­ter bei einer Betriebs­ver­samm­lung mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit für die Enteig­nung des Betrie­bes, und ihre Werft wurde in Volks­ei­gen­tum umge­wan­delt. Hier disku­tie­ren Schiff­bauer der Jugend­bri­gade „Rotes Banner” während einer Bera­tung in der VEB Warnow­werft, 1960. (Bundes­ar­chiv, Bild 183–72483-0001 / Pommerening)

Inhaltsverzeichnis 

1. Einleitung

„… der Staat, den wir geschaf­fen haben, ist kein Ruhe­bett, auf dem man sich räkeln kann. An seiner Wiege steht kein billi­ger Triumph, sondern die schwere Arbeit, die wir auf dem Wege der demo­kra­ti­schen Selbst­ge­stal­tung unse­res gesell­schaft­li­chen Lebens zu leis­ten haben. … Die Repu­blik ist im Kampf entstan­den, sie steht heute im Kampf und wird ihr Leben im Kampf entfal­ten müssen.“


- Minis­ter­prä­si­dent Otto Grote­wohl auf dem 3. Partei­tag der SED am 23. Juli 1950.

Als die Deut­sche Demo­kra­ti­sche Repu­blik im Okto­ber 1949 gegrün­det wurde, stand der junge Staat vor einer gewal­ti­gen Aufgabe. Sein Staats­ge­biet und seine Bevöl­ke­rungs­zahl waren weit­aus klei­ner als die seines west­deut­schen Pendants, der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land. Abge­schnit­ten vom histo­ri­schen Zentrum der deut­schen Schwer­indus­trie und Rohstof­fen im Westen, musste die vom Krieg schwer gezeich­nete DDR eine Groß­in­dus­trie von Grund auf aufbauen. Die Inves­ti­ti­ons­mit­tel dafür muss­ten im Inland aufge­bracht werden, denn die DDR verfügte weder über Kolo­nien noch über auslän­di­sche Gönner wie die BRD mit dem Marshall­plan. Allein die DDR-Bürger zahl­ten die 10 Milli­ar­den Dollar Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen Deutsch­lands an die Sowjet­union, nach­dem der Westen seine Zahlun­gen einge­stellt und Exports­ank­tio­nen gegen den Osten verhängt hatte. Dies war die prekäre Ausgangs­si­tua­tion, von der aus der sozia­lis­ti­sche Aufbau in Ostdeutsch­land in den frühen 1950er Jahren begann. Am Ende eines turbu­len­ten Jahr­zehnts wurden Hunderte von neuen Indus­trie­be­trie­ben errich­tet, der länd­li­chen Raum durch genos­sen­schaft­li­che Struk­tu­ren demo­kra­ti­siert und beispiel­lose soziale und kultu­relle Rechte für Millio­nen Arbei­ter und Bauern gesichert.

Der folgende Arti­kel greift diese Peri­ode der DDR-Geschichte auf und konzen­triert sich auf die wirt­schaft­li­chen Probleme und Debat­ten während des Über­gangs vom Kapi­ta­lis­mus zum Sozia­lis­mus. Er knüpft an einen frühe­ren Arti­kel aus dem Jahr 2024 an, der die Wirt­schafts­po­li­tik der „anti­fa­schis­tisch-demo­kra­ti­schen Umwäl­zung“ (1945–1949) in der dama­li­gen Sowje­ti­schen Besat­zungs­zone (SOZ) unter­suchte. Dieser Zeit­raum war durch den Nach­kriegs­pro­zess der Entna­zi­fi­zie­rung, Demo­kra­ti­sie­rung und Dezen­tra­li­sie­rung der Wirt­schaft gekenn­zeich­net. Die Sozia­lis­ti­sche Einheits­par­tei Deutsch­lands (SED), die im April 1946 in der SOZ aus dem Zusam­men­schluss der Kommu­nis­ti­schen Partei Deutsch­lands (KPD) und der Sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Partei Deutsch­lands (SPD) hervor­ging, erkannte, dass die objek­ti­ven und (vor allem) subjek­ti­ven Bedin­gun­gen in Deutsch­land noch nicht reif für den Sozia­lis­mus waren, und konzen­trierte sich auf den Kampf gegen die Teilung des Landes. Die Sowje­ti­sche Mili­tär­ad­mi­nis­tra­tion arbei­tete mit der SED und ande­ren Parteien zusam­men, um die Über­win­dung der Kriegs­schä­den, die Wieder­her­stel­lung des Lebens­stan­dards auf Vorkriegs­ni­veau und die Förde­rung eines anti­fa­schis­ti­schen, demo­kra­ti­schen Bewusst­seins in den Vorder­grund zu stel­len. Durch Massen­in­itia­ti­ven wie Seques­ter- und Boden­re­form­kom­mis­sio­nen wurden die Eigen­tums­ver­hält­nisse schritt­weise umge­stal­tet, um die ökono­mi­sche Wurzeln des Faschis­mus zu besei­ti­gen. Die neue Eigen­tums­form „Volks­ei­gen­tum“ wurde geschaf­fen, um einen sozia­li­sier­ten Indus­trie­sek­tor zu etablie­ren, der neben dem noch großen Privat­sek­tor agie­ren sollte. Bis 1948 hatten die West­mächte einsei­tig eine wirt­schaft­li­che Teilung Deutsch­lands durch eine Währungs­re­form durch­ge­setzt, und die SED begann, Elemente einer indi­ka­ti­ven Wirt­schafts­pla­nung einzu­füh­ren. Der Zwei­jah­res­plan von 1948 sollte sicher­stel­len, dass die wirt­schaft­li­che Entwick­lung in der SOZ nicht weiter hinter die der West­zo­nen zurückfiel.

Das darauf folgende Jahr­zehnt wurde rück­bli­ckend als die „Peri­ode des sozia­lis­ti­schen Aufbaus“ in der DDR (1950–1962) bezeich­net. Das Planungs­sys­tem verla­gerte sich von markt­ori­en­tier­ten indi­ka­ti­ven Mecha­nis­men zu einem demo­kra­tisch-zentra­lis­ti­schen Modell, das dem sowje­ti­schen System ähnelte. Die Wirt­schaft wurde nun nach spezi­fi­schen Produk­ti­ons­zie­len koor­di­niert, die in Fünf­jah­res- und Jahres­plä­nen fest­ge­legt wurden. Die Pläne wurden in einem langen, mehr­stu­fi­gen Prozess der wissen­schaft­li­chen Analyse und der demo­kra­ti­schen Bera­tung erstellt. Der inter­nen Akku­mu­la­tion wurde Vorrang einge­räumt, um den Aufbau der Schwer­indus­trie zu finan­zie­ren. Private Unter­neh­men spiel­ten weiter­hin eine wich­tige Rolle bei der Bereit­stel­lung von Waren und Dienst­leis­tun­gen und wurden im Laufe des Jahr­zehnts schritt­weise in das Planungs­sys­tem inte­griert. Wie in dem obigen Zitat des ersten Minis­ter­prä­si­den­ten Otto Grote­wohl erwähnt, wurden diese Bemü­hun­gen durch die poli­ti­schen Kämpfe der Zeit stark beein­flusst und einge­schränkt. Die 1950er Jahre waren die prägen­den Jahre des sozia­lis­ti­schen Blocks in Osteu­ropa. Sie waren sowohl von raschen wirt­schaft­li­chen Fort­schrit­ten als auch von schwer­wie­gen­den poli­ti­schen Krisen geprägt. In der Mitte des Jahr­zehnts kam es zu einer entschei­den­den Ausein­an­der­set­zung zwischen dem leni­nis­ti­schen Modell des demo­kra­ti­schen Zentra­lis­mus und der titois­ti­schen Konzep­tion des „selbst­ver­wal­te­ten Sozialismus“.

In den späten 1940er Jahren, als die UdSSR zu einer Frie­dens­wirt­schaft über­ging und die Volks­de­mo­kra­tien in Osteu­ropa mit dem sozia­lis­ti­schen Aufbau began­nen, kam es auch zu einer Wieder­be­le­bung der Debat­ten über die poli­ti­sche Ökono­mie des Sozia­lis­mus. Die wich­tigs­ten Fragen betra­fen die Akku­mu­la­tion, die Effi­zi­enz, die Objek­ti­vi­tät der ökono­mi­schen Gesetze und den ange­mes­se­nen Grad der betrieb­li­chen Selbst­stän­dig­keit. Ökono­men setz­ten sich mit den inne­ren Abläu­fen der Wirt­schaft ausein­an­der, die sich von den Märk­ten weg und hin zu einer bewuss­ten Planung bewegte. Erheb­li­che Meinungs­ver­schie­den­hei­ten erga­ben sich aus der Frage, inwie­weit die vom Kapi­ta­lis­mus über­nom­me­nen Kate­go­rien und Mecha­nis­men (z. B. Waren­pro­duk­tion, Wert­ge­setz, Renta­bi­li­tät usw.) auch im Sozia­lis­mus rele­vant blie­ben. Eine der schwie­rigs­ten prak­ti­schen und theo­re­ti­schen Heraus­for­de­run­gen war die Frage der Preise: Was ist die Funk­tion des Geldes im Sozia­lis­mus? Auf welcher Grund­lage soll­ten die Geld­preise gebil­det werden? Sollen sie ledig­lich eine Kalku­la­ti­ons­funk­tion erfül­len oder aktiv den Produk­ti­ons­pro­zess beein­flus­sen? Und schließ­lich: Wie können die Preise so gestal­tet werden, dass sie die gesell­schaft­lich notwen­dige Arbeits­zeit in einer Nicht­markt­wirt­schaft genau wider­spie­geln? Die Bolsche­wiki hatten bereits in den 1920er Jahren erkannt, dass die Preis­po­li­tik den Kern­punkt der Wirt­schafts­pla­nung darstellt:

„Im Problem der Preise kreu­zen sich alle grund­le­gen­den ökono­mi­schen und folg­lich auch poli­ti­schen Probleme des Sowjet­staa­tes. Die Herstel­lung rich­ti­ger Wech­sel­be­zie­hun­gen zwischen der Bauern­schaft und der Arbei­ter­klasse, die Siche­rung einer koor­di­nier­ten und wech­sel­sei­tig beding­ten Entwick­lung der Land­wirt­schaft und der Indus­trie …, die Siche­rung des Real­lohns, die Festi­gung des Tscher­wo­nez [sowje­ti­sche Währung] … alle diese Fragen stoßen auf das Preis­pro­blem.“1

In diesem Arti­kel wird genauer unter­sucht, wie sich die Preis­de­batte während des ersten Jahr­zehnts der DDR entwi­ckelte. Bestehende Darstel­lun­gen dieser Diskus­sio­nen isolie­ren die Debat­ten häufig sowohl von ihrem poli­ti­schen Kontext als auch von der prak­ti­schen Seite der Planung.2 Daher unter­sucht dieser Arti­kel die theo­re­ti­schen Kontro­ver­sen in ihrem Kontext und geht der Frage nach, wie Planungs­äm­ter Lösungs­an­sätze für die von Theo­re­ti­kern aufge­deck­ten Wider­sprü­che entwi­ckelt haben. Beson­de­res Augen­merk wird auf den Höhe­punkt der Ausein­an­der­set­zun­gen in der zwei­ten Hälfte der 1950er Jahre gelegt, als mehrere promi­nente Ökono­men weit­rei­chende markt­ori­en­tierte Refor­men in der DDR forder­ten. Nur vor dem Hinter­grund dieser frühen Debat­ten lassen sich die Motive und Gründe für die großen Wirt­schafts­re­for­men der 1960er Jahre (z. B. das „Neue Ökono­mi­sche System der Planung und Leitung“ in der DDR, die sowje­ti­schen „Kosy­gin-Refor­men“, das tsche­chi­sche „Neue Wirt­schafts­mo­dell“, der unga­ri­sche „Neue Wirt­schafts­me­cha­nis­mus“ usw.) rich­tig verstehen.

Der Arti­kel ist chro­no­lo­gisch aufge­baut. Abschnitt 2 beginnt mit den Anfän­gen des Planungs­sys­tems und neuen Formen der sozia­lis­ti­schen Demo­kra­tie während des ersten Fünf­jah­res­plans. In Abschnitt 3 werden die Wieder­be­le­bung der ökono­mi­schen Debat­ten und die ersten Versu­che zur Reform des Preis­sys­tems in den Jahren 1952/1953 nach­ge­zeich­net. Abschnitt 4 befasst sich mit der poli­ti­schen Krise, die im Früh­jahr 1953 ausbrach, und wie diese zur ersten Reform über die „Verein­fa­chung des Plans“ in den Jahren 1954/1955 führte. Abschnitt 5 befasst sich mit den großen Debat­ten über das Wert­ge­setz und den „Markt­so­zia­lis­mus“, die 1956 ausbra­chen und bis 1958 andau­er­ten. Abschnitt 6 fasst die letz­ten Jahre des Jahr­zehnts zusam­men als die Regie­rung eine erneute poli­ti­sche Offen­sive zur Voll­endung des Über­gangs zum Sozia­lis­mus star­tete. Die Schluss­fol­ge­rung in Abschnitt 7 enthält einige Über­le­gun­gen zur Ökono­mie des sozia­lis­ti­schen Aufbaus in der DDR.

Wie immer begrü­ßen wir Kritik und Anre­gun­gen, schreibt uns an: kontakt@ifddr.org. Der Umfang und die Komple­xi­tät dieses Themas erfor­dern eine kollek­tive Ausein­an­der­set­zung, und dieser Arti­kel kann nur ein Zwischen­er­geb­nis wiedergeben.

2. Schwerindustrialisierung und die Einführung des demokratisch-zentralistischen Planungssystems (1950–1953)

Der erste Fünf­jah­res­plan war ein Produkt der Teilung Deutsch­lands, die von den West­mäch­ten im Mai 1949 mit der Schaf­fung eines sepa­ra­ten west­deut­schen Staa­tes, der BRD, zemen­tiert worden war. Ange­sichts dieser Reali­tät versuch­ten die Kommu­nis­ti­sche Partei der Sowjet­union (KPdSU) und die SED, die Errun­gen­schaf­ten der „anti­fa­schis­ti­schen, demo­kra­ti­schen Umwäl­zung“ in der SBZ (1945–1949) zu konso­li­die­ren und die DDR als trag­fä­hige Alter­na­tive zum Mono­pol­ka­pi­ta­lis­mus zu etablie­ren. Die DDR sollte eine Basis für dieje­ni­gen sein, die die Kampa­gne für die deut­sche Einheit und die Einhal­tung des Pots­da­mer Abkom­mens fort­setz­ten. Das bedeu­tete, dass eine robuste Volks­wirt­schaft aufge­baut werden musste, die nicht nur den Inter­es­sen aller Arbei­ter, sondern auch denen der Bauern, der Intel­li­genz und „bestimm­ter Teile des Bürger­tums“ entsprach, wie die SED im Juli 1950 bekräf­tigte.3

Verfas­sung der DDR (1949)

 

Art. 19. Die Ordnung des Wirt­schafts­le­bens muß den Grund­sät­zen sozia­ler Gerech­tig­keit entspre­chen; sie muß allen ein menschen­wür­di­ges Dasein sichern.

 

Die Wirt­schaft hat dem Wohle des ganzen Volkes und der Deckung seines Bedarfs zu dienen; sie hat jeder­mann einen seiner Leis­tung entspre­chen­den Anteil an dem Ergeb­nis der Produk­tion zu sichern. Im Rahmen dieser Aufga­ben und Ziele ist die wirt­schaft­li­che Frei­heit des einzel­nen gewährleistet.

 

[…]

 

Art. 21. Zur Siche­rung der Lebens­grund­la­gen und zur Stei­ge­rung des Wohl­stan­des seiner Bürger stellt der Staat durch die gesetz­ge­ben­den Organe, unter unmit­tel­ba­rer Mitwir­kung seiner Bürger den öffent­li­chen Wirt­schafts­plan auf. Die Über­wa­chung seiner Durch­füh­rung ist Aufgabe der Volksvertretungen.

Kurz nach der Grün­dung der DDR im Okto­ber 1949 kündigte Minis­ter­prä­si­dent Grote­wohl die Vorbe­rei­tun­gen für einen lang­fris­ti­gen Wirt­schafts­plan an, der auf dem Zwei­jah­res­plan (1948–50) aufbauen sollte. Vorran­gi­ges Ziel des Fünf­jah­res­plans war es, die durch die Teilung des Landes entstan­de­nen wirt­schaft­li­chen Dispro­por­tio­nen zu über­win­den und die Abhän­gig­keit von West­deutsch­land zu verrin­gern. Dies erfor­derte eine massive Konzen­tra­tion der Inves­ti­tio­nen in der Rohstoff­in­dus­trie und im Hütten­we­sen. Um den Lebens­stan­dard über das Vorkriegs­ni­veau zu heben, sah der Plan eine Verdop­pe­lung der Indus­trie­pro­duk­tion gegen­über 1936 vor. Dies bedeu­tete zwangs­läu­fig eine weitere Stär­kung der Volks­ei­ge­nen Betriebe (VEB), doch soll­ten alle Wirt­schafts­zweige für dieses Ziel genutzt werden. So sollte auch die Produk­tion in der Privat­wirt­schaft bis 1955 um 156,5 Prozent gestei­gert werden.4 Die kapi­ta­lis­ti­schen Unter­neh­men waren weit­ge­hend in der Konsum­gü­ter­in­dus­trie konzen­triert oder als Zulie­fe­rer für die größe­ren VEB tätig. Während die Einfüh­rung der Fünf­jah­res­pla­nung einen bedeu­ten­den Schritt weg vom Kapi­ta­lis­mus und hin zum Sozia­lis­mus darstellte, verzich­tete die SED noch darauf, den sozia­lis­ti­schen Aufbau in der DDR expli­zit einzuleiten.

Das 1950 einge­führte Planungs­ver­fah­ren war rich­tungs­wei­send für das künf­tige Planungs­sys­tem der DDR, auch wenn es in den folgen­den Jahr­zehn­ten verfei­nert und weiter demo­kra­ti­siert werden sollte. Unter der Leitung des Minis­te­ri­ums für Planung (später Staat­li­che Plan­kom­mis­sion) wurden Minis­te­ri­al­ab­tei­lun­gen mit der Erstel­lung von Berech­nun­gen, Analy­sen und Bilan­zen für die Wirt­schafts­sek­to­ren und Unter­neh­men in ihrem Zustän­dig­keits­be­reich beauf­tragt.5 Die Aufgabe bestand darin, einen wissen­schaft­lich fundier­ten lang­fris­ti­gen Plan zu erstel­len, der sowohl auf den tatsäch­li­chen Fähig­kei­ten der Wirt­schaft als auch auf den umfas­sen­de­ren poli­ti­schen, wirt­schaft­li­chen und sozia­len Zielen der Repu­blik basierte. Zur Berech­nung der Produk­ti­ons­ziele wurden zwei Arten von Indi­ka­to­ren verwen­det: physi­sche Indi­ka­to­ren (Menge und Sorti­ment der Produkte usw.), die in den ersten Jahren der Planung domi­nier­ten, und mone­täre Indi­ka­to­ren (Produk­ti­ons­kos­ten, Einnah­men und Ausga­ben usw.), die gegen Ende des Jahr­zehnts zuneh­mend an Bedeu­tung gewin­nen soll­ten. Quali­ta­tive Ziele (z. B. Stei­ge­rung der Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät, Senkung der Produk­ti­ons­kos­ten, Verbes­se­rung der Quali­tät, maxi­male Auslas­tung der Produk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten usw.) wurden aus der Kombi­na­tion von physi­schen und geld­mä­ßi­gen Indi­ka­to­ren abgeleitet.

Nach sieben­mo­na­ti­ger Daten­er­he­bung und ‑analyse für den ersten Fünf­jah­res­plan wurde dem 3. Partei­tag der SED im Juli 1950 ein Entwurf mit Produk­ti­ons­zie­len für jeden Wirt­schafts­zweig vorge­legt, den die Partei­de­le­gier­ten disku­tier­ten und verab­schie­de­ten. Die SED leitete diesen Entwurf an das Parla­ment weiter, wo die konser­va­tive Christ­lich-Demo­kra­ti­sche Union (CDU) und die Libe­ral-Demo­kra­ti­sche Partei Deutsch­lands (LDPD) eigene Ände­rungs­an­träge einbrach­ten.6 Im Okto­ber 1950 verab­schie­dete das Parla­ment eine „Verord­nung über die Ausar­bei­tung des Fünf­jah­res­plans“, worauf­hin eine breite öffent­li­che Diskus­sion über den Entwurf im ganzen Land orga­ni­siert wurde.7 Die Betriebs­lei­ter wurden verpflich­tet, mit den Gewerk­schafts­füh­run­gen und den SED-Betriebs­grup­pen zusam­men­zu­ar­bei­ten, um eine Debatte unter der Arbei­ter­schaft zu ermög­li­chen. Arbei­ter und Arbei­te­rin­nen wurden aufge­for­dert, die allge­mei­nen Ziele und Produk­ti­ons­vor­ga­ben des Entwurfs zu studie­ren und eigene Ände­rungs­vor­schläge einzu­rei­chen. Die Verei­ni­gun­gen der gegen­sei­ti­gen Bauern­hilfe orga­ni­sier­ten diesen Prozess auf dem Lande. Außer­halb der Betriebe veran­stal­te­ten poli­ti­sche Parteien und Massen­or­ga­ni­sa­tio­nen Versamm­lun­gen in den Stadt­vier­teln und Bezir­ken, damit die verschie­de­nen gesell­schaft­li­chen Grup­pen an der Diskus­sion teil­neh­men konn­ten. Die Landes­re­gie­run­gen (später Räte der Bezirke) rich­te­ten dann spezi­elle Büros mit dem Titel „Vorschläge der Bevöl­ke­rung zum Fünf­jah­res­plan“ ein, um die Ergeb­nisse zu sammeln und zu verar­bei­ten, bevor sie an die Staat­li­che Plan­kom­mis­sion weiter­ge­lei­tet wurden. Nach der Einar­bei­tung von Ände­rungs­an­trä­gen aus allen Gesell­schafts­ebe­nen wurde der Fünf­jah­res­plan im Okto­ber 1951 vom Parla­ment offi­zi­ell als verbind­li­che Poli­tik für alle staat­li­chen und wirt­schaft­li­chen Organe ratifiziert.

Stahl­ar­bei­ter während einer Produk­ti­ons­be­ra­tung im August 1952. (Bundes­ar­chiv, Bild 183–15937-0006)

Auf der Grund­lage des Fünf­jah­res­plans wurden im Laufe von 11 Mona­ten detail­lier­tere „Produk­ti­ons­pläne“ entwi­ckelt, um die spezi­fi­schen quan­ti­ta­ti­ven und quali­ta­ti­ven Ziele für das kommende Jahr fest­zu­le­gen (siehe Abbil­dung 1). Diese wurden dann auf Betriebs­ebene aufge­schlüs­selt, um in jedem VEB Jahres- und Quar­tals­pläne zu erstel­len. Die Produk­ti­ons­ziele wurden auf jeder Ebene der Planungs­hier­ar­chie schritt­weise aufge­schlüs­selt: Anfang der 50er Jahre gab die Staat­li­che Plan­kom­mis­sion etwa 400 „Einzel- und Sammel­po­si­tio­nen“ vor, die Minis­te­rien gaben den VEB in ihrem Zustän­dig­keits­be­reich etwa 2.500 Posi­tio­nen in „Schüs­sel­lis­ten“ vor, und die VEB selbst legten in ihren Projekt­plä­nen etwa 40.000 Posi­tio­nen für einzelne Produkte fest.8

Abbil­dung 1: Der itera­tive Prozess zur Erstel­lung der jähr­li­chen Produk­ti­ons­pläne in den sozia­li­sier­ten Indus­trien (1951–1957). 9

Zu diesem Zeit­punkt bezeich­nete die SED den Fünf­jah­res­plan nicht ausdrück­lich als den Beginn des sozia­lis­ti­schen Aufbaus. Die den Plan beglei­tende Poli­tik vertiefte jedoch ziel­ge­rich­tet den revo­lu­tio­nä­ren Prozess in der DDR und enthielt – wie der Zwei­jah­res­plan (1948–1950) – viele sozia­lis­ti­sche Elemente.10 Der Plan verlangte die Leitung der Indus­trie nach demo­kra­tisch-zentra­lis­ti­schen Prin­zi­pien. Die zentra­len staat­li­chen Wirt­schafts­or­gane wurden 1949/1950 reor­ga­ni­siert, um den Planungs­pro­zess effi­zi­en­ter zu gestal­ten. Um die Aggre­ga­tion und Disag­gre­ga­tion komple­xer Wirt­schafts­da­ten zu erleich­tern, wurde eine Kommu­ni­ka­ti­ons­kette einge­rich­tet: von den VEB über die Haupt­ver­wal­tun­gen der Indus­trie­zweige bis hin zu den Minis­te­rien und schließ­lich zur Staat­li­chen Plan­kom­mis­sion.11 Gleich­zei­tig wurde die Betei­li­gung der arbei­ten­den Bevöl­ke­rung an der Leitung der Wirt­schaft stark erwei­tert. Anfang 1951 wurden in rund 5.000 VEB Betriebs­kol­lek­tiv­ver­träge (BKV) zwischen der Betriebs­lei­tung und der Arbei­ter­schaft ausge­han­delt, die von der Gewerk­schafts­füh­rung vertre­ten wurde. Im Gegen­satz zu kapi­ta­lis­ti­schen Tarif­ver­trä­gen beruh­ten die BKV darauf, dass durch die verge­sell­schaf­te­ten Eigen­tums­ver­hält­nisse die Inter­es­sen von Staat, Betriebs­lei­tung und Arbei­ter­schaft grund­sätz­lich über­ein­stimm­ten und nicht mehr antago­nis­tisch waren. Die BKV legten konkret fest, wie die Arbei­ter an der Betriebs­füh­rung betei­ligt werden soll­ten, wie die Umset­zung der Pläne zu kontrol­lie­ren war und wie die Arbeits‑, Kultur- und Sozi­al­be­din­gun­gen im Laufe der Zeit verbes­sert werden soll­ten. Diese neue Form der sozia­lis­ti­schen Demo­kra­tie und die Rolle der Gewerk­schaf­ten in diesem Prozess wurden in Betriebs­be­ra­tun­gen ausgie­big disku­tiert und dann im Arbeits­ge­setz von 1950 kodi­fi­ziert. In den folgen­den Jahren wurden zahl­rei­che neue Mecha­nis­men der betrieb­li­chen Demo­kra­tie erprobt und verab­schie­det, darun­ter auch betrieb­li­che Frau­en­aus­schüsse zur Förde­rung der poli­ti­schen Betei­li­gung und der beruf­li­chen Entwick­lung der Frauen.

Gesetz der Arbeit
19.
April 1950

 

I. Das Recht auf Arbeit

 

§ 1. Jeder Bürger der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik hat das Recht auf Arbeit. Es muß ihm ein seinen Fähig­kei­ten entspre­chen­der und zumut­ba­rer Arbeits­platz nach­ge­wie­sen werden. […] (4) Die staat­li­chen Organe sind verpflich­tet, die erfor­der­li­chen Bedin­gun­gen zu schaf­fen, die es Frauen ermög­li­chen, in größe­rem Maße von ihrem Recht auf Arbeit in allen Zwei­gen der Volks­wirt­schaft Gebrauch zu machen.

 

§ 3. Allen Arbei­ten­den ist unab­hän­gig von Geschlecht und Alter für glei­che Arbeit glei­cher Lohn zu zahlen. […]

 

II. Das Mitbe­stim­mungs­recht der Arbei­ter und Angestellten

 

§ 4. In unse­rer neuen demo­kra­ti­schen Ordnung, in der die Schlüs­sel­be­triebe dem Volke gehö­ren, wird das Mitbe­stim­mungs­recht der Arbei­ter und Ange­stell­ten, als die entschei­dende Kraft im Staate, in der Führung der Wirt­schaft durch die demo­kra­ti­schen staat­li­chen Organe verwirklicht.

 

§ 7. (1) In den volks­ei­ge­nen Betrie­ben werden die gegen­sei­ti­gen Verpflich­tun­gen der Beleg­schaft und der Werks­lei­tung die sich aus dem VEB-Plan erge­ben, jähr­lich im Betriebs­ver­trag nieder­ge­legt. […] (3) Die Arbei­ter und Ange­stell­ten der volks­ei­ge­nen Betriebe üben ihr Mitbe­stim­mungs­recht bei der Erör­te­rung der VEB-Pläne auf den Beleg­schafts­ver­samm­lun­gen und in den Produk­ti­ons­be­ra­tun­gen aus; sie machen entspre­chende Vorschläge, die der Entwick­lung der Volks­wirt­schaft der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik dienen. […]

 

§ 9. Die priva­ten Industrie‑, Landwirtschafts‑, Handels- und Verkehrs­be­triebe sind verpflich­tet, mit der Betriebs­ge­werk­schafts­lei­tung Betriebs­ver­ein­ba­run­gen, in denen die Durch­füh­rung des Mitbe­stim­mungs­rech­tes gere­gelt wird, abzu­schlie­ßen und der Betriebs­ge­werk­schafts­lei­tung über die Fragen der Produk­tion und der Geschäfts­füh­rung Auskunft zu geben. […]

 

VI. Heran­bil­dung von fach­li­chem Nach­wuchs und beruf­lich quali­fi­zier­ter Frauen

 

[…] § 32. In den volks­ei­ge­nen Betrie­ben ist das Anler­nen von Frauen für alle Tätig­kei­ten in umfas­sen­dem Maße zu orga­ni­sie­ren. Das Anler­nen soll in Etap­pen von einfa­chen zu kompli­zier­ten Arbei­ten durch­ge­führt und durch Arbeits­in­struk­tion und fach­li­che Kurse geför­dert werden. Die Fach­ar­bei­ter sind verpflich­tet, den Frauen und Jugend­li­chen ihre Fach­kennt­nisse zu vermitteln.

Die von Rohstoff­im­por­ten abhän­gige DDR, die im Februar 1950 mit neuen west­li­chen Sank­tio­nen belegt wurde, musste ihre Wirt­schaft während des Fünf­jah­res­plans auf Osteu­ropa ausrich­ten.12 Im Septem­ber 1950 trat sie dem Rat für gegen­sei­tige Wirt­schafts­hilfe (RGW) bei und stei­gerte ihren Anteil am Außen­han­del mit dem sozia­lis­ti­schen Block von 55 Prozent im Jahr 1949 auf über 76 Prozent im Jahr 1951. Um zur Verbes­se­rung des Lebens­stan­dards in der DDR beizu­tra­gen, halbierte die sowje­ti­sche Führung 1950 die ausste­hen­den Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen Deutsch­lands (6,34 Milli­ar­den US-Dollar).13 Dadurch entstand drin­gend benö­tig­ter Spiel­raum in der Inves­ti­ti­ons­struk­tur des Fünf­jah­res­plans. Die DDR begann mit dem Import von sowje­ti­schem Eisen­erz und polni­schem Koks. Außer­dem entwi­ckel­ten DDR-Spezia­lis­ten neue wissen­schaft­li­che Metho­den zur Verar­bei­tung der minder­wer­ti­gen Erze und der Braun­kohle, die in Ostdeutsch­land heimisch waren.

Das Eisen­hüt­ten­kom­bi­nat Ost wurde von Grund auf neu errich­tet und stellte das größte Inves­ti­ti­ons­ob­jekt des Fünf­jah­res­plans dar. Der Grund­stein wurde im Januar 1951 gelegt, um den Beginn des Plans zu markie­ren. Hier feiern die Arbei­ter die Produk­tion des ersten Rohei­sens, das im Septem­ber 1951 aus sowje­ti­schem Erz und polni­scher Kohle geschmol­zen wurde. (Bundes­ar­chiv, Bild 183–11918-0004)

Im Sinne der Marx­schen Theo­rie der erwei­ter­ten Repro­duk­tion14 konzen­trierte die SED die Inves­ti­tio­nen auf die Produk­tion von Produk­ti­ons­mit­teln („Abtei­lung 1“), denn auf dieser mate­ri­el­len und tech­ni­schen Grund­lage konnte auch die Produk­tion von Konsum­ti­ons­mit­tel („Abtei­lung 2“) wach­sen. Zwischen 1950 und 1955 flos­sen 80 Prozent aller Indus­trie­inves­ti­tio­nen in die Grund­stoff­in­dus­trie und die Metall­ur­gie.15 Abbil­dung 2 zeigt, wie der rela­tive Anteil der Abtei­lung 1 im Laufe der 1950er Jahre schritt­weise erhöht wurde.

Abbil­dung 2 16

Eine große Heraus­for­de­rung für die DDR war der Mangel an Arbeits­kräf­ten. Im Laufe der anti­fa­schis­tisch-demo­kra­ti­schen Umwäl­zung war es dem Staat gelun­gen, 1 Million zusätz­li­che Arbeits­kräfte zu mobi­li­sie­ren, so dass ihre Zahl von 3 Millio­nen im Jahr 1945 auf 4,1 Millio­nen im Jahr 1950 anstieg. Um die im Fünf­jah­res­plan fest­ge­leg­ten Ziele zu errei­chen, waren jedoch weitere 890.000 Arbei­ter erfor­der­lich.17 Dies war einer der Fakto­ren, die im Juli 1952 zu der Entschei­dung beitru­gen, die klein­bäu­er­li­che Einzel­wirt­schaft durch kapi­tal­in­ten­si­vere land­wirt­schaft­li­che Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten (LPGs) zu erset­zen.18

Um die DDR auszu­blu­ten, förderte die BRD aktiv die Abwan­de­rung ostdeut­scher Fach­kräfte und Arbei­ter in den Westen. West-Berlin fungierte als Vorpos­ten der kapi­ta­lis­ti­schen Mächte tief im Inne­ren des DDR-Terri­to­ri­ums. Bis 1961 blieb die inner­städ­ti­sche Grenze offen, so dass west­li­che Geheim­dienste und Konzerne leich­ten Zugang für subver­sive Akti­vi­tä­ten hatten. Die BRD weigerte sich, die DDR als souve­rä­nen Staat anzu­er­ken­nen und versprach allen Migran­ten, dass sie west­deut­sche Pässe erhal­ten würden, wenn sie die DDR verlie­ßen. Hoch­qua­li­fi­zierte Fach­kräfte wie Physi­ker und Ärzte wurden außer­dem höhere Posten, bessere Gehäl­ter und andere Privi­le­gien verspro­chen. Die Abwer­bung von Menschen im arbeits­fä­hi­gen Alter, die in der DDR ausge­bil­det worden waren, wurde im Laufe der 1950er Jahren zu einer immer größe­ren Belas­tung für die DDR-Wirtschaft.

3. Von der Massenproduktion zur Effizienz: Frühe Debatten über die wirtschaftliche Rechnungsführung, das Preissystem und die Selbstständigkeit der volkseigenen Betriebe (1950–1953)

In den späten 1940er und frühen 1950er Jahren kam es zu einer Wieder­be­le­bung der Diskus­sio­nen um die poli­ti­sche Ökono­mie des Sozia­lis­mus. Die UdSSR erholte sich rasch von den Kriegs­schä­den und sowje­ti­sche Ökono­men berie­ten nun über die nächs­ten Schritte der sozia­lis­ti­schen Entwick­lung. Die Haupt­streit­punkte dreh­ten sich um die Objek­ti­vi­tät der Wirt­schafts­ge­setze (Galten im Sozia­lis­mus noch objek­tive Gesetze oder konnte der Staat die Gesetze zur Regu­lie­rung der Wirt­schaft subjek­tiv ändern?), das Wesen der Produk­tion im Sozia­lis­mus (Inwie­weit behiel­ten sowje­ti­sche Produkte die Waren­form bei?) und die Rolle des Wert­ge­set­zes19 in der Plan­wirt­schaft (Galt es noch in bestimm­ten Sekto­ren der sozia­lis­ti­schen Wirt­schaft und war dies proble­ma­tisch?). Einige Ökono­men stell­ten offen in Frage, warum die sowje­ti­schen Planungs­sys­teme noch immer auf kapi­ta­lis­ti­sche Kate­go­rien zurück­grif­fen wie Geld, Lohn, Renta­bi­li­tät und Kredit. Die Rele­vanz dieser Fragen war nicht mehr auf den sowje­ti­schen Kontext beschränkt, denn die Volks­de­mo­kra­tien in ganz Osteu­ropa began­nen nun ihren eige­nen Über­gang vom Kapi­ta­lis­mus zum Sozia­lis­mus. Es gab noch keine verall­ge­mei­nerte Theo­rie der sozia­lis­ti­schen Planung und es blieb unklar, inwie­weit der sowje­ti­sche Weg als Modell für andere dienen konnte. Um diese Debat­ten zu verfol­gen, arbei­te­ten Sozi­al­wis­sen­schaft­ler in der SBZ mit der sowje­ti­schen Verwal­tung zusam­men, um neue Zeit­schrif­ten wie die Neue Welt (1946) und die Sowjet­wis­sen­schaf­ten (1948) heraus­zu­ge­ben. Sie grün­de­ten auch ihre eige­nen Zeit­schrif­ten – wie Einheit, Deut­sche Finanz­wirt­schaft, Wirt­schafts­wis­sen­schaft –, um deut­schen Ökono­men und Poli­ti­kern eine Platt­form für die Teil­nahme an diesen Debat­ten zu bieten.

1950 wurde Profes­sor Eva Altmann mit der Aufgabe betraut, ein Insti­tut für die Ausbil­dung von Planungs­exper­ten zu schaf­fen. Sie wurde zur ersten Rekto­rin der Hoch­schule für Plan­öko­no­mie ernannt, die am 4. Okto­ber 1950 offi­zi­ell gegrün­det wurde. Neben der Ausbil­dung junger Studen­ten aus der Arbei­ter­klasse sollte die Hoch­schule als Forschungs­zen­trum für die theo­re­ti­schen Probleme der Planung fungie­ren. (Foto: Eckard Grieshammer)

Von beson­de­rer Dring­lich­keit zu dieser Zeit war die Frage der Akku­mu­la­tion. Im Kapi­ta­lis­mus war die Akku­mu­la­tion durch verstärkte Ausbeu­tung sowohl der einhei­mi­schen Arbei­ter­klasse als auch der über­see­ischen Kolo­nien erreicht worden. Nach 1945 konn­ten die west­eu­ro­päi­schen Staa­ten Kapi­tal durch ihren Kolo­ni­al­be­sitz im Ausland, durch verstärkte Ausbeu­tung im Inland oder durch Auslands­kre­dite (den Marshall­plan) akku­mu­lie­ren. Die Volks­de­mo­kra­tien hinge­gen waren gezwun­gen, Inves­ti­ti­ons­mit­tel durch eigene Mittel und Anstren­gun­gen zu akku­mu­lie­ren, wie es die Sowjet­union in den Jahr­zehn­ten zuvor getan hatte. Die Zeit des unmit­tel­ba­ren Wieder­auf­baus nach dem Krieg (1945–1950) war durch „Massen­pro­duk­tion um jeden Preis“ gekenn­zeich­net, und das Planungs­sys­tem funk­tio­nierte dementspre­chend: Wenn ein VEB mehr für Produk­ti­ons­ma­te­rial oder Löhne ausgab als ursprüng­lich vorge­se­hen, wiesen die Abtei­lun­gen des Planungs­mi­nis­te­ri­ums einfach zusätz­li­che Mittel zu, um sicher­zu­stel­len, dass die Ziele erreicht wurden. Der Produk­ti­ons­pro­zess orien­tierte sich fast ausschließ­lich an quan­ti­ta­ti­ven Zielen, unab­hän­gig davon, ob die Ausga­ben die Einnah­men über­stie­gen. Dieser Ansatz trug zwar zur raschen Über­win­dung der Nach­kriegs­knapp­heit bei, war aber der für lang­fris­tige Indus­trie­inves­ti­tio­nen erfor­der­li­chen Akku­mu­la­tion nicht förder­lich. Dies war in der DDR beson­ders dring­lich, denn die DDR hatte zu Beginn der 1950er Jahre die nied­rigste Akku­mu­la­ti­ons­rate (ca. 8 Prozent) in ganz Osteu­ropa.20

Die sozia­lis­ti­schen Ökono­men waren sich einig, dass eine lang­fris­tige Indus­tria­li­sie­rung höhere Akku­mu­la­ti­ons­ra­ten erfor­derte. Dies bedeu­tete, dass Spar­sam­keit und die maxi­male Auslas­tung der vorhan­de­nen Kapa­zi­tä­ten (d. h. Senkung der Produk­ti­ons­kos­ten und Stei­ge­rung der Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät) Vorrang hatten.21 Stalin betonte diesen Punkt 1952: „Die Renta­bi­li­tät einzel­ner Betriebe und Produk­ti­ons­zweige […] ist das Abc unse­rer wirt­schaft­li­chen Tätig­keit im derzei­ti­gen Entwick­lungs­sta­dium.“22 Der Produk­ti­ons­pro­zess müsse so orga­ni­siert werden, dass neue Quel­len der Akku­mu­la­tion erschlos­sen und gleich­zei­tig der Lebens­stan­dard schritt­weise verbes­sert werden könne. Wenn es gelänge, den Aufwand an gesell­schaft­li­cher Arbeit in der Produk­tion zu senken, könn­ten die Preise für Konsum­gü­ter mit der Zeit gesenkt werden. Wie eine Losung es ausdrückte: „So wie wir heute arbei­ten, werden wir morgen leben“. Die SED machte sich daran, dieses neue sozia­lis­ti­sche Bewusst­sein zu fördern und gleich­zei­tig neue prak­ti­sche Planungs­me­cha­nis­men zur Stei­ge­rung der Effi­zi­enz zu entwi­ckeln. Im Sommer 1951 kündigte die SED an, sich bei der Planung stär­ker auf mone­täre Kate­go­rien stüt­zen zu wollen. Im Septem­ber 1951 wurde eine finanz­po­li­ti­sche Konfe­renz orga­ni­siert, um die Rolle von Finan­zen, Kredi­ten und Geld in der sozia­lis­ti­schen Planung zu klären:

„Unsere Wirt­schafts­funk­tio­näre, aber auch die Funk­tio­näre und Mitglie­der unse­rer gesell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen, die Funk­tio­näre und Mitglie­der der Gewerk­schaf­ten, der Parteien, die gesamte Bevöl­ke­rung müssen wissen, welche Rolle unsere Mark, welche Rolle unser Geld bei der Durch­füh­rung unse­res Volks­wirt­schafts­pla­nes spielt. Jede Summe Geldes gibt ein Anrecht auf eine bestimmte Menge Maschi­nen, Baustoffe, Klei­dung, Lebens­mit­tel und andere Dinge des Bedarfs der Bevöl­ke­rung, also Ergeb­nisse unse­rer Arbeit. […] Mit unse­rer Mark lenken wir also die Produk­tion, die Vertei­lung der produ­zier­ten Waren und lenken wir die Inves­ti­tio­nen. Darum muß eine inten­sive, dauernde und zähe Aufklä­rungs­ar­beit darüber geleis­tet werden, welche Rolle bei uns das Geld spielt, müssen insbe­son­dere die Wirt­schafts­funk­tio­näre eine wirk­li­che Achtung vor der Mark, vor dem Pfen­nig bekom­men.“23 

Diese Haltung spie­gelte die vorherr­schende Meinung unter den sozia­lis­ti­schen Ökono­men wider, dass die gesell­schaft­lich notwen­dige Arbeit in diesem Entwick­lungs­sta­dium indi­rekt in Geld gemes­sen und ausge­drückt werden musste, da eine Berech­nung auf der Grund­lage direk­ter Zeit­ein­hei­ten – wie von Marx 1875 vorge­se­hen24 – in der UdSSR und den Volks­de­mo­kra­tien noch nicht möglich war. Mit Ausnahme eini­ger weni­ger Ökono­men, die sich opti­mis­tisch über die schwin­dende Bedeu­tung des Geldes in der Sowjet­union äußer­ten (siehe z. B. Lola Zahn25), argu­men­tierte die Mehr­heit, dass die Über­bleib­sel des Kapi­ta­lis­mus (z. B. die Unter­schiede zwischen einfa­cher und komple­xer Arbeit, zwischen geis­ti­ger und körper­li­cher Arbeit, zwischen öffent­li­chen, genos­sen­schaft­li­chen und priva­ten Eigen­tums­ver­hält­nis­sen und zwischen dem tech­ni­schen Niveau der Indus­trie­be­triebe) es immer noch unmög­lich mach­ten, verschie­dene Arten von Arbeit in einer univer­sel­len Zeit­ein­heit zu messen. Statt­des­sen müsse „die gesell­schaft­li­che Rech­nung der Arbeits­leis­tung noch die im Kapi­ta­lis­mus herr­schende Kate­go­rie Wert über­neh­men und in abge­wan­del­ter Form anwen­den”.26

Ausge­hend von dieser Prämisse kündigte der Vorsit­zende der Staat­li­chen Plan­kom­mis­sion, Hein­rich Rau, im Juni 1951 die „Einfüh­rung neuer Formen der Wirt­schafts­füh­rung“ an, die sich an der Rech­nungs­le­gung und Renta­bi­li­tät der Betriebe orien­tie­ren soll­ten.27 Diese Reform lehnte sich an das sowje­ti­sche Prin­zip des Chos­rast­schot (Kurz­be­zeich­nung für chos­ja­is­t­wen­nyi rast­schot: „wirt­schaft­li­che Rech­nungs­füh­rung“) an, das 1921 im Rahmen der Neuen Ökono­mi­schen Poli­tik der Bolsche­wiki einge­führt und 1929 als Grund­prin­zip der sowje­ti­schen Indus­trie­pla­nung fest­ge­schrie­ben worden war.28 Die Idee lässt sich als „Kontrolle durch die Mark“ zusam­men­fas­sen: um die Effi­zi­enz der volks­ei­ge­nen Betriebe zu über­wa­chen, sollte der Staat versu­chen, „möglichst viele mate­ri­elle Vorgänge und die Ergeb­nisse der Wirt­schafts­tä­tig­keit durch Wert­ka­te­go­rien zu erfas­sen, in der Geld­form zu bewer­ten, einan­der gegen­über­zu­stel­len und zur Stimu­lie­rung ökono­mi­scher Inter­es­sen einzu­set­zen“.29 Die wirt­schaft­li­che Rech­nungs­füh­rung zielte darauf ab, durch die expli­zite Verwen­dung von „Wert­ka­te­go­rien“ wie Preis und Renta­bi­li­tät die Produk­ti­ons­kos­ten genau zu ermit­teln, damit Verstöße gegen Effi­zi­enz­ziele früh­zei­tig erkannt und korri­giert werden konn­ten. Finanz­mi­nis­ter Willy Rumpf formu­lierte es so:

„Indem wir das Geld in seiner Funk­tion als Maß der Werte zu Hilfe nehmen, ermög­li­chen wir die Berech­nung der Veraus­ga­bung von gesell­schaft­li­cher Arbeit. Somit ist es möglich, den Erfolg der Wirt­schafts­füh­rung der Betriebe in ihrem Gewinn oder Verlust sicht­bar zu machen. Der Gewinn oder Verlust eines Betrie­bes, seine Renta­bi­li­tät, sind das Resul­tat und der Grad­mes­ser dafür, ob die Produk­tion mit den plan­mä­ßi­gen Aufwen­dun­gen an gesell­schaft­li­cher Arbeit durch­ge­führt wurde oder nicht. Die Reali­sie­rung der Gewinne ist das Anzei­chen dafür, ob gesell­schaft­lich notwen­dige Arbeit veraus­gabt wurde, d. h. ob Waren produ­ziert wurden, für die in ihrer Menge, Quali­tät und Sorti­ment ein Bedarf vorhan­den ist. Die Produk­tion von Waren, für die kein Bedarf vorhan­den ist, drückt sich aus in Über­plan­be­stän­den. Die Reali­sie­rung der Waren in Geld ist also ein sehr wich­ti­ger und bei uns sehr akuter Grad­mes­ser der Arbeit der Betriebe.“30

Es schien zwar nahe­lie­gend, die Funk­tion des Geldes als Wert­maß­stab bei der Wirt­schafts­pla­nung zu nutzen, doch blieb unklar, wie Preise inner­halb des Systems der sozia­lis­ti­schen Planung so gestal­tet werden konn­ten, dass sie die Wert­grö­ßen wider­spie­gel­ten. Wie Marx in Das Kapi­tal darge­legt hat, ist der Wert eine Eigen­schaft der Waren, und das Wert­ge­setz ist ein Gesetz der Waren­pro­duk­tion. Als objek­ti­ves ökono­mi­sches Gesetz setzt es sich spon­tan hinter dem Rücken der Produ­zen­ten durch, nach­dem diese ihre Waren auf den Markt gebracht haben: Die Konkur­renz auf dem Markt zwingt die einzel­nen Privat­pro­du­zen­ten, ihre Preise nahe an einen einheit­li­chen Preis heran­zu­füh­ren. Der Verkaufs­preis einer Ware spie­gelt somit (annä­hernd) die rela­tive gesell­schaft­li­che Arbeit wider, die für ihre Produk­tion aufge­wen­det wurde.

In der verge­sell­schaf­te­ten und geplan­ten Indus­trie der DDR waren diese Bedin­gun­gen nicht mehr gege­ben: Güter, die von VEB für andere VEB produ­ziert wurden, wurden nicht zwischen priva­ten Eigen­tü­mern auf einem freien Markt ausge­tauscht. Sie wurden nach einem Plan zu staat­lich fest­ge­leg­ten Prei­sen gelie­fert und bereit­ge­stellt, wobei das Geld ledig­lich eine formale Berech­nungs­funk­tion hatte. Die propa­gierte „bewusste Ausnut­zung des Wert­ge­set­zes“ erschien daher als Wider­spruch: Wie kann ein Gesetz, das der spon­ta­nen Dyna­mik des Mark­tes entspringt, von einem Staat genutzt werden, der die Markt­me­cha­nis­men aktiv einschränkt und durch die bewusste, geplante Tätig­keit der Produ­zen­ten ersetzt? Und, wenn die Planungs­äm­ter den Produk­ti­ons­pro­zess durch absicht­li­che Abwei­chun­gen der Preise vom Wert steu­ern wollen, müss­ten sie dann nicht zuerst die genaue Größe des Wertes dieser Produkte wissen?

Im Juli 1954 wurde ein Insti­tut für Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten als Teil der Akade­mie der Wissen­schaf­ten der DDR gegrün­det. Später umfasste das Insti­tut Abtei­lun­gen und Arbeits­grup­pen mit Schwer­punk­ten wie „Geld und Kredit“, „Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät und Renta­bi­li­tät“, „Geschichte der poli­ti­schen Ökono­mie“, „Staats­mo­no­pol­ka­pi­ta­lis­mus“ und „Entwick­lungs­län­der­for­schung“. (Bundes­ar­chiv, Bild 183–13492-0006)

Diese Fragen wurden 1952 vom Polit­büro der KPdSU teil­weise aufge­grif­fen, als es eine Reihe von Brie­fen Stalins an Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler veröf­fent­lichte. In dieser Broschüre mit dem Titel „Ökono­mi­sche Probleme des Sozia­lis­mus in der UdSSR“ argu­men­tierte Stalin, dass die Waren­pro­duk­tion in der Sowjet­union fort­be­stehe, und führte dies in erster Linie auf die unter­schied­li­chen Eigen­tums­ver­hält­nisse in Indus­trie und Land­wirt­schaft zurück. Während die Indus­trie voll­stän­dig verge­sell­schaf­tet worden war, blie­ben die Produk­ti­ons­mit­tel in der Land­wirt­schaft weit­ge­hend in genos­sen­schaft­li­chem Besitz, so dass der Handel zwischen den beiden Sekto­ren die Form des Waren­aus­tauschs annahm. Das Wert­ge­setz wirkte also in der Sowjet­union weiter, wenn auch in begrenz­ter und modi­fi­zier­ter Form. Ziel war es, das Wert­ge­setz zu studie­ren, es auszu­nut­zen und es schließ­lich durch die voll­stän­dige Verge­sell­schaf­tung der Produk­ti­ons­mit­tel in der Zukunft zu über­win­den. Das Wert­ge­setz wurde zu dieser Zeit dementspre­chend als notwen­di­ges Übel oder, wie es DDR-Indus­trie­mi­nis­ter Fritz Selb­mann ausdrückte, als „reißende Bestie“ verstan­den, die es zu zähmen und für die sozia­lis­ti­sche Planung zu nutzen galt.31 Stalins Analyse, dass die unter­schied­li­chen Eigen­tums­ver­hält­nisse der Grund für das Fort­be­stehen der Waren­pro­duk­tion und des Wert­ge­set­zes im Sozia­lis­mus seien, setzte Anfang der 1950er Jahre den Maßstab für die poli­ti­sche Ökono­mie. Diese Einschät­zung wurde jedoch bereits Mitte der 1950er von sowje­ti­schen Ökono­men wieder verwor­fen (siehe Abschnitt 5).

Der führende DDR-Ökonom Alfred Lemm­nitz versuchte, diese theo­re­ti­sche Schluss­fol­ge­rung auf den ostdeut­schen Kontext anzu­wen­den, wo der Über­gang vom Kapi­ta­lis­mus zum Sozia­lis­mus noch in den Anfän­gen steckte. Lemm­nitz argu­men­tierte, dass Konsum- und Export­gü­ter in der DDR zwar Waren im eigent­li­chen Sinne seien, die von VEB für andere VEB produ­zier­ten Güter jedoch „nur noch im begrenz­ten Rahmen Waren­cha­rak­ter tragen“.32 „Wenn die meis­ten Produk­ti­ons­mit­tel der volks­ei­ge­nen Wirt­schaft auch keine Waren mehr sind, so haben sie doch die äußere Hülle von Waren behal­ten, man berech­net ihre Selbst­kos­ten, man spricht von ihrem Wert und ihrem Preis“.33 Diese Produkte waren daher nur der Form nach, nicht aber ihrem Wesen nach Waren. Die Wert­ka­te­go­rien wurden in diesem Fall für Berech­nungs- und Buch­hal­tungs­zwe­cke verwen­det. Das Wert­ge­setz habe im Sozia­lis­mus somit einen grund­le­gend ande­ren Charak­ter angenommen:

„Die Kate­go­rie Wert ist im Kapi­ta­lis­mus eine antago­nis­ti­sche Kate­go­rie, denn sie enthält den Wider­spruch zwischen priva­ter und gesell­schaft­li­cher Arbeit. Dieser Wider­spruch ist im Sozia­lis­mus aufge­ho­ben. Es gibt im Sozia­lis­mus keinen Wider­spruch zwischen priva­ter und gesell­schaft­li­cher Arbeit, denn jede Arbeit ist von vorn­her­ein gesell­schaft­li­che Arbeit, wenn auch in verschie­de­nen Entwick­lungs­gra­den. Im Sozia­lis­mus drückt der Wert die plan­mä­ßig fest­ge­legte Durch­schnitts­ar­beit und gesell­schaft­lich notwen­dige Arbeits­zeit aus.“34

Mit diesem theo­re­ti­schen Verständ­nis des Wertes im Sozia­lis­mus als Ausdruck der „plan­mä­ßig fest­ge­leg­ten Durch­schnitts­ar­beit“ mach­ten sich die Planungs­äm­ter daran, eine prak­ti­sche Lösung für die Frage zu finden, wie Preise den Wert genau wider­spie­geln können, denn dies war die Voraus­set­zung für die erfolg­rei­che Anwen­dung der wirt­schaft­li­chen Rech­nungs­füh­rung in den Betrie­ben. Das bishe­rige indus­tri­elle Preis­sys­tem basierte auf kapi­ta­lis­ti­schen Kalku­la­ti­ons­prei­sen aus dem Jahr 1944 und wurde entspre­chend den indi­vi­du­el­len Produk­ti­ons­kos­ten der einzel­nen VEB modi­fi­ziert. Das heißt, die Preise orien­tier­ten sich in erster Linie an der Leis­tung des einzel­nen Betrie­bes, nicht an der aktu­el­len gesell­schaft­lich notwen­di­gen Arbeits­zeit. Im Februar 1953 began­nen die Planungs­äm­ter daher mit der Entwick­lung einer univer­sel­len und wissen­schaft­li­chen Methode zur Fest­le­gung von Plan­fest­prei­sen für einzelne Indus­trie­zweige.35 Ziel war es, die Preise an den durch­schnitt­li­chen Selbst­kos­ten der einzel­nen Produkte in den jewei­li­gen Indus­trie­zwei­gen zu orien­tie­ren, eine Methode, die in der UdSSR bereits 1936 einge­führt worden war.

Abbil­dung 3 veran­schau­licht, wie DDR-Ökono­men die marxis­ti­sche Wirt­schafts­theo­rie in die Planungs­pra­xis umzu­set­zen versuch­ten: Es wurden „komplexe tech­ni­sche Normen“ geschaf­fen, um die in jedem Wirt­schafts­zweig erfor­der­li­chen Inputs (Mate­ri­al­ver­brauch, Lohn­kos­ten und Abschrei­bun­gen) zu messen, so dass die geplante durch­schnitt­li­che, in den Produk­ten verkör­perte Arbeit in Geld (so genau wie möglich) ausge­drückt werden konnte. Die Berech­nung dieser Normen war ein kompli­zier­ter Prozess, aber sie versprach, den Planungs­äm­tern ein wissen­schaft­li­ches Mittel an die Hand zu geben, um die Produk­ti­ons­ent­wick­lun­gen in den verschie­de­nen VEB zu verglei­chen. Die Renta­bi­li­tät eines VEB konnte dann die Kosten­sen­kun­gen und/oder Produk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen des Betriebs wider­spie­geln. Für jeden einzel­nen Indus­trie­zweig wurde ein einheit­li­ches Rein­ein­kom­men errech­net. Dies wurde dann auf den durch­schnitt­li­chen Selbst­kos­ten­preis addiert, um den Wert des Mehr­pro­dukts zu erfas­sen. Dieser Gesamt­preis wurde dann für einen bestimm­ten Zeit­raum festgelegt.

Die Plan­fest­preis­for­mel:

 

p = c + v + g

 

p = Preis (nach Produktgruppe)

c = verbrauch­tes Mate­rial plus Abschreibungen

v = Lohn­kos­ten

g = Rein­ein­kom­men

Abbil­dung 3: Das Fest­preis­sys­tem der DDR, abge­lei­tet aus der marxis­ti­schen Arbeits­wert­theo­rie.36

Aufgrund ihrer Komple­xi­tät dauerte die im Februar 1953 einge­lei­tete Preis­re­form mehr als ein Jahr­zehnt, bis sie voll­stän­dig umge­setzt war. Viele Ökono­men hiel­ten diese Plan­fest­preise für unbe­frie­di­gend. Sie waren nur in der Lage, eine unge­fähre Messung der gesell­schaft­lich notwen­di­gen Arbeits­zeit zu liefern und es gab keinen Konsens unter den Ökono­men darüber, wie das Rein­ein­kom­men (g) am besten abge­lei­tet werden sollte. Es war daher unver­meid­lich, dass die Preis­frage bald wieder im Mittel­punkt der ökono­mi­schen Debat­ten stehen würde (siehe Abschnitt 5).

Für das Betriebs­ma­nage­ment­sys­tem selbst bedeu­tete die Einfüh­rung der wirt­schaft­li­chen Rech­nungs­füh­rung eine Verla­ge­rung der opera­ti­ven Verant­wor­tung: Um die betrieb­li­chen Wirt­schafts­tä­tig­kei­ten in Geld­ein­hei­ten zu erfas­sen, war es notwen­dig, Geschäfts­prak­ti­ken zwischen den VEB zu simu­lie­ren. Wie in der UdSSR soll­ten die volks­ei­ge­nen Betriebe – im Rahmen des Fest­preis­sys­tems – eine „ange­mes­sene“ finan­zi­elle Selbst­stän­dig­keit und juris­ti­sche Persön­lich­keit erhal­ten. Im März 1952 wandelte die DDR-Regie­rung die VEB in recht­lich selb­stän­dige und indi­vi­du­ell steu­er­pflich­tige Betriebe um.37 Die Aufsicht durch Kombi­nats­di­rek­to­ren (damals Direk­to­ren der Verei­ni­gun­gen Volks­ei­ge­ner Betriebe) wurde schritt­weise abge­baut, und ab 1953 waren die VEB offi­zi­ell für die Verwal­tung vieler ihrer eige­nen Ausga­ben verant­wort­lich. Dafür wurden sie mit eige­nen Fonds für Anla­gen und für Umlauf­mit­tel ausge­stat­tet. Anstatt ihre gesam­ten Einnah­men an den Staats­haus­halt abzu­füh­ren und sich vom Staat Mittel für Repa­ra­tu­ren und Inves­ti­tio­nen zuwei­sen zu lassen, muss­ten die VEB nun einen Teil ihrer Ausga­ben durch den Verkauf von Gütern zu Fest­prei­sen decken („Eigen­erwirt­schaf­tung der Mittel“). Diese Güter waren eben „nur der Form nach, nicht dem Wesen nach“ als Waren zu behan­deln. Wenn ein VEB seine verschie­de­nen Ziel­vor­ga­ben (Produk­ti­ons­leis­tung, Betriebs­kos­ten, Gewinn und Inves­ti­tio­nen) nicht erfüllte, erhielt der Betrieb weni­ger staat­li­che Subven­tio­nen für seinen „Direk­tor­fonds“ (aus dem die Prämien für die Beschäf­tig­ten und die sozia­len und kultu­rel­len Einrich­tun­gen des Betriebs finan­ziert wurden).38 Damit wurde nicht nur für den einzel­nen Arbei­ter, sondern für den gesam­ten Betrieb ein mate­ri­el­ler Anreiz geschaf­fen, effi­zi­en­ter zu produ­zie­ren. Als recht­lich unab­hän­gige Einhei­ten muss­ten die VEB auch Verträge mit ande­ren VEB abschlie­ßen und waren für deren Erfül­lung mate­ri­ell verant­wort­lich. Die Direk­to­ren hatten dadurch mehr Spiel­raum, um über die Quali­tät der Güter und die Liefer­fris­ten zu verhan­deln.39 Um Kredite zu erhal­ten, muss­ten Betriebe auch Verträge mit der Staats­bank verhan­deln, die als „Finanz­kon­troll­organ“ fungie­ren sollte, um alle Signale zu über­wa­chen, die auf eine Abwei­chung von den Produk­ti­ons­plä­nen hindeu­ten könn­ten.40 Solche finan­zi­el­len Ziele soll­ten die bestehen­den quan­ti­ta­ti­ven Ziele ergänzen.

Im Rahmen des demo­kra­ti­schen Zentra­lis­mus ziel­ten diese Refor­men ausdrück­lich darauf ab, die Akku­mu­la­ti­ons­rate durch „die ökono­mi­schen Hebel des Geldes und des Kredits“ zu erhö­hen, anstatt „mittels admi­nis­tra­ti­ver Maßnah­men“.41 Ähnlich wie bei der Preis­re­form dauerte es viele Jahre, bis die wirt­schaft­li­che Rech­nungs­füh­rung auf Betriebs­ebene voll­stän­dig umge­setzt werden konnte. Die wirt­schaft­li­chen Probleme der folgen­den Jahre wurden häufig auf diesen lang­sa­men Fort­schritt zurück­ge­führt. Nichts­des­to­trotz wurde bereits Ende 1951 die Grund­aus­rich­tung für die volks­ei­ge­nen Betriebe der DDR fest­ge­legt: „Es ist die Ange­le­gen­heit des Betrie­bes, wie er seinen Plan erfüllt“.42 

4. Politische Krise, der „Neue Kurs“ und die „Vereinfachung des Plans“ (1953–1954)

In den ersten Jahren des Fünf­jah­res­plans eska­lier­ten die inter­na­tio­na­len Span­nun­gen erheb­lich. Die wahre Bedeu­tung der „Eindäm­mungs­stra­te­gie“ der Truman-Doktrin wurde durch den völker­mör­de­ri­schen Angriff der USA auf Korea Anfang der 1950er Jahre deut­lich.43 In Europa wurde der letzte Versuch der UdSSR (durch die so genannte „Stalin-Note“ vom März 1952), eine neutrale, entmi­li­ta­ri­sierte Repu­blik in Deutsch­land zu errich­ten, vom Westen zurück­ge­wie­sen. Die kapi­ta­lis­ti­schen Mächte waren darauf bedacht, die BRD in ihren Mili­tär­block zu inte­grie­ren; die Unter­zeich­nung des Bonn-Paris-Abkom­mens im Mai 1952 signa­li­sierte die ausdrück­li­che Remi­li­ta­ri­sie­rung West­deutsch­lands. Die SED und die KPdSU über­prüf­ten daher Mitte 1952 die Lage und beschlos­sen zwei neue poli­ti­sche Maßnah­men für Deutsch­land: Erstens muss die DDR eine eigene Landes­ver­tei­di­gung aufbauen, und zwei­tens müssen die Produk­ti­ons­ver­hält­nisse in der Land­wirt­schaft zu denen in der Indus­trie aufschlie­ßen, d. h. es war an der Zeit, mit der Bildung von Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten auf dem Lande zu beginnen.

Die SED berief im Juli 1952 eine außer­or­dent­li­che 2. Partei­kon­fe­renz ein und verab­schie­dete einen Beschluss, um „in allen Berei­chen der Gesell­schaft syste­ma­tisch die Grund­la­gen des Sozia­lis­mus zu schaf­fen“. Während die inter­na­tio­nale Lage zwei­fel­los diese Entschei­dung beein­flusste, den sozia­lis­ti­schen Aufbau offi­zi­ell auf die Tages­ord­nung zu setzen, hatten sich die objek­ti­ven und subjek­ti­ven Bedin­gun­gen in Ostdeutsch­land seit 1945 grund­le­gend verän­dert. Der Klas­sen­cha­rak­ter der poli­ti­schen Ordnung war mit der Grün­dung der DDR und der Rati­fi­zie­rung der Verfas­sung im Jahr 1949 zuguns­ten der Arbei­ter­klasse und der Bauern­schaft deut­lich entschie­den worden. Der sozia­lis­ti­sche Sektor wurde signi­fi­kant ausge­baut und domi­nierte nun die Wirt­schaft. Entspre­chend waren die Größe und das Bewusst­sein der Arbei­ter­klasse gewach­sen. Schließ­lich hatte die DDR umfas­sende wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Bezie­hun­gen zu den Ländern des sozia­lis­ti­schen Blocks in Osteu­ropa und Asien geknüpft.

Die unmit­tel­ba­ren Folgen der 2. Partei­kon­fe­renz betra­fen die Land­wirt­schaft, nicht die Indus­trie. Die im Fünf­jah­res­plan fest­ge­leg­ten Ziele wurden beibe­hal­ten und die SED betonte die Notwen­dig­keit, die Einfüh­rung der wirt­schaft­li­chen Rech­nungs­füh­rung voran­zu­trei­ben. Die neuen staat­li­chen Subven­tio­nen für land­wirt­schaft­li­che Genos­sen­schaf­ten und die Vervier­fa­chung der Vertei­di­gungs­aus­ga­ben belas­te­ten jedoch den Staats­haus­halt enorm. Gleich­zei­tig stie­gen die Löhne Anfang der 1950er Jahre schnel­ler als erwar­tet, da die Entloh­nung in den meis­ten Betrie­ben noch nicht durch das univer­selle System „tech­nisch begrün­de­ter Arbeits­nor­men“ gere­gelt war.44 Der Versuch, den Ausga­ben­an­stieg durch Steu­er­erhö­hun­gen für die Privat­wirt­schaft und die Strei­chung von Subven­tio­nen für Selbst­stän­dige zu kompen­sie­ren, konnte den Staats­haus­halt nicht entlas­ten. Im Februar 1953 leitete die SED daher einen neuen „Feld­zug für strenge Spar­sam­keit“ ein, der – im Gegen­satz zu frühe­ren Maßnah­men – direkt die Arbei­ter­klasse traf. Subven­tio­nen für bestimmte Konsum­gü­ter wurden gestri­chen, gleich­zei­tig wurde eine allge­meine Norm­er­hö­hung von 10 Prozent admi­nis­tra­tiv durch­ge­setzt. Das Ergeb­nis war eine de facto Lohn­kür­zung für alle Arbei­ter. Erschwe­rend kam hinzu, dass die Rüstungs­gü­ter für die neue Landes­ver­tei­di­gung von der UdSSR im Gegen­zug für schwere Indus­trie­gü­ter erwor­ben werden soll­ten, was weitere Kürzun­gen der Inves­ti­tio­nen in der Konsum­gü­ter­in­dus­trie erfor­der­lich machte. Die West­mächte waren sich der wach­sen­den Span­nun­gen in der DDR bewusst und verstärk­ten ihre Agita­tion, um die Unzu­frie­den­heit in der DDR zu schü­ren. Anfang 1953 kündigte der neue US-Außen­mi­nis­ter John Foster Dulles Pläne an, den Sozia­lis­mus in Europa „zurück­zu­drän­gen“, wie es die USA in Korea versucht hatten.45

In Aner­ken­nung der akuten Gefah­ren der Situa­tion und unter dem Einfluss der neuen sowje­ti­schen Führung nach dem Tod Stalins im März 1953 veröf­fent­lichte das Polit­büro der SED Anfang Juni 1953 eine Erklä­rung, in der es Fehler einge­stand und die Rück­nahme bestimm­ter Spar­maß­nah­men ankün­digte. Ein „Neuer Kurs“ wurde einge­lei­tet, um das Ange­bot an Konsum­gü­tern durch eine deut­li­che Redu­zie­rung der Inves­ti­tio­nen in der Schwer­indus­trie zu erhö­hen. Außer­dem wurden Entlas­tungs­maß­nah­men für die stark besteu­er­ten Mittel­schich­ten ange­kün­digt. Merk­wür­di­ger­weise wurde im Kommu­ni­qué der SED jedoch nicht die Rück­nahme der Norm­er­hö­hung für die Arbei­ter­klasse ange­kün­digt. Die sich betro­gen fühlen­den Bauar­bei­ter auf einer Berli­ner Groß­bau­stelle began­nen einen spon­ta­nen Protest, der am 17. Juni 1953 zu landes­wei­ten Unru­hen führte. Nach­dem die Proteste in Gewalt umschlu­gen und es zu Plün­de­run­gen und Lynch­mor­den kam, wurde das sowje­ti­sche Mili­tär einge­setzt, um die Gewalt zu been­den.46

Nach dieser Krise und einer selbst­kri­ti­schen Bewer­tung ihrer Poli­tik weitete die SED den „Neuen Kurs“ von 1953 bis 1955 aus. Die Norm­er­hö­hun­gen für die Arbei­ter wurden endlich redu­ziert, die Bildung von LPGs verlang­samt, die Beschrän­kun­gen für private Unter­neh­men gelo­ckert und Subven­tio­nen zur Senkung der Preise für Konsum­gü­ter wieder einge­führt. Unter dem Einfluss der neuen KPdSU-Führung kehrte die SED 1954 und 1955 ihre Prio­ri­tä­ten­set­zung für die Abtei­lung 1 um, wie oben in Abbil­dung 2 zu sehen ist.47 Außer­dem begann die UdSSR, der DDR neue Kredite zu gewäh­ren und strich alle noch ausste­hen­den Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen. Die sowje­ti­schen Akti­en­ge­sell­schaf­ten (SAGs) in der DDR – die von der UdSSR verwal­tet wurden, um Repa­ra­ti­ons­zah­lun­gen zu erwirt­schaf­ten, und zu denen viele große Chemie- und Elek­tro­be­triebe gehör­ten – wurden der DDR über­tra­gen und am 1. Januar 1954 in VEB umge­wan­delt. Diese Unter­neh­men hatten damals einen Wert von etwa 2,7 Milli­ar­den DDR-Mark.

Vor diesem Hinter­grund bewer­tete und verall­ge­mei­nerte die SED die Erfah­run­gen des ersten Fünf­jah­res­plans. Der Anteil des sozia­li­sier­ten Sektors an der Brut­to­pro­duk­tion betrug inzwi­schen rund 70 Prozent.48 Die gesamte Indus­trie­pro­duk­tion war seit 1950 um 190 Prozent gestie­gen, wobei die Produk­tion in der Metall­ur­gie um 245 Prozent zunahm.49 Ein Vier­tel der Arbeits­kräfte war weiter­hin im kapi­ta­lis­ti­schen Sektor beschäf­tigt, der aus 15.000 priva­ten Unter­neh­men und 27.000 klei­nen Bauern­hö­fen bestand. Das Bildungs‑, Kinder­be­treu­ungs- und Erho­lungs­an­ge­bot wurde erheb­lich verbes­sert. Der Erste Sekre­tär der SED, Walter Ulbricht, wies jedoch darauf hin, dass zwar die quan­ti­ta­ti­ven Produk­ti­ons­ziele über­trof­fen worden seien (um 104,4 Prozent), die Effi­zi­enz­ziele jedoch nicht erreicht wurden.50 Der Fünf­jah­res­plan hatte eine Senkung der Produk­ti­ons­kos­ten in den VEB um 26 Prozent vorge­se­hen, die jedoch nur zu 19,3 Prozent erreicht wurde. 1954 arbei­te­ten rund 700 Betriebe (27 Prozent aller VEB) immer noch mit Verlust und waren auf staat­li­che Subven­tio­nen ange­wie­sen. Alar­mie­rend war auch, dass sich die Kosten­sen­kun­gen in den VEB von Jahr zu Jahr verlang­sam­ten (siehe Abbil­dung 4). Ein Tief­punkt wurde 1954 erreicht, nach­dem die VEB den staat­li­chen Unter­stüt­zungs­fonds für das Jahr bereits im drit­ten Quar­tal aufge­braucht hatten. Damit verfehlte die Wirt­schaft das geplante Akku­mu­la­ti­ons­ziel um eine halbe Milli­arde DDR-Mark.

Abbil­dung 4: Kosten­sen­kun­gen in den VEB in den 1950er Jahren 51

Auf dem 21. Plenum des Zentral­ko­mi­tees im Novem­ber 1954 kam Ulbricht zu dem Schluss, dass die finan­zi­elle Seite der Planung noch immer nicht beherrscht worden sei. Die 1952 einge­führte wirt­schaft­li­che Rech­nungs­füh­rung sei nicht wirk­sam umge­setzt worden, und zu viele Kontroll­organe hiel­ten sich nicht an die „Kontrolle durch die Mark“. VEB wurden nicht bestraft, wenn sie ihre vertrag­li­chen Verpflich­tun­gen verletz­ten. Das Zentral­ko­mi­tee verab­schie­dete daher mehrere wich­tige Beschlüsse, um diese Probleme zu lösen. Die Renta­bi­li­tät der Unter­neh­men wurde nun zum „vorran­gi­gen Ziel der Wirt­schafts­po­li­tik“ erklärt und der Einsatz mate­ri­el­ler Anreize sollte ausge­wei­tet werden. 1957 wurde der Direk­to­ren­fonds der VEB (siehe Abschnitt 3) in einen „Betriebs­prä­mi­en­fonds“ und einen „Kultur- und Sozi­al­fonds“ aufge­teilt, die beide aus den Gewin­nen der VEB finan­ziert werden soll­ten.52 Über den Betriebs­prä­mi­en­fonds soll­ten die Arbei­ter entspre­chend der kollek­ti­ven und indi­vi­du­el­len Leis­tung mit Prämien belohnt werden: Je höher die Normen über­trof­fen wurden, desto höher fiel die Prämie aus. Diese verstärkte Nutzung mate­ri­el­ler Anreize führte jedoch unbe­ab­sich­tigt zum Problem der „weichen Pläne“: Die VEB bemüh­ten sich aktiv darum, die Pläne und Normen so nied­rig wie möglich zu halten, damit sie diese leicht über­tref­fen konn­ten. Dies verzerrte das Planungs­sys­tem, da die Ämter die tatsäch­li­chen Produk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten in den VEB nicht genau einschät­zen konn­ten. Die ursprüng­li­che Prämi­en­fonds­re­form hatte somit die Inter­es­sen der Betriebe in Konflikt mit den gesell­schaft­li­chen Inter­es­sen gebracht und legte den Keim für den „Betrieb­s­ego­is­mus”. Die SED versuchte 1964 (in der Anfangs­phase der NÖSPL-Refor­men), die weichen Pläne durch die Einfüh­rung eines gestaf­fel­ten Prämien-Systems zu lösen, das bei Nicht­er­rei­chen der Ziele nach­sich­ti­ger war.53

Es wurden auch neue Formen der sozia­lis­ti­schen Demo­kra­tie entwi­ckelt, um die Effi­zi­enz­pro­bleme zu lösen. Ab 1955 wurden „Ökono­mi­sche Konfe­ren­zen“ in großen Betrie­ben orga­ni­siert, um den Produk­ti­ons­pro­zess zu analy­sie­ren und Vorschläge zur Kosten­sen­kung und Produk­ti­vi­täts­stei­ge­rung zu machen. Bei neuen „Produk­ti­ons­be­ra­tun­gen“ muss­ten die Betriebs­lei­ter und Buch­hal­ter Rechen­schafts­be­richte vorle­gen, die von den Arbei­tern geprüft werden konn­ten. Bis zum Ende des Jahres wurden landes­weit 4.000 Konfe­ren­zen und 600.000 Bera­tun­gen abge­hal­ten. Die Ergeb­nisse dieser Initia­ti­ven waren schnell spür­bar: Der natio­nale Akku­mu­la­ti­ons­fonds stieg 1955 um rund 300 Millio­nen DDR-Mark (siehe Abbil­dung 4).54

Briga­de­an­ge­hö­rige bespre­chen Arbeits­ab­läufe im VEB Möbel­werk in Frank­furt (Oder), März 1956. (Bundes­ar­chiv Bild 183–36968-0001)

Massen­kam­pa­gnen, die sich auf den Elan der Arbei­ter stüt­zen, waren zwar erfolg­reich, konn­ten aber nicht unbe­grenzt fort­ge­setzt werden. Die SED strebte danach, auch die konkre­ten Planungs­me­cha­nis­men stär­ker auf Effi­zi­enz auszu­rich­ten. Einige Funk­tio­näre began­nen zu hinter­fra­gen, ob die vorherr­schende Planungs­me­tho­dik nicht im Wider­spruch zu den Grund­sät­zen der wirt­schaft­li­chen Rech­nungs­füh­rung stand.55 Die Viel­zahl der von der Staat­li­chen Plan­kom­mis­sion den VEB vorge­leg­ten, genau berech­ne­ten Plan­vor­ga­ben führte dazu, dass die Jahres­pläne der Betriebe aufgrund unvor­her­ge­se­he­ner Ereig­nisse wie Liefer­ver­zö­ge­run­gen oder Mate­ri­al­eng­päs­sen oft Dutzende von Revi­sio­nen erfah­ren muss­ten. Dies führte zu einem Domi­no­ef­fekt in den Betriebs­plä­nen, der die Leitun­gen in endlose Neube­rech­nun­gen verwi­ckelte.56 In den extrems­ten Fällen waren die VEB gezwun­gen, ihre Produk­ti­ons­pläne über 40 Mal pro Jahr zu über­ar­bei­ten. Die Dring­lich­keit dieses Problems nahm in dem Maße zu, wie sich die Arbeits­tei­lung in der Wirt­schaft weiter entwi­ckelte. Immer mehr herge­stellte Produkte wurden als Vorpro­dukte für die weitere Produk­tion oder die Rohstoff­ge­win­nung verwen­det (z. B. Texti­lien in der Auto­mo­bil­pro­duk­tion oder Stahl­trä­ger im Berg­bau usw.). Dies führte dazu, dass die Produk­ti­ons­pläne immer stär­ker mitein­an­der verwo­ben wurden.

Ende 1953 beauf­tragte die SED daher eine Arbeits­gruppe unter der Leitung von Hein­rich Rau und Erich Apel mit der Suche nach Möglich­kei­ten zur Verbes­se­rung der Planungs­me­tho­den.57 Nach der Unter­su­chung mehre­rer Fall­bei­spiele kam die Gruppe zu dem Schluss, dass die zentral fest­ge­leg­ten Plan­ziele in vielen Bran­chen über­zo­gen waren. Anstatt die Produk­ti­ons­men­gen für jedes einzelne Bauteil eines Endpro­dukts fest­zu­le­gen, schlug die Gruppe vor, den Betrie­ben mehr Spiel­raum bei der Errei­chung der wich­tigs­ten Ziele einzu­räu­men. Zum Beispiel reichte es aus, nur fest­zu­le­gen, wie viele Elek­tro­mo­to­ren am Ende produ­ziert werden soll­ten, anstatt dass die staat­li­che Plan­kom­mis­sion Indi­ka­to­ren für einzelne Kompo­nen­ten eines Elek­tro­mo­tors fest­legte. Die unte­ren Ebenen in der Planungs­hier­ar­chie soll­ten selb­stän­dig die benö­tig­ten Kompo­nen­ten beschaf­fen. Diese Metho­dik, so wurde argu­men­tiert, entsprach besser den Bedin­gun­gen in der DDR, wo sich die Wirt­schaft von einem exten­si­ven zu einem inten­si­ven Wachs­tum entwi­ckelte und die Arbeits­tei­lung immer spezia­li­sier­ter wurde. Die Idee wurde auch von den frühe­ren sowje­ti­schen Akti­en­ge­sell­schaf­ten inspi­riert, die nur einige wenige Eckzif­fern zu erfül­len hatten und ansons­ten „bedeu­tend größere Bewe­gungs­frei­heit im Rahmen des Plans“ hatten.58

Auf der Grund­lage dieser Schluss­fol­ge­run­gen verab­schie­dete die Regie­rung im Dezem­ber 1954 ein Gesetz „Über die Verein­fa­chung der Planung in der volks­ei­ge­nen Indus­trie“. Nur noch die für die Volks­wirt­schaft wich­tigs­ten Produkte soll­ten zentral fest­ge­legt werden. Die Ausar­bei­tung der für die Errei­chung dieser Ziele erfor­der­li­chen Detail­pläne oblag den VEB selbst. Die nach einem einheit­li­chen Schema aufge­bau­ten Betriebs­pläne der VEB bedurf­ten nicht mehr der geson­der­ten Bestä­ti­gung durch die jewei­lige Zentral­ver­wal­tung. Die Zahl der fest­ge­leg­ten Plan­ziele sank darauf­hin um mehr als 50 Prozent (siehe Abbil­dung 5). Die Kürzun­gen betra­fen im Allge­mei­nen die hoch­ent­wi­ckel­ten Indus­trien (z. B. Fein­me­cha­nik und Konsum­gü­ter) stär­ker als die Grund­stoff­in­dus­trien (z. B. Metall­ver­ar­bei­tung). Durch die Reform wurde auch der Verwal­tungs­auf­wand in den Betrie­ben stark redu­ziert: Die Zahl der Formu­lare, die die VEB bei den über­ge­ord­ne­ten Planungs­be­hör­den einrei­chen muss­ten, sank von 31 auf 15 im Jahr 1956.59

Abbil­dung 5: Anzahl der im Jahres­plan der Staat­li­chen Plan­kom­mis­sion fest­ge­leg­ten Produkte60

Die „Verein­fa­chung der Planung“ gab es nicht nur in der DDR. Ähnli­che Maßnah­men wurden in der zwei­ten Hälfte der 1950er Jahre in ganz Osteu­ropa durch­ge­führt. Selbst in der UdSSR wurde die Zahl der zentral fest­ge­leg­ten Ziele in der Indus­trie von 1957 bis 1958 halbiert.61 Laut Roes­ler führte die DDR die Plan­ziele am schnells­ten zurück, während die ČSSR, Ungarn und Rumä­nien ihre Kenn­zif­fern bis in die frühen 1960er Jahre hinein schritt­weise redu­zier­ten. Wie im nächs­ten Abschnitt unter­sucht wird, stopp­ten die DDR und die UdSSR 1958 abrupt weitere Redu­zie­run­gen nach­dem sie zu dem Schluss gekom­men waren, dass die Reform in bestimm­ten Berei­chen „zu weit gegan­gen“ war. Bemer­kens­wert ist jedoch, dass die DDR diese Refor­men nicht voll­stän­dig rück­gän­gig machte. Nur in den Zwei­gen „Maschi­nen­bau“ und „Guss- und Schmie­de­stü­cke“ wurde die Zahl der Produk­ti­ons­ziele über das Niveau vor der Reform ange­ho­ben.62 Die Gesamt­zahl der Ziele für die indus­tri­elle Produk­tion blieb 1958 um 68 Prozent nied­ri­ger als 1956.

5. Die große Debatte: Das Wertgesetz, die „Selbstverwaltung“ und der Weg zu „sozialistischen Warenproduzenten“ (1955–1958)

Als die Regie­rung Ende 1954 diese Refor­men einführte, versuchte die SED auch, mehr Kritik und Selbst­kri­tik in allen Berei­chen der Gesell­schaft zu fördern. Dazu gehörte die ausdrück­li­che Auffor­de­rung an die Ökono­men, sich mit den unge­klär­ten Proble­men des Wert­ge­set­zes und den „Unzu­läng­lich­kei­ten unse­rer Arbeit auf dem Gebiet der Preis­po­li­tik“ ausein­an­der­zu­set­zen.63) Auf einer wissen­schaft­li­chen Tagung im März 1955 mit dem Titel „Die Über­gangs­pe­ri­ode vom Kapi­ta­lis­mus zum Sozia­lis­mus in der DDR“ betonte der Ökonom und Polit­bü­ro­mit­glied Fred Oelß­ner die poli­ti­sche Aufgabe der Wissenschaft:

„Das ist es gerade, was wir so drin­gend brau­chen, einen wirk­lich freien wissen­schaft­li­chen Meinungs­aus­tausch. Denn wir werden in unse­rer Entwick­lung nicht vorwärts­kom­men, wenn wir uns in Diskus­sio­nen nur darauf beschrän­ken, das wieder­zu­ge­ben, was irgendwo schon einmal gedruckt ist oder was eine Auto­ri­tät schon einmal gesagt hat.“64

Diese Konfe­renz markierte den Ausgangs­punkt einer Debatte, die bald zu einer erbit­ter­ten poli­ti­schen Konfron­ta­tion zwischen „Revi­sio­nis­ten“ und „Anti­re­vi­sio­nis­ten“ eska­lie­ren sollte. Auslö­ser für die Eska­la­tion war der plötz­li­che Poli­tik­wech­sel der KPdSU in den Jahren 1955/56 (Zusam­men­fas­sung in Abschnitt 5.3). Zunächst hatten sich promi­nente DDR-Ökono­men und ‑Funk­tio­näre mit dem Argu­ment in die Debatte einge­bracht, dass das Preis­sys­tem (und das Wert­ge­setz) einen größe­ren Einfluss auf die wirt­schaft­li­che Entschei­dungs­fin­dung haben sollte. Bald jedoch forder­ten sie in ihren Arti­keln grund­le­gende Ände­run­gen der Eigen­tums­ver­hält­nisse in der DDR und eine Revi­sion des marxis­ti­schen Verständ­nis­ses der Waren­pro­duk­tion. Die Debatte drehte sich nicht mehr nur um den Grad der zentra­li­sier­ten Ziel­vor­gabe, sondern stellte den Kern des poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Systems der DDR infrage. Einige der soge­nann­ten „Waren­theo­re­ti­ker“ gingen so weit, Ideen wie „Markt­so­zia­lis­mus“ und „Selbst­ver­wal­tung der Wirt­schaft“ nach jugo­sla­wi­schem Vorbild zu verfech­ten. Nach einer fast zwei­jäh­ri­gen Debatte griff das Polit­büro der SED Anfang 1957 ein und star­tete eine Kampa­gne gegen Revi­sio­nis­mus inner­halb der Partei. Hinter­grund dieser Inter­ven­tion waren die poli­ti­sche Desta­bi­li­sie­rung in ganz Osteu­ropa und der impe­ria­lis­ti­sche Einmarsch in Ägyp­ten Ende 1956 (siehe Abschnitt 5.3). Die Debatte endete 1958 als Ulbricht erfolg­reich den demo­kra­ti­schen Zentra­lis­mus als Leit­prin­zip des Planungs­sys­tems vertei­digte. Der Bereich der poli­ti­schen Ökono­mie wurde jedoch nach­hal­tig von den Ansich­ten der Waren­theo­re­ti­ker beeinflusst.

Die Wert­ge­setz­de­batte in der DDR wurde von dem polni­schen Ökono­men Włod­zi­mierz Brus (der später neben seinem Kolle­gen Oskar Lange zu einem zentra­len Verfech­ter des „Markt­so­zia­lis­mus“ wurde) auf der oben genann­ten Konfe­renz ange­sto­ßen. Brus argu­men­tierte in einem Vortrag, dass der zentra­li­sierte Preis­fest­set­zungs­me­cha­nis­mus das Wert­ge­setz nicht ange­mes­sen berück­sich­tigte und somit die Anreiz­me­cha­nis­men in der Plan­wirt­schaft verzerrte.65 Vorhan­dene Inef­fi­zi­enz wurde auf die Verlet­zung des Wert­ge­set­zes durch den Staat zurück­ge­führt. Die These von Brus wurde dann von promi­nen­ten DDR-Ökono­men wie Gunther Kohl­mey, Fritz Behrens und Arne Benary in einer Reihe von Arti­keln in der Zeit­schrift Wirt­schafts­wis­sen­schaft (WiWi) zwischen 1955 und 1957 aufge­grif­fen. Obwohl sich ihre Argu­mente vonein­an­der unter­schie­den, lassen sie sich in zwei allge­meine Kate­go­rien eintei­len: Das Argu­ment, Fest­preise für Konsum­gü­ter aufzu­ge­ben und dem Wert­ge­setz einen größe­ren Einfluss auf die Preis­bil­dung und wirt­schaft­li­che Entschei­dungs­fin­dung zu gewäh­ren, sowie das damit verbun­dene Argu­ment, das Planungs­sys­tem zurück­zu­fah­ren und die VEBs in selbst­ver­wal­tete Einhei­ten umzuwandeln.

5.1 Die freie Bildung der Preise durch das Wertgesetz

„Wir müssen uns von der falschen Vorstel­lung frei­ma­chen, als sei das Wert­ge­setz ein notwen­di­ges Übel, dessen Akti­ons­ra­dius man tüch­tig beschnei­den müsse.“66

Dieses Argu­ment wurde erst­mals im März 1956 von Gunther Kohl­mey (damals Direk­tor des Insti­tuts für Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten) vorge­bracht. Kohl­mey brach damit mit der unter Marxis­ten vorherr­schen­den Auffas­sung, dass das Wert­ge­setz im Sozia­lis­mus schritt­weise über­wun­den werden müsse. Er sah in der admi­nis­tra­ti­ven Mani­pu­la­tion der „Wert­ka­te­go­rien“ (Geld, Preis, Kosten, Löhne, Kredit usw.) die Ursa­che für Inef­fi­zi­enz und die unzu­rei­chende Versor­gung mit Konsum­gü­tern. Der Staat behin­dere seine eige­nen Bemü­hun­gen, die 1951/1952 einge­führ­ten Grund­sätze der wirt­schaft­li­chen Rech­nungs­füh­rung umzusetzen:

„Das gegen­wär­tige Haupt­pro­blem der wirt­schaft­li­chen Rech­nungs­füh­rung scheint in der DDR darin zu bestehen, (1) ihren Akti­ons­ra­dius nicht unnö­tig durch zu viele Planungs­an­wei­sun­gen einzu­en­gen bzw. gar zu zerstö­ren, (2) den ganzen Mecha­nis­mus der Ausnut­zung der Wert­for­men bei der Leitung der sozia­lis­ti­schen Staats­be­triebe beweg­li­cher als bisher zu machen […].“67

Dies erfor­derte logi­scher­weise, dass Kohl­mey auch das Wesen des Sozia­lis­mus selbst revi­dierte, was er noch im selben Jahr tat:

„Auch der Sozia­lis­mus ist (natio­nale und inter­na­tio­nale) Markt­wirt­schaft, er ist plan­mä­ßig verlau­fende, auf dem gesell­schaft­li­chen Eigen­tum an den Produk­ti­ons­mit­teln beru­hende Markt­wirt­schaft.“68

Fritz Behrens (damals stell­ver­tre­ten­der Vorsit­zen­der der Staat­li­chen Plan­kom­mis­sion und Leiter der Zentral­ver­wal­tung für Statis­tik) sprach sich für die „Ausnut­zung des Geset­zes von Ange­bot und Nach­frage zur Schaf­fung eines – ökono­misch gesun­den – Preis­sys­tems“ aus.69 Er argu­men­tierte, dass die Preise in Abtei­lung 2 (Produk­tion von Konsum­ti­ons­mit­tel) „elas­ti­scher” sein müss­ten, da eine zentrale Stelle nicht in der Lage sein wird, die Präfe­ren­zen der Verbrau­cher (insbe­son­dere den Zeit­punkt, die Auswahl und die von den Verbrau­chern gefor­derte Quali­tät) ange­mes­sen einzu­schät­zen.70 Laut Behrens „muss sich die zentrale Planung auf die prin­zi­pi­el­len Gesichts­punkte beschrän­ken“. Er schlug vor, Fest­preise durch ein System „varia­bler Preise“ zu erset­zen, bei dem die für Abtei­lung 2 produ­zie­ren­den VEB ihre Preise inner­halb bestimm­ter, von der staat­li­chen Plan­kom­mis­sion fest­ge­leg­ter Gren­zen selbst setzen konn­ten. Das System von „freier Preis­bil­dung“ in „genau abge­steck­ten Gren­zen“ würde einen „kontrol­lier­ten Markt­wett­be­werb“ ermöglichen.

Behrens führte bestehende Probleme in der DDR-Wirt­schaft (er nannte konkret: nicht­kon­ti­nu­ier­li­che Produk­tion, Über­plan­be­stände, Kauf­kraft­über­hänge) auf Verstöße gegen das Wert­ge­setz zurück. Die Partei habe zu lange so getan, als könne der Staat „objek­tive ökono­mi­sche Gesetze“ einfach durch „juris­ti­sche Gesetze“ erset­zen. Dies sei, so Behrens, ein fata­ler Irrtum:

Weil der Staat „ökono­mi­sche Prozesse nicht durch Verord­nun­gen und Anwei­sun­gen erset­zen kann, kann er auch das Wert­ge­setz nicht erset­zen. Das Wert­ge­setz wirken lassen, das bedeu­tet elas­ti­sche Preis­po­li­tik und beweg­li­che Preise anstelle starre Preis­po­li­tik und unver­än­der­li­cher Preise.“71

Profes­sor Fritz Behrens mit Studen­ten am Insti­tut für Poli­ti­sche Ökono­mie der Karl-Marx-Univer­si­tät Leip­zig, 1953. (Bundes­ar­chiv, Bild 183–21474-0016)

Bemer­kens­wert ist, dass auch in der UdSSR zu dieser Zeit ähnli­che Argu­mente vorge­bracht wurden. Im Dezem­ber 1956 versuch­ten sowje­ti­sche Ökono­men auf der so genann­ten „ersten sowje­ti­schen Wert­de­batte“72, einen Wider­spruch in der offi­zi­el­len poli­ti­schen Ökono­mie des Sozia­lis­mus zu klären: Wie konnte die Wirkung des Wert­ge­set­zes (als objek­tiv bestehen­des Gesetz) entdeckt werden, wenn der Staat selbst so viele Preise fest­legt? Mit ande­ren Worten, wie sollte der Staat Preise auf eine „geplante Abwei­chung vom Wert“ fest­le­gen, wenn der genaue Wert des Produkts gar nicht bekannt ist?73 Für die „Waren­theo­re­ti­ker“ bestand der Ausweg aus diesem Wider­spruch in der Revi­sion der marxis­ti­schen Theo­rie selbst: Die sozia­lis­ti­sche Produk­tion war in Wirk­lich­keit Waren­pro­duk­tion. DDR-Ökono­men wie Herbert Wolf (ein Assis­tent von Behrens) und sowje­ti­sche Spezia­lis­ten wie J. A. Kron­rod lehn­ten die Schluss­fol­ge­rung Stalins ab, dass das Fort­be­stehen der Waren­pro­duk­tion im Sozia­lis­mus auf unter­schied­li­che Eigen­tums­ver­hält­nisse zurück­zu­füh­ren sei. Während bisher die Auffas­sung vorherrschte, dass sich die Waren­pro­duk­tion haupt­säch­lich auf die Konsum­gü­ter­in­dus­trie und die Land­wirt­schaft beschränkte, argu­men­tier­ten die „Waren­theo­re­ti­ker“, dass die Produkte der sozia­lis­ti­schen Indus­trien selbst Waren seien, wenn auch von „beson­de­rer Art“. Dies sei auf die „soziale Ungleich­ar­tig­keit“ der Arbeit zurück­zu­füh­ren: die Unter­schiede zwischen „geis­ti­ger und physi­scher Arbeit, quali­fi­zier­ter und unqua­li­fi­zier­ter Arbeit, kompli­zier­ter und einfa­cher, schwe­rer und leich­ter Arbeit“.74 Aufgrund dieser Unter­schiede waren die VEB noch rela­tiv unab­hän­gige Einhei­ten; die Arbeit in einem VEB musste getrennt von der Arbeit in ande­ren VEB orga­ni­siert werden. Diese fakti­sche Unab­hän­gig­keit im Produk­ti­ons­pro­zess war wich­ti­ger als der recht­li­che Status des einheit­li­chen Volks­ei­gen­tums. Die von den „frag­men­tier­ten“ Betrie­ben produ­zier­ten Güter wurden faktisch für den Austausch herge­stellt und waren somit Waren. Sie muss­ten eben „äqui­va­lent ausge­tauscht“ werden. Daher prägte das Wert­ge­setz auch die Bezie­hun­gen zwischen den VEB.

Die Neuar­tig­keit dieses Argu­ments sollte nicht über­se­hen werden. Zwar gab es schon immer Befür­wor­ter des Rück­griffs auf den Markt auf dem Weg zum Sozia­lis­mus (z. B. Bucha­rin in den 1920er Jahren), doch hatten sie nie argu­men­tiert, dass das Wert­ge­setz ein inhä­ren­tes Merk­mal der sozia­lis­ti­schen Produk­tion sei. Die „Waren­theo­re­ti­ker“ plädier­ten nicht für einen vorüber­ge­hen­den Rück­zug auf Markt­me­cha­nis­men (wie die Neue Ökono­mi­sche Poli­tik der Bolsche­wiki). Sie vertra­ten viel­mehr die Auffas­sung, dass das Wert­ge­setz der sozia­lis­ti­schen Produk­tion selbst imma­nent sei. Die Rolle des Wert­ge­set­zes müsse „weiter­ent­wi­ckelt“ werden, wenn der Sozia­lis­mus zu höhe­ren Stufen fortschreite.

Einige DDR-Ökono­men wie Eva Altmann und Alfred Lemm­nitz wehr­ten sich zunächst gegen diese Idee und vertei­dig­ten die ursprüng­li­che Posi­tion, die so genannte „Waren­hüllen­theo­rie“: Die Produkte der sozia­lis­ti­schen Indus­trien seien nur der Form nach Waren, nicht dem Wesen nach, da es keinen Besit­zer­wech­sel gab. Die „soziale Ungleich­ar­tig­keit“ der Arbeit änderte nichts an dieser Tatsa­che.75 Die „sozia­lis­ti­sche Waren­pro­duk­tion“ war nach wie vor nur auf den Bereich der Konsum- und Export­gü­ter beschränkt.76 Dennoch gewan­nen die „Waren­theo­re­ti­ker“ mit dem Abschluss der „zwei­ten sowje­ti­schen Wert­de­batte“ im Juni 1958 die Mehr­heit gegen­über den „Waren­hüllen­theo­re­ti­kern“.77 Einfluss­rei­che sowje­ti­sche Ökono­men wie Lew Gatow­ski und Stanis­law Strumi­lin vertra­ten nun die These, dass das Wert­ge­setz der sozia­lis­ti­schen Produk­tion selbst imma­nent sei. Laut Konstan­tin Ostro­wit­ja­now gelte es, „die Wirk­sam­keit des ‚Wert­ge­set­zes‘ in der Phase des ‚entfal­te­ten Aufbaus des Kommu­nis­mus‘ zu stär­ken, um gerade dadurch die Voraus­set­zun­gen für das Abster­ben der ‚Geld-Ware-Bezie­hun­gen‘ im kommu­nis­ti­schen Endzu­stand zu schaf­fen“.78 Später im selben Jahr vertrat auch KPdSU-Gene­ral­se­kre­tär Nikita Chruscht­schow auf einer Tagung des Zentral­ko­mi­tees diese Posi­tion.79 Diese bedeu­ten­den Verän­de­run­gen in der poli­ti­schen Ökono­mie der Sowjet­union und der DDR bilde­ten die Grund­lage für die Theo­rie der „Plan­wirt­schaft sozia­lis­ti­scher Waren­pro­du­zen­ten“ in den 1960er Jahren.

5.2 „Selbstverwaltung“ als Voraussetzung für freie Preisbildung

Logi­scher­weise mach­ten „elas­ti­sche Preis­po­li­tik und beweg­li­che Preise“ tief­grei­fende Verän­de­run­gen in der Wirt­schafts­struk­tur der DDR notwen­dig. Die „Waren­theo­re­ti­ker“ muss­ten zeigen, wie „Markt­ge­setze“ im Sozia­lis­mus mehr Spiel­raum bekom­men soll­ten. Kohl­mey konzen­trierte sich auf das Finanz­sys­tem und plädierte für eine „beweg­li­chere und ratio­na­lere“ Staats­bank, indem er ihr eine auto­nome Rolle in der Wirt­schaft zubil­ligte.80 Behrens und Benary gingen noch weiter und schlu­gen die umfas­sende „Selbst­ver­wal­tung der Wirt­schaft“ vor. Sie argu­men­tier­ten, dass die Bedin­gun­gen in der DDR eine zentra­li­sierte Planung nicht mehr rechtfertigten:

„Die Zentra­li­sie­rung sogar in extre­mer Form ist in solchen Peri­oden eine Notwen­dig­keit, in denen tief­grei­fende Verän­de­run­gen rasch durch­ge­führt, die Grund­la­gen des Kapi­ta­lis­mus zerstört und die der sozia­lis­ti­schen Wirt­schaft durch zentrale Weisung aufge­baut werden müssen, zumal aber dann, wenn es gilt, mili­tä­ri­schen Notwen­dig­kei­ten Rech­nung zu tragen. Aber ebenso, wie die Zentra­li­sie­rung keine obli­ga­to­ri­sche Form der Leitung des sozia­lis­ti­schen Staa­tes ist, so ist auch die zentrale Weisung keine obli­ga­to­ri­sche Form der Leitung der sozia­lis­ti­schen Wirtschaft.

In dem Maße, wie die ökono­mi­schen Gesetze der sozia­lis­ti­schen Produk­tion zu wirken begin­nen, d. h. in dem Maße, wie sich die sozia­lis­ti­schen Produk­ti­ons­ver­hält­nisse festi­gen, muss die Leitung der Wirt­schaft durch zentrale Weisung zurück­tre­ten, da sie sonst zu einem Hemm­schuh der weite­ren Entwick­lung wird. Die wach­sen­den Produk­tiv­kräfte und das ökono­mi­sche System des Sozia­lis­mus gera­ten dann in Wider­spruch zu der Leitung der Wirt­schaft durch zentrale Weisung. Es ist deshalb unum­gäng­lich, von der Leitung der Wirt­schaft durch zentrale Weisung zur ökono­mi­schen Leitung, d. h. zu einer Leitung mit einem Mindest­maß zentra­ler Anwei­sung und einem Höchst­maß an Initia­tive und Selb­stän­dig­keit ‚von unten‘, auf der Grund­lage der Ausnut­zung der ökono­mi­schen Gesetze, insbe­son­dere des Wert­ge­set­zes über­zu­ge­hen, sobald sich dieser Wider­spruch heraus­zu­bil­den beginnt.“81

Behrens weicht hier von der leni­nis­ti­schen Auffas­sung der dialek­ti­schen Einheit von Zentra­lis­mus und Demo­kra­tie ab und behaup­tet statt­des­sen, der Zentra­lis­mus sei das Gegen­teil von Demo­kra­tie. Im Namen der „Dezen­tra­li­sie­rung“ behaup­tet Behrens, dass der Staat bereits begin­nen muss, „abzu­ster­ben“, auch wenn der Über­gang zum Sozia­lis­mus unvoll­endet ist. Behrens stellt sein Argu­ment als eine Rück­kehr zu den wahren Prin­zi­pien des Marxis­mus-Leni­nis­mus dar:

„Die Auffas­sung, dass der Staat alles könne und dass jede, auch die priva­teste Ange­le­gen­heit staat­lich gelei­tet und kontrol­liert werden müsse, ist nicht sozia­lis­tisch, sondern ‚preu­ßisch‘, d. h. junker­lich-mono­po­lis­tisch. Sozia­lis­tisch, das heißt marxis­tisch-leni­nis­tisch, ist die Auffas­sung vom Abster­ben des Staa­tes in dem Maße, wie die sozia­lis­ti­schen Produk­ti­ons­ver­hält­nisse sich festi­gen und die kapi­ta­lis­ti­sche Bedro­hung unwirk­sam wird. Das aber bedeu­tet, dass die Selbst­ver­wal­tung der werk­tä­ti­gen Massen im staat­li­chen Leben in der Selbst­ver­wal­tung der Wirt­schaft ihre Ergän­zung finden muss. Sozia­lis­mus verlangt Selbst­ver­wal­tung der Wirt­schaft durch die Werk­tä­ti­gen, weil die Verge­sell­schaf­tung der Produk­ti­ons­mit­tel ihre Ergän­zung durch die Verge­sell­schaf­tung der Verwal­tung erfor­dert. So wie für das Privat­ei­gen­tum an den Produk­ti­ons­mit­teln die Verwal­tung der Wirt­schaft durch eine von den Werk­tä­ti­gen entfrem­dete Büro­kra­tie, so ist für das sozia­lis­ti­sche Eigen­tum an den Produk­ti­ons­mit­teln die Verwal­tung der Wirt­schaft durch die Werk­tä­ti­gen selbst typisch.“82

Der ehema­lige Student von Behrens, Arne Benary, schlug ein ähnli­ches Schema vor und beschrieb zwei Stufen des Über­gangs vom Kapi­ta­lis­mus zum Sozialismus:

„Während in der ersten Etappe der Über­gangs­pe­ri­ode der Staats­ap­pa­rat eine selb­stän­dige ökono­mi­sche Funk­tion besitzt, weil die admi­nis­tra­tive Methode der Leitung objek­tiv notwen­dig ist, muss er in der zwei­ten Etappe diese selb­stän­dige ökono­mi­sche Funk­tion schritt­weise verlie­ren. In der ersten Etappe ist der Staats­ap­pa­rat das Haupt­in­stru­ment der prole­ta­ri­schen Dikta­tur auf wirt­schaft­lich-orga­ni­sa­to­ri­schem Gebiet. In der zwei­ten Etappe dage­gen verliert der Staats­ap­pa­rat diese Bedeu­tung; ein funk­ti­ons­fä­hi­ges Zentral­bank­sys­tem, das nicht nur als Kontroll‑, sondern vor allem auch als Leitungs­in­stru­ment dient, wird z. B. unver­gleich­lich wich­ti­ger. In der ersten Etappe der Über­gangs­pe­ri­ode erfolgt die Verge­sell­schaf­tung des Eigen­tums an den Produk­ti­ons­mit­teln – und damit die Verge­sell­schaf­tung der Verfü­gungs­ge­walt über sie – zunächst in der Form, dass der zentra­li­sierte Staats­ap­pa­rat diese Verfü­gungs­ge­walt ausübt, Produk­ti­ons­mit­tel und Produk­tion verwal­tet. In der zwei­ten Etappe muss als weite­rer Schritt die Verge­sell­schaf­tung auch der Verwal­tung der Produk­ti­ons­mit­tel und der Produk­tion erfol­gen. Die Selbst­ver­wal­tung der Wirt­schaft kann und muss jetzt an die Stelle der Verwal­tung der Wirt­schaft durch den zentra­li­sier­ten Staats­ap­pa­rat treten.“83

Obwohl im Namen der „Dezen­tra­li­sie­rung“ vorge­bracht, gingen diese Vorschläge weit über die „Verein­fa­chung der Planung“ (1955–1957) hinaus. Diese hatte ledig­lich den Grad der direk­ten Regu­lie­rung des Produk­ti­ons­pro­zes­ses in den VEB durch die Staat­li­che Plan­kom­mis­sion ange­passt. Behrens und Benary plädier­ten für eine völlige Umge­stal­tung des Planungs­sys­tems und eine fakti­sche Umwand­lung der VEB in selbst­ver­wal­tete Betriebe.

5.3 Die Verteidigung des demokratischen Zentralismus und des Festpreissystems

Zwischen dem Früh­jahr 1955 und dem Sommer 1956 fanden in den Volks­de­mo­kra­tien Osteu­ro­pas solche grund­le­gen­den Debat­ten statt. Sie wurden maßgeb­lich von einem Poli­tik­wech­sel in der KPdSU beein­flusst, der die ande­ren kommu­nis­ti­schen Parteien in Verwir­rung stürzte und sie ohne gemein­same Diskus­si­ons­grund­lage zurück­ließ. Die erste große Verän­de­rung trat im Juni 1955 ein, als Chruscht­schow mit dem jugo­sla­wi­schen Präsi­den­ten Josip Broz Tito die Belgra­der Erklä­rung unter­zeich­nete und dessen plura­lis­ti­sches Konzept der „natio­na­len Kommu­nis­men“ unter­stützte.84 Der Einfluss Titos spie­gelt sich deut­lich in den Schrif­ten von Behrens und Benary wider: Das poli­ti­sche Programm der Kommu­nis­ti­schen Partei Jugo­sla­wi­ens (KPJ) sprach eben­falls von der „Dezen­tra­li­sie­rung der Wirt­schafts­füh­rung“ und dem sofor­ti­gen „Abster­ben von Staat und Partei“. Behrens und Bena­rys Konzep­tion von „wirt­schaft­li­cher Selbst­ver­wal­tung“ wurde auch eindeu­tig von den Wirt­schafts­re­for­men der KPJ inspi­riert, die im Juli 1950 einge­lei­tet wurden und staat­li­che Indus­trie­be­triebe in selbst­ver­wal­tete Arbei­ter­kol­lek­tive umwan­del­ten, die ihre Preise selbst fest­le­gen und ihr Produk­ti­ons­sor­ti­ment selbst bestim­men konn­ten.85

Der nächste große Wandel erfolgte im Februar 1956 auf dem XX. Partei­tag der KPdSU, als Chruscht­schow Stalin anpran­gerte und Verän­de­run­gen „in Geschichte, Philo­so­phie, Ökono­mie und ande­ren Wissen­schaf­ten“ forderte, da diese Berei­che durch „die weit verbrei­te­ten falschen Ansich­ten im Zusam­men­hang mit dem Perso­nen­kult“ verzerrt worden seien.86 Diese pauschale Erklä­rung schien zwar frischen Wind zu brin­gen, stellte aber im Grunde alle Erkennt­nisse der sowje­ti­schen Wissen­schaft in Frage. In diesem entschei­den­den Moment löste die KPdSU das Komin­form auf, das 1947 als infor­mel­ler Versuch gegrün­det worden war, die multi­la­te­rale Koor­di­nie­rung zwischen den euro­päi­schen kommu­nis­ti­schen Parteien nach der Auflö­sung der Komin­tern im Jahr 1943 wieder­zu­be­le­ben. Die Volks­de­mo­kra­tien stan­den damit ohne eine Platt­form zur Diskus­sion dieser grund­le­gen­den Fragen da.

Ange­sichts dieser abrup­ten Verän­de­run­gen berief die SED im März 1956 einen drit­ten (außer­or­dent­li­chen) Partei­tag ein, um die Konse­quen­zen des XX. Partei­tags der KPdSU zu disku­tie­ren. Die Partei kündigte an, die Kampa­gne gegen den „Dogma­tis­mus“ (die 1955 begon­nen hatte) fort­zu­set­zen und mehr Kritik und Selbst­kri­tik in der Gesell­schaft zu fördern. Die ersten Anzei­chen einer poli­ti­schen Desta­bi­li­sie­rung zeig­ten sich jedoch bereits im Juni 1956, als Polen und Ungarn von gewalt­sa­men Unru­hen erschüt­tert wurden. Die wach­sende Unsi­cher­heit der SED in Bezug auf die Posi­tio­nen der KPdSU spie­gelte sich in einer Reso­lu­tion wider, die das Zentral­ko­mi­tee einen Monat später unter dem Titel „Die nächs­ten ideo­lo­gi­schen Aufga­ben der Partei“ verab­schie­dete. Das Zentral­ko­mi­tee würdigt darin die Arbei­ten von Kohl­mey und Behrens als „selb­stän­dige schöp­fe­ri­sche Leis­tun­gen vom Stand­punkt des Marxis­mus-Leni­nis­mus“, vertei­digt aber auch die Univer­sa­li­tät des wissen­schaft­li­chen Sozia­lis­mus: Die SED kann „nicht hinneh­men, wenn unter der Flagge der ‚Frei­heit der Kritik‘ und des wissen­schaft­li­chen Meinungs­strei­tes die Grund­ideen des Marxis­mus-Leni­nis­mus preis­ge­ge­ben werden“.87 Dies war auch eine still­schwei­gende Kritik an führen­den Persön­lich­kei­ten in Polen und Ungarn, die sich Titos Ansatz zu eigen gemacht und mit dem Abbau der zentra­len Planung begon­nen hatten.

Im Okto­ber wurde ein Wende­punkt erreicht, als Ungarn in Gewalt versank und Ägyp­ten von Groß­bri­tan­nien, Frank­reich und Israel über­fal­len wurde. Ange­sichts dieser impe­ria­lis­ti­schen „Rollback“-Politik entschied sich die SED-Führung dafür, eine akti­vere Rolle bei der „Zurück­drän­gung der bürger­li­chen Ideo­lo­gie“ in der DDR zu über­neh­men. Auf dem 30. Plenum des Zentral­ko­mi­tees im Januar 1957 erkannte Ulbricht die Verdienste des XX. Partei­ta­ges der KPdSU bei der Über­win­dung von „Fehlern“ und „Verein­fa­chun­gen“ an, für die „Genosse Stalin die Verant­wor­tung trug“. Ulbricht bestand jedoch darauf, dass die SED weiter­hin aus Stalins „marxis­ti­schen Werken“ lernen wird. Er wies die Versu­che zurück, den XX. Partei­tag als einen „Aufruf zur Libe­ra­li­sie­rung und zur Anglei­chung an die bürger­li­che Demo­kra­tie“ im sozia­lis­ti­schen Block zu inter­pre­tie­ren.88 In ähnli­cher Weise lobte der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler Robert Naumann die „sehr zu begrü­ßende Diskus­sion zu Fragen der poli­ti­schen Ökono­mie“, die „berech­tigte Kritik an Mängeln und Schwä­chen unse­rer Wirt­schafts­po­li­tik“ hervor­ge­bracht habe.89 Zugleich gingen die Posi­tio­nen eini­ger seiner Kolle­gen (er nannte Behrens und Benary) zu weit, denn sie hätten die „Grund­sätze des Marxis­mus-Leni­nis­mus“ in Frage gestellt und droh­ten damit, „die Arbei­ter­klasse zu entwaff­nen und ihr das wich­tigste Instru­ment, den Staat, die Dikta­tur des Prole­ta­ri­ats, zu schwä­chen“. Erich Honecker kündigte im Namen des Polit­bü­ros an, dass der Kampf gegen den Revi­sio­nis­mus in der Partei geführt werden müsse.90 Für den Bereich der Ökono­mie bedeu­tete dies, dass das neueste Buch von Behrens und Benary (das die oben zitier­ten Arti­kel enthal­ten sollte) nicht ohne kriti­sche Kommen­tare ande­rer Ökono­men veröf­fent­licht werden sollte.

Auf demsel­ben Plenum argu­men­tierte Bruno Leusch­ner (Vorsit­zen­der der Staat­li­chen Plan­kom­mis­sion und damit Behrens’ dama­li­ger Vorge­setz­ter), dass die 1954 begon­nene Redu­zie­rung der zentral fest­ge­leg­ten Kenn­zif­fern nicht fort­ge­setzt werden könne, da er befürch­tete, dass sich die Plan­wirt­schaft insge­samt auflö­sen könnte:

„Wir haben auf dem Gebiet der Planung […], die staat­lich geplan­ten Posi­tio­nen auf 440 redu­ziert. Das ist das Äußerste. Weiter kann man vorerst nicht herun­ter­ge­hen. Diese Posi­tio­nen, das sind solche wie Elek­tro­en­er­gie, Braun­kohle, Briketts, Walz­stahl, wich­tige chemi­sche Grund­stoffe und ähnli­ches, muss die Regie­rung in der Hand haben.“91

Kurz nach dem Plenum wurden die Arti­kel von Behrens und Benary in einem Sonder­heft der Wirt­schafts­wis­sen­schaft zusam­men mit Kriti­ken von vier Ökono­men veröf­fent­licht. Karl Kamp­fert (Leiter der Gewerk­schafts­ab­tei­lung im Zentral­ko­mi­tee) warf Behrens vor, das Wert­ge­setz zum „entschei­den­den [ökono­mi­schen] Gesetz der Über­gangs­pe­ri­ode“ zu machen und damit die Bedeu­tung des Geset­zes der plan­mä­ßi­gen, propor­tio­na­len Entwick­lung im sozia­lis­ti­schen Aufbau zu vernach­läs­si­gen.92 Herbert Luck (Wirt­schafts­pro­fes­sor an der Univer­si­tät Rostock) argu­men­tierte, dass Behrens und Benary die logi­sche Konse­quenz ihrer Vorschläge nicht zuge­ge­ben haben:

„Wird dem Wert­ge­setzt ein großer Spiel­raum zur Entwick­lung auf die Produk­tion gege­ben, dann muss auch mit der mögli­chen Konse­quenz gerech­net werden, dass das Wert­ge­setzt schlecht­hin zum Regu­la­tor der Produk­tion wird.“93

Fred Oelß­ner wies darauf hin, dass, wenn das Wert­ge­setz zum Regu­la­tor der Produk­tion wird, die Vertei­lung der Arbeits­kräfte und der Produk­ti­ons­mit­tel sich nach dem rich­tet, was profi­ta­bel ist, und nicht nach den Bedürf­nis­sen einer propor­tio­na­len Entwick­lung.94 Die Sekto­ren, die in der Phase des sozia­lis­ti­schen Aufbaus größere Inves­ti­tio­nen erfor­dern (z. B. Kohle und Ener­gie), werden nicht in dem erfor­der­li­chen Maße wach­sen. Mit ande­ren Worten: Das Planungs­sys­tem wird von innen heraus unterminiert.

Luck stimmte mit Behrens und Benary darin über­ein, dass eine Dezen­tra­li­sie­rung grund­sätz­lich notwen­dig sei, argu­men­tierte jedoch, dass dies als Über­tra­gung der opera­ti­ven Verant­wor­tung zu verste­hen sei und nicht als Aufsplit­te­rung des Planungs­sys­tems in selbst­ver­wal­tete Wirt­schafts­ein­hei­ten. Das jugo­sla­wi­sche Modell war eine Abkehr von der Planung, nicht ihre Weiterentwicklung.

Eine Arbeits­bri­gade im VEB Stahl-und Walz­werk Riesa errech­net bei Schicht­schluß ihre tägli­che Produk­tion und schreibt ihre Ergeb­nisse auf der Produk­ti­ons­ta­fel. (Bundes­ar­chiv, Bild 183–72693-0001 / Siegert)

In Bezug auf das Preis­sys­tem stimmte Helmut Rich­ter (Wirt­schafts­as­sis­tent des Zentral­ko­mi­tees) zu, dass es in der Preis­po­li­tik der DDR viele Probleme gab, und räumte ein, dass die Planungs­äm­ter die Rolle des Wert­ge­set­zes zu oft „unter­schätz­ten“. Dennoch würde Behrens’ Vorschlag die VEB dazu verlei­ten, ihre Preise „künst­lich“ hoch­zu­hal­ten, wie es kapi­ta­lis­ti­sche Unter­neh­men tun. Eine solche Reform berge daher die Gefahr, „die Grup­pen­in­ter­es­sen der Betriebe in Gegen­satz zu den Gesamt­in­ter­es­sen der Gesell­schaft“ zu brin­gen.95

Lemm­nitz argu­men­tierte, dass die von Behrens fest­ge­stell­ten Inef­fi­zi­en­zen daher rühr­ten, dass das Fest­preis­sys­tem noch nicht in allen VEB einge­führt worden sei.96 Viele Produkte wurden noch zu Prei­sen verkauft, die von den einzel­nen Betrie­ben fest­ge­legt wurden, und diese Preise spie­gel­ten somit die betriebs­spe­zi­fisch aufge­wen­dete Arbeit wider und nicht die gesell­schaft­lich notwen­dige Arbeit. Hierin lag nach Lemm­nitz der eigent­li­che Verstoß gegen das Wert­ge­setz. Würden die Preise in den verge­sell­schaf­te­ten Indus­trien die gesell­schaft­lich notwen­dige Arbeit rich­tig wider­spie­geln, würde dies die weni­ger effi­zi­en­ten VEB zwin­gen, ihren Arbeits­auf­wand zu senken. Es gehe also darum, das Wert­ge­setz auf diese Weise effek­ti­ver „auszu­nut­zen“, nicht darum, ihm mehr Raum zur freien Entfal­tung zu geben. Lemm­nitz kriti­sierte, dass Behrens die Funk­tion und Anwen­dung des Wertes im Sozia­lis­mus miss­ver­stan­den habe. Die Lösung sei eine bessere Planung, nicht weni­ger Planung:

„Das Wert­ge­setz wirkt demnach nicht mehr als eine uner­kannte äußere Gewalt auf die Waren­pro­du­zen­ten ein, beherrscht sie nicht mehr, indem es sie zwingt, ihre Waren entspre­chend dem gesell­schaft­lich notwen­di­gen Arbeits­auf­wand zu produ­zie­ren und zu verkau­fen. Das Wert­ge­setz kann und muss jetzt beherrscht und zur plan­mä­ßi­gen Entwick­lung der Volks­wirt­schaft […] ausge­nutzt werden. Der sozia­lis­ti­sche Staat kann das Wert­ge­setz durch die Fest­set­zung einheit­li­cher Abga­be­preise je Produkt ausnut­zen, da ihm als Reprä­sen­tan­ten der Arbei­ter­klasse alle Betriebe gehö­ren. Der sozia­lis­ti­sche Staat muss das Wert­ge­setz durch die Fest­set­zung einheit­li­cher Abga­be­preise ausnut­zen, sonst verstößt er gegen das Gesetz der plan­mä­ßi­gen (propor­tio­na­len) Entwick­lung der Volks­wirt­schaft, gegen das ökono­mi­sche Grund­ge­setz des Sozia­lis­mus und damit gegen die Inter­es­sen der Arbei­ter­klasse und der mit ihr verbun­de­nen Klasse der werk­tä­ti­gen Bauern.“97

Das Polit­büro lehnte die Forde­rung von Behrens, der Staat solle in der Über­gangs­zeit mit dem „Abster­ben“ begin­nen, rund­her­aus ab. 1955, nur ein Jahr vor Behrens’ Schrift zu diesem Thema, war West­deutsch­land in den anti­so­wje­ti­schen NATO-Block inte­griert worden. Da die Grenze zu West-Berlin noch offen war, waren west­li­che Sabo­ta­ge­akte und Propa­ganda über­all zu spüren. Auch in der DDR selbst war weiter­hin ein bedeu­ten­der kapi­ta­lis­ti­scher Sektor tätig. Von einer „Unwirk­sam­keit der kapi­ta­lis­ti­schen Bedro­hung“ (Behrens) konnte unter diesen Bedin­gun­gen keine Rede sein. Oelß­ner wies die Thesen von Behrens und Tito mit dem Argu­ment zurück, dass die Rolle des Staa­tes „unter den Bedin­gun­gen des welt­wei­ten Klas­sen­kamp­fes zwischen Sozia­lis­mus und Kapi­ta­lis­mus“ nicht unter­schätzt werden dürfe.98

Vielen dieser Meinungs­ver­schie­den­hei­ten lag ein alter Streit­punkt inner­halb der kommu­nis­ti­schen Bewe­gung zugrunde: Wie ist das Verhält­nis zwischen Spon­ta­nei­tät und Bewusst­sein beim sozia­lis­ti­schen Aufbau? Die „Waren­theo­re­ti­ker“ plädier­ten für einen eher Lais­sez-faire-Ansatz, bei dem der Staat ledig­lich dafür sorgen sollte, dass die objek­ti­ven wirt­schaft­li­chen Gesetze des Sozia­lis­mus unge­hin­dert wirken konn­ten. Ihre Kriti­ker hinge­gen argu­men­tier­ten, dass die Planungs­äm­ter die ökono­mi­schen Gesetze studie­ren und aktiv ausnut­zen müss­ten, um den bewuss­ten Charak­ter der Planung schritt­weise zu erweitern:

„Der Marxis­mus vertritt die Ansicht, dass wir die ökono­mi­schen Gesetze beherr­schen und damit für unsere Ziele ausnut­zen können. Es kommt nur darauf an, diese Gesetze und ihre Wirkung rich­tig zu erken­nen. Der Staat nutzt diese Gesetze aus, indem er sie durch juris­ti­sche Gesetze, Anord­nun­gen und Direk­ti­ven unse­rem Ziel, dem sozia­lis­ti­schen Aufbau, dienst­bar macht! Genosse Behrens dage­gen meint, Ausnut­zen heißt, diese Gesetze wirken zu lassen, das heißt ihrem Selbst­lauf freie Bahn zu verschaf­fen. Darum spricht er auch davon, dass es die Aufgabe der zentra­len Staats­macht sei, solche Bedin­gun­gen zu schaf­fen, die das Wirken der Gesetze ermög­li­chen.“99

Als Reak­tion darauf veröf­fent­lich­ten Behrens, Benary und Kohl­mey 1958 schließ­lich Arti­kel, in denen sie sich von der Idee der „wirt­schaft­li­chen Selbst­ver­wal­tung“ und des „Abster­bens des Staa­tes in der Über­gangs­zeit“ distan­zier­ten. Ihre Kriti­ker hatten den Angriff auf den demo­kra­ti­schen Zentra­lis­mus erfolg­reich abge­wehrt. Behrens (obwohl 1958 aus der Staat­li­chen Plan­kom­mis­sion ausge­schie­den) publi­zierte weiter als Ökonom und beein­flusste mit seinem 1961 erschie­ne­nen Buch Ware, Wert und Wert­ge­setz die NÖSPL-Refor­men der DDR. Seine ökono­mi­schen Argu­mente – wenn auch nicht seine poli­ti­schen Schluss­fol­ge­run­gen – wurden auf der „zwei­ten sowje­ti­schen Wert­de­batte“ im Juni 1958 teil­weise bestä­tigt (siehe Abschnitt 5.1).

Die sowje­ti­schen Ökono­men lehn­ten jedoch die Idee der freien Preis­bil­dung ab. Da das System der Fest­plan­preise sowohl in der DDR als auch in der UdSSR beibe­hal­ten wurde, kehrte die ökono­mi­sche Debatte natür­li­cher­weise zu den Proble­men der Fest­preis­for­mel zurück (siehe Abschnitt 3). Einige Theo­re­ti­ker stie­ßen Anfang der 1960er Jahre eine Debatte über die „Mess­bar­keit des Wertes“ an, wobei Ökono­men wie Ottmar Lendle und Johan­nes Rudolph die Auffas­sung vertra­ten, dass die Wider­sprü­che nur durch die Entwick­lung von direk­ten Arbeits­zeit­rech­nungs­mo­del­len über­wun­den werden könn­ten.100 Die ande­ren Ökono­men, die diesen Ansatz als „noch nicht möglich“ ablehn­ten, konzen­trier­ten sich statt­des­sen auf die Frage, wie sich das Rein­ein­kom­men bei der Fest­preis­for­mel am effek­tivs­ten ablei­ten lässt, um die wirt­schaft­li­che Entwick­lung zu stimu­lie­ren.101 Diese Ausein­an­der­set­zung hielt bis in die späten 1960er Jahre an.

6. Der Abschluss der Übergangsperiode: „Plane mit – arbeite mit – regiere mit!“ (1958–1963)

Die Zeit der Unsi­cher­heit, die mit dem „Neuen Kurs“ 1953 begon­nen hatte, wurde durch das 30. Plenum des Zentral­ko­mi­tees im Januar 1957 been­det. In den folgen­den Jahren trieb die SED den sozia­lis­ti­schen Aufbau voran, indem sie die staat­li­chen Struk­tu­ren festigte (z. B. neue Gesetze vom Januar 1957 zur Erwei­te­rung der Volks­kam­mer und zur Gewähr­leis­tung einer stär­ke­ren Betei­li­gung der Arbei­ter und der neuen Klasse der Genos­sen­schafts­bau­ern) und die Planungs­hier­ar­chie neu orga­ni­sierte (z. B. neue Gesetze vom Februar 1958 zur direk­ten Unter­stel­lung der Staat­li­chen Plan­kom­mis­sion unter den Minis­ter­rat und zur Wieder­ein­füh­rung der Zwischen­ver­wal­tung der VEB).102 Mit diesen Maßnah­men soll­ten die demo­kra­tisch-zentra­lis­ti­schen Prin­zi­pien gestärkt werden, indem eine brei­tere Betei­li­gung geför­dert, büro­kra­ti­sche Hürden besei­tigt und die Planungs­hier­ar­chie weiter­ent­wi­ckelt wurde. Im Okto­ber 1957 kündigte die Partei außer­dem eine elas­ti­schere Poli­tik auf dem Lande an, um mehr Land­wirte davon zu über­zeu­gen, sich Genos­sen­schaf­ten (LPGs) anzu­schlie­ßen.103 Nach dem 5. Partei­tag der SED im Juli 1958, der sich zum Ziel setzte, „die Über­gangs­pe­ri­ode vom Kapi­ta­lis­mus zum Sozia­lis­mus im Wesent­li­chen abzu­schlie­ßen“, wurde der „Sozia­lis­ti­sche Früh­ling“ (1958–1960) ausge­ru­fen, um die Umstruk­tu­rie­rung der Land­wirt­schaft in LPGs abzuschließen.

Eine wich­tige wirt­schafts­po­li­ti­sche Neue­rung in der zwei­ten Hälfte der 1950er Jahre war die Schaf­fung der Rechts­form „Betriebe staat­li­cher Betei­li­gung“ (BSB). Anfang 1956 gab es in der DDR noch rund 13.000 private Unter­neh­men, die ein Vier­tel aller Arbei­ter beschäf­tig­ten. Anstatt diese Unter­neh­men pauschal zu verstaat­li­chen und die Besit­zer zu enteig­nen, entwi­ckelte die SED gemein­sam mit der CDU neue Metho­den, um sie in das Planungs­sys­tem einzu­bin­den und das Klein­bür­ger­tum schritt­weise für den Sozia­lis­mus zu gewin­nen. Durch Vermö­gens­an­la­gen erwarb der Staat Eigen­tums­an­teile an rund der Hälfte dieser priva­ten Unter­neh­men und konnte somit Einfluss auf die Betriebs­füh­rung nehmen und wurde gleich­zei­tig am Gewinn betei­ligt. Die Unter­neh­mer konn­ten Mitei­gen­tü­mer blei­ben und ihre Rolle als Direk­to­ren beibe­hal­ten, wurden aber in ihrer Auto­no­mie einge­schränkt. Die SED bezeich­nete diese Poli­tik als „krea­tive Anwen­dung des Staats­ka­pi­ta­lis­mus“ entspre­chend den natio­na­len Gege­ben­hei­ten in der DDR.104 In diesem Zusam­men­hang wurde der Staats­ka­pi­ta­lis­mus als „eine Wirt­schafts­form der Über­gangs­pe­ri­ode ­– ein Kapi­ta­lis­mus, der vom sozia­lis­ti­schen Staat mit dem Ziel zuge­las­sen ist, ihn für den Aufbau des Sozia­lis­mus auszu­nut­zen“ verstan­den. Diese Poli­tik erwei­terte zwar den Umfang des Planungs­sys­tems, zielte aber nicht darauf ab, das Privat­ka­pi­tal völlig zu besei­ti­gen. Im Jahr 1960 hatten die BSB einen Anteil von 7,5 Prozent an der Indus­trie­pro­duk­tion, während der Anteil der Privat­un­ter­neh­men immer noch 3,8 Prozent betrug.105 Unmit­tel­bar vor der voll­stän­di­gen Verstaat­li­chung im Jahr 1972 waren noch mehr als 5.000 private Unter­neh­men tätig, die etwas mehr als 14 Prozent der Indus­trie­ar­bei­ter beschäf­tig­ten.106

Der 1950 mit 18 Ange­stell­ten als priva­tes Unter­neh­men geschaf­fe­nen Betrieb für Kunst­stoff-Verar­bei­tung “Plas­to­lit” in Dres­den, stellte als erster Betrieb in der DDR Kinder­spiel­bälle aus Plaste für den Inland­be­darf her. 1960 nahm der Betrieb die staat­li­che Betei­li­gung auf und führte erst­ma­lig in der DDR das Hoch­fre­quenz­schwei­ßen von Kunst­stof­fen auf PVC-Foli­en­ba­sis ein. Als BSB arbei­tete “Plas­to­lit” dann mit 200 Beschäf­tig­ten vorwie­gend für den Export. Hier sitzt der Grün­der Horst Meyer mit leiten­den Mitar­bei­tern des Betrie­bes, 1966. (Bundes­ar­chiv, Bild 183-E1006-0301–003)
Abbil­dung 6 107

Der 5. Partei­tag der SED im Jahr 1958 legte ein umfas­sen­des gesell­schaft­li­ches Konzept für den Abschluss der Über­gangs­pe­ri­ode vor: Der Sozia­lis­mus wurde nicht auf die Schaf­fung forma­ler Eigen­tums­ver­hält­nisse redu­ziert, sondern als Aufbau einer völlig neuen Kultur, eines neuen Bewusst­seins und höhe­rer Formen der Demo­kra­tie verstan­den. In diesem Sinne führte die Partei neue poli­ti­sche Initia­ti­ven ein, wie die „Briga­den der sozia­lis­ti­schen Arbeit“, die „Bewe­gung schrei­ben­der Arbei­ter“, die „Zehn Gebote der sozia­lis­ti­schen Moral und Ethik“ und das zehn­jäh­rige poly­tech­ni­sche Ober­schul­sys­tem. In den VEB wurde auch ein neues Organ einge­führt: die Stän­di­gen Produk­ti­ons­be­ra­tun­gen, die als Ausschuss von Arbei­tern, die von ihren Kolle­gen gewählt wurden, fungier­ten, um Probleme im Betrieb zu disku­tie­ren und mit dem Direk­tor zusam­men­zu­ar­bei­ten, um die Planung auf Betriebs­ebene zu verbessern.

Auch die ande­ren poli­ti­schen Parteien betei­lig­ten sich aktiv an diesem Prozess. Der III. Kongress der Natio­na­len Front rief im Septem­ber 1958 die Parole „Plane mit – arbeite mit – regiere mit!“ aus.108 Die CDU sorgte für spezi­elle wirt­schaft­li­che Ausbil­dungs­pro­gramme für die Direk­to­ren der neuen BSB, die LDPD erstellte Pläne, um länd­li­che Klein­be­triebe (z.B. Schmie­den) in die LPGs einzu­bin­den, und die NDPD spielte eine wich­tige Rolle bei der Ermu­ti­gung städ­ti­scher Klein­be­triebe, sich Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten des Hand­werks anzu­schlie­ßen, deren Zahl von 300 (1957) auf 4.000 (1960) anstieg.109 Das Gesetz­buch der Arbeit wurde eben­falls über­ar­bei­tet, um zusätz­li­che Rechte und Pflich­ten aufzu­neh­men, die der neuen Entwick­lungs­stufe der Gesell­schaft Rech­nung trugen. Lokale Komi­tees von Arbei­tern und Massen­or­ga­ni­sa­tio­nen reich­ten mehr als 23.000 Ände­rungs­vor­schläge zum Gesetz ein, bevor es 1960 verab­schie­det wurde.110 Millio­nen von DDR-Bürgern betei­lig­ten sich auf diese Weise aktiv an den Bemü­hun­gen, die Über­gangs­pe­ri­ode abzu­schlie­ßen und neue Formen der sozia­lis­ti­schen Kultur aufzu­bauen, wodurch das Ende der 1950er Jahre zu einem der Höhe­punkte der demo­kra­ti­schen Entwick­lung in der DDR wurde.111

Eine Brigade im Berli­ner VEB Elek­tro­ke­ra­mik disku­tiert Probleme im Betrieb und der Gesell­schaft, Mai 1960. (Bundes­ar­chiv, Bild 183–72833-0001 / Brügg­mann, Eva)

Eine der letz­ten großen Verän­de­run­gen des Planungs­sys­tems während der Über­gangs­pe­ri­ode war die Einfüh­rung einer neuen Kenn­zif­fer: die „Waren­pro­duk­tion“.112 Nach­dem Planungs­spe­zia­lis­ten immer wieder die einsei­tige Ausrich­tung des Systems auf den quan­ti­ta­ti­ven Output kriti­siert hatten (was Ende der 1950er Jahre als „Tonnen­ideo­lo­gie“ bezeich­net wurde), entwi­ckelte die SED 1961 die Kenn­zif­fer „Waren­pro­duk­tion“, die sich nicht an der Menge der produ­zier­ten Güter, sondern an den mone­tä­ren Einnah­men orien­tierte, die ein VEB beim Verkauf seiner „Waren“ zu Fest­prei­sen erzielte. Durch die Beto­nung mone­tä­rer Umsatz­ziele sollte das Planungs­sys­tem nun die VEB für eine bessere Einhal­tung der Quali­täts- und Sorti­ments­ziele beloh­nen. Ähnli­che Ände­run­gen wurden zu dieser Zeit in der ČSSR, Ungarn und Polen vorge­nom­men. Die DDR fügte außer­dem weitere Indi­ka­to­ren hinzu, die als „tech­nisch-wissen­schaft­li­che Kenn­zif­fern“ bezeich­net wurden. Sie ziel­ten darauf ab, den Anteil der Zwischen­pro­dukte, die in Endpro­dukte einge­hen, zu messen und besser zu koor­di­nie­ren. Der Grund für diese Ände­run­gen war wiederum der Über­gang der DDR von der exten­si­ven zur inten­si­ven Produk­tion und die damit verbun­dene Zunahme der Arbeitsteilung.

Das von der SED verfolgte Ziel, die Akku­mu­la­ti­ons­rate lang­fris­tig zu erhö­hen, wurde in diesen letz­ten Jahren der Über­gangs­zeit endlich erreicht. Im Jahr 1950 konnte die DDR nur 12,6 Prozent ihres Natio­nal­ein­kom­mens für Brut­to­in­ves­ti­tio­nen zurück­le­gen, der Rest floss in den Konsum. Dies war die nied­rigste Akku­mu­la­ti­ons­rate aller Volks­de­mo­kra­tien in Osteu­ropa zu dieser Zeit. In den turbu­len­ten Zeiten des „Neuen Kurses“ war die Inves­ti­ti­ons­quote auf nur 13,1 Prozent gestie­gen.113 Mit der 1957 einge­lei­te­ten neuen Offen­sive stieg die Akku­mu­la­ti­ons­rate schließ­lich schnel­ler an, erreichte 1958 19,2 Prozent und blieb danach für den Rest der DDR-Geschichte über 20 Prozent. In dieser letz­ten Phase des Über­gangs waren die Wachs­tums­ra­ten auch beein­dru­ckend: Das Natio­nal­ein­kom­men wuchs zwischen 1957 und 1960 mit jähr­li­chen Raten von 7 bis 9 Prozent.105 Ein wich­ti­ger Faktor, der zu diesen Erfol­gen beitrug, war die zuneh­mende wirt­schaft­li­che Inte­gra­tion im RGW. Zum ersten Mal wurden die im zwei­ten Fünf­jah­res­plan fest­ge­leg­ten Indi­ka­to­ren für die indus­tri­elle Entwick­lung mit den Wirt­schafts­plä­nen der ande­ren RGW-Staa­ten koor­di­niert.114 Die RGW-Tagung im Mai 1958 konzen­trierte sich insbe­son­dere auf die Förde­rung einer inter­na­tio­na­len Arbeits­tei­lung in der Maschi­nen­pro­duk­tion.115 Freier Austausch von Kredi­ten, Wissen und Tech­no­lo­gie hat die Mobi­li­sie­rung der verfüg­ba­ren Ressour­cen erheb­lich verbessert.

Juni 1960: „Greif zur Feder, Kumpel!“ — Unter diesem Motto ermu­tigte die SED die Arbei­ter, sich dem Schrei­ben zu widmen und ihren Arbeits­all­tag lite­ra­risch darzu­stel­len. Schrift­stel­ler und Künst­ler wurden eben­falls dazu ange­regt, unter den Arbei­tern zu leben und Kunst zu schaf­fen, die die neuen Bezie­hun­gen und Wider­sprü­che in der sozia­lis­ti­schen Gesell­schaft wider­spie­gel­ten. Hier spricht der Autor Hasso Grab­ner mit Arbei­tern der Brigade „Geschwis­ter Scholl“. (Bundes­ar­chiv, Bild 183–73766-0081 / Gahl­beck, Friedrich)

Der letzte Vorstoß zur Voll­endung der Über­gangs­pe­ri­ode war zwar von bedeu­ten­den Fort­schrit­ten geprägt, doch die SED-Führung konnte einige ihrer Verspre­chen nicht erfül­len. Auf dem 5. Partei­tag im Juli 1958 erklärte Ulbricht, dass die „ökono­mi­sche Haupt­auf­gabe“ darin bestehe, „die Volks­wirt­schaft inner­halb weni­ger Jahre so zu entwi­ckeln, […] dass der Pro-Kopf-Verbrauch der werk­tä­ti­gen Bevöl­ke­rung an allen wich­ti­gen Lebens­mit­teln und Konsum­gü­tern höher liegt als der Pro-Kopf-Verbrauch in West­deutsch­land“.116 Als im Septem­ber 1959 ein neuer Sieben­jah­res­plan (1959–1965) in Kraft trat, versprach Ulbricht sogar, dass dieses Ziel bis Ende 1961 erreicht werden würde. Die bereits für 1959 und 1960 ehrgei­zi­gen Pläne wurden dementspre­chend noch weiter erhöht. Diese Ziel­stel­lung wurde der DDR weit­ge­hend durch den Druck des Kalten Krie­ges aufge­zwun­gen. Die Abwan­de­rung von Bürgern im erwerbs­fä­hi­gen Alter in den Westen, die 1956 und 1957 bis zu 270.000 betrug, ging nach den Verspre­chun­gen der SED auf 152.000 (1958) und 99.000 (1959) zurück.117 Gleich­zei­tig stand die SED offen­sicht­lich unter dem Einfluss der groß­spu­ri­gen Verlaut­ba­run­gen der KPdSU über den rasch wach­sen­den sowje­ti­schen Konsum Ende der 1950er Jahre. Doch indem sie kapi­ta­lis­ti­sche Konsum­stan­dards als Orien­tie­rungs­punkt für ihre „ökono­mi­sche Haupt­auf­gabe“ über­nahm, begann die SED einem Phan­tom nach­zu­ja­gen, das sie nicht einho­len konnte – und auch nicht einho­len sollte. Wie der marxis­ti­sche Philo­soph Hans Heinz Holz 1995 fest­stellte, umfasst der Sozia­lis­mus nicht nur Wirt­schafts­wachs­tum, sondern auch eine souve­räne Gesell­schafts­auf­fas­sung und ein quali­ta­tiv neues Bewusst­seins- und Kulturniveau:

„Es war ein Grund­feh­ler der Entwick­lungs­kon­zep­tion des XX. Partei­tags der KPdSU, es als ökono­mi­sches und gesell­schaft­li­ches Ziel zu prokla­mie­ren, dass man — in welcher Zeit auch immer — den Lebens­stan­dard der USA einho­len wolle. Diese Ziel­set­zung bedeu­tete die Unter­wer­fung unter den Mecha­nis­mus einer sich stän­dig stei­gern­den Waren­pro­duk­tion und damit die Preis­gabe kommu­nis­ti­scher Werte an eine klein­bür­ger­li­che Ideo­lo­gie des verding­lich­ten Konsums. Das Programm einer kommu­nis­ti­schen Gesell­schaft schließt die Aufhe­bung der Entfrem­dung des Menschen an den Waren­fe­ti­schis­mus und die Entfal­tung von Werten mensch­li­cher Selbst­ver­wirk­li­chung ein — einer Selbst­ver­wirk­li­chung, die sich in Lebens­kul­tur und nicht allein in Konsum­stan­dards ausdrückt.

 

Gerade der tech­ni­sche Fort­schritt, der die Menschen immer mehr von bedrü­cken­der Arbeit entlas­tet und ihnen immer mehr Zeit frei­gibt, die nicht für die unmit­tel­bare Repro­duk­tion ihres Lebens gebraucht wird, ermög­licht die Erwei­te­rung mensch­li­cher Fähig­kei­ten und Tätig­kei­ten, die Diffe­ren­zie­rung mensch­li­cher Inter­es­sen und die Ausbil­dung neuer Lebens­in­halte. Der Über­gang zu einer neuen Mensch­heits­kul­tur mit allsei­tig gebil­de­ten Menschen ist die Chance einer Epoche, in der die Produk­tiv­kräfte ein Niveau erreicht haben, das die Befrie­di­gung der mate­ri­el­len Bedürf­nisse der gesam­ten Mensch­heit garan­tie­ren könnte.”118

Nach der Über­nahme dieser Ziel­stel­lung wurden die tatsäch­li­chen Verbes­se­run­gen der Lebens­be­din­gun­gen in der DDR nicht unbe­dingt als solche gefei­ert, sondern als „noch nicht gut genug“ empfun­den. Dies zeigte sich darin, dass das Einkom­men der Arbei­ter und Ange­stell­ten zwischen 1957 und 1959 im Durch­schnitt um 15 Prozent stieg119, die Abwan­de­rung in den Westen aber wieder stark zunahm nach­dem die ehrgei­zi­gen Pläne der SED nicht erreicht werden konnten.

Vor dem Hinter­grund einer akuten Kriegs­ge­fahr wurde schließ­lich im August 1961 die Grenze in Berlin geschlos­sen.120 Die SED sah darin eine Voraus­set­zung für die Fort­set­zung des sozia­lis­ti­schen Aufbaus „ohne die wirt­schaft­li­che und poli­ti­sche Einmi­schung des Impe­ria­lis­mus“. Mit dem Abschluss der LPG-Bewe­gung auf dem Lande wurde 1963 der „Sieg der sozia­lis­ti­schen Produk­ti­ons­ver­hält­nisse“ verkün­det.121 Im selben Jahr star­tete die SED das NÖSPL als eine umfas­sende Reform des Planungssystems.

7. Überlegungen zur Ökonomie des sozialistischen Aufbaus in der DDR

Die 1950er Jahre waren das entschei­dendste Jahr­zehnt für die sozia­lis­ti­sche Staa­ten in Osteu­ropa. Im Kampf gegen die west­li­che Subver­sion und die jugo­sla­wi­schen Vorstel­lun­gen vom „selbst­ver­wal­te­ten Sozia­lis­mus“ errich­te­ten die SED und einige ihrer Schwes­ter­par­teien eine grund­lie­gende Archi­tek­tur sowohl für ihre prak­ti­sche Wirt­schafts­po­li­tik als auch für den Bereich der poli­ti­schen Ökono­mie. Diese Parteien stan­den vor der Heraus­for­de­rung, in der Wirt­schafts­po­li­tik Neuland zu betre­ten und sich gleich­zei­tig gegen die Aggres­sio­nen des Westens zu vertei­di­gen. Die hefti­gen poli­ti­schen Krisen im Juni 1953 und im Herbst 1956 mach­ten die Folgen von Fehl­trit­ten deut­lich. Bei einem Vorha­ben, das notwen­di­ger­weise Expe­ri­men­tie­ren erfor­derte, gab es in Wirk­lich­keit wenig Spiel­raum für Fehler. 

Das gewal­tige Kombi­nat Schwarze Pumpe war das größte Inves­ti­ti­ons­ob­jekt des zwei­ten Fünf­jah­res­plans und ein zentra­ler Bestand­teil der Ener­gie­sou­ve­rä­ni­tät der DDR. Das Kombi­nat diente der Verwer­tung und Verede­lung von Braun­kohle, dem einzi­gen einhei­mi­schen Ener­gie­trä­ger, der in Ostdeutsch­land verfüg­bar war. Hier schauen Bauar­bei­ter zu, wie 1959 die ersten Briketts herge­stellt werden. (Bundes­ar­chiv, Bild 183–63853-0002)

Die fest­ge­legte Wirt­schafts­ar­chi­tek­tur bestand aus drei Haupt­pfei­lern: 1) eine demo­kra­tisch-zentra­lis­ti­sche Planungs­hier­ar­chie unter der Leitung der Staat­li­chen Plan­kom­mis­sion, 2) das System von Plan­fest­prei­sen, mit dem Arbeits­zeit mone­tär ausge­drückt werden sollte sowie 3) die wirt­schaft­li­che Rech­nungs­füh­rung und die Eigen­erwirt­schaf­tung der Mittel auf Betriebs­ebene. Rück­bli­ckend gese­hen ist es bemer­kens­wert, dass der Aufbau des Sozia­lis­mus in Osteu­ropa zu einer Zeit begann, als es einen deut­li­chen Mangel an theo­re­ti­scher Klar­heit in der poli­ti­schen Ökono­mie des Sozia­lis­mus gab. Vor dem Zwei­ten Welt­krieg rangen sowje­ti­sche Ökono­men noch mit den raschen wirt­schaft­li­chen Verän­de­run­gen, die durch die „Große Wende“ (1928/29) ausge­löst worden waren. Sie hatten begon­nen, sich mit der Rele­vanz von Wert­ka­te­go­rien und der Funk­tion des Geldes im Sozia­lis­mus ausein­an­der­zu­set­zen, aber solche Debat­ten wurden schnell von der faschis­ti­schen Bedro­hung über­schat­tet. Nach Kriegs­ende wurden diese Fragen mit neuer Dring­lich­keit wieder aufgegriffen.

Im Bünd­nis mit der KPdSU und im Antago­nis­mus zur KP Jugo­sla­wi­ens stütz­ten sich die führen­den Parteien in Osteu­ropa beim Aufbau ihrer eige­nen Systeme zwangs­läu­fig stark auf die Erfah­run­gen und das Planungs­sys­tem der UdSSR. Zwar war es logisch, dass bestimmte allge­meine Merk­male in allen sozia­lis­ti­schen Plan­wirt­schaf­ten gleich waren (z. B. ein Fest­preis­sys­tem), doch war es auch notwen­dig, die natio­na­len Bedin­gun­gen zu berück­sich­ti­gen und die Planungs­me­tho­den und Entwick­lungs­stra­te­gien in jedem Staat entspre­chend anzu­pas­sen. In diesem Zusam­men­hang wirft die Über­nahme des sowje­ti­schen Systems des Chos­rast­schot durch die DDR viele Fragen auf. In der DDR-Lite­ra­tur und in den SED-Direk­ti­ven von 1951/1952 wurde kaum hinter­fragt, wie und warum dieses System in der UdSSR entwi­ckelt worden war und ob es für die DDR sinn­voll und ange­mes­sen war.

Chos­rast­schot entstand aus der 1921 einge­führ­ten Neuen Ökono­mi­schen Poli­tik (NÖP) der Bolsche­wiki. Es diente den Volks­kom­mis­sa­ria­ten (sowje­ti­schen Minis­te­rien) als Leit­li­nie für die Verwal­tung ihrer staats­ei­ge­nen Betriebe in einem staats­ka­pi­ta­lis­ti­schen System. Die Betriebe wurden in „juris­tisch unab­hän­gige Perso­nen“ umge­wan­delt, die sich (teil­weise) selbst finan­zie­ren soll­ten. Im Zuge der „Großen Wende“ behielt die KPdSU das Chos­rast­schot-System bei und passte es an die Erfor­der­nisse des ersten Fünf­jah­res­plans an. Die Partei bezeich­nete dieses Systems als die „Dezen­tra­li­sie­rung der opera­ti­ven Funk­tio­nen bei gleich­zei­ti­ger Zentra­li­sie­rung der Planung und Leitung in Grund­fra­gen“.122 Die Idee von „Kontrolle durch die Mark“ sollte sowohl die wirt­schaft­li­che Kalku­la­tion als auch die Effi­zi­enz­stei­ge­rung auf Betriebs­ebene ermög­li­chen. Kriti­ker von Chos­rast­schot – z.B. Che Guevara – bezeich­ne­ten dieses Manage­ment­sys­tem als „Sozia­lis­mus mit kapi­ta­lis­ti­schen Elemen­ten“ oder als „Hybrid von Planung und Markt“, weil es sich bei der Planung auf kapi­ta­lis­ti­sche Kate­go­rien wie Gewinn, Kredit und Wert stützte.123 Dieser Vorwurf ist jedoch irre­füh­rend, denn Märkte setzen voraus, dass Privat­ei­gen­tü­mer Waren austau­schen und Chos­rast­schot hat die Eigen­tums­ver­hält­nisse (an sich) nicht verän­dert. Tatsäch­lich setz­ten die sozia­lis­ti­schen Staa­ten die Grund­sätze der soge­nann­ten wirt­schaft­li­chen Rech­nungs­füh­rung ein und mach­ten gleich­zei­tig rasche Fort­schritte bei der weite­ren Sozia­li­sie­rung der Produk­ti­ons­mit­tel. Chos­rast­schot verkör­perte keine Markt­re­form, sondern versuchte ledig­lich, kommer­zi­elle Akti­vi­tä­ten zwischen staat­li­chen Betrie­ben zu simu­lie­ren. Daher die These der „Waren­hüllen­theo­re­ti­ker“, dass die in den VEB herge­stell­ten Güter „nur der Form nach, nicht aber ihrem Wesen nach“ Waren sind.

Dennoch stif­tete die KPdSU zwei­fel­los große Verwir­rung, indem sie kapi­ta­lis­ti­sche Kate­go­rien auf die sozia­lis­ti­sche Planung über­trug. Kredit, Geld, Finan­zen, Profit – Ökono­men grif­fen diese Kate­go­rien auf, quali­fi­zier­ten sie aber als „grund­le­gend anders“ als ihre Gegen­stü­cke im Kapi­ta­lis­mus. Das Wert­ge­setz funk­tio­niere in „modi­fi­zier­ter Form“ und die Waren­pro­duk­tion sei von „beson­de­rer Art“. Wenn jedoch, wie Lemm­nitz behaup­tete, das Wert­ge­setz im Sozia­lis­mus Ausdruck der geplan­ten gesell­schaft­li­chen Arbeit war und nicht mehr den Wider­spruch zwischen priva­ter und gesell­schaft­li­cher Arbeit enthielt, handelte es sich dann nicht um ein völlig ande­res Gesetz?  Und wenn die Produkte der volks­ei­ge­nen Indus­trien nur die „Hülle von Waren“ hatten, warum dann über­haupt die Kate­go­rie „Waren­pro­duk­tion“ verwen­den? Einige Ökono­men, wie z.B. Hans Wemmer, haben dies damals offen in Frage gestellt: „Warum nennen wir es aber weiter Waren­be­zie­hun­gen bzw. warum macht es so große Schwie­rig­kei­ten, für diese effek­tiv neuen Bezie­hun­gen einen neuen Begriff einzu­füh­ren?“.124 Laut Wemmer wurden in den sozia­lis­ti­schen Ländern nur „ganz selten völlig neue Begriffe“ entwi­ckelt, weil Wissen­schaft­ler mit der Begriffs­bil­dung „konser­va­tiv“ waren.

Zusam­men­ge­nom­men haben dieser theo­re­ti­sche „Konser­va­tis­mus“ und die Simu­la­tion von Markt­me­cha­nis­men durch Chos­rast­schot fast zwangs­läu­fig zu großen Miss­ver­ständ­nis­sen geführt, wie beispiels­weise Kohl­meys Behaup­tung, dass „auch Sozia­lis­mus Markt­wirt­schaft ist“. Ohne das analy­ti­sche Instru­men­ta­rium, um die „neuen Bezie­hun­gen“ in der Plan­wirt­schaft zu erfas­sen, war es unver­meid­lich, dass Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler gegen­sätz­li­che Inter­pre­ta­tio­nen von der „Ausnut­zung des Wert­ge­set­zes“ vorbrach­ten (vgl. Lemm­nitz’ Forde­rung nach genaue­ren Fest­prei­sen und Behrens’ Forde­rung nach verstärk­ten kommer­zi­el­len Bezie­hun­gen zwischen Betrie­ben). 1957, inmit­ten der großen Debatte, war die theo­re­ti­sche Verwir­rung um die Verwen­dung kapi­ta­lis­ti­scher Kate­go­rien so groß, dass einige Planungs­spe­zia­lis­ten einfach abschalteten:

„Die Prak­ti­ker sind durch diese ganze Diskus­sion, die ja auf Fragen des Geldes, des Kredits, der Staats­ein­nah­men usw. ausstrahlt, nur verwirrt worden. Dieje­ni­gen, die sich nicht verwir­ren lassen woll­ten, haben sich aus der Diskus­sion heraus­ge­hal­ten und nach wirt­schafts­po­li­ti­schen Zweck­mä­ßig­keits­ge­sichts­punk­ten entschie­den.“125

Dieser Frust war zwar nach­voll­zieh­bar, doch der Rück­zug der „Prak­ti­ker“ auf Entschei­dun­gen „nach wirt­schafts­po­li­ti­schen Zweck­mä­ßig­keits­ge­sichts­punk­ten“ stellte zwei­fel­los eine theo­re­ti­sche Kapi­tu­la­tion dar. Anstatt poli­ti­sche Maßnah­men auf der Grund­lage wissen­schaft­lich fundier­ter Analy­sen zu entwi­ckeln, wurde die Theo­rie eher ange­passt, um die bereits umge­setz­ten Maßnah­men zu recht­fer­ti­gen. Das Ergeb­nis zeigt sich in dem nebu­lö­sen Postu­lat der „Plan­wirt­schaft sozia­lis­ti­scher Waren­pro­du­zen­ten“, das ab 1958 zur Recht­fer­ti­gung der erwei­ter­ten betrieb­li­chen Auto­no­mie heran­ge­zo­gen wurde.126 In den sowje­ti­schen Lehr­bü­chern wurde behaup­tet, dass die Waren­pro­duk­tion der volks­ei­ge­nen Indus­trie imma­nent sei und die vom Kapi­ta­lis­mus über­nom­me­nen Kate­go­rien mit dem Fort­schrei­ten des Sozia­lis­mus auf höhere Stufen erwei­tert und weiter­ent­wi­ckelt werden müss­ten. Was dies in der Praxis für eine zentral geplante Wirt­schaft ohne Märkte, ohne freie Preis­bil­dung und ohne große Privat­be­triebe bedeu­tete, wurde nie umfas­send darge­legt. So kam es über die Zeit zu einer Inkon­gru­enz zwischen ökono­mi­scher Theo­rie und wirt­schaft­li­cher Praxis. Die Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler konn­ten die „neuen Bezie­hun­gen“, die das Planungs­sys­tem bereits geschaf­fen hatte, nicht hinrei­chend erfassen.

Diese theo­re­ti­sche Desori­en­tie­rung bildete die Grund­lage für die wider­sprüch­li­chen NÖSPL-Refor­men der 1960er Jahren. Die vorherr­schen­den histo­ri­schen Darstel­lun­gen dieser Refor­men haben den Zusam­men­hang mit Chos­rast­schot nicht ausrei­chend unter­sucht. Das NÖSPL wurde letzt­end­lich nach der Logik von Chos­rast­schot aufge­baut: Nach­ah­mung des Mark­tes, ohne die Eigen­tums­ver­hält­nisse anzu­tas­ten.127 Das ausdrück­li­che Ziel der SED mit dem NÖSPL war es, den „ökono­mi­schen Inhalt“ der wirt­schaft­li­chen Rech­nungs­füh­rung rich­tig zur Geltung kommen zu lassen (d.h. Selbst­stän­dig­keit der Betriebe, Eigen­erwirt­schaf­tung der Mittel und mate­ri­elle Anreiz­sys­teme).128 Dies war die glei­che Forde­rung wie die von Kohl­mey und Behrens im Jahr 1956, wenn auch mit ande­ren Lösungs­an­sät­zen. Heute werden von NÖSPL-Befür­wor­ter oft Paral­le­len zur Stra­te­gie Chinas nach 1978 gezo­gen, dabei wird jedoch das charak­te­ris­ti­sche Merk­mal der chine­si­schen „Reform und Öffnung“ vernach­läs­sigt: Die KP Chinas verän­derte tatsäch­lich die Eigen­tums­ver­hält­nisse und wurde zum Archi­tek­ten eines echten natio­na­len Mark­tes. Außer­dem orien­tierte sich die KPCh neu an der These, dass sie sich in einem frühen „Anfangs­sta­dium des Sozia­lis­mus“ befand. In der DDR gab es keine derar­ti­gen Verän­de­run­gen. Das Land behielt während seines 40-jähri­gen Bestehens eine zentrale Plan­wirt­schaft mit sozia­li­sier­ten Eigen­tums­ver­hält­nis­sen bei. Das NÖSPL änderte die Eigen­tums­ver­hält­nisse nicht und schuf nicht die Voraus­set­zun­gen für die Entste­hung eines Mark­tes. Die Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten – noch im „theo­re­ti­schen Konser­va­tis­mus“ verhaf­tet – hiel­ten an der abstru­sen Vorstel­lung fest, das Wert­ge­setz müsse auf dem Weg zu höhe­ren Stufen des Sozia­lis­mus weiter­ent­wi­ckelt werden. Die Inkon­gru­enz zwischen Praxis und Theo­rie wurde also durch die NÖSPL-Refor­men nur noch vertieft.

Auch wenn in diesem Arti­kel der Schwer­punkt auf Probleme und Strei­tig­kei­ten gesetzt wurde, wäre es falsch, deren Auswir­kun­gen auf die DDR-Gesell­schaft zu über­trei­ben. Trotz dieser unge­lös­ten Fragen in der poli­ti­schen Ökono­mie konnte die DDR im Laufe von nur vier Jahr­zehn­ten ein bemer­kens­wer­tes Wirt­schafts­wachs­tum und eine bemer­kens­werte Entwick­lung erzie­len. Bis Ende der 1980er Jahre hat das Land seine Indus­trie­pro­duk­tion mehr als verzwölf­facht und sein Brut­to­in­lands­pro­dukt verfünf­facht, so dass es zu den dama­li­gen fünf­zehn führen­den Indus­trie­staa­ten der Welt gehörte. Trotz schwie­ri­ger Ausgangs­be­din­gun­gen, Sabo­tage und Repa­ra­ti­ons­ver­pflich­tun­gen nach dem Krieg gelang es dem Planungs­sys­tem, eine schritt­weise Verbes­se­rung des Lebens­stan­dards und beispiel­lose soziale Rechte zu errei­chen – nicht nur für Arbei­ter, sondern auch für Bauern, die bis dahin keinen bezahl­ten Urlaub, keine kosten­lose Gesund­heits- und Kinder­be­treu­ung und keinen Zugang zu Kultur und Weiter­bil­dung kann­ten. Die Kämpfe dieses Jahr­zehnts legten den Grund­stein für eine sozia­lis­ti­sche Wirt­schaft, die bis zu ihren letz­ten Tagen ohne konjunk­tu­relle Krisen oder Rezes­sio­nen weiter­wach­sen sollte. So gab es zwar zwei­fel­los Defi­zite in der Planungs­po­li­tik, die sich nach­tei­lig auf die Gesell­schaft auswirk­ten, doch hinder­ten sie die DDR nicht daran, die Trag­fä­hig­keit der Plan­wirt­schaft unter Beweis zu stel­len. Das Planungs­sys­tem und die dahin­ter­ste­hende poli­ti­sche Ökono­mie bedurf­ten einer Über­prü­fung und Weiter­ent­wick­lung, nicht einer Verdam­mung und Abschaffung.

Weitere Lektüre

Autoren­kol­lek­tiv, Graup­ner, K. und Witten­burg, G. (Hrsg.), Geschichte der poli­ti­schen Ökono­mie des Sozia­lis­mus — Umrisse, Verlag Die Wirt­schaft Berlin, Berlin, 1986.

 

Autoren­kol­lek­tiv unter der Leitung von Lothar Baar, Wirt­schafts­ge­schichte — Ein Leit­fa­den, Verlag Die Wirt­schaft Berlin, Berlin, 1980.

 

Autoren­kol­lek­tiv unter der Leitung von Rolf Badstüb­ner, Geschichte der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik, VEB Deut­scher Verlag der Wissen­schaf­ten, Berlin, 1981.

 

Bard­mann, M., Die Preis­ty­pen­de­batte, ihre Grund­la­gen und ihr Einfluss auf die prak­ti­sche Ausge­stal­tung des Preis­sys­tems der DDR, Berlin Verlag Arno Spitz, 1986.

 

Badstüb­ner, R. und Heit­zer, H. (Hrsg.), Die DDR in der Über­gangs­pe­ri­ode, Akade­mie Verlag, Berlin, 1982.

 

Becker, S. und Dier­king, H., Die Heraus­bil­dung der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten in der Früh­phase der DDR, Verlag Wissen­schaft und Poli­tik, Köln, 1989.

 

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Dunk­hase, H., Plädoyer für Plan­wirt­schaft, Papy­Rossa Verlag, Köln, 2022.

 

Haff­ner, F., Das sowje­ti­sche Preis­sys­tem. Theo­rie und Praxis. Ände­rungs­vor­schläge und Reform­maß­nah­men. Bunker & Humblot, Berlin, 1968.

 

Kissel, P., Vom Wieder­auf­bau zum Eigen­tum in den Händen des Volkes, Inter­na­tio­nale Forschungs­stelle DDR, 2024.

 

Knauff, R., Der fonds­be­zo­gene Preis in der DDR, Phil­ipps-Univer­si­tät, Marburg, 1970.

 

Krause, G., Wirt­schafts­theo­rie in der DDR, Metro­po­lis-Verlag, Marburg, 1998.

 

Kron­rod, J.A., Das Geld in der sozia­lis­ti­schen Gesell­schaft, Akade­mie Verlag, Berlin, 1963 (ursprüng­lich 1960 auf Russisch erschienen).

 

Matho, F., Wie werden Preise gemacht? Gesell­schaft­lich notwen­di­ger Arbeits­auf­wand und Preis, Dietz Verlag Berlin, Berlin, 1967.

 

Mühl­frie­del, W. und Wieß­ner, K., Die Geschichte der Indus­trie der DDR bis 1965, Akade­mie Verlag, Berlin, 1989.

 

Nick, H., Ökono­mie­de­bat­ten in der DDR, GNN Verlag, Schkeu­ditz, 2011.

 

Proto­koll: Finanz­po­li­ti­sche Konfe­renz vom 17. bis 19. Septem­ber 1951, Deut­sche Finanz­wirt­schaft, Nr. 17/18, Berlin, 1951.

 

Roes­ler, J., Die Heraus­bil­dung der sozia­lis­ti­schen Plan­wirt­schaft in der DDR, Akade­mie Verlag, Berlin, 1978.

 

Roes­ler, J., Geschichte der DDR, Papy­Rossa Verlag, Köln, 2013.

 

Yaffe, H., Che Guevara: Die Wirt­schaft der Revo­lu­tion, Palgrave Macmil­lan, Hamp­shire, 2009.

Fußnoten

  1. Aus einem Plenum des Zentral­ko­mi­tees der Kommu­nis­ti­schen Partei der Sowjet­union im Februar 1927. Zitiert im Lehr­buch der poli­ti­schen Ökono­mie der Sowjet­union von 1954.[]
  2. Siehe z.B. Becker, S. und Dier­king, H., Die Heraus­bil­dung der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten in der Früh­phase der DDR, Verlag Wissen­schaft und Poli­tik, Köln, 1989; Krause, G., Wirt­schafts­theo­rie in der DDR, Metro­po­lis-Verlag, Marburg, 1998; Nick, H., Ökono­mie­de­bat­ten in der DDR, GNN Verlag, Schkeu­ditz, 2011.[]
  3. Doern­berg, S., Kurze Geschichte der DDR, Dietz Verlag Berlin, 1969, S. 179.[]
  4. Ulbricht, W. Der Fünf­jahr­plan und die Perspek­ti­ven der Volks­wirt­schaft – Refe­rat und Schluss­wort auf dem III. Partei­tag der SED, 1950, S. 30.[]
  5. Schultze, R., Die Ausar­bei­tung des Fünf­jahr­pla­nes der DDR 1951 bis 1955. Die Reak­tion der Werk­tä­ti­gen und der Klas­sen­geg­ner auf seine Verkün­dung, Jahr­buch für Wirt­schafts­ge­schichte, 1980, Akade­mie Verlag, Berlin, S. 37.[]
  6. Diese Parteien waren Mitglie­der des soge­nann­ten „Demo­kra­ti­schen Blocks“, einer von der SED geführ­ten Volks­front. Die Ände­rungs­an­träge der CDU empfah­len u.a. eine engere Zusam­men­ar­beit zwischen öffent­li­chen und priva­ten Betrie­ben durch den weite­ren Ausbau des Vertrags­sys­tems zwischen VEB und priva­ten Unter­neh­men, eine bessere Mate­ri­al­ver­sor­gung klei­ne­rer Betriebe, eine bessere Vertei­lung der Arbeits­kräfte und die geplante Ausbil­dung jünge­rer Fach­kräfte. Die LPDP schlug eine Senkung aller Steu­ern und die Fest­set­zung eines Höchst­sat­zes für die Einkom­mens­steuer auf der Grund­lage des geplan­ten Anstiegs des Volks­ein­kom­mens vor, was eine direkte Benach­tei­li­gung der Arbei­ter zuguns­ten der Kapi­ta­lis­ten bedeu­tet hätte. Die LDPD lehnte auch die weitere Entwick­lung der Schwer­indus­trie ab, da dies angeb­lich die Spal­tung der deut­schen Wirt­schaft vertie­fen würde. Siehe Ibid.[]
  7. Siehe: https://www.gvoon.de/gesetzblatt-gbl-ddr-1950/seite-1111–272743.html[]
  8. Roes­ler, J., Die Heraus­bil­dung der sozia­lis­ti­schen Plan­wirt­schaft in der DDR, Akade­mie Verlag, Berlin, 1978. S. 46.[]
  9. Roes­ler, Heraus­bil­dung, S. 44.[]
  10. Wie Walter Ulbricht auf dem drit­ten FDGB-Kongress fest­stellte: „Wir haben bei uns keine sozia­lis­ti­sche Ordnung, aber bei uns gibt es unter den demo­kra­ti­schen Bedin­gun­gen eine volks­ei­gene Wirt­schaft, Betriebe volks­ei­ge­nen Charak­ters, für die die glei­chen Geset­zen gelten.“ Zitiert in Proto­koll: Finanz­po­li­ti­sche Konfe­renz vom 17. bis 19. Septem­ber 1951, Deut­sche Finanz­wirt­schaft, Nr. 17/18, 1951, S. 219.[]
  11. Siehe: Autoren­kol­lek­tiv unter der Leitung von Lothar Baar, Wirt­schafts­ge­schichte — Ein Leit­fa­den, Verlag Die Wirt­schaft Berlin, Berlin, 1980, S. 204. Und: Autoren­kol­lek­tiv, Graup­ner, K. und Witten­burg, G. (Hrsg.), Geschichte der poli­ti­schen Ökono­mie des Sozia­lis­mus — Umrisse, Verlag Die Wirt­schaft Berlin, Berlin, 1986, S. 199.[]
  12. Die sepa­ra­tis­ti­sche Poli­tik und die Sank­tio­nen des Westens trafen den Osten hart, wie der Waren­ver­kehr zeigt: 1936 gingen 79 % aller Liefe­run­gen aus den deut­schen Ostge­bie­ten nach West­deutsch­land, nur 21 % gingen ins Ausland. Von den Einfuh­ren kamen sogar 86 % aus den west­li­chen Landes­tei­len und nur 14 % aus dem Ausland. Im Februar 1950 verbot die west­deut­sche Regie­rung vertrag­lich verein­barte Stahl­lie­fe­run­gen an die DDR im Rahmen des so genann­ten Inter­zo­nen­han­dels. Dieses Embargo sollte dem Wieder­auf­bau in Ostdeutsch­land einen schwe­ren Schlag verset­zen.[]
  13. Das Pots­da­mer Abkom­men sah vor, dass Deutsch­land 10 Milli­ar­den US-Dollar an Repa­ra­tio­nen an die UdSSR zahlen sollte (eine geringe Summe ange­sichts der Kriegs­schä­den von 485 Milli­ar­den Dollar). Bis 1950 hatte Deutsch­land etwa 3,67 Mrd. USD gezahlt – haupt­säch­lich aus der SOZ. Indem die UdSSR 1950 die verblei­ben­den 6,34 Milli­ar­den halbierte, verzich­tete sie auf 3,15 Milli­ar­den Dollar, die Deutsch­land schul­dete. Außer­dem verlän­gerte Moskau die Frist, damit die DDR in den nächs­ten 15 Jahren klei­nere Raten zahlen konnte. Aufzeich­nung des Gesprächs des Genos­sen I.V. Stalin mit den Führern der Sozia­lis­ti­schen Einheits­par­tei Deutsch­lands Wilhelm Pieck, Otto Grote­wohl und Walter Ulbricht 4. Mai 1950: https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/2003_4_5_bonwetsch.pdf[]
  14. Siehe Das Kapi­tal, Band 2, Teil 3.[]
  15. Baar, Wirt­schafts­ge­schichte, S. 191.[]
  16. Badstüb­ner, R. und Heit­zer, H. (Hrsg.), Die DDR in der Über­gangs­pe­ri­ode, Akade­mie Verlag, Berlin, 1982, S. 206.[]
  17. Ulbricht, W., Der Fünf­jah­res­plan.[]
  18. Mehr zur Bildung von Land­wirt­schaft­li­chen Produk­ti­ons­ge­nos­sen­schaf­ten (LPGs) siehe Studies on the DDR #3.[]
  19. Das Wert­ge­setz ist ein inhä­ren­ter Bestand­teil waren­pro­du­zie­ren­der Gesell­schaf­ten. Es ist der Mecha­nis­mus, durch den das Prin­zip des glei­chen Tausches zwischen Privat­ei­gen­tü­mern durch­ge­setzt wird. Wie Marx in Das Kapi­tal ausführ­lich darlegt, ist das in den Waren verkör­perte Quan­tum gesell­schaft­lich notwen­di­ger Arbeits­zeit (in letz­ter Konse­quenz) die Grund­lage für deren Austausch. Im Kapi­ta­lis­mus werden die Markt­preise letzt­lich durch das Wert­ge­setz bestimmt. Kurz gesagt, dieses Gesetz schreibt vor, dass das gesell­schaft­li­che Produkt auf der Grund­lage der gesell­schaft­lich notwen­di­gen Arbeits­zeit verteilt wird.[]
  20. Dies bedeu­tete, dass die DDR 92 Prozent ihres Sozi­al­pro­dukts verbrauchte. Zum Vergleich: 1950 hatte die Tsche­cho­slo­wa­kei eine Akku­mu­la­ti­ons­rate von 17 Prozent, Polen 21 Prozent und Ungarn 23 Prozent. Roes­ler, Heraus­bil­dung, S. 121–122.[]
  21. Badstüb­ner, S. 138[]
  22. Siehe: Stalin, J., Ökono­mi­sche Probleme des Sozia­lis­mus in der UdSSR, Dietz Verlag, Berlin, 1952, S. 57.[]
  23. Proto­koll: Finanz­po­li­ti­sche Konfe­renz, S. 218.[]
  24. Siehe Marx, K., Kritik des Gothaer Programms.[]
  25. Vgl. Zahn, L., Die ökono­mi­schen Grund­be­griffe der Sowjet­plan­wirt­schaft, Einheit, Jg. 3, Heft 2, 1948.[]
  26. Lemm­nitz, A., Das Geld im Sozia­lis­mus, Deut­sche Finanz­wirt­schaft, 1948, H. 10/11, S. 18. Siehe auch die Argu­men­ta­tion von Gordin, A., Preis und Preis­bil­dung in der UdSSR, Neue Welt, 1951.[]
  27. Siehe: Rau, H., Die Erfah­run­gen bei der Durch­füh­rung des Planes I. Quar­tal 1951, in: Die neuen Wirt­schafts­auf­ga­ben zur Verbes­se­rung der Lebens­lage des Volkes, Bericht an das 6. Plenum des ZK der SED, Juni 1951.[]
  28. Chos­rast­schot wurde in der DDR als wirt­schaft­li­che Rech­nungs­füh­rung über­setzt. Nach­dem die Bolsche­wiki 1921 den „Kriegs­kom­mu­nis­mus“ aufge­ge­ben hatten, führ­ten sie Chos­rast­schot ein, um die volks­ei­gene Indus­trie ökono­mi­scher zu gestal­ten. Die staat­li­chen Betriebe erhiel­ten mehr Auto­no­mie als wirt­schaft­li­che Einhei­ten und wurden vom Diktat der Kombi­nats­di­rek­to­ren (die mehrere staat­li­che Betriebe beauf­sich­tig­ten) befreit. Chos­rast­schot wurde zu Beginn des ersten Fünf­jah­res­plans der UdSSR im Jahr 1929 als Grund­lage für die Betriebs­füh­rung bekräf­tigt: Die Unter­neh­men erhiel­ten eine „ange­mes­sene“ finan­zi­elle Selbst­stän­dig­keit und juris­ti­sche Persön­lich­keit. Im Jahr 1936 wurden die sowje­ti­schen Betriebe zudem mit eige­nen „Direk­to­ren­fonds“ ausge­stat­tet, um die mate­ri­el­len Anreize für eine effi­zi­en­tere Produk­tion auf Unter­neh­mens­ebene zu erhö­hen. Siehe Bratusj, S.N., Die Entwick­lung des sowje­ti­schen staat­li­chen Betriebs zur juris­ti­schen Person in Sowjet­wis­sen­schaft, 1949 und Rau, H., Die neuen Wirt­schafts­auf­ga­ben, S. 16.[]
  29. Mühl­frie­del, W. und Wieß­ner, K., Die Geschichte der Indus­trie der DDR bis 1965, Akade­mie Verlag, Berlin, 1989, S. 194.[]
  30. Siehe Willy Rumpf in Proto­koll: Finanz­po­li­ti­sche Konfe­renz, S. 219.[]
  31. Zitiert in Becker und Dier­king, Die Heraus­bil­dung, S. 439.[]
  32. Lemm­nitz, A. Charak­ter und Rolle der Waren­pro­duk­tion und des Wert­ge­set­zes in der Wirt­schaft der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik, Einheit, Sonder­heft, Novem­ber 1952, S. 1239.[]
  33. Ebd.[]
  34. Lemm­nitz, A., Das Geld im Sozia­lis­mus, Deut­sche Finanz­wirt­schaft, Heft 10/11, 1948, S. 18. Der sowje­ti­sche Ökonom Konstan­tin Ostro­wit­ja­now – einer der Haupt­au­to­ren des sowje­ti­schen Lehr­buchs „Poli­ti­sche Ökono­mie“ von 1954 – war für die Ökono­men der DDR zu dieser Zeit einfluss­reich: „Die Berech­nung der gesell­schaft­li­chen Arbeit in Geld ist die Haupt­funk­tion des Wert­ge­set­zes in der sozia­lis­ti­schen Wirt­schaft. Die mone­täre Berech­nung bildet zusam­men mit den tech­ni­schen Normen die Grund­lage für die Bestim­mung der Selbst­kos­ten und der Renta­bi­li­tät der Produk­tion in den sozia­lis­ti­schen Staats­be­trie­ben. Der sowje­ti­sche Staat nutzt die mone­täre Buch­füh­rung als Mittel zur Kontrolle der Produk­tion durch den Vergleich von geplan­ten und tatsäch­li­chen Produk­ti­ons­kos­ten.“ Ostro­wit­ja­now, K., Die sozia­lis­ti­sche Planung und das Wert­ge­setz, in: Sowjet­wis­sen­schaf­ten, 1948, Heft 2, S. 18. Ostro­wit­ja­now sollte später einer der ersten sowje­ti­schen Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler werden, der Stalins These in Frage stellte und argu­men­tierte, dass die Produk­tion in den sozia­li­sier­ten Indus­trien in Wirk­lich­keit eine Waren­pro­duk­tion sei (siehe Abschnitt 5).[]
  35. Für mehr über die Reform der Indus­trie­preise in der DDR und der UdSSR: Mühl­frie­del und Wieß­ner, Die Geschichte, S. 203; Roes­ler, Die Heraus­bil­dung, S. 70; Gordin, A., Preis und Preis­bil­dung in der UdSSR; M. Bard­mann, Die Preis­typ­de­batte.[]
  36. Basie­rend auf Matho, F. Wie werden Preise gemacht? Gesell­schaft­lich notwen­di­ger Arbeits­auf­wand und Preis, Dietz Verlag Berlin, Berlin, 1967.[]
  37. Brar, Wirt­schafts­ge­schichte, S. 203 und Mühl­frie­del und Wieß­ner, Die Geschichte, S. 199.[]
  38. Roes­ler, Die Heraus­bil­dung, S. 71 und Mühl­frie­del und Wieß­ner, Die Geschichte, S. 197. Diese Fonds orien­tier­ten sich an den sowje­ti­schen Direk­to­ren­fonds, die 1936 einge­führt wurden. Im Laufe des ersten Fünf­jah­res­plans in der DDR wuch­sen die Direk­to­ren­fonds deut­lich an und wurden zu einem zentra­len Instru­ment, um mate­ri­elle Anreize zu schaf­fen. Im Jahr 1957 wurde dieses Prin­zip noch weiter ausge­baut, und zwei Fonds ersetz­ten nun die Direk­to­ren­fonds: die „Betriebs­prä­mi­en­fonds“ und die „Kultur- und Sozi­al­fonds“. Siehe Abschnitt 4.[]
  39. Mühl­frie­del und Wieß­ner, Die Geschichte, S. 199.[]
  40. Ulbricht, W. Der Fünf­jah­res­plan, S. 78.[]
  41. Proto­koll: Finanz­po­li­ti­sche Konfe­renz, S. 219 und Roese­ler, Die Heraus­bil­dung, S. 29. []
  42. Proto­koll: Finanz­po­li­ti­sche Konfe­renz, S. 220.[]
  43. Die USA warfen 635.000 Tonnen Bomben und 32.557 Tonnen Napalm auf Korea ab. US-Gene­ral Curtis LeMay erklärte: „Wir … haben jede Stadt in Nord­ko­rea nieder­ge­brannt … wir haben zwan­zig Prozent der Bevöl­ke­rung getö­tet“. West­li­chen Schät­zun­gen zufolge wurden zwischen 1,5 und 2,5 Millio­nen Korea­ner aus der Demo­kra­ti­schen Volks­re­pu­blik Korea (DVRK) getö­tet – 15,6 % bis 26,0 % ihrer Vorkriegs­be­völ­ke­rung. Weitere Infor­ma­tio­nen: Der 80. Jahres­tag des Sieges im Anti­fa­schis­ti­schen Welt­krieg.[]
  44. Für mehr über das System der tech­nisch begrün­de­ten Arbeits­nor­men, siehe Kissel. Zur stei­gen­den Lohn­quote siehe Roes­ler, Geschichte der DDR, S. 33.[]
  45. Es gab viele Versu­che, die Unsi­cher­hei­ten und Lücken in den poli­ti­schen Führun­gen der sozia­lis­ti­schen Länder auszu­nut­zen, insbe­son­dere nach dem Tod von Joseph Stalin im März 1953. Die hefti­gen poli­ti­schen Krisen, die unter ande­rem 1953 in der DDR, 1956 in Polen und im selben Jahr in Ungarn ausbra­chen, sind in diesem Zusam­men­hang zu verste­hen.[]
  46. Mehr zu den Ereig­nis­sen um den 17. Juni 1953: Was geschah am 17. Juni 1953 in der DDR? https://ifddr.org/17-juni-1953/[]
  47. Nach­dem Malen­kow im März 1953 sowje­ti­scher Minis­ter­prä­si­dent gewor­den war, führte er eine Poli­tik des „Neuen Kurses“ ein, um der Abtei­lung 2 in der UdSSR Vorrang zu geben. Sowohl in der DDR als auch in der UdSSR entbrannte darauf­hin eine Debatte über die marxis­ti­sche Theo­rie der erwei­ter­ten Repro­duk­tion und das Verhält­nis zwischen Akku­mu­la­tion und Konsum­tion in der sozia­lis­ti­schen Planung. Siehe Becker & Dier­king, Die Heraus­bil­dung, S. 365.[]
  48. Badstüb­ner, Die Geschichte, S. 167.[]
  49. Brar, Wirt­schafts­ge­schichte, S. 194.[]
  50. Ulbricht, W., Fragen der poli­ti­schen Ökono­mie in der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik — 21. Tagung des Zentral­ko­mi­tees der SED 12. bis 14. Novem­ber 1954.[]
  51. Roes­ler, Heraus­bil­dung, S. 80 & 250.[]
  52. Roes­ler, Die Heraus­bil­dung, S. 228.[]
  53. Die ursprüng­li­che Reform des Betriebs­prä­mi­en­fonds von 1957 hatte eine harte Grenze einge­führt: Wenn die Produk­tion nicht 100 Prozent des Ziels erreichte, wurden die Prämien dras­tisch gekürzt. Das bedeu­tete, dass ein flei­ßi­ger VEB für Umstände bestraft werden konnte, die außer­halb seiner Kontrolle lagen (z. B. Mate­ri­al­eng­pässe, die die Produk­tion vorüber­ge­hend unter­bra­chen). Das neue System von 1964 senkte die Prämien schritt­weise entspre­chend dem Ausmaß, in dem die Ziele nicht erreicht wurden. Eine Produk­tion, die nur 5 Prozent unter dem Ziel lag, wurde nicht so stark bestraft wie eine Produk­tion, die 25 Prozent unter dem Ziel lag. Siehe: Roes­ler, Die Heraus­bil­dung, S. 228.[]
  54. Badstüb­ner, Die Geschichte, S. 162/163 und Mühl­frie­del und Wieß­ner, Die Geschichte, S. 204.[]
  55. Mühl­frie­del und Wieß­ner, Die Geschichte, S. 204.[]
  56. Siehe: Rau, H., Im Maschi­nen­bau – mehr und bessere Waren herstel­len, Bericht an den 4. Partei­tag der SED, April 1954.[]
  57. Erich Apel wurde später Leiter der Staat­li­chen Plan­kom­mis­sion bei der Einfüh­rung des NÖSPL 1963. Zu dieser Arbeits­gruppe siehe Roes­ler, J., Der Beitrag der Betriebe sowje­ti­schen bzw. gemisch­ten Eigen­tums bei der Heraus­bil­dung und Festi­gung der sozia­lis­ti­schen Plan­wirt­schaft in der volks­de­mo­kra­ti­schen Revo­lu­tion, Die Große sozia­lis­ti­sche Okto­ber­re­vo­lu­tion und der revo­lu­tio­näre Welt­pro­zess, Berlin, 1978.[]
  58. Die von Rau (damals Minis­ter für Maschi­nen­bau) und Apel gelei­tete Arbeits­gruppe kam zu dem Schluss, dass das Planungs­sys­tem der SAG „grund­sätz­lich einfa­cher und elas­ti­scher“ war als das der VEB, weil sie weni­ger zentral fest­ge­legte Ziele zu erfül­len hatten. Siehe Roes­ler, Beitrag der SAG.[]
  59. Roes­ler, Die Heraus­bil­dung, S. 155.[]
  60. Ebd., S. 153.[]
  61. Ebd., S. 156.[]
  62. Ebd., S. 158.[]
  63. 25. Plenum des Zentral­ko­mi­tees der SED, Okto­ber 1955, zitiert in Lemm­nitz, Die marxis­ti­sche Lehre vom Preis und die Preis­po­li­tik der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik, Wirt­schafts­wis­sen­schaft (WiWi), 1956, S.91. Auch der SED-Poli­ti­ker Peter Hess schrieb im Dezem­ber 1954 im theo­re­ti­schen Organ der Partei, der Einheit: „Die ‘Wirt­schafts­wis­sen­schaft’ [Zeit­schrift] muss ein Forum des wissen­schaft­li­chen Meinungs­kamp­fes werden!“ (Einheit, Nr.12, 1954[]
  64. Oelß­ner, F., Zu eini­gen ökono­mi­schen Proble­men der Über­gangs­pe­ri­ode vom Kapi­ta­lis­mus zum Sozia­lis­mus, WiWi, Heft 3, 1955, S. 299.[]
  65. Brus, W., Zu eini­gen Proble­men der Einwir­kung des Wert­ge­set­zes auf die sozia­lis­ti­sche Produk­tion, WiWi, Heft 4, 1955.[]
  66. Kohl­mey, G., Einige Fragen der plan­mä­ßi­gen Ausnut­zung der Wert­for­men und des Wert­ge­set­zes in der Peri­ode des Über­gangs zum Sozia­lis­mus, WiWi, Heft 3, 1956, S. 447.[]
  67. Kohl­mey, WiWi, Heft 3, 1956, S. 455.[]
  68. Zitiert in Krause, Wirt­schafts­theo­rie, S. 127.[]
  69. Behrens, F., Zum Problem der Ausnut­zung ökono­mi­scher Gesetze in der Über­gangs­pe­ri­ode, WiWi, Heft 1, 1957, S. 139.[]
  70. Behrens, Zum Problem der Ausnut­zung, S. 138.[]
  71. Ebd. S. 140.[]
  72. Siehe: Diskus­sion über Wert­ge­setz und Preis­bil­dung im Sozia­lis­mus, Sowjet­wis­sen­schaft, Gesell­schafts­wis­sen­schaft­li­che Beiträge, Heft 8, 1957.[]
  73. Im sowje­ti­schen Lehr­buch der poli­ti­schen Ökono­mie von 1954 heißt es zu Prei­sen und Wert im Sozia­lis­mus: „Der sozia­lis­ti­sche Staat berück­sich­tigt das Wert­ge­setz bei der Planung der Preise. Der Preis ist in der sozia­lis­ti­schen Wirt­schaft der plan­mä­ßig fest­ge­setzte Geld­aus­druck des Werts der Ware. Bei der Planung der Preise für die im staat­li­chen Sektor erzeug­ten Produk­ti­ons­mit­tel wird die Wert­form nur benutzt, um die für die Produk­tion aufge­wandte gesell­schaft­li­che Arbeit in Geld zu erfas­sen. Bei der Fest­set­zung der Preise geht der Staat von den gesell­schaft­li­chen Produk­ti­ons­kos­ten aus, die in den Zwei­gen, die Waren erzeu­gen, den Wert dieser Waren darstel­len.“[]
  74. Kron­rod, J.A., Das Geld in der sozia­lis­ti­schen Gesell­schaft, Akade­mie Verlag, Berlin, 1963 (ursprüng­lich 1960 auf Russisch erschie­nen), S. 127.[]
  75. Altmann, E., Waren­pro­duk­tion und Wert in der Über­gangs­pe­ri­ode vom Kapi­ta­lis­mus zum Sozia­lis­mus, WiWi, Heft 8, 1957, S. 1203/1204: „Zwischen den staat­li­chen sozia­lis­ti­schen Betrie­ben bestehen keine Bezie­hun­gen von Waren­pro­du­zen­ten zuein­an­der; sie bilden gemein­sam den Bereich des staat­li­chen sozia­lis­ti­schen Eigen­tums mit einem einheit­li­chen Eigen­tü­mer der Produk­ti­ons­mit­tel und Produkte. Die Arbeit in den einzel­nen Betrie­ben reali­siert sich nicht erst durch den Austausch zwischen den staat­li­chen Betrie­ben als unmit­tel­bar gesamt­staat­li­che Arbeit, sondern direkt in der Produk­tion. Daran ändert auch nichts die unter­schied­li­che Produk­ti­vi­tät der Arbeit in den verschie­de­nen Betrie­ben sowie mögli­che Mängel in der Quali­tät der Arbeit oder im Sorti­ment der Produkte. Diese Erschei­nun­gen gibt es auch inner­halb eines und dessel­ben Betrie­bes; es sind Unter­schiede im konkre­ten Charak­ter der Arbeit, woraus sich aber keiner­lei Waren­be­zie­hun­gen erge­ben. In der Liefe­rung von Produk­ten des einen volks­ei­ge­nen Betrie­bes an den ande­ren, gleich, ob direkt auf der Grund­lage des Staats­pla­nes oder nur in Voll­zug einer vertrag­li­chen Verpflich­tung, reali­sie­ren sich nicht gesell­schaft­li­che Bezie­hun­gen von Waren­pro­du­zen­ten zuein­an­der, findet also kein Waren­aus­tausch statt. Hier voll­zieht sich die Vertei­lung der Produk­ti­ons­mit­tel unter die staat­li­chen Betriebe nur in der Form des Waren­aus­tauschs, ohne dem ökono­mi­schen Inhalt nach Waren­aus­tausch zu sein. Die Produk­ti­ons­mit­tel, die zwischen den staat­li­chen Betrie­ben kursie­ren, sind also in dieser Bewe­gung keine Waren.“[]
  76. Lemm­nitz, Die marxis­ti­sche Lehre vom Preis, S. 95.[]
  77. Anmer­kung: Diese Debatte fand nur wenige Monate nach dem Verkauf der staat­li­chen Maschi­nen-Trak­to­ren-Statio­nen an die genos­sen­schaft­li­chen Kolcho­sen durch die sowje­ti­sche Führung statt und stand damit in direk­tem Wider­spruch zu den Thesen Stalins in „Ökono­mi­sche Probleme des Sozia­lis­mus in der UdSSR“.[]
  78. Zitiert in Eggers, W., Die Rolle des Wert­ge­set­zes‘ im sowje­ti­schen Wirt­schafts­sys­tem, Osteu­ropa Wirt­schaft, 1960, Heft 1, S. 41.[]
  79. Zitiert in Dunk­hase, H., Plädoyer für Plan­wirt­schaft, Papy­Rossa Verlag, Köln, 2022, S. 17.[]
  80. Zitiert in Krause, Wirt­schafts­theo­rie in der DDR, S. 128.[]
  81. Behrens, Zum Problem der Ausnut­zung, S. 117/118.[]
  82. Ebd., S. 125/126.[]
  83. Benary, A., Zur Funk­tion des Wert­ge­set­zes im System der ökono­mi­schen Gesetze des Sozia­lis­mus, WiWi, Heft 1, 1957, S. 89.[]
  84. In der Belgra­der Erklä­rung heißt es, dass „die Fragen der inne­ren Ordnung, der Unter­schiede im gesell­schaft­li­chen System und der Unter­schied in den konkre­ten Entwick­lungs­for­men des Sozia­lis­mus ausschließ­lich Ange­le­gen­heit der Völker der betref­fen­den Länder sind“. Die mit der Sowjet­union verbün­de­ten kommu­nis­ti­schen Parteien hatten immer aner­kannt, dass sich der Sozia­lis­mus in jedem Land „entspre­chend den spezi­fi­schen natio­na­len Bedin­gun­gen“ entwi­ckeln würde, hatten aber behaup­tet, dass es bestimmte allge­meine Merk­male gäbe, die alle sozia­lis­ti­schen Staa­ten gemein­sam hätten. Dies war ein Eckpfei­ler des wissen­schaft­li­chen Sozia­lis­mus. Die Belgra­der Erklä­rung wich von dieser Posi­tion ab und vertrat ein plura­lis­ti­sches Verständ­nis des Sozia­lis­mus. Nach­dem die KPdSU 1956 die Auswir­kun­gen dieses poli­ti­schen Wandels gese­hen hatte, zog sie diese Posi­tion zurück und kehrte 1958 bei den Diskus­sio­nen um das neue Partei­pro­gramm in Jugo­sla­wien zu einer schar­fen Kritik an Titos Auffas­sun­gen zurück.[]
  85. Siehe J. Bombel­les, Econo­mic Deve­lo­p­ment of Commu­nist Yugo­sla­via, Hoover Insti­tu­tion Publi­ca­ti­ons, Stan­ford Univer­sity, 1968, S. 49.[]
  86. Siehe die „Geheim­rede“: https://www.marxists.org/archive/khrushchev/1956/02/24.htm[]
  87. Siehe: Neues Deutsch­land, 31. Juli 1956.[]
  88. Siehe: BArch DY 30/40698 (Deut­sches Bundes­ar­chiv), S. 86 & 90.[]
  89. Siehe: BArch DY 30/40696 (Deut­sches Bundes­ar­chiv), S. 182 & 183.[]
  90. BArch DY 30/40696 (Deut­sches Bundes­ar­chiv).[]
  91. Zitiert in Roes­ler, Die Heraus­bil­dung, S. 158.[]
  92. Kamp­fert, K., Gegen das Aufkom­men revi­sio­nis­ti­scher Auffas­sun­gen in der Wirt­schafts­wis­sen­schaft, WiWi, Sonder­heft 3, 1957, S. 13.[]
  93. Luck, H., Bemer­kun­gen zum Arti­kel von Behrens, WiWi, Sonder­heft 3, 1957, S. 103.[]
  94. Zitiert in Becker und Dier­king, Die Heraus­bil­dung, S. 456.[]
  95. Rich­ter, Wirt­schafts­wis­sen­schaft, Heft 1, 1957.[]
  96. Lemm­nitz, Die marxis­ti­sche Lehre, S. 92.[]
  97. Ebd., S. 97.[]
  98. Zitiert in Becker und Dier­king, Die Heraus­bil­dung, S. 457.[]
  99. Oelß­ner, zitiert in Becker und Dier­king, Die Heraus­bil­dung, S. 455.[]
  100. Für weitere Infor­ma­tio­nen zu dieser Debatte, siehe Dunk­hase.[]
  101. In dieser Frage gab es unter den Ökono­men der DDR und der Sowjet­union drei Strö­mun­gen: dieje­ni­gen, die den erwirt­schaf­tete Gewinn nach der einge­setz­ten leben­di­gen Arbeit vertei­len woll­ten (Der Wert­preis oder lohn­be­zo­ge­ner Preis), dieje­ni­gen, die das Rein­ein­kom­men propor­tio­nal zu den Selbst­kos­ten mit einer einheit­li­chen Rate in den Preis einbe­zie­hen woll­ten (der kosten­be­zo­gene Preis), und schließ­lich dieje­ni­gen, die einen „Gewinn­auf­schlag“ entspre­chend der Durch­schnitts­pro­fi­trate (bezo­gen auf das ange­wandte Kapi­tal) vorge­schla­gen haben (der fonds­be­zo­gene Preis). Der fonds­be­zo­gene Preis spielte eine zentrale Rolle bei den Preis­re­for­men, die 1964 und 1967 im Rahmen des NÖSPL der DDR durch­ge­führt wurden. Mehr dazu unter: Autoren­kol­lek­tiv, Geschichte der poli­ti­schen Ökono­mie – Umrisse, Verlag Die Wirt­schaft Berlin, 1986, S. 185 und Bard­mann, Die Preis­typ­de­batte.[]
  102. Badstüb­ner, Geschichte, S. 188.[]
  103. Die so genann­ten Mittel­bau­ern waren bisher zum Beitritt in LPGs des Typs 3 ermun­tert worden, die einen höhe­ren Grad der Verge­sell­schaf­tung der Produk­ti­ons­mit­tel vorschrie­ben. Nun ermu­tigte die SED die Mittel­bau­ern, in LPGs des Typs 1 einzu­tre­ten, die einen gerin­ge­ren Grad der Verge­sell­schaf­tung darstell­ten. Siehe Badstüb­ner, Geschichte, S. 192, und Studies on the DDR #3.[]
  104. Autoren­kol­lek­tiv unter der Leitung von Kalbe, E., Geschichte der sozia­lis­ti­schen Gemein­schaft, VEB Deut­scher Verlag der Wissen­schaf­ten, Berlin, 1981, S. 217.[]
  105. Roes­ler, Geschichte der DDR, S. 47.[][]
  106. Roes­ler, Geschichte der DDR, S. 71.[]
  107. Quelle: Geschichte der SED, S. 439.[]
  108. Kalbe, Geschichte, S. 226.[]
  109. Roes­ler, Geschichte der DDR, S. 46.[]
  110. Badstüb­ner, Geschichte, S. 206.[]
  111. Roes­ler, Geschichte der DDR, S. 44.[]
  112. Roes­ler, Die Heraus­bil­dung, S. 161.[]
  113. Heske, G., Volks­wirt­schaft­li­che Gesamt­rech­nung DDR 1950–1989: Daten, Metho­den, Verglei­che, 2009, https://www.ssoar.info/ssoar/handle/document/28587.[]
  114. Mühl­frie­del und Wieß­ner, S. 151.[]
  115. Autoren­kol­lek­tiv, Geschichte der SED — Abriss, Dietz Verlag, Berlin, 1978 S. 378.[]
  116. Zitiert nach Badstüb­ner, Geschichte, S. 200.[]
  117. Roes­ler, Geschichte der DDR, S. 52.[]
  118. Hans Heinz Holz, Kommu­nis­ten heute, Neue Impulse Verlag, S. 96.[]
  119. Roes­ler, 2013, S. 52.[]
  120. Wie John F. Kennedy kurz nach der Schlie­ßung der Grenze in Berlin bemerkte: „Warum sollte Chruscht­schow eine Mauer errich­ten, wenn er wirk­lich die Absicht hätte, West-Berlin zu beset­zen? […] Es gäbe keinen Grund für eine Mauer, wenn er vorhätte, die ganze Stadt zu beset­zen. Das ist sein Ausweg aus der miss­li­chen Lage. Es ist keine sehr schöne Lösung, aber eine Mauer ist viel besser als ein Krieg.“ https://www.thehistoryreader.com/world-history/president-kennedy-berlin-wall/ []
  121. Geschichte der SED, S. 420.[]
  122. Siehe den 16. Partei­tag der KPdSU im Jahr 1930.[]
  123. Siehe Helen Yaffe: Che Guevara: Die Ökono­mie der Revo­lu­tion.[]
  124. Hans Wemmer, Zu eini­gen ökono­mi­schen Kate­go­rien der Waren­pro­duk­tion, WiWi, Heft 2, 1957, S. 238.[]
  125. Hans Wemmer, WiWi, Heft 2, 1957, S. 237.[]
  126. Nach 1958 bezog sich der Begriff „sozia­lis­ti­sche Waren­pro­duk­tion“ nicht mehr auf die Behaup­tung, dass auch im Sozia­lis­mus in verschie­de­nen Wirt­schafts­zwei­gen Waren­pro­duk­tion statt­fin­den wird (dies wurde nicht bestrit­ten, da es als unver­meid­li­ches Merk­mal des Über­gangs vom Kapi­ta­lis­mus ange­se­hen wurde), sondern auf die These, dass die Produk­tion in der sozia­lis­ti­schen Indus­trie selbst eine Waren­pro­duk­tion ist und dass die Produk­ti­ons­mit­tel in den volks­ei­ge­nen Indus­trien Waren sind.[]
  127. In dem während der NÖSPL-Ära veröf­fent­lich­ten Lehr­buch der poli­ti­schen Ökono­mie heißt es, dass die „Plan­wirt­schaft sozia­lis­ti­scher Waren­pro­du­zen­ten der wirt­schaft­li­chen Rech­nungs­füh­rung der sozia­lis­ti­schen Wirt­schafts­ein­hei­ten“ entspricht. Die wirt­schaft­li­che Rech­nungs­füh­rung sei „eine objek­tive Kate­go­rie der sozia­lis­ti­schen Produk­ti­ons­weise“. Siehe: Poli­ti­sche Ökono­mie des Sozia­lis­mus und ihre Anwen­dung in der DDR, Dietz Verlag Berlin, 1969, S. 280. []
  128. Poli­ti­sche Ökono­mie des Sozia­lis­mus und ihre Anwen­dung in der DDR, Dietz Verlag Berlin, 1969, S. 191.[]